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 Abgeschlossene Fortsetzungen!
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Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

07.05.2010 19:11
#176 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Nach vielen aufregenden Minuten ließen sich Gretchen und Marc nebeneinander ins Bett fallen und atmeten erschöpft aus. Marc strich sich das verschwitzte Haar aus der Stirn und breitete seinen Arm so aus, dass Gretchen ihren Kopf auf seine Brust legen konnte. Sie hörte und spürte seinen schnellen Herzschlag ganz genau und strich mit ihrer Hand sanft über seine Muskeln, während er mit seinen Fingern durch ihre Locken fuhr und sie ihr auch aus dem Gesicht holte.
„Ich glaub, ich war noch nie so glücklich!“, durchbrach Gretchen nach einiger Zeit die Stille und ein Lächeln breitete sich auf Marcs Lippen aus. Auch wenn er es nicht so direkt sagen konnte, war auch er noch nie so glücklich mit jemandem gewesen.
„Versteh ich gut! Schon allein wegen dem gigantischen Sex!“, raunte er ihr ins Ohr und seine Hand legte sich auf ihren nackten Rücken. Zentimeter für Zentimeter bahnte sie sich ihren Weg zu ihren Brüsten. Gretchen ließ diese Berührung gerne zu und hatte auch nichts gegen das Kompliment einzuwenden. Der Sex mit Marc war wirklich der Beste, den sie je hatte. Oft genug hatte er ihr auch gezeigt, dass er sie ganz so akzeptierte und liebte wie sie war, auch mit ihren kleinen Problemzonen.
„Am liebsten würde ich einfach für immer hier bei dir bleiben!“
„Ab und zu musst du aber wohl doch zu Hause vorbeischauen.“
„Hier fühl ich mich aber viel mehr zuhause. Ich könnte mich glatt daran gewöhnen, immer hier zu sein!“, sagte sie und augenblicklich stoppten Marcs kleine, zarte Berührungen. Er zog sich unter ihr hinweg und setzte sich auf die Bettkante. Er hob seine Unterhose auf und schlüpfte schnell rein, bevor er auch schon aufstand sie im Schlafzimmer allein zurückließ. Verwirrt blickte Gretchen ihm eine Weile hinterher und wickelte dann die Decke um ihren Körper. Sie schlich ihm hinterher und sah ihn mit einer Zigarette vorm Fenster stehen.
„Was machst du denn?“
„Rauchen! Darf ich ja auch, ist schließlich MEINE Wohnung!“, blaffte er sie an und Gretchen verstand nicht, womit sie das verdient hatte. Sie vermutete nur, dass anhand von Marcs Betonung, dass er sich durch ihre Bemerkung in seiner Freiheit eingeschränkt fühlte. Und damit hatte sie auch Recht. Marc liebte Gretchen zwar wirklich, aber hatte Angst vor dem, was sie von ihm erwartete. Vor allem jetzt, wo sie frei war. Er hatte nie von Hochzeit und Zusammenziehen geträumt. Momentan wollte er einfach unbeschwert mit seiner Freundin zusammen sein.
„Marc, ich weiß, dass das deine Wohnung ist! Ich hab doch auch nie etwas anderes behauptet.“ Hab zwar schon immer davon geträumt, mit ihm zusammenzuleben, aber ich weiß ja auch, dass es utopisch wäre, jetzt schon davon auszugehen. Männer brauchen Zeit. Und Marc erst recht.
„Gut! Weil sich daran bestimmt so schnell nichts ändern wird!“
„Du bist doch echt total beziehungsparanoid! So wie du jetzt gerade drauf bist, müsste ich ja wirklich geisteskrank sein, um mit dir zusammenziehen zu wollen!“, zickte sie zurück und wollte zurück ins Schlafzimmer, um sich anzuziehen und zu gehen. Marc brauchte jetzt seine Zeit, um wieder halbwegs normal zu werden und währenddessen konnte sie gut auf seine Anwesenheit verzichten. Plötzlich wurde sie jedoch von einem Schwindelgefühl heimgesucht und sie stützte sich am Türrahmen ab. Als Marc bemerkte, wie sie schwer atmete und zitterte, drückte er schnell seine Zigarette aus und lief zu ihr hin. Gerade noch rechtzeitig schlang er seine Arme um sie, bevor sie ihr Gleichgewicht vollkommen verlor und ihre Beine ihr wegklappten.

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Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

07.05.2010 22:40
#177 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Vorsichtig hob Marc sie hoch und trug sie zum Bett. Er legte die Decke, die sich schon anfing zu lösen, wieder ganz über ihren Körper und sah sie besorgt an. Seine Angst vor dem Zusammenziehen und dem totalen Verlust seines jetzigen Lebens war nichts im Vergleich zu der Angst um Gretchens Gesundheit. Er war erleichtert, als sie nach recht kurzer Zeit wieder ihre Augen öffnete, auch wenn es ihm wie eine Ewigkeit vorkam. Anfangs sah sie sich nur etwas verwirrt im Raum um und als ihr wieder in den Sinn kam, was geschehen war, bevor sie umgekippt war, wollte sie sich mit ihrem schwachen Körper wieder aufrichten, doch Marc drückte sie sanft, aber bestimmt wieder zurück.
„Du bleibst jetzt da! Du bist gerade eben erst umgekippt!“
„Aber…“
„Keine Widerrede! Wie geht’s dir denn jetzt?“, fragte er und legte seine Hand auf ihre Stirn, um ihre Temperatur zu fühlen.
„Mir ist nur bisschen schwindelig und schlecht.“
„Fieber hast du jedenfalls keins. Soll ich dich ins Krankenhaus fahren, um ein paar Untersuchungen zu machen?“
„Schon okay. Geht bestimmt gleich wieder!“
„Die Entscheidung überlässt du mal lieber dem Oberarzt!“
„Marc, ich bin nicht deine Patientin!“
„Doch, momentan bist du das!“ In seiner Sorgen unbeirrt ging er in seinem Kopf schon alle möglichen Unersuchungen und Tests durch, doch Gretchen legte nur die Hand auf seine Wange und streichelte sie mit ihrem Daumen sanft. Sie zwang sich zu einem Lächeln, das jedoch etwas bemüht war. Marc griff nach ihrer Hand und zog sie von seiner Wange hin vor seine Lippen und küsste sie sanft darauf. „Bist du sicher, dass es geht?“
„Ja, bin ich! Aber nur, wenn du bei mir bleibst!“
„Ich lass dich jetzt garantiert nicht alleine! Irgendjemand muss ja auf dich aufpassen! Man sieht ja, was sonst passiert.“
„Wahrscheinlich hab ich nur was Schlechtes gegessen. Mir ist schon wieder so schlecht!“
„Geht’s?“
„Nein, ich glaub, mir ist wirklich ganz schlecht!“ Als Beweis hielt sie sich die Hand vor den Mund und lief trotz noch etwas schwachen Beinen eiligst Richtung Bad. Marc sah ihr nur überrascht nach, bevor auch er schnell aufstand und ihr nachging. Er fand sie Arm in Arm über der Kloschüssel und hörte dumpfe Würgelaute. Er sparte sich jegliche Worte und stellte sich stattdessen einfach hinter sie und hielt ihr fürsorglich die Haare nach hinten.
„Willst du dich nicht doch richtig durchchecken lassen?“, wollte er von ihr wissen, nachdem sie sich wieder erhoben hatte und erschöpft ausatmete. Gretchen schüttelte leicht den Kopf und lehnte sich mit dem Rücken gegen Marcs Brust.
„Geht schon…“
„Mhm, das seh ich! Aber gut, dann leg dich jetzt aber gleich wieder ins Bett, okay?“ Er küsste sich noch auf die Haare, bevor er sie wieder ins Schlafzimmer führte und sie erneut richtig zudeckte. Anschließend kroch er auch unter die Decke und dankbar schmiegte sich Gretchen an ihn. In seinem Armen beruhigte sie sich auch schnell wieder und konnte in einen ruhigen Schlaf fallen.

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Verena1991 Offline

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08.05.2010 17:23
#178 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Zwei Tage später ging es Gretchen wieder einigermaßen gut und wollte und konnte auch bald wieder arbeiten. Neben Job und Beziehung widmete sich Gretchen nun der Aufgabe eine eigene Wohnung zu finden. Dazu nahm sie sich am frühen Morgen, bevor sie zur Arbeit musste, die Zeitung vom Küchentisch, wo sie von Bärbel fein säuberlich hingelegt wurde. Dabei fiel ihr auch ein Brief ins Auge, der an sie adressiert war. Der Name des Absenders sagte ihr nichts, doch er kam aus der JVA. Neugierig setzte sie sich damit hin und riss den Umschlag auf. Als sie den Brief zu lesen begann, weiteten sich ihre Augen von Wort zu Wort mehr.
Mein liebes Sternchen,
ich weiß, dass ich viele Fehler gemacht habe. Fehler, die ich nicht wieder gutmachen kann. Alles, was ich noch tun kann, ist, dir alles zu erklären. Ich hoffe, du gibt’s mir diese Chance und zerreißt den Brief nicht in 1000 Teile, auch wenn ich das verstehen könnte.
Wie du wohl bereits weißt, ist mein Name nicht Alexis von Buren. In Wirklichkeit heiße ich Frank Engel, so abwegig der Name auf mich bezogen auch sein mag. Ich will dir erklären, wie ich der geworden bin, der ich nun mal bin. Es fing an mit dem Tod meiner Mutter kurz nach der Geburt meiner Schwester. Mein Vater hat das nie verkraftet und er fing an zu trinken. Hauptsächlich habe ich meine Schwester deshalb erzogen und ich habe wirklich alles für sie getan. Wir waren sehr arm und deswegen war ich oft arbeiten, damit wenigstens etwas Geld in die Haushaltskassen kam. Als ich eines Tages von der Arbeit nach Hause kam, musste ich mitansehen, wie mein Vater meine Schwester geschlagen hat. Ich bin dazwischen und hab ihn von ihr weggestoßen. Dabei ist er ungünstig gefallen und wir konnten nichts mehr für ihn tun. Ich hatte Angst, dass sie mir nicht glauben und mich einsperren. Ich musste ja auch noch auf Lissy aufpassen. Also sind wir abgehauen und ich hab uns irgendwie neue Identitäten besorgt. Da wir aber immer Angst hatten aufzufliegen, sind wir nie lange geblieben. Über die Zeit hinweg hab ich einiges an Geld verdient, von dem wir ganz gut leben konnten. Der echte Alexis von Buren war ein Freund von mir. Doch irgendwann ist er mir auf die Schliche gekommen und wollte zur Polizei. Das konnte ich nicht zulassen und so habe ich das Schlimmste getan, was ich hätte tun können. Ich habe dafür gesorgt, dass er nie mehr reden kann. Da wir uns relativ ähnlich sahen, habe ich kurzerhand seine Identität angenommen. Meine Schwester und ich wollten das große Geld dadurch machen, damit wir später vollkommen unbeschwert leben konnten. Wir wären auch schon lange wieder weggewesen, wenn nicht du plötzlich aufgetaucht wärst. Denn auch wenn mein ganzes Leben eine Lüge war, waren meine Gefühle zu dir echt. Ich wurde wirklich zu dem Mann, den du geliebt hast. Mit Mechthild wollte ich auch niemals schlafen, aber sie hat mich erpresst. Und ich bin darauf eingegangen, damit ich dich nicht verliere. Du warst wirklich mein Sternchen und ich liebe dich über alles. Doch ich kann dich nicht glücklich machen und es war falsch zu glauben, dass ich es jemals gekonnt hätte.
Ich verlange nicht mehr viel vom Leben, ich hoffe nur, dass du glücklich wirst. Ich werde nun auch für all meine Fehler eingestehen und dir nicht mehr im Wege stehen. Ich hoffe, dass du mir vielleicht irgendwann verzeihen kannst.
In Liebe,
dein Frank

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Verena1991 Offline

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08.05.2010 21:31
#179 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Geschockt ließ Gretchen den Brief sinken und musste erst einmal tief durchatmen. Das war ihr nun doch alles zu viel. Sie verstand, dass Frank kein leichtes Leben gehabt hatte, aber es hatte doch jeder sein Schicksal selbst in der Hand. Er hätte kein Betrüger werden müssen. Wenn er zu all dem gestanden hätte, hätte er vielleicht ein halbwegs normales Leben führen können, bevor er zum Mörder wurde. Verzeihen konnte sie ihm nicht. Das konnte er auch unmöglich von ihr verlangen. Schon allein, dass er es wagte, das zu hoffen, ließ sie innerlich auffurchen und ihr Magen drehte sich um. Was wäre gewesen, wenn es noch nicht jetzt rausgekommen wäre, sondern erst in ein paar Jahren? Wenn sie möglicherweise schon Kinder mit ihm gehabt hätte und kein Marc dagewesen wäre, um sie aufzufangen? So konnte sie zumindest leichter in die Normalität zurückkehren. Doch bis jetzt konnte ihr das nicht so recht gelingen. Das Thema ‚Alexis’ war noch zu gegenwärtig und schien sie immer wieder einzuholen. Immer wieder schien eine neue grässliche Wahrheit ans Licht zu kommen und sie immer wieder zurückfallen zu lassen. Sie spürte, wie sich eine einsame Träne den Weg über ihre Wange fand. Nach und nach gesellten sich immer mehr dazu und sie weinte bitterlich. Weinte, weil das Leben es wieder und wieder schlecht mit ihr zu meinen schien. Bis jetzt hatte sich doch jeder Mann als einfacher Frosch entpuppt und nicht als der Märchenprinz. Ein unwohliges Gefühl machte sich wieder in ihrem Magen breit und sie drückte mit der Hand gegen ihren Bauch.
„Scheiße, nicht schon wieder!“, waren die letzten Worte, die Gretchen herausbrachte, bevor sie zur Toilette hechtete und sich erneut übergeben musste. An der Tür, hinter der sich Gretchen gerade verbarg, schlich gerade Gina vorbei, die mit Sorge die Geräusche daraus wahrnahm. Die junge Assistenzärztin spritzte sich noch etwas erfrischendes Wasser ins Gesicht, öffnete dann wieder dir Tür und rannte fast in ihre Freundin.
„Gretchen, geht’s dir gut? Also offensichtlich ja nicht.“
„Hab nur schon seit ein paar Tagen eine Magenverstimmung.“, erklärte Gretchen kurz angebunden, doch Gigi zog nur skeptisch die Augenbrauen nach oben.
„Bist du sicher, dass es nur eine Magenverstimmung ist?“
„Was sollte es denn sonst sein?“
„Ich meine ja nur, dass es dir in letzter Zeit ja allgemein nicht so gut ging. Und ich meine nicht nur die letzten Tage.“
„Und?“ Zuerst warf Gretchen Gina nur einen unwissenden Blick zu, doch dann schien sie zu verstehen, worauf diese hinauswollte. „Was? Nein! Definitiv nicht! Ich meine… Wie denn auch? Ich meine, ich hab ja immer die Pille genommen. Glaub ich zumindest…“
„Du glaubst?“
„Ich meine… ist ja schon etwas her… Und dann der ganze Stress mit der Hochzeit und dann der Virus… Ich weiß es einfach nicht so genau! Gigi, das darf nicht sein!“, flehte Gretchen ihre Freundin regelrecht an. Ein Kind von Alexis würde doch alles zerstören. Es war auch sehr fraglich, ob Marc ein Kind von einem anderen Mann akzeptieren würde. Gretchen bezweifelte es stark, wusste sie doch, was er von Kindern im Allgemeinen hielt. Er wäre bestimmt auch gegen ein gemeinsames Kind.
„Keine Panik, Gretchen! Ich geh jetzt gleich los und kauf dir einen Schwangerschaftstest! Dann sehen wir auch, ob du dir umsonst Sorgen machst!“ Tröstend nahm Gigi Gretchen in den Arm und strich ihr behutsam über den Rücken. „Du wartest einfach hier, ja? Ich bin gleich wieder da!“

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Verena1991 Offline

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09.05.2010 00:54
#180 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Kaum war Gigi aus der Haustür verschwunden, lief Gretchen schon wieder unruhig auf und ab. Sie hatte in letzter Zeit doch so viel durchgemacht. Musste das der Sache nun doch das Krönchen aufsetzen? Erst das Klingeln ihres neuen Handys, das sie sich kürzlich gekauft hatte, holte sie aus ihren Gedanken. Schon dem Display konnte sie ablesen, dass Marc sie erreichen wollte. So sehr sie sich immer über seine Anrufe freute, im Moment kam er äußerst ungelegen. Sie schluckte ihre Tränen runter und ging so gefasst wie möglich ans Handy.
„Hallo, Marc!“
„Hasenzahn, wo steckst du bitte? Gleich ist Visite!“, schrie er sie schon regelrecht an, was ihr nicht half, die Tränen zu verbergen. Im Gegenteil, sie flossen ihr nun wieder in Strömen über die Wangen.
„Es tut mir Leid, Marc! Ich… kann grad nicht!“
„Hast du deine Tage oder was? Dann kann ich Sex heute wohl auch vergessen…“
„Marc, halt jetzt bitte einfach die Klappe!“ Jetzt reichte es Gretchen. Da Marc unsachlich wurde, wurde sie das nun auch. Seine Bemerkungen waren das Letzte, was sie momentan gebrauchen konnte. Und dass er gerade mehr Chef war als Freund, trug auch nicht positiv zu der Sache bei.
„Wie redest du denn mit mir? Du bewegst jetzt deinen Arsch hierher und dann wird gearbeitet!“
„Ich komm ja gleich! Ich brauch nur noch ein paar Minuten…“
„Meine Güte, dann lass die Wimperntusche mal weg und schwing deinen Hintern jetzt mal hier her!“
„Mach die Visite doch ausnahmsweise mal alleine!“
„Theoretisch könnte ich das auch, aber ich bin hier für deine Ausbildung zuständig und dazu gehört auch, dass du lernst, dass du nicht kommen und gehen kannst, wann du willst!“, schnauzte Marc sie weiter an, was Gretchen immer weiter zur Weißglut trieb. Wo war der liebe und besorgte Marc hin? Stattdessen wies er lieber wieder seine alten Verhaltensmuster auf.
„Dann melde ich mich eben krank!“
„Schön! Dann komm ins Krankenhaus und ich stell dir ein Attest aus!“
„Ich bin selbst Ärztin! Ich schreib mich selbst krank!“
„Hasenzahn, ich hab hier echt keinen Bock auf so ne Diskussion! Gestern ging es dir doch wieder blendend und jetzt würde ich gerne wissen, warum du heute unbedingt krankfeiern willst!“
„Glaub mir, Marc, aber ‚Feiern’ ist gerade das ganz falsche Wort!“
„Kannst du dich auch mal klar ausdrücken?“
„Nicht jetzt, okay? Bitte, Marc! Es ist… wichtig…“ Gretchen schwang um zur Betteltaktik und hoffte, damit Erfolg zu haben. Denn ins Krankenhaus wollte sie im Moment keinesfalls. An Marcs Aufstöhnen erkannte sie, dass er damit überhaupt nicht einverstanden war.
„Leck mich doch am Arsch! Du tanzt hier jetzt an oder ich komm persönlich vorbei und hol dich ab!“ Und damit war das Gespräch für Marc beendet. Er hatte aufgelegt und Gretchen stand verloren im Wohnzimmer.
Notiere: Marc kann offenbar nur nett sein, wenn er keinen Sex hat! Sollte mir überlegen, welche Konsequenzen ich daraus ziehe. Aber erstmal hab ich andere Probleme… Zum Beispiel, was ich jetzt machen soll…

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Verena1991 Offline

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09.05.2010 11:21
#181 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Sie entschloss sich, dass sie zu Hause blieb bis Gigi mit dem Test wiederkam und setzte sich zum Warten auf das gelbe Sofa. So schnell würde Marc bestimmt nicht vorbeikommen, um sie persönlich zum Dienst zu befördern. Es würde bestimmt kaum einen Unterschied mehr machen, wenn sie ein paar Minuten später kommen würde. Dennoch fühlte sie sich nur noch unwohler seit sie wusste, dass Marc nun auch noch auf sie wartete. Umso froher war sie, als Gigi einige Zeit später endlich wieder durch die Haustür zu ihr kam. Gleichzeitig war ihr dabei aber auch überhaupt nicht gut und die Nervosität und Angst wuchs immer weiter.
„Okay, Süße, ich hab den Test. Mir wurde gesagt, das soll der beste sein, den es gibt!“
„Danke! Marc hat vorhin angerufen… Oh Gott, ich darf einfach nicht schwanger sein!“ Gina setzte sich neben ihre Freundin und legte fürsorglich den Arm um sie.
„Vielleicht bist du das ja gar nicht. Stress kann auch oft Zeichen einer Schwangerschaft auslösen. Und den hattest du ja zu Genüge…“
„Und ob! Wie nach der Trennung von Peter, nur diesmal ist es noch schlimmer… Das darf wirklich nicht sein!“
„Mal angenommen, du wärst schwanger… Könnte es dann nicht von Marc sein? Vielleicht würde er dann ja dazu stehen!“
„Nein, das kann nicht sein… Das mit Marc und mir war erst vor ein paar Tagen. Und selbst wenn… Marc will keine Kinder!“
„Okay… Dann mach lieber mal schnell den Test!“ Sie reichte Gretchen die Packung, die diese ängstlich entgegennahm. Gina erkannte, dass Gretchen noch nicht wirklich bereit dazu war und sprach ihr weiter gut zu. „Wäre es dir lieber, wenn du erst in 9 Monaten Sicherheit hast?“
„Nein… Ich mach ja schon. Wünsch mir Glück!“ Gretchen schnappte sich den Test und verschwand damit im Badezimmer. Gigi lehnte sich zurück, doch es dauerte keine Minute, bis es an der Tür klingelte und sie aufstehen musste. Sie erwartete schon jemand ganz Bestimmten und sie wusste, dass dieser momentan der am wenigsten willkommene Besucher war.
„Boah, ne, was machst du denn hier?“, begrüßte Marc sie, der schon allein durch ihr Erscheinungsbild genervt war. Gigi ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und ging nun zu der Mission über, Gretchen zu verteidigen und ihr Zeit zu verschaffen.
„Ich hab noch ein paar Urlaubstage. Was machst du hier?“
„Gretchen abholen! Sie hält es scheinbar nicht für nötig zum Dienst zu kommen! Ich verzichte hier gerade auf meine Raucherpause, nur um sie zu holen!“
„Nein, wie schlimm!“, meinte Gigi weiter unbeeindruckt. „Da hast du aber Pech, weil sie nämlich gerade losgefahren ist!“
„Willst du mich verarschen?“
„Nein, ich sage nur die Wahrheit!“
„Wie damals im Fahrstuhl?“
„Das war etwas anderes!“
„Klar! Dann fahr ich also mal wieder!“ Marc wollte sich gerade wieder zum Gehen umdrehen, als er jemanden die Treppen runterkommen hörte. Gretchen hatte momentan jedoch keinen Blick für Marc und ging unbeirrt auf ihre Freundin zu und hielt ihr den Schwangerschaftstest hin.
„Gigi, ich kann das nicht… Guck bitte du nach!“ Marc stand unter Schock, als er den Schwangerschaftstest sah, bevor er seine Sprache wiederfand.
„WAS genau soll die da bitte nachgucken?“

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Verena1991 Offline

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09.05.2010 20:45
#182 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Marc?“ Nun stand auch Gretchen der Schock ins Gesicht geschrieben, als ihr Marc auffiel. Das war nun genau die Situation, die sie vermeiden wollte. Doch scheinbar meinte es das Schicksal nicht gut mit ihr.
„Ja und ich würde jetzt gerne wissen, was zum Teufel hier los ist! Ist das etwa ein Schwangerschaftstest?“, fragte er mit einem Fingerzeig auf den Test und Gretchen sank ihren Blick verlegen zu Boden.
„Ja…“, gestand Gretchen kleinlaut und einige Sekunden arbeitete es in Marcs Gehirn stark. Bei Kindern schrillten bei ihm die Alarmglocken und so kam es, dass die Worte unüberlegt aus seinem Mund kamen.
„Nur weil wir ein paar Mal gevögelt haben, heißt das noch lange nicht, dass ich ein Kind mit dir will! Und überhaupt… Wir haben erst vor ein paar Tagen miteinander geschlafen! Du kannst gar nicht schwanger sein!“ Während Gretchen schwieg, dachte Marc weiter darüber nach und der Groschen schien bei ihm zu fallen. „Oder du… Ey, sag mir nicht, dass du dich von diesem Wichser hast schwängern lassen?“
„Das wissen wir doch gar nicht! Deswegen machen wir ja erst einen Test!“, schaltete sich Gigi als Vermittlerin zwischen den beiden Parteien ein.
„Und wenn der positiv ist? Was dann, hm? Ich zieh bestimmt kein Balg von diesem Arsch auf!“ Marc drehte sich um und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Das konnte nun wirklich nicht alles wahr sein. Da ging er einmal eine richtige Beziehung ein und dann war die eventuell von ihrem Ex schwanger. Wie Gretchen hatte auch er unheimliche Angst vor dem Ergebnis des Tests. Er fuhr sich durch die Haare und wendete sich dann wieder zu den beiden Frauen um.
„Gib den Scheiß her! Ich schau nach!“, forderte er und streckte den Arm aus. Bevor Gretchen ihm den Test jedoch reichen konnte, zog er den Arm wieder zurück. „Nein! Eigentlich ist das auch überhaupt nicht mein Problem! Ich bin raus aus der Sache! Klär das einfach und sag mir dann Bescheid!“ Er stieg die Stufen der Treppe wieder nach unten und ging zu seinem Auto. Das war zu viel für ihn und er wollte sich dem nicht stellen. Gretchen sah ihm verletzt hinterher und spürte zugleich, wie sich Wut in ihr ausbreitete.
Das ist nicht sein Problem? Wenn wir zusammen sind, ist das sehr wohl auch sein Problem! Aber scheinbar sind wir das nicht wirklich…
Wütend schlug sie die Tür zu und wurde sich dann wieder des Tests bewusst, den sie noch immer in den Händen hielt. Die Wut klang wieder etwas ab und machte mehr Platz für die Angst. Eine Träne stahl sich über ihre Wange und sie hielt Gigi den Schwangerschaftstest hin.
„Schau bitte nach!“
„Bist du sicher?“
„Meine Beziehung ist sowieso im Arsch! So ein Kind von dem Mann, der mich die ganze Zeit nur belogen und betrogen hat, setzt dem ganzen doch nur noch die Krone auf!“ Etwas zögernd nahm Gigi den Test entgegen. Gretchen wagte keinen Blick zu ihr, sondern hatte Angst, dass sie Gigi das Ergebnis gleich ablesen könnte.
„Du bist nicht schwanger!“, offenbarte Gina ihr mit einer gewissen Erleichterung in der Stimme. Auch Gretchen fiel ein Stein vom Herzen, doch es war noch immer bedrückt. Bedrückt von Marcs Reaktion darauf. Richtig freuen konnte sie sich deswegen nicht.

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Verena1991 Offline

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10.05.2010 15:57
#183 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Das ist doch toll!“, versuchte Gina Gretchen weiter zur Freude zu animieren. Doch diese hatte noch immer überwiegend Tränen in den Augen und lehnte sich deprimiert gegen die Tür.
„Ja! Vor allem, dass ich jetzt weiß, wie toll Marc zu mir steht!“
„Gretchen, er war eben überfordert von der Situation. Willst du deswegen alles hinwerfen?“
„Mein Leben interessiert ihn offenbar nicht! Was soll ich da noch großartig machen? Ich meine… das ist doch die Grundlage einer Beziehung, dass man für den anderen da ist! Wenn wir das nicht haben, dann… seh ich keinen Sinn mehr!“
„Sprich dich doch nochmal mit ihm aus… Gut, seine Reaktion war ziemlich scheiße, aber das war bestimmt keine schöne Lage für ihn.“
„Gigi, lass es einfach! Das hat mir doch nur wieder klargemacht, dass Marc nicht der Typ für eine Beziehung ist, in der man richtig füreinander da ist! Aber ich komm schon klar! Ist ja nicht die erste Enttäuschung, die ich hinnehmen muss! Und jetzt muss ich zur Arbeit. Du hast Marc ja gehört.“
„Du kannst doch jetzt nicht arbeiten gehen!“
„Wenn ich hier bleibe, wird die Sache doch nur noch komplizierter… Es bringt nichts, wenn ich hier in Selbstmitleid versinke!“ Sie wischte sich die Tränen von der Wange und zwang sich zu einem gekünstelten Lächeln. „Danke, dass wenigstens du für mich da warst!“

Noch immer verwirrt und durcheinander stieg Marc im Krankenhaus in den Fahrstuhl. Er hoffte, dass er sich wenigstens mit Arbeit ablenken konnte. Langsam beschlich ihn das Gefühl, dass er nicht hätte abhauen sollen. Aber wenn der Test positiv ausgefallen wäre, wäre er dem nicht gewachsen gewesen. Bevor sich die Türen des Aufzugs schlossen, huschte jedoch noch jemand zu ihm und dessen glückliches Gesicht stimmte Marc nicht gerade froher.
„Marc!“, begrüßte Mehdi seinen miesepetrigen Kumpel, der abweisend an der Fahrstuhlwand lehnte.
„Hm.“
„Stimmt was nicht?“
„Was geht’s dich an?“
„Wir sind Freunde? Ärger mit Gretchen?“ Mehdi sprach zwar noch immer nur ungern über Marcs Beziehung zu Gretchen, aber irgendwann musste auch er über sie hinwegkommen. Und auch wenn er es gut gemeint hatte, kam es überhaupt nicht gut bei Marc an.
„Ey, halt die Fresse, Alter!“
„Was hab ich denn bitte gemacht?“
„Die Klappe aufgerissen! Ich will echt nicht mit dir darüber reden! Andrerseits hast du ja Erfahrung darin, ein Kind von nem andren großzuziehen…“, rutschte es Marc heraus ohne richtig darüber nachzudenken. Doch die Emotionen in ihm hatten einfach Überhand genommen.
„Ähm, Lilly ist meine Tochter?“
„Stimmt ja. Anna ändert ihr Meinung ja auch ständig…“
„Wie hast du das vorhin eigentlich gemeint?“
„Geht dich nichts an!“ Marc war froh, als der Lift endlich im 3.Stock ankam und schleunigst stieg er aus, um zu seinem Büro zu kommen. Sehr zu seinem Leidwesen musste Mehdi jedoch auch raus und ließ es sich so nicht nehmen, Marc zu folgen.
„Ähm, das interessiert mich jetzt aber schon! Ist Gretchen etwa schwanger? Von Alexis?“ Wütend drehte sich Marc um und kam wieder ein paar Schritte auf Mehdi zu.
„Bin ich hier der Gynäkologe oder du? Und jetzt kümmere dich gefälligst um deinen eigenen Dreck!“
„Sie darf echt nicht von diesem Typen schwanger sein…“, philosophierte Mehdi weiter entgegen Marcs Willen und es sollte sich noch ein weiteres Übel hinzugesellen.
„Wer ist schwanger?“

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Verena1991 Offline

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10.05.2010 21:40
#184 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Fragend blickte Maria Hassmann zwischen den beiden Männern hin und her, die es ja vorgezogen hatten, das Gespräch auf offenem Gang zu führen. Da war es nur wenig verwunderlich, dass das auch andere mitbekamen.
„Warum denkt hier eigentlich jeder, dass ihn das etwas angeht?“, entrüstete sich Marc, dem es schon genug war, dass er sich damit befassen musste. Mit anderen reden wollte er darüber noch viel weniger.
„Ich höre?“, fragte sie nochmals nach, nachdem keiner der Herren ihr eine zufriedenstellende Antwort geben wollte und sie nicht einsah, dass sie ohne dieses Wissen weiterging.
„Haben Sie keine eigenen Probleme?“
„Tut mir Leid, Sie enttäuschen zu müssen, aber momentan nicht. Und jetzt sagen Sie bloß nicht, dass die Haase schwanger ist!“ Diese Vermutung drängte sich ihr auf, während sie so das Verhalten von Marc beobachtete. Über jede andere Schwangerschaft würde er sich nicht so aufregen.
„Lasst mich doch einfach alle in Ruhe!“, presste Marc noch hervor, bevor er sich wieder umdrehte und weiter zu seinem Büro marschierte. Mehdi und Maria sahen ihm noch verwundert nach, beschlossen aber, dass sie ihm seine Ruhe gönnen würden.
„Ein glücklicher Vater sieht aber anders aus.“
„Vielleicht ist er es ja gar nicht…“
„Hat sie ihn etwa…?“
„Ich fürchte, dazu liebt sie ihn zu sehr…“, bemerkte Mehdi traurig und war wieder tief getroffen, als ihm diese Einsicht kam. Das mit dem Vergessen klappte einfach nicht immer so, auch wenn er er gerne so wollte. „Aber vielleicht ist sie ja auch nicht schwanger! Dafür aber viele andre Frauen, also muss ich mal wieder an die Arbeit!“
„Ach, bevor ich’s vergesse…“, hielt Maria Mehdi, der schon im Begriff war zu gehen, nochmal zurück. „Felix würde gerne mal was mit Lilly unternehmen.“
„Felix?“
„Mein Sohn! Ich hab ihm quasi versprechen müssen, dass ich mit ihm und Lilly mal in den Zoo gehe. Seit ich ihm gesagt habe, dass sie jetzt in Berlin ist, redet er von nichts anderem mehr.“
„Achso! Ich rede heute dann mal mit Lilly darüber.“, versprach Mehdi mit einem kleinen Lächeln, was Maria mit einem noch kleineren erwiderte. Anschließend folgten beide Marcs Vorbild und machten sich wieder an die Arbeit. Auch wenn Marc gerade nicht wirklich an Arbeit denken konnte…
Zwar versuchte Marc durchaus eine Akte zu bearbeiten, doch sein Hirn wollte die Information einfach nicht aufnehmen. Stattdessen stellten sich ihm tausende Fragen. War Gretchen nun schwanger oder nicht? Wie würde es weitergehen, wenn sie es wäre? Er konnte sich nicht einmal vorstellen, ein eigenes Kind zu erziehen. Wie sollte er das dann mit einem fremden Kind? Und wenn sie nicht schwanger war, könnte sie dennoch wütend sein, weil er einfach abgehauen war. Er stützte die Ellbogen auf dem Schreibtisch ab und vergrub das Gesicht in den Händen. Er schaute erst wieder auf, als die Tür geöffnet wurde und Gretchen eintrat…

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Verena1991 Offline

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11.05.2010 14:52
#185 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Gretchen…?“
„Komm mir nicht so!“, erstickte sie seinen Redeansatz im Keim und knallte die Tür hinter sich zu, bevor sie wütend weiter auf Marc zuschritt.
„Wie komm ich dir denn?“
„Na so eben! Dabei haust du normalerweise ja lieber ab!“
„Äh… Das kann man doch wohl auch verstehen! Bist du jetzt…?“
„Schwanger? Was wäre, wenn?“, fragte sie ihn provozierend und verschränkte die Arme vor der Brust. Ihr eindringlicher Blick machte ihm das Nachdenken darüber nicht einfacher. Er wusste es wirklich nicht. Er wollte kein Kind, aber verlieren wollte er sie auch nicht.
„Bist du es denn?“
„Nein, zum Glück nicht!“
„Dann ist ja alles gut!“ Erleichtert atmete Marc auf, wusste er doch noch nicht, dass es nicht gut war. Denn in Gretchen hatte sich der Zweifel an der Beziehung längst festgesetzt.
„Gut? Nichts ist gut!“
„Ist nicht schwanger nicht gut?“
„Du kapierst es nicht, oder?“
„Dein Problem gerade? Nein, das kapier ich wirklich nicht!“
„Genau das ist ja das Problem! Du hast doch keine Ahnung von Beziehungen! Und… ich glaube auch nicht, dass du wirklich schon bereit dafür bist…“
„Meinst du?“ Gretchen nickte nur leicht und senkte den Blick nach unten. Mit aller Kraft versuchte sie die Tränen zurückzuhalten, was ihr nur schwer gelang. Nun stand auch Marc von seinem Schreibtisch auf und kam nun auf Gretchen zu. Er konnte nicht glauben, was sie da sagte und fürchtete sich schon vor dem, was sie noch sagen könnte. „Das kannst du gar nicht für mich entscheiden!“
„Marc, ich kenne dich doch! Du kannst nicht so für mich da sein, wie ich es brauche!“
„Okay, ich hätte vielleicht nicht einfach wegrennen sollen, aber wie wär’s auch mal mit ein bisschen Verständnis für meine Situation? Das hier ist meine erste richtige Beziehung seit Jahren, aber ich hab keinen Bock auf so ne Familienscheiße! Und erst recht nicht, wenn dieses Arschloch schön was dazu beisteuert!“
„Du wusstest doch nicht einmal, ob es so ist!“
„Jetzt weiß ich aber, dass es nicht so ist! Damit ist die Sache doch abgehakt?“
„Nein, ist sie nicht! Es geht doch auch darum, dass wir beide total unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft haben! Ich will einen Mann, auf den ich mich immer verlassen kann, mit dem ich Kinder haben kann! Und ich glaube nicht, dass du so ein Mann bist. Und du es auch gar nicht sein willst…“
„Du willst hier aber nicht gerade Schluss machen?“ Bei dem Gedanken schluckte Marc schwer. Er wollte einfach nicht wahrhaben, dass die Beziehung daran zerbrechen sollte, dass sie nun an seiner Ehrlichkeit zweifelte. Denn er liebte sie wirklich, auch wenn er selbst wusste, dass er einen Fehler begangen hatte.
„Es ist doch besser so für uns beide…“
„Merkst du eigentlich noch, was du hier für eine Scheiße laberst? Wir lieben uns! Das kannst du doch nicht einfach so wegschmeißen!“
„Marc, ich…“
„Nein! Du sagst jetzt gar nichts mehr! Fahr jetzt nach Hause und komm werde wieder klar im Kopf! Dann reden wir weiter, ja?“
„Das bringt nichts mehr…“
„Doch, das tut es! Also geh jetzt einfach und ich komm dann später noch vorbei! Und ich hoffe wirklich, dass du bis dahin eingesehen hast, dass das ein riesiger Fehler wäre.“, ermahnte Marc sie. Ohne ein weiteres Wort drehte sich Gretchen tatsächlich um und ging. Doch auch wenn sie nach Hause ging, stand ihr Entschluss fest…

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Verena1991 Offline

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12.05.2010 19:38
#186 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Die Tränen waren noch nicht versiegt, als Gretchen wieder zu Hause ankam und in ihr Zimmer verschwinden wollte. Besorgt wollte Gigi sie aufhalten, doch Gretchen fertigte sie nur mit einem „Ich brauch jetzt meine Ruhe!“ ab und Gigi zeigte sich verständnisvoll und ließ Gretchen Zeit. Diese schmiss sich auf ihr Bett und ließ ihren Tränen freien Lauf.
Warum musste das so kommen? Hätte es nicht einfach anders laufen können? Wir waren doch so glücklich in den letzten Tagen. Aber ich will auch mein ganzes Leben lang glücklich bleiben. Vielleicht musste ich dafür dieses momentane Glück opfern? Aber kann ich ohne Marc überhaupt glücklich werden? Ich konnte ihn die letzten 20 Jahre nicht vergessen. Werde ich das jetzt können? Vielleicht brauche ich auch einfach Zeit…

Stunden vergingen, in denen sich Gretchen über manches bewusst zu werden versucht und in denen auch Marc sich bei den OPs stärker als sonst konzentrieren musste. So war er unendlich froh, als er nach Feierabend endlich los konnte und Richtung Parkplatz ging. Etwas verwundert erkannte er, dass Gabi zu Kalle ins Auto stieg und dabei auch noch recht glücklich wirkte. Für Marc war es unvorstellbar anzuerkennen, dass eine falsche Schlange wie Gabi Glück haben sollte und er nicht. Umso eiliger hatte er es nun, dass er sich auf den Weg zu Gretchen machte. Als er dort ankam, dauerte es nicht lange bis Gigi ihm die Tür öffnete, doch ihr Blick machte ihm wenig Hoffnung, dass er jetzt mit Gretchen sprechen konnte.
„Ist sie da?“
„Schon, aber… ich denke nicht, dass sie dich jetzt unbedingt sehen will…“
„Dann hör auf zu denken, du ungefickte Brillenschlange! Du hast ihr diesen Floh doch bestimmt ins Ohr gesetzt!“
„Marc, ich hasse dich, aber ich liebe Gretchen noch mehr! Ich würde sie ganz bestimmt nicht wieder unglücklich machen. Ich habe ihr versprochen, dass ich mich da raushalten werde! Vielleicht habe ich sie ein klein wenig auf die Idee gebracht, aber bestimmt nicht, um sie unglücklich zu machen oder euch auseinanderzubringen!“
„Ist mir scheißegal, was genau du gesagt oder gewollt hast! Aber wenn deswegen diese Beziehung in die Brüche geht, mach ich dich fertig!“
„Dann versuch dein Glück! Aber mach’s richtig!“, wies sie ihn an und trat einen Schritt zur Seite, um ihn reinzulassen. Dieses Angebot nahm er natürlich sofort wahr und war schneller im Haus, als Gigi gucken konnte.
„Das war übrigens das einzige Mal, das du mich irgendwo reinlässt!“
„Du bist ein Arsch! Schluck wenigstens jetzt mal dein Machogehabe runter und rede anständig mit ihr! Du könntest dich auch dafür entschuldigen, was du getan hast!“
„Halt die Klappe, ich weiß immer noch am besten, was ich zu tun habe und was nicht!“
„Da du total unsensibel und beziehungsgestört bist, habe ich daran meine ehrlichen Zweifel!“
„Die kannst du dir sonst wo hinstecken! Ich bring das jetzt in Ordnung!“ Fest entschlossen stampfte Marc die Treppen nach oben und öffnete ohne Anzuklopfen ihre Zimmertür. Wie er feststellen musste, konnte sie sich darüber aber auch gar nicht beschweren, da sie gerade friedlich zu schlafen schien. Die Wimperntusche war zwar verlaufen und ihre Haare waren zersaust, aber dennoch blieb sie für ihn die schönste Frau auf dieser Erde. Vorsichtig schloss er die Tür wieder und schlich an ihr Bett heran. Er legte seine Hand auf ihre Schulter und rüttelte sachte an ihr.
„Gretchen?“ Langsam öffnete sie ihre Augen und blinzelte einige Mal, bevor sie erkannte, wer sie da weckte. Dann jedoch war sie wieder hellwach und sah Marc mit großen Augen an.

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Verena1991 Offline

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12.05.2010 22:10
#187 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Was machst du hier?“, fragte Gretchen ernst und gleichzeitig auch abweisend. Ihr Ton verunsicherte ihn etwas, doch er schwor sich, dass er so leicht nicht aufgeben würde.
„Ich hab doch gesagt, dass ich nochmal vorbeikomme! Ich hoffe mal, du hast nochmal nachgedacht und hast eingesehen, dass das von dir eine Schnapsidee war?“ Schwerfällig richtete sich Gretchen auf und atmete tief durch. Ihre Augen richtete sie starr auf seine, auch wenn es ihr nicht leicht fiel, dem standzuhalten. Aber sie hielt es durch. Und so wusste Marc schon, was sie sagen wollte, bevor sie zu sprechen begann.
„Marc, ich…“
„Nein! Du sagst mir jetzt nicht, dass es vorbei ist! Du liebst mich doch!“ Mit seinen Händen umfasste er ihre Oberarme, sodass es ihr schon fast wehtat. Wieder bildeten sich Tränen in ihren Augen und auch Marc war verzweifelt. So verzweifelt, dass er ihrem Gesicht immer näher kam und sie küsste. In den Kuss steckte er all die Emotionen, die in ihm schlummerten. Das Gefühl der Liebe für sie und das Gefühl der Angst, sie zu verlieren. Seine Hände hatte er mittlerweile auch hinter ihren Kopf gelegt, damit sie ihm nicht so leicht entkommen konnte. Anfangs erwiderte sie den Kuss auch und sie merkte, dass er sie wirklich nicht verlieren wollte. Aber sie konnte sich nicht sicher sein, ob es nicht nur ein kurzfristiger Wunsch von Marc war. Sie wollte ihn von sich wegdrücken, doch noch immer küsste er sie weiter. Erst als sie sich noch hartnäckiger wehrte, ließ er von ihr ab.
„Marc, das geht so nicht! Du kannst mich nicht einfach küssen!“
„Aber du kannst einfach so mit mir Schluss machen? DAS kannst du vergessen! Ich hab mich nicht auf dieses ganze Liebesding da eingelassen, um mich hier von dir abservieren zu lassen!“
„Marc, das kannst du mir nicht verbieten!“
„Oh, und ob ich das kann!“
„Nein, kannst du nicht!“
„Hab ich mir nur eingebildet, dass du mich liebst?“
„Nein, das ist es auch gar nicht… Marc, ich liebe dich auch wirklich! So sehr wie ich noch nie jemanden geliebt habe!“
„Wo verdammt nochmal ist dann dein Problem?“ Mit einem Kopfschütteln stand der Chirurg auf und ging ein paar Schritte von dem Bett und auch von Gretchen weg. Er strich sich seine Haare nach hinten und hoffte, dass sie noch zur Besinnung kommen würde.
„Das Problem ist, dass das nicht reicht! Ich will auch Sicherheit und später eine Familie! Ich weiß nicht, ob ich für dich das aufgeben kann!“
„Dein Problem ist also, dass ich keine Kinder will?“
„Ja, schon… Wir sind einfach total unterschiedlich…“
„Ja und? Trotzdem hatten wir eine tolle Zeit zusammen!“
„Bis du mich allein gelassen hast…“
„Und wie soll’s deiner Meinung nach jetzt weitergehen? Schön zusammen operieren und so tun, als ob das nichts wäre? Oder nichts gewesen wäre?“
„Ich weiß es nicht… Aber ich brauche erstmal Zeit!“
„Dann nimm dir deine Zeit bis du wieder klarkommst und weißt, was du willst! Aber schmeiß diese Beziehung nicht einfach weg und denk auch mal darüber nach, was ich alles für dich getan habe!“ Mit einem letzten Blick auf Gretchen, die keine Reaktion zeigte, öffnete Marc die Tür wieder und verschwand. Was sollte er jetzt tun, um sie zu halten? Musste er ihr nur Zeit geben? Er wollte sie nicht verlieren. Das würde er nicht aushalten. Aber was sollte er tun, damit sie einsah, dass sie zusammengehörten?

http://www.youtube.com/watch?v=NfnSpA1REZQ

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Verena1991 Offline

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13.05.2010 21:29
#188 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Als Marc am nächsten Morgen ziemlich übermüdet auf seiner Station ankam, ahnte er noch nicht, dass der Tag nicht so schlimm werden würde, wie er es befürchtete. Er wurde noch schlimmer. Ein schallendes „Olivier“ ertönte, kaum dass er die Station betreten hatte und seine Mutter stöckelte ihm entgegen.
„Mutter?“
„Olivier, es ist schrecklich! Meine Schreibblockade hält nun schon zu lange an!“
„Deine Schreibblockade kann nie lange genug anhalten!“ Empört schlug Elke mit ihren kleinen Handtasche leicht gegen Marcs Arm und sah ihn streng an.
„Bitte hab etwas mehr Respekt vor deiner Mutter!“
„Respekt muss man sich verdienen, Mutter!“, meinte Marc kurz angebunden und ging dann weiter Richtung Büro. Ohne zu zögern folgte ihm Elke jedoch auch prompt und ließ sich nicht abwimmeln. „Warum kommst du mit deiner Schreibblockade überhaupt zu mir? Ich schreib bestimmt nicht deine Vampirgeschichte für dich!“
„Ich will, dass du mit deinem Vater redest?“
„Halt mich bitte aus der Sache raus!“
„Olivier, du kannst mich in dieser Angelegenheit nicht alleine lassen!“ Ruckartig blieb Marc stehen und drehte sich nun genervt zu seiner Mutter, die ihm nur einen erwartungsvollen Blick zuwarf.
„Es ist doch echt nicht mein Problem, wenn ihr das nicht auf die Reihe bekommt!“
„Heute Morgen hat er sich wieder gemeldet!“, fuhr Elke unbeirrt fort und ignorierte Marcs Einwand einfach. „Er hat gesagt, dass er mich gerne zurückhätte!“
„Und?“
„Ich kann mich nicht konzentrieren, wenn dieser Mann mich stalkt!“
„Schreib doch einfach darüber!“
„Das ist nicht lustig!“
„So war das auch nicht gemeint! Und ich hab jetzt auch echt andere Probleme!“, wimmelte Marc seine Mutter ab und verschwand dann schnell in sein Büro. Zu seinem Glück folgte ihm Elke auch nicht weiter und er konnte in Ruhe nachdenken.

Mehdi saß in seiner neuen Wohnung und baute gerade Lillys Kinderbett auf und seine Tochter half ihm dabei gerne. Es war dieses Mädchen gewesen, das Mehdi wieder neuen Mut gegeben hatte, in ein normales Leben zu starten. Alleine wäre ihm eine Wohnung zu groß und zu verlassen gewesen. Aber mit Lilly sah die Sache nun schon ganz anders aus. Er freute sich auf ein normales und geregeltes Leben. Und das sollte auch Lilly haben. Deswegen lebte seine Tochter nun bei ihm, während Anna sich selbst eine kleinere Wohnung suchen würde. Sie hatte eingesehen, dass es Lilly momentan bei ihrem Vater besser hatte. Dafür würde sie ihre Tochter oft besuchen, sodass sie auch beide Elternteile für sich hatte. Voller Vorfreude wartete Lilly auch schon auf den Zoobesuch am Wochenende und auch Mehdi freute sich wirklich darauf. Dann könnte er sich auch noch einmal bei Maria dafür bedanken, dass sie ihm den Tipp zu Lilly gegeben hatte. Das erste Mal seit Monaten war einfach alles wieder schön…

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Verena1991 Offline

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14.05.2010 01:08
#189 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Gretchen schleppte an diesem Tag anstatt zu arbeiten lieber einen Koffer die Treppen in der haasschen Villa nach unten. Dabei war sie immerhin noch produktiver als wenn sie sich bei der Arbeit abquälen würde. Doch es war nicht ihr eigener Koffer, den sie trug, sondern Gigis. Denn deren Urlaub würde morgen zu Ende gehen und so war die Rückreise nach London nicht mehr zu vermeiden. Erleichtert konnte Gretchen den Koffer schließlich im Kofferraum des bereitstehenden Taxis abladen und hatte dann auch beide Arme frei, um ihre Freundin ein letztes Mal für lange Zeit zu umarmen.
„Und ich kann dich wirklich alleine lassen?“, fragte Gigi noch einmal, während sie Gretchen über den Rücken strich. Sie hatte kein gutes Gefühl dabei, dass sie Gretchen in ihrer momentanen Lage im Stich lassen musste. Aber es war nun einmal so, dass sie morgen wieder in London zur Arbeit antanzen musste.
„Du kannst ja auch nichts daran ändern, dass es so ist wie es ist! Ich muss das einfach irgendwie alleine auf die Reihe bekommen!“ Die beiden Frauen lösten ihre freundschaftliche Umarmung, doch noch immer war nicht die Sorge aus Gigis Blick zu bekommen.
„Ruf aber an, wenn du mich brauchst!“
„Mach ich! Aber du musst jetzt los, wenn du deinen Flieger noch erwischen willst!“, erinnerte Gretchen Gigi mit einem nicht überzeugenden Lächeln, worauf diese leicht nickte. Sie setzte sich in das Taxi und gab dem Fahrer zu verstehen, wo es hingehen sollte. Sie winkte Gretchen so lange zu, wie es ihr möglich war und auch Gretchen sah ihrer Freundin noch lange nach. Nach all den Vorfällen war die Freundschaft zu Gigi definitiv anders geworden. Es fehlte mehr an Vertrauen, nachdem sie so eiskalt belogen wurde. Trotzdem war auch Wehmut in Gretchens Blick, als das Taxi um die nächste Kurve fuhr und aus ihrem Blickfeld verschwand. Gigi hatte wirklich bereut, was sie getan hatte und alles daran gesetzt, dass Gretchen wieder glücklich werden würde. Und dafür war Gretchen auch dankbar.

„Weißt du, Kalle… Ich hab den Moppel wirklich gehasst! Wie eigentlich alle…“, beichtete Gabi ihrem Ex-Lover, nachdem sie schon in den letzten Tagen festgestellt hatte, dass Reden wirklich gut tat. Sie hatten zusammen um ihr Kind geweint und endlich hatte sie sich verstanden gefühlt, ja sogar geborgen. Also führte sie nun die kostenlosen Therapiestunden weiterhin fort. „Dich habe ich auch gehasst! Genauso wie diesen… diesen… diesen Typen eben, der das Auto schrotten wollte.“
„Uwe?“
„Wie auch immer! Ist auch scheißegal, wie der jetzt heißt. Ich hätte ihn auch gehasst, wenn er anders heißen würde! Und eigentlich tue ich das auch noch. Ich habe nur eingesehen, dass das auch nichts bringt.“
„Solange du mich nicht hasst!“, wandte Kalle ein und Gabi schmunzelte übers ganze Gesicht.
„Nicht mehr! Du bist ein richtiger Freund, weißt du das?“
„So richtig richtig?“, fragte Kalle hoffnungsvoll nach und trieb damit die Überraschung in Gabis Gesicht. Sie hatte Kalle als guten Freund gewonnen, aber mehr als freundschaftliche Gefühle konnte sie für ihn nicht aufbringen. Das war noch nie so und sie konnte sich nicht vorstellen, dass es so werden würde. Sie wollte ihn nicht verletzen, aber sie konnte ihn nicht lieben.
„Ein richtig, richtig guter Freund. Also Kumpel. Würd ich mal sagen…“, erwiderte sie mit einem verlegenen Lachen und nahm dann lieber erstmal einen Schluck von ihrem Kaffee. Zu ihrer Erleichterung lenkte Kalle das Gespräch auch nicht wieder in diese Richtung.

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Verena1991 Offline

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14.05.2010 13:05
#190 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Zwei Tage später machte sich Gretchen wieder auf den Weg zur Arbeit. Wohl fühlte sie sich dabei nicht wirklich, aber irgendwie musste das Leben weitergehen. Außerdem hatte sie ihren Eltern nicht genau gesagt, was zwischen ihr und Marc vorgefallen war und es wohl endgültig vorbei war. Sie war einfach noch nicht so weit, dass sie offen darüber reden konnte. Ihre Eltern hatten sich natürlich größte Sorgen gemacht und nachdem Franz am Vorabend damit gedroht hatte, sich Marc richtig vorzuknöpfen, hatte Gretchen eingesehen, dass sie nicht weiter nur zu Hause bleiben konnte. Also betrat sie möglichst gut gelaunt die Chirurgie und es dauerte auch nicht lange, bis sie Marc über den Weg lief. Dieser warf ihr einen überraschten Blick zu, der sich dann mit Wut vermischte und so kam er auf sie zu.
„Sag mal, was fällt dir ein, einfach so hier aufzukreuzen?“, fauchte er sie an, ehe er sie am Arm packte und in eine ruhige Ecke zog.
„Marc, ich arbeite immer noch hier!“
„Bist du wieder bei Verstand? Du weißt, dass ich dich vorher hier nicht gebrauchen kann!“
„Ich kann hier nicht ewig zu Hause rumhängen! Sonst bringt mein Vater dich wirklich um, wenn er sieht, wie sehr ich leide!“
„Tust du das denn?“, fragte er provokant und Gretchen senkte ihren Blick zu Boden. Natürlich litt sie darunter, dass sie nicht mit Marc zusammen war. Es gab Momente, da sehnte sie sich so unglaublich sehr nach ihm, dass sie dachte, sie könnte den Schmerz nicht ertragen. Doch sie konnte nicht wieder mit ihm zusammen sein. Marc und sie waren doch wie Feuer und Wasser. Sie konnten nicht normal zusammen leben. Sie waren zu unterschiedlich und ebenso waren auch ihre Lebenspläne.
„Ich sehe das mal als ‚Ja’!“, beantwortete sich Marc die Frage selbst. „Du weißt, wie du das ändern kannst! Und bis dahin wünsche ich dir viel Spaß mit den Akten!“ So drehte sich Marc um und marschierte den Gang entlang zum Schwesternzimmer. Mit offenem Mund sah Gretchen ihm eine Zeit lang nach, bis sie ihm nachtrottete und ihn auch bald einholte.
„Akten? Du kannst mir jetzt doch nicht die OPs wegnehmen!“
„Stell dir vor, aber als dein Oberarzt kann ich das sehr wohl!“
„Kannst du bitte beruflich und privat trennen?“ Sie waren gerade im Schwesternzimmer angekommen, als Marc sich ruckartig umdrehte und Gretchen mit ernstem Blick ansah.
„Es gibt immer zwei Assistenten, ja? Du hattest in letzter Zeit genug Gelegenheit gehabt, dich zu beweisen! Vielleicht sogar mehr als dir zugestanden wäre! Jetzt ist Knechtelsdorfer dran und fertig!“
„Dann hätte ich ja gleich zu Hause bleiben können!“
„Meinetwegen gerne!“ Anscheinend will der mich hier rausekeln. So nicht, Marc Meier!
Gretchen setzte ein möglichst freundliches Lächeln auf und bemühte sich für ihre Antwort um einen zuckersüßen Ton.
„Dann erledige ich mal die Akten!“ Aus den Augenwinkeln erkannte sie, dass er nicht glücklich darüber schien, doch darum kümmerte sie sich nicht weiter. Stattdessen ging sie lieber wieder aus dem Schwesternzimmer und traf dabei auf Mehdi, der gerade Richtung Fahrstuhl ging.
„Mehdi, kann ich bitte mal mit dir reden?“, fragte sie ihn schnell noch bevor er in den Aufzug einsteigen konnte, der just in diesem Augenblick ankam und die Türen öffnete. Mehdi drehte sich zu Gretchen um, warf dann noch einen Blick zurück zum Fahrstuhl, wandte sich dann aber doch der blonden Ärztin zu.
„Tut mir wirklich Leid, aber ich muss jetzt los. Ich geh mit Maria und den Kindern in den Zoo.“
„Mit der Hassmann?“
„Ja! Sie hat mir ja auch dabei geholfen, dass ich Lilly wiederhabe. Und unsre Kinder verstehen sich ja auch ganz gut.“, erklärte Mehdi und Gretchen nickte leicht, war aber doch enttäuscht. Sie hatte gehofft, dass sie ihr Herz bei einem Freund ausschütten konnte. Aber andererseits freute sie sich auch unheimlich, dass Mehdi das Leben wieder genießen konnte.
„Na gut. Dann wünsche ich dir viel Spaß!“

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Verena1991 Offline

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14.05.2010 19:07
#191 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Ich weiß, ihr wollt alle Zucker, aber jetzt geh ich auch mal wieder ein andres Thema an. Danke an Edina, die für mich Knechtelsdorfer übersetzt hat Dann weißte ja auch gleich, in welchen Zusammenhang die Sätze standen, wenn ich schon so geizig mit Spoilern bin


„Sabine, haben Sie Knechtelsdorfer gesehen? Wir, also ich nicht, aber Marc hat jetzt eine OP und keine Spur von ihm! Also von Knechtelsdorfer. Auf seinen Pieper reagiert er auch nicht.“, fragte Gretchen die Schwester später am Tag, nachdem Marc ihr deutlich zu verstehen gegeben hat, dass sie wirklich aus der OP-Planung gestrichen war und lediglich dafür sorgen sollte, dass die OPs wenigstens sonst stattfinden konnten und die Akten bearbeitet wurden.
„Der ist vorhin mit dem Herrn Tolkien verschwunden! Soweit ich das richtig mitbekommen habe, wollten die beiden in den Keller!“
„Aha?“
„Ja und dabei klangen sie ziemlich geheimnisvoll. Als ob niemand wissen dürfte, dass sie da unten sind.“
Was machen die beiden denn unten im Keller? Da ist doch eh nichts. Oder sind die beiden… Aber dann würde Gordon mir doch nicht immer so Komplimente machen! Ne, das kann nicht sein!
„Gut, dann werd ich da wohl mal suchen gehen.“
„Frau Doktor?“ Bevor Gretchen die Suche angehen konnte, wurde sie durch das Erklingen von Sabines Stimme noch einmal zurückgehalten. „Passen Sie auf sich auf!“ Diesen Tipp gab Sabine ihr noch mit einem verschwörerischen Blick, was Gretchen nur mir einem gezwungenen Lachen erwiderte. Da sie wusste, dass Marc wieder ziemlich sauer sein würde, wenn sie ohne ihren österreichischen Kollegen zurückkommen würde, entschloss sie sich, dass sie lieber nach unten gehen würde, um die beiden zu suchen, auch wenn sich Sabine die schlimmsten Fantasien ausmalte. Leider wusste sie nicht genau, wo sie suchen sollte und so kam es ihr sehr gelegen, als sie nach einigen Minuten des erfolglosen Umherstreifens Stimmen hörte. Sie folgte den Lauten und kam schließlich vor einer Holzwand zum Stehen. Sie hörte ganz genau, dass die beiden dahinter sein mussten, aber sie wusste nicht genau, wie diese Tür aufging. Sie griff an das Holz und versuchte zu drücken, aber dabei tat sich nichts. Doch anscheinend hatte sie damit so viel Aufmerksamkeit erregt, dass sie mitbekam, wie die Tür von der anderen Seite geöffnet wurde und Maurice den Kopf herausstreckte, ohne dass sie in das Innere des Raumes sehen konnte.
„Frau Doktor Haase! Wos moch Se denn do?“
„Das wollte ich Sie auch gerade fragen! Wir, also Sie, haben eine OP!“
„Scheiße, des hob i total vergessn! Gehn Se scho amol vor, i kumm glei noch!“, redete er sich raus und wollte den Raum schon wieder abriegeln, doch so leicht ließ sich Gretchen nicht abwimmeln.
„Darf ich mal fragen, was Sie da drin machen?“
„Nix!“, versuchte er zu leugnen, doch er konnte niemandem vormachen, dass er nur aus Jux und Tollerei sich in diesem geheimen Raum im Keller verschanzte. Und das wohl zusammen mit Gordon.
„Knechtelsdorfer, es ist mir ja wirklich egal, was Sie hier unten mit Gordon machen. Aber es wäre vielleicht besser, wenn Sie das zu Hause machen und Ihre Arbeit nicht vernachlässigen.“
„Wos manen se jetzt damit?“
„Naja, also Sie und Gordon hier unten allein im Keller… Meine Güte, Homosexualität ist doch etwas vollkommen Natürliches!“
„Wos? Na, der Gordn und i san net…“
„Also jetzt reicht’s aber mal! Was ist hier denn los?“ Für Knechtelsdorfer vollkommen unerwartet kam Gretchen immer mehr auf ihn zu und stieß schließlich die Tür samt dem Arzt zur Seite. Und was sie in dem Raum sah, ließ sie wirklich erstaunen.

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Verena1991 Offline

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15.05.2010 13:06
#192 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Mehdi und Maria waren samt Kindern im Zoo unterwegs und Lilly und Felix, der Sohn der Neurochirurgin, liefen begeistert von Gehege zu Gehege, während die Erwachsenen eher gemütlich hinter den Kleinen herschlenderten. Mehdi lief leger gekleidet in Jeans und Pullover herum und hatte die Hände in die Hosentaschen gesteckt, wohingegen Maria in ihrem weißgrauen Businessoutfit nicht ganz in das Bild eines gemütlichen Ausflugs passte.
„Ich kann noch immer nicht ganz glauben, dass ich sie tatsächlich wiederhabe!“, erklärte Mehdi, der seiner Tochter verträumt zusah, wie sie glücklich die Tiere bestaunte.
„Glauben Sie es lieber mal! Sonst können Sie es ja gar nicht richtig genießen!“
„Das tu ich natürlich! Ich hatte nur fast nicht mehr daran geglaubt, dass ich sie jemals wiederhaben werde.“
„Ist auf alle Fälle besser, wenn sie bei Ihnen ist als bei Anna. Im Koma ging die Frau ja noch, aber sonst baut sie ja nur Mist!“
„Ich war auf nicht immer gut für Lilly. Vor allem nach Annas Unfall…“
„Inwiefern?“, fragte Maria interessiert nach, doch Mehdi schüttelte nur den Kopf. Das war nicht der richtige Augenblick, um darüber zu sprechen.
„Ist jetzt nicht so wichtig! Jetzt ist immerhin wieder alles gut! Die Zeit nach dem Unfall will ich nur noch vergessen!“
„Und werden Sie ihr verzeihen?“
„Anna? Dazu ist zu viel passiert. Ich wäre nur froh, wenn wir eines Tages normal miteinander umgehen können, aber eine Beziehung kann und wird es nicht mehr geben!“, stellte Mehdi klar fest und ein verstohlenes Lächeln breitete sich auf Marias Gesicht aus. Vielleicht war dieser Mann ja doch nicht endgültig verloren.

Mit offenem Mund starrte Gretchen auf die riesige Hanfplantage, die sich hier im Keller des Elisabethkrankenhauses versteckte. Da wäre es ihr wirklich lieber gewesen, wenn Maurice und Gordon hier einer Liebschaft nachgingen.
„Ey, Mo, kannst du nicht besser aufpassen? Was sollen wir jetzt machen?“, konfrontierte Gordon seinen Partner schroff mit der Tatsache, dass sie nun eine weitere Mitwisserin hatten.
„Tschuldigung, oba de is anfoch einaplatzt!“
„Bist du jetzt zu blöd, um eine Tür zuzuhalten? Der können wir nicht auch noch was zahlen!“
„Ähm, ich will bestimmt nicht an eurem Geschäft hier teilhaben!“, stellte Gretchen schnell klar, nachdem sie ihre Sprache wiedergefunden hatte. „Das ist illegal! Und dann noch im Krankenhaus! Das fällt doch auch alles auf meinen Vater zurück!“
„Deswegn hom ma`s jo a im Kölla gmocht!“
„Das aber die längste Zeit! Ich werde das sofort meinem Vater sagen!“
„Dann müssten wir aber auch Ihre Mutter verraten!“ In dieser ausweglosen Situation ging Gordon nun zum Angriff über. Wenigstens in diesem Augenblick war die Teilhabe von Bärbel Haase etwas von Nutzen.
„Meine Mutter? Was hat die denn damit zu tun?“
„Naja, doch so einiges! Sie hat uns geholfen!“ Mama hat WAS? Das kann doch jetzt echt nicht wahr sein! Wir sind ja jetzt nicht arm und… Die Altersvorsorge… Aber muss sie deswegen hier gleich zur Drogenmutti werden?
Von den Ereignissen waren die Gemüter der Beteiligten so erhitzt, dass keiner so recht mitbekam, dass Gordons vorhin angezündeter Joint nicht so blieb wie gewünscht, sondern langsam runter auf ein paar alte, gut entflammbare Blätter auf dem Holztisch fiel…

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Verena1991 Offline

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15.05.2010 19:15
#193 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Es herrschte ein reges Durcheinander im Krankenhaus, als die Feuerwehr im Elisabethkrankenhaus im Einsatz war. Keiner wusste so recht, was wo geschehen war und wie man sich nun verhalten sollte. Zu Marcs Leidwesen schien das Feuer auch Gretchen und Knechtelsdorfer in Unruhe versetzt zu haben, denn beide hatte er schon einige Zeit nicht mehr gesehen. Deshalb suchte er auch eine Schwester auf, der er zwar keinerlei Fachkompetenz zusprach, aber die dennoch ab und an zu etwas nützlich war.
„Sabine, wo sind Doktor Haase und Knechtelsdorfer?“
„Der Herr Knechtelsdorfer wollte in den Keller und die Frau Doktor wollte ihn suchen.“, gab Sabine ihm nüchtern zur Antwort, nachdem sie ihren „Doktor-Rogelt“-Roman hatte sinken lassen, schaltete dann aber um zu einem verschwörerischen Tonfall. „Ich finde es ja gruselig da unten.“
„Dann weiß ich ja, wo ich meine Ruhe vor Ihnen habe! Und wie wäre es mal mit Arbeiten statt Lesen?“
„Ich dachte nur nach dem Feuer… So kann ich gut abschalten.“
„Ich wüsste nicht, was es bei Ihnen abzuschalten gibt!“, warf Marc ihr noch kurz an den Kopf, drehte sich dann schon schnell um und machte sich dann auf den Weg nach unten. Es konnte doch nicht sein, dass seine beiden Assistenzärzte einfach so verschwanden. Er stieg zu zwei Schwestern in den Fahrstuhl und drückte den Knopf für das Untergeschoss.
„Sie wollen ins Untergeschoss? Da, wo gerade der Brand war?“, fragte ihn eine der beiden Frauen und augenblicklich stand der Schreck in Marcs Augen geschrieben. Gretchen sollte im Keller gewesen sein ebenso wie der Brand. Er malte sich die schrecklichsten Vorstellungen aus, was mit Gretchen passiert sein könnte. Das durfte aber nicht sein. Es musste ihr gut gehen. Sie war die Frau seines Leben und er wusste genau, dass er nie wieder jemanden so lieben würde.
„Das Feuer haben sie ja glücklicherweise gelöscht. Ein Raum soll aber komplett abgebrannt sein! Ich glaube, die sprechen die Einzelheiten gerade im Büro des Professors durch.“, erklärte die andere, nachdem von Marc keiner Reaktion kam. Kurzfristig verwarf dieser seinen bisherigen Plan und machte sich nun doch lieber auf den Weg zum Professor. Ohne ein Wort ließ er die beiden Damen im Fahrstuhl zurück und schritt mit schnellen Schritten zu dem Büro. Seine Gedanken waren wirr und von Angst besessen. Er wollte sich einreden, dass alles gut war und Gretchen mit Sicherheit nichts passiert war, aber dennoch kam ihm immer wieder die Frage in den Sinn, wie es ohne sie weitergehen konnte. Noch hatte er die Hoffnung, dass sie bald wieder zusammen wären, aber das Schicksal konnte das doch nicht einfach ändern. Und das ohne, dass sie sich ausgesprochen hatten und er ihr alles sagen konnte, was ihm auf der Seele lag. Er hatte eingesehen, dass sein Verhalten nicht richtig war, aber in dem Moment hatte er einfach nicht anders handeln können. Jetzt wusste er, dass alles vollkommen egal war, solange sie nur zusammen waren. Nein, er wollte diese Frau, seine Frau, niemals verlieren. Sollte er einmal eine Familie haben, dann nur mit ihr. Vielleicht wäre er eines Tages wirklich so weit. Zwar hatte er noch nie wirklich über die Zukunft nachgedacht, aber dennoch war für ihn klar, dass er diese nur mit Gretchen verbringen wollte. Sie war seine Zukunft, seine Familie und sein Leben. Das durfte er nicht verlieren. Er stieg gerade die letzten Treppen hoch zum Büro des Professors, als sich dir Tür langsam öffnete. Marcs Herz schlug immer schneller und er hoffte, dass gleich ein wunderschöner Blondschopf namens Gretchen aus dem Raum kommen würde.

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Verena1991 Offline

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15.05.2010 22:15
#194 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Es kam zwar eine Person mit blondem Haar heraus, doch diese war in Marcs Augen weder wunderschön noch hieß sie Gretchen.
„GORDON! Sie bleiben gefälligst hier!“, ermahnte der Professor den Mann, der sich gerade aus dem Büro schleichen wollte. Der Sanitäter ließ den Kopf hängen und trottete wieder ins Büro zurück, während die Feuerwehrleute das Büro verlassen durften. Marc hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, dass auch Gretchen noch herauskommen würde. Dennoch schritt er weiter auf die Bürotür zu, als sich noch eine weitere Peron herausstahl. Marc atmete erleichtert aus, als er erkannte, dass diese Peron Gretchen war. Es fiel ihm ein riesengroßer Stein vom Herzen und so lief er äußerst dynamisch auf die blonde Frau zu, die gerade die Tür hinter sich geschlossen hatte und nun mit Verwunderung ihren Blick auf Marc richtete.
„Marc, was…?“ Weiter kam Gretchen schon gar nicht mehr, da wurde sie an den Handgelenken gepackt und grob drängte Marc sie an der Wand.
„Was fällt dir ein?“ Mit einem stechenden Blick sah Marc Gretchen an und diese erschrak, als sie die Mischung aus Wut, Verzweiflung und Angst in seinen Augen erkannte. Dabei wusste sie überhaupt nicht, was er meinte.
„Was hab ich denn gemacht? Und jetzt lass mich mal los!“
„Du hast nichts gemacht?“ Anstatt seinen Griff zu lockern, drückte Marc nur noch fester zu, sodass er Gretchen schon etwas wehtat. Als sie jedoch merkte, wie seine Stimme langsam zittrig wurde und sogar seine Augen leicht wässrig wurden, achtete sie kaum noch darauf. „Hier gibt es ein Feuer im Keller und du warst im Keller! Du bist nirgendwo aufzuspüren und keiner weiß, wo du bist oder wie es dir geht!“
„Ja, aber mir geht’s doch gut! Wir sind da ja rechtzeitig raus! Ich war ja auch eben nur…“ Bevor sie mit ihren Erklärungen fortfahren konnte, spürte sie schon seine Lippen, die ihre mit einem begierigen Kuss verschlossen. Von der einen auf die andere Sekunde verknüpften sich sämtliche Synapsen in ihrem Gehirn neu und waren nun auf „Küssen“ ausgerichtet. Noch immer drückte Marc sie kräftig gegen die Mauer, spürte aber, wie sie sich nicht mehr gegen seinen Griff wehrte. Ihre Knie waren mittlerweile butterweich und so war es doch wichtig, dass Marc sie festhielt. Er lockerte den Griff um ihre Handgelenke und fuhr langsam ihre Arme herunter, dann seitlich an ihren Brüsten, bis zu ihrer Taille. Seine Hände bahnten sich ihren Weg zwischen Rücken und Wand und drückten ihren Körper noch näher zu sich heran. Ihre freigewordenen Hände vergrub sie nun in seinem Haar zersauste es mit Leidenschaft. Als sich nun auch Marcs kleiner Freund meldete, torkelten sie gemeinsam in den nächstgelegenen kleinen Lagerraum ohne voneinander abzulassen. Schnell fielen ihre Kittel zu Boden und schon mühten sich Marcs Hände an ihrer Bluse ab. Die Knöpfe bereiteten ihm jedoch einige Probleme und so entschied er sich kurzfristig dazu, ihr die Bluse einfach aufzureißen, sodass sämtliche Knöpfe absprangen und klirrend auf den Boden fielen. Gemeinsam glitten sie langsam ebenfalls zu Boden und Marc legte sich auf Gretchen. Seine Lippen wanderten ihren Hals hinab und küssten gierig jede Stelle. Danach verwöhnte er ihre Brüste, was Gretchen auch sichtlich genoss. Sie streckte sich ihm entgegen, bis ihr wieder in den Sinn kam, warum sie die letzte Zeit darauf verzichten musste. Sie stieß ihn von sich herunter und richtete sich wieder auf.
„Was ist denn jetzt los?“, fragte Marc negativ überrascht und setzte sich ebenfalls wieder auf, während Gretchen schon aufstand und ihren Kitteln in die Hand nahm und reinschlüpfte.
„Das weißt du ganz genau! Du kannst doch nicht glauben, dass so alles wieder in Ordnung ist!“
„Warum denn nicht verdammt?“ Auch Marc stand auf und kam auf Gretchen zu. Er legte seine Hände kurz auf ihre nackte Taille, doch erneut wurde er nur zurückgestoßen.
„Weil es nicht geht!“ Da ihre Bluse dank Marc nicht mehr zuzuknöpfen war, zog sie ihren Kittel vorne fest zusammen und verließ schnell den kleinen Raum. Unschlüssig, ob er ihr folgen sollte, blickte Marc ihr hinterher, entschied sich aber letzten Endes doch dagegen. Wenn sie ihn nicht wollte, war Kämpfen wohl zwecklos…

http://www.youtube.com/watch?v=g5DKDqxfm7E&feature=related

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Verena1991 Offline

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16.05.2010 13:02
#195 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Im Büro des Professors hing nicht einmal der Hauch von Liebe in der Luft. Böse und wütend funkelte Professor Haase die beiden Herren auf der anderen Seite des Schreibtisches an.
„Langsam wird mir das hier wirklich zu bunt! Sie sagen mir auf der Stelle, warum in Herrgottsnamen im Keller meines Krankenhauses Marihuana angebaut wurde!“
„Von irgendwos muars ma jo lebm!“, antwortete Knechtelsdorfer schnell, aber als er sah, wie sich der Blick des Professors immer mehr verfinsterte, fügte er noch hinzu: „Und außerdem hülft`s jo di Krebspartientn sehr!“
„In dieser Klinik behandeln wir die Krebspatienten so gut wie sie es sich nur wünschen können! Mit legalen Mitteln! Mit Ihrem kleinen Nebenverdienst schaden Sie doch nur dem Ruf meiner Klinik! Und meine Tochter haben Sie auch noch in Gefahr gebracht! Ich schwör Ihnen, ich mach Sie fertig!“
„Ist doch nichts passiert! Also Ihrer Tochter… Wir haben das Feuer ja rechtzeitig bemerkt!“, versuchte Gordon die Angelegenheit runterzuspielen.
„ICH REDE JETZT! Und dass Sie gefeuert sind, brauche ich Ihnen wohl kaum zu sagen!“
„Oba des kennen Se jo net mochn!“
„Und ob ich das kann! Und davon nicht genug! Sie werden klarstellen, dass das alles hinter meinem Rücken abgelaufen ist! Am besten stellen Sie sich freiwillig der Polizei!“
„Theoretisch könnten wir das natürlich machen, aber… dann müssten wir Ihre Frau auch verpfeifen!“ Erneut schritt Gordon zu dem letzten Schritt, der ihn und seinen Partner noch retten konnte, die Erpressung. Ungläubig sah Franz den Sanitäter eine Weile schweigend an, ehe er sie räusperte und sich die richtigen Worte zurechtlegte.
„Weswegen sollten Sie meine Frau verpfeifen können? Meine Frau hat überhaupt nichts getan!“
„Über den Punkt sollten Sie mal mit ihr reden. Und wenn Sie nicht wollen, dass Ihre Frau auch ins Gefängnis geht, sollten Sie uns auch aus der Sache raushalten!“
„Genau! Und vielleicht a klanes Empfehlungsschreibm für aundre Klinikn. I würd jo sehr gern zruck noch Wien!“, erweiterte Maurice Knechtelsdorfer die Wunschliste der beiden Drogenbauern und mit jeden Wort fühlte sich Franz mehr und mehr in einen schlechten Film versetzt. War das Feuer nicht schon Unglück genug, durfte er sich nun auch noch von den Verursachern erpressen lassen. Aber noch konnte er sich nicht vorstellen, dass die beiden wirklich die Wahrheit sagten.

Bärbel Haase war dem Gespräch schon näher als sie glaubte. Mit einer kleinen Tupperbox in den Händen hatte sie das Krankenhaus betreten, als sie Gretchen erblickte, die sich den Kittel auffällig streng vorne zuzog.
„Margarethe!“ Der schrille Aufschrei ihrer Mutter ließ die Ärztin zusammenzucken und sich leicht panisch umsehen. Sie konnte gar nicht schnell genug rennen, da stand Bärbel auch schon neben ihr und versuchte sich an Smalltalk.
„Hallo, Mama!“
„Was läufst du denn so verkrampft rum?“
„Ich, äh… nur so! Ich hab’s auch ganz eilig!“ Kann ihr ja schlecht sagen, dass Marc mir gerade meine Bluse zerrissen hat.
„Kind, du arbeitest zu viel! Aber gut, ich muss dann auch gleich weiter zu deinem Vater, ihm sein Essen bringen!“ Bärbel wandte sich wieder ab und auch Gretchen war heilfroh, ihre Mutter loszusein. Dann fiel ihr jedoch auch wieder das Feuer ein und die Tatsache, dass Bärbel wohl etwas mit den Drogen zu tun hatte.
„Mama!“, rief Gretchen noch hinterher, doch Bärbel hörte sie schon gar nicht mehr.
Na dann halt nicht! Ärger gibt’s auf jeden Fall, egal ob ich sie vorwarne oder nicht.

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Verena1991 Offline

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16.05.2010 21:32
#196 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

So betrat Bärbel vollkommen ahnungslos das Büro ihres Mannes, doch schon sein Gesichtsausdruck alleine machte ihr vollkommen klar, dass etwas nicht in Ordnung war. Dass auch noch ihre „Kollegen“ in dem Raum saßen, ließ ihr einen schlimmen Verdacht kommen.
„Franz, was…?“
„Bärbel, würdest du mir bitte sagen, dass du nichts mit Drogen am Hut hast!“, wies Franz sie an, doch Bärbels schuldbewusster Blick zu Boden sorgte dafür, dass er erkannte, dass die beiden Männer doch die Wahrheit gesagt hatten.
„Franz, es tut mir so Leid!“
„Sie können jetzt dann gehen! Ich würde gerne mit meiner Frau unter vier Augen sprechen.“, meinte der Professor noch zu den beiden Männern, die darauf fast fluchtartig das Büro verließen und wirklich froh waren, dass sie einer weiteren Standpauke so erstmal entkommen konnten.
„Bitte verzeih mir!“
„Warum, Bärbel? Wir haben ein Bankschließfach voller Geld. Wir haben ausgesorgt!“ Aufgebracht erhob sich Franz von seinem Sessel und schritt in dem Raum hin und her.
„Das ist es ja… Das Geld ist weg!“
„WAS?“ Entsetzt riss Franz die Augen auf und blieb abrupt stehen. Bärbel wusste, dass es keinen Weg mehr gab, der an der Wahrheit vorbeiführte. Also wollte sie endlich auspacken. Vielleicht hätte sie das schon viel früher tun sollen, aber daran konnte sie auch nichts mehr ändern. Die Vergangenheit war schon geschrieben worden und nun musste sie sich der unangenehmen Gegenwart stellen.
„Ja! Ich… hatte einen Liebhaber! In Indien.“
„Du hattest was?“ Die Augen des Professors weiteten sich immer weiter bei all den Geheimnissen, die nun ans Licht kamen. Erst erfuhr er, dass seine Frau nebenberuflich Hanf anbaute und jetzt war auch noch ihre Altersvorsorge weg und sie hatte einen Liebhaber. Das waren weitaus zu viele Neuigkeiten für einen Tag.
„Du hast doch selbst gesagt, wie das ist. Man will einfach nicht zum alten Eisen gehören und sucht sich Bestätigung. Und Eric…“
„Eric heißt er also? Wenn ich den in die Finger bekomme!“, regte sich der Chefarzt fortwährend auf und gestikulierte dabei wild mit den Armen.
„Jedenfalls muss er irgendwie an unseren Schlüssel zu dem Bankschließfach gekommen sein…“
„Du willst mir also sagen, dass du deinen Liebhaber hier anschleppst und der unser Geld klaut?“
„Ja! Aber Franz, ich liebe wirklich nur dich!“, beteuerte Bärbel weiter und wollte ihre Hand auf den Arm ihres Mannes legen, doch dieser entzog sich ihr schnell. „Bitte verzeih mir! Ich wollte das Geld ja auch zurückbekommen, bin dafür arbeiten gegangen…“
„Hast Marihuana angebaut…“
„Aber doch nur, um dich nicht verletzen zu müssen und damit wir weiter so glücklich sein können!“
„Das hätte ich dir niemals zugetraut, Bärbel! Ich glaube, es ist besser, wenn ich erst einmal ins Hotel ziehe!“ Obwohl der Vorschlag von ihm selbst kam, musste Franz schwer schlucken. Er wollte sein Heim nicht aufgeben, aber angesichts der neuesten Informationen schien ihm das die vernünftigste Lösung zu sein.
„Was? Nein! Bitte, wir lieben uns doch!“, kämpfte Bärbel weiter um ihren Mann, doch der war zu verletzt und geschockt von den neusten Offenbarungen, um ihr verzeihen zu können.
„Würdest du dann bitte gehen? Ich muss irgendwie wieder in Ordnung bringen, was du mit deinem Drogenanbau zerstört hast! Irgendjemand muss das ja mit der Polizei regeln.“ Entschlossen setzte sich Franz wieder hinter seinen Schreibtisch. Bärbel kannte ihren Mann zu gut, um zu wissen, dass jegliches Reden jetzt zwecklos war.
„Ich stell dir das Essen auf die Kommode.“, teilte sie ihm noch mit, ehe sie wieder das Büro mit einem ziemlich schlechten Gefühl verließ.

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Verena1991 Offline

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17.05.2010 12:49
#197 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Gut verlaufen war der Tag lediglich für Mehdi, Maria und ihre Kinder, die einen wunderbaren Tag im Zoo verbracht hatten. Sie waren noch Eisessen gegangen und anschließend hatte Familie Kaan die Hassmanns noch zur Tür gebracht.
„Dann Danke für den schönen Tag, Frau Hassmann! Mein letzter Familienausflug ist ja nun auch schon etwas her!“, begann Mehdi mit der Verabschiedung, während die todmüde Lilly auf seinem Arm eingeschlafen war. Maria lächelte leicht wegen seiner Wortwahl. Auch sie erlebte seit der Trennung von ihrem Mann selten solche Tage und hatte ihn deshalb nur noch mehr genossen.
„Familie stimmt ja nun nicht so ganz.“
„Nein. Naja, Sie wissen, was ich meine!“
„Ich kann’s mir denken.“
„Vielleicht kann man das ja mal wiederholen?“
„Ja, vielleicht! Mal sehen, ob es sich mal einrichten lässt.“, gab Maria nüchtern zur Antwort, doch in ihrem Kopf legte sie sich schon einen Plan zurecht, wie sie Mehdi erobern konnte. Zwar hatte sie in den letzten Jahren immer wieder flüchtige Bekanntschaften gehabt, doch im Grunde wünschte sie sich doch eher einen festen Partner an ihrer Seite, der auch für eine Familie sorgen konnte und wollte. Dass Mehdi genau so ein Mann war, war ihr heute wieder einmal bewusst geworden.
„Ich geh dann auch mal wieder. So langsam wird Lilly doch etwas schwer. Also bis bald!“
„Da kannst du drauf wetten!“, murmelte Maria noch, während Mehdi seine Tochter zu seinem Auto trug. Sie sah ihm noch eine Weile nach, ehe sie in ihr Haus ging und die Tür hinter sich schloss.

Verwirrt von dem Tag kam Gretchen abends endlich nach Hause. Es war nicht einfach zu arbeiten, wenn man vorher fast mit dem eigenen Chef und Exfreund geschlafen hatte. Zwar durfte sie wie von Marc angedroht, nur für die Akten Verantwortung übernehmen, aber dennoch hatte sie immer wieder Marcs Blick im Nacken gespürt. Das hatte sie schließlich auch dazu gebracht, eine Stunde vor Feierabend schon nach Hause zu fahren. Eigentlich hatte sie sich auf Wohnungssuche begeben wollen, um endlich in ein eigenständiges Leben zu starten, doch kaum hatte sie das Haus betreten, konnte sie schon ein Schluchzen aus dem Wohnzimmer vernehmen. Verwundert ging sie weiter und machte ihre Mutter auf einem der gelben Sofas, ein altes Fotoalbum in der Hand.
„Mama, ist alles in Ordnung?“
„Oh, Gretchen!“ Schnell wischte sich Bärbel einige Tränen von den Wangen und zwang sich zu einem kurzen Lächeln, das aber ebenso schnell wieder verschwand und erneut schluchzte sie. Gretchen setzte sich neben ihre Mutter und wartete auf eine Antwort, doch von Bärbel kam erstmal nicht außer ein leises Weinen.
„Was ist denn los?“
„Damals war noch alles so schön! Was ist denn, wenn es nie wieder so wird?“
„Äh… Wieso sollte es nicht?“, fragte Gretchen nach, während Bärbel das Fotoalbum wieder auf den Tisch legte, um sich ganz ihrer Tochter zu widmen.
„Ich hab alles kaputt gemacht! Dein Papa weiß alles! Von Eric, dem Geld, den Drogen…“
„Du hattest also wirklich etwas damit zu tun? Mama, du hättest dir doch denken können, dass das früher oder später nicht gut ausgeht!“
„Irgendwie musste ich das Geld doch zusammenkriegen… für deinen Papa und mich!“ Bärbel lehnte sich an ihre Tochter an, die allerdings gerade mehr geschockt über ihre Drogenmutter war. Da sie aber nicht mitansehen konnte, wie schlecht es Bärbel ging, nahm sie ihre Mutter doch in den Arm und versuchte ihr etwas Trost zu spenden. Dabei hätte sie den selbst auch am dringendsten gebraucht.

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Verena1991 Offline

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17.05.2010 16:56
#198 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Also ich vermute ja mal, dass ihr schnellstmöglich eine Versöhnung wollt. Wollte aber schonmal ankündigen, dass sich das ein klein wenig hinziehen könnte, da ich übers Pfingstwochenende nicht da bin. Aber sind ja insgesamt 2 Wochen Ferien, die sich bestimmt für einiges nutzen lassen. Werd mich aber vorher noch um nen Lichtblick für euch bemühen Ich hoffe, ihr bleibt mir bis dahin auch weiterhin treu


Und so kam es, dass auch Gretchen ihre Tränen nicht weiter zurückhalten konnte. Ihr Körper begann unwillkürlich zu beben und wollte einfach nicht damit aufhören. Das konnte auch Bärbel nicht verborgen bleiben, die sich wieder ganz aufrecht hinsetzte und ihrer Tochter behutsam die Hand auf die Schulter legte.
„Margarethe? Was hast du denn jetzt?“
„Nichts, Mama!“, versuchte Gretchen abzustreiten, was angesichts ihres momentanen Zustands jedoch sinnlos war.
„Glaubst du, du kannst mir etwas vormachen? Ich merk doch, dass es dir seit Tagen nicht so gut geht. Es war ja auch leider kein Herankommen an dich. Ich dachte, du würdest zu mir kommen, aber scheinbar kann ich darauf lange warten.“
„Ich will jetzt wirklich nicht darüber reden!“
„Ich will dir doch nur helfen! Ich hab in letzter Zeit so viele Fehler gemacht, da muss ich jetzt wenigstens für meine Tochter da sein! Hat es etwas mit dem Doktor Meier zu tun?“, fragte Bärbel nach, woraufhin Gretchen nur noch mehr zuckte und somit verriet, dass ihre Mutter auf der richtigen Spur war. „Habt ihr euch gestritten?“
„Schön wär’s, wenn’s nur das wäre… Wir sind nicht mehr zusammen…“ Ein ungeheurer Schmerz durchfuhr Gretchen, als sie die Wahrheit so offen aussprach. Die Worte fühlten sich so falsch an. Aber es musste doch einfach die richtige Entscheidung sein. Für sie und für Marc. Dennoch tat es weh. Ihr Wissen über die gescheiterte Beziehung war schon hart, aber das sie es jetzt auch aussprechen musste, machte die Sache viel realer. Und oftmals war es einfach leichter, sich nicht der Realität zu stellen.
„Ihr habt euch getrennt? Hat er etwa wieder mit dieser Schwester Gabi…?“
„Nein, Mama, das hat damit nichts zu tun! Es ist nur… Marc und ich sind total verschieden! Das war doch alles von Anfang an zum Scheitern verurteilt…“
„Da hast du wohl Recht!“, meinte Bärbel nur trocken und ließ wieder etwas in Gretchen zerbrechen. Die Bestätigung von außer zu bekommen, machte sie weiß Gott nur noch unglücklicher.
„Was? Wie kannst du so was denn sagen?“
„Du hast es doch selbst gesagt!“
„Und? Dann heißt noch lange nicht, dass du es auch sagen darfst!“ Gretchen stand auf und ging etwas mehr in die Mitte des Raumes, wo sie einigen Abstand zu ihrer Mutter hatte. Sie wusste ja auch, dass diese Begründung von ihr irrational war, aber das war der Trennungsschmerz auch. Sie hatte die Beziehung beendet, weil sie es für besser für beide hielt, aber ständig fühlte sie sich, als wäre es ein riesiger Fehler gewesen.
„Aber Margarethe, was hast du denn jetzt? Ich meine es doch nur gut mit dir!“
„Tut mir ja Leid, aber das hilft mir momentan auch recht wenig weiter. Mit Marc ist es vorbei, operieren darf ich jetzt anscheinend auch nicht mehr und jetzt trennt ihr euch auch noch! Zurzeit läuft doch wirklich alles schief!“
„Es hat doch noch gar keiner gesagt, dass dein Vater und ich uns trennen! Bis jetzt haben wir doch auch alles geschafft!“
„Deinen Optimismus hätte ich auch gerne! Nur leider ist das Leben eben einfach kein Traum, in dem alles schön ist! Am Ende geht doch immer alles schlecht aus!“ Erschüttert über das negative Weltbild, das sich ihre Tochter aufgebaut hatte, sagte Bärbel erst einmal nichts und diese Gelegenheit nutzte Gretchen gleich, um aus dem Zimmer zu rauschen, um sich ihrem Tagebuch anzuvertrauen. Es verstand ja doch niemand, wie sie momentan fühlte.

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Verena1991 Offline

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17.05.2010 21:04
#199 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Du warst mit der Hassmann im Zoo?“, fragte Marc erstaunt seinen besten Freund. Beide hatten auch schon lange nichts mehr zusammen unternommen und so hatte Marc zugestimmt, dass er Mehdi beim Einzug in die neue Wohnung helfen würde. Etwas Besseres hatte der Chirurg ohnehin nicht mehr zu tun, seit seine Freundin weg war. Und bevor er alleine in seiner Bude hockte und seine Gedanken nur um Gretchen kreisten, konnte er auch einfach seinem alten Kumpel helfen. Es waren noch einige Möbel aufzubauen gewesen und inzwischen war es wirklich ein kleines Zuhause für Mehdi und Lilly geworden. Und nach getaner Arbeit gönnten sich die Männer noch ein Feierabendbier.
„Ja, warum denn nicht?“
„Du kannst mit ner Frau doch nicht in den Zoo! Geh mit ihr essen oder mach sonst etwas, damit du sie flachlegen kannst!“
„Das ist der grundlegende Unterschied zwischen uns. Du willst immer gleich jede ins Bett kriegen, aber Frau Hassmann und ich sind nur Kollegen, deren Kinder eben befreundet sind!“
„Und warum nicht mehr? Mehdi, du brauchst echt mal wieder eine Frau, der du nicht nur zwischen die Beine schauen darfst, sondern die dich auch ranlässt!“
„Im Gegensatz zu dir bin ich aber nicht so sexfixiert. Aber du hattest für deine Verhältnisse ja auch recht wenig Sex in letzter Zeit.“, stellte Mehdi fest und wechselte so schnell das Thema, bevor Marc ihm noch weiter einreden würde, dass er eine neue Frau brauchte. Sein Herz schlug eben doch noch zu sehr für Gretchen, als dass er sich auf eine neue Beziehung einlassen könnte. Das sollte Marc ja nun auch bestens verstehen.
„Erinner mich nicht daran…“
„Sonst reißt du dir doch immer gleich ne Neue auf.“
„Eigentlich schon, aber ich glaube, das wird dieses Mal nicht passieren. Gestern lief so ein Lesbensporno und das Einzige, woran ich denken konnte, war Gretchen.“
„Das will ja schon was heißen.“
„Ich hab echt keine Ahnung, wie du das jetzt schon so lange durchhältst!“
„Man steht es irgendwie durch… und klammert sich an die Hoffnung, dass es irgendwann doch wieder besser wird und sie zurückkommt…“
„Davon kannst du lange träumen!“, wandte Marc schnell ein, dem die Vorstellung zuwider war, dass seine Herzdame unter Umständen zu Mehdi zurückkehren könnte. Das wäre wohl sogar für Marcs Herz zu viel. „Sie wird zu mir zurückkommen! Wird sie doch, oder?“ Hilfesuchend blickte er zur Seite zu Mehdi, dessen Augen jedoch nicht sehr aufmunternd, sondern eher mitleidig guckten.
„Gretchen hat genaue Vorstellungen von ihrem späteren Leben. Zusammenziehen, heiraten Kinder kriegen. Dein Zukunftsplan sieht ja anders aus.“
„Warum glauben immer alle zu wissen, dass ich nie eine Familie will? Hab ich das jemals gesagt?“, empörte sich Marc und warf seinem Kumpel einen fragenden Blick zu.
„Naja, wenn du jemandem zur Hochzeit dein Beileid aussprichst, wirkt das auf andere eben so, als wäre das eher nicht das Optimum für dich!“, konterte Mehdi, worauf auch der sonst so schlagfertige Marc nichts mehr erwidern konnte. Stattdessen starrte der Chirurg vor sich hin und grübelte, was es für ihn bedeuten würde, seine Freiheit für eine Familie aufzugeben. Was wäre, wenn es nicht funktionieren würde? Gretchen würde ihn hassen, für seine Kinder dürfte er nur mehr Unmengen an Unterhalt zahlen und ansonsten hätte er wieder sein altes Leben. Aber konnte er das dauerhaft ausleben? Jünger wurde er ja auch nicht und irgendwann würden ihm die Frauen nicht mehr nachlaufen. Er stellte sich vor, wie es wäre, eine Familie zu haben. Wenn er und Gretchen zusammenleben würden, umringt von einigen kleinen Meiers. Vermutlich wären die Gene der beiden die optimale Zusammenstellung. Natürlich noch nicht sofort, aber dennoch erschien ihm die Vorstellung einer Familie gar nicht mehr so abwegig. Das würde die Zukunft schon alles zeigen. Aber dafür musste es auch erstmal eine Zukunft für ihn und Gretchen geben. Dafür lohnte es sich zu kämpfen.
„Menschen ändern sich. Wenn der richtige Mensch kommt, ist vieles möglich!“

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Verena1991 Offline

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18.05.2010 13:26
#200 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Am nächsten Tag saß Gretchen gemütlich mit einem Schokocroissant im Schwesternzimmer und war in ihre Zeitschrift vertieft, dass sie gar nicht bemerkte, wie Marc hinzustieß und einen Blick über ihre Schulter warf.
„Erreichen Sie Ihre Traumfigur durch Pilates!“, zitierte Marc die Überschrift des Artikels und erschrocken klappte Gretchen das Heft schnell zusammen und drehte sich mit dem Stuhl um.
„Marc, musst du mich so erschrecken?“
„War nicht meine Absicht. Was willst du überhaupt mit dem Artikel da? Das hältst du doch eh nicht durch!“
„Dass du mir das nicht zutraust, war ja wohl mal klar! Kannst du nicht einfach woanders rumstänkern?“
„Jetzt reg dich mal nicht so auf!“
„Entschuldigung, aber du machst es mir hier nicht unbedingt leicht, mich nicht aufzuregen!“
„Vielleicht würde es dir leichter fallen, wenn wir uns endlich mal aussprechen würden?“, schlug Marc vor und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen die Wand und fixierte Gretchen genau mit seinem Blick, was dieser doch ein unbehagliches Gefühl bescherte. Reichte es denn noch nicht, dass er schon ihr Herz belagert hatte? Anscheinend nicht und so wollte er sie auch so wieder in seinen Bann ziehen, sodass es eine unglaubliche Willenskraft von der jungen Ärztin abverlangte, dass sie dem nicht nachgab. Sie konnte nicht einschätzen, wie sich ein tiefer Blick in seine grüne Augen auf ihren Verstand und auch ihr Herz auswirken würde.
„Das ändert doch auch nichts daran, dass du einfach nicht beziehungsfähig bist.“
„Und das willst du beurteilen können?“
„Ich glaube, ich kann das besonders gut beurteilen! Du bist doch gleich weggelaufen, sobald es um eine Zukunft ging, die nicht nur aus Sex besteht!“
„Ja, ich weiß… Darüber wollte ich auch nochmal mit dir reden.“
„Das bringt doch auch nichts mehr.“ Niedergeschlagen drehte sich Gretchen auf dem Stuhl wieder um und schlug wieder ihre Zeitschrift auf. Zu genau spürte sie jedoch Marcs Blick in ihrem Nacken brennen und sie schaffte es nicht, auch nur ein Wort des Artikels wirklich zu verstehen. So bekam sie auch nicht mit, dass Franz mittlerweile auch im Schwesternzimmer anwesend war.
„Kälbchen, Meier, mitkommen!“, wies der Professor streng an und das Team Meier/Haase stand augenblicklich bereit, um loszuziehen. Sie trotteten hinter Gretchens Vater her, der einen recht zügigen Gang hatte. Marc hielt keinen großen seitlichen Abstand zu der jungen Frau neben ihm, sodass es unvermeidbar war, dass sich ihre Hände einige Male kurz streiften. Jedes einzelne Mal durchfuhr es ihre Körper wie ein Stromschlag mit gut 230 Volt. Man könnte an der Spannung sterben und sie führte unweigerlich zu einer stark erhöhten Herzfrequenz. Zu ihrer eigenen Sicherheit entschloss sich Gretchen dazu, sich schnellstmöglich von der gefährlichen Stromquelle zu entfernen und beschleunigte ihre Schrittgeschwindigkeit so lange, bis sie neben ihrem Vater herging.
„Worum geht es denn?“
„Das erklär ich euch gleich.“, sagte Franz nur knapp, hielt sich mit weiteren Informationen jedoch zurück. Schweigend marschierte das Dreierpack die Krankenhausflure entlang, während Marc das Schlusslicht war. Diese Stelle nutzte er dafür aber ausgiebig, um Gretchens Rückseite genau zu studieren. Als Gretchen einen kurzen Blick über ihre Schulter warf, bemerkte sie dies und zog lieber ihren Kitteln ein Stück nach unten, was Marc mit einem dreckigen Grinsen kommentierte.
Da bin ich ja mal gespannt, was Papa mit uns besprechen will. Aber etwas unwohl ist mir doch dabei, wenn es um Marc und mich geht…

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