Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Willkommen im Doctor´s Diary Fan-Forum!
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 347 Antworten
und wurde 93.305 mal aufgerufen
 Abgeschlossene Fortsetzungen!
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | ... 14
Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

22.03.2010 15:07
#101 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Und während sich Gretchen umzog, marschierten die Meiers in Marcs Büro. Der Junior setzte sich hinter seinen Schreibtisch und der Senior auf einen Stuhl davor.
„Also, was wolltest du besprechen?“
„Sag du mir erstmal, warum du schon wieder arbeitest!“
„Warum fragen mich das denn immer alle?“, regte sich Marc prompt auf. Er war doch schließlich erwachsen und konnte selbst seine Entscheidungen treffen.
„Vielleicht, weil du bis vor kurzem noch sehr krank warst? Marc, ich mach mir nur Sorgen!“
„Musst du nicht, mir geht es gut! Und deswegen arbeite ich auch schon wieder!“
„Wenn du meinst, dass das die richtige Entscheidung ist…“
„Mein ich! Und jetzt weiter im Thema. Warum bist du hergekommen?“, lenkte Marc den Blickpunkt wieder auf das Ursprungsthema, bevor sein Vater sich noch eine Überleitung zu Gretchen ausdachte.
„Weißt du, Marc, es ist so… Gestern hat mich meine Klinik angerufen, die wollen, dass ich morgen wieder zum Dienst erscheine.“, erklärte Oliver sein Anliegen. Das war immerhin eine Sache, die auch Marc betraf.
„Ja, und? Guten Flug!“
„Wenn du willst, dann bleibe ich hier!“
„Muss nicht sein! Ich komm schon klar!“
„Bist du sicher? Ich wäre nämlich gerne mehr in deiner Nähe. Als du mich angerufen hast und mir von deiner Krankheit erzählt hast, da hat es viele Stunden gedauert, bis ich hier war! Ich hab mir schrecklich gefühlt, als es dir so schlecht ging und ich tausende von Kilometern entfernt war…“, gestand Oliver sein schlechtes Gewissen. In den letzten Tagen war ihm klargeworden, dass er mit dieser Entfernung nicht so für seinen Sohn da sein konnte, wie er es sein sollte. Diese Erkenntnis kam gut 20 Jahre zu spät, aber sie war ihm nun gekommen. Und deswegen wollte er sich nun bessern.
„Du hättest doch auch nichts machen können, wenn du da gewesen wärst…“
„Doch, Marc! Ich hätte dir beistehen können!“
„Ist mir neu, dass Menschen davon wieder gesund werden!“
„Marc, bitte, du weißt doch, wie ich das meine!“
„Ja, und jetzt? Passiert mir bestimmt nicht nochmal!“
„Es kann immer etwas passieren! Und dann wäre ich gerne bei dir!“
„Jetzt auf einmal?“ In Marcs Stimme schwang Verletzung mit. Es hatte es nie zugegeben, aber er hatte sich doch immer sehr seinen Vater ganz an seiner Seite gewünscht. Nur hatte er noch nie gut über seine Gefühle reden können.
„Ich dachte damals, es wäre das Beste gewesen… Und ich dachte, du wärst damit einverstanden gewesen.“
„War ich ja auch!“ Und dennoch hatte er sich gewünscht, dass er bleiben würde… Aber er hatte darauf vertraut, dass es vielleicht doch das Richtige war und hatte nichts gesagt. Er wollte seinem Vater auch nicht vorschreiben, was er tun sollte.
„Jedenfalls kann ich daran nichts mehr ändern… Aber ich würde jetzt gerne hier bleiben!“
„Und dein Job?“
„Wen interessiert mein Job? Nen Job find ich überall! Du bist mir wichtig! Also wenn du nichts dagegen hast, dann bleibe ich!“
„Meinetwegen!“ Auch wenn Marc betont lässig sprach, zogen sich seine Mundwinkel doch ein wenig nach oben. Immerhin hatte er sich das immer heimlich gewünscht. Und es freute ihn zu hören, dass er seinem Vater wichtiger war als dessen Job. Das erinnerte Marc auch an Gretchens Worte damals. Und nun war es auch bei ihm wirklich so, dass sein Job nicht mehr sein Leben war.
„Gibt’s noch was?“, fragte Marc dann noch, der sich langsam daran machen wollte, die liegengebliebene Arbeit nachzuholen.
„Ja, eine Sache noch! Was genau läuft da jetzt mit dieser Gretchen?“

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

22.03.2010 20:19
#102 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Marc hatte durchaus befürchtet, dass diese Frage aufkommen würde, aber bis zuletzt war die Hoffnung nicht gestorben, dass sein Vater das Thema doch nicht ansprechen würde. Aber nun war die Frage gestellt worden und erwartete eine Antwort. Marc musste nur überlegen, ob er nun die Wahrheit oder eine abgewandelte Form davon sagen würde. Und er entschied sich für Letzteres, für die Lüge.
„Äh… Nix?!“
„Klingt ein wenig nach einer Frage.“, stellte Oliver fest und sah seinen Sohn durchdringend an. Das war auch ein Grund, warum er lieber hierbleiben wollte. Bevor er hergekommen war, hatte er keine Ahnung gehabt, dass sein Sohn verliebt war. Und das war er, auch wenn er es nicht zugeben wollte.
„Hast du nicht noch irgendwas zu tun? Wohnung suchen, dich um einen Job bewerben?“, bemühte sich Marc um einen Themenwechsel. Doch so leicht ließ sich sein Vater nicht ablenken.
„Hat alles noch Zeit! Also?“
„Was?“
„Gretchen?“
„Was soll mit der sein?“
„Da läuft doch was zwischen euch!“
„Wie kommst du denn da drauf?“
„Naja, ihr wart in der Umkleide ja doch sehr nah beieinander!“
„Äh…“ Dazu fiel Marc keine passende Ausrede ein. Oder warum sollte man seine Lippen auf die seiner Assistenzärztin legen, wenn diese nicht gerade wiederbelebt werden musste? Da blieb doch nur die Möglichkeit eines Kusses.
„Du kannst mir doch sagen, wenn du eine Freundin hast!“
„Freundin? Ne, wir sind nicht zusammen!“, stellte Marc die Sache schnell richtig. In Gedanken fügte er jedoch ein „Noch nicht!“ dazu.
„Aber sie bedeutet dir doch was, oder?“
„Naja, also ich meine… Sie ist ja schon… äh… nett?“
„Nett? Und weiter?“
„Wie weiter? Was willst du denn hören?“, fragte Marc, der mittlerweile schon leicht überfordert mit der Situation war. Mit solchen Gesprächen hatte er eher weniger Erfahrung und das hatte ihn nie sonderlich gestört. Denn so war er nie gezwungen, sich mit seinen Gefühlen weiter auseinanderzusetzen und auch anderen davon zu berichten.
„Ich will nichts Bestimmtes hören! Es interessiert mich nur, was mein Sohn so fühlt.“
„Ich… Ist doch egal!“
„Liebst du sie?“
„Was? Das ist doch total absurd!“
„Ich hab doch mitbekommen, wie du sie angesehen hast!“
„Wie hab ich sie denn angesehen?“
„Verliebt!“
„Was? Kann ja gar nicht sein!“ War das denn wirklich für jeden so offensichtlich? Es reichte ihm schon, wenn Gretchen wüsste, was er für sie empfand. Da musste doch nicht die ganze Welt mitkriegen, dass er auf dem besten Weg war, genauso weichgekocht zu sein wie Mehdi.
„Wirklich nicht? Es ist übrigens gar nicht schlimm, wenn man mal über seine Gefühle spricht!“, erklärte Oliver noch mit einem Zwinkern, bevor er aufstand und seinen Sohn nachdenklich in seinem Büro zurückließ.

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

23.03.2010 16:50
#103 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Ursprünglich wollte sich Marc an den Aktenkram machen, doch die Konzentration war irgendwie flöten gegangen. Und das schon am ersten Arbeitstag. Aber wer konnte schon einkalkulieren, dass er und Gretchen sich gleich wieder so nah kommen würden? Eigentlich wollte er ihr ja auch Zeit lassen, aber jedes Mal, wenn er sie sah, überkam ihn einfach diese Sehnsucht und dieses dringende Bedürfnis, sie zu küssen. Er konnte sich nicht dagegen wehren. Er war ein Gefangener seiner eigenen Gefühle. Nicht mehr sein Gehirn hatte die Kontrolle über seinen Körper und sein Handeln, sondern sein Herz. Da musste er sich in nächster Zeit stark zusammenreißen, wenn es nicht mehr zu solchen unkontrollierten Annäherungen kommen sollte. Dabei wünschte er sich jetzt schon wieder, sie zu küssen… Er dachte auch über die Worte seines Vaters nach. Gretchen hatte zwar gemeint, dass sie ihm erst ganz vertrauen wollte, aber wie konnte er ihr das besser beweisen als mit einem ehrlichen Geständnis über seine Gefühle? Denn so konnte das zwischen den beiden nicht weitergehen mit dieser ewig andauernden Spannung zwischen ihnen. Es fehlte doch beiden etwas, wenn sie nicht zusammen waren. Ab sofort hätten sie beide am folgenden Tag etwas vor! Jetzt musste er nur noch überlegen, was sie genau unternehmen würden. Bevor er jedoch einen Plan schmieden konnte, wurde er durch das Läuten seines Telefons aus den Gedanken gerissen. Er nahm den Hörer ab und begrüßte den Anrufer mit einem leicht genervten „Meier?“
„Gehen Sie also auch wieder ans Telefon?“
„Herr Professor!“ Als Marc registrierte, dass sein Vorgesetzter der unerwünschte Anrufer war, richtete er sich gleich wieder mehr auf und zeigte auch mehr Interesse. Gretchen hatte schon ganz Recht damit, dass Marc Franz gegenüber wirklich zum Schleimen neigte.
„Schön, dass Sie wenigstens noch wissen, wer ich bin! Sie haben sich ja doch einen ganz schön langen Urlaub genommen.“
„Schön war der nicht wirklich…“, nuschelte Marc schwer verständlich. Das einzig Gute in den letzten Tagen war für ihn immerhin nur Gretchen gewesen.
„Was haben Sie gesagt?“
„Nicht so wichtig. Jetzt bin ich ja wieder da!“
„Was für ein Glück aber auch! So weiß ich das Krankenhaus wenigstens in guten Händen, während ich mich hier an der Ostsee entspanne!“
„Und Sie haben mich angerufen, um mir das zu sagen?“
„Eigentlich rufe ich wirklich aus einem anderen Grund an.“
„Ja?“
„Es geht um meine Tochter. Wissen Sie, wo sie ist? Sie hat sich schon länger nicht mehr bei uns gemeldet und da haben wir uns Sorgen gemacht…“ Marc überlegte, was er antworten sollte. Gretchens Eltern wusste noch nichts von der überraschenden Wendung im Leben ihrer Tochter und es war auch ihre Angelegenheit, es ihnen zu sagen. Er unterstützte sie nur.
„Gretchen ist hier im Krankenhaus. Und dass sie sich nicht gemeldet hat, könnte daran liegen, dass ihr Handy mehr oder weniger in seine Einzelteile zerbrochen ist und sie auch sonst ziemlich viel zu tun hatte… Das wird sie Ihnen dann bei Gelegenheit erklären, nehme ich an.“
„Das will ich auch hoffen! Richten Sie ihr doch bitte aus, dass sie sich mal melden soll. Bärbel kommt ja fast um vor Sorge!“

Bevor Gretchen jedoch von dem Anruf ihres Vaters erfahren konnte, schlenderte sie nichtsahnend über den Krankenhausflur. Doktor Rössel hatte sie gerade eben mitgeteilt, dass sie ab sofort wieder in Marcs Team möchte. Der hatte zwar gemeint, dass doch er ebenso gut ihr Talent fördern könnte, aber in diesem Punkt ließ die Ärztin nicht mit sich diskutieren. Gerade wollte sie ihren Namen von der großen Tafel mit der OP-Einteilung wischen wollte, als sie von jemandem am Arm gepackt und von diesem Jemand mit sich gezogen wurde…

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

24.03.2010 14:00
#104 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Sie konnte nicht wirklich darauf reagieren und sich aus dem Griff befreien, so schnell wurde sie hinterhergezogen. Erst als sie mit dem Unbekannten in einem nahen, dunklen Lagerraum eingeschlossen wurde, holte sie sich die Kontrolle über ihren Arm zurück und rieb sich die schmerzende Stelle. Denn so eifrig wie sie gepackt wurde, hatte man kaum auf ihr körperliches Wohl achten können. Bevor sich Gretchen ernsthafte Gedanken über ihren ‚Angreifer’, den sie dank der Dunkelheit nicht zu erkennen vermochte, machen konnte, schaltete er schon das Licht des kleinen Raumes an und nun konnte Gretchen ihr Gegenüber ausmachen.
„Mehdi? Was soll das bitte?“, fragte Gretchen ihren Ex-Freund. Ihr fiel kein plausibler Grund ein, warum der sie aus heiterem Himmel hierher gebracht hatte.
„Gretchen, hör mir jetzt bitte erstmal zu!“ Der Halbperser hatte seine Hände auf ihre Schultern gelegt und hinderte sie so am Wegrennen. Er musste jetzt unbedingt mit ihr reden, bevor sie womöglich wieder zu Alexis gehen konnte. Immerhin wusste er noch nicht, dass der Millionär der letzte Mensch war, bei dem Gretchen nun sein wollte.
„Ja, das würde ich jetzt sehr gerne! Erklär mich bitte, warum du mich hier entführst und mich in so ne kleine Abstellkammer zerrst! Und vorher lässt du mich bitte los!“ Mehdi folgte ihrer Bitte und ließ seine Arme wieder sinken. Stattdessen versuchte er nun, Gretchen lediglich mit seinem Blick hier zu halten.
„Gretchen, ich hab keine Beweise, aber ich glaube, du bist in Gefahr! Auch wenn du ihn liebst, aber er tut dir nicht gut!“
Hä? Was genau meint der jetzt? Und wen? Marc? Dass der mir nicht gut tut, vermute ich ja auch ab und zu, aber gegen die Liebe kann man nichts machen. Und eine Gefahr ist er doch auch nicht!
„Du übertreibst doch völlig! Außerdem ist das alles allein meine Entscheidung!“
„Ich übertreibe? Der hat Dreck am Stecken und zwar gewaltig! Gabi erpresst ihn, ich hab das genau mitbekommen!“
„Das ist doch schon längst gegessen! Ich hab ihn ja auch schließlich aus der Sache rausgeboxt!“ In der festen Überzeugung, es handle sich hier um Gabis Erpressung Marc gegenüber, verteidigte ihn Gretchen, was zu einem überraschten Gesichtsausdruck seitens von Mehdi führte. Denn der verstand das alles nun so, dass Gretchen Alexis’ krumme Sachen auch noch deckte.
„Was? Aber… du kannst ihm das doch nicht einfach so verzeihen!“
„Ich weiß ja, dass es schlimm war, was da passiert ist. Aber er bereut es ja und überhaupt war das ganze doch nur ein Unfall!“
„Unfall? So etwas plant man doch!“
„Dazu hatte er doch überhaupt keinen Grund! Mehdi, du redest doch wirklich Blödsinn!“
„Blödsinn? Weißt du denn auch von der Leiche?“
„Ja, natürlich… Er wollte den Mann ja auch retten, aber er ist trotzdem gestorben… Habt ihr denn nie darüber geredet?“
„Wieso sollte ich denn ausgerechnet mit dem darüber reden?“ Sowohl Gretchen als auch Mehdi standen beharrlich weiterhin auf ihrem Schlauch. Jeder sah den andren nur an, als wäre er verrückt.

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

25.03.2010 19:47
#105 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Ich dachte, ihr versteht euch so gut!“, verteidigte Gretchen weiterhin ihre These und Mehdi verstand die Welt nicht mehr. Wie kam sie auf die Idee, dass er gut mit dem angeblichen Alexis von Buren auskommen würde?
„Was? Im Leben nicht!“
„Jetzt doch nicht? Habt ihr euch wieder gestritten?“
„Mit dem rede ich doch nicht mal! Aber das ist jetzt doch egal! Glaub mir einfach, dass er nicht der Richtige für dich ist!“
„Mehdi, du nimmst doch nicht etwa wieder irgendwelche Pillen, oder?“, fragte Gretchen dann mit einem besorgten Unterton in der Stimme. Anders konnte sie sich sein seltsames Verhalten gerade nicht erklären.
„Nein!“, antwortet Mehdi prompt mit starker und doch ehrlicher Stimme, so dass Gretchen nicht anders konnte, als ihm zu glauben. „Ich mach mir hier nur Sorgen um dich!“
„Sorgen? Mehdi, sag mir bitte nicht, dass du mich noch immer liebst!“ Das war nun Gretchens zweite These. Dabei waren sie doch jetzt doch schon ziemlich lange getrennt. Darüber sollte Mehdi nun auch hinweg sein.
„Würde das etwas ändern?“
„Also tust du es noch? Mehdi, ich will dir wirklich nicht weh tun, aber das mit uns… das ist vorbei…“, erklärte Gretchen ihm behutsam. Doch so schonend sie es ihm auch sagte, es schmerzte ihn dennoch. Noch immer hatte er die Hoffnung, dass er eines Tages wieder mit ihr zusammen sein würde. „Und indem du hier diese Sachen wieder aufwärmst, änderst du nichts daran. Ich habe ihm verziehen und ich liebe ihn auch!“
„Daran kann ich dann wohl nichts ändern!“, meinte Mehdi mit trauriger Stimme. „Aber ich kann nicht glauben, dass du ihm diese Lügenmärchen glaubst! Von wegen Unfall und so… Der ist doch bestimmt ein eiskalter Mörder! Und deswegen werde ich Beweise gegen ihn finden!“
„Du willst ihn dann aber nicht anzeigen, oder? Das lass ich nicht zu! Notfalls lüge ich wieder für ihn!“ Gretchen war schockiert über Mehdis Worte. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass der seinen ehemals besten Freund wirklich ins Gefängnis schicken würde. Dabei kam es ihr nicht in den Sinn, dass dieser von Alexis redete.
„Ich lass jedenfalls nicht zu, dass du dein Leben in Gefahr bringst!“
„Er wird mir garantiert nichts tun! Ich… ich glaube wirklich, er liebt mich!“, gestand Gretchen kleinlaut. Sie hatte sich immer gefürchtete, diesen Gedanken auszusprechen. Denn wenn sie wirklich daran glaubte, wäre die Enttäuschung nur noch größer, wenn es doch nicht so wäre.
„Aber er liebt dich bestimmt nicht so sehr wie ich!“, sagte Mehdi entschlossen und handelte erneut schneller als Gretchen denken konnte. Er legte seine Hände auf ihre Wangen und drückte seine Lippen auf die ihren. Er musste sie einfach küssen. Zu lange hatte er sich danach gesehnt und sich doch zurückgehalten. Nun konnte er das nicht mehr. Wieder merkte er, wie sehr er sie liebte. Und er hoffte auch so sehr, dass sie vielleicht doch genauso fühlte…

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

27.03.2010 20:05
#106 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Doch seine Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Er konnte so viel Liebe in den Kuss stecken wie er wollte, doch das änderte nichts daran, dass diese nur von ihm ausging. Gretchen erwiderte weder den Kuss noch die Liebe. Sobald sie wirklich realisierte, dass Mehdi sie hier gerade küsste, legte sie ihre Hände auf seine Brust und drückte ihn von sich weg. Nachdem ihre Gesichter nun wieder auseinander waren, nahm sie ihre Hände von ihm weg, nur um die eine von ihnen wieder in die Luft zu heben und sie gegen seine Wange prallen zu lassen.
„Sag mal, spinnst du?“, fragte die schockierte Ärztin den Mann, der sich die schmerzende Stelle rieb. Gretchens Ohrfeigen waren nun wahrlich nicht von schlechten Eltern. Doch sie erwartete nicht wirklich eine Antwort und deshalb öffnete sie die Tür und verließ die enge Kammer. Sie liebte Mehdi als einen Freund, aber mehr war da einfach nicht. Nicht mehr. Sie konnte einfach nichts gegen ihre Gefühle für Marc tun… Kaum hatte sie an diesen gedacht, rannte sie auch schnurstracks in jemanden hinein.
„Können Sie nicht aufpassen, oder was?“, motzte sie den Unbekannten an, aber beim genaueren Hinsehen stellte sie fest, dass dieser alles andere als unbekannt war.
„Prinzipiell schon, aber wenn mir blonde Ärztinnen einfach so hineinlaufen bin auch ich machtlos!“, erwiderte Marc grinsend und hatte dabei seinen Arm auf Gretchens Schulter gelegt, nachdem sie sich unfreiwillig an ihn gedrückt hatte.
„Oh, Marc, du bist es…“
„Ja, ich bin es! Und ich hab dich eh gerade gesucht! Aber ich hatte natürlich keine Ahnung, dass du dich hier in irgendwelchen Besenkammern rumtreibst!“, scherzte er mit einem Blick auf die Tür, die Gretchen gerade geöffnet hatte. Doch das Grinsen verging ihm rasend schnell, als sein guter Freund Mehdi nun ebenfalls durch diese Tür kam, und stattdessen zierte nun ein versteinerter Blick sein Gesicht. „Und mit wem du dich da rumtreibst…“, fügte er noch geschockt hinzu und drehte sich dann um. Er war bereits einige Schritte gegangen, als Gretchen erkannte, was er gemeint hatte, und ihm nachlief.
„Marc, jetzt warte doch mal!“ Sobald sie ihn eingeholt hatte, packte sie ihn am Arm und stellte sich vor ihn. „Das war jetzt nicht so, wie es aussah…“
„Gut, dann wär das ja geklärt! Ich muss dann mal arbeiten!“, blockte er ab und Gretchen beschlich ein Verdacht, der ein freches und heiteres Grinsen auf ihr Gesicht trieb.
„Bist du eifersüchtig?“
„Ich? Was? Nein! Äh… Auf den? Im Leben nicht!“, verteidigte sich Marc sofort, der sich ziemlich ertappt fühlte. Er konnte seine Eifersucht einfach nicht verbergen. Weder vor Gretchen, noch vor sich selbst. Zwar war ihm dieses Gefühl bis vor kurzem noch völlig unbekannt gewesen, doch er war sich ziemlich sicher, dass das diese allseits bekannte Eifersucht sein musste. Dieses flaue Gefühl im Magen, wenn er sie mit andren Männern sah und befürchtete, dass sie ihn nicht mehr lieben könnte. Die Angst, dass ihm jemand das nehmen könnte, was er am meisten begehrte und am meisten brauchte. Und das war für ihn Gretchen Haase. Wenn er sie mit anderen Männern sah, überkam ihn dieses Gefühl der Eifersucht. Und er wusste nicht, wie er diese verheimlichen konnte.

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

29.03.2010 00:07
#107 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Du kannst es ruhig zugeben, Marc!“, versuchte Gretchen weiterhin die Wahrheit aus dem Macho herauszukitzeln. Doch dieser beschloss, sich nach außen hin uneinsichtig zu zeigen.
„Ich geb hier gar nichts zu! Erzähl du mir lieber, was du hier mit dem in der Besenkammer treibst!“
„Gar nichts!“, verteidigte sich die Blonde genau in dem Moment, in dem Mehdi an ihnen vorbeikam. Und dieser wollte das nun nicht so stehen lassen.
„Wenn du den Kuss als gar nichts bezeichnest!“, meinte der ebenfalls von Eifersucht geleitete Gynäkologe, der obendrein noch sehr verletzt war, schnell zu den beiden und war damit schon vorbeigehuscht. Was auch immer die beiden schon wieder zu bereden hatte, gerade wollte er einfach nichts damit zu tun haben. Gretchen war ihm momentan ohnehin schleierhaft. Große Liebe hin oder her, das könnte man doch keinem verzeihen.
„Kuss?“, fragte Marc nach und sah Gretchen überrascht, wenn nicht gar entsetzt an. Das unwohlige Gefühl in seiner Magengegend wurde zunehmend schlimmer und wenn es weiter wachsen würde, müsste er wohl sterben, so glaubte er.
„Naja, das war nicht wirklich ein Kuss…“
„Wie nicht wirklich?“
„Also… er hat mich geküsst!“ Innerlich brodelte der Chirurg, doch er wollte noch weiterhin den Coolen markieren. Er wollte sich einreden, dass dieser Kuss nichts zu bedeuten hatte. Aber dennoch hatte er Angst, dass es anders sein könnte. Er konnte das Bild nicht abschütteln, wie Mehdi und Gretchen sich küssten. Ihm wurde schlecht bei dem Gedanken, dass sie ihn so küssen könnte wie sie ihn selbst geküsst hatte.
„Und du?“
„Ich hab ihn zurückgestoßen!“ Erleichtert atmete Marc erstmal aus. Gretchen hatte Mehdi also nicht geküsst. Dann müsste er also nur noch ein ernstes Wörtchen mit Mehdi reden.
„Und deshalb wart ihr in dieser Kammer da?“
„Nicht wirklich… Ich weiß auch nicht, was mit Mehdi los ist… Der war einfach total komisch drauf…“
„Wegen dem Kuss?“
„Das war ja gar kein richtiger Kuss! Und er war schon vorher total merkwürdig… aber ist ja auch egal! Du wolltest mir doch irgendwas sagen?“
„Ja, du sollst deine Eltern anrufen! Und das ist schon wichtig! Also das mit Mehdi. Immerhin sind wir ja wieder irgendwie befreundet…“
„Echt? Er hat da aber was andres gesagt. Und was ist mit meinen Eltern?“
„Eins nach dem anderen! Was hat Mehdi gesagt?“
„Ist doch echt nicht so wichtig, war sowieso nur Blödsinn!“
„Lass das mal meine Entscheidung sein! Also?“
„Irgendwie, dass du mir nicht gut tust und dann hat er auch wieder mit der Erpressung angefangen und dass ihr ja auch gar nicht mehr miteinander redet.“
„Das hat er gesagt?“
„Sag ich ja! Total komisch!“
„Ich red mal mit ihm!“ Mit diesen Worten drängte sich Marc an seiner Assistentin vorbei und machte sich auf den Weg zu Mehdis Büro. Er wollte schon wissen, was mit seinem Freund los war.
„Und was ist jetzt mit meinen Eltern?“, rief die ratlos zurückgebliebene Gretchen ihm noch nach, doch Marc wollte schon nicht mehr auf sie hören. Dann musste sie sich eben selbst zusammenreimen, dass ihre Eltern sich wohl Sorgen machten. Da der Tag ohnehin schon stressig war, kam es auf so ein Telefonat auch nicht mehr an.

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

29.03.2010 11:16
#108 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Mehdi hatte sich gerade wieder in seinem Büro hinter seinen Schreibtisch gesetzt, als die Tür schon wieder aufflog und ein wütender Marc Meier den Raum betrat.
„Was soll der Scheiß?“, fragte er forsch und sah Mehdi mit einem erwartungsvollen Blick an. Er wollte jetzt eine Erklärung für Mehdis Verhalten haben. Erst redete dieser ihre Freundschaft schlecht und zu allem Überfluss küsste er auch noch Gretchen. Und gerade damit hatte er einen wunden Punkt bei dem Chirurgen getroffen.
„Was soll was?“
„Der Kuss zum Beispiel! Was fällt dir ein, Gretchen einfach so zu küssen?“ Aufgebracht konnte Marc seinen Tonfall nicht ruhig halten und er ging ein paar Schritte weiter auf Mehdi zu und machte sich innerlich schon bereit, seinem Kumpel ein paar zu verpassen.
„Ich dachte, dass wenigstens du das verstehen würdest…“, meinte Mehdi dann gelassen und lehnte sich zurück. Marc konnte rumschreien so viel er wollte, Mehdi wusste, dass da nur die Eifersucht aus ihm sprach.
„Ich?“
„Natürlich du!“ Nun stand auch Mehdi auf und kam ebenfalls um seinen Schreibtisch herum auf Marc zu. So standen sich die beiden Freunde, die gleichzeitig auch Rivalen waren, ebenbürtig gegenüber. „Du liebst sie doch auch! Du weißt doch, wie das ist! Du siehst sie an, du bestaunst ihr liebliches, wunderschönes Gesicht, blickst in ihre meerblauen Augen und versinkst darin und dann… ja, dann küsst du sie!“ Zwar sahen sich die beiden Männer an, doch sie blickten durch den anderen hindurch. Keiner nahm den andren wirklich war, beide hatten sich in diesen Moment hineinversetzt. Mehdi hatte Recht und Marc konnte das nur allzu gut verstehen. Und so seufzten beide gut vernehmlich und schreckten erst dadurch wieder aus ihrer Traumwelt auf.
„Siehst du! Du kennst es auch!“, stellte Mehdi abschließend fest und lehnte sich nun an seinen Schreibtisch an. Marc sagte nichts weiter dazu, sondern tat es Mehdi einfach gleich. Schweigend standen sie einige Zeit nebeneinander bis Marc wieder das Wort ergriff.
„Und warum hast du dann den andren Mist gesagt? Ich dachte, wir wären Freunde!“
„Sind wir ja auch!“
„Das hat Gretchen aber anscheinend so verstanden!“
„Warum sollte sie? Über dich ging es dabei doch gar nicht!“
„Dann hat also entweder sie Scheiße geredet oder du jetzt! Worum ging es denn jetzt?“, fragte Marc nun nach.
„Ich hab ihr nur gesagt, dass sie Alexis verlassen muss!“
„Das hat sich ja jetzt erübrigt!“, nuschelte Marc, der ja im Gegensatz zu Mehdi auf dem aktuellsten Stand war. Und Gretchen hätte bestimmt nichts dagegen, wenn keiner mehr glaubte, sie wäre mit Alexis noch zusammen.
„Wie meinst du das jetzt?“
„Es hat sich ausgevonburt!“
„Wie meinst du das jetzt?“
„Tja, so ne Million ist eben nicht alles! Und da dieser Teeaktienfutzi sonst nichts draufhat, hat Gretchen ihn schon verlassen!“

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

30.03.2010 14:10
#109 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Ein zufriedenes Grinsen zierte das Gesicht von Doktor Marc Meier. Auch wenn diese Trennung auf höchst unglückliche Art und Weise verlaufen war, war sie eben doch geschehen. Und nun war Gretchen frei für ihn.
„Sie hat ihn verlassen?“, fragte Mehdi sicherheitshalber vorsichtig nach. So erschien das ganze Gespräch in einem ganz neuen Licht. Um Gretchens geistigen Zustand hatte er sich umsonst gesorgt. Sie hatte ihrem Betrügerehemann nicht verziehen. Falls sie überhaupt von seiner falschen Identität wusste. Aber hatte sie nicht gesagt, dass sie ihn lieben würde? Oder hatte sie damit jemand anderes gemeint? Und wenn Mehdi davon ausging, dann Gabi keine hauptberufliche Erpresserin war, konnte Gretchen doch nur von Marc gesprochen haben.
„Sag ich doch!“
„Und warum?“
„Das soll sie dir wenn dann selbst sagen! Das war alles andere als eine schöne Situation für sie!“
„Also weiß sie es doch schon…“
„Du weißt es auch?“ Schockiert blickte Marc seinen besten Freund an. Er konnte sich kaum vorstellen, dass Gretchen mit der Geschichte schon hausieren ging. Wie also hatte Mehdi Wind davon bekommen?
„Ja, ich hab’s genau gehört!“
„Du hast es gehört?“
„Ja! Am Anfang nur zufällig, aber dann wollte ich mehr darüber herausfinden und hab ihr hinterhergeschnüffelt! Ich hab mich eben gut versteckt, damit mich keiner gesehen hat!“, erklärte Mehdi seine Detektivarbeit ohne dabei zu wissen, welchen Eindruck es auf Marc machte. Denn jeder der beiden Männer wusste nur eines der beiden Geheimnisse des Alexis von Buren.
„Das ist krank, Mann!“
„Warum denn das? Ich musste doch wissen, was da los ist! Schade nur, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte…“
„Was? Wolltest du da jetzt auch noch ein Filmchen drehen?“
„Fotos hätten ja auch schon gereicht… Ich wollte eben Beweise haben! Aber jetzt weiß sie es ja schon…“
„Wie konntest du dabei überhaupt zusehen? Musstest du nicht kotzen? Mir persönlich wurde ja schon bei der Vorstellung schlecht!“
„War ja jetzt kein schrecklicher Anblick. Es haben sich ja nur Abgründe aufgetan!“
„Stehst du auf so was? Mehdi, bist du krank? Also psychisch?“
„Nein! Und warum sollte ich darauf stehen? Das ist moralisch zwar verwerflich, aber man kann ja hinsehen! Wobei man ja mehr hinhören muss!“
„Ich versteh gar nichts mehr! Und ich will’s auch gar nicht verstehen! Mach du…“ Der noch immer etwas sprachlose Marc stand auf und suchte nach den richtigen Worten. Seiner Meinung nach sollte Mehdi schleunigst eine Therapie anstreben. „Mach einfach was du willst! Ach ja, und wenn du Gretchen noch einmal küssen solltest, gibt’s wirklich ein paar aufs Maul!“ Und so verschwand der Chirurg auch schon aus dem Büro seines besten Freundes. Jeder sagte dem anderen einen Dachschaden nach, doch keiner kam auf die Idee, die Sachlage ganz genau darzulegen.

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

30.03.2010 15:54
#110 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Ja, Mama, tut mir Leid! … Ja, Mama! … Mama, ich hab’s ja verstanden! … Ich hatte nur so viel zu tun. … Ja, das hat auch mit Alexis zu tun. …. Ich weiß nicht, wie es ihm geht. … Mama, ich erklär’s dir später! … Nein, du sollst nicht mal mit ihm reden! … Mama, du verstehst das nicht! … Ich kann dir das jetzt echt nicht sagen! … Mama, bitte…“ Während Gretchen verzweifelt versuchte, ihre Mutter am Telefon abzuwimmeln, kam Marc auch wieder ins Stationszimmer. Gretchen stand mit dem Rücken zu ihm und bekam so nichts von dem Zuhörer mit. Zudem war sie viel zu sehr damit beschäftigt, ihre Probleme vor ihrer Mutter geheim zu halten. Ihre Eltern sollten in Ruhe ihren Urlaub verbringen, bevor sie wieder mit der knallharten Realität konfrontiert wurden. Der mithörende Chirurg bemerkte durchaus, wie schwer Gretchen das alles fiel und beschloss einzugreifen. Noch bevor Gretchen ihn sah, riss er ihr auch schon den Hörer aus der Hand und hielt ihn nun sich ans Ohr.
„Frau Haase? … Ja, genau der bin ich! … Nein, Sie können jetzt nicht mit ihrer Tochter weiterreden! Sie hat Dienst, da sind private Telefonate untersagt! … Das ist keine Unverschämtheit, das sind Vorschriften! … Beschweren Sie sich beim Chef, wenn Sie wollen! Und jetzt Tschüß!“ Marc knallte den Hörer wieder auf die Gabel und grinste Gretchen zufrieden an. Er hatte sie immerhin sozusagen gerettet. Zwar nur vor ihrer Mutter, aber immerhin. Nur Gretchen schien nicht ganz so begeistert wie von ihm erhofft.
„Musste das sein? Ich hätte das auch selbst regeln können!“
„Hättest du?“
„Traust du mir das nicht zu?“
„Nicht bei deiner Mutter!“ Er zwinkerte ihr zu und Gretchen war auch wieder besänftigt. Gegen ihre Mutter anzukommen ohne ausfallend zu werden, war schon fast eine Sache der Unmöglichkeit. Bärbel Haase war eine Mutter aus Leidenschaft. Nur neigte sie dabei dazu, zu besorgt zu sein und sich zu sehr in das Leben ihrer Tochter einzumischen.
„Danke!“
„Wenn eine schöne Frau Hilfe braucht, dann soll sie die kriegen!“, erklärte Marc und rückte ein Stück näher an seine Kollegin heran. Instinktiv wich diese etwas zurück, denn sie wusste nur zu genau, wofür Marc solche Situationen gerne nutze. Und das hatte sie an diesem Tag ohnehin schon öfter zugelassen als sie ursprünglich geplant hatte.
„Du bist der Tollste, ich hab’s schon verstanden!“, erwiderte Gretchen sarkastisch. Doch Marc freute sich ja auch über nicht ganz so ernst gemeinte Komplimente.
„Hast du für morgen schon was geplant?“, lenkte Marc das Thema um. Denn mit jeder Sekunde, die Marc Gretchen länger kannte, begehrte er sie auch mehr. Ganz egal, ob sie dabei abweisend war oder sie sich näher kamen. Und genau aus diesem Grund musste er sie so schnell wie möglich für sich erobern.
„Nö, wieso?
„Weil ich dich da ganz gerne für mich einplanen würde!“
„Für ne OP?“
„Nein, definitiv nicht hier im Krankenhaus!“
„Was denn dann?“
„Lass dich überraschen! Ich würde sagen, ich hol dich so gegen 6 Uhr abends ab!“
„Aber…“ Bevor Gretchen Einwand einlegen oder ihre Bedenken äußern konnte, war Marc auch schon schnell wieder verschwunden.
„So ein blöder Idiot…“, flüsterte Gretchen sich selbst zu und ein breites Lächeln machte sich dabei auf ihrem Gesicht breit.

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

31.03.2010 03:12
#111 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Alexis alias Frank saß derweil in seiner Villa und war dicht wie eine ganze Eckkneipe. Sogar so manchen Fußballfanclub konnte er in den Schatten stellen. Sein Promillespiegel war an einem Punkt angekommen, an dem er absolut handlungsunfähig war. Er wollte einfach seinen Schmerz um die verlorene Liebe betäuben. Doch dieses Ziel hatte er nur mäßig erfüllt. Er wusste, dass er allein war. Seine Schwester hatte sich von ihm abgewandt und auch seine große Liebe war auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Und jetzt musste er allein mit seiner abgeblichen Mutter in diesem großen Anwesen leben. Und trotz der Geräumigkeit, war Mechthild doch einfach immer in seiner Nähe.
„Säufst du denn schon wieder?“, tadelte sie ihn, als sie ihn betrunken im Wohnzimmer auffand. „So wird das aber nichts mit unserer Abmachung!“
„L…l…leck misch am A…a…“
„Jaja, ich weiß schon, was du meinst! Aber wenn ich mir so ansehe, wie jämmerlich du bist, vergeht sogar mir die Lust dazu!“ Sie ließ ihn wieder allein, doch ihre Worte hingen ihm noch nach. Sie hatte Recht. Er war absolut jämmerlich. In seinem Leben hatte er wohl alles falsch gemacht. Und sein größter Fehler war gewesen, seine Ehe mit Gretchen zu gefährden. Doch das ließ sich nicht wieder rückgängig machen. Sie würde nicht zurückkommen und er hatte alles verloren, was ihm wirklich etwas bedeutet hatte. Und das wollte er einfach nur vergessen…

Nach der Visite genehmigte sich Gretchen in der Cafeteria ihr wohlverdientes Mittagessen. Doch dabei blieb sie nicht lange alleine und ein ihr nur zu gut bekannter Oberarzt setzte sich zu ihr an den Tisch.
„Na, Hasenzahn? Worüber denkst du denn nach? Nicht zufällig darüber, was ich morgen mit dir vorhaben könnte?“, fragte Marc sie und traf damit auch voll ins Schwarze. Während der Visite hatte sie die Konzentration immer wieder verlassen, da sie sich doch lieber gefragt hatte, was morgen auf sie zukommen würde. Es war nur schwer vorstellbar, dass Marc vielleicht tatsächlich etwas Romantisches planen könnte. Ähnlich wie Gretchen ging es auch Marc. Er hatte nicht den Hauch einer Idee, womit er sie überraschen könnte. Für gewöhnlich entführte er seine Dates in ein kleines Restaurant, das nicht weit von seiner Wohnung entfernt war. Immer das gleiche 08/15-Date für die 08/15-Frauen. Für Gretchen hingegen musste er sich etwas anderes einfallen lassen.
„Ne, Quatsch! Warum sollte ich darüber nachdenken?“
„Weil das zufälligerweise das beste Date aller Zeiten wird!“
„Meinst du nicht, dass du da zu viel versprichst?“ Dabei meinte er es doch. Was auch immer er an dem einen Tag auf die Beine stellen würde, es musste perfekt sein. Aber wie sah so ein perfektes Date überhaupt aus? Aber er blieb optimistisch, dass er bis morgen einen perfekten Plan hätte.
„Ich verspreche niemals zu viel! Ich untertreibe sogar noch!“
„Willst du mir dann nicht schon mal verraten, wo es hingeht?“
„Und dir damit die Überraschung verderben? Niemals! Aber nur mal so interessehalber… Wie stellst du dir denn so ein perfektes Date vor? Also so ungefähr…“
„Marc? Du willst mir jetzt aber nicht sagen, dass du noch gar keinen Plan hast, oder?“
„Was? Wie kommst du denn darauf? Natürlich hab ich schon alles geplant! Wie gesagt, das war nur so… weil’s mich halt interessiert hat!“ Um nicht weiter herumdrucksen zu müssen, stand Marc dann auch schnell auf und verschwand wieder aus der Cafeteria. Das mit dem unauffälligen Ausquatschen hatte ja nicht funktioniert. Dann musste er die jetzige Zeit wohl nutzen, um sich den perfekten Plan auszudenken.
„Der hat ja wirklich noch keine Ahnung…“, flüsterte Gretchen sich zu und schüttelte mit einem Grinsen leicht den Kopf. Da war sie nun umso gespannter, was sie morgen erwarten würde…

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

01.04.2010 03:06
#112 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Hey, ihr Lieben
mal wieder eine kleine Ankündigung von mir. Aber ich wollte euch allen mitteilen, dass ich gerade eigentlich weder Zeit noch Lust habe, um richtig an dieser Story weiterzuschreiben, weswegen ich sie so langsam zum Ende bringen will. Vielleicht noch heute, wenn ich es schaffe...



Trotz des aufregenden Beginns des ersten Arbeitstages, wurde er zum Ende hin immer ruhiger. Das kam auch Marc zugute, der noch immer mit der eifrigen Planung des ersten richtigen Dates mit Gretchen beschäftigt war. Jedoch war er damit noch nicht recht viel weiter als zu Beginn des Tages. Auf seiner To-Do-Liste stand bis jetzt lediglich das Besorgen von Kerzen. Sollte bekanntlich ja romantische Stimmung erzeugen und darauf stand Gretchen. Nur wo er die Kerzen aufstellen wollte, war ihm noch nicht so ganz klar. Natürlich könnte er Mehdi um Rat fragen, aber er wollte nicht den Ex seiner zukünftigen Freundin miteinbeziehen. Am Ende würde der die Lorbeeren noch für sich kassieren. Das war jedoch Marcs Date mit Gretchen. Und deswegen würde er sich selbst etwas ausdenken. Es musste etwas Besonderes sein. Etwas anderes hatte Gretchen nicht verdient.

Am nächsten Tag herrschte Hochbetrieb im Hause Haase. Denn Gretchen hatte in typisches Problem. Mal wieder hatte sie nichts zum Anziehen. Ihre Sachen hatte sie noch immer nicht abgeholt und so befand sich in ihrem Kleiderschrank nicht annähernd etwas Datetaugliches. Ihre Verzweiflung musste Jochen mit ihr teilen. Ob er nun wollte oder nicht. Denn jedes Mal, wenn wieder etwas nicht passte, jammerte sie ihm die Ohren voll. Es war auch Jochen, der sie in ihren schlimmsten Verzweiflungsmomenten dazu ermutigte, das Date nicht abzusagen. Viel zu schnell wurde es 18 Uhr und es klingelte an der Tür.
„Nein! Er ist da!“, meinte Gretchen aufgeregt zu Jochen, dem sie gerade eben wieder ihr Leid geklagt hatte.
„Dann mach die Tür auf!“
„So? Ich hab hier zwangsweise die Sachen an, die ich im Krankenhaus gebunkert hatte! So kann ich doch nicht mit ihm ausgehen!“
„Gretchen! Er geht bestimmt auch so mit dir aus!“
„Und wenn nicht? Er wollte ein perfektes Date organisieren! Das mach ich doch alles kaputt, wenn ich so mitgehe!“
„Mach ihm jetzt auf!“
„Aber…“
„AUFMACHEN!“ Der mittlerweile schon sehr genervte Jochen sah ein, dass es keine andere Möglichkeit als Schreien gab. Und diese Ansage zeigte offensichtlich auf Wirkung und Gretchen ging aus seinem Zimmer nach unten zur Tür. Noch einmal atmete sie tief durch, bevor sie die Tür öffnete. Ihr Herz machte einen Hüpfer, als sie Marc sah. Er trug ein hellblaues Hemd und eine schwarze Hose dazu. Insgeheim hatte sie ja mit einem Anzug gerechnet, aber zweifelsohne sah er gut aus. Und schicker angezogen als sie war er auch allemal.
„Tut mir Leid, aber ich brauch noch 5 Minuten! Ich hab hier nichts anzuziehen und so kann ich ja wohl kaum mit und…“, erklärte Gretchen schnell, noch bevor sich die beiden begrüßt hatten.
„Gretchen…“
„Bitte! Nur noch ganz kurz! Ich bin noch gar nicht fertig! Ich will ja auch nicht, dass…“
„Gretchen!“
„Ja, Marc, ich weiß…“ Marc sah ein, dass Gretchen so in Panik verfallen war, dass er ihren Redefluss mit fairen Mitteln nicht stoppen konnte. Also musste er sich etwas anderen einfallen lassen. Und so schnellte er mit seinem Kopf schnell nach vorne und verschloss ihre Lippen mit einem Kuss. Anfänglich war Gretchen mehr als überrascht, gab sich dann aber einfach diesem Moment hin. Vergessen waren die Sorgen um ihre Klamottenwahl und die Verzweiflung verzog. Gerade als sie ihre Lippen öffnen wollte, um den Kuss zu intensivieren, entzog sich Marc ihr wieder und grinste sie nun an. Verdutzt blickte Gretchen ihn an und fragte sich, was das eben sollte.
„Tut mir Leid, aber irgendwie musste ich dich ja ruhigstellen! Und mach dir mal keine Sorge wegen deinen Klamotten! Zieh dir einfach schnell Sportsachen an und dann kann’s losgehen!“



Ach, und irgendwas wollte ich noch zu meiner Ankündigung sagen. Was war das noch gleich? Ach ja...

April, April
Tut mir Leid, aber ihr werdet mich doch noch einige Zeit ertragen müssen. Ob ihr wollt oder nicht

Euch hab ich jetzt in den April geschickt, aber bei Gretchen wird das nicht so sein. Nur falls ihr auf die Idee kommen solltet, das mit den Sportsachen wäre ebenfalls ein Aprilscherz

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

01.04.2010 17:15
#113 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Sportsachen? Also entweder ist ihm meine Klamotte wirklich egal oder er will Sport machen. Und Sport lässt sich definitiv nicht mit meiner Vorstellung vom perfekten Date vereinen!
„Bitte was?“
„Sportsachen! Also Jogginghose und T-Shirt oder was auch immer.“
„Und wozu?“
„Siehst du dann schon!“
„Ist es denn unbedingt nötig, dass ich Sportsachen anziehe? Oder sagst du das nur, damit ich irgendwas anziehe?“
„Meinetwegen kannst du auch gar nichts anziehen!“, bemerkte Marc mit einem frechen Grinsen, doch Gretchen schien weniger begeistert.
„Also so wird das nichts mit dem perfekten Date!“
„Jaja, tut mir Leid! Aber du brauchst wirklich Sportsachen! Du wirst dann schon sehen wozu!“
„Dann wird das ein Sportdate?“ Marc erkannte die Enttäuschung in ihren Augen und hoffte, dass sie ihre Meinung später jedoch noch ändern würde und der Sache eine Chance gab. Und das war ja auch nicht das Einzige, was er für diesen besonderen Abend geplant hatte.
„Teilweise. Aber wenn du ganz brav mitmachst, hab ich vielleicht noch eine Überraschung für dich!“, erklärte der Chirurg und augenblicklich fand sich ein begeistertes und aufgeregtes Funkeln in den Augen seiner Herzdame wieder.
„Eine Überraschung?“
„Ja!“
„Und was soll ich da dann anziehen?“ So sehr sie sich eben noch gefreut hatte, so schnell war nun ihre Kleiderpanik zurückgekommen. Doch auch daran hatte Marc bei seiner Planung des Dates gedacht.
„Eventuell hätte ich da etwas für dich!“
„Du hast mir etwas gekauft?“ Sofort war Gretchen wieder voll bei der Sache und lächelte ihr Gegenüber glücklich an. Marc hatte sich wirklich Gedanken über den heutigen Abend gemacht und allein das ließ ihr Herz schneller schlagen.
„Ja, und das war auch nicht gerade billig! Also komm mit, sonst hab ich’s umsonst gekauft!“
„Können wir nicht gleich das machen?“
„Das musst du dir erst verdienen!“
„Aber wenn ich jetzt Sport mache, bin ich nachher total verschwitzt und…“
„Mach dir mal keine Gedanken, ich hab das alles durchgeplant! Vertrau mir einfach!“
„Ist ja schon gut! Gib mir 5 Minuten, dann bin ich fertig!“
„Die Zeit läuft!“, rief Marc ihr noch nach, während Gretchen schon die Treppen nach oben stürmte. Wirkliche Begeisterung über den Sport wollte sich noch nicht einstellen, aber sie wollte sich auf dieses Abenteuer einlassen. Und es würde auch garantiert ein Date werden, wie sie es noch nie hatte…

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

01.04.2010 21:04
#114 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Nachdem sie schnell in ihre ältesten Sportsachen geschlüpft war, hüpfte sie die Treppen wieder nach unten, wo sie von Marc auch schon erwartet wurde.
„Na bitte, es geht doch!“, meinte er, legte seine Hand auf ihren Rücken und lenkte sie so zu seinem Wagen.
„Ich fass es noch immer nicht, dass du mir das antust!“
„Da musst du jetzt durch! Das wird kein Date wie es jeder hat!“
„Aber gibt’s nicht auch noch ne sportfreie Variante von diesem besonderen Date?“ Noch immer suchte Gretchen nach Auswegen aus ihrem Schicksal, was Marc nur mit einem Lächeln beantwortete. Er hatte ja schon erwartet, dass der Sportmuffel neben ihm der Sache skeptisch gegenüberstehen würde.
„Nein, gibt es nicht!“ Er öffnete ihr die Autotür und ließ sie einsteigen. Anschließend setzte er sich auf den Fahrersitz und machte sich bereit zum Losfahren.
„Wie kommst du eigentlich auf die Idee, dass du mit mir jetzt Sport machst? Du kannst es mir auch einfach nur sagen, wenn ich abnehmen soll!“
„Wenn ich das möchte, hätte ich Teil 2 des Dates ganz weggelassen!“
„Gibt’s da was zu essen?“
„Ja, da gibt es was zu essen! Da holst du die verbrannten Kalorien ganz schnell wieder rein!“
„Dann findest du nicht, dass ich dick bin?“
„Ich finde nicht, dass du abnehmen solltest!“
Soll jetzt was heißen? Mag er meine Kurven und die paar Kilo zu viel? Aber er hat ja nicht gesagt, dass ich nicht dick bin. Ich nehm das jetzt mal als halbes Kompliment!
„Willst du jetzt nochmal irgendwelche Einwände einlegen oder darf ich losfahren?“
„Nein, ist schon gut! Ich bin bereit!“

Gabi saß in ihrem Zimmer im Schwesternwohnheim und hatte gerade ihre Sachen zusammengepackt. Morgen würde sie in ihre neue Wohnung ziehen. Eigentlich sollte sie sich darauf freuen, doch das tat sie nicht wirklich. Ihr neuer Reichtum hatte sie nur kurzfristig befriedigt. Doch nichts Materielles konnte wirklich den Schmerz überspielen, den sie tief in sich verspürte. Nichts konnte sie über den Verlust ihres geliebten Kindes hinwegtrösten. Anfangs wollte sie nur schwanger werden, um Marc an sich zu binden, doch dann hatte sie ihr Baby wirklich geliebt. Auch wenn es von Kalle war, war es ihr Kind und es war das Beste, was sie jemals zustande gebracht hatte. Ihr kleiner Junge war ihr genommen worden. Sie hatte den Wunsch nach Rache gehegt. Sie wollte, dass alle um sie herum genauso unglücklich wurden wie sie es war. Und an Gretchen hatte sie sich nun schon rächen können und hatte sie in ihr Unglück rennen lassen. Doch nun musste Gabi einsehen, dass es ihr nicht besser ging. Selbst wenn es anderen auch schlecht ging, linderte das nicht ihren Schmerz. Ihr Kind war tot und würde nicht wieder kommen. Sie würde es nie in den Armen halten können. Sie ging zu der kleinen Kommode und sah in den Schubladen nach, ob sie auch alles eingepackt hatte. In der zweiten Schublade fand sie jedoch noch etwas. Es war ein Ultraschallfoto von ihrem Baby. Es war ihr letzter Ultraschall gewesen. Es war noch am Tag des Unfalls gewesen. Sie nahm das Bild in ihre Hand und strich mit dem Daumen darüber. Zu lange hatte sie die Tränen zurückgehalten und die Trauer hatte sich mehr und mehr angestaut. Doch nun ließ es sich nicht mehr zurückhalten und eine Träne floss über ihre Wange. Sie begann fürchterlich zu schluchzen und ließ sich an der Kommode hinab zu Boden gleiten. Sie wollte doch nur glücklich sein, eine Familie haben…

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

01.04.2010 23:11
#115 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Nach einer viertelstündigen Fahrt kamen sie vor dem Fitnessstudio an. Doch während Marc gerne hier war, fühlte sich Gretchen in einen schlimmen Albtraum versetzt. Zu genau erinnerte sie sich auch an ihren letzten Besuch hier, als sie Elke mal eben k.o. gehen ließ. Marc hatte die Sportsachen aus dem Auto geholt und wollte zum Eingang gehen, als er Gretchen abschätzigen Blick gegen das Gebäude bemerkte.
„Jetzt komm schon! So schlimm wird das bestimmt nicht!“
„Das werden wir ja noch sehen!“
„Sieh’s dir doch erstmal an! Vielleicht macht es dir ja Spaß!“
„Fitnessstudio lässt sich meiner Meinung nach nicht mit Spaß vereinbaren!“
„Probier es erstmal aus!“ Er hielt ihr die Hand hin, aber sie nahm diese nicht an, sondern ging einfach so weiter. Bevor das Date keine gute Wendung nahm, würde sie garantiert nicht mit ihm Händchen halten. Angetan von ihrer Trotzigkeit sah Marc ihr noch kurz nach, bevor er ihr nachging und sie zusammen das Studio betraten.
„Und was genau machen wir jetzt?“, fragte Gretchen, als sie in dem großen Sportraum ankamen und sie all die sportlichen Menschen um sich herum sah. Mit Sicherheit würde sie zum Gespött aller werden, wenn sie nach 5 Minuten Laufband vor Erschöpfung umkippen würde.
„Keine Angst, wir machen nichts mit diesen Geräten! Wir machen was zusammen!“ Sie folgte ihm weiter durch die unterschiedlichsten Fitnessgeräte bis Marc von einem Angestellten begrüßt wurde.
„Hey, Marc, da biste ja schon!“
„Wenn ich den Raum schob gebucht hab, bin ich auch pünktlich!“
„Neue Partnerin, wie ich sehe?“, meinte der Mann dann mit einem musternden Blick auf Gretchen, die etwas unbeholfen hinter Marc stand. „Mit dem richtigen Trainings- und Ernährungsplan kann man da bestimmt schnell eine Traumfigur herbeizaubern!“
Hat der mir gesagt, dass ich fett bin? Jetzt weiß ich wieder, warum ich Fitnessstudios wirklich, wirklich sehr hasse! Am Ende wird man ja doch nur runtergemacht…
„Kannst du vergessen, da bleibt alles so, wie es ist!“, verteidigte Marc Gretchen sofort, was diese begeistert aufnahm. Marc hatte immerhin gerade sie mitsamt ihrer Figur in Schutz genommen. Damit hatte sie immerhin auch schon den ersten positiven Moment in dieser Filiale der Hölle GmbH erlebt.
„Ich mein ja nur… Braucht ihr dann noch irgendwas?“
„Nein, wir kommen schon klar!“
„Okay! Dann viel Spaß euch beiden und sagt Bescheid, wenn ich helfen kann!“ Mit diesem Worten ließ der Mann die beiden alleine und Marc wandte sich wieder Gretchen zu, die er aufmunternd anlächelte.
„Hör nicht auf den! Der ist sowieso ein Volltrottel!“
„Das hab ich schon selbst gemerkt!“
„Vergiss es einfach! Komm jetzt lieber mit, wir wollen ja auch mal anfangen!“
„Was machen wir denn jetzt eigentlich?“

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

02.04.2010 13:28
#116 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„SQUASH?“ Der entsetzte Aufschrei der Gretchen Haase durchdrang die Wände des Fitnessstudios. Im Vorfeld hatte sie sich viele Sachen ausgemalt, aber auf diese Idee wäre sie niemals gekommen. Sie wollte auch niemals auf diese Idee kommen. Aber jetzt wusste sie zumindest, warum sie Sportsachen anziehen musste und auch Marc sich inzwischen umgezogen hatte.
„Ja, Squash! Was dagegen?“
„Ich hab da sehr viel dagegen! Ich kann ja nicht einmal Tennis!“
„So schwer ist das nicht! Du musst mit deinem Schläger einfach den Ball treffen!“
„Genau das ist ja mein Problem! Das erfordert eine Augen-Bein-Hand-Koordination, die ich nicht habe!“
„Jetzt hab doch mal ein bisschen mehr Selbstvertrauen! Du kriegst das schon hin!“
„Und wenn nicht?“
„Das sehen wir dann!“
„Warum hast du das eigentlich so geplant?“
„Ich dachte, dass es dir vielleicht gut tun wird…“, gestand Marc seine Absichten. Doch Gretchen sah ihn nur fragend an und konnte nicht nachvollziehen, wieso ihr das gut tun sollte.
„Ich werde danach fix und fertig sein! Ich werde vermutlich in einer Ecke sitzen und nach Luft japsen!“
„Selbst wenn! Du sollst dich auch richtig auspowern!“
„Ich will mich aber nicht auspowern!“
„Mal eine Frage… Macht dich die Sache mit Alexis noch immer fertig?“ Gretchens Blick versteinerte sich, als das Thema auf ihren Mann gelenkt wurde. Um den wollte sie sich momentan am allerwenigsten Gedanken machen. Sie hatte sich auf dieses Date mit Marc eingelassen, um ihre Ehe hinter sich zu lassen. Und ausgerechnet jetzt sollte es darum gehen?
„Was hat das bitte damit zu tun?“
„Beantworte mir einfach die Frage!“ Wieder ging Gretchen in sich und erkannte dabei auch ganz genau, dass der Schmerz noch immer tief saß. Nie hatte jemand ihr Vertrauen mehr missbraucht. So sehr sie es sich auch wünschte, sie hatte dieses Thema noch nicht angehakt.
„Ja, schon…“, antwortete Gretchen schließlich zögerlich und leise. Dabei konnte sie Marc nicht in die Augen sehen und richtete ihren Blick stattdessen stets zu Boden. Marc kam auf sie zu und legte einen Finger unter ihr Kinn, um es leicht anzuheben. Anfangs ließ sie ihren Blick noch immer durch den Raum schweifen, aber Marcs Hartnäckigkeit verleitete sie dazu ihm schließlich doch direkt in seine Augen zu sehen. Liebevoll und fürsorglich lächelte er sie an, was ein wohliges Gefühl in ihr aufsteigen ließ. Immer mehr gewann sie den Eindruck, dass sie ihm wirklich vertrauen konnte. Als er sich sicher war, dass sie den Blickkontakt nicht abbrechen würde, nahm er seinen Finger wieder von ihr weg und begann zu sprechen.
„Weißt du, Gretchen… Ich denke, es ist wichtig, dass du mit dem Thema abschließt. Und beim Sport kannst du vielleicht deinen Frust ein wenig rauslassen. Und da das hier ja ein Date ist, dachte ich, dass wir uns gemeinsam auspowern. Und wo kann man das besser als beim Squash?“ Nachdem er fertig geredet hatte, breitete sich ein kleines Lächeln auf Gretchens Lippen aus. Marc hatte bei diesem Date keinerlei böse Absichten gehabt. Im Gegenteil, er hatte sich wirklich Gedanken gemacht und wollte etwas Gutes für sie tun. Und so war das für Gretchen nicht nur ein besonderes, sondern ein im positiven Sinne unvergessliches Date…

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

02.04.2010 19:20
#117 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Okay, dann packen wir es mal an!“, gab Gretchen nun die Genehmigung zum Spielstart und schnappte sich einen der Schläger, die Marc mitgebracht hatte.
„Das wollte ich hören!“
„Gibt es irgendetwas, das ich beachten muss?“
„Wir spielen einfach ohne Regeln oder Punkte! Hau drauf und lass alles raus! Dann bist du nachher auch nicht frustriert, wenn du verloren hast!“ Frech grinste Marc sie von der Seite an und warf spielerisch den Ball in die Luft, um ihn gleich wieder mit der Hand aufzufangen.
„Ich würde bestimmt nicht verlieren!“
„Dann spielen wir eben mit Regeln, wenn du willst!“
„Können wir machen! Aber soll ja ein Date sein, da soll ja der Spaß ganz oben stehen!“, redete sich Gretchen schnell raus. Denn verlieren musste sie in der Tat nicht unbedingt.
„Also doch lieber ohne Regeln?“
„Ja! Aber nicht, weil ich Angst hab oder so!“
„Ist klar! Dann mach dich mal bereit!“ Beide begaben sich in Startposition und Marc machte den Aufschlag. Der Ball knallte kraftvoll gegen die Wand und schnellte zurück. Gretchen versuchte ihn mit ihrem Schläger aufzufangen, doch sie kam damit nicht einmal in die Nähe des Balles.
„Jetzt weiß ich, was du mit der Augen-Bein-Hand-Koordination meintest!“, lachte Marc neben ihr und handelte sich so einen strafenden Blick von Gretchen ein.
„Ich muss mich eben erst einspielen!“, erwiderte sie nur trotzig und machte sich wieder bereit für den nächsten Ball. Marc schüttelte nur mit einem dicken Lächeln den Kopf und machte ihr den nächsten Aufschlag. Wieder bemühte sich Gretchen, doch Ball und Schläger fanden nicht zueinander.
„Wie lange brauchst du ungefähr zum Einspielen?“
„Könnte noch ein paar Jahre dauern…“, nuschelte Gretchen gerade so, dass Marc es noch verstehen konnte.
„Komm, ich zeig dir, wie du den Schläger halten musst!“ Seinen eigenen legte er zur Seite und kam wieder auf Gretchen zu. Von hinten schmiegte er sich mit seinem Körper ganz nah an ihren und legte seine Hände zuerst auf ihre Schultern. Verwirrt drehte Gretchen ihren Kopf so, dass sie in ihren Augenwinkeln Marc gerade noch sehen konnte.
„Was genau wird das jetzt?“
„Ich zeig dir nur wie du den Schläger halten musst!“ Anschließend fuhr er mit seinen Händen ihre Arme hinab und hinterließ überall eine Gänsehaut. Sie konnte seinen warmen Atem in ihrem Nacken spüren und sie vergaß dabei fast, worum es hierbei eigentlich gehen sollte. Momentan ging es nur um diese Berührung, diesen innigen Moment zwischen den beiden. Er sog ihren wohligen Duft ein und musste sich sehr beherrschen, dass er sie nicht einfach herumwirbelte, küsste und mit seinen Händen ihren ganzen Körper erkundete. Jeden Zentimeter von ihr wollte er liebkosen. Er wollte sie lieben und ihr so nah sein wie nie zuvor. Er wollte, dass sie ganz ihm gehört und dass er ihr gehörte. Mit ihr zusammen zu sein war sein sehnlichster Wunsch…

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

02.04.2010 22:58
#118 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Aber er musste ihr Zeit geben und sich so lange noch zurückhalten. Er schüttelte seine Gedanken aus seinem Kopf und versuchte sich wieder auf das Spiel zu konzentrieren und ihr die nötigen Handgriffe beizubringen. Er räusperte sich, um die in der Luft liegende Spannung zu durchbrechen und beförderte so auch Gretchen wieder zurück in die Realität. Seine Hände umschlossen nun ihre und somit indirekt auch ihren Schläger.
„So musst du ihn halten!“, erklärte er, nachdem der Schläger richtig in ihren Händen lag. „Und so…“ Er ließ sie mit ihren Armen ausholen und den Schläger schwingen. „nimmst du denn Ball an und schlägst in wieder zurück. Alles verstanden?“
„Ja!“ Sehnlichst wünschte sie sich, dass er es ihr nochmal zeigen könnte, doch sie wusste auch, dass sie das besser lassen sollten. Und so ließ Marc schweren Herzens von ihr ab und nahm wieder seinen eigenen Schläger.
„Dann fangen wir mal wieder an!“ Erneut ließ er den Ball gegen die Wand schnellen und Gretchen machte sich bereit. Sie rief sich wieder in den Kopf, was Marc ihr eben gezeigt hatte und schwang den Schläger genau so. Und tatsächlich erwischte sie den Ball so, dass er zurückprallte ohne auf dem Boden aufzukommen. Voller Freude darüber riss sie die Arme in die Luft und ließ einen lauten Freudenschrei durch den Raum hallen.
„Ich hab ihn getroffen! Hast du gesehen?“ Dabei vergaß sie völlig, dass der Ball ja auch ein zweites Mal auf sie zukommen würde, so dass dieser nun wieder schneller den Boden erreichte als ihm lieb war. Aber das interessierte Gretchen nicht im Geringsten.
„Ja, hab ich gesehen! Und vielleicht schaffst es das nächste Mal sogar zweimal!“
„Tschuldigung, ich hab mich nur so gefreut!“ Und Marc hatte sich über ihr Glück gefreut. Zu sehen, wie sie sich begeisterte und so erleichtert und fröhlich wirkte, war für ihn das Schönste auf dieser Welt.
Er weiterer Aufschlag folgte und es gab ein reges Hin und Her mit dem Ball. Gretchen wurde immer sicherer und hatte den Dreh nun raus. Ihre Schläge wurden kräftiger und bargen eine Menge Wut in sich. Marc hatte Recht behalten. Es tat ihr tatsächlich gut. Hier konnte sie all die angestauten Emotionen aus sich herauslassen. Sie musste sich nicht zurückhalten und konnte sich innerlich einfach befreien. Sie fühlte sich besser dabei und zudem hatte sie auch wirklich Spaß. Mit jeder Menge Kraft schlug sie den Ball wieder gegen die Wand und er schnellte so schnell zurück, dass er für Marc nicht mehr zu erreichen war.
„Wär das ein Punkt für mich?“, fragte Gretchen Marc neckisch, der gerade ziemlich erstaunt von Gretchen Schlagkraft war.
„Den hab ich doch mit Absicht nicht mehr erwischt!“, verteidigte Marc sein Gewinnerimage. Er würde nicht auch noch zugeben, dass Gretchen eben besser gewesen war.
„Sicher!“ Gretchen zog nur eine Schnute, die ziemlich eindeutig machte, dass die ihm das nicht glaubte. „Darf ich jetzt mal den Aufschlag machen?“
„Wenn du das kannst!“ Marc reichte ihr den Ball und stellte sich wieder in Position. Auch Gretchen machte sich bereit für ihren ersten Aufschlag beim Squash. Sie probierte aus, wie sie das am besten bewerkstelligen konnte und kreiste dabei unwillkürlich mit ihren Hüften. Als Marc das sah, vergaß er alles um sich herum und achtete auf nichts anderes mehr. Seine Konzentration galt nur noch Gretchens Bewegungen. Die Temperatur im Raum stieg ins Unermessliche und dem Arzt wurde es ganz schön heiß. Dabei bekam er nicht wirklich mit, dass Gretchen nun den Aufschlag durchführte. Man hörte nur den Ball gegen die Wand prallen, kurz darauf einen schmerzvollen Aufschrei und Marc sank zu Boden.

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

03.04.2010 14:24
#119 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Marc? Marc, hast du dich verletzt?“ Schnell lief Gretchen zu dem auf dem Boden liegenden Mann und beugte sich besorgt über ihn. Er lag ihn Embryonenstellung und hatte die Hände in seinem Schritt positioniert. Denn genau an dieser für den Mann so empfindlichen Stelle war der Ball mit ihm zusammengekommen und hinterließ dort einen großen Schmerz. Marc Meier steckte viel weg, aber das war zu viel für ihn.
„Nein, DU hast mich verletzt!“, schob er die Schuld weiter und krümmte sich noch immer vor Schmerz jauchzend auf dem Boden.
„Tut mir Leid, Marc! Ich wollte dich nicht treffen! Kann ich irgendwas für dich tun?“
„Eis!“
„Eis? Welche Sorte?“
„ZUM KÜHLEN!“
„Achso… Klar!“ Gretchen stand wieder auf und lief aus dem Squashraum. Hilfesuchend erkundete sie die Gänge bis sie endlich jemanden fand, der ihr helfen konnte.
„Hey, ick kenne Sie!“, wurde sie mit dem amerikanischen Akzent des Fitnesstrainers Brad begrüßt. Der hatte ihr gerade noch gefehlt, aber irgendwie musste sie Marc ja helfen…
„Öhm, ja! Haben Sie Eis hier? Mein Freund hat sich verletzt!“
„Sind Sie nick Barbels daughter? Sie haben dock Elki fast umgebrackt! Sie konnte wockenlang nick trainieren!“
„Das war ein Versehen! Wie jetzt auch bei meinem Freund! Also Bekanntem… Und deswegen braucht er jetzt dringend Eis zum Kühlen!“ Das sah Brad dann glücklicherweise auch ein und schickte Gretchen mit einem Coolpack zurück zu Marc. Dort wurde sie auch schon sehnlichst erwartet. Schnell griff Marc danach und hielt es sich an die schmerzende Stelle.
„Ist es schon besser?“
„Ich wusste ja, dass du mich irgendwann einmal meine Eier kosten würdest!“
„Hä?“
„Ist egal jetzt! Aber falls du jemals Kinder wolltest, kannst du das jetzt vergessen!“, meinte Marc ohne wirklich über diese Worte nachgedacht zu haben. Gretchen musste sich ermahnen, dass sie keine Bedeutung in diese Worte steckte. Denn sie wusste, dass Marc das auch nicht tat.
„Klar! Weil wir beide bestimmt mal Kinder bekommen hätten!“
„Jetzt hast du mir sowieso jegliche Optionen genommen!“
„Jetzt sei mal nicht so wehleidig! Ist bestimmt alles nur halb so schlimm!“
„Du hast doch keine Ahnung! Du weißt nicht, wie das ist!“
„Das tut mir wirklich Leid! Ich glaube, das Date können wir jetzt vergessen…“ Und den romantischen Teil werde ich niemals erleben…
„Wir… können es ja aufschieben!“
„Ich hab mich aber schon so drauf gefreut…“, meinte Gretchen traurig und enttäuscht. So sehr hatte sie gehofft, dass sie heute Abend die romantische Ader des Marc Meier kennenlernen dürfte. Doch nun war das mit einem Schlag zerstört worden.
„Wir holen das ja nach! Aber bei der Planung hab ich mich selbst übertroffen! Und deswegen soll alles perfekt sein!“ Marc wusste nur zu genau, dass Gretchens Neugier dabei ins Unermessliche steigen würde. Doch bis sie herausfand, was er geplant hatte, müsste sie sich noch gedulden.
„Kannst du mir nicht wenigstens sagen, was du geplant hattest?“
„Auf keinen Fall! Und jetzt hilf mir hoch, ich fahr uns nach Hause!“

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

03.04.2010 20:09
#120 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Autofahren kannst du also noch, aber für unser Date bist du zu angeschlagen?“, schmollte Gretchen, nachdem sie sich auf den Beifahrersitz gesetzt hatte und Marc das Steuer in der Hand hatte.
„Autofahren ist auch einfacher als ein Date mit dir!“
„Was willst du damit denn wieder sagen?“
„Dass mein Auto mir niemals einen Ball in meine Bälle hauen würde!“
„Ich hab doch schon gesagt, dass es mir Leid tut! Wenn du ein Problem hast, dann kann ich auch gehen!“
„Vergeben, aber noch nicht ganz vergessen! Und wenn ich weiß, dass mit meinen Kumpels da unten alles in Ordnung ist, kann ich darüber vielleicht auch lachen.“
„Machst du dich über mich lustig?“
„Nein?“, antwortete Marc vorsichtig. Gretchen schien ja einen Hang dazu zu haben, all seine Aussagen falsch zu interpretieren. „Ich wollte damit nur sagen, dass du dem Date damit das gewisse Etwas gegeben hast!“
„Und was für eins…“, meinte Gretchen nur beschämt. Natürlich hatte sie Eindruck bei Marc erwecken wollen, aber weniger auf diese Weise. Doch scheinbar konnte sie nicht anders als einen solch speziellen Eindruck zu hinterlassen.
„Okay… Wenn du willst, können wir diesen letzten Eindruck ja noch ändern und noch nen Kaffee trinken oder so…“, schlug Marc etwas zurückhaltend vor und hoffte sehr, dass Gretchen zustimmen würde. Er hatte sich so darauf gefreut den ganzen Abend mit ihr zu verbringen und das perfekte Date zu haben. Das würden sie bestimmt auch bald fortsetzen, aber erst wenn er keine Schmerzen mehr hatte und sie sich keine Vorwürfe mehr machte.
„Bei dir?“
„Wenn du nichts dagegen hast…“
„Solange der Kaffee auch wirklich nur für Kaffee steht!“
„Was denkst du denn bitte von mir?“
„Dass du vielleicht einer der Typen bist, die auf einen Kaffee einladen und dann doch andere Absichten haben?!“
„Naja, manchmal vielleicht… Aber ich weiß ja, dass ich da bei dir nicht weit komme! Und außerdem bin ich heute auch gar nicht mehr in der Lage für das!“
„Also wirklich nur Kaffee?“
„Ist das eine Zusage?“, fragte Marc glücklich, aber Gretchen ließ sich für ihre Antwort Zeit. Immerhin wäre sie mit Marc dann ja ganz allein. Keiner, der auf sie aufpasste und sicherging, dass sie nicht wieder schwach wurde.
„Ich weiß nicht… Immerhin bin ich ja auch durchgeschwitzt…“
„Du weißt ja, wo meine Dusche ist!“, erwiderte Marc nur mit einem Grinsen im Gesicht. Es gab Sachen, die würde er Gretchen nie vergessen lassen und die wollte er selbst auch gar nicht vergessen.
„MARC!“
„Also? Dusche und Kaffee?“
„Fahr mich bitte lieber nach Hause! Dann können wir diesen Tag schnellstmöglich wieder vergessen!“
„Also ich für meinen Teil will ihn auch gar nicht vergessen!“, stellte Marc klar und zauberte so ein kleines Lächeln auf Gretchens Lippen. „Willst du noch immer nach Hause?“
„Ja, bitte! Dann haben wir ja noch immer eine Chance zur Steigerung beim nächsten Mal!“

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

04.04.2010 01:06
#121 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Ich wünsche euch allen ein frohes Osterfest
Und natürlich viel Glück bei der Eiersuche. Wenn ihr ganz genau sucht, könnt ihr hier auch einen neuen Teil meiner Story finden



Marc setzte sie zu Hause ab und begleitete sich ganz gentlemanlike zur Tür. Als sie dort ankamen, wandten sie sich einander zu und sahen sich direkt in die Augen.
„Also dann…“, durchbrach Gretchen die Stille und somit auch wieder die aufkommende Spannung zwischen den beiden. Immer stand sie unter Gefahr über Marc herzufallen und ihm erging es genauso. Und um das zu vermeiden, mussten sie die Magie einfach unterbrechen.
„Dann geh ich mal?“
„Ja…“ Während Marc weiter auf die blonde Frau vor ihm blickte, wich diese ihm nun etwas mehr aus, bevor sie sich umstimmen ließ. Sie genoss Marcs Nähe so sehr, aber es wäre falsch, wenn er jetzt bleiben würde. Noch immer war sie nicht wirklich bereit dafür…
„Ich muss mich und die Jungs eh zur Ruhe kommen lassen! So was erleben wir ja nicht alle Tage!“
„Wenn das nicht gewesen wäre, wär das wirklich ein sehr schöner Tag gewesen!“
„Und er wär noch besser geworden!“
„Du bist gemein! Du weißt, dass ich wissen will, was du noch geplant hast!“
„Und wie ich das weiß! Sonst würd’s auch nicht so viel Spaß machen, dir das immer wieder unter die Nase zu reiben!“
„Du bist ein Idiot! Aber ein sehr einfallsreicher Idiot! So ein Date hat wirklich nicht jeder!“
„Dann gibst du auch zu, dass es toll war? Obwohl du anfangs so skeptisch warst?“
„Brauchst du eigentlich immer so viel Bestätigung?“, fragte ihn Gretchen frech.
„Nicht zwingend, aber ich bekomme sie trotzdem gerne! Also?“
„Gut, es war wirklich besser als ich zuerst gedacht hätte! Und es hat mir auch gutgetan!“
„Dann hatte ich also Recht!“
„Ich geh dann jetzt rein!“
„Und ich fahr dann mal nach Hause! Wir sehen uns dann morgen bei der Arbeit! Und wenn du willst, können wir auch morgen gleich mit dem Date weitermachen.“
„Sehr gerne sogar! Ich hoffe nur, dass ich dir dann nicht irgendwie wehtun kann!“
„Sollte eigentlich nicht passieren, aber dir fällt bestimmt ein Weg ein wie du das machen kannst!“
„So schlimm bin ich dann ja doch nicht!“
„Ansichtssache! Aber ich tue es mir ja trotzdem gerne freiwillig an!“
„Soll ich das als Kompliment auffassen?“
„Ja, das solltest du! Aber wenn du noch ein andres Kompliment willst, dann…“ Gretchen sah ihn mit hoffnungsvollen Augen an, gespannt, was er nun sagen würde. Marc hingegen blickte lieber zu Boden und suchte nach den richtigen Worten. Denn auch wenn es zu diesem unerwarteten Zwischenfall gekommen war, war das zweifellos das schönste Date, das er je hatte. Vielleicht hatte das auch dazu beigetragen, dass er das Date lieber vorzeitig abgebrochen hatte. Er hatte Angst, dass er Gretchens Erwartungen nicht erfüllen könnte. Doch zuerst erwartete sie, dass er seinen Satz fortführte.
„Also auch wenn das Date jetzt nicht so lange gedauert hat und trotz des kleinen Unfalls, hätte ich die Zeit wirklich mit niemandem lieber verbracht als mit dir!“, sagte er offen und ehrlich, was Gretchen mit einem glücklichen Lächeln kommentierte. Wie oft hatte sie davon geträumt, dass er ihr so etwas sagte? Und er sagte es nicht nur, sondern er meinte es auch so. Das konnte sie seinen Augen ganz deutlich ablesen.
„Danke, Marc! Ich bin auch sehr froh, dass wir das zusammen gemacht haben!“
„Dann warte erstmal morgen ab! Also… wir sehen uns!“, beendete Marc das Gespräch und keiner wusste so recht, wie sie sich nach diesem Tag voneinander verabschieden sollten. Deshalb drehte sich Marc einfach zur Seite und ging den Weg zurück zu seinem Auto. Gretchen sah ihm noch eine Weile nach, bevor sie die Tür öffnete und ins Haus trat. Doch was sie dort erwartete, war mehr als überraschend für die junge Ärztin.

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

05.04.2010 04:24
#122 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Gigi?“, fragte Gretchen ungläubig, als ihre beste Freundin ihr schon entgegenkam und sie in die Arme schloss. Anfangs erwiderte sie die freundschaftliche Geste, bis ihr wieder in den Sinn kam, was Gina getan hatte. Und auch wenn Gretchen ihrer Freundin in dem letzten Telefonat keine wirklichen Vorwürfe gemacht hatte, schlummerte tief in ihr doch maßlose Enttäuschung. Deshalb löste sie sich schnell von Gigi und ließ ihr einen verletzten Blick zukommen.
„Gretchen, ich weiß, was du jetzt denkst…“, sprach Gigi vorsichtig das heikle Thema an. Sie wusste, dass sie einen Fehler begangen hatte, hoffte aber, dass Gretchen ihr das verzeihen könnte.
„Was sollte ich auch sonst denken? Erst lügst du mich an, lässt mich damit in mein Unglück laufen, dann sagst du mir doch die Wahrheit und jetzt stehst du einfach so vor mir! Wie bist du eigentlich reingekommen?“
„Jochen hat mich reingelassen. Und ich weiß auch, dass mein Verhalten falsch war! Deswegen bin ich auch hergekommen. Ich will dir helfen, dass du das alles wieder in den Griff bekommst!“
„Das schaff ich schon auch selbst!“
„Ich verstehe ja, dass du wütend bist! Aber ich wollte wirklich nur immer dein Bestes! Leider habe ich dabei genau das Falsche gemacht… Und deswegen werde ich jetzt auf dich hören und dich entscheiden lassen, was das Beste ist! Wenn du willst, dass ich gehe, dann gehe ich wieder! Aber ich hoffe wirklich, dass du mir verzeihst und du unserer Freundschaft noch eine Chance gibst!“ Gretchen konnte ihrer Freundin anhören, dass sie es wirklich ehrlich meinte und sie ihr nie etwas Böses wollte. Dass es letztendlich anders gekommen war, hatte niemand vorhersehen können. Und auch wenn es vielleicht noch etwas brauchen würde, wollte sich Gretchen eines Tages wieder ganz mit ihrer Freundin versöhnen.
„Gigi, wegen dir bin ich im totalen Gefühlschaos! Ich würde so gerne mit Marc zusammen sein, aber ich hab einfach Angst, dass ich wieder verletzt werde! Dabei könnte ich schon längst mit Marc zusammen sein, wenn du nicht diese Lüge gesagt hättest, sondern er mir die 3 Worte gesagt hätte! Welche auch immer es genau waren…“
„Ist dir nicht klar, was er sagen wollte? Mal ganz ehrlich… Kein Mann hält den Aufzug an, um einer Frau zu sagen, dass er mit ihrer besten Freundin geschlafen hat!“, erklärte Gigi Gretchen und das leuchtete ihr auch ein. Doch sie war damals einfach zu verletzt gewesen, als dass sie etwas anderes hören wollte.
„Selbst wenn er mich liebt…“
„Nichts mit ‚selbst wenn’! Er liebt dich wirklich! Sonst wäre er auch nicht von deiner Hochzeit abgehauen!“
„Es… es geht einfach nicht! Und außerdem bist du eigentlich nicht diejenige, mit der ich das besprechen will!“, startete Gretchen nun ihren Angriff und drängte sich an Gigi vorbei zur Treppen, deren Stufen sie langsam erklimmte.
„Heißt das, dass ich gehen soll?“, fragte Gigi traurig und Gretchen blieb stehen. Sie blickte sich um und sah wieder die Frau, die ihr Verhalten ehrlich bereute und es wirklich wieder gutmachen wollte. Und vielleicht hatte sie eine Chance verdient, sich zu beweisen.
„Du kannst erstmal hier bleiben! Solange du nicht versuchst mit allen Mitteln mein Leben in die richtigen Bahnen zu lenken…“

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

05.04.2010 17:02
#123 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Am nächsten Tag war Gretchen gerade in Krankenhaus angekommen, als sie auch schon von Marc in Beschlag genommen wurde. Ihr Herz klopfte schneller, als sie in seine grünen Augen blickte und ihm erging es bei ihrem Anblick auch nicht anders. Auch wenn nur eine Nacht seit dem Date vergangen war, hatte sich die Zeit alleine viel länger angefühlt. Das konnte auch daran liegen, dass keiner so richtig schlafen konnte. Die Gedanken kreisten doch nur um den anderen und das Bett schien kalt und leer. Bevor Gretchen jedoch vollends ins Träumen geriet, schossen auch wieder andere Bilder in ihren Kopf. Wie beispielsweise das Szenario, als Marc mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden lag, woran sie nicht ganz unschuldig war. Eine gesunde Röte zierte ihre Wangen und sie wandte ihr Augenmerk lieber von ihrem Traummann ab.
„Und… wie geht’s dir so?“
„Du meinst, wie es meinen Eiern geht? Denen geht’s soweit wieder ganz gut, sie warten nur noch auf Einsatzbereitschaft! Und jetzt komm mit, wir kriegen gleich nen Notfall rein!“, wies Marc sie an und verschwand vor ihr aus dem Schwesternzimmer. Sie hechtete ihm nach und tat sich etwas schwer mit ihm Schritt zu halten.
„Jetzt mach mal nicht so schnell!“
„Wir müssen Leben retten, da bleibt keine Zeit zum Trödeln!“
„Aber hetzen muss man ja auch nicht!“
„Schadet aber auch nicht!“
„Sag mal, bist du irgendwie schlecht gelaunt?“
„Hab nur schlecht geschlafen…“
„Ach echt? Warum denn?“ Gerade als Marc sich ziemlich in die Ecke gedrängt fühlte, sah er sehr zu seinem Glück schon Gordon und seinen Kollegen mit der Trage auf ihn zukommen.
„Guten Morgen, die Ärzte!“, begrüßte sie der blonde Sanitäter erstmal das Team. „Und Frau Doktor von Buren sieht natürlich zu dieser Tageszeit auch schon fabelhaft aus!“ Bei dieser Bemerkung lief Gretchen wieder leicht rot an und Marc blieb innerlich brodelnd vor Eifersucht stehen.
„Erstens ist das immer noch Doktor Haase und zweitens haben wir keine Zeit für unqualifizierte Bemerkungen! Also was haben wir jetzt?“
„Ja, also was den Patienten angeht…“
„Geht das vielleicht schneller? Die Fakten bitte und sonst nichts!“ Marc setzte den Marsch der Truppe fort und schritt weiter seine Station entlang.
„Mann Mitte 30, vermutlich Unterschenkelfraktur nach Sturz von den Treppen. Zudem scheint er angetrunken zu sein.“
„Na bitte, es geht doch! Und jetzt zischen Sie ab, wir übernehmen das schon!“
„Vielleicht sollten wir Sie vorwarnen…“ Doch dazu war es schon zu spät. Denn Gretchen hatte nun schon längst einen Blick auf den Patienten geworfen und dabei wurde sie kreidebleich.
„Alexis?“

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.04.2010 21:57
#124 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Ungläubig sah die Chirurgin auf den Patienten, der noch dazu ihr Ehemann war. Sein Anblick glich ein wenig dem von vor 4 Monaten, als er zusammengeschlagen eingeliefert wurde. Zwar lagen keine Bananenschalen auf seiner Kleidung, doch er war vollkommen besoffen und war gar nicht wirklich anwesend. Er wirkte nur jämmerlich auf sie und sie mutmaßte, dass ihn wohl die Trennung so mitnahm. Und so sehr sie sich auch dagegen wehrte, empfand sie Mitleid für ihn. Sie bereute es nicht, dass es zu Ende gegangen war, aber sie wollte dennoch nicht, dass er wegen ihr so litt.
„Müssen wir hier immer den Abschaum bekommen? Der kann doch genauso gut in die Charitè!“, motzte Marc die Sanitäter an. Denn auch er war alles andere als erfreut über den Patienten. Wollte er diesen Mann doch auch nie wieder sehen. Er wollte in ein neues Leben mit Gretchen starten und deren Ehemann sollte dabei keinerlei Rolle mehr spielen. Wie sollte sie dieses Thema sonst abhaken?
„Das Elisabethkrankenhaus war eben näher!“
„Ja, und? Bestenfalls wär der Typ auf dem Weg verreckt!“
„Marc!“, maßregelte ihn Gretchen mit scharfem Ton. „Bisschen mehr Respekt, ja?“ Völlig perplex starrte Marc nun die blonde Frau an. Er hatte sich doch nur negativ über den Mann geäußert, der sie in eine tiefe Krise gestürzt hatte und der ihr das Strahlen in ihren Augen für einige Zeit geraubt hatte.
„Vor dem? Du willst das Arschloch doch nicht wirklich verteidigen?“
„Immerhin ist er ihr Ehemann, nicht?“, mischte sich nun Gordon wieder ein und kassierte einen bitterbösen Blick von Marc und auch Gretchen hörte nicht gerne, wie man Alexis als ihren Mann bezeichnete.
„Sie halten sich mal ganz gepflegt raus!“, erklärte Marc nun nicht minder unfreundlich als zuvor zu dem Blonden, der ihm schon lange ein Dorn im Auge war. Wenn er könnte, würde er ihn glatt rausschmeißen, doch das lag nicht in seinem Ermessen.
„Zickst du hier jetzt alle an, oder was?“
„Das ist meine Station, ich darf das! Und ich verstehe wirklich nicht, warum du jetzt auf der Seite von dem da bist!“, schrie er weiter mit einem Fingerzeig auf Alexis, der noch immer vergeblich auf seine Behandlung wartete.
„Ich bin hier auf gar keiner Seite! Aber er ist unser Patient und er hat eine Unterschenkelfraktur! Glaubst du nicht, dass wir das andere später regeln können?“
„Dann soll der doch ein wenig leiden! Geht mir so was von am Arsch vorbei!“
„Glaub mir, Marc! Mir fällt das alles bestimmt nicht leicht, aber wir sind hier jetzt als seine Ärzte zuständig!“ Und zudem bin ich dafür verantwortlich, dass es ihm so geht… Ist es dann nicht meine Pflicht, dass ich ihm helfe?
„Sind sich die Ärzte dann auch mal einig?“
„Jetzt halten Sie mal die Klappe, Gordon! Oder wollen Sie als nächstes was gebrochen haben?“
„Marc, es reicht! Wir werden Alexis jetzt behandeln, ganz egal, was für ein Arschloch er ist!“
„Wir werden hier gar nichts! Ich mach das allein!“, stellte Marc klar, schnappte sich dann die Liege und zog sie hinter sich her.

___________________________________________________________________

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

07.04.2010 00:46
#125 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Moment mal! Was soll das heißen, du machst das alleine?“ Gretchen ließ sich nicht so einfach abwimmeln und schleunigst lief sie ihrem Oberarzt nach. Zurück blieb ein verwirrter Gordon, der nun froh war, dass er nicht Medizin studiert hatte. Als Arzt musste man wohl verrückt werden. Das jedenfalls schloss er aus dem Verhalten der beiden. Deshalb zog er mit einem letzten Kopfschütteln von dannen und achtete nicht weiter auf die Auseinandersetzung der beiden Chirurgen. Er würde es bestimmt nicht verstehen und wollte es wohl auch gar nicht.
„Das heißt, dass du nicht dabei sein wirst!“
„Das kannst du doch nicht machen!“
„Ich bin Oberarzt, ich kann alles! Oder willst du unbedingt Händchen halten?“
„Warum bist du denn jetzt so unsachlich?“
„Weil ich’s kann!“
„Dann mach doch, was du willst!“, rief Gretchen ihm nach und blieb trotzig stehen.
„Tu ich sowieso!“ Marc schob Alexis zum Röntgen und Gretchen trottete verloren zum Schwesternzimmer. Sie wollte sich nicht schuldig fühlen, doch sie tat es trotzdem. War es also so schlimm, dass sie das irgendwie wieder gutmachen wollte?

Elke Fisher schrieb gerade an dem neuen Kapitel ihres 58. Doktor Rogelt Romans. Doch sehr zu ihrem Leidwesen ging es mit dem Epos nicht so recht voran. Dabei war das Vorbild für ihre Romanfigur doch seit Kurzem sogar wieder in der Stadt. Und sie mutmaßte, dass genau das ihre kreativen Ströme stoppte. Musste dieser Mann nun wirklich wieder ihr Leben ruinieren? Erst ließ er sie mit dem Kind sitzen und nun griff er auf höchst schädliche Weise in ihre Karriere ein.
„Doktor Rogelt spürte den Blutdurst in sich aufsteigen, als er…“, diktierte sie ihrem Laptop schwerfällig, als er an der Tür klingelte. Sie nahm das Headset ab und begab sich murrend zur Tür. „Und so soll man sich konzentrieren können…“ Und ihre Laune wurde keinesfalls besser, als sie ihren Besucher erblickte. „Was willst du denn hier?“
„Hallo, Elke! Darf ich reinkommen?“, fragte Oliver höflich und versuchte mit einem freundlichen Lächeln Elkes strenge Miene aufzulockern.
„Nein!“
„Ich müsste da aber was mit dir besprechen!“
„Und das kannst du nicht hier?“
„Doch… Also theoretisch schon, aber…“
„Kein Aber! Ich habe ohnehin keine Zeit für deine Neuigkeiten, die mich höchstwahrscheinlich nicht interessieren werden!“
„Gut, dann eben hier… Also, Elke… Ich bleibe in Berlin!“, erklärte Oliver und schaffte es nun tatsächlich, dass sich der Gesichtsausdruck der Autorin änderte. Doch nicht positiv, sondern negativ. Das letzte Mal, dass Elke so geschaut hatte, war, als sie die Hochzeitseinladung von Gabi erhalten hatte.
„Sag mir bitte, dass das ein geschmackloser Scherz ist!“
„Tut mir Leid, Elke, aber es ist so! Ich will einfach wieder näher bei meiner Familie sein!“
„Jetzt auf einmal?“
„Ja! Es kommt vielleicht etwas plötzlich, aber es ist so! Das wollte ich dir nur persönlich sagen.“
„Dann hast du es ja gesagt! Tschüß!“ Sie schlug schnell dir Tür zu, bevor er noch etwas sagen konnte. Diese Nachricht musste sie nun erstmal verdauen. Leider kam er 20 Jahre zu spät… Sie stöckelte zurück in ihr Wohnzimmer und setzte sich wieder vor ihren Laptop. Doch darauf konnte sie sich nun überhaupt nicht mehr konzentrieren. Deshalb stand sie auf und ging lieber zu ihrer Minibar. Ein Glas Wein war genau das, was sie jetzt brauchte.

___________________________________________________________________

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | ... 14
 Sprung  
Weitere Links
| Sicher und kostenlos Bilder hochladen|9-1-1 FanSeite|
zum Impressum | 2008- © Doctor's Diary FanForum | Admins JackySunshine & Seppy | Moderatoren Lorelei & Mellow | Gründerin des Forums Flora
Xobor Forum Software von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen
Datenschutz