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Dieses Thema hat 207 Antworten
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 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
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.shinyshoes ( gelöscht )
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14.12.2009 22:31
#151 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Okay, auch nicht gerade besser. Seit einer geschlagenen Stunde sitze ich nun schon hier und hör mir Marcs Gelaber an. Wenn Männer über ihre Erfolge sprechen dürfen. Da sollte Frau das Weite suchen.
Man sollte Männer grundsätzlich nur dann auf ihre Erfolge ansprechen, wenn sie in den nächsten Minuten zu einem GANZ WICHTIGEN Termin müssen. Dann hat man zumindest schnell seine Ruhe.
Marcs Gelaber kann ja niemand aushalten! Und das sage ich, als seine Freundin. Was sollen erst andere Kollegen denken?
Schon klar. Die Frauen denken „Was für ein toller Mann! Und guck mal, seine Grübchen! Ohhh, den muss ich auf der Stelle heiraten!“ oder „Was ein selbstverliebtes Arschloch. Denkt er kriegt jede rum und achtet denkt doch eh nur an seinen Job. Und wenn er doch mal an etwas anderes denkt, dann wohl bestimmt nicht an mich!“. Und Männer denken „Was ein Egomane. Fussball ist mit dem wohl auch nicht drin. Vielleicht einmal im Monat vollaufen lassen, aber sonst?“ oder wahlweise auch „Geil, ein Arzt. Der kennt doch bestimmt viele Krankenschwestern!“.
Naja, womöglich ist meine Denkweise doch ein wenig zu vage, aber das stört mich nicht.
Heiße ja schließlich nicht Sigmund Freud und untersuche das Verhalten und die Entwicklung der menschlichen Psyche.

Irgendwann geht der gemütliche Teil der Feier weiter. Das heißt, es fließt auch bald mehr Alkohol. Ich sitze schon wie gebannt auf meinem Stuhl und warte darauf, dass mein Vater seine obligatorische Weihnachtsrede hält.
Währenddessen stopfe ich alle Süßigkeiten, die sich mir in die Quere stellen in mich hinein. Man sollte ja zuschlagen, wenn das Essen umsonst ist. Außerdem ist ja Weihnachten.

„Meine werten Kollegen, liebe Ärztinnen und Ärzte!“ begrüßt mein Vater die feierliche Meute. Dann folgt ein allgemeines Palaver über den Stand des Krankenhauses. Die medizinischen Wunder, die im letzten Jahr passiert sind. Die Studien, die hier geführt wurden. Die Patienten, die auftraten. Natürlich wird der Virus im Sommer, der ausgerechnet während meiner Hochzeit mit Alexis von Buren – oder Frank? – auftrat, auch nicht verschwiegen. Doch mein Vater wäre ja nicht mein Vater, wenn er nicht noch einen draufsetzen würde.
Denn dieses Jahr neu eingeführt wurden die „Auszeichnungen des Jahres“.
Das bedeutet, die besten Ärzte des Krankenhauses werden für ihr Tun und Lassen ausgezeichnet.

Eine Kategorie ist die des „besten Oberarztes“. Tja Schatzi, da wirst du wohl leer ausgehen!
„Und die Auszeichnung in dieser Kategorie hätten eigentlich drei Kollegen verdient. Der eine ist in der Kardiologie tätig und gibt sogar nebensächlich auch noch Vorlesungen an der Uni. Der Zweite ist der „Frauenversteher“ unter uns. Doch leider ist er momentan aus gesundheitlichen Gründen verhindert, seinen Job aufzunehmen. Der dritte im Bunde hat außerordentliches Talent.“
Mein Vater legt eine Pause ein. Klar, man muss es ja auch spannend machen. Boah, wie ich diese Lobhudeleien hasse!

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Suchst du mich, dann such ich dich. Ist die Versuchung groß genug?
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...denn heute gibt es statt Anschrein, sunshine.

.shinyshoes ( gelöscht )
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14.12.2009 22:31
#152 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Aber bekanntlich kann es ja nur einen Gewinner geben. Dieser wird dieses Jahr jemand, der unser Krankenhaus schon ziemlich lange beglückt. Nach dem Studium kam er zu uns, machte seinen Assistenzarzt, dann seinen Facharzt in der Chirurgie und vor zwei Jahren wurde er Oberarzt. Da nicht jeder für immer und ewig nur an ein und demselben Krankenhaus bleiben kann, verließ er uns letztes Jahr für ganze neun Monate. Doch dann kehrte er zurück und ich bin froh darüber, ihn wieder als Kollegen nennen zu dürfen. Zwar verdreht er den weiblichen Kolleginnen hier im Krankenhaus häufig gehörig den Kopf und macht ihnen ihre Arbeit schwer und seine männlichen Kollegen beneiden ihn womöglich um sein Talent, und glauben sie mir, ich weiß, wovon ich spreche!
Denn meine Tochter verehrt ihn nun schon seit siebzehn Jahren und würde ich es nicht besser wissen, dann würde ich sagen, sie würde ihn irgendwann noch einmal heiraten. So himmelt sie ihn an“

Ich merke, wie ich rot anlaufe. Oh nein, jetzt werden sich wieder alle zu mir umdrehen, weil ich ja gemeint war. Es ist, wie in der Schule, als ich mal wieder irgendetwas Peinliches gesagt oder gemacht habe und mein Lehrer MICH direkt anspricht und womöglich noch mit dem Finger auf mich zeigt. Ich lief immer rot an. So gesehen werde ich auch gleich wie eine Tomate aussehen.
„Ich darf ganz herzlich zu diesem Preis beglückwünschen, Doktor Marc Meier, Oberarzt der Chirurgie!“
Marc geht erhobenen Hauptes nach vorne zu meinem Vater und bedankt sich. Der schüttet ihm natürlich sein gesamtes Lob über sein Haupt und lässt ihm den Vortritt zur Dankesrede. Tzz, da hat Marc ja doch noch einen Preis bekommen.

„Vielen Dank“ Marc räuspert sich noch einmal. „Vielen Dank für diesen“ er guckt die Silberspritz an, die er in Form einer Statue in der Hand hält. „Preis“.
„Ich muss aber auch noch ein paar Worte loslassen. Und zwar möchte ich jemanden danken. Einer Person, die mich immer unterstützt hat. Sei es mit nervigen Zickereien im OP oder mit rührenden Emotionskrisen im Schwesternzimmer. Ja, manchmal kann sie einen ganz schön auf die Palme treiben. Aber glauben sie mir, ohne sie würde ich jetzt nicht mehr hier stehen. Sie hat mir nämlich letztes Jahr bei einer meiner schwierigsten Operationen geholfen.
Auch, wenn sie manchmal ganz schön trampelig rüberkommt und auch so gerne mal in das nächste Fettnäpfchen stolpert, ist sie doch eine bezaubernde Kollegin. Ich muss sagen, eine meiner besten Assistenzärztinnen seit ich in der Chirurgie tätig bin! Danke Gretchen für die Hilfe, du weißt wofür!“ Marc hält die Trophäe in die Luft.
„Und natürlich möchte ich auch noch allen anderen Kollegen danken. Meinen Professoren und“ er lacht. „Nein, ich machs kurz. Ich danke meinem Beruf. Und der Medizin“.
Ich spüre, wie mir plötzlich ganz schlecht wird. Ups, habe ich vielleicht doch ein paar Schokokugeln zu viel gegessen? Ich muss mich übergeben, das spüre ich. Shit, aber bitte nicht jetzt!
„Und zu aller letzt danke ich noch meiner Mutter“ Marc dreht sich mit einem breiten Grinsen vom Rednerpult zu meinem Vater um.
„Ja, dann sage ich stellvertretend für den Herrn Professor, Gretchen, kannst du mal bitte nach vorne kommen?“
Oh nein! Mein Würgreiz ist noch schlimmer! Ich muss sofort aufstehen! Vielleicht ein Glas Wasser trinken? Naja, vielleicht, aber wo ist Wasser? Shit, erst da vorne. Scheiße, wenn man mal ein Glas Wasser braucht!
Ich kriege gar nicht mit, dass ich anscheinend gerufen werde. Wohin denn? Mir auch ziemlich egal, denn mir ist schlecht.
Sofort springe ich auf und renne nach vorne an Marc und meinem Vater vorbei Richtung Toilette. Dort sprinte ich sofort in eine der Kabinen und…

Puhhh, endlich geschafft. Und ich dachte schon ich muss da vorne vor den ganzen Leuten meinen Mageninhalt bloßstellen.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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14.12.2009 22:59
#153 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Gretchen?“ höre ich es rufen.
Och ich gebe keinen Laut von mir. Will schließlich nicht, dass mich hier irgendwer findet.
„Gretchen?“ es ist Marc! Scheiße. Mist, Mist.
„Gretchen!“ ruft er immer lauter.
Irgendwann fällt mir meine Tasche hin. Na toll, das musste ja jetzt passieren!

„Sag mal, was hast du denn gemacht?“ fragt mich Marc, als ich mich doch endlich aus der Toilettenkabine hinausgetraut habe.
„Weiß nicht“
„Komm schon, du läufst doch sonst nicht so von der Tarantel gestochen zum Klo“
„Naja, manchmal MUSS Frau einfach, ja?“
„Ja, aber doch nicht, wenn man dich nach vorne ruft! Gretchen, dein Vater wollte sich doch auch noch bei dir bedanken“
Bei mir? Wofür denn? Dass ich ihn immer so schön anlüge, wenn es um mein Privatleben geht?
„Warum?“
„Weil du wohl die beste Doktorarbeit diesen Jahres geschrieben hast“
„Echt?“
„Ja“
„Oh“
„Ja, das kannst du jetzt laut sagen“
„Hmpf“.

Irgendwann kehren Marc und ich wieder in den Raum zurück. Aber alle anderen feiern schon feuchtfröhlich. Keine Spur mehr von meinem Vater, der vorne am Rednerpult steht und versucht seine Tochter zu loben.
„Papa, es tut mir ja so unendlich leid!“ sage ich gehetzt, als ich zu ihm laufe.
„Was war denn los?“
„Mir war ganz plötzlich schlecht und ich weiß wirklich nicht wovon“
„Naja, wenn man soviel Schokokugeln futtert!“ witzelt Marc und ich verpasse ihm einen gehörigen Klapps in die Seite.
„Ich hatte eben Hunger, ja?“ verteidige ich mich.
„Gretchen, du hast vorher ein Dreigängemenu gegessen!“
„Na und?“
„Ach Kälbchen, dann ist doch schön, wenn es dir jetzt wieder besser geht!“ mein Vater lächelt. Dann nimmt er mich in den Arm. Geborgenheit macht sich breit.
„Los, jetzt aber zack, zack, ihr müsst noch einen Tanz zum Besten geben!“ mein Vater deutet auf Marc und ich und wir gucken uns fragend an.
„Wir?“ fragen wir synchron.
„Ja, ihr“
„Warum?“
„Weil ihr die Besten im letzten Jahr wart“
„Ach?“ ich freue mich ja doch ein bisschen, dass nicht nur Marc der einzige BESTE war.
„Okay, Herr Professor, wenn sie entschuldigen, ich entführe dann jetzt wohl mal ihre Tochter“ Marc nimmt mich an die Hand und führt mich auf die Tanzfläche.
„Aber treibts nicht zu wild, nicht dass sie noch hinfällt!“
„Na, wenn du wüsstest Papa!“ lache ich.

Dann spielt das DJ-Team Knechtelsdorfer/Tolkin einen seiner Smashhits und Marc und ich tanzen was das Zeug hält.
Noch bis früh in den Morgenstunden tanzen wir. Bis es irgendwann nicht mehr geht.
Dann fallen wir gelassen auf die Stühle und mir wird wieder schlecht…

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.shinyshoes ( gelöscht )
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14.12.2009 23:24
#154 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Ich muss gestehen, ich bin keine Partymaus mehr. Gut, das war ich auch eigentlich noch nie. Aber heute habe ich es mal wieder gemerkt. Denn nach fünf Stunden Tanzen tun mir nun unendlich die Füße weh. Und das, obwohl ich meine Schuhe schon vor drei Stunden ausgezogen habe.
Gut, vielleicht liegt es auch daran, dass ich sie jetzt doch wieder tragen muss. Will ja schließlich nicht mit Nylonstrümpfen die Friedrichsstraße entlang laufen.

Man mag es nicht glauben, aber Marc und Gretchen laufen tatsächlich gemeinsam nach hause.
Ja, ich werde heute bei Marc schlafen. Irgendwo muss ich ja hin, wenn schon nicht alleine nach hause.
Händchenhaltend laufen wir durch die Nacht. Es ist eine milde und klare Nacht, obwohl schon Mitte Dezember ist. In einer Woche ist Weihnachten und es scheint, als würde dieses Jahr sich alles doch noch zum Guten wenden.
Vergessen sind all die Tränen, die ich wegen diesem Mann, der jetzt gerade neben mir läuft, vergossen habe. Vergessen all die Hoffnungen und Träume, die ich mir wegen ihm ausgemalt habe. Und vergessen all der Schmerz, den er mir zugefügt hat. Jetzt zählt nur noch das hier und jetzt.
Und da befinden sich – wie ich ja schon mal erwähnt habe – nur noch Gretchen und Marc.
Ich habe nämlich vor kurzem beschlossen, ich scheiß einfach auf all die Probleme, Gedanken, Gefühle, Vergangenheiten, die die letzten Jahre mit sich gebracht haben. Ich fange stattdessen einfach neu an. Ich werde mich nicht mehr so schnell wegen Kleinigkeiten verrückt machen. Und ich werde ab jetzt Sonntags ausschlafen.
Das sind all die Veränderungen, die ich machen werde um ein glückliches Leben zu führen.
Ach ne, ich hab ja selbst gesagt, man kann nie ganz glücklich sein.

Als Marc und ich die Brücke an der Friedrichsstraße überqueren bleibt er kurz stehen.
„Was ist?“ frage ich und mache mir schon fast Sorgen. Nicht, dass er auch noch mit dem Magen-Darm-Virus anfängt.
„Weißt du noch damals, als ich dir hier auf dieser Brücke zum ersten Mal so richtig gesagt habe, dass ich dich liebe?“
Meine Gedanken machen Sprünge. „Ja“.
„Und weißt du, was ich jetzt tue?“
„Nein?“
„Jetzt zeig ich dir mit nur einem Beweis, wie sehr ich dich liebe!“
„Hm….und der da wäre Mister Meier?“
Weiter komme ich schon gar nicht mehr nachzufragen, denn dann spüre ich schon Marcs Lippen auf meinen.

Ja vielleicht sind wir nicht für immer und ewig glücklich, aber es sind doch die kleinen Dinge, wie dieser Moment in dem unser Glück bildhaft in unserer Hand schwimmt, die unser Leben bereichern!

http://www.youtube.com/watch?v=SAT6ihDFW44

You can't keep
what you've got
and I sold
what I owned
If you come
in from the cold
I'll warm you up
and we'll take it slow

what I never dare to say

sun comes up
gives me a hug
tellin me not to move too much
we've got all the time we need
and our plans to succeed
what I never dare to say
I'm pretty sure you know it anyway

Soothe me everyday

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.shinyshoes ( gelöscht )
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15.12.2009 21:37
#155 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Am nächsten Morgen fühle ich mich gar nicht gut. Zwar liege ich neben dem wohl besten Mann der Welt, aber das kann meine Übelkeit auch nicht wettmachen. Ich stehe irgendwie auf und versuche mich wach zu kriegen.
Beim Frühstück stochere ich nur in meinem Müsli herum. Keinen Appetit. Verdammt, warum?

Eine Dreiviertelstunde später fahren Marc und ich zur Arbeit. Dort wartet schon wieder viel auf uns. Schnellstens ziehe ich mich um und halte kurz inne. Die Übelkeit einfach verdrängen!
Denn jetzt kann ich dieses elende Gefühl nicht gebrauchen. Die Visite ist wichtiger. So hart es klingt.
Visite hin oder her. Heute ist es eigentlich auch gar nicht so schlimm. Marc stellt nur ein paar Fragen und zwischendurch zwinkert er mir mal zu oder wirft mir ein Lächeln zu.
Als wir in Zimmer 702 angelangt sind und Knechtelsdorfer einen Vortrag über Frau Diebels halten muss überkommt mich wieder das Übelkeitsgefühl.
Oh nein, bitte nicht jetzt! Nicht hier!
Irgendwann geht es dann komplett nicht mehr. Ich halte mir zunächst die Hand vor den Mund und drehe mich um.
„Hasenzahn, ist irgendwas?“ fragt Marc mich in einem Ton, den ich gar nicht gerne höre.
„Ne, geht schon, mir ist nur“ Tadaaaaaaaaaa. Ein Geschenk meines Mageninhaltes direkt auf die Bettdecke von Frau Diebels. Na wundervoll. Ich kann gar nicht so schnell reagieren.
Knechtelsdorfer holt Tücher und eine andere Assi gibt mir eine alte Brottüte. Was die Ärzte so bei der Visite alles dabei haben.
Ich setze mich vorsichtig auf das freie Bett neben Frau Diebel.
„Boah Hasenzahn, was sollte das denn?“ fragt Marc mich genervt. Er ist wirklich genervt. Ich seh es ihm an.
„Tschuldigung, mir war plötzlich ganz schlecht.“
„Ja. Dann esse ich morgens auch nicht so viel!“
„Wie bitte? Ich hab doch heute Morgen gar nicht so viel gegessen“
„Ja, nur zwei Schüsseln Müsli, nachdem du eine halbe Stunde darin herumgestochert hast, bis ich aus dem“ Marc stockt auf einmal mitten im Satz. „Bis ich aus meinem Büro kam. Ich hab es doch im Schwesternzimmer gesehen!“
Na noch einmal wundervoll aus der Affäre gerettet, Herr Dr. Meier!
„Was kann ich denn dazu, wenn MIR schlecht wird?“ frage ich ihn noch mal und gehe.
Auf dem Flur stütze ich mich erst einmal an die Wand. Boah, ich brauch definitiv eine Pause!

In diesem Moment kommt Frau Doktor Hassmann angestürmt.
„Na Haase, was haben sie denn wieder ausgefressen, dass sie vor dem Raum stehen müssen?“
„Nichts…ich hab eher was ausge…“
„Was haben sie?“
„Ausge…“ das kann ich doch nicht sagen?
„Na sagen sie schon?“ sie bleibt stehen. „Sagen sie mal, ist ihnen schlecht? Sie sind ganz bleich!“
„Hm….nur ein wenig übel, weil ich gerade“ und wieder spüre ich dieses blöde Gefühl in der Speiseröhrengegend. Ich laufe sofort zum nächsten Mülleimer. Puh, kommt doch nichts. Dann muss ich sofort zur Toilette!
Ich begebe mich also in die nächste Damentoilette des Krankenhauses. Hassmann folgt mir.
„Tschuldigung, ich müsste aber auch mal eben“ sie verschwindet in einer Kabine.
„Sagen sie Frau Dr. Haase, seit wann ist ihnen schlecht? Gestern gings ihnen doch auch schon nicht so gut! Ich hoffe ja mal nicht, dass das irgendein Virus ist, den sie uns hier anschleppen! Dann möchte ich aber gerne Abstand gewähren!“
„Naja, mir ist ja nur morgens und abends schlecht“
„Hm…“ sie macht eine Pause. „Und sie sind sicherlich nicht schwanger?“
Ich verharre geschockt in meiner Bewegung. Schwanger? Daran habe ich ja noch gar nicht gedacht!
„Wissen sie, ich habe das damals auch erst im zweiten Monat erfahren, weil ich die Anzeichen dafür vorher nicht wahrgenommen habe! Zum Pech meines damaligen Verlobten, der muss immer noch unterhalt zahlen. Zu schade aber auch für ihn!“
Sie war mal verlobt?
„Aber ich kann eigentlich gar nicht schwanger sein. Mehdi und ich haben doch immer. Ich habe doch…“
„Na, sagen sie nichts! Ich dachte damals auch, ich hätte doch…und schwupps, war ein kleiner Embryo auf dem Ultraschall zu erkennen!“
„Hm…“
„Aber machen sie sich mal keine Sorgen. Wer keinen Sex hat, kann ja auch nicht schwanger werden!“ sie lacht, schaut noch einmal in den Spiegel und wischt sich eine Strähne aus dem Gesicht.
„Ich wird das mal beobachten“ sage ich völlig naiv.
„Naja, ich kann ihnen nur wünschen, dass es ihnen nicht wie mir ergeht und sie ihren Verlobten nicht mit einer hübschen Blondine in ihrem eigenem Bett erwischen, als sie ihm die frohe Botschaft überreichen wollen!“
Sie verschwindet auf dem Flur. Weg ist sie. Die Frau, von der ich bis vor kurzem noch dachte, so eine betrügt doch niemand! Gar nicht auszumalen, was die Konsequenzen wären!

Als ich das Klo verlasse sehe ich mich dreimal um, ob mich jemand beobachtet. Denn ich werde jetzt wohl oder übel der Fragerei und der Ungewissheit ein Ende setzen. Ich werde Dr. Kaan´s Nachfolger begrüßen.
Unbeobachtet (habe es genau abgecheckt, niemand hätte gerade sehen dürfen) fahre ich in die Gyn. Dort angekommen laufe ich natürlich sofort Gabi über den Weg.
„Hallo Gretchen!“ flötet sie mir zu. Achja, ich habs schon wieder ganz vergessen. Wir sind ja jetzt gute Freundinnen.
„Hey Gaaabi! Wohin in der Eile?“
„Ich mach Mittag!“
Ich bin im Himmel! Gabi ist nicht anwesend, das heißt, ich werde den Nachfolger meines Ex-Freundes ganz alleine besuchen. Oder eine andere Schwester ist anwesend. Aber ich denke nicht, dass er für die Mittagspause eine andere nimmt.

Als ich die Tür zu Mehdis Büro öffne wird mir schon leicht komisch. Immerhin ist das das Büro meines Ex-Freundes! Beziehungsweise das Untersuchungszimmer.
„Guten Tag, sie sind?“ begrüßt mich der Neue.
Er ist mittelgroß hat braune längere Wuschelhaare und ich schätze ihn um die vierzig. Vielleicht auch neununddreißig. Solche Männer sind nie runde vierzig. Die sind immer neununddreißig. Und das wollen sie auch immer betont haben, damit man ja weiß, dass sie erst bald ihren Vierzigsten feiern und eigentlich noch in den knackigen Dreißigern stecken.
„Gretchen Haase, Dr. Gretchen Haase“ sage ich schnell und gebe ihm auch meine recht schwitzige Hand.
„Gut, ich bin Doktor Claas“ der Wuschelhaarige lächelt mich an.
„Was führt sie zu mir in meiner Mittagspause?“ lacht er.
Oh, er macht hier Mittagspause? Naja, isst wahrscheinlich noch die alten Reste von Mehdis Essvorräten für schlechte Zeiten auf.
„Ich habe da eine Frage…also…naja, wissen sie“ Shit. Ich hab so was noch nie gemacht. Zumindest nicht, wenn ich gerade einen neuen Gyn kennengelernt habe.
Obwohl – Mehdi war ja damals auch für mich neu. Von daher. Eigentlich geht es also doch!
„Sie sind?“ fragt Dr. Claas mich und guckt mich erwartungsvoll an.
„Naja, ich bin, also ich denke, dass ich bin“
„Sie nix deutsch?“ lacht er. Ich lache mit. Wow, ein Arzt mit Humor.
„Ich denke ich bin“
„Schwanger“
„Was?“
„Sie denken, sie sind schwanger!“
„Ja, genau, woher wissen sie das?“
„Naja, sie sind eine Kollegin des Krankenhauses und ihnen ist das ganze ein wenig unangenehm, von einem neuen Kollegen untersucht zu werden“
Muss ich jetzt etwa auf den Stuhl? Ich dachte das geht auch mit einer Blutabnahme!
„Also, dann setzen sie sich doch mal Frau Dr. Haase“
Wow, er nennt mich Frau Doktor. Hat also doch was in der Birne, der Herr. Zumindest ein Kurzzeitgedächtnis. Mehr oder weniger. Naja.
Mir stockt wieder langsam der Atem. Dann spüre ich, wie mein Herz höher schlägt. Dr. Claas zückt den Stift. Ich kriege Angst.
„Kurz ihre Daten aufschreiben bitte“
Er drückt mir den Kulli in die Hand und ich schreibe eifrig alle Daten auf.
Dr. Claas wiederum steht auf und fuchtelt irgendwo hinter mir in seinem Raum rum.
Dann drehe ich mich um.
„So, dann bitte einmal frei machen!“
Ich kriege einen Nervenzusammenbruch.

Nie wieder wollte ich damals jemals wieder auf so einen Stuhl….und jetzt?
Zwei Minuten später bin ich fast schlauer.
„So, sehen sie hier? Da könnte etwas sein, ist aber noch sehr klein“
Ich kriege Angst.
„Meinen sie wirklich?“ frage ich noch einmal nach.
„Naja, wie gesagt, könnte sein. Könnte aber auch eine Züste sein“
Wo hat der denn studiert? Hm. Mehdi hätte das bestimmt viel besser gewusst und auch viel sanfter gemacht.
„So, dann nehme ich ihnen noch einmal Blut ab“
Ich ziehe mich wieder an.
„Sie haben seit zwei Tagen Morgenübelkeit, sagten sie?“ fragt mich Dr. Claas noch einmal.
„Ja“ ha, Hose geht doch hervorragend zu, ich kann gar nicht schwanger sein! „Aber auch abends“ schiebe ich dann noch schnell hinterher. Nicht, dass der was Falschen von mir denkt!
Dann nimmt Dr. Claas mir noch einmal Blut ab. Ein kurzer Piekser. Fast so, wie bei Mehdi.

“So, in zwei Stunden wissen wir dann mehr, Frau Haase!“ er gibt mir noch einmal die Hand und ich verabschiede mich.
Okay, jetzt heißt es warten. Zwei Stunden voller Ungewissheit, Angstschweiß, Zittern und Herzschlagen. Da ist die Übelkeit ja schon vorprogrammiert.

Genau! Das ist es! Ich bin einfach nur zu überarbeitet! Es ist der ganze Stress, der mir zu schaffen macht! Jetzt weiß ich es.

Nur Marc darf ich jetzt nicht über den Weg laufen…

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.shinyshoes ( gelöscht )
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16.12.2009 00:22
#156 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Zwei Stunden später stehe ich schon vor seinem Büro. Mit zitternden Händen und Stimme frage ich, ob er schon das Ergebnis wisse. Er nickt.
„Herzlichen Glückwunsch, Frau Kollegin, sie sind schwanger!“ mein Herz bleibt stehen. Mein Atem setzt aus. Ich glaube, ich kipp gleich um.
„Was?“
„Ja, in der fünften Woche, also noch ganz frisch“ Dr. Claas gibt mir symbolisch die Hand.
„Ja, aber….aber…das geht doch nicht, ich….ich bin doch noch gar nicht bereit für“
„Für ein Baby?“
Ich nicke.
„Ach, glauben sie mir, das werden sie, sobald sie sich mit der Materie Schwangerschaft und Geburt näher beschäftigen. Frau Haase, für sie fängt jetzt ein neuer Lebensabschnitt an, ich wünsche ihnen viel Glück dabei!“ Dr. Claas grinst mich an.
Und ich stehe immer noch völlig geplättet neben ihm.
„Ich bin schwanger“ murmle ich während ich den Flur zum Fahrstuhl entlang gehe.
Natürlich muss ich jetzt auch noch Gabi über den Weg laufen. Meine Gefühle kann ich nicht zurückhalten. Doch Gabi fällt anscheinend nichts auf, denn sie grüßt mich immer noch so feuchtfröhlich, wie immer mit „Huhu, Gretchen!“ kicher, kicher.
Ich gehe ohne mit der Wimper zu zucken weiter in den Fahrstuhl. Dort dudelt „Imagine“ von John Lennon. Ich stelle mich hinein und lausche den Klängen des Pianos. Dann breche ich in Tränen aus.

http://www.youtube.com/watch?v=okd3hLlvvLw

Imagine there's no heaven
It's easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today...

Imagine there's no countries
It isn't hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace...

You may say I'm a dreamer
But I'm not the only one
I hope someday you'll join us
And the world will be as one

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world...

You may say I'm a dreamer
But I'm not the only one
I hope someday you'll join us
And the world will live as one


John Lennon hat recht. Ich sollte mir mal lieber vorstellen, was für großes Leid es auf der Welt gibt, anstatt darüber zu grübeln und nachzudenken, wie das Kind zur Welt kommen soll und ob ich das überhaupt schaffe. Geschweige denn ob ich bereit dafür bin.

In der Mensa kaufe ich mir erst einmal ein Stück Schokokuchen. Das darf ich ja jetzt. Ich ess ja jetzt für zwei. Also habe ich eine Rechtfertigung!
Während ich da sitze und den Kuchen esse schießen mir all die Fragen in den Kopf, die mir wohl bis jetzt aus Aufregung erspart blieben.
Wer ist eigentlich der Vater? Mehdi oder Marc? Und wenn Mehdi, was mache ich denn dann? Ich kann doch kein Kind zur Welt bringen, während Mehdi an der Ostsee verweilt! Und wenn es Marc ist? Oh Gott! Will der überhaupt schon ein Kind? Bestimmt nicht!
Und dann sitze ich in einem Jahr ganz alleine da. Habe ein kleines Bündel Leben bei mir und weiß nicht mehr, wie ich es ernähren soll, da ich nicht Arbeit und Kind unter einen Hut packen kann. Und zu meinen Eltern kann ich es doch auch nicht geben! Wie kommt das denn? Das machen vielleicht 17jährige, aber doch keine 31jährigen Frauen!
Da fällt mir auf. Der Arztberuf ist eigentlich ziemlich mies, um Kinder zu kriegen. Weil, erst studierst du 12 Semester, meist mehr. Dann machst du deinen Assi, dann den Facharzt. Wenn du Glück hast bist du recht schnell fertig. Wenn du Pech hast sitzt du mit 37 immer noch da und hast noch keinen Facharzt an deinem Kittel. Die Doktorarbeit hat auch noch mal mehrere Jahre in Anspruch genommen! Dann glaubst du, endlich angekommen zu sein, aber dann reizt dich natürlich das Angebot, den Oberarzt zu machen! Und dann paukst und lernst du wieder für deine Weiterbildung. Und am Ende bist du dann 40 und kannst mit der Familienplanung anfangen. Wenn du Pech hast, hattest du in den ganzen Jahren davor aber keine Zeit, den richtigen Mann dafür kennenzulernen. Oder er hat dich schon wieder verlassen, weil er dich lieber zuhause als in einem weißen Kittel sehen wollte!
Und dann musst du erst auf Männersuche gehen. Du gehst zu Speed-Datings, wo nur verzweifelte Singles hingehen und triffst nur auf Idioten. Oder du machst Blind-Dates aus mit Typen, die du bei Myspace, Facebook oder Elite-Partner.de kennengelernt hast. Drei Mails und er hat dir schon von seiner Gieskannensammlung erzählt. Wahlweise auch gerne Zepellinmodelle oder Briefmarkensammlungen.
Und wofür machst du den ganzen Scheiß? Nur, damit du Geld kriegst. Denn wenn du auch nur einmal zwischendurch aufgrund familiärer Probleme eine Auszeit nehmen würdest, bist du schon fast weg vom Fenster.
Zumindest kommt es mir so vor.

Ich esse also meinen Schokokuchen und philosophiere über mein Leben. Da sitze ich nun. 31 Jahre alt, schwanger und eigentlich glücklich verliebt. Weiß nur nicht, wie mein Herzbube darauf reagieren wird, wenn er erfährt, dass die Frau, mit der er gerade mal drei Wochen zusammen ist, schwanger ist. Ich glaube er würde sich den Kopf abhacken…

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.shinyshoes ( gelöscht )
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16.12.2009 00:23
#157 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Irgendwann vibriert mein Pieper. Es ist Schwester Sabine. Ich muss zu einer OP!
Oh Gott! Kann ich das überhaupt? Ich meine, operieren, obwohl ich soeben erfahren habe, dass ich schwanger bin? Ich meine, ist meine Konzentration überhaupt da? Ich glaube schon. Kann mich ja auch getäuscht haben und dann muss der Patient es ausbaden.

Zehn Minuten später stehe ich im OP-Saal.
„Sag mal Hasenzahn, wo warst du eigentlich gerade?“ fragt mich Marc, während ich die Bauchdecke öffne.
„Hm…ich…ich…ich war was essen“
„Ich dachte, dir war schlecht?“
„Äh ja, aber, das war wohl der Hunger“
„Aha, und davon kotzt man? Hm, ist mir neu“
Ich nicke.
„Naja, scheint ein neuer Magen-Virus zu sein“
„Hm“
„Sag mal Hasenzahn! Da ist doch nicht der Blinddarm!“ schnauzt Marc auf einmal rum. Dabei sieht er mich aber doch irgendwie ganz lieb an.
„Oh“ schrecke ich auf.
„Naja, hast halt mal nen schlechten Tag, was?“ er zwinkert mir zu.
Ich nicke erneut.
„Und ich? Ich meine, dürfte ich auch mal Herr Doktor?“ mischt Knechtelsdorfer sich ein.
„Nein, sie sehen doch, dass wir hier fast fertig sind, also halten sie die Klammern!“ schnauzt Marc weiter und Knechtelsdorfer guckt beleidigt zur Seite.
Ich mache meine Arbeit überraschenderweise doch noch recht gut.

Am Ende lobt mich Marc sogar mit einem leidenschaftlichen Kuss im Waschraum, als alle weg sind.
„Sehen wir uns heute Abend?“ fragt er.
„Ja!“
„Schön. Ich freu mich!“ er gibt mir noch einen Kuss.
„Du, weißt du eigentlich was von Mehdi´s Vertretung?“
„Nö, wieso?“
„Naja, der soll ja jetzt heimlich eine Kollegin untersucht haben“
„Wie bitte? Neee, das geht aber nicht!“
„Finde ich auch nicht korrekt. Dann sollte das schon gemeldet werden und die Krankenkasse sollte das übernehmen“
Ups, vielleicht hätte ich Dr. Claas noch sagen sollen, dass er sich vor den fiesen Lästerschwestern in Acht nehmen sollte, als ich ihm gesagt habe, er solle die Untersuchung bitte umsonst und ohne etwas zu sagen machen. Er tat es. Was kann ich dazu?

Am Abend sitze ich bei meinen Eltern auf der Couch. Natürlich habe ich es noch nicht übers Herz gebracht, ihnen die Wahrheit zu erzählen. Weder, dass Marc und ich zusammen sind, noch, dass ich auch noch zur größten Sorge schwanger bin.
Meine Mutter würde zwar im Achteck ticken, wenn sie es erfahren würde, aber das ist mir egal. Ich muss erst Klarheit haben. Also muss ich, wenn das Baby alt genug ist, einen Fruchtwassertest machen lassen. Dafür muss ich aber noch zehn Wochen warten. Hmpf.
Marc würde womöglich die Krise kriegen. Nachdem in den letzten Monaten und Wochen für ihn doch alles wieder gut zu laufen schien kommt auf einmal seine neue, alte Freundin und eröffnet ihm, dass sie schwanger ist und nicht weiß von wem. Er oder sein ehemals bester Freund?!?!?! Das ist hier die Frage.

Wobei, ich habe doch damals mit Marc…

Jaaa! Damals mit Marc im Park. Oh, wie sich das reimt.
Jedenfalls war es doch die einzige Nacht, die schon etwas länger her ist.
Damit ist Marc also doch im Rennen! Hm…kurz zurückrechnen….ja, doch könnte stimmen, ist ca. fünfeinhalb Wochen her, damit stehen die Chancen 50:50.
Mein Freund oder mein Ex-Freund?
Mein ehemals bester Freund oder meine große Jugendliebe?

Mir stellt sich eigentlich nur noch eine Frage: Marc oder Mehdi?

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.shinyshoes ( gelöscht )
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16.12.2009 23:36
#158 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Genervt und völlig überarbeitet ziehe ich mich um. Hoffentlich kommt jetzt keiner rein. Hab nämlich keinen Bock darauf, noch irgendwen zu treffen.
Kurz bevor ich das Krankenhaus verlasse gehe ich noch mal in das Schwesternzimmer. Vielleicht ist Gretchen ja da.
„So, Schwester Sabine, ich bin dann weg“ sage ich, als ich Gretchen nicht auffinden kann.
„Gut, Herr Doktor“ sie sortiert Akten.
„Äh, ach und die Frau Doktor, wenn sie die suchen, die ist schon nach hause gefahren, der gings wohl nicht so gut“
„Oh, okay.“ ich setze meine Mütze auf. „Und hat sie gesagt, was genau sie hat?“
„Ja, ihr war immer noch schlecht und sie wollte sich wohl ein bisschen zuhause auskurieren, bevor sie hier weiterarbeitet.“
„Gut, dann weiß ich bescheid“ ich nehme meine Tasche und verschwinde.

Die Autofahrt gestaltet sich heute ziemlich schwierig. In Berlin ist Rushhour. Gut, in Berlin ist jeden Tag Rushhour aber heute ist es extrem schlimm. Außerdem mag ich Rushhour im Winter nicht. Im Sommer ist es okay. Da kann man die Scheiben runterkurbeln, die Abgase einatmen und dazu chillige Musik hören.
Und nebenbei mit hübschen Frauen flirten.
Oh, da fällt mir ein. Das darf ich ja jetzt gar nicht mehr!

Irgendwann wird mir alles zu bunt und ich entscheide mich einen Umweg über die Autobahn zu nehmen. Ist immer noch entspannter und schneller, als Stadtverkehr.
Bei 170 km/h rase ich die recht freie Autobahn entlang. Immer schön auf dem linken Streifen und immer schön laute Musik dabei.
Das muss ich jetzt einfach haben.

Zuhause angekommen wartet Gretchen schon auf mich.
„Wo warst du denn?“
„Ach, es war wieder alles voll“ ich gebe ihr einen Kuss.
„Okay, ich wollt schon ins Bett gehen. Hab dir da noch Putenschnitzel und Nudeln und irgendeine Soße, die nicht schmeckt aufgetaut. Hatte keinen Hunger.“
Ich nicke und entledige mich erst einmal meiner dicken Winterjacke.
„Ich bin dann weg!“ verabschiedet sich Gretchen von mir und verschwindet in meinem Schlafzimmer.
Hm. Ich sollte sie öfter bei mir schlafen lassen. Sowieso war wohl die beste Aktion der letzten Tage, dass ich ihr den Schlüssel zu meiner Wohnung gegeben hab. So wird hier zumindest mal durchgeputzt.
Als ich mir etwas zu Essen warm mache sehe ich, dass ich eine SMS bekommen habe.
Hm, ist Oliver.

Hey Meier, bin wieder in Berlin City. Haste heut schon was vor? Lass mal nen Absacker trinken! In Prenzleberg hat ne neue Kneipe eröffnet! Oliver

Okay. Ist von 19.38 Uhr. Saufen? Heute? Weiß nicht. Mitten in der Woche?
Obwohl. Heut ist ja Freitag!
Irgendwann sehe ich Gretchen aus dem Schlafzimmer rennen.
„Was ist denn?“ rufe ich ihr nach.
Doch ohne eine Antwort läuft sie ins Bad. Dann höre ich ein Keuchen.
Okay, wohl doch noch nicht so fit.

„Du, ich bin heute Abend dann noch weg“ sage ich ihr, als sie wieder aus dem Bad auftaucht.
„Ja. Ich geh gleich auch noch weg“
„Wie du gehst weg? Ich dachte du bist krank?“
„Ach, das ist doch schon wieder weg“
„Ja, das hab ich ja gerade gesehen“
„Nein, ich geh ja auch nur zu Sabine“
„Ach? Und was macht ihr?“
„Wir wollen Filme gucken“
„Tzz….typisch Sabine“
„Ja, mal wieder so richtig klassisch. Von Dirty Dancnig über La Boum, Grease, Saturday Nightfever bis hin zu Drei Engel für Charlie
„Na, ihr solltet mal lieber Bad Boys 2 gucken“
„Marc!“
„Jaja, ist ja gut. Ich bin ja schon weg“ ich hole meine Jacke vom Haken und ziehe mich „ausgehtechnisch“ an.
„Tschau, Machs gut“ sage ich zu Gretchen und gebe ihr einen Abschiedskuss auf ihre Stirn zur Verabschiedung.
„Ja, du auch“ sagt sie. „Und treibts nicht zu wild!“.

Ich laufe gutgelaunt zur U-Bahn. Was mich nur wundert ist, dass Gretchen obwohl sie krank zu sein scheint, dennoch etwas mit Sabine unternimmt. Wundert mich ein wenig. Eigentlich ist sie doch sonst nicht so. Naja, Frauen eben. Kann man nicht verstehen.
Nach sieben Stationen steigt endlich mein Kumpel in die Bahn.
„Na Alter, was geeeeht“ er will damit wohl die Jugendlichen neben uns in die Pfanne hauen, indem er genauso „cool“ tut. Tzz, mein Freund Oliver. Doch immer für einen Spaß zu haben.
„Du ich muss dir so viel erzählen! Kathrin und ich waren ja bis heute im Urlaub“
„Ja wo eigentlich?“
„Na in Kitzbühl“
„Was? Da warst du? Du hast doch mal vor ein paar Jahren gesagt, da würden die keine zehn Pferde hinkriegen“
„Tja mein Lieber, so ist das Leben. Die Frauen machen es aus“ er lacht.
„Ja, da hast du recht…“

„Und wie siehst bei dir so aus?“ fragt er mich und öffnet eine seiner Bierdosen.
„Ja ganz gut im Moment“ sage ich wahrheitsgemäß.
„Ja? Biste glücklich?“
„Ja“ sage ich stolz.
„Na dann ist doch schön“ er reicht mir auch eine Bierdose rüber. Es ist wie früher zu Studienzeit. Da fuhren wir auch bis spätnachts immer mit einer Dose Bier durch Berlin.
„Ich hätts auch nie gedacht, dass das noch mal was wird…“
„Ja, aber ey Alter, freu dich doch, wenn du sie hast!“
„Sie ist schon toll“ schwärme ich von Gretchen.
„Ist sie die Richtige?“ fragt mich Oliver plötzlich.
„Ja, sie ist die Richtige“.

In der Kneipe ist es schon voll. Wir setzen uns sofort an den Tresen und bestellen zwei Bier. Erstmal klein anfangen.
„Du, aber Kitzbühl war echt spitze! Ich hätte ja nie gedacht, dass ich das mal sagen werde“
„So kann man seine Meinung ändern!“
„Ne echt, es war so geil da! Schnee, Party, Alkohol….eigentlich alles, was das Herz begehrt, wenn da nicht…“
„Wenn da nicht die Frau wäre, jaja“ wir lachen und stoßen erneut an.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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16.12.2009 23:46
#159 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Sag mal, seit wann geht das denn nu schon mit Gretchen und dir?“
„Hm…so seit drei Wochen.“
„Ohhhh“ er lacht. „Also noch ganz frisch sozusagen!“
Ich nicke. Dann ordere ich zwei Gim Beam-Cola.
„Ne ist echt so. Gretchen ist ne tolle Frau“
„Na dann hat sich das Kämpfen ja gelohnt“
„Ja, hat es sich. Wirklich. Ich hätte vor einem Jahr niemals gedacht, dass ich in einem Jahr wieder hier sitzen werde und mit Gretchen zusammen sein werde.“
„So kann sich das Leben eben ändern“
„So ist das Leben eben, es muss Beben geben, grad eben standst du in der Sonne, UH, da kommt der Regen!“ zitieren Oliver und ich unseren Lieblingssong von Seeed.

Der Abend geht ausgelassen weiter. Wir bestellen einen Jim Beam nach dem anderen und probieren um Mitternacht sogar den freien Happy Hour-Begrüßungscocktail. Diesmal schmeckt mir das Zeugs, was aber wohl eher daran liegen mag, dass ich schon ziemlich was intus habe.
„Boah ey, Marc, ich kanns gar nicht glauben, ich heirate ja schon bald Kathrin!“ fällt Oliver irgendwann auf.
„Stimmt. Wann noch mal?“
„Im März, April“
„Wow, nur noch drei Monate!“
„Ja, ey, ich kann das gar nicht verstehen. Da will sie am 30. März standesamtlich, um dann am 1. April kirchlich zu heiraten“
„Naja, da kann sie zumindest noch hinterher sagen „Das war ein Aprilscherz““ wir lachen.
Dann bringt der Barkeeper noch eine neue Runde Jim Beam. Wir kippen das Zeugs runter, wie warme Butter.
„Ist schon geil“ bemerkt Oli.
„Was heiraten?“ „Jaja“.
„Ach, wo du gerade hier bist….ich muss dir noch etwas sagen“
„Was denn?“

Kurze Zeit später habe ich alles erzählt, was ich ihm erzählen wollte.
„Ah, willst du echt machen?“
„Ja“
„Naja, musst du ja wissen“
„Doch, ich finde, das ist jetzt angebracht“
„Wie gesagt. Du musst es wissen. Du musst dich dafür bereit fühlen!“
„Ja, tue ich ja. Ich kann das schon!“
„Boah, Alter, ey krass, dann haben wir ja bald was zu feiern!“ geiert sich Oli einen ab. Er bestellt eine weitere Runde Jim Beam und wir lassen unsere Pinnchen erneut gegeneinander klirren.

„Du, ich bin mal kurz scheffeln“ Oli geht in Richtung Toilette.
Ich sitze ziemlich genau drei Sekunden alleine an der Bar. Dann kommt eine hübsche, dünne Blondine zur Bar.
„Zwei Mojitos bitte!“ sagt die junge Blondine.
Ich trinke derweil weiter an meinem Bier.
„Na, das ist aber eine Überraschung! Marc, was machst du denn hier?“ sagt die dünne Blondine auf einmal. Ich hebe meinen Kopf.
„Sarah“.

„Auch einen Mojito?“ sie schiebt mir ein Glas hin.
„Was machst du hier?“ frage ich leicht verwirrt.
„Wie geht’s dir? Hab ja lange nichts mehr von dir gehört!“
„Mir geht’s gut, danke, und dir?“
„Ebenfalls!“ sie lächelt.
„Auf uns!“ stößt sie mit mir an. Ich bin leicht überfordert.
„Und was macht das Leben so? Hab dich ja schon länger nicht mehr hier in Berlin gesehen!“ meint Sarah.
„Im Moment ist alles gut. Soweit.“ Ich trinke einen großen Schluck.
„Das mit dem nicht sehen kann wohl daran liegen, dass ich bis vor kurzem noch in München wohnte“
„Ach echt?“
„Jap“
„Na das ist ja eine Überraschung! Was haste denn in München gemacht?“
„Gearbeitet“ lüge ich.
„Mensch Marc, du kommst auch überall rum, was?“ lach sie und kippt sich ihren Mojito fast in das Dekolté.
„Ja“ ich schaue erwartungsvoll Richtung Toilette, doch Oliver scheint noch nicht wirklich aufzukreuzen. Wie ich schon gar keine Lust mehr auf das kommende Gespräch habe.
„Was hast du gemacht?“ frage ich dennoch, da ich ja nicht unhöflich sein will.
„Ach, ich war mal hier, mal da. Hab meinen Bachelor gemacht“
„Jetzt doch?“
„Ja, hab ich doch schon letztes Jahr!“ lacht sie.
„Stimmt schon.“ Man kann sich ja auch nicht alles merken.
„Und jetzt?“
„Joa, arbeite frei bei einem Lifestylemagazin. Mach aber auch noch nebenbei den Master“
Klar. Solche Leute können immer alles gleichzeitig. Und dass Sarah bei einem Lifestyle-Magazin arbeitet passt ja richtig zu ihr.
„Jop“
Wir schweigen. Sie stochert in ihrem Glas herum.
„Und wie siehts aus bei dir mit der Liebe?“ fragt sie mich schließlich. Auf die Frage habe ich ja gewartet.
„Hab wieder eine Freundin“ sage ich freudig.
„Ach echt?“ ich nicke ihr noch einmal zu, damit sie das auch ja verstanden hat.
„Ja, ich ja auch“ ich hab dich zwar gar nicht gefragt, du dummes Blondchen, aber antworte ruhig mal.
„Seit wann?“ fragt sie. Ja, sie war schon immer neugierig.
„Schon etwas länger“
„Ja, ich ja seit kurzem. Hab davor mal hier, mal da was gehabt“
Jaja, so wie ich sie auch kennengelernt habe.
„Und wie ists so? Biste glücklich?“ fragt sie mich.
„Ja! Ist super! Alles toll! Wirklich! Spitzenmäßig!“
„Echt?“ sie nippt an ihrem Cocktail herum.
„Ist wie bei uns am Anfang, nur besser!“ Ha, das wollte ich schon immer mal zu einer Ex sagen!
„Wirklich?“ eher weniger begeistert schaut Sarah nun zur Bar.
Ich erkenne derweil endlich Oliver im Getümmel wieder.
Meine Rettung.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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16.12.2009 23:54
#160 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Endlich, da bist du ja! Mensch, ich hab schon ewig auf dich gewartet!“ zische ich ihn an.
„Ja, sorry, hab da noch ne alte Freundin getroffen!“ Jaja, die Exen.
„Das ist mein Freund Oliver“ sage ich.
„Freut mich!“ Sarah gibt ihm höflich die Hand. Ich merke, wie Oliver schon ganz schwitzig und nervös wird. Man, die Frau weiß einfach, wie sie die Männer rumkriegt!
„So, du ich muss aber auch mal wieder zu meinen Freundinnen!“ sagt sie und verschwindet in der Menge.

„Boah Alter, die Frau kann so krass nerven!“
„Wer war das?“
„Meine Ex“
„Deine Ex? Und wieso kenn ich die nicht?“
„Weil ich vielleicht nur drei Monate mit ihr zusammen war und ich sie dir nie vorgestellt habe?“
„Alter Falter. Krasser Feger!“
„Ja, natürlich…“ Tzz, typisch Mann mit Alkohol.
„Drei Monate ist jetzt aber für dich auch schon lang“ bemerkt Oli auf einmal.
„Ja, damals vielleicht. Aber jetzt? Ich bin mit Gretchen glücklich und sonst nichts“
„Jaja, Herr Ich-bin-so-gefühlvoll“
„Wie bitte? Wer ist denn hier derjenige, der schon letztes Jahr seiner angebeteten einen Heiratsantrag machen musste?“
„Ja und du bist so einer von der Sorte „Meine 100 Enkel spielen Cricket aufm Rasen, wenn ich so daran denke, kann ichs eigentlich kaum erwarten“, was?“
„Quatsch! Ich will einfach nur lange mit Gretchen zusammenbleiben. Kinder spielen doch da gar keine Rolle!“
Ich gucke in mein leeres Glas. Oli bestellt eine neue Runde.

Irgendwann finden wir wieder Gesprächsstoff.
„Aber ich sag dir, irgendwann, da kommt der Zeitpunkt, da will sie Kinder! Da wacht sie morgens auf und hat so einen komischen Schein in den Augen, wie Dollar-Scheine, nur mit Babys. Da weiß sie „Ich will Kinder!“ und dann kannst du sie auch gar nicht mehr aufhalten!“ unterrichtet mich Oliver.
Da kommt Sarah auf einmal wieder an.
„Na Jungs, ich dachte ich leiste euch mal noch ein bisschen Gesellschaft? Meine Freundinnen sind schon alle abgehauen und ihr sitzt hier so alleine!“
Klasse. Adée Männerabend. Tschüss Männergespräche.
„Was willste denn trinken?“ fragt Oli sie.

Zwei Stunden und etliche Absacker später sitzen wir immer noch da.
„Und dann hat Marc seine Boxershorts gesucht. In der ganzen Wohnung! Bis er sie auf dem Balkon gefunden hat!“ Sarah und Oli lachen sich kaputt.
Haha. Ich finde es auch ziemlich witzig, dass meine Ex ehemalige Beziehungskamellen zum Besten geben muss!
„Sag mal Marc, was biste so ruhig? Schon mit den Gedanken woanders?“
„Wieso wo denn? Bei deiner Freundin?“ fragt Sarah mich.
„Nö, fünf Tage weiter, da hat er großes vor!“
„Wieso was ist denn da?“
„Weihnachten!“ sage ich und gehe zur Bar. Ich bestelle eine letzte Runde Jim Beam und serviere uns diese.

Um fünf Uhr morgens torkeln wir zu dritt aus der Kneipe. Die Nacht ist kühl und klar. Wie vor ein paar Tagen, als ich Gretchen noch meine Liebe gestand.
„Ey und weeßte wat? Der Marc, der hat och mal damals, wat jemacht, mein lieber Herr Jesangsverein“ lacht sich Oli immer noch kaputt.
„Ja, erzähl, erzähl!“ spornt Sarah ihn an.
„Du, dat kann ick jetzte nich machen“
Wieso muss der eigentlich immer berlinern, wenn er betrunken ist?
„Solltest du auch nicht!“ warne ich ihn.
„Ach Marci, nu sei doch mal nicht so prüde!“
„Ich bin nicht prüde!“ protestiere ich.
„Doch, du wolltest damals auch nicht auf dem Balkon…“ ich halte Sarah den Mund zu und laufe voraus.
Irgendwann drehe ich mich um und sehe die beiden gar nicht mehr. Hm, wo sind die denn?

Als ich mich genauer umsehe, erkenne ich zwei Personen angelehnt an eine Hecke stehen.
Es sind Oli und Sarah, die wild rumknutschen.
Ob die Hecke halten wird?

Ich drehe mich wieder um und gehe weiter. Drei Sekunden später höre ich ein „Knacks“ und die beiden sind anscheinend in die Hecke gefallen.
Ist mir aber auch egal, denn ich geh jetzt nach hause.
Zu Gretchen. Darauf freu ich mich schon gewaltig.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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17.12.2009 23:34
#161 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen

Sabine und ich haben Spaß. Wir sitzen immer noch lachend in Marcs Wohnzimmer und gucken Schöne Bescherung mit Chavy Chaze. Wie jedes Jahr lache ich mich dabei kaputt.
Irgendwann steht Marc plötzlich in der Tür.
„Schatz? Was machst du denn hier?“
„Das könnte ich dich auch fragen“ sagt er leicht lallig.
„Ja, ich weiß,….wir sind kurzfristig hierhin gegangen“ erkläre ich schnell.
„Mhm, ja. Gretchen, kommst du mal bitte mit?“ ich stehe genervt auf und laufe Marc hinterher.

„Sag mal, was soll diese Frau in meinem Wohnzimmer?“
„Och Marc, jetzt sei doch nicht immer so. Sie ist halt zu Besuch! Wir konnten nicht zu ihr gehen, weil bei ihr Stromausfall ist!“
„Ja und?“
„Boah, du verstehst auch gar nichts!“
Er zieht sich genervt seine Schuhe aus.
„Und wo warst du? Wieder schön einen saufen mit deinem Oliver?“ frage ich sarkastisch.
„Ja, worauf du wetten kannst!“

Als Marc sich wieder einigermaßen eingekriegt hat will ich mich von Schwester Sabine verabschieden.
„Oh, es ist ja schon so spät!“ stellt die Krankenschwester plötzlich fest.
„Da fährt ja gar keine Bahn mehr zu mir!“
„Wirklich nicht?“ sie schüttelt den Kopf.
„Hm…was machen wir denn da?“ ich überlege. Kann ich es wohl machen, oder nicht? Immerhin ist es ja nicht meine Wohnung…
„Okay, bleiben sie mal ganz ruhig, Sabine, wir finden da schon eine Lösung“
„Marc!“ rufe ich.
„Du, Sabine kommt mit Bahn nicht mehr nach hause. Kannst du sie nicht fahren?“
„Wenn du gerne willst, dass ich gegen den nächsten Baum fahre sehr gerne“ scherzt er.
„Okay, dann eben NICHT!“
„So, kommen sie mit Sabine, da ist die Tür“ sagt Marc und zerrt die Schwester am Arm. Doch ich halte Stand und nehme Sabine am anderen Arm.
„Nein Sabine, das wird er nicht tun! Sie müssen nicht irgendwie jetzt nach hause laufen mitten in der Nacht. Sie können natürlich auch gerne hier bleiben!“ sage ich um Sabine zu beruhigen.
„Bitte was?“ Marc guckt mich verwundert an.

Während Marc immer noch nicht versteht, was ich da eben gesagt habe, beziehe ich Sabine die Couch im Wohnzimmer und gebe ihr frische Bettwäsche.
„Hier, da können sie heute ruhig schlafen!“ sage ich und Sabine freut sich wie ein kleines Kind an Weihnachten.
„Danke Frau Doktor!“
„Ach, keine Ursache!“
„Und wenn der Doktor sich wieder beruhigt haben, danken sie ihm bitte auch, ja?“
„Ach Sabine, dem brauch nicht gedankt werden!“ lache ich und verabschiede mich für diese Nacht von der Schwester.
Sabine schlummert recht schnell ein. Zwischendurch höre ich sie immer „Dr. Rogelt“ murmeln. Hm, eben doch ein bisschen merkwürdig, die Frau.

Marc liegt schon schnarchend im Bett, als ich mich zu ihm lege. Ich gebe ihm noch einen Gutenachtkuss und drehe mich um.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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18.12.2009 00:19
#162 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Mich weckt irgendein Verrückter am nächsten Morgen. Naja, Nacht kann man noch fast sagen.
Verschlafen und völlig übernächtigt drehe ich mich zum Nachttisch. Wenn ich von den drei Dingern, die da auf dem Tisch liegen doch nur mein Handy erkennen könnte. Bräuchte vielleicht doch mal langsam eine Brille.
Ich greife Richtung Tisch. Doch zweimal daneben.
Endlich ergreife ich mein Handy. Es klingelt immer noch wie verrückt und Kurt Cobain röhrt mir ins Gesicht.
„Ja? Hallo?“ spreche ich müde in den Hörer.
„Marc, ich hab Scheiße gebaut!“.

Eine halbe Stunde später – ich bin mit einem Affenzahn durch Berlin gedüst – stehe ich vor einer Altbauwohnung in einem kalten, kaputten und stinkigen Treppenhaus.
Ich schelle. Oh man.
Ein wuscheliger, nur mit einem T-Shirt und einer Boxershorts bekleideter, genauso verschlafener Typ öffnet mir die Tür.
„Was willstn?“ fragt er mich.
„Hola! Ich aben bestes Zeugs für sie, mein Err!“ begrüße ich den Yuppieh.
„Was?“ ich halte meine Plastiktüte mit Brenesseltee hoch.
„Bestes Zeug direkt aus Olland importiert! Ich direkt gefahren von Olland nach ier. Muchos Kilometros!“
„Aha. Okay? Was isn das?“
„Na, bestes Zeugs….allo? Olland?“ der Typ wischt sich eine Strähne aus dem Gesicht und guckt sich meine Tüte genauer an.
„Okay, komm rein“.
Ich folge ihm zum Küchentisch.
Die Küche ist total unaufgeräumt. Überall stehen alte Kochtöpfe mit teilweisen Essensresten herum und ungespülte Pfannen liegen auf dem Boden herum.
Ich räume erst einen Batzen Zeitungen vom Stuhl, bevor ich mich hinsetze.
„So und sie haben…äh, sie aben auch Zeug für mich?“ frage ich den Typen.
„Wie bitte? Ich weiß doch überhaupt nicht, wer sie sind. Was sollte ich ihnen dann Zeugs geben?“
„Nana, aber sie Zeugs aben, ich das wissen tun!“ ich verstell meine Stimme ungemein.
Der Typ schaut mich fragend an. Ich glaub, der peilt gar nichts.
Irgendwann entschuldige ich mich auf die Toilette.

„Alter! Da bist du ja! Mensch, wieso hat das denn so lange gedauert?“ fragt mich Oliver, als ich ins Bad gestürmt komme. Hätte mich fast verlaufen und wäre bei Sarah im Schlafzimmer gelandet.
„Ja, sorry, der Typ da vorne ist mal mega anstrengend!“
„Alter, ich hab voll den Schrecken gekriegt, als der mir heute Morgen über den Weg gelaufen ist! Der hatte nur ne Boxershorts an und guckte mich völlig bekifft an! Ich dachte schon, das wär ihr Freund!“ regt sich Oli auf,
„Nein, das ist doch nur Daney, ihr Mitbewohner!“
„Ja das hab ich jetzt auch gemerkt. Ich dacht nur, als der mich hat vom Klo kommen sehen, er würde mich gleich verprügeln“
„Daney? Nein!“ ich lache. „Was denkst du? Der Typ ist so langsam, wie ne Schildkröte!“
„Aber wohl nur halb so intelligent“
„Naja, bitte keine Vorwürfe gegen Sozialpädagogikstudenten!“
„Ich dachte schon der studiert Ökologie oder so“ sagt oli und streckt sich.

„Wieso hast du eigentlich diesen Hut auf? Und dieses komische Hemd mit Schiffen drauf an?“ fragt er schließlich.
„Na, weil er mich nicht erkennen durfte!“
„Ihr kennt euch?“
„Ja, ich hab einmal mit ihm gekifft“
„Alter, du machst Sachen!“
„Ja, ich war ja auch mit seiner Mitbewohnerin zusammen!“
„Sag ich doch: du machst Sachen!“
„Haha!“ wir lachen.

„N, ganz so schlimm ist es dann doch nicht!“ lache ich.
„Bah aber echt ey Marc, ich hab so Scheiße gebaut, sag ich dir!“
„Wieso? Was ist denn passiert? Hast du dir den Arsch verpiekst in der Hecke?“ ein bisschen Schadenfreude tut doch immer ganz gut.
„Ne, noch viel schlimmer“
„Du kannst dich an nichts mehr erinnern?“
„Doch, aber schlimmer“
„Ihr wart im Bett?“
Oliver nickt nüchtern.
„Ja und?“
„Ja und? Ich fick deine Ex und du sagst „Ja und“?“
„Sie ist zwar meine Ex, aber hey, das ist ein freies Land und jeder darf machen, was er will!“ lache ich. „Außerdem hab ich sie doch nicht geliebt“.
„Du hast sie nicht geliebt?“
„Nö“
„Alter, die ist so geil im“
„Jaja, weiß ich doch…jetzt los, lass mal gehen“
In diesem Moment klopft es an der Tür.

„Oliver, bist du da drin?“ hören wir Sarah rufen.
Ich machen Gesten und Zeichen um Oli zur Antwort zu bringen.
„Ja“ sagt er quälend.
In dieser Zeit öffne ich das Fenster und sehe raus. Ich weiß noch von früher, dass die Wohnung auf einer Seite einen Blick zum Hinterhof hat. Okay, diese hier nicht.

Zwei Minuten später – Oli konnte Sarah noch ein wenig hinhalten – steige ich aus dem Fenster. Dann halte ich mich noch an den Rollanden fest, die nicht ganz hochgezogen werden können.
Irgendwann sehe ich nach unten. Urgh. Schon recht hoch. Aber egal, da muss ich jetzt durch. Muss gehen.
Ich springe also ohne hinunterzugucken aus dem ersten Stock. Autsch. Das tut ganz schön weh! Aber egal, ich bin immerhin unten.
Oliver gebe ich ein Zeichen, wann er springen kann. Doch irgendwas scheint ihn gestört zu haben, denn er sprint schon jetzt. Und ladet…..auf einer Taube.

„Na toll Marc, jetzt sehe ich aus, als hätte mich jemand attackiert“
„Tja, muss ja auch mal sein“
„Ja gut….war ja noch nicht mal gelogen. Mich hat ja wirklich dieser Oberkiffer da attackiert“
„Deswegen bist du gesprungen?“ Oliver lacht mir nur abwertend zu.

„Super Marc, echt“
„Ja, was kann ich denn dazu, wenn du nicht auf mein Zeichen hörst?“
Er guckt an sich hinunter. An seinem Rücken finden sich rote Blutflecken von der Taube. Die ist hin. Aber er lebt ja immerhin noch.

Wir laufen erst einmal zum nächsten Bäcker und kaufen uns einen starken Kaffee.
Ich erzähle alles von Gretchen und Sabine und kann mir daraufhin nur ein gequältes „Lass sie doch“ anhören. Mein bester Freund war auch mal besser drauf. Okay, da ist er auch nicht aus dem zweiten Stock auf eine Taube gefallen.
„Boah Marc, ich komm nicht klar, ich hab Kathrin betrogen! So ganz kurz vor unserer Hochzeit!“ stellt Oliver immer wieder fest.
„Ja, das hats du jetzt schon viermal gesagt.
„Ich hab sie betrogen!“
„Fünfmal“.
„Das macht 3,60 € bitte!“ mischt sich die Verkäuferin ein.
Oliver gibt ihr das Geld, während er dabei weitererzählt.

„Ich glaube du musst ihr einfach die Wahrheit sagen…“ antworte ich ihm.
„Die Wahrheit sagen? Weißt du, wie die mich danach auseinandernehmen wird?“
„Ja und? Du hast es ihr wenigstens gesagt. Du bist ein Mann, du stehst da drüber!“
„Klar, weil ich ja auch so ein Ego hab, wie du!“ regt sich Oli auf.
„Naja, mein Ego hat sich auch verkleinert, seitdem ich Gretchen hab“
„Na dann ist die Frau wohl genau die Richtige!“ stellt Oliver fest.

Wir latschen noch eine Weile die Berliner Straßen entlang und gucken der Sonne beim Aufgehen zu. Irgendwann verabschiedet sich mein Freund mit der Begründung er müsse jetzt „ganz schnell was regeln“ und ich fahre nach hause.
Vorher mache ich noch einmal Stopp beim Bäcker um die Ecke und hole Brötchen. Für Gretchen, Sabine und mich. Man(n) soll ja nett sein.
Zuhause angekommen schlafen beide noch. Also setze ich mich frierend auf den Balkon, rauche mir eine und denke über meinen Plan nach…

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19.12.2009 00:45
#163 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Am nächsten Morgen weckt mich meine wunderschöne Freundin.
Ich gebe ihr zur Begrüßung einen Kuss.
„Guten Morgen Schatz“ sagt sie. Ach, wie schön das doch ist.
Sie nennt mich Schatz. Das Wort, das ich vor ein paar Jahren noch unausstehlich fand.
„Morgen!“ ich grinse sie an. Gretchen macht mich wahnsinnig! Wahnsinnig im Kopf, denn sie sieht grade so süß aus, mit ihrem verschlafenem Blick, ihren verwuschelten Haaren.
Sie legt sich wieder hin. Ich wälze mich auf sie. Dann küsse ich sie. Meine Küsse wandern von ihrem Mund hinunter über ihren Körper. Ich ziehe ihr ihren Pyjama aus und sie mir meine Boxershorts. Irgendwann können wir nicht mehr anders und tun, was man eben so tun muss….

Gretchen liegt nackt vor mir. So, wie sie Gott nun mal schuf. Auch wenn sie das schon mit zig Diäten versuchen wollte zu ändern. Ich mag alles an ihr. Jeden Kilo. Jedes Gramm. Jede Fettpolsterchen. Ihren hintern, ihre Brüste, ihre Beine….
Ja, ich gebe es zu! Ich bin verrückt nach ihr! Ich muss sie jetzt unbedingt spüren…
Wir schlafen miteinander, wie noch nie zuvor.
„Du machst mich glücklich, Gretchen“ flüstere ich ihr in ihr Ohr und sie grinst extatisch.
„Du mich auch“
„Bitte lass das nie enden!“ Gretchen schlägt mit ihrem Kopf ins Kopfkissen.
„Was ist denn?“
„Verdammt Marc, die Nachbarn!“ lacht sie.
„Ja und? Die könnten ein bisschen Leben gebrauchen!“ wir lachen und machen weiter.
Ja, es ist ein verdammtes Loveboat, aber ich liebe es. So sehr, dass ich gar nicht mehr weiß, warum ich heute noch aufstehen sollte. Ist eh Samstag und ich hab frei. Genau wie Gretchen. Bald ist Weihnachten und dann ist alles toll. Dann kann ich auch endlich meinen Plan einlösen…

Irgendwann müsst Gretchen meinen Bauch. Uhhh, wenn sie jetzt noch…
Da klingelt mein Telefon. Scheiß Handy.
„Schatz, geh da jetzt nicht dran!“ meint Gretchen, doch ich kann nicht anders, ich hab schließlich Bereitschaft. Also was, wenn es ein Notfall ist?
„Ich muss!“ sage ich und greife nach meinen Handy.
„Hallo?“
„Marc, ich hab Scheiße gebaut! Du musst unbedingt kommen! Ich bin verloren!“
„Oli, du grad ist gaaaaaanz schleheeeeeeeecht!“ Gretchen kann aber auch nicht locker lassen.
„Wieso? Was ist denn?“
„Naja, ich….uh…ah…ich bin grad in…ahhaha, in einem Meeting“
„Aha. Hört man“
„Ja. wie….weißt du….grad ganz schlecht“ ich hole tief Luft. Muss unbedingt seriöser klingen!
„Naja, jedenfalls hab ich auf deinen Rat hin Kathrin alles erzählt und“
„Ahhhhhhh!“ ich stoße auf. Ich kann nicht anders!
„Sie hat mich“
„Uhhh, Gretchen“
„Marc, sie hat mich rausgeschmissen!“ ruft Oliver. Ich stutze. Schlimm.
„Ja und?“
„Ja und? Hallo? Meine Verlobte hat mich fünf Monate vor der Hochzeit rausgeschmissen und du sagst, ja und?“
„Ahh, jaaaaa“
„Sag mal, was hast du denn genommen, dass du so bist?“
„Guuuuuut….da guuuuuut“
„Sag mal, ich weiß nicht wo ich jetzt hin soll!“
„Ja, ich auch nich...“
„Wie du auch nicht?“
„Greeeeeeeheeeeetchen hat grad…uhhh…ist grad….ahhh ich weiß nicht
„Sag mal Marc, das ist doch nicht mehr normal!“
„Neeeeeeee!“ stöne ich. „Das ist galaktisch!“
„Was laberst du?“
„Scheiße Gretchen…..weiter unten…“
Irgendwann höre ich nur leises Tuten. Okay, er hat aufgelegt. Soll mir auch recht sein, wer mich beim Sex stört, kann auch was erleben!

Ein paar längere Minuten später ist unser schönes Loveboat leider schon im Hafen angekommen. Gretchen geht unter die Dusche und ich erhol mich noch ein wenig im Bett. Hilfe, was das eine Tour. Hätte ja nie gedacht, dass Gretchen so was drauf hat! Tja, man täuscht sich eben auch in ehemaligen Mauerblümchen!
Gegen 12 Uhr frühstücken wir gemütlich.
„Du sag mal, was machen wir jetzt eigentlich heute noch?“ fragt sie mich.
„Weiß nicht. Alles, was du willst!“ sage ich ihr mit einem verschmitzten Lächeln.
„Wuha, echt? Na wenn das so ist!“ sie grinst und beißt in ihr Marmeladenbrot. Hilfe, selbst dabei sieht sie selbst zum anbeißen aus! „Dann können wir ja Shoppen gehen!“
In diesem Moment bleibt mir mein Salamibrötchen im Halse stecken.

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19.12.2009 00:45
#164 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Zwei Stunden später fand ich mich in einem Parkhaus wieder. Gerade hatte ich einen Parkplatz gefunden, nachdem wir schon eine Dreiviertelstunde durch die Gegend gefahren sind.
„So, wo müssen wir jetzt hin Marc?“
„Na, dahin, wo AUSGANG steht?“ Gretchen verdreht die Augen und läuft planlos vor.
„Boah Gretchen, dahinten ist die Tür“ ich deute auf eine graue Tür auf der dick und fett AUSGANG steht.
„Ja Marc, da wollte ich auch gerade hin, ehrlich“
„Sicher, deswegen bist du auch in die andere Richtung gelaufen“
„Ja, jeder Schritt hält fit!“ sie läuft genervt gen Ausgang.

Im Einkaufszentrum vom Alexa am Alexanderplatz ist es ziiiiiiiemlich voll. Überall Familien mit Kleinkindern und Kinderwagen, Seniorengruppen, Jugendliche, Pärchen. Und mitten drin in diesem Wahnsinn Gretchen und ich.
„So und wo willst du jetzt hin?“
„Hm…mal gucken, zu H&M auf jeden fall“
„Was? Ich fahr doch nicht mit dir hierhin, damit du dir schwedische Lumpen kaufst!“
„Marc! Ich mag diesen Laden ja? Und die Lumpen würden die auch ganz gut stehen!“

Als wir in die erste Etage fahren wird es noch voller. Liegt aber wohl daran, dass ein bekannter Schuhladen gerade 70% Rabatt auf alles gegeben hat. Aber nur eine Stunde. Komisches Marketingkonzept. Aber naja, die Leute kaufen ja.
Wir laufen also weiter durch die enge Menge des Kaufhauses. Ich weiß echt nicht, was die Leute sich dabei immer denken den letzten Samstag vor Weihnachten freiwillig einkaufen zu gehen! Ich meine, ich bin ja auch nur gezwungenermaßen mitgekommen. Weil Gretchen mich gezwungen hat.
Als wir H&M betreten wird mir schlecht. Überall nur gleich aussehende Frauen.
„Und da willst du dich auch einreihen?“ frage ich meine Freundin. Doch die hört das anscheinend schon gar nicht mehr und verschwindet in den unendlichen Weiten des schwedischen Klamottenherstellers.
Eine halbe Stunde später kommt sie zu mir.
„Marc, guck mal, kann ich das anziehen?“
„Ich weiß nicht ob du das kannst“
„Ohhh,. Ich meine doch, ob dir das gefällt“
„J, zieh es halt mal an“
Sie verdreht die Augen. Wahrscheinlich war ich ihr keine so große Hilfe.
Gretchen reit sich doch wahrhaftig in die lange Schlange vor den Umkleiden ein. Ich glaube ich kriege einen Kollaps!
Doch schon zehn Minuten später sehe ich mich wartend vor ihrer Umkleide stehen.
„Kommst du mal gucken?“ flüstert sie.
„Ja was denn?“
„Guck mal?“ sie sieht aus, wie Beth Dito.
„Bitte zieh das ganz schnell wieder aus!“ rufe ich erschrocken.
Dann ziehe ich den Vorhang wieder zu.
Gretchen zieht das zweite Kleid an.
„Und jetzt?“
Ich öffne vorsichtig die Augen.
„Wow“ sie sieht bezaubernd aus. Einfach umwerfend. Meine Freundin.
„Kaufen muss! Du muss kaufen! Kaufen das!“ stottere ich.
Gretchen grinst mich an und gibt mir einen Kuss auf die Wange.
„Gut, dun dann nehm ich noch das und das und das hier“ sie legt mir eine Hose, einen Pullover und einen BH auf die Arme. Super.

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19.12.2009 00:46
#165 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Der nächste laden heißt Zara. Hm, geschmacklich steigern wir uns.
Gretchen findet nichts. Ein Glück!
Wir schlendern durch die unglaublich schlecht belüftete Einkaufshalle des Alexa.
„Ohhhh, Schatzi, guck mal daaaa!“ Schuhe. Oh nein. Ich glaub es wäre JETZT der beste Augenblick um zu flüchten.
Doch ich kann nicht. Denn immerhin ist das die Frau, die ich liebe und vor der kann man nicht einfach flüchten.
Auch nicht, wenn sie Schuhe kaufen möchte. Oder Taschen. Nicht vor ihr und nicht vor den Schuhen.
Eine Weile später sitzt Gretchen genervt auf dem Hocker im Schuhladen und blickt traurig ihre ins Herz geschlossnen High Heels an. Zu klein. Passen nicht. Und in anderen Größen vergriffen.
„Komm schon Schatz, das ist doch kein Weltuntergang!“ versuche ich sie aufzumuntern. Doch sie will nicht. Ich glaube ich brauche einen Spezialplan!
„Komm, lass uns was Essen gehen, ja?“
Gemeinsam fahren wir in den letzten Stock wo sich die Schlemmermeile befindet. Hier ist bestimmt Gretchens Paradies, denke ich und lasse ihr freie Auswahl. Die Auswahl fällt auf chinesische Nudeln. Mhhhhhhmmmmmm. Lecker. Aber bitte ohne scharfe Soße.
Doch Gretchen will scharfe Soße. Und so habe ich nach dem Essen ebenfalls scharfe Soße im Mund.
Mann muss ja das Essen seiner Frau aufessen!

Nach gefühlten zehn Stunden findet Gretchen den wohl letzten Laden, den sie heute noch auseinandernehmen will. Nachdem wir ja schon halb Schweden und Spanien ausgekauft haben. Jaja, diese Läden von heute. H&M und Mango und wie sie alle heißen…
„Maaaaahaaaarc!“ flötet Gretchen, als wir bei einem teuren Designer vorbeigehen.
„Was ist denn da?“
„Ein Kleid! Da hinten…siehst du das rosa Kleid?“
„Boah Gretchen, neeeee“
„Doch Marc!“ sie blickt mich mit ihren Rehaugen an. Ich willige ein und wir betreten nun auch diesen Laden von dem ich – vielleicht zu meiner Schande – bis vor kurzem noch nichts wusste.
Die Verkäuferin ist nett und erkennt sofort Gretchens Interesse. Und Gretchens Naivität.
Denn die Brünette gibt ihr das Kleid. Keine Ahnung welche Größe es hat, aber es sieht schon ziemlich eng aus. Doch Gretchen will ja unbedingt, da lass ich sie auch.
Zehn Minuten später höre ich ein Winseln. Wer ist das? Etwa Gretchen?
„Gretchen, alles okay?“ ich erhasche einen Blick in ihre Umkleide. Sie steht heulend und völlig überfordert und nur halbangezogen in dem rosa Kleid.
„Was ist denn passiert?“
„Es passt nicht“
„Ja, das sehe ich“
„Ja“ Gretchen sieht genervt zu Boden.
„Na, dann zieh es aus. Finden wir schon noch was anderes“
„Nein…“
„Wie nein? Gretchen, du kannst nicht ewig hier stehen bleiben und dem Kleid hinterher trauern, der Laden hier macht auch um 20 Uhr zu!“
„Nein Marc…es geht nicht….nicht so“
„Wie was geht nicht Gretchen?“
Sie deutet auf das Kleid.
„Du meinst nicht?“
Sie nickt. Ich eile zu ihr in die Kabine. Gretchen ist in ihrem Kleid stecken geblieben.
„Mensch, was machst du auch immer für Sachen?“
„Weiß nicht“
Ich versuche sie aus dem Kleid herauszuhieven, doch kein Erfolg. Sie hält schon die Arme hoch, doch es ist schwierig.
„Maaan, Schatz, wie bist du denn da rein gekommen?“
„Weiß nicht“ sie schüttelt den Kopf. Super Aktion. Irgendwann macht es pluppp und das Kleid ist nicht mehr an Gretchens Hüften. Sondern in meinen Händen. Gretchen zieht sich schnell an. Ich luke aus der Umkleide hinaus. Die Verkäuferin ist gerade beschäftigt. Ich gebe Gretchen ein Zeichen und dann laufen wir beide schnell aus dem Laden hinaus.
„Mensch Schatz, das Kleid war kaputt!“
„Ja und? Glaubst du, das zahl ich dann auch noch?“
„Ja, ich war ja eigentlich schuld“
„Eigentlich!“ betone ich.
„Naja. Schon unfair“
„Wieso? Der Designer kriegt auch so viel Geld in den Arsch geschoben. Da kann er auch mal auf eine Gage verzichten“
Gretchen lacht.

Am Ende laufen wir an einem Dessous-Laden vorbei. Diesmal bin ich derjenige, der stehen bleibt. Ich blicke durchs Schaufenster.
„Guck mal Schatz!“ ich tippe ihr auf den Arm.
„Was?“
Wir betreten den Laden. Die Verkäufer sind sehr nett und beraten uns gut. Irgendwann verschwindet Gretchen in der Umkleide. Ich indessen bestaune die ungewöhnliche Unterwäsche, die es doch für Frauen zu kaufen gibt. Und die ungeheuer unökonomisch hohen Preisen, die man dafür hinblättern muss.
„Gretchen, hast du schon was an?“
„Hm…nicht viel“
Ich husche zu ihr in die Umkleide. Gretchen steht vor mir in einem Hauch von…ja, von String, Strapse und Spitzen-BH. Richtig heiß. Wie Beyonce, nur noch heißer.
„Du…du siehst…toll…umwerfend…aus“
„Meinst du?“ ich nicke hastig.
„Ich weiß nicht...“ sie dreht sich um. Oh mein Gott, darin sieht ihr Hintern ja noch toller aus! Was zum greifen! Boah Meier, wie notgeil du heute wieder bist!
„Was meinst du denn? Kaufen? Ich mein, das ist mega ungequem…und ich fühl mich ja schon ein bisschen, wie eine Nutte…“
„Ach schatzi, du musst auch mal was machen, was du sonst nie machst! Außerdem helfe ich dir doch gerne beim ausziehen!“ ich zwinker ihr zu. Gretchen grinst nur gequält und schiebt mich wieder aus der Umkleide hinaus.
Wenig später stehe ich indessen an der Kasse und zücke mein Portmonee.

Nach sechs Stunden Dauershopping bin ich am Ende. Sowohl körperlich, als auch psychisch. Seelisch, moralisch. In allen Gebieten. Und ich hab mega Hunger und das Bedürfnis mich zu besaufen…

„Gretchen, was machen wir denn heute Abend?“
„Hm. Weiß nicht. Ich will mich lieber ausruhen“
„Ach komm“ versuche ich sie aufzuheitern.
„Was denn?“
„Ich will mal wieder Party machen gehen. Wie wärs?“
„Ne Marc, ich bin grad voll fertig“
„Tja, dass ihr Frauen auch immer so viel shoppen müsst..,“
„Okay…wohin’?“

Gegen 23 Uhr sitzen Gretchen und ich an der Bar meines Lieblingsclubs. Zwar sieht sie ziemlich genervt aus, aber sie scheint wohl mir zu liebe mitzukommen. Natürlich habe ich das alles hier nicht aus purer Lust gemacht, sondern weil Oliver heute hier sein wird. Und ich muss dringend mit ihm reden.
„Du Schatz, hast du was dagegen, wenn ich“
„Hey Marc!“ da ist Oliver auch schon. Wenn man vom Teufel spricht.
„Hallo Oliver“ sagt Gretchen genervt und nuckelt an ihrer Cola herum. Hm…wieso trinkt sie denn keinen alkoholischen Cocktail?
„Du Alter, können wir mal reden?“ ich hab Gretchen die Geschichte mit Oli erzählt. Zumindest dass er fremd gegangen ist. Sie muss ja nicht wissen, dass es mit meiner Ex war.
Während wir reden beobachte ich Gretchen ganz genau. Ich will schließlich nicht, dass irgendwelche Typen sie angrabschen.
Irgendwann ist unser Gespräch beendet. Oli wurde rausgeschmissen, weiß nicht wohin. Und ich nehm ihn auf. So einfach ist das unter Männern. Bei Weibern wird da ja immer noch gestritten, welches Zimmer sie dann nimmt und welchen Vibrator sie dann benutzen darf.
Tzz…bei echten Kerlen geht das einfacher.

Als wir zurück an der Bar sind bestelle ich eine Runde Kurze. Doch Gretchen möchte nicht.
„Du Marc, ich hab echt schon genug. Bin total müde. Bitte sei mir nicht böse, aber ich würd jetzt wirklich gerne nach hause, ja?“ sie sieht mich mit ihren großen blauen Augen an.
„Okay, dann lass uns fahren“
„Ja, das wär schön“
„Du aber Oli….ich hab dir doch gesagt, er wurde rausgeschmissen, kann er?“
Sie verdreht zwar die Augen, nickt aber auch zustimmend und gleichzeitig. „Ja, von mir aus“.

Zuhause angekommen schläft Oli genau da, wo Schwester Sabine gestern Nacht geschlafen hat. Tja, so ist das Leben eben. Man muss Freunden helfen wo und wie man kann.
Gretchen und ich verschwinden derweil ebenfalls im Bett. Ich bin sehr froh, dass Gretchen keine dieser „After-Shopping-Revival-Partys "geschmissen hat, bei denen die Frau noch mal alles gekaufte anzieht und es vor dem Spiegel begutachtet. Nur um dann festzustellen, dass es doch nicht passt. Oder dass sie sich dann mal wieder zu fett fühlt.
Doch so eine ist Gretchen nicht. Sondern eine, die jetzt schön in meinen Armen einschläft.
Ach, das Gefühl hab ich doch am liebsten, wenn die Frau, die ich liebe, auch nachts nicht von meiner Seite weicht. Und ich sie beschützen kann…
Ja, so sieht das ein Mann.
Ich zumindest.
Bin ja auch nur ein 0815-Mann, denke ich mal.

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19.12.2009 14:53
#166 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Ganz früh wecke ich Oliver. Will schließlich nicht, dass Gretchen sich zu sehr aufregt, dass er hier schläft. Zumal sie auch mal wieder einen akuten Magen-Darm-Virus zu haben scheint. Immer dieses Gekotzte. Hab ihr schon tausendmal gesagt, sie soll weniger essen.
Warum auch immer sie so viel isst.

Also schmiss ich Oli gegen acht Uhr aus dem Bett. Mit riesigen Augen schaute er mich an. Aber das war mir in diesem Moment egal.
„Boah, noch mal vielen Dank, dass ihr mich so schnell aufgenommen habt“ sagt Oli beim Frühstück.
„Ach, kein Problem. Es darf nur nicht zur Dauersituation werden“ warne ich ihn.
„Nein, nein. Das wird es nicht.“
„Rede mit ihr“
„Mit wem? Gretchen?“
„Nein du Trottel, mit Kathrin.“
„Wieso? Was soll ich ihr denn sagen? Sie hat mir eigentlich vor einem Jahr noch gedroht, Wenn ich sie verlasse bringt sie sich um. Naja, vor ein paar Wochen hieß es dann, sie wolle mich umbringen. Alter, was soll ich denn da noch machen?“
„Mit ihr reden hilft ungemein. Glaub mir, ich weiß wovon ich da spreche“
„Ja, nur weil du EINMAL in deinem Leben einer Frau deine Gefühle gestanden hast?“
„Einmal ist immer das erste Mal“
„Ja und? Boah neee, ich kann das nicht. Soll ich etwa zu ihr hingehen und ihr sagen „Du, tut mir ja sooooo schrecklich leid, aber ich glaub ich liebe dich immer noch, nimmst du mich auch trotz Seitensprung zurück?“
„Nein, du musst das taktischer angehen“
„Ach und wie?“
„Liebst du sie?“
„Ja klar!“
„Und ihr seid doch auch schon seit 5 Jahren zusammen….wollt nächstes Jahr heiraten….das musst du ihr unter die Nase binden!“
„Echt?“
„Glaub mir, das hilft!“
„Wieso? Woher willst du das denn wissen? Du hast doch noch nie eine Beziehung retten wollen“
„Ja, dann eben nicht!“ ich stehe auf, gehe auf den Balkon und zünde mir eine Zigarette an. Seit Gretchen bei mir wohnt, rauche ich nur noch auf dem Balkon.
„Ey Marc, haste noch mal ein paar Minuten Zeit?“ fragt mich Oli.

Kurze Zeit später stehen wir vor Sarahs Wohnung.
„Und was soll ich jetzt sagen?“
„Na, du sollst da anklingeln und versuchen irgendwie mein Handy zu finden“
„Und wieso machst du das nicht?“
„Boah Marc! Womöglich flippt sie noch aus, weil ich mich nicht mehr gemeldet hab und so“
„Ja und ich hab mich gemeldet oder was?“
„Ja, das ist ja jetzt auch schon ein Jahr her!“

Ich klingle also an. Erst passiert gar nichts. Dann öffnet Daney die Tür.
„Hey“ sag ich freundlich.
„Ach, du bists“ er scheint mich wirklich zu erkennen.
„Ja, ich äh….“
„Was willst du? Sarah ist nicht hier“
„Ach wirklich nicht? Egal, ich wollt sowieso zu….dir!“
„Zu mir?“ Daney sieht mich verwundert an.
„Jaa, ich ab gehört, du hast so geiles Zeugs“
„Geiles Zeugs? Neee du….“
„Wie? Nen Kumpel von mir hat mir doch letztens erzählt, er hätte bei dir was abgeliefert“
„Ein Kumpel von dir? Tzz…ey ich weiß genau, dass du das warst!“ Shit. Plan B.
„Okay okay…war das Zeugs denn gut`?“
„Alter, das war Brennesseltee!“
„Echt?“
„Ja“
„Na, dann haben die mich da übers Ohr gehauen“
„Biste noch Anfänger oder wat?“
„Joa könnte man so sagen“
„Na komm mal rein“
Ich laufe suchend durch die Küche. Kein Handy in Sicht.
„Sooo…hier liegt es“ er deutet auf das grüne Zeugs, was auf dem Tisch liegt. Ich gebe zu, es sieht nicht sonderlich nach Dope aus.
„War nicht gut?“
„Ne…aber wenn du das mit richtigem Dope mischt, dann gibt das einen gewaltigen Trip!“
„Echt?“
„Ja!“
„Ist ja krass“
„Willste mal probieren?“ ich zöger ein wenig, willige dann aber doch ein. Wenn Daney erstmal am Kiffen ist, kann ich mich in Ruhe in der Wohnung umsehen.
Daney dreht zwei Joints. Einen gibt er mir. Ich muss zugeben, das letzte Mal, dass ich so was geraucht habe, ist nun auch schon Sechzehn Jahre her.
„Und ist gut?`“ er grinst schon wieder breit.
„Ja, schon“ ich hab bis jetzt nur einen Zug genommen. Will mich ja nicht abschießen.
Irgendwie bringt mich der Wuscheltyp aber doch dazu, mehr als nur einmal an dem weißen Joint zu ziehen. Also zieh ich noch mal und noch mal…

Zwei Stunden später.
„Boah krasse Sache Daney!“ ich seh alles doppelt.
„Oder?“ er grinst noch breiter als sonst.
„Ey., geile Erfinun!“ wie leicht ich mich doch fühle.
„Sag ich doch! Musste nur auf Zero Zero aufpassen.“
Zero Zero?“
„Ja“
„Was isn das? Gibt’s das wirklich? Ich kenn das nur aus Lammbock
„Ja, doch das gibt’s. Da hab ich nämlich auch was von reingetan. Das knallt so richtig!“
„Echt?`“
„Ja, aber bei der Menge dürfte das noch nicht der Fall sein“
„Okay..“ ich torkle zur Tür.
„Aber wenn du irgendwann mal schwarz-weiß siehst!“ wir lachen.
Dann verschwinde ich aus der Tür.

Unten kommt mir Oli entgegen.
„Und haste es gefunden?“
„Wasn gefunden?“
„Na, mein Handy?“
„Achsooooooo“
„Ey Alter!“
„Wasn?“
„Du riechst ja voll nach Dope“
„Oh ja krass geil, Daney hat mir Zeugs gegebn….mit Brennesseltee“ ich lache.
„Uiiiiiiiiiuuuuuuuuuuiiiiii, guck mal dahinnnnnnnnen ….. ein rosa Niiiiiiiiiiiiiiiielpferd!“ ich geiere mir einen ab.
Oli scheint die Welt nicht mehr zu verstehen und geht.

Irgendwie komme ich zuhause an. Boah fühl ich mich geil. Ich bin der Geilste der Welt. Alles ist cool. Ja, wie war das noch?
Alles ist cool, solange ich genügend chille? Und kiffe? Hahahahahahaha….

http://www.youtube.com/watch?v=LMC71WZeo78

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19.12.2009 18:20
#167 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen

Verdammt ist das kalt. Da schickt man ja keinen Hund vor die Tür! Naja, aber in ein paar Tagen ist ja auch schon Weihnachten und ich hab frei. Und mit mir natürlich Mahaaarc.
Das wird dieses Jahr glaube ich ein richtig besinnliches und schönes Weihnachtsfest im Gegensatz zum letzten Jahr. Meine Eltern und ich werden zwar wie jedes Jahr an Heiligabend da sitzen, aber egal. Denn schon am 1. Weihnachtsfeiertag werden Marc und ich zusammen sein! Er hat gesagt, ich soll mal seine Familie kennenlernen. Bin richtig gespannt. Denn mit seiner Familie meint er nicht nur seine Mutter, sondern auch seine Cousins, Tanten, Onkel, Oma….das volle Programm eben. Das wird eine Mordsgaudi!

Als ich unser Treppenhaus betrete stößt mir ein Zitrogeruch in die Nase. Hm…ich habe dein Eindruck, seitdem ich schwanger bin nehme ich alles noch viel intensiver wahr. Sonst hat mich das Putzmittel von Frau Dringsjeduk doch auch nie gestört. Naja, egal. Bin ja gleich schon oben.
In Marcs Wohnung riecht es allerdings auch nicht gerade besser. Total muffig! Maaan, wann lernen Männer eigentlich, dass man auch im Winter mal lüften sollte? Und ab und zu feucht durchwischen? Hm…dafür brauchen sie wohl doch Frauen, wenn sie nicht gerade einen wie-Mann-sich-im-Alltag-schlägt-Kurs an der Volkshochschule belegt haben.
Vorsichtig öffne ich das Küchenfenster. Hilfe, völlig zu gerostet.
Die Kühle von draußen umwirbelt mich sofort. Ach, endlich frische Luft!
Ich gehe weiter in das dunkle Wohnzimmer, denn irgendetwas stimmt hier nicht. Habe ich zumindest im Gefühl. Ob es dann stimmt ist immer die andere Sache. Aber meistens betrügt mich mein Gefühl nicht!
Als ich also in das dunkle Wohnzimmer gehe, die halbgeöffnete Balkontür sehe und eine mir bis dato noch unbekannte Person auf genau diesem Balkon erkennen kann, kriege ich eine schock. Ich rufe nach Marc, aber er hört mich nicht. Ist er überhaupt da? Sofort laufe ich in die Küche zurück und hole mir zu meiner Sicherheit und Verteidigung eine Bratpfanne. Dann laufe ich wieder in Richtung Balkon. Will ja schon wissen, wer sich da auf Marcs Balkon vergnügt. Ich öffne die angelehnte Tür langsam und gehe mit der Pfanne vor. Was ich da sehe, verschlägt mir die Sprache. Marc liegt auf dem Balkongeländer!
„Marc! Was machst du denn da?“ rufe ich besorgt und eile zu ihm hin. Aaaachtung, Gretchen! Habe ich nicht mal gelernt, dass man Menschen in solchen Situationen lieber nicht erschrecken soll, weil sie sonst erst recht fallen könnten?
Also bleibe ich so ruhig wie möglich vor ihm stehen.
„Was machst du denn da?“ wiederhole ich mich.
„W…weiß nisch…was mach isch denn?“ hat der getrunken? Hat zumindest wahnsinns Mundfäule!
„Marc! Das ist gefährlich, komm da runter!“ jetzt packe ich ihn doch am Arm und zieh ihn von dem Geländer hinunter.
„Eyyyy, lass mich mal, ja?“ ruft er laut.
„Nein, du kommst jetzt sofort da runter!“ ich komme mir schon vor, wie eine Mutter, die ihr Kind davon abhalten will, vom Balkon zu springen!
„Was isn?“ er sieht mich schäl an.
„Jetzt komm!“ ich zerre ihn ins Wohnzimmer.

„Kannst du mir mal verraten, was du da gemacht hast? Das war lebensgefährtlich!“
„Was, das wardochnisch lebensjefährlich!“ der hat doch was genommen!
„Doch Marc, das war es! Und wenn du mich fragst kannst du von Glück sprechen, dass ich gekomen bin!“
„Haha,…du bist gekommen…wo denn? Wirsind dosch nisch im BETT!“
„Boah Marc, weißt du was, du kannst mich mal!“ wütend laufe ich in die Küche.
„Eeyy Gretchen, da sind lila Riesenkatzen!“ höre ich es aus dem Wohnzimmer rufen.
Tzzz….mitten am Tag muss der schon saufen. Nur, weil er frei hat. Tzzz. Mach ich doch auch nicht!
„Marc, kannst du mal bitte kommen, du sollst den Müll runter bringen!“
„Nööö…ey Greeeeeeti, da sind lila Kaaaaaatzn! Mit dicken Titten!“
Okay, jetzt reichts! Was zum Teufel hat der Typ geschluckt! Eins steht fest: es war zu viel!
Völlig sauer laufe ich wieder ins Wohnzimmer.
„So Freundchen, du hörst mich jetzt mal zu, du benimmst dich jetzt….Verdammt Marc, du verhältst dich ja, wie in kleines Kind!“ scheiße Gretchen, du wirst eine verdammt miese Mutter werden!
„Hä was denn? Isch bin doch volllll da!“ er zeigt auf das Bücherregal.
„Ja, da sind Bücher“
„Nein, da ist die riesige Riiiiiiiiiiiesenkatze mit dicken Titten!“
„Marc halt die Klappe“
„Ich sags dir doch!“
„Jaja“
„Greeeeti, du hast sooooooooo große Augen. Was nimmst du? Ohhhhh, ich bin schwarz! Ich seh schwarz-weiß!“ er blickt auf seine Hände. Dann grinst er.
„Ey geil, ich bin zero zero“
Moment mal! Zero zero? Das kenn ich doch nur aus Lammbock…den Film, den ich mir unbedingt mit Marc angucken musste, als wir damals vor eineinhalb Jahren für ein paar Stunden zusammen waren.
Scheiße Gretchen erinnere dich. Worum gings da noch mal.
Ich laufe zum Laptop und starte diesen.
Dann gebe ich bei Google „zero zero“ ein. Hm…nein, ich will nicht in einem Forum meine Erfahrungsberichte abgeben. Ich will auch nicht dealen! Hmn…Lammbock eingeben.
Ja, ich weiß, dass da Moritz Bleibtreu mitspielt.
Ahh, da ist es ja. Hm. Stinknormales Hasch. Mariuhana.
HALT! STOP! Hasch? Scheiße. Marc ist bekifft! In diesem Moment höre ich ein „Klacken“, dann husche ich sofort wieder ins Wohnzimmer. Und sehe schlimmes.
Och neeee. Marc hat sich am Tisch auf dem Balkon den Kopf gestoßen. Na hoffentlich kommt er jetzt mal endlich wieder zu sich. Hat er verdient den Schlag!
Ich gehe zu ihm und spreche ihn an. Hm. Nichts passiert. Shit. Was, wenn sich das irgendwie tödlich auswirken kann? Oh Gott! Ich muss sofort einen Notruf rufen!

Einige Minuten später sind wir im Krankenhaus. Gordon hat sich komischerweise irgendwie kaputt gelacht, als er Marc in seinen Wagen eingeladen hat. Warum auch immer der so locker drauf war! Hier gings schließlich um Leben und Tod! Zero zero heißt bestimmt so was, wie „Friss oder stirb!“.
„Frau Haase, können sie mir verraten, warum Doktor Meier eine Platzwunde am Kopf hat?“
„Äh…ja, er…er…er war auf seinem Balkon, als ich“
„Als sie? Was machen sie denn bei dem Meier zuhause?“
„Wir haben uns auf eine Operation vorbereitet“
„Na, wers glaubt.“ Sie dreht sich zu Sabine. „Äh, Sabine, großes Blutbild und dann die Wunde säubern. Ich näh das ganze dann, oder wollen sie Frau Haase?“
„Ich? Äh. Hmpf“
„Na dann nicht“
Super Gretchen. Hast dir mal wieder astrein mit deiner nicht vorhandenen Schlagfertigkeit deine Karriere verbaut.

Nach einer halben Stunde kommt die Hassmann zurück ins Schwesternzimmer, wo ich gewartet habe.
„So Frau Haase, der Meier ist wieder ganz. Aber können sie mir bitte erklären, warum wir in seinem Blut große Mengen an Mariuhana gefunden haben?“
Scheiße. Was soll ich ihr denn jetzt sagen? Ich weiß es ja selbst nicht mal.
„Was? Ach, das kann ich mir nicht vorstellen!“
„Stellen sie sich vor, ich konnte mir bei meinem Ex auch erst nicht vorstellen, dass er meine beste Freundin vögelt“
„Ähm. Gut, okay, also…“ Gretchen, sei kreativ! „Wir haben wie gesagt zusammen gelernt, bzw der Meier hat mit mir gelernt"
„Jaja, das kann ich mir schon vorstellen, wie das von statten ging“
„Ja jedenfalls ist er dann auf den Balkon. Und sie müssen wissen, seine Nachbarn sind großartige Mariuhana-Konsumenten und bauen auch selbst ab. und naja, da fällt eben gelegentlich etwas vom Balkon runter. Der wind und so. Naja und da ist das Marc wohl auf die Zigarette gefallen!“
„Sie haben noch nie gekifft, was?“
„Ich? Äh? Nein“
„Na, das merkt man“ Hassmann geht in strengstem Tempo aus dem Schwesternzimmer. Ich folge ihr. Muss doch wissen, was mit Marc passiert! Mal ganz davon abgesehen, dass betrunkene und bekiffte ja meist die Wahrheit erzählen! Nicht, dass hier noch irgendjemand etwas von Marc und mir mitkriegt!
Ich laufe also schnellstens hinter Maria her. Sie entert Marcs Zimmer.
„So Mister Meier, wie ich sehe, sind sie ja wieder erfolgreich aus ihrem Trip aufgewacht“ Marc sieht benommen aus.
„Das kam aber auch erst so schnell, weil wir ihnen ein bestimmtes Mittel gespritzt haben. Ich hoffe, sie haben dazu gelernt“
Marc guckt die Hassmann nur fragend an. Dann fällt er wieder zurück auf sein Kissen.
„Der wird jetzt erstmal seinen Rausch ausschlafen“ meint Frau Hassmann und verlässt den Raum.
„Ach und zu ihnen, Frau Doktor Haase“ ich bleibe stehen. Was will die denn jetzt von mir?
„Hat der Test eigentlich etwas ergeben?“
„Welcher Test Frau Dr. Hassmann?“
„Na, der Schwangerschaftstest?“
Oh Gott! Sieht man mir wohl schon an, dass ich schwanger bin? Wenn ich es überhaupt bin…
„Ich, äh, naja, also“ schön ruhig, Gretchen. Du schaffst das schon noch. Nur mit der Ruhe. Mit Hektik wirkst du erst recht überfordert! "Ja, ich also…der Test war negativ“
„Na, dann herzlichen Glückwunsch!“ Hä? Was soll das denn?
„Wieso herzlichen Glückwunsch?“
„Na, sind wir doch mal ganz erhlich. Eine Frau wie sie ist ja bei weitem noch nicht bereite dazu, ein Kind auf die Welt zu bringen, geschweigedenn es zu ernähren, oder? Sie kriegen ja noch nicht einmal ihr Leben in die Hand!“ Dann schwirrt sie ab. Und lässt mich einfach so da stehen.

Irgendwann kommt Schwester Sabine zu mir und zerrt mich ins Schwesternzimmer.
„Hier, ich ab den Test gekauft!“ flüstert sie mir zu.
„Das ist gut!“ ich wollte nämlich doch noch mal mit einem stinknormalen Schwangerschaftstest nachprüfen, ob ich wirklich schwanger bin. Immerhin hab ich auch schon seit Tagen so ein Bauchkneifen bevor mir schlecht wird. Und ich hab auch gar nicht mehr so riesigen Hunger…nur manchmal.
„Okay, dann machen wir das jetzt“ Sabine und ich gehen in eine Toilettenkabine.
„So, dann bitte einmal drauf…na, sie wissen schon, Frau Doktor.“ Sabine verschwindet bei den Waschbecken und ich muss wohl oder übel jetzt dadurch.
In wenigen Sekunden ist alles gemacht. Jetzt heißt es nur noch warten. Warten, warten, warten.

„Wie lange müssen wir denn noch warten, Schwester Sabine?“ frage ich ungeduldig.
„Na, bis man was erkennt.“
„Und was muss man da erkennen? Rote Streifen? Grüne Streifen? Oder schwanger, nicht schwanger?“
„Ja, sie sehen dann ein oder zwei Wörter. Und die Wochenbestimmung!“
„Welche Wochenbestimmung?“
„Na, in welcher Woche sie sich inzwischen befinden!“
„Hm…das will ich doch lieber gar nicht wissen“
„Kann ihnen aber deutlich helfen, wenn sie nicht genau wissen, wer der Vater ist“
„Schwester Sabine, woher wissen sie das alles?“
„Na, meine ehemals beste Freundin hatte mal das gleiche Problem“
„Aha. Und wieso ehemals?“
„Naja, mein damaliger Freund war hinterher der Vater“
„Oh…das tut mir leid“
„Ach, schon gut Frau Doktor. Nach der Trennung hab ich dann hier im Krankenhaus angefangen! Das hat mich schon wieder aufgeheitert!“
„Achja, und dann kam Dr. Rogelt, was?“ ich lache, um die Situation ein wenig aufzuheitern.
„Genau“ sie grinst mich an.

„Ahhh, Frau Doktor. Hier stehts!“ Mich durchfährt ein Schauer. Auf der einen Seite, will ich es ja wissen. Aber auf der anderen Seite lieber gar nicht!
„Sie sind“
„Schwanger“ stellen wir beide zusammen fest.
„Und in welcher“
„In der vierten Woche jetzt!“
„Oh“
„Haben sie eine Ahnung, wer nun der Vater sein kann? Hat ihnen das weitergeholfen?“ fragt mich Sabine wissbegierig.
„Naja, weiß nicht“ ich rechne hastig zurück. Hm…vier Wochen. Das könnte sogar mit dem Picknick von Marc und mir zusammenpassen! Marc könnte der Vater sein! Denn danach hatten Mehdi und ich keinen Sex mehr!
„Ja, Schwester Sabine! Ich glaube ich bin ein bisschen schlauer!“ so, jetzt geh ich erstmal zu Dr. Claas und werde ihm sagen, dass er sich verdammt noch mal mit seiner Prognose von wegen 5. Woche völlig verschätzt hat! Hallo? Das war ja wohl richtig wichtig! Denn 4. Woche würde doch viel besser zu Marc und mir passen!

Ein wenig beruhigter gehe ich zurück in das Schwesternzimmer. Irgendwann kommt ein Notruf und ich muss operieren. Ohne Marc. Aber das ist mir auch lieber so. Denn dann kann ich auch mal über „uns“ nachdenken. Also über unser Kind.

Als ich von der Not-OP zurückkomme sehe ich von Weitem Marc, der ins Schwesternzimmer geht. Hm, wahrscheinlich sucht er mich.
„Schwester Sabine haben sie Frau Haase gesehen?“
„Die Frau Doktor, die operiert gerade ganz erfolgreich mit Dr. Rössel“ super Sabine. Marc muss auch mal eifersüchtig werden. Auch, wenn Rössel ein unglaublich schlechtaussehender Anfang fünfziger ist, den man wohl bei weitem nicht mit McDreamy vergleichen kann.
„Okay, ähm, wann kommt sie wieder?“
„Gleich!“ von Weitem sehe ich, wie Sabine ihn angrinst.
„Gut, dann sagen sie ihr doch bitte“ er bleibt stehen.
„Ja?“
„Schwester Sabine, wieso haben sie einen Schwangerscahftstest in der Hand?“
"Ähm…ist von einer Patientin“
„Ja, aber soweit ich weiß haben wir hier gar keine Schwangerschaftstest, und schon gar nicht von Clearblue!“
„Ähm…ja,…äh“
„Keine Angst, ich sags schon keinem weiter!“
„Danke herr Doktor!“
„Wie ist denn das Ergebnis? Positiv? Negativ? Sind sie freudig?“
„Es ist negativ“
„Hm…merkwürdig, dass dann auf dem Test aber „schwanger“ draufsteht, was?“ er grinst sie an. Sabine guckt beschämt zu Boden. Ich sehe von hier aus, dass sie hochrot anläuft.
„Naja, egal, ich behalts für mich“ dann verschwindet Marc auf dem Flur.

Von weitem sieht er mich schon.
„Ach, Schatz, da bist du ja!“ er gibt mir einen Kuss auf die Stirn.
„Marc! Doch nich hier!“ zische ich ihn an.
„Was denn? Darf ich jetzt noch nicht mal meinen Gefühlen freien Lauf lassen?“
„Neee….nicht hier“
„Ach komm, uns sieht doch keiner“
„Hast du schon schön deinen Rausch ausgeschlafen?“ frage ich ihn.
„Ja, soweit schon….Lass uns da später drüber reden, okay?“
„Nein Marc, ich will jetzt nicht!“ zische ich ihn erneut an. Doch ohne Erfolg. Er zerrt mich dennoch am Arm in die nächste Ecke.
Dann küsst er mich. Erst meinen Mund, dann meinen Hals, dann mein Dekolté.
Irgendwann wandert er immer weiter runter und knöpft meinen Kittel auf. Er selbst hat immer noch seine Sachen an, die er schon während seines Rausches trug. Ich knöpfe ihm auch sein babyblaues Hemd auf und berühre seine Brust. Dann spüre ich seinen Atem an meinem Hals.
„Ich will dich jetzt und hier!“
„Ja Marc“ hauche ich.
Doch da sehe ich von Weitem Dr. Rössel ankommen. Er sieht uns noch nicht. Sofort schubse ich Marc von mir weg. Der drückt sich noch ein „Aua!“ heraus. Dann stehen wir wie zwei Kollegen nebeneinander. Komischerweise will sich Marc immer weiter hinter mir verstecken. Tzz, schafft der doch eh nicht. Ist er viel zu groß für.
„Frau Dr. Haase, sie haben das heute richtig gut gemacht! Sie haben die Ruhe bewart!“ lobt mich Dr. Rössel.
„Danke!“ sage ich und mich durchfährt ein Glücksblitz. Endlich mal ein Lob von Ärzten, die nicht Marc Meier heißen.
„Naja, ach, Meier, sind sie auch wieder wach?“ Marc grinst ihn nur an und dann verabschiedet Rössel sich auch schon wieder von uns.
„Marc, jetzt komm schon, du musst wieder ins Bett!“ sage ich und nehme seine Hand. Doch er bleibt verharrt stehen.
„Was ist denn?“ frage ich.
„Ich kann nicht?“
„Wie du kannst nicht?“ er deutet auf seine Hose.
„Boah, Männer!“

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.shinyshoes ( gelöscht )
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20.12.2009 16:38
#168 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Als Gretchen und ich endlich zuhause sind, will ich für sie kochen.
Ich begebe mich also sofort in die Küche und lege mir meine Utensilien bereit.
„Sag mal Marc, was wird das, wenns fertig ist?“
„Ich will kochen!“
„Du kannst doch gar nicht kochen?“
„Ja und? Ich hab hier nen Kochbuch für Anfänger! Und da steht alles erklärt“
„Achja? Und damit meinst du jetzt, kannst du was zaubern?“
„Ja!“
„Na, wers glaubt. Du, sei mir nicht böse, aber ich bin heute Abend weg. Bin mit Sabine verabredet, wir müssen was Wichtiges besprechen“
„Wegen dem Kind“ Gretchen bleibt auf der Stelle stehen.
„Welches Kind?“
„Na, Schwester Sabine hatte doch einen Schwangerschaftstest in der Hand heute“
„Sie hatte?“
„Ja“
„Achjaaa!“ jetzt scheints ihr wieder einzufallen.
„Und darüber wollt ihr jetzt reden?“
„Genau, ich will ihr helfen und so“
„Wer ist denn der Vater?“
„Hm….weiß nicht. Ihr Ex oder so“
„Sabine hatte mal einen Partner? Unglaublich!“
„Tja, so ist das. Man kann eben nicht allen Menschen in den Kopf gucken!“
Mit diesem Satz verschwindet Gretchen hinter der unserer Schlafzimmertür.
„Ach und falls du jetzt denkst, ich wäre nicht mehr sauer, weil du gekifft hast, dann hast du dich aber gewaltig geirrt. Ich bin nämlich immer noch gewaltig sauer!“
„Gretchen, bitte, lass mich doch erklären!“
„Nein Marc, ich will jetzt keine Erklärung hören! Ich gehe mich jetzt amüsieren“
„Indem du mit Sabine über ihre Zukunft sprichst?“
„Ja, vielleicht solltest du auch mal über die Zukunft nachdenken!“
„Hä?“ da verschwindet sie schon aus der Wohnungstür.
Was hat die denn jetzt? Hat die Zickenpulver gegessen, oder was? Warum ist die denn jetzt so kratzbürstig?
Auf einmal geht die Tür wieder auf.
Gretchen stürmt hinein und huscht ins Schlafzimmer.
„Mein Portmonee vergessen!“
„Schatz!“ rufe ich, als sie wieder verschwinden will. „Was denn?“
„Warum bist du so?“
„Wie bin ich denn?“
„Na, so….so….kratzbürstig! Und zickig! Und ständig könntest du anfangen zu heulen und im nächsten Moment bist du wieder die Hexe in Person!“
„Ich bin….äh…das sind die Hormone…ich hab die Pille gewechselt!“
„Aber war“ da knallt sie die Tür auch schon wieder zur.
„Rum.“


Da sitze ich nun allein am Küchentisch und esse meine Kartoffelsuppe. Hm. Eigentlich mag ich ja Kartoffelsuppe und diese schmeckt auch eigentlich ganz gut. Aber irgendetwas fehlt. Ich weiß auch sofort, was fehlt. Gretchen fehlt.
Ich rufe Oli an. Nur der kann mich jetzt am besten verstehen. Ich wähle seine Homenummer.
„Bachmann?“ es ist Kathrin. Was wohnt die da denn noch? Ist doch seine Wohnung! Oder hat die ihm etwa? Neee, das kann ich mir nicht vorstellen!
„Ja, Marc hier. Ist Oli da“
„Oliver IST da, aber er hat verdammt noch mal etwas anderes zu tun, als jetzt mit seinem angeblich besten Freund zu telefonieren“
„Was?“
„Ja, du solltest dich was schämen, Meier!“ ruft sie in den Hörer.
„Bitte was ist denn?“
„Tu nicht so doof! Du weißt genau, was los ist“
„Hä? Nein!“
„Ich glaub es ist besser, wenn Oli dich jetzt erst einmal länger nicht sieht!“
„Achja? Und warum kann mir mein bester Freund das nicht selbst sagen?“
Tututututut. Einfach aufgelegt. Schlampe.

Noch depressiver sitze ich am Küchentisch. Ich stochere in meiner inzwischen kalt gewordenen Suppe herum und grüble über mein Leben nach. Was hat Gretchen denn mit der Zukunft? Ich dachte wir wären zum ersten Mal glücklich. Und ich dachte auch, dass sie das ebenfalls so sehen würde. Bin ich denn hier der einzige, der mit einfachen Dingen im Leben zufrieden ist? Bin ich vielleicht nicht reif genug? Vielleicht braucht unsere Beziehung mehr Tiefgang? Oh man. Wenn Gretchen wüsste, was ich an Weihnachten mit ihr vor habe…

Im Radio läuft „Let It Be“ von den Beatles. Ich glaube es war der erste Song, den ich gehört habe, als ich zum ersten Mal Liebeskummer hatte. Damals hatte ich auch über mein Leben nachgedacht, ergo: Let It Be bringt mich dazu, zu philosophieren und in Selbstmitleid zu verfallen!

http://www.youtube.com/watch?v=kEogJacjLTE&feature=related

When I find myself in times of trouble, mother Mary comes to me,
speaking words of wisdom, let it be.
And in my hour of darkness she is standing right in front of me,
speaking words of wisdom, let it be.

Let it be, let it be, let it be, let it be.
Whisper words of wisdom, let it be.

And when the broken hearted people living in the world agree,
there will be an answer, let it be.
For though they may be parted there is still a chance that they will see,
there will be an answer. let it be.

Let it be, let it be, .....

And when the night is cloudy, there is still a light, that shines on me,
shine until tomorrow, let it be.
I wake up to the sound of music, mother Mary comes to me,
speaking words of wisdom, let it be.

Let it be, let it be, .....

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.shinyshoes ( gelöscht )
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20.12.2009 18:47
#169 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Ich beschließe eine kleine Runde durch die Straßen zu drehen. Ist zwar schon stark am dämmern, aber egal. Ich hab ja heute nichts mehr vor. Oh man, wie armselig ich doch bin. Habe keine richtigen Freunde. Nur einen besten Freund, dessen Freundin jetzt wohl die Oberhand in seinem Leben übernommen hat und bestimmt, wie es mit ihnen und auch mit ihm weitergeht.
„Der kleine Oli möchte bitte aus der CD-Abteilung des Saturns am Alexanderplatz von seiner überaus zickigen, nervigen und egozentrischen Freundin Kathrin abgeholt werden“.
Wenn ich mir das vorstelle, könnte ich schon kotzen.
Gretchen darf nie die Oberhand in unserer Beziehung übernehmen!

Als ich zu Gretchen und inzwischen auch meinem Stammkiosk einbiege, überläuft mich ein Jogger.
„Ey, pass doch mal auf, du Arsch!“ fluche ich.
„Was denn? Wenn du auch einfach weiterläufst!“ pöbelt der Jogger zurück. Dann bleibt er stehen.
„Marc?“ ich blicke auf. Wer ist denn das?
„Daney“ na super. Der hat mir gerade noch gefehlt. Diesmal nicht bekifft?
„Was machst du denn hier?“ frage ich völlig belanglos.
„Ich jogge“
„Achja“
„Und du? Gar nicht mit deinem Kumpel unterwegs?“ er lacht.
„Nein, heute nicht“
„Hm…der hat glaub ich sein Handy bei uns verloren“
„Kann sein.“
„Nicht gut drauf?“
„Nein“
„Hm..,haste Bock auf nen Absacker hier um die Ecke? Ist meine Stammkneipe!“
ich überlege kurz, stimme dann aber zu.

Daney bestellt uns zwei Bier. Er sitzt immer noch in seinem Jogging-Outfit da.
„Sag mal, hast du eigentlich noch mal mit Sarah Kontakt gehabt?“
„Du meinst, nachdem…“
„Nachdem sie mit deinem besten Kumpel in der Kiste war, genau“
„Nein“ sage ich nüchtern. Ich weiß, ich bin ein Arsch.
„Hm…vielleicht solltest du sie mal anrufen“
„Warum?“
„Naja….nachdem sie erfahren hat, dass du wieder ne Neue hast, ist sie als ihr alle weg wart erstmal in Tränen ausgebrochen“
„Oh“ das ist wirklich alles, was ich dazu zu sagen hab.
„Tut mir leid“ sage ich und trinke noch einen Schluck. „Ich dachte immer Sarah wäre so eine toughe Frau.“
„Naja, nach Außen hin schon. Aber im Inneren nicht. Wobei ich auch nicht glaube, dass es überhaupt solche Frauen gibt. Sie tun alle immer auf stark und emanzipiert, aber in Wahrheit wollen sie doch nur ihren Jäger finden!“
„Damit sie in Ruhe Beeren sammeln gehen können, ja“ wir stoßen erneut an.
„Nein, aber ich mein das ernst. Entschuldige dich mal bei ihr! Denn, wie du damals den Abgang gemacht hast, ohne dich jemals noch einmal bei ihr zu melden, war schon ziemlich hart“
„Okay…du hast recht“ das hat er wirklich. Erst jetzt fällt mir auf, wie verzweifelt ich damals doch gewesen sein muss, um sie einfach so in den Wind zu schießen. Wo das mit Gretchen doch kurze Zeit später doch schon wieder zu ende war.
„Am besten rufst du sie mal an und ihr klärt das bei nem Kaffee“ schlägt mir Daney vor.
„Glaub mir, sie war noch nie so verliebt, wie in dich. Einmal hat sie mir erzählt, dass sie erst zweimal wirklich Liebe gespürt hat, das war bei ihrem Ex bis zum Abi und bei dir“
ich verschlucke mich halb. Und das, obwohl sie mir so auf die Nerven gegangen ist und ich sie so scheiße behandelt hab. Oh man, was ein Arsch ich doch war!
„Ja, wenn du das sagst“
„Glaub mir, es ist so“
„Zumal ich ihr dann wohl auch noch etwa anders sagen muss…
„Was denn?“
„Ach egal“.
Ich stehe auf und lege Daney einen Zehner auf den Tresen. „bezahlste für mich, ja?“ Daney nickt.
Als ich die Kneipe verlassen habe zücke ich mein Handy. „Ja Sarah? Hier ist Marc, du ich muss was mit dir klären!“ Ich glaube ich bin noch nie eine Sache so direkt angegangen, wie diese. Aber manchmal muss es eben sein.

„Was willst du denn klären!“ fragt Sarah, als sie aus der Kälte in das Café kommt und mich sieht. „Hey erstmal!“ wir umarmen uns.
„Ach, setzt dich erstmal. Auch einen Capuccino?“
„Ne, ne Latte“
Ich bestelle und wir führen ein obligatorisches, oberflächiges Gespräch über Wohlbefinden, Job und Wetter. Und natürlich über Weihnachten.
„Ne, und dann hab ich erstmal gesagt, er könne mich mal! An Heiligabend arbeiten! Wo sind wir denn hier?“
„Naja, bei uns im Krankenhaus ist das gang und gebe…“
„Ja schon, aber doch nicht bei einer Zeitung als Praktikantin!“
„Ne, da nicht“. Schweigen. Die zweite Runde Kaffee kommt.
„Du sag mal, warum wolltest du noch mal mit mir sprechen?“ fragt Sarah schließlich.
„Ach, wegen….unserer….“
„Beziehung?“ sagt sie es selbst.
„Genau“
„Aha. Und was hast du dazu zu sagen“
Ich überlege kurz. Dann gebe ich mir aber doch einen Ruck, es ihr zu sagen.
„Sarah, es tut mir leid! Wie ich dich behandelt habe, war nicht richtig. Und ich glaube, das hat dir sehr weh getan. Ich will mich dafür wirklich von ganzem Herzen entschuldigen!“
Sarah sieht mich überrascht an. Dann nimmt sie einen großen Schluck ihrer Latte.
„Wow, das hätte ich dir gar nicht zugetraut, Marc Meier!“
„Tja. So täuscht man sich in Menschen“
„Ja“ sie sieht mich an.
„Aber es ist okay“
„Wie es ist okay?“
„Ja. Es ist schon okay. Ich hab dir verziehen. Es ist doch eh vorbei“
„Okay, da hast du recht“
„Wer ist denn die Glückliche?“
„Welche Glückliche?“
„Na, deine „Neue“?“
„Gretchen“
„Hab ichs mir doch gedacht“ sie rührt in ihrem Kaffee herum.
„Ja“ gebe ich mich geschlagen.
„Und wie lange seit ihr jetzt zusammen?“ fragt sie. „Sorry, das interessiert mich einfach nur“
„Nicht lange. Seit einem Monat“
„Ach, du meintest doch, ihr wärt schon so lange“
„Ja, das war gelogen. Ich wollt dich einfach nur….weiß auch nicht. Wahrscheinlich wollte ich einfach nur gut dastehen“
„Neben mir?“
„Ja, du bist erfolgreich, stark, emanzipiert“
„Na, wenn du das sagst!“ wir lachen.
„Ja“
„Hm….naja gut, dann muss ich dir wohl auch was beichten“
„Was denn?“
„Ich hab gar keinen Freund“
„Ich weiß…sonst wärst du wohl auch nicht mit meinem besten Kumpel in die Kiste gestiegen, was?“
„Joa…kann sein“ ist ihr schon irgendwie peinlich.
„Naja du, ich muss dann auch“
„Warte noch kurz“ sie hält mich am Pulli fest.
„Ist sie die Richtige?“ fragt Sarah mich und sieht mich ganz ernst an.
„Ja“ antworte ich wahrheitsgetreu.
„Versau es nicht, Meier, ja?“ ich nicke, hole meine Jacke und zahle.
Sarah läuft mir noch kurz hinterher.
„Warte kurz Marc!“ ich bleibe noch stehen.
„Hier, das Handy von deinem Kumpel. Sind ganz schön kitschige SMS an seine Freundin drin“
„Du hast es gelesen?“
„Naja, ich bitte dich! Hallo? Ich bin eine Frau!“ ich muss lächeln. Da wird ich doch auch gleich mal schauen…
„Okay, dann machs gut!“ sagt Sarah und umarmt mich. Ich nehme das Handy und verabschiede mich ebenfalls von ihr. Dann gehen wir beide in getrennte Richtungen.
Damit habe ich wohl ein weiteres Kapitel in meinem Leben vollendet. Ein weiterer Schritt in Richtung „Projekt Gretchen“ ist getan und ich brauche nur noch die Utensilien dafür. Und Weihnachten muss jetzt auch ganz schnell werden.

http://www.youtube.com/watch?v=X5halJlIRQ0

Hier und da komm ich auf die Idee
Einen andern Weg zu gehen
Mal verspielt und mal gefasst
Manchmal macht mir der Nase nach
Einfach das unbeholfene Spaß

Beweg mich gerne mal im Kreis
Doch jeder noch so kleine Teich
Sollte verbunden sein zum Meer
Immer wenn ich was neues ausprobier‘
Lauf ich wie barfuß über Glas

Doch ich fühl mich federleicht
Weil es sich fast immer lohnt
Und so erscheint das nichts so bleibt, wie es ist
Fast schon, wie gewohnt

Wenn mich das Neue dann berührt
Tanz ich zuerst für mich allein
Dann mach ich all die anderen wach
Doch immer wenn was neu beginnt
Sagt auch etwas in mir das war’s

Doch ich fühl mich federleicht
Weil es sich fast immer lohnt
Und so erscheint das nichts so bleibt, wie es ist
Fast schon, wie gewohnt

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.shinyshoes ( gelöscht )
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20.12.2009 20:14
#170 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen

„Was meinen sie Schwester Sabine, soll ich Marc wirklich schon jetzt sagen, dass ich ein Kind erwarte?“ wir sitzen in Sabines Wohnzimmer und trinken Punsch.
„Ja, ich finde das ist immer noch die beste Variante“
„Hm…“ wie ich es drehe und wende, ich finde einfach nicht den ausschlaggebenden Grund, dass es richtig ist.
„Und wenn ich vielleicht doch noch bis nach Weihnachten warte? Ich meine, dann kann er ja auch viel ruhiger Weihnachten feiern und so“
„Glauben sie mir, Gretchen, der Herr Doktor hat noch nie gemütlich das Fest der Liebe gefeiert“ erzählt mir Sabine. „Es ist immer eine Dauertour die wohl ziemlich auf die Nerven schlägt“.
„Hat er nicht? Aber er erzählt doch immer groß und breit, dass er sich jetzt an Weihnachten mal so richtig entspannen will“
„Ja, vielleicht mit ihnen, aber die Jahre davor war er immer völlig ausgepowert und fertig, wenn die Feiertage rum waren. Weiß nicht, was er für eine Familie hat!“
„Na bei der Mutter…“ wir lachen und trinken einen weiteren Becher Kinderpunsch. Dann knabbere ich noch ein wenig an ihren selbstgebackenen Plätzchen herum.
„Ich erinnere mich nur an ein Jahr, in dem der Doktor entspannt war“ fällt Sabine auf einmal ein.
„Ach, und das wär?“
„Vor einigen Jahren. Da war er nach den Feiertagen wohl noch im Skiurlaub mit Kumpels. War wohl erholsamer, als die Feier mit der Familie“
„Ja, das ist ja immer so. Bei mir bestimmt auch. Bei ihnen?“
„Weihnachten? Ja…da fahr ich immer zu meinen Eltern in den Schwarzwald. Und dann backt meine Oma und wir singen, spielen, lachen, haben einfach nur Spaß!“ schwärmt Sabine.
„Ach, sie kommen ursprünglich aus dem Schwarzwald?“
„Ja“ sagt sie traurig. „Wissen sie, ich fühle mich hier oft sehr einsam“
„Ach, aber das müssen sie doch nicht! Wir sind doch alle da!“ ich nehme sie in den Arm.
Auf einmal fängt Sabine an zu weinen.
„Was ist denn?“ frage ich erschreckt.
„Ach wissen sie, Frau Doktor. Ich habe immer den Eindruck, niemand nimmt mich wahr im Krankenhaus. Nicht die Ärzte, nicht die Schwestern. Keiner!“
„Ach Sabine, aber das stimmt doch nicht! Ich nehme sie sehr wohl war!“
„Ja, aber sie sind auch bald weg! Wenn sie erstmal in Mutterschaftsurlaub gehen!“
„Aber das wird doch noch eine Weile dauern!“
„Trotzdem…dann sitze ich da wieder. Jeden Abend ganz alleine. Ich habe niemanden, außer vielleicht noch Schwester Ingeborg, wissen sie? Aber die hat ja auch jemanden. Also einen Partner. Und da hat sie ja auch nicht immer für mich Zeit“
„Ach, aber Schwester Sabine, das ist doch kein Grund, zu weinen!“ tröste ich sie.
„Doch, wissen sie, ich habe es satt, mich allein und einsam zu fühlen! Ich bin schon 32! Und ich habe immer noch nicht den Mann gefunden, der mich versteht!“
„Wissen sie, manchmal kommt es ganz unverhofft. Schauen sie mal, ich habe auch nicht damit gerechnet, dass ich auf einmal, nach einem Jahr Marc Meier wiedertreffe, mit ihm zusammenkomme und jetzt womöglich noch von ihm schwanger bin!“
„Nein, dieser Satz ist schrecklich!“
„Welcher Satz?“
„Na, dass irgendwann alles ganz unverhofft kommt“
„Ja ich weiß, das haben meine Freundinnen ja auch früher immer zu mir gesagt. Ich meine, sie müssen sich mal vorstellen! Ich war 19 und alle hatten schon einen Typen neben sich stehen, nur ich nicht! Ich musste sogar alleine zum Abiball gehen! Das werde ich bis heute nicht vergessen. Dass Marc dort diese Schlampe angebaggert hat überings auch nicht! Aber danach. Wissen sie, es war mir egal. Und plötzlich war jemand da. Zwar nicht für die Ewigkeit. Aber er kam. Der Erste. Er ist zwar nicht der Letzte, aber das ist ja egal. Irgendwann, wissen sie, wenn sie gar nicht mehr daran denken, dann kommt er. Und wenn sie dann nur für eine kurze Zeit glücklich sind. Wer weiß, vielleicht hält das mit Marc auch nicht für die Ewigkeit? Natürlich wünsche ich mir das, und ich denke, vor einem Jahr hätte ich das alles noch gar nicht gesagt, aber inzwischen denke ich so. Weil ich so viel erlebt und gelernt habe. Es kann eben nicht immer alles für immer sein. Aber wenn man sich etwas ganz doll wünscht, dann kann es auch geschehen!“ ich sehe, wie Sabine schon wieder ihre Mundwinkel ein wenig hochzieht und fühle mich gut.
Irgendwann klingelt Marc. Er will mich abholen. Wie süß.
„Okay, dann machen sie es mal gut, Schwester Sabine! Und denken sie dran: immer schön an ihre Träume glauben, denn irgendwann können sie schon wahr werden!“ sie zwinkert mir zu.
„Und äh, Gretchen“
„Ja?“
„Denken sie noch einmal drüber nach, wann sie genau die Zeit für richtig finden“
„Ja“ sage ich leicht unsicher und Marc und ich verschwinden.

„Und wie wars?“ fragt er, als wir Arm in Arm zu seinem Auto gehen.
Als wir unten aus der Haustür gehen, ist es kalt.
„Es schneit!“ stelle ich fest.
„Jaa!“ Marc schmunzelt.
„Oh, das ist ja toll. Vielleicht gibt es dann ja noch weiße Weihnachten! Das wäre ja super!“
„Naja, kanns es dir ja wünschen, vielleicht hört der Weihnachtsmann das ja!“ ich gebe ihm einen Ruck in die Seiten und wir steigen in sein Auto.

Zuhause angekommen flegeln wir uns noch gemütlich auf die Couch und sehen einen Film. Eigentlich achten wir irgendwann gar nicht mehr richtig auf den Film, sondern sind nur noch mit uns beschäftigt. Wir küssen uns und schmusen. Einfach so. Ohne weitere absichten.
Dann liegen wir noch die halbe Nacht so da. Marc hat seinen Arm um mich und ich liege mit dem Kopf auf seiner Brust.
„Du Marc“ fange ich den Satz an.
„Ja?“
„Ich möchte, dass es immer so bleibt“
„Ich auch Gretchen“ wir genießen die kurze Stille. Dann breche ich das Eis. Es muss gesagt werden.
„Marc ich“
„Was?“
„Ich…ich muss dir….ich muss dir unbedingt etwas sagen“
„Was denn?“
„Ich bin“
„Ja?“
Ich überlege erneut, kann aber keinen Rückzieher mehr machen. Das geht einfach nicht.
„Ich glaube ich bin…ich meine, ich bin…also wir sind…werden“
„Was? Gretchen, sprich doch mal bitte in Sätzen!“
„Ich bin….müde“.
„Und dafür hast du jetzt so lange gebraucht?“
„Hm“
„Naja, lass mal schlafen gehen“ er steht auf und geht ins Bad.
Da liege ich nun. Auf der Couch in Marcs Wohnung. Mit einem kleinen Menschen in meinem Bauch, der womöglich von Marc, vielleicht aber auch von Mehdi ist. Ich bin schon ziemlich feige. Wieso kann ich das nicht einfach mal sagen? So viele Frauen freuen sich, wenn es passiert ist und sie die frohe Botschaft endlich ihren unwissenden Freunden mitteilen können! Und ich? Ich liege hier und kriege nichts heraus.
Ich glaube, ich muss andere mal bespitzeln, wie sie das gemacht haben.
Gleich morgen werde ich damit anfangen. Brauche hilfreiche Tipps, um das ganze gut rüberzubringen, sodass Marc nicht sofort ausflippen kann. Muss die Hassmann mal fragen.

„Gretchen, kommst du dann?“ fragt Marc aus dem Schlafzimmer.
„Ja!“ aufstehen, schlafen gehen.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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21.12.2009 00:39
#171 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Marc Meier. Heute ist der Tag, der wohl für deine Zukunft der wichtigste überhaupt ist. Denn wenn das schief geht, kannst du alles andere vergessen!
Im Krankenhaus ist heute mal wieder ziemlich viel los. Tausende Not-OPs, Verletzte, Grippe-Patienten, wegen des plötzlichen Wintereinbruchs. War mal wieder klar, dass ausgerechnet dann die Leute wieder mit dem Auto fahren müssen, zur U-Bahn laufen müssen, anstatt gesittet zu gehen. Sie müssen ja rechtzeitig zur Arbeit kommen. Sonst werden sie geschmissen. Typisch unsere Gesellschaft. Da lobe ich es mir doch, dass ich Oberarzt bin.
Der kann kommen wann er will und auch mal früher gehen.
Okay, Scherz. Kann er nicht. Wir sind ja hier nicht bei Grey´s Anatomy.
In der Notaufnahme häufen sich die Patienten. Die Schwestern huschen von einem Patienten zum nächsten und auch Doktor Rössel und ich haben gut zu tun an diesem heutigen Tag, dem Tag vor Weihnachten.

„Herr Doktor!“ Schwester Sabine kommt wie ein Blitz auf mich zu gerannt.
„Vorsicht! Sonst fliegen sie noch!“ warne ich sie. Doch sie bleibt kurz vor mir stehen. „Was ist denn?“ frage ich sie.
„Hier, die Patientin ist schwanger und ist auf dem Glatteis ausgerutscht. Mehrere Prellungen und Schrammen, sowie eine leichte Gehirnerschütterung. Was sollen wir denn jetzt mit dem Baby machen?“
„Äh, was fragen sie ich das? Sehe ich aus, wie ein Gynäkologe? Da müssen sie mal den Neuen…hier, den…wie heißt er noch?“ ich schiele rüber zu Gretchen. „Weißt du, wie der neue Gyn heißt, der für Mehdi eingesprungen ist?“
„Dr. Claas“
„Genau, Dr. Claas“ gebe ich an Sabine weiter. Diese huscht zurück zur Patientin.
„Sag mal, woher weißt du das denn so genau, dass der Dr. Claas heißt? Haste den schon kennengelernt?“
„Hm…joa…also, der ist mir mal in der Kantine begegnet“
„Ach, und da stellt man sich dann sofort vor? Am besten noch als Mehdi´s Ex?“
„Sag mal, bist du eifersüchtig?“
„Nein? Wieso?“
„Naja, weil sich das so anhört! Mensch Marc! Er ist NUR ein Gynäkologe!“
„Ja, Mehdi ist auch NUR ein Gynäkologe!“ ich seufze. „Dass du dich nicht von ihm untersuchen lässt!“
„Na, das hat Mehdi ja auch nicht gemacht, was?“ sie lächelt.
„Blablabla“
„Ja, willst du mir jetzt unterstellen, dass ich auf Gynäkologen stehe?“
„Tzzz..ich bitte dich, dann müsste ich ja auch einer sein“
„Tja, täte dir vielleicht im Umgang mit Frauen auch mal ganz gut!“
„Bitte was? Ich will mich aber beherrschen! Bevor ICH Gynäkologe werde, wird der Papst bei „Das Supertalent“ auftreten!“
„Tja, in der heutigen Gesellschaft gar nicht mal so unvorstellbar“
„Du unterstellst mir Sachen…“
„Naja, sonst interessierst du dich doch auch, wie es da unten so aussieht“
„Gretchen!“
Sie verschwindet bei einem Patienten.
Super. Meine eigene Freundin kriegt wieder Zick-Attacken und ich stehe wie der Depp daneben und halte ihr vor, sie würde auf Gynäkologen stehen! Meier, was für ein Arsch du doch manchmal bist!

Nachdem die meisten Patienten behandelt sind und die erste Ruhe eingekehrt ist, mache ich Pause. In der Kantine treffe ich auf Gretchen. Das war ja klar.
„Na, haben wir uns wieder eingekriegt mit unserem Gyn-Syndrom?“
„Marc, bevor ich mir von dir einen erzählen lasse, esse ich doch lieber!“ Gretchen geht mit einem Grinsen und einem sehr vollen Tablett Richtung Tisch.
„Sag mal, was isst du denn da alles?“
„Wieso?“
„Naja…zwei Schnitzel, gefühlte zwanzig Kroketten und dann auch noch so einen Haufen Gemüse? Und so dick Soße, sag mal, musst das jetzt bis Ende des Jahres reichen, oder was?“
„Nein, wieso? Ich esse doch ganz normal!“
„Naja, normal ist was anderes. Kannst dich ja fast mit Mehdi zusammentun. Als der seinen Anker noch nicht gefunden hatte, hat er auch immer so viel gegessen!“
„Hm…“ Gretchen stopft alles in sich hinein.
„Schon mal was von Manieren gehört?“ frage ich sie.
„Ja, aber nicht jetzt. Ich hab Hunger!“
„Gretchen! Reiß dich mal zusammen! Die Leute gucken schon!“
„Marc! Lässt du mich jetzt bitte mal essen? Ich darf ja wohl immer noch so viel konsumieren, wie ich will, ja?“ ich lasse es. Heute hat es keinen Sinn mehr.

Viel mehr interessiert mich, wo der Professor heute ist. Denn den müsste ich unbedingt mal sprechen.
„Doktor Meier!“ ach, wenn man vom Teufel spricht. Er läuft mir im Flur über den Weg.
„Ja, Herr Professor?“
„Sie sind doch in der Notaufnahme. Wie lief es da heute? War es zu viel? Zu stressig? Wie haben sie das empfunden?“
„Ach, solange es kein großes Busunglück oder Schiffsunglück gibt sehe ich da alles sehr gelassen“
„Das ist gut, denn ich bin schon am verzweifeln, welche Kollegen ich ihnen noch zuteilen könnte“
„Ach, lassen sie mal gut sein, Herr Professor!“ er wendet sich weg und will anscheinend gehen.
„Herr Professor?“ rufe ich ihm hinterher.
„Ja?“
„Warten sie mal kurz.“ Er kommt zurück zu mir. „Ich hätte da noch ein Anliegen“
„Das da wäre Meier?“
„Ich hätte da eine Frage…also, eher etwas privates“
„Ja, dann machen sie aber schnell. Ich hab nicht so viel Zeit!“
„Okay, könnten wir vielleicht“
„In mein Büro? Na, wenns sein muss…“ er geht gen Büro und setzt sich an seinen unaufgeräumten Schreibtisch.
Ich setzte mich gegenüber von ihm.
„So, Doktor Meier, was wollen sie denn jetzt?“
„Also…ich habe da eine Frage…da sie ja bekanntlich wissen, dass ihre Tochter und ich“
„Gretchen? Was ist mit ihr? Ist sie ihnen wieder verfallen? Ich hoffe doch mal nicht!“ der Professor lacht. Er scheint das ganze wirklich als Witz zu sehen. Weiß er denn noch nichts von Gretchen und meinem Glück?
„Wissen sie, Herr Meier, meine Tochter ist schon seit der fünften Klasse in sie verliebt. Ich kann da einfach nichts gegen machen und ich denke, dass ich das wohl auch in Zukunft nicht mehr ändern kann, aber was ich ändern kann ist ihre Arbeitszeiten. Doch das möchte ich nicht. Sie soll ruhig bei ihnen in der Chirurgie bleiben. Außerdem ist sie ja eine gestandene Frau, ich meine, sie ist inzwischen schon 31. Meine Frau sagt ja immer, ich müsse auf sie aufpassen, aber das sehe ich ganz anders. Gretchen ist erwachsen und kann und muss vor allem selber wissen, was für sie gut und was schlecht ist. Sie muss wissen, wann es zu viel ist und womöglich vorbei ist. Oder wann es ausgemeiert hat.“
„Herr Professor, ich“
„Sagen sie nichts Meier, ich weiß alles.“
„Sie wissen von“
„Von Gretchens Schwärmerei für sie? Dass sie sich immer noch nicht entliebt hat von ihnen? Das obwohl, sie letztes Jahr noch diesen Schmächtling von Millionär heiraten wollte? Dass sie ihnen sozusagen für immer verfallen ist und es auch noch nicht mal mit Kaan geklappt hat? Ja. Das weiß ich. Leider ist es so…“
„Das ist jetzt aber so, dass“
„Was mich beschäftigt ist, dass ich wohl nie Enkelkinder haben werde“
„Herr Professor! Dafür haben sie doch Zeit!“
„Nein, Meier. Irgendwann wird Gretchen zwar den Richtigen anschleppen, wenn sie verstanden hat, dass es mit ihnen wohl nichts wird. Aber dann wird es erst einmal Jahre dauern, bis sie sich wirklich binden will und dann auch bereit für eine Familie ist. Kinder kriegt und so.“
„Das würde ich so nicht sagen, weil“
„Sie glauben nicht, dass Gretchen doch irgendwann noch mal von ihnen loskommt? Hm…vielleicht nicht, aber dennoch wird sie irgendwann kapieren, dass sie mit ihnen nicht glücklich werden kann und dann wird sie eben jemand anderen heiraten. Ich bin mir sicher. Ich hoffe darauf. Wollen wir etwa wetten?“
„Ich? Äh, nein, ich wollte doch nur, ich“
„Oh, Meier, schon so spät! Das tut mir aber leid, was wollten sie mir eigentlich sagen?“
„Ach, schon gut!“ ich lasse meinen Kopf hängen. Völlig vergeigt, Marc!

Der Professor geht aus seinem Büro, ich folge ihm und verschwinde in meinem Büro.
Wenn ich nur alles so gut könnte, wie Pläne versauen.
So wird das nie was mit der Überraschung, Marc!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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21.12.2009 01:18
#172 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

In der Zwischenzeit

Gretchen

Wie jeden Tag stand ich auch heute wieder mit Magenschmerzen vom allerfeinstem auf. Dann kam noch die typische Morgenübelkeit dazu. Ein Wunder, dass Marc bis jetzt wirklich noch nicht ansatzweise etwas gemerkt hat.
Und das, obwohl ich mich doch schon fast jeden Morgen übergebe. Gut, ich schalte dann immer den Wasserhahn, wahlweise auch die Dusche an, damit es laut ist und man mein Gekrächzte nicht hört, aber irgendwann muss er doch mal etwas merken!
Oder soll das alles nur mir zum Vorteil geschehen? Männer sind ja so. Dass sie nichts checken.
Leider kann ich die Schwangerschaft aber auch nicht für immer verheimlichen. Kann ja schlecht für acht Monate abhauen und dann wiederkommen und sagen „Ach, und übringens, ich hab da noch was für dich…“ das geht 1. nicht und wäre 2. ja wohl mal richtig arschig!
Deswegen brauche ich eine andere Idee. Einen Plan B sozusagen. Meistens laufen bei mir die Pläne B, die ich habe immer so ab: ich laufe kreischen im Kreis herum, bis mir endlich etwas Neues einfällt. Doch mit diesem Übelkeitsgefühl und dem vollen Bauch aufgrund des wirklich kalorienreichen Frühstück, will ich das jetzt lieber nicht riskieren.
Nicht vor der Arbeit. Nicht, das ich gleich noch während einer OP einen Brechreiz kriege, so wie der Knechtesldorfer einmal.

Ich fahre diesen Morgen ganz entspannt mit der Bahn ins Krankenhaus. Ja, leider. Denn Marc hatte Nachtschicht und kommt dementsprechend erst jetzt wieder und ist natürlich auch demzufolge seeeeehr, seeeehr müde. Und müde Männer sollte man lieber nicht nerven und schon gar nicht vom schlafen abhalten. Das könnte schlimme, gefährliche und vor allem: bleibende Schäden verursachen!
Also laufe ich in dieser Eiseskälte an diesem Tag vor Weihnachten einfach mal den verschneiten Weg zum Krankenhaus von der U-Bahnhaltestelle.

Schwester Sabine ist schon da. Leider glaubt Marc immer noch, sie sei schwanger. Eine Schande, wenn ich ehrlich bin. Denn er wird wohl dann noch mehr aus den Wolken fallen, wenn er erfährt, dass ich eigentlich diejenige bin, die in den nächsten Monaten zulegen wird. Wobei ich das auch ohne Schwangerschaft könnte.
Apropos zulegen. Ich wollte doch die Hassmann was fragen.

Nach der Visite schleiche ich mich unauffällig neben die Hassmann.
„Sagen sie Frau Doktor, wie war das eigentlich damals bei ihnen, als sie erfahren haben, dass sie schwanger sind?“ frage ich sie.
„Als ich erfahren habe, dass ich in den nächsten Monaten einen kleinen Scheißer rauspressen werde, bin ich zunächst zusammengeklappt, dann habe ich mich sehr stark übergeben und anschließend über höllische Kopfschmerzen geklagt. Damit war mein Tag gelaufen.
Aber glauben sie mir, der zweite wurde nicht besser. Vor allem, als ich es dann endlich meinem Verlobten erzählen wollte.“
„Wieso, was war denn mit dem?“
„Hatte ich die Geschichte nicht schon mal erzählt?“
„Nein“
„Na, ich hab ihn in flagranti mit meiner damals besten Freundin im Bett erwischt!“
Ach, das war das. Dann kannte ich die Story ja doch schon. Aber egal. Wollte noch mehr Details aus ihr raushören. So lässt es sich doch noch viel leichter leben, mit dem Wissen, dass selbst eine Hassmann – also der Inbegriff von Cruella de Vil – mal betrogen wurde!
„Und wie haben sie das dann verkraftet?“ bohre ich weiter nach.
„Naja, ich hab mich damit abgefunden, dass ich wohl die Schwangerschaft ohne Begleitung durchstehen muss – ohne Freund und ohne beste Freundin!“
Wow, so stark müsste man sein. Ich denke zwar nicht, dass sie nie abends alleine da gesessen hatte und auch mal die ein oder andere Träne deswegen verdrückt hat, aber ich glaube ich wäre bei der ganzen Geschichte wohl noch mehr ausgeflippt und womöglich in der Psychoklinik gelandet!

Frau Dr. Hassmann schmiert sich ein Käsebrot. Natürlich mit magerem Diät-Käse.
„Was ist mit ihnen Frau Haase, wollen sie auch eins?“ ich lehne dankend ab.
„Achja, stimmt ja. Sie wollen ja nur Kalorien verdrücken! Jetzt dürfen sie das ja auch noch sogar!“
„Ja“ lache ich gequält.

Sabine räumt deweil diverse Akten weg. Als die Mittagspause eigentlich zu ende ist, kommt Gabi plötzlich in das Schwesternzimmer gelaufen.
Na nu? Die habe ich ja schon länger nicht gesehen.
Ich könnte ja auch theoretisch aus ihr etwas herausprügeln. Sie war schließlich mal in der gleichen Situation, wie ich. Also von daher.
Schnell halte ich Gabi auf.
„Weißt du, wir haben uns ja schon ewig nicht gesehen“
„Ja, seitdem du mit Marc zusammen bist…“
„Ach, du weißt es auch?“
„Ich bitte dich Gretchen! Fast alle wissen es! Wir versuchen es ja schon verkrampft vor deinem Vater geheim zu halten!“ Gabi auch? Das hätte man vor einem Jahr noch nicht von ihr gedacht!
„Du sag mal, hast du schon gehört, dass Schwester Sabine schwanger sein soll?“ flüstert mir Gabi auf einmal zu.
„Ne du, wirklich?“
„Ja, ich frage mich, wer der Vater ist“ ja, das frage ich mich auch.
„Wird sich schon noch aufklären“
„Glaub mir, das ist nicht so einfach“
„Ach, wo wir schon beim Thema sind…“
„Wo? Bei welchem Thema? Schwanger sein?“
„Genau, also ich“
„Du willst mit mir über Schwangerschaften reden?“
„Naja, du bist ja sozusagen Expertin“
„Haha“
„Nein, sag mal im Ernst….wie hat Marc eigentlich reagiert, als du ihm damals eröffnet hast, dass ihr ein Kind bekommt?“
„Wie soll er denn reagiert haben? Wütend natürlich! Er hat sofort die Pille danach verlangt!“
„Hm…“
„Wieso fragst du mich das überhaupt?“ Gabi guckt mich erwartungsvoll an.
Ich stammle mir einen ab.
„Nun ja, ich….also, wir haben….wir haben ja auch schon überlegt, ob“
„Ob ihr Kinder bekommen wollt?“
„Naja, also mehr hab ich mir das überlegt…“
„Aha“
„Was?“
„Sag nicht, dass du?“
„Doch“
„Du bist SCHW“
„Psssst!“ ich halte Gabi noch rechtzeitig davon ab, dass sie das Wort laut ausspricht.
„Schwanger?“ flüstert sie.
„Ja“ sage ich beschämt und gucke dabei weg. Ich kann sie einfach nicht angucken. Nicht nach allem, was sie mit diesem Thema durchmachen musste.
„Na dann herzlichen Glückwunsch!“
„Naja, danke…aber ich glaube nicht, dass Marc es so toll finden wird“ sage ich traurig.
„Wieso?“
„Na, wenn du mir schon sagst, wie er damals bei dir reagiert hat“
„Gretchen! Das ist eineinhalb Jahre her! Außerdem hatten Marc und ich doch nur eine Affäre…ich habe ihn vielleicht geliebt, aber er mich doch nicht. Leider. Aber dich liebt er doch!“
„Hm…vielleicht hast du recht“
„Du solltest das nämlich mal von dieser Seite sehen!“
„Ja, du hast ja so recht“ dass ich das einmal sagen würde!
„Lass dich doch nicht immer so hängen!“
„Hm…es geht aber manchmal nicht anders, weißt du? Es ist nicht immer leicht mit Marc und“
„Wem sagst du das?“ sie seufzt.
„Aber gerade deswegen bin ich doch so verunsichert“
„Und das solltest du nicht sein, weil dann“ sie stammelt weiter. „Dann, dann“ in diesem Moment läuft Marc am Schwesternzimmer vorbei. „Dann…kriegst du nie die Herz-OP!“ vollendet Gabi ihren Satz.

Marc kommt zu uns ins Schwesternzimmer gelaufen.
„Na, Gretchen, alles klar? Informierst du dich schon über den neuen Gynäkologen?“
„Haha“ ich mache ein wie-witzig-Gesicht und versuche so cool wie möglich zu wirken.
Doch es klappt leider nicht ganz so, wie ich mir das vorgestellt habe.
„Naja Gretchen, dann machs mal gut!“ Gabi verschwindet auf dem Flur. Marc und ich sind alleine, Gabi winkt noch einmal übertrieben, damit nichts auffällt.
„So, und wir beide sehen uns heute Abend wieder? Soweit ich weiß haben wir ein Date? Bei dem wir es noch mal so richtig“
„Marc! Ich glaube nicht, dass ich heute Abend Zeit habe“
„Warum?“
„Ich bin bei meinen Eltern. Das ist so Brauchtum bei uns. Einen Tag vor Heiligabend ist die ganze Familie zuhause. Jochen kommt auch schon heute deswegen“
„Wirklich?“
„Ja Marc, glaub mir doch einfach mal!“
„Okay, dann sehen wir uns eben an Heiligabend! Und vergiss nicht! Ich hab eine Überraschung für dich!“

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21.12.2009 18:06
#173 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Am Morgen des heiligen Abend wache ich nach einem erholsamen Schlaf in meinem rosa Zimmer wieder auf. Wie jedes Jahr riecht es nach Kaffee und frischen Brötchen, die mein Vater schon geholt hat. Nachdem ich mich gereckt habe stehe ich auf und schaue erst einmal aus dem Fenster. Es ist immer noch weiß. Das bedeutet es gibt weiße Weihnachten!
Wie ein kleines Kind, das sich schon auf die Bescherung freut, hüpfe ich in meinem Zimmer herum! Und dann auch noch die Überraschung von Marc! Was das wohl sein kann?

Völlig übermütig laufe ich ins Bad. Dort begegne ich Jochen.
„Morgen“ brummt dieser.
„Morgen, was ist denn mit dir los, haste schlecht geschlafen?“
„Ja! Das kannst du laut sagen!“
„Warum denn?“
„Frag nicht!“
„IST ja gut!“ ich schubse ihn vom Waschbecken und putze mir die Zähne.
Irgendwann verschwindet Jochen und ich bin alleine. Im Spiegel betrachte ich mich.
Hm…bin ich denn überhaupt schon dicker geworden? Nö, irgendwie noch nicht. Aber gut, bin ja auch erst im 2. Monat. Hm…scheiße, da fällt mir wieder die unschöne Erinnerung ein, dass ich Marc ja noch davon erzählen muss!

Nachdem ich in Ruhe geduscht habe sitze ich mit meinen Eltern und Jochen am großzügig gedeckten Frühstückstisch.
„Und freut ihr euch auch schon so auf heute Abend, wie ich?“ fragt Mama.
„Ja, ungeheuer“ sage ich.
„Total“
„Na, das klingt ja jetzt nicht so überzeugend. Hm, Jochen, da bist du aber auch selber schuld!“
„Wieso? Was hast du denn gestern gemacht?“ frage ich noch einmal.
„Ja, er meinte ja, er müsse feiern gehen. Ich hab dir gesagt, dass du dann heute dementsprechend gerädert bist!“
Mir kommt diese Diskussion vor, als hätte man uns zehn Jahre zurückversetzt. Aber ich esse stattdessen einfach gemütlich weiter.
„Sag mal, was zum Teufel isst du denn da alles?“ fragt mich mein Vater erstaunt.
„Ich hab eben HUNGER!“
„Ja, aber es gibt doch heute Abend auch noch Braten und so“
„Ja und?“
„Wie du willst….ich hol mal den Baum rein“ er geht in den Garten und verschwindet im weißen Schnee.

Kurze Zeit später kommt mein Vater ohne Baum, dafür jedoch mit einem bedrücktem Gesicht wieder.
„Bärbel, der Baum ist eingefroren!“
„Was?“
Okay. Notfallplan. Sofort handeln. Nicht zu lange zögern. Der Baum ist das allerwichtigste für meine Mutter an Weihnachten. Wenn der nicht da ist, kriegt sie die Krise. Oder einen Nervenzusammenbruch. Und das will ich einfach nicht verantworten!
„Egal, ich hol einen neuen!“ melde ich mich freiwillig.
Alle drei sehen mich mit ihren „Wie? Du?“-Gesichtern an.
„Ja ich!“ sage ich und stehe auf. Nur noch schnell meine Stiefel anziehen und schon kann ich losfahren.
„Papa, wo ist der Autoschlüssel?“
„Aber du bist doch noch nie mit dem neuen Auto gefahren!“ stellt mein Vater besorgt fest.
„Ja und? Ich hab ja auch irgendwann mal Führerschein gemacht“
„Ja, aber Gretchen, es liegt doch Schnee“
„Stell dir vor Mama, es gibt sogar Winterreifen!“ gebe ich es ihr zurück und zücke den Schlüssel, den mein Vater mir hinhält.
„Bis gleich!“ flöte ich und verschwinde aus der Tür.
Wollen wir doch mal sehen, wer hier was kann.
Ich gehe zum Auto und steige ein. Nur noch den Sitz verstellen und schon kann ich losfahren.

Urgh. Was ist das denn für ein Geräusch? Ah, bestimmt nur die Reifen im Schnee. Ups, was ist das denn für eine Leuchte da? Und warum stinkt das so?
Ahhhhhh, Gretchen, du bist mit Handbremse angefahren! Hmpf.

Doch als ich aus der Einfahrt gefahren bin klappt alles gut. Ich brettere recht langsam durch Berlin zum nächsten Baumverkauf.
Ach, da ist ja gar nicht mal so voll. Und einen Parkplatz bekomme ich auch noch.
Hm…oben auf dem Schild steht „Single-Weihnachtsbäume“. Was auch immer die damit meinen.
„Hallo“ begrüße ich den etwas dickeren Herren, der die Bäume zu verkaufen scheint.
„Tach!“ uhh. Der klingt ja nett.
„Wat wolln se? Nen Baum kaufn?“ fragt der Mann im Blaumann mich.
„Ja, richtig“
„Dann kommse ma mit. Hier könnse aussuchn“ der klingt ja wie Herbert Grönemeyer! Ich folge Herbert Grönemeyer dennoch und er zeigt mir verschieden große Bäume.
„Dat sind abba auch die Letztn, die ich hab“
„Okay. Nicht schlimm. Ich nehm den da“ ich zeige auf den größten und schönsten, die er mir gezeigt hat.
„Gut. Dat macht dann 10 Euro“
„Jap“ ich zücke mein Portmonee.
„Sagen se, ist dat hier in Berlin eigentlich Brauch?“
„Was denn?“
„Na, dat hier alle Leute aufn letzten Drücka nen Baum kaufen“
„Wieso?“
„Na, da wo ich herkomm, also im Ruhgebiet in Bochum, da kaufn die Leute viel früha ihren Baum. Da gibbet keine Drängelei am letzten Tach.“
„Hm…vielleicht ist hier die Mentalität anders?“ versuche ich sein Problem zu erklären.
„Ja, mag sein“ er lässt den Baum durch eine Maschine fahren, die ihn benetzt. „Naja, dafür mach ich hier nochma richtig Kohle“
„Warum kommen sie denn ausgerechnet nach Berlin?“ frage ich den Herren, während ich mein Kleingeld zähle. Schieße Gretchen das hast du davon, wenn du nie zur Bank gehen willst.
„Na weil ich doch sons meine Bäume nich wegkrich. Dat is schwer, wissen se? Und da stell ich mich doch lieba hier inna Eiseskälte hin und verkauf die Dinga, als minus zu machen“
„Okay, da haben sie natürlich recht“
„Ja, und dann kommen so Singles wie sie und kaufn am letzten Drücka noch nen Baum“
„Naja, ich bin ja kein Single“
„Ach, erzähln se mir doch nix.“
„Wie sie wollen“
„Hömma, ich kann den Leuten anna Nasenspitze ansehn, wat se sind“
„Na, wenn sie meinen“
„Ja, naja dat macht dann 10 Euro, hab ich schon gesacht?“ ich nicke und gebe ihm das Geld.
„Danke“ sagt er und schiebt es sich in die Hosentasche. „So und dann mal viel Spaß mit dem Single Baum“ lacht er.
„Haha, ich bin KEIN Single und ich werde Weihnachten nicht nur mit meiner Familie und meinen FREUND feiern, sondern auch mit meinem ungeborenen Kind!“ rufe ich.
„Ja, dat sagen se alle…“
„Und schöne Weihnachten und nen guten Rutsch, wa?“
„Danke, ihnen auch“ sage ich genervt.

Genauso genervt laufe genervt zum Auto. So ein unfreundlicher Typ. Will doch nur Geld machen. Und beleidigt dann auch noch seine Kunden. So eine Frechheit!
Ich verstaue den Baum irgendwie in den Kombi meines Vaters und fahre los.
Leider fahre ich wohl etwas schnell, was ich ehrlich gesagt gar nicht so merke, das Auto ist so groß und so. Naja, jedenfalls erscheint irgendwann am Straßenrand ein Blitz. Na super. Wurde ich auch noch geblitzt zur Feier des Tages hier und heute.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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21.12.2009 18:07
#174 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Am Abend sitzen wir wie jedes Jahr alle gemeinsam im Wohnzimmer und singen Weihnachtslieder. Mein Vater hat sich sogar sein bestes Hemd herausgekramt und seine Weihnachtsmannmütze aufgesetzt. Jochen und ich stimmen irgendwie zum Gesang dazu bei und am Ende freuen sich alle.
Dann gibt es Geschenke.
Meine Eltern kriegen von mir einen Kino-Gutschein für Verliebte. Dazu noch einen speziellen Tee für meine Mutter und ein Massagekissen für meinen Vater.
Jochen kriegt ein Videospiel für seine Konsole. Tzz, ist doch immer noch ein Kind.
Meine Oma kriegt von uns allen eine Urlaub an der Ostsee gesponsert. Natürlich in einen Kurort und natürlich nur das Beste für sie.
„Och, das ist aber wirklich lieb von euch!“ freut sie sich.
„Dann kommt ihr mich aber auch mal besuchen, ja?“ fragt sie uns alle und im Besonderen Jochen und mich.
„Natürlich, Oma!“ lächle ich. Sie freut sich noch mehr und drückt mich.

Nach der Bescherung gibt den Braten. Meine Mutter hat sich natürlich wie immer ganz viel Mühe gegeben, damit es uns allen auch so richtig schmeckt und wir uns so richtig schön den Bauch vollschlagen können. Wie gut, dass ich das ja jetzt inoffiziell sogar darf!
„Sag mal Greti, dann kommst du mich bestimmt auch mit deinem Freund besuchen, was?“ fragt Oma mich. Mir bleibt die Bohne im Halse stecken.
„Sie hat keinen“ antwortet meine Mutter für mich. Danke Mama!
„Ja leider“ gebe ich noch mein Beileid dazu.
„Ach, das ist aber schade. Und dabei dacht ich, ich wird bald Uroma!“
„Leider muss ich dich enttäuschen“
„Aber der Jochen hat doch bestimmt ein nettes Mädchen, was?“
„Tzzz…als würde der ne richtige Beziehung führen“ wettere ich.
„Was? Nur weil du selbst nichts hinkriegst?“ er sieht mich fies an.
„Naja, wir werden dann ja mal weitersehen, was?“
„Genau! Wir werden weitersehen….vielleicht gründe ich sogar noch vor dir eine Familie!“
„Tzzz…natürlich“
„Wer weiß“
„Genau“
„Eben“
„Ja“
„Aber du darfst ja jetzt sogar offiziell mehr essen, was?“ er sieht mich grinsend an. Was? Weiß er etwa bescheid?
„Waaas?“ zische ich hin an.
„Na, du weißt schon“ er schiebt sich grinsend noch ein Stück Rehbraten in den Mund.
„Du mieser kleiner Fiesling!“
„Ich bin auch ganz brav und erzähls keinem weiter“ flüstert er mir zu.
Ich esse genervt weiter.
„Greti, du wirst schon noch irgendwann irgendwen finden!“ heitert mich meine Oma auf. „Irgendwo lauert immer der Richtige!“
„Ja, Oma, wers glaubt“
„Ach, Margret, ich hab sie doch jetzt sogar schon bei einer Partnervermittlung angemeldet, da hat sich doch auch noch niemand gemeldet!“
„Du hast WAS?“ rufe ich erschüttert über den gesamten Tisch.
„Ja, ich dachte, irgendwie muss ich dir ja helfen“
„Bei einer Partnervermittlung?“
„Ja, ich dachte, da findet man vielleicht schneller was. Du gehst doch auch gar nicht mehr raus! Bist doch nur arbeiten! Da kann man doch auch keinen Mann kennenlernen!“
„Mama, ich bin Ärztin, ich habe keine Zeit!“
„Ja, deswegen ja! Und per Internet, das ist doch heutzutage so modern! Ist auch extra eine Elite-Vermittlung, da sind fast nur Akademiker!“
„Ich bin wirklich sprachlos, das ist echt ohne Worte Mama“ sage ich. Der Appetit ist mir zugleich auch vergangen. Ich lege mein Besteck hin.
Dann stehe ich auf und laufe wütend die Treppe hinauf. Die können mich doch alle mal!
„Wo willst du denn hin?“ ruft mir meine Mutter hinterher.
„Da, wo DU nicht bist!“ rufe ich runter und knalle die Tür hinter mir zu.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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21.12.2009 20:13
#175 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Heulend sitze ich in meinem Zimmer. Hm, toll. Der Abend ist ja jetzt komplett ruiniert! Was hat meine Mutter sich eigentlich dabei gedacht, mich bei einer Partnervermittlung im Internet anzumelden? Ich melde sie ja auch nicht beim Hausfrauen-Treff an oder bei Tuppa-Partys an.

Hmpf. Was bleibt mir noch anderes übrig, als ihnen endlich die Sache mit Marc und mir zu erzählen? Und am besten auch gleich die Sache mit dem Baby. Dann ist es zumindest raus und ich fühl mich nicht mehr so eingeengt. Denn das ist wirklich unschön sich Tage, ja schon fast Wochenlang vor etwa zu drücken, was womöglich gar nicht mal so schlimm ist. Was eigentlich das Normalste auf der Welt ist. Dem Partner zu sagen, dass man ein Baby kriegt. Den Eltern zu sagen, dass man doch einen Freund hat. Dass dieser sogar immer noch Marc Meier ist (oder schon wieder?). Weiß nicht. Wieso drücke nur ich mich davor?
Während ich so nachgrüble blinkt mein Laptop auf.
„Sie haben eine neue Nachricht!“
Bitte was? Ich hab doch gar keine E-Mails verschickt! Und außerdem, wieso ist der überhaupt an? Ich habe ihn nicht angemacht!
Ich klappe das Teil auf und sehe das E-Mail-Zeichen aufblinken. Ich klicke auf Posteingang.
Von „George_Clooney74“, Betreff „Möchte dich mal kennenlernen!“.
Jetzt dämmert es mir! Meine Mutter war die ganze Zeit während ich bei Marc war an meinem Laptop und hat mein Dasein im Internet aufgebaut!
Möglicherweise bin ich auch noch bei Facebook, Studivz und Stayfriends…
Ich öffne dennoch die Mail, weil es mich ja irgendwie schon brennend interessiert, was mir George Clooney zu sagen hat.

Hallo schöne Dame,
ich habe schon des Öfteren aufmerksam ihr Profil angesehen und muss sagen, sie scheinen eine ziemlich interessante Frau zu sein! Sie sind Chirurgin? Das ist ja fantastisch! Und das schon bei dem Alter! Sie sind ja ein richtiger Überflieger!
Außerdem stimmen unsere Interessen auch total überein. Ich mag die Stones genauso sehr, wie sie! Lesen ist meine Leidenschaft und ich liebe es alte Filme anzusehen…
Würde mich freuen, wenn sie antworten, dann könnten wir ja vielleicht ein Treffen ausmachen? Ich würde Sie so gerne mal kennenlernen…

Viele weihnachtliche Grüße hübsche Ärztin,

Dein George Clooney!

Ahhhhhhhhh! Was ist das denn für ein Schleimer? Will mich kennenlernen, weil uns die gleichen Sachen interessieren? Irgh. Das ist ja langweilig! Wer will schon mit jemanden zusammen sein, der das gleiche mag? Da gibt es ja gar keine Reibereien!
Außerdem, wer hat gesagt, dass ich die Stones mag? Meine Mutter mag die vielleicht, aber ich bin nicht so scharf darauf, Mick Jagger als alten Opi auf der Bühne herumspringen zu sehen! Und Chirurgin bin ich doch auch noch gar nicht!
Trotzdem würde mich ja doch gerne interessieren, was meine Mutter da so geschrieben hat auf mein Profil…
Ich klicke auf die Verlinkung in meiner Mail.

Name: Margarethe Haase
Spitzname: Gretchen
Alter: 29
Wohnort: Berlin-Charlottenburg
Beruf: Chirurgin
Hobbys: Lesen, Reisen, Feiern, Musik hören, alte Filme…
Mein Traumtyp: groß, muskulös, kurze Haare, blaue Augen….
Das geht gar nicht: rasierte Männerbeine, Harald Schmidt, Muttersöhnchen

Bitte was ist das? Spinnt die jetzt völlig, oder was? Was bildet die sich eigentlich ein? Sie gibt mich als eine völlig falsche Person aus!
Ich bin weder 29, noch Chirurgin, noch liebe ich Feiern und alte Filme und mein Traumtyp sollte NICHT zu muskulös sein, das ist ja widerlich! Wie sehe ich denn dagegen aus?
Kurze haare…naja, mehr Marc-Style wär schon gut.
Das einzige, was stimmt sind die rasierten Männerbeine. So was kann ich gar nicht ab. Aber der Rest, Schwachsinn hoch fünf!

Wütend klappe ich das Laptop wieder zu. Dann stehe ich auf und suche mein Handy. Och man, wo hab ich das denn jetzt schon wieder hingetan? Es lag doch vorhin noch da!
Ich suche eine Viertelstunde bis ich es endlich in meinem Bett finde.
Ich wähle die Kurzwahl 2 für Marc. Die 1 ist immer der Pizzabote. Der ist so süß.
„Schatz? Was ist denn?“ begrüßt mich Marc eher weniger erfreut.
„Marc, ich kann nicht mehr! meine Mutter macht mich wahnsinnig!“
„Was hat sie denn nu schon wieder gemacht?“
„Ach, egal. Du musst mir helfen!“
„Und wie?“
„Kann ich jetzt schon zu dir kommen?“
„Gretchen! Wir hatten gesagt 22 Uhr! Es ist gerade mal 21.15 Uhr! Ich hab noch keine Zeit“
„Hm,…klingst aber nicht so beschäftigt“
„Ja, weil ich gerade telefoniere!“
„Tschuldige“
„Sei bitte nicht sauer, aber ich bin noch nicht fertig, okay?“
„Womit denn?“
„Na, das wirst du dann ja sehen!“
„Hmmmm….“
„Boah von mir aus, dann komm halt schon vorbei!“ seufzt Marc.
„Echt? Oh, du bist sooooo süß Marci-Boy! Ich bin gleich da!“ schnell lege ich auf.

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