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Dieses Thema hat 207 Antworten
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 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
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.shinyshoes ( gelöscht )
Beiträge:

11.11.2009 23:47
#76 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

„Marc?“ so müde, es ist doch noch mitten in der Nacht, oder?
„Ja?“ murmle ich mit geschlossenen Augen.
„Maharc!“ ich schrecke auf.
„Was ist denn?“
„Morgen!“ Gretchen gibt mir einen Kuss. „Willst du Schokocroissants oder doch lieber normale Brötchen?“
„Was nimmst du?“
„Oh, Marc, was wohl?“
„Ja ,dann nehm ich das auch!“


Im Krankenhaus haben Gretchen und ich heute leider nur wenig OPs. Obwohl, ich könnte ja auch etwas an dem OP-Plan ändern….
„Dr. Meier!“ oh ne, der Rotschopf.
„Jap“
„Sagen sie, wissen sie zufällig wo Schwester Stefanie steckt?“
„Oh, glauben sie mir, da wollen sie nicht hin!“
„Tja, muss ich aber!“

„Marc, Schatz, kannst du mal bitte“ Gretchen bleibt stocksteif stehen. „Ups!.
„Was, ihr beide?“ fragt Dr. Daniel sofort.
„Äh, hm, uh“ ist alles, was wir darauf zu sagen haben.
„Seit wann?“
„Noch nicht lange“ sagen Gretchen und ich synchron.
Na toll, dann ist es eben raus. Ist sowieso nur besser so. Ich wollte es ja nicht geheim halten, das wollte Gretchen.
„Was ein Wunder!“ freut der sich jetzt etwa?
„Tja, manchmal passieren ja Wunder“ plaudert Gretchen drauf los.
„Ja, manchmal“
„Ja, hihi“
„Hätte ich ja nicht gedacht, dass du noch mal deine große Liebe heiraten wirst!“
„Naja, wir müssen ja nicht gleich von heiraten sprechen, was?“
Das werde ich sowieso nie wieder tun!
„Naja“ Rupert guckt betreten zu Boden.
„Ich jedenfalls freu mich sehr für euch beide!“
„Danke!“
„Ach, und bei Tanja und mir ist übrings Schluss“
„Ooooohhhh, das tut mir leid!“ sage ich getroffen. Bin ich zwar nicht. Aber immer schön Mitgefühl zeigen.

„Boah Marc, das glaube ich ja jetzt wirklich nicht! Die beiden sind auseinander! Dabei waren die schon eine halbe Ewigkeit zusammen! Sozusagen ihr halbes Leben!“
„Tja, manche Menschen haben so ein langweiliges Leben“
„Wie bitte? Du nennst eine glücklichen, intakte Beziehung langweilig?“
„Naja, Schatz, ich bitte dich! Mit Anfang 20 habe ich noch nicht über Hochzeit und Kinder und all die Zukunftsängste, äh, Freuden, nachgedacht!“
„Ja, du vielleicht nicht.“
„Du?“
„Ja, schon. Frauen tun so etwas gelegentlich auch schon mit 20. Manchmal“
„Ja, und Männer gehen eben lieber saufen“
„Ach Marc, denkste das weiß ich nicht?“
„Nein?“
Gretchen zischt beleidigt weg.

„Gretchen! Jetzt warte doch mal!“ ich hallte sie fest. „Ich will doch nicht mit dir streiten!“
„Dachtest du jetzt, ich wäre beleidigt?“ sie kichert.
„Ja?“
„Tja, manchmal täuscht du dich halt!“
Ich küsse sie und drück sie gegen ihren Spind hinter ihr.

In diesem Moment kommt Frau Hassmann. Ohje, scheiße! Schnell lassen wir wieder voneinander los.
„Na, wieder Zärtlichkeiten austauschen? Man kann ja nie genug Liebe bekommen, was?“
„Ähm“ stottere ich.
„Machen sie ruhig weiter! Ich hab da kein Problem mit! Jetzt, wo Dr. Kaan wieder frei ist!“
Mehdi ist frei? Hat er mir ja gar nicht erzählt. Gut, ich hab ihm ja auch nicht von Gretchen und mir erzählt.
„Sagen sie mal Dr. Meier, haben sie schon die Ergebnisse aus der Pädiatrie von dem kleinen Mädchen, das angeblich eine starke Gehirnerschütterung hatte vor einem halben Jahr und das immer noch Kopfschmerzen plagen?“
„Äh, nein“
„Gut.“
„Oder hast du die Sch…äh, Gretchen?“ Gretchen guckt mich verwirrt an.
„Nein?“ mischt sich plötzlich wieder Frau Hassmann ein.
„Sie beide? Jetzt im ernst? Oder ist das nur wieder eine ihrer kurzwöchigen Affären?“ Gretchen und ich stehen da, wie zwei begossene Pudel. Wissen keine Antwort.
Sagen oder nicht? Wobei, Dr. Daniel weiß es ja eigentlich auch schon.
„Ja! Wir sind jetzt zusammen!“ beendet Gretchen plötzlich die peinliche Stille.
„Viel Glück wünsche ich ihnen dann mal!“ Maria geht zur Tür. „Und Meier, ich rate ihnen: besorgen sie sich genügend Hobbies, so eine lange Ewigkeits-Beziehung mit Liebe für immer und so kann auf Dauer echt zur langweiligsten Routine ever werden! Suchen sie sich Hobbies, Freunde oder Frauen. Das hilft, sage ich ihnen. Wenn nicht, fragen sie mal meinen Ex!“
Sie schwirrt ab.
„Sag mal, hat die das gerade wirklich gesagt?“
„Ja?“
„Hassmann wurde hintergangen! Ha, nicht nur Frauen wie ich, sondern auch solche karrieregeilen Biester, wie die Hassmann werden von ihren Männern betrogen!“
Gretchen gibt mir zur Freude noch einen Kuss und verschwindet im Schwesternzimmer bei Sabine.
Ach verdammt, jetzt werde ich natürlich zu einem Notfall gerufen. Dabei hätte ich noch bis viertel nach 1 Pause.

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Suchst du mich, dann such ich dich. Ist die Versuchung groß genug?

.shinyshoes ( gelöscht )
Beiträge:

11.11.2009 23:47
#77 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Als ich am Schwesternzimmer vorbei gehe, kriege ich zufällig ein Gespräch zwischen Gretchen und Sabine mit.
„Und dann meinte mein Vater wie immer, mit der Geschichte von Mama und ihm angeben zu müssen!“
„Was ist das denn für eine Geschichte? Ist sie schön?“
„Glauben sie mir, sie ist sogar sehr schön! Zum heulen schön!“
„Ehrlich?“
„Fast so schön, wie ein Elke Fischer -Roman. Nur eben noch romantischer! Mit mehr Pathos und so!“
„Oh Gott! Dr. Rogelt lebt! Ahhh!“ sie quietscht vor sich hin. Tzz, typisch Sabine.
„Jedenfalls durfte ich mir dann die Story anhören, wie mein Vater meiner Mutter seine unendliche Liebe gestanden hat. Am Spreeufer kurz vor Spandau oder so“
„Ohhh!“ die kriegt ja gleich Tränen in die Augen!
„Das ist aber wirklich wunderschön. Und bei ihnen war es nicht so schön? Hat denn Doktor Meier immerhin gekniet?“
„Also Sabine, ich weiß ja nicht, wie sie sich so einen Gefühlsausbruch mit Liebe und Gefühlen gestehen oder so vorstellen, aber ich denke, da muss man nicht extra auf die Knie gehen!“
„Ich dachte, das wäre doch so…“
„Ja, in ihren Träumen vielleicht!“
„Nein, bei Dr. Rogelt. Aber egal, Frau Doktor! Was jetzt viel wichtiger ist, war es bei Marc schöner, als bei den anderen?“
„Der Moment kurz vor dem entscheidenden Kuss? Klar! Ich meine, ich bitte sie, Peter stand im Ausgang der Kardiologie, als er mir seine Liebe gestand. Mein Exfreund aus jungen Jahren stand bei McDonalds. Und Alexis? Tja, Alexis stand mit mir vor einem gefakten Altar irgendwo in Vegas! Da hatte Marc mit seiner eigenen Couch in seiner eigenen Wohnung schon die klassischere Variante gewählt!“
„Das ist ja unfassbar!“ Sabine strahlt immer noch im ganzen Gesicht.
„Wie man es sieht. Jedenfalls bin ich glücklich. Das ist die Hauptsache!“
„Glauben sie, Frau Doktor, es wäre noch schöner, wenn Marc Meier auch am Spreeufer mit ihnen gestanden hätte? Wären sie dann glücklicher? Oder nicht?“
„Weiß nicht. Denke nicht. Auf den Inhalt kommt es ja an und nicht auf das wie, außerdem weiß er ja nichts von der Geschichte und ich wage mal zu bezweifeln, dass er so romantisch veranlagt ist, dass er auf die Idee kommt! Schade eigentlich!“


Okay, okay, okay, Spreeufer also? Ach, ich will doch nicht Gretchens Vater nachahmen! Reicht schon, dass ich Golf spiele.
Mit Gretchen ist es auch so toll. Da brauche ich doch kein Spreeufer oder irgendeinen Sonnenuntergang. Da brauche ich auch keine Kappelle, die im Hintergrund „unser“ Lied spielt. Da brauche ich echt nichts von.

„Ja, wissen sie, das ist jetzt nicht so eine große Sache, da wird Doktor Kaan schon eine ordentliche Untersuchung machen und dann haben“
„Hey Schatz“ ich küsse Gretchen auf den Mund und freue mich, sie wieder zu sehen.
„Marc Olivier!“ scheiße. Nein.
„Mutter?“ sie steht völlig aufgewühlt neben mir. Ich hab die echt nicht gesehen!
„Sag, dass das nicht wahr ist!“ ich sehe schon den typischen Blick meiner Mutter, wenn sie mich mit Frauen zusammen sieht.
„Was ist das?“
„Mutter, bitte sprich von fremden Menschen nicht immer in der 3. Person!“
„Bitte sag mir erst, was das ist!“
„Mama, das ist Gretchen, Gretchen, das ist meine Mutter. Ihr kennt euch ja bereits“
„Und?“
„Na was und?“
„Wie lange hält das jetzt wieder? So einen dicken Rollmops, also Marc Olivier, du hast doch wirklich bessere verdient! Als so etwas?“
„Mutter! 1. das ist Gretchen, meine Freundin. 2. sie ist NICHT dick und 3. nenn mich verdammte scheiße noch mal NICHT MARC OLIVIER!“
„Du ähnelst schon so sehr deinem Vater!“

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.shinyshoes ( gelöscht )
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11.11.2009 23:49
#78 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

In diesem Moment wird der wohl größte Alptraum zu einem noch viel, viel schlimmeren Alptraum. Ein mutierter Alptraum.
„Hallo, Gretchen! Na, du sag mal, hast du den Papa gesehen?“
„Nein, Mama?“
„Ach, Frau Fischer! Sie sind ja auch hier!“ meine Mutter guckt Frau Haase angewidert von der Seite an.
„Ja, Untersuchung“
„Ach, untersuchen sie neuerdings das Liebesleben ihres Sohnes? Haha, ich hab das ja auch schon mitbekommen, das ist doch einfach nur wunderschön, oder? Zu schön!“
Was hat denn Gretchens Mutter auf einmal? Gestern hieß es doch noch, sie währt sich gegen unsere Beziehung!
„Ja, so…wunderschön“ stimmt meine Mutter nicht wirklich zu.
„Ach Herr Dr. Meier, so sie gerade schon mal hier sind: sie sind natürlich morgen Abend bei uns eingeladen, zum Essen! Ich koche extra Braten! Mögen sie auch Rindfleisch?“
„Mama, es gab die letzten 3 Tage schon Braten!“ regt sich Gretchen auf.
„Ja und? Ist eben gerade im Angebot“
„J…ja“ antworte ich leise.
„Also kommen sie?“
„Marc Olivier, du gehst da nicht hin!“ mischt sich jetzt auch noch meine Mutter ein.
„Ach, Frau Fischer, jetzt machen sie mal halblang! Ihr Sohn ist doch alt genug, um sein Leben zu planen und zu bestimmen, wo er morgen Abend essen wird!“
„Ja, das sagen sie so“
„Ja, man will ja eigentlich nur das schönste und beste für die Kinder, was? Und wenn die Kinder dann auch mal ihr Glück finden und vielleicht sogar bald eine kleine Familie sind, dann ist man doch auch glücklich. Wenn dann nebenbei auch noch das eigene Liebesleben stimmt, dann ist sowieso alles perfekt!“
„Es ist nie alles perfekt!“ weist meine Mutter auf ihr Schicksal hin.
„Ja, wie dem auch sei, sie sind also da Herr Meier?“
„Marc, Mama, er heißt Marc und ich denke, du kannst ihn auch duzen, nicht wahr, Schatz?“
„Klar! Marc“ ich gebe ihr meine Hand. Meine Mutter guckt ganz verdutzt.
„Bärbel!“ sie kichert.
„Also dann!“
„Wo ist jetzt Doktor Kaan, Marc?“ wow, endlich nennt sie mich mal Marc und nicht MARC OLIVIER.
„Ach, Frau Fischer, sie können natürlich auch gerne kommen. Sie sind herzlich eingeladen! Wir können doch den ganzen Mist aus der letzten Zeit einfach mal vergessen, nicht wahr?“
„Sie vielleicht!“
„Ja, jetzt wo die Kinder da sind!“
„Marc ist schon 32 Jahre da und sie nur ein paar Monate! Ich frage mich, wer jetzt gehen muss!“
„33 Mutter!“
„Was?“
„Ich bin 33!“ dass sie aber auch immer wieder meinen Geburtstag vergisst!
„Ja natürlich!“
„Also ich muss sagen, ich verstehe sie gar nicht Frau Fischer, wenn sie so in Rätseln sprechen?“
„Ja, das liegt daran, dass sie nicht studiert haben!“
„Naja, dafür habe ich aber andere Qualitäten!“
„Natürlich. Am Herd“
„Genau. Also was ist? Kommen sie nun?“

Nach einer geschlagenen Viertelstunde verlassen unsere Mütter endlich das Krankenhaus. Keine Ahnung, wie das noch ausgeartet wäre, wenn unsere Väter noch dazu gekommen wären. Oder zumindest der Professor!

„Ach Marc, ich bin richtig glücklich mit dir“ sagt mir Gretchen am Abend, als wir kuschelnd im Bett liegen.
„Ich auch“
„Weißt du, wieso konnte das noch nicht früher der Fall sein?“ fragt sie mich. Irgendwie wirkt sie dabei so….naja…so philosophisch.
„Weiß nicht. wahrscheinlich, weil immer etwas dazwischen kam“
„Ja, aber ich meine. Wieso haben wir das nicht schon früher erkannt, dass da doch etwas zwischen uns ist?“
„Naja, ehrlich gesagt du hast das ja schon sehr früh erkannt, was?“
„Toll. Aber was nützt mir die Liebe in Gedanken?“
„Wenn es eben Liebe auf Umwegen sein sollte?“
„Klar, also brauchte Liebe doch Ferien?“
„Naja, Romeo und Julia haben ja auch nicht sofort zueinander gefunden“
„Ach und Hally und Sally?“
„Komm solange wir nicht schlaflos in Seattle sind!“
„Maharc! Du bist doch mein Johnny!“
„Ja, und du meine Pretty Woman!“
„Ach, sind wir jetzt bei der Braut, die sich nicht traut?“
„Naja, du warst ja die Braut, die sich getraut hat. Lass uns doch einfach lieben und lassen“
„Gerne! Wo denn? Über den Dächern von Nizza?“
„Nein, auf der Titanic!“
„Okay, komm, genug geschwafelt, lass mal lieber was Anständiges machen, was uns auch weiterbringt!“
Ich küsse sie. Wir rollen uns über mein Bett.

„Gute Nacht Schatz!“ haucht mir Gretchen ins Ohr.
„Warte!“ ich springe auf.
„Was ist denn jetzt los?“
„Mir ist gerade was eingefallen! Das dauert auch nicht lange, aber“ ich springe auf und durchwühle meine CD-Sammlung im Regal. „Wir haben doch noch gar kein Lied!“
„Marc, es ist 3.45 Uhr!“
„Mir doch egal! Ich will dir jetzt ein Lied vorspielen!“
„Kann das nicht bis morgen warten?“
„Nein, das muss jetzt sein!“
„Oh, du kannst so stur sein!“
„Und du so unglaublich süß, wenn du müde bist!“

Zehn Minuten später halte ich sie in den Händen. Die CD, die das Lieblingsliebeslied, aller männlichen Lieblingsliebeslieder beinhaltet. Also zumindest Liebeslieder, die Marc Meier gerne hört.
„Das hier ist die CD mit dem Lied drauf!“
„Ja, dann mach aber schnell, ich schlaf sonst gleich ein!“
„Okay“
Ich lege die CD ein und schalte Play.

Aus den Boxen erscheint das Lied, das ich meine.

http://www.youtube.com/watch?v=TLJmsQMfjbg

show me
show me
show me
how you do that trick
the one that makes me scream
she said
the one that makes me laugh
she said
and threw her arms around my neck

show me how you do it
and i promise you
i promise that i'll run away with you
i'll run away with you

spinning on that dizzy edge
i kissed her face and kissed her head
and dreamed of all the different ways i had
to make her glow
why are you so far away?
she said
but won't you ever know that i'm in love with you?
that i'm in love with you?

you
soft and only
you
lost and lonely
you
strange as angels
dancing in the deepest oceans
EXISTING in the water
you're just like a dream...
you're just like a dream...

daylight licked me into shape
i must have been asleep for days
and moving lips to breathe her name
i opened up my eyes
and found myself alone
alone
alone
above a raging sea
that stole the only girl i loved
and drowned her deep inside of me

you
soft and only
you
lost and lonely
you
just like heaven



Ist zwar nur das Cover, aber merkt Gretchen schon nicht.
„Genauso fühle ich mich, Gretchen, verstehst du?“
„Das ist wunderschön Marc“ murmelt sie und schläft ein.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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12.11.2009 21:36
#79 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen

„Also Mama, ich weiß ja wirklich nicht, wieso du ausgerechnet heute dieses dämliche Abendessen angeordnet hast?“
„Ach Gretchen, ich will doch nur deinen Freund besser kennenlernen“
„Natürlich. Weißt doch eh schon genug über ihn, hab schließlich mein halbes Leben über ihn geredet. Also warum brauchst du ihn dann noch kennenlernen? Du magst ihn doch sowieso nicht!“
„Ach, jetzt spinnst du aber! Ich fand ihn doch schon damals sehr nett, als du schon mal mit ihm zusammen warst. Ich denke, ihm fehlt eine eigene Familie, hab ich recht?“
„Ach und deswegen willst du ihn bekochen?“
„Nein, ich bekoch ja nicht nur ihn! Papa und du, ihr seid doch auch noch dabei“
„Mama, du verstehst echt gar nichts!“
Ich räume demonstrativ meine Wäsche weg, damit sie diese nicht wieder sofort in die Waschmaschine steckt.
„Ach Gretchen, ich hab sogar deinen Lieblingspudding gemacht heute! Extra für den Anlass!“
„Das ist lieb, Mama! Danke! Aber kannst du jetzt bitte gehen, ich würde mich schon gerne noch ein bisschen fertig machen“.
Sie verlässt endgültig den Raum und ich kann den Tag auch mal für mich nutzen.

Wie dämlich das doch ist, dass jetzt doch alle bescheid wissen im Krankenhaus. Dabei wollte ich das ganze noch soooo lange geheim halten. Bis zur Hochzeit oder so.
Achtung, Achtung! Gehirn an Gretchen: Marc Meier ist immer noch der gleiche Marc Meier, auch wenn er dich liebt! Sein Denken wird sich deinetwegen nicht großartig verändert haben! Seine Prinzipien sind immer noch gleich, außer dass er jetzt vielleicht ein bisschen ruhiger in Sachen Frauen geworden ist. Seine Wünsche und Träume ebenfalls. Seine Lebensphilosophie wird sich also deinetwegen nicht geändert haben und das ist auch der Grund, warum er Hochzeiten immer noch strikt ablehnt! Hat man ja gesehen, was bei seinen Hochzeitsvorbereitungen raus kommt. Nichts. Gut, er wollte Gabi ja auch schließlich nicht heiraten, aber trotzdem. Er hat ihr ja den Antrag gemacht!

Mensch Gretchen, jetzt machst du dir wieder so lange Gedanken, bis Marc dich wieder verlässt und dann fragst du dich, was du falsch gemacht hast.
Okay, ich werde jetzt also optimistisch denken! Marc ist schließlich mein Traummann!
Wieso habe ich nicht schon von Anfang an so gedacht? Ich bin schließlich mit dem Mann meiner Träume liiert, dem Mann, der meine gesamte Jugend verfolgt, belagert und den ich nie vergessen habe, den Mann, der mir seine Liebe gestanden hat, der Mann, der mich so liebt, wie ich bin, der Mann, den meine kleinen Macken nicht zu interessieren scheinen, der Mann, der wegen mir sogar immer Schokolade im Haus hat!

„Gretchen? Bist du fertig?“ ruft meine Mutter hoch. Jaha, man darf doch wohl noch auf Toilette gehen!
„Jaha!“ rufe ich die Treppe hinunter.
Wie eine einzige Frau so viel Hecktick verbreiten kann.
„So, hier ist der Salat, stellst du den bitte mal auf den Tisch? Und hier steht dein Lieblingspudding mit deiner Lieblingsvanillesouce!“ sie grinst mich an. Irgendwie kann ich Stolz in ihren Augen erkennen.
„Ach Margarethe, ich bin ja so stolz, dass du endlich wieder jemanden gefunden hast!“
„Naja, gestern hat sich das ganze aber noch anders angehört“
„Ach, vergessen wir den ganzen Mist mit Meier, wenn er dich jetzt gerade glücklich macht, dann macht mich das auch glücklich!“
Marc hat mich eigentlich schon mein halbes Leben glücklich gemacht. Wenn ich mit ihm zusammen gewesen wäre. Ich erinnere mich noch auf den Tag genau, als meine beste Freundin Gigi, ja, die Gigi, die mit Marc rumgemacht hat, zu mir kam und mir erzählt, dass sie zum ersten Mal geknutscht hat.
„Es war ja soooo ober geil!“ schwärmte sie damals. Ich dachte mir nur so „Okay“.
Als meine zweite beste Freundin Kathrin zu mir kam und mir von ihrer Eroberung erzählte und den ganzen Lippenberührungen, dachte ich mir „Gut“.
Als dann allerdings ein weiteres Jahr später eine weitere gute Freundin von mir – eigentlich könnte man sie auch schon Spätzünder nennen – zu mir kam und mir von ihrem Kuss mit Georg erzählte, spürte ich die Wut in meinem Bauch, den Hass auf alle Männer dieser Erde und die Traurigkeit, die sich in mir breit machte. Ich brüllte sie damals an: „Fickt euch doch mit eurer Rumgeknutscherei! Haltet euch doch für was Besseres! Mir doch egal! Ich hab Marc!“.
Das war es eben. Ich hatte nämlich nicht Marc. Vielleicht in meinen Gedanken. Da waren wir ja schon seit meinem 13. Lebensjahr zusammen und haben alles erlebt, was man eben bis zu seinem 17. Lebensjahr so erlebt haben muss. Aber in Wirklichkeit?
Hm. Die Realität sah leider anders aus.
Naja, immerhin lernte ich zwei Jahre später dann auch endgültig meinen ersten richtigen Freund kennen. Hey, immerhin: wir waren zwei Jahre zusammen!
Und dann lernte ich Peter kennen. Peter, der Medizinstudent im 6. Semester an der Kölner Uni. Wie himmlisch. Meine Zukunft sollte an diesem Tag als er mich zum ersten Mal vor der Kardiologiestation küsste, anfangen. Aber sie endete. In einem Fiasko – der Rest ist bekannt!

Also so gesehen war ich ja eigentlich doch nie im Glück. Ich konnte nie vor meinen Freundinnen mit einem Mann, einer glücklichen Beziehung oder einer Hochzeit angeben. Geschweige denn mit einer Schwangerschaft! Alle meine Freundinnen, die mit mir zur Schule gingen, ausgenommen Gigi, sind inzwischen glückliche Mütter und haben sich nicht nur einmal den höllisch schönen Strapazen einer Schwangerschaft unterzogen.
Ach, wie gern würde ich das auch einmal von mir behaupten können. Aber so ist das Leben. Eben mein Ponyhof. Hier kann man sich nicht einen Mann aussuchen, so wie auf dem Ponyhof ein Pferd. Man kann nicht machen, was man will, mit diesem Mann. So wie man auf dem Ponyhof hinreiten kann, wo man will. Man kann auch nicht einfach bestimmen, dass man jetzt heiratet, ein Kind bekommt und für den Rest des Lebens ab 30 zusammen bleibt. Man kann auch nicht den Mann wieder zurückgeben, wenn man ihn nicht mehr will. Ohne Schmerz, Wut und Trauer. So wie auf dem Ponyhof. Da kann man jedes Pferd nach 1 ½ Stunden reiten wieder zurückgeben.

Aber ich habe ja jetzt Marc. Ich müsste mich eigentlich als glücklich ansehen. Immerhin ist Marc meine Jugendliebe.
Ich kann eigentlich jedem Stolz erzählen „Wir kennen uns noch von früher“ und die Immobilienmaklerin, die uns unsere zukünftige Eigentumswohnung zeigt, wird kichern und sich an ihre eigene Jugend zurückerinnern. Und dann wird sie feststellen, dass auch sie diese eine Jugendliebe hatte. Sie wird sich in ihr Auto setzen, nach hause fahren, ihren Rechner oder Laptop anschmeißen, seinen Namen bei diversen Internetportalen wie Google, Stayfriends, Go Yellow, Facebook, Mypsace oder MeinVz eingeben und ihn irgendwann finden. Dann wird sie ihm eine Nachricht schicken, ob sie sich nicht mal wieder treffen möchten. Dann würden sie ein Treffen verabreden. Er würde ihren Kaffee mitbezahlen, weil er ja der Gentleman ist, den sie nie haben konnte. Irgendwann würden beide auf das Thema „Beziehungen“ zu sprechen kommen und feststellen, dass sie eigentlich beide längst an ein anderes Herz vergeben sind. Aber dennoch spüren sie diese Wärme und Geborgenheit, die sie verbindet, wenn sie zusammen sind. Er wird nach hause kehren, seiner Frau – die sich natürlich noch bei ihrer wöchentlichen Yogastunde befindet – eine SMS schicken, seine Koffer packen und mit der einen Frau spontan in die Stadt fahren, wo sie sich zum ersten Mal kennengelernt hatten. Sie würden sich ein paar schöne Tage machen und irgendwann feststellen, dass sie sich eigentlich doch schon ihr halbes Leben lieben. Beide würden ihre Partner verlassen und zusammen in genau diese Eigentumswohnung ziehen, die Marc und ich nicht genommen haben, weil wir dann doch lieber das Haus in Wannsee vorzogen.

Ach Gretchen, das ist so romantisch. Du solltest Buchautorin werden! Aber dann wären ja zwei in der Familie!
Oh! Ich denke schon, dass Elke Fischer zu meiner Familie gehört? Wo denke ich hin?
Dafür müsste Marc mich schon heiraten, mit mir zusammenziehen, glücklich sein. Dann würde Elke Fischer meine Schwiegermutter sein – oder doch Schwiegermonster?
Aber bis dahin ist noch so ein langer Weg. Ob ich das beschleunigen sollte? Ich könnte ja schon mal wegen dem Einzug anfragen…

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.shinyshoes ( gelöscht )
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13.11.2009 00:01
#80 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Gretchen! Wo bist du denn?“
„Momehent!“ ich eile zur Tür. „Ich werde ja wohl noch mal meine Haare checken können“
„Ach, du siehst doch auch so schön aus!“
„Ja, dafür habe ich auch eine Stunde im Bad verbracht. Die Stromrechnung wegen dem Föhn will ich nicht bezahlen!“
„Jaja“
Es klingelt.
„Huch!“ meine Mutter springt erschrocken auf.
„Was hast du denn? Das war doch nur die Klingel!“
Ich öffne die Tür.

Vor mir stehen Marc und seine Mutter.
„Guten Abend“ sage ich leicht überrascht.
„Tag“ Marc tritt ein und gibt mir einen Kuss.
„Guten Abend, meine Damen!“ begrüßt uns Elke.
„Ach, sie sind doch noch gekommen, Frau Fischer!“ sagt meine Mutter natürlich hyper nett. Das kann sie ja.
Als unsere Eltern „beschäftigt“ sind mit Jacken ausziehen und aufhängen, ziehe ich Marc zu mir zur Seite. Er guckt mich verdutzt an.
„Das glaube ich ja jetzt nicht!“
„Was denn?“
„Du hast deine Mutter mitgebracht?“
„Ja, was?“
„Was? Das kannst du mal unsere Eltern fragen! Zufälligerweise hatten mein Vater und deine Mutter eine Affäre?“
„Mensch Gretchen, das sind erwachsene Menschen, die werden ja wohl für einen Abend ihre Waffen still halten können!“
„Da kennst du nicht meinen Vater!“
„Ja, jetzt bin ich wieder schuld, was?“
„Ja, du bist schuld! Weil du hättest deine Mutter auch schön woanders hinschicken können, heute Abend! Ist nicht heute irgendeine Vorlesung irgendwo?“
„Meine Mutter verabscheut andere Autoren!“
„Ja klar! Genau wie ihr Sohn andere Ärzte verabscheut, was?“
„Och Gretchen, bitte! Lass uns doch nicht jetzt auch noch streiten!“
„Ich streite nicht, klar? Ich sage nur meine Meinung! Und die solltest du verdammt noch mal respektieren!“

Ich gehe ins Wohnzimmer und sehe ein Bild der Harmonie. Meine Eltern und Elke sitzen lachend am Tisch.
Sie scheinen sich zu amüsieren, denn alle drei lachen und witzeln und stoßen miteinander an.
Tzz, wie man sich doch in den eigenen Eltern täuschen kann.
„Da kommen ja die Kinder!“
„Dann kann ich ja endlich den Braten aus dem Ofen holen!“
Meine Mutter. Wenn die andere Leute bekochen kann, ist sie glücklich.

„Sooo, da ist der Braten! Ich hoffe, sie mögen Rinderfleisch, Frau Fischer?“
„Ja, gewiss“
„Gut, weil der war nämlich im Angebot, wissen sie!“ erzählt meine Mutter munter.
„Natürlich“
„So, dann mal im Guten!“ sagt mein Vater und fängt an zu essen.
Alle fünf essen wir. Schweigend. Aber wie gesagt, dann schmeckt es ja.
„Sag mal Elke, schreibst du eigentlich immer noch diese dämlichen Kitschromane?“
„Franz! Ich muss doch sehr bitten! Das sind ganz wunderbare Bücher!“
„Bärbel, was bist du denn auf einmal so nett zu der Frau?“
„Das müsste ich eigentlich dich fragen!“
„Hihi“ Elke scheint sich sichtlich unwohl zu fühlen.
„Wir Frauen halten zusa“
„Ahhhhh!“ rufe ich, um zu verhindern, dass meine Mutter diesen Satz noch zu ende führt.
„Gretchen, was hast du denn?“ fragt meine Mutter besorgt.
„Nichts, nichts. Da war nur eine…Bohne!“ ich kichere sichtlich unecht und esse stumm weiter.
Immerhin habe ich diese Konversation zerstört. War ja nicht auszuhalten, wie himmlisch nett meine Mutter doch tut.
„Sagen sie Meier, was haben sie eigentlich beruflich noch vor? Bestimmt noch den Chefarzt irgendwo machen, was?“
„Ach Franz, er kann dich doch ablösen!“ mischt sich meine Mutter ein.
Marc bleibt sichtlich die Bohnen im Halse stecken, als er das hört.
„Mama, ich glaube Marc wird noch ganz, ganz lange Oberarzt bleiben, was Schatz?“
Als ich dieses Wort sage, guckt mich wiederum Elke an, als hätte sie soeben ein Alien gesehen.
„Außerdem hast du doch überhaupt keine Ahnung von Medizin!“
„Ach Franz! Falls du es schon vergessen hast, ich bin Krankenschwester!“
„Ja, warum auch immer“
„Entschuldigung, haben sie noch ein bisschen Wein?“ fragt Elke.
„Natürlich!“ meine Mutter stolziert in die Küche um eine neue Flasche Wein zu holen.
„Und was haben sie beruflich vor, Marga…wie?“
„Margarethe, Mutter“ klärt sie Marc auf.
„Genau“
„Ach, wissen sie, ich mache jetzt erst einmal meinen Assistenzarzt und dann mal weiterschauen. Also zur Zeit bin ich ja in der Chirurgie. Da wollte ich ja auch eigentlich immer hin, mal sehen.“
„Soso“
„Keine Angst! Gretchen hat nicht vor, wieder in nächster Zeit zu heiraten, Elke!“ lacht mein Vater.
„Nein“ sagt Marc schnell. Typisch Marc, vor seiner Mutter gibt er sein glück kaum zu.
„Na das hätte ich meinem Sohn auch nicht zugetraut!“ sie nippt an dem neuen Wein, den meine Mutter geöffnet hat.
„Und sie schreiben immer noch diese, diese Vampir-Saga?“ fragt meine Mutter.
„Epos! Es wird ein Epos, ich fühle es schon regelrecht!“
„Natürlich!“
„Es ist ganz wunderbar. Ich habe so viele Einfälle!“ schwärmt Elke.
„Ja, das sagen sie wohl! Ich finde ihr Buch ja auch ganz klasse!“
„Du liest solche Bücher?“ fragt mein Vater erstaunt.
„Ja, doch, das lese ich ganz gerne mal“ Elke grinst.
„Mama, du weißt schon, dass es um ein 17jähriges Mädchen geht, dass sich in einen Vampir verliebt? Das ist eine Teeniegeschichte!“
„Ja und? Da bleibt man wenigstens jung!“ sie lacht.
„Ja, gewiss“ Elke stimmt ihr mehr oder weniger freudig zu.
„Aber ich bin ja sowieso jung geblieben!“ sagt meine Mutter plötzlich.
„Wissen sie, die alte Liebe kann ja auch wieder neu entflammen, nicht wahr Franz?“
„Bärbel!“
„Ja, auch wenn man dafür eine Indienreise und mehrere Affären braucht!“ sie grinst.
„Aber jetzt ist es um so schöner!“ Elke guckt angewidert auf ihren Teller.
„Wussten sie, dass man auch in unserem Alter noch Spaß haben kann? Kann man nämlich sehr wohl und das ganz ohne Viagra, nicht wahr Franz?“
„Mama!“ zische ich ihr zu.
„Was denn? Man muss doch erzählen und teilen, was man so erlebt, nicht wahr Frau Fischer?“ Elke sieht immer noch angeekelt zur Seite.
„Und diese Leidenschaft! Davon habe ich ja noch nie so viel gespürt in 35 Jahren, wie jetzt!“ schwärmt meine Mutter.
Marc guckt mich fragend an. Ich zucke mit den Schultern.
„Mama, ich denke, wir sind jetzt alle mit essen fertig! Der Nachtisch fehlt!“
„Ach ja, genau! Der Nachtisch, dein Lieblingspudding!“
„Ja Mama, ich helf dir dann mal ,was?“
Schnell staple ich die Teller zusammen und laufe meiner Mutter hinterher in die Küche.

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Suchst du mich, dann such ich dich. Ist die Versuchung groß genug?

.shinyshoes ( gelöscht )
Beiträge:

13.11.2009 00:01
#81 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Mama, was zum Teufel sollte das gerade? Du weißt genau, dass Marcs Mutter zur Zeit kein Liebesleben hat!“
„Was interessiert mich denn die alte Schachtel?“
„Wie?“ ich bleibe stehen. „Du hast sie nur eingeladen, um dich an ihr zu rächen?“
„Na was denkst du denn? Dachtest du, ich mache hier einen auf heile Familie, wenn sie mir sozusagen mein halbes Leben vermiest hat? Neeeeeeein, ich lass das nicht einfach auf mir sitzen!“
Sie nimmt genüsslich den Pudding in die Hand und stolziert damit zurück zum Tisch.
Ich kann es nicht glauben! Meine eigene Mutter, ein Rachemonster! Na hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie in eine „verhängnisvolle Affäre!“.

„Frau Fischer, wollen sie noch ein bisschen Nachtisch?“ flötet sie.
„Ja, aber bitte nur ein wenig“
„Natürlich! Für sie so viel, sie wollen!“
Meine Mutter nimmt den großen Löffel, bewaffnet ihn mit viel Pudding und schiebt diesen direkt auf Elke´s Dekoltée.
Na toll. Jetzt auch noch eine Schlammschlacht.
„So, das haben sie jetzt davon!“
„Ahhhh! Was machen sie da?“ schreit Elke und springt auf.
„Das haben sie jetzt davon, dass sie mir meinen Mann weggenommen haben und aus ihm ein sexwütiges Monster gemacht haben! Wobei – wenn ich mich so recht entsinne, ist das gar nicht so schlecht – aber die Tatsache, dass sie eine arme, einsame Frau wie mich damit auch hintergangen haben, das verzeihe ich ihnen nicht so schnell!“ legt meine Mutter los.
„Ahhh! Nehmen sie dieses Dreckszeugs von meinem Dekoltée!“ kreischt Elke Fischer.
„Ach, wollen sie noch mehr?“ meine Mutter nimmt noch einen Löffel und katapultiert diesen jetzt gegen Elke´s Gesicht.
Mit braunem Schokopudding im Gesicht läuft Elke fluchend zu unserer Kommode. Sie nimmt die Blumenvase. Dann nimmt sie die Blumen und…
„Ahhhhhh! Sie hinterhältige…“ schüttet meiner Mutter das Blumenwasser über den Kopf!
„Das lasse ich mir doch nicht gefallen von so einer wie,…ihnen!“ sagt Elke bestimmend und wischt sich den Pudding aus den Haaren.
„Na warten sie!“ meine Mutter rennt ihr hinterher und springt von hinten auf sie drauf!
„Sie Schlampe! Betürgerin! Ausnutzerin!“ was eine einfach Hausfrau doch für Wörter kennt!
„Sie Hausmütterchen! Wäscheleinespannerin! Putze!“ gibt Elke zurück.
Wow, wenn das ganze nicht so einen traurigen Hintergrund hätten, nämlich diesen, dass mein Vater wirklich meine Mutter betrogen hat – würde ich tatsächlich jetzt lachen!
Marc stupst mich von der Seite an.
„Das ist ja wie im Kino hier!“ lacht er.
„Marc!“ ich ziehe ihm am Arm und versuche ihn wieder normal zu kriegen.
„Über so was kann man doch nicht lachen!“ er verdreht die Augen.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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13.11.2009 00:01
#82 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Nehmen sie das, sie nutzlose Schwaflerin!“
„Dann nehmen sie das, sie kochende Jungfer!“
Meine Mutter schüttet Elke das Blumenwasser der anderen Vase über den Kopf und Elke zerdrückt die schönen Lilien im Gesicht meiner Mutter.
Ein wirklich bezauberndes Bild. So lebendig!
Die beiden liegen inzwischen auf dem Boden, aufeinander und ketschen um sich her. Na hoffentlich machen das ihre Knochen noch mit! Sonst müssen wir gleiche einen Krankenwagen rufen und was sollen wir dem sagen? „Ja, die beiden haben soeben noch einmal ihre Jugend auf erleben lassen?“.
„Jetzt hört doch auf!“ mischt sich jetzt auch noch mein Vater ein!
„Das bringt doch nichts!“

„Oh doch, das bringt sogar sehr viel, Franz!“ sie zieht an Elkes Haaren. „Siehst du? Die sind nicht mal echt, sondern gefärbt!“
„Ja, aber deine auch, Butterböhnchen!“
„Ja, aber meine sind kostbarer! War immerhin bei Udo Walz!“
„Das war die Rechnung letztens?“
„Jaha! Siehst du das nicht?“
„Marc Olivier, bitte rette mich von diesem, elenden Monster!“
„Mutter, nenn mich nicht immer so!“
„Bitte! Deine Mutter befindet sich soeben in dem wohl schlimmsten Kampf ihres Lebens! Wenn ich hier nicht gewinne, werden Bella und Edward wohl nie eine Zukunft haben werden!“
Meine Mutter zieht jetzt an ihrem Kleid.
„Und die sind auch nicht echt!“ kreischt sie und deutet auf Elkes Brüste.
„Na, was haste dafür bezahlt? Oder hast du sie dir bezahlen lassen?“
„Die sind 35000 Euro wert!“ kreischt Elke.
„Mama, du hast dir nicht wirklich…?“ Marc scheint seinen eigenen Augen nicht zu glauben.
„Sie haben mich so sehr an die Zeit mit deinem Vater erinnert!“
„Oh ja, klar“ Marc steht perplex auf und geht raus.
„Wo gehst du denn hin? Franz, dann bitte helf du mir doch!“ stöhnt Elke.
Mein Vater steht immer noch wie angewurzelt da und bewegt sich keinen deut.
Irgendwann ergreife ich die Partei.
„Mensch, ihr hört jetzt endlich mal auf damit! Wir sind doch hier nicht im Kindergarten! Ihr benehmt euch ja wie kleine Kinder, und das nur wegen Männern!“
Ich ziehe die beiden auseinander und bewege beide zur Couch.
„So, und jetzt redet ihr mal über eure Probleme, ja? Oder meinetwegen besauft euch oder so, das kann man ja nicht mehr mit ansehen!“
Beide setzen sich perplex auf die Couch.
„Und du setzt dich jetzt auch mal dazu, irgendwann muss das ja mal ausgesprochen werden!“
ich schiebe meinen Vater zur Couch.
„Ja, aber Gretchen, wo willst du denn hin?“
„Und du solltest vielleicht auch mal endlich von deinem Geliebten erzählen, Mama!“ sage ich und gehe.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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13.11.2009 23:37
#83 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Was bist du denn so aufgewühlt?“ fragt mich Marc, als ich meine Jacke anziehe.
„Ach, mich regen meine Eltern einfach nur auf! Peinlich bis zum geht nicht mehr und dann kriegen sie noch nicht einmal den Mund auf, wenn es um ihre eigenen Probleme geht!“
„Ach, Schatz!“ er lächelt mich an.
„Was?“ ich bin immer noch wütend.
„Haha“
„Marc, lachst du mich etwa aus?“
„Nein Schatz, aber du bist immer so süß, wenn du dich aufregst!“
„Blablabla“
Er küsst mich auf die Stirn.
„Komm, lass uns irgendwo anders hingehen! Ich glaube wir müssen mal hier raus! Oder?“


Wir fahren in Richtung Mitte. Irgendwann hält Marc an. Es ist an irgendeiner Seitenstraße. Ich weiß gerade gar nicht mehr, wo wir sind!
Wir steigen aus und laufen ein paar Schritte durch die Straßen, Arm in Arm.
Irgendwann deutet Marc auf eine Brücke. Okay, was will er jetzt auf der Brücke um zwei Uhr nachts?
„Komm!“ sagt er und nimmt meine Hand. Er fängt an zu laufen, ich laufe einfach mit. Gruppenzwang eben.
„Wo willst du denn hin?“ frage ich keuchend.
„Warte nur ab!“
Ich nicke und keuche weiter. Maaan, Marc weiß doch, dass ich Marathonläufen eher desinteressiert gegenüber stehe.
„Was machen wir denn hier?“
„Ja, komm doch erstmal mit!“

Nach zwei viel zu langen Minuten kommen wir endlich an dem Ort an, an dem Marc hinwollte. Was auch immer dieser Mann mit mir vor hat und was das hier soll, was wir hier des nächtens auf einer Spreebrücke. Ich bin gespannt.
„Was machen“ fange ich noch einmal an zu nerven.
„Pssst!“ Marc hält mir den Mund zu.
„Sei einfach mal still, okay?“ ich nicke skeptisch.
„Gretchen, ich muss dir unbedingt noch einmal etwas sagen“
„Was denn?“ frage ich und gucke Marc dabei zu, wie er sein kleines Handy aus der Hosentasche holt, irgendwas herumdrückt auf den Tasten, bis es „She´s Like The Wind“ abspielt, ein kleines Strandposter aus seiner Jacke hervorzaubert, dieses an die Mauer der Brücke klebt, mich ansieht und endlich anfängt etwas zu sagen.
„Also, Gretchen“
„Marc, was ist denn los?“
Er sieht mich innig an. Irgendwann fängt er an zu reden.
„Ich wollte dir bloß einen Satz sagen. Einen Satz, der für dich so viel bedeutet und der auch für mich in letzter Zeit nicht nur viel bedeutet, sondern regelrecht mein Leben bestimmt. Ich denke Tag und Nacht nur noch daran. Ich muss ständig grinsen, wenn ich an diesen Satz denke und wenn mir dann wieder in den Sinn kommt, dass ich genau diesen Satz zu dir gesagt habe. Ich meine, schau mich mal an! Ich bins, Marc Meier, der Trottel, den du schon vor 14 Jahren irgendwie verfallen bist und glaub mir, ich weiß wirklich nicht wie. Ich bin der größte Versager der Welt! Ich bin vielleicht Arzt und erfolgreich im Job, aber in meinem eigenen Leben, außerhalb der Chirurgie, habe ich noch nicht wirklich viel zu Stande gebracht! Gut, vielleicht eine gefakte Hochzeit, ein eventuelles Kind, das keins war, und einen Mord. Aber sonst? Da hilft dir kein bester Abischnitt und der beste und schnellste Abschluss an der Uni im Fach Medizin, deine Stelle als Assistenzarzt, dein Facharzt, dein Oberarzt, nichts, wenn du nicht selbst im Leben glücklich bist!
Und du machst mich glücklich! Gretchen, du bist die Frau, der Grund, warum ich zum ersten Mal die Liebe kennenlerne. Also, nicht die schnelle, sondern die wirkliche, realistische, ehrliche Liebe. Du bist die Frau, die mich zum lachen bringt, zum weinen gebracht hat und mich irgendwie doch immer aufgefangen hat. Du bist die Frau, mit der ich wirklich meinen Rest des Lebens verbringen will!
Ich sag das jetzt nicht nur einfach so. Ich meine es auch. Ich spüre es und ich fühle es.
Egal, was ich immer zu dir gesagt hab, egal, wie ich dich immer behandelt habe, egal, was du immer von mir gedacht hast, ich habe es eigentlich nie so gemeint. Meine Gemeinheiten waren einfach mein Schutzschild, du weißt schon, zu viel Gefühle zu lassen und so.
Gretchen, ich sage dir das jetzt nicht nur, weil ich weiß, dass du den Kitsch magst und dir so was gefällt. Sondern weil ich dir eines sagen will:
Ich liebe dich!“
Oh Gott! Ich bin hin und weg! Ich bin gar nicht mehr da! Das ist alles so unrealistisch! Marc meint es tatsächlich ernst mit mir! Und er hat sich solche Mühe gemacht mit dem Sonnenuntergange und der Musik…

Wir küssen uns noch die halbe Nacht auf dieser einen Brücke an der Spree und vergessen die Welt und vor allem all die betrunkenen Leute um uns herum, die ständig angewankt kommen, weil sie wohl mal wieder ihrem Partydrang gefolgt sind. Patrick Swayze singt weiterhin sein schönes „She´s Like The Wind“. Ich könnte sterben. Habe schließlich jetzt alles erlebt, was man eben erlebt haben muss.
Marc ist nicht nur mein Freund, sondern liebt mich auch noch. Gut, ersteres sollte letzteres beinhalten oder andersrum. Naja, jedenfalls bin ich wahnsinnig glücklich!
Irgendwann kann man eben doch den letzten Macho noch zu einem netten Typen von nebenan erziehen.
Mensch Gretchen, dass du es einmal so weit bringst, hättest du doch selbst nicht mit 14 gedacht!

„Marc, danke für dieses tolle Geschenk, dieser Abend, dieser Ort. Woher wusstest du das?“
„Geheimnis!“ grinst er.
„Wenn ich es nicht besser wissen würde, würde ich sagen, du hast von meinem Vater gelernt. Der hat nämlich meiner Mutter ein fast genauso gefühlvolles, romantisches Liebesgeständnis gemacht!“
„Aber nur fast?“
„Nur fast!“
„Du hast doch gar nicht den besten Abischnitt gehabt?“
„Nö, nur 3,4, aber was solls? Studium dank Glück bekommen. dann bester geworden. Ist doch ne Karriere oder? Gretchen?“ er grinst mich an.
„Aber auch den nur dank meiner Hausaufgaben für dich!“
„Hey, ich habe auch noch was eigenes dazu beigesteuert!“ merkt Marc an.
„Was? Dass du die Lehrerinnen kurz vorm Abi um den Finger gewickelt hast? Oder, dass du und deine Laberfähigkeit, dass ihr es gemeinsam doch noch gemeistert habt?“ Marc lacht und kneift mich in die Seite.
Wir gehen Arm in Arm die Brücke entlang zu Marcs Auto.
„Ich liebe dich auch, Marc!“ flüstere ich ihm auf dem Weg dorthin ins Ohr.


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.shinyshoes ( gelöscht )
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14.11.2009 00:08
#84 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Na schön, dass sich die Tochter des Hauses auch endlich mal wieder hier sehen lässt!“ begrüßt mich meine Mutter eher zickig auf meine Ankunft in meinem Elternhaus. Und das nach einer sooooooooo tollen Nacht mit gaaaaaaaaanz viel Liebe und gaaaaanz viel…

„Gretchen?“ Ups! Schon wieder von den Gedanken an Marc ablenken lassen.
„Was ist denn Mama, ich bin echt gerade nicht auf deine Zorro-Stimmung eingestellt!“ sage ich leicht genervt und versuche irgendwie meine Stiefel auszuziehen. Scheiße, habe ich etwa schon wieder zugenommen? Vorgestern passten die doch noch perfekt an den Beinen!
„Dein Vater und ich haben Stress“ oh Gott.
„Und in China fällt ein Sack Reis um“
„Gretchen! Du entschuldigst dich sofort bei uns!“
„Also, dass du von mir verlangst, mich bei Papa zu entschuldigen, dafür, dass er doch so plötzlich von deinem dreckigen Liebhaber erfahren musste, kann ich ja noch verstehen, aber du kannst doch nicht von mir verlangen, mich bei dir zu entschuldigen!“
„Doch, das kann ich! Ich bin schließlich Bärbel Wolf! Ich kann das!“
„Ach, auf einmal heißt du wieder Wolf? Wie schnell das bei dir wechselt. Gut, dass ihr nicht mehr verheiratet seid!“
„Sind wir ja noch, aber…ach, auch egal.“ Meine Mutter seufzt.
„Was hast du denn Mama?“ wenn sie so bedröppelt aussieht, hat sie meistens mehr auf Lager.
„Sag mal, weißt du eigentlich, was du gestern mit deinem einen Spruch alles angerichtet hast?“
fängt meine Mutter an zu heulen.
„Och Mama, was habe ich denn jetzt schon wieder gemacht? Ich wollte doch nur die Wahrheit sagen! Mehr nicht!“ ich nehm sie in den Arm und führe sie zur Couch.
Wir setzen uns, ich gebe ihr ein Stück von meinem Snickers. Toll, jetzt habe ich nur noch ein viertel Snickers.
„Weißt du Gretchen, wir haben uns so richtig gefetzt!“
„Ja, das hat man ja gesehen…“
„Nein, dein, dein Vater und ich! Wir haben uns noch nie so angeschrien und er hat mich noch nie so traurig angesehen. Mit so einer Leere in seinen Augen“
„Ja Mama, was willst du erwarten, wenn er von deiner Affäre erfährt?“
„Ja, aber er hatte doch auch immer stets welche!“
„Ich weiß“
„Weißt du, ich fühle mich richtig dreckig, so richtig schmutzig!“
„Ach Mama, jetzt hör mal auf, dich selbst schlecht zu reden. Du musst einfach einsehen, dass du auch nicht ganz unschuldig an diesem miserablen Abend bist, oder?“
„Aber ich liebe doch deinen Vater“
„Das weiß ich doch“
„Wie könnte ich ihn jemals für jemand anderen verlassen?“
„Das musst du nicht mir sagen, sondern Papa!“
„Ach, du hast ja recht“
Wir blicken beide auf das letzte Stück Schokolade.
„Nimm ruhig, du hast es mehr verdient!“ sage ich schließlich und lasse meiner Mutter den Vortritt.

„Wie ist das ganze eigentlich noch ausgegangen?“ frage ich schließlich ein paar Minuten später.
„Ach, erst mal hat dein Vater gefragt, was du da gerade gesagt hättest. Dann habe ich versucht das alles zuverneinen, aber irgendwie hat mir niemand geglaubt. Papa wollte dann die ganze Wahrheit wissen und ich habe ihm mit Tränen in den Augen sogar alles erzählt. Elke Fischer hat sich dann irgendwann noch eingemischt und gemeint, ich hätte deinen Vater ja erst selbst dazu gebracht, mich zu verlassen. Schließlich sei ich das alte, mütterliche, konservative Frauchen, das jeden Tag auf ihren Gatten wartet und alles für ihn tun würde. Da wäre ihm halt langweilig geworden. Und dann brauchte er eben ein bisschen Abwechslung und Leidenschaft.
Papa hat sich dann wieder gegen Elke gestellt und mich verteidigt. Irgendwann hat Elke einen Nervenzusammenbruch bekommen und wir haben sie ins Krankenhaus gebracht.
Wollten noch Marc anrufen, aber wir dachten, der wäre beschäftigt!
Margarethe, erzählt doch mal, wie ist er? Ist er liebevoll?“
„Ich dachte das würde dich nicht interessieren! Das hast du doch noch vor zwei Tagen gesagt!“
„Ja, aber ich habe meine Meinung doch geändert!“ meine Mutter guckt, als wäre nichts gewesen.
„Schon klar“
„Ja, das geht“
„Ach Mama, ich kenn dich doch! Du bist doch nur neugierig!“ wir kichern. So wie Töchter eben mit ihren Müttern kichern, wenn sie von ihrem Traumtypen erzählen, der sie jeden Tag glücklich macht, für den sie alles tun würden und den sie nie wieder loslassen wollen. So ein kichern eben.
„Ja, Marc ist schon toll…“ fange ich an zu erzählen.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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14.11.2009 01:21
#85 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten




„Gretchen, hast du alles?“ Jaha! Genervt schleppe ich auch die letzten zwei Koffer die Treppe hinunter. Unten steht Marc und sieht sichtlich überfordert aus.
„So viel willst du mitnehmen?“ fragt er mich geschockt.
„Marc, ich fahr doch nicht nur in den Urlaub!“ ich gebe ihm die Koffer und verschwinde wieder in mein Zimmer.
Tschüss rosaroter Teppich, tschüss, rosa Bettwäsche, tschüss Tagebuch.
Ich gehe jetzt dahin, wo ihr immer hinwolltet, es aber nie geschafft habt! Ich gehe jetzt nämlich zu Marc Meier! Für immer! Naja, zumindest so lange, bis wir eine eigene Wohnung gefunden haben.
„Wieso Frauen so viel Klamotten brauchen, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben“ Marc schüttelt den Kopf.
„Tja, so ist das Meier, wenn man sich dafür entscheidet, mit der Frau auch mehr als nur das Bett zu teilen!“ er gibt Marc einen Klaps auf die Schulter.
„Ja, Herr Professor, sie müssen es ja am besten wissen“
„Ich kenne das weibliche Geschlecht jetzt schon sei fast 45 Jahren, glauben sie mir, das ist erst der Anfang!“
Ich sehe, wie Marcs Angst ihm sichtlich in den Augen steht.
„Komm Schatz, wir müssen!“
Marc und ich gehen zu seinem Volvo, der bis oben hin vollgepackt ist und fahren los.
Es ist die erste Fahrt die ich bestreite, nach der es heißt: wir fahren nach hause! WIR, das Paar Gretchen und Marc. Wir fahren in unser gemeinsames Zuhause!

„Kannst du jetzt bitte auch mal was nehmen?“ schnauzt mich Marc genervt an.
„Jaha, Herr Obercool“ ich nehme eine meiner drei Reisetaschen. „Nur nicht zu viel nehmen!“
Oben im Schlafzimmer angekommen öffne ich den Kleiderschrank.
„Schahatz!“ rufe ich in die Küche. Ein genervtes „Ja?“ schallt zurück.
„Wo genau hast du jetzt eigentlich Platz für mich gemacht in deinem Kleiderschrank?“ frage ich. Als ich das dritte mal frage, kommt Marc endlich.
„Da, vorne, hier“ er deutet auf ein kleines Nebenfach. Ich gucke ihn verdutzt an.
„Und hier kannst du noch ein paar Bügel nehmen!“ er gibt mir fünf Bügel in die Hand. „Ah, hier noch ein sechster!“ er grinst.
„Marc, das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“
„Äh, doch?“
„Du hast mir gesagt, du machst mir Platz im Kleiderschrank, aber nicht, dass du mir ein kleines armeisenwinziges Plätzchen schaffst, in dem ich mich ausbreiten kann! Und du hast den ganzen restlichen Bau für dich!“
„Schatz, musst du immer in Metaphern sprechen?“
„Ja, SCHATZ!“

Eine Dreiviertelstunde später habe ich meinen Platz im Kleiderschrank hart erkämpft. Ich verstaue all meine Lieblingssachen in die freien Kammern. Als ich meinen dritten Koffer öffne, ist alles voll. Na toll, da habe ich mich schon auf das wesentliche beschränkt, was man eben so fürs Leben beim Freund braucht, und dann ist doch immer noch etwas übrig!
Okay, jetzt muss ein Plan her. Ein möglichst intelligenter, den Marc nicht durchschauen kann.
Zehn Minuten später habe ich einen.
Ich stopfe einfach seine dünnen Hemden und Pullis noch enger zusammen und mache mir so noch ein weiteres Fleckchen Platz im Schrank.
Ha, fast alles verstaut!
Gut, meine paar Blusen und die zwei Kleider sind noch nicht drin, aber da wird sich noch was finden lassen. Zur Not eben mein Lieblingskleiderschrank. Der Stuhl. Hallo, ich bin Gretchens Kleiderschrank, der Stuhl und ich bin verdammt cool.

Nachdem ich meine Anziehsachen sicher verstaut habe gehe ich ins Bad und richte mich dort ein. Gut, meine Zahnbürste habe ich ja schon hier des öfteren „vergessen“. Habe ich extra gemacht, damit Marc sich mal langsam an die Tatsache gewöhnt, dass ich nun mal seine Freundin bin und ich bald hier wohne – dieses bald ist eben jetzt.
Och Mensch Marc, du lernst auch nichts! Ich habe dir doch ausführlich erklärt, wie man die Zahnbürsten hinzustellen hat! und du kannst es dir einfach nicht merken!
Vorsichtige drehe ich unsere Bürsten wieder so, dass sie sich angucken können.
So, dann mal weiter im Text. Meine Waschutensilien. Ahhh, hier ist ja ein Schrank. Super.
Dann noch Duschsachen. Hier, okay die Dusche ist etwas klein. Müssen halt Marcs Shampoos weg. Meine waren eh viel teurer.
Zu guter letzt stelle ich meine Parfümflaschen demonstrativ in das Regal. Damit er auch von Anfang an sieht, welche Düfte ich so mag. Falls er mal keine Idee für ein Geburtstagsgeschenk hat. Auch wenn es ziemlich unkreativ ist. Aber egal, sind eben Männer und Männer waren, sind und werden auch nie kreativ sein im Geschenkezulegungsprozess. Wow, Gretchen, was du immer für Neologismen erfindest!

Am Abend liege ich glücklich in Marcs – äh – unserem Bett. Marc ist noch im Bad, aber schon gleich wird er hier hin kommen, sich neben mich legen und wir können die ganze Nacht reden.
Ja, mir ist heute nach reden. Brauch das mal. Einfach nur quatschen. Gut, Marc ist jetzt nicht unbedingt meine beste Freundin, aber man kann doch auch mit seinem Freund reden, oder? Wäre schlecht, wenn nicht.
Muss erstmal sehen, was sich so entwickelt. Wie das so wird mit Marc und mir unter einem Dach. Ich hatte ja zunächst bedenken, dass er es überhaupt möchte, aber dann hat er doch ziemlich erfreut reagiert. Wahrscheinlich ist er einfach nur froh, dass endlich mal wieder jemand da ist zum Putzen, Kochen und Wäsche waschen. Trotzdem wird es spannend. Er ist immerhin erst der dritte Mann, mit dem ich zusammenziehe! Gut, Peter und ich lebten zwei Jahre unter einem Dach, aber 1. war es seine Eigentumswohnung und 2. durfte ich nichts von mir mitnehmen, es würde ja den Stil seiner Wohnung bedrängen.
Gut, Geschichte.
Dann Alexis. Da musste ich gar nichts mitnehmen! Der hatte ja so gut wie alles! Gut, meine Kleider eben. Die haben sowieso dieses Jahr schon einige Umzüge mitgemacht.
Von Peter zu meinen Eltern, von meinen Eltern nach Las Vegas, von Las Vegas zurück nach Berlin, von meinem Elternhaus zu Alexis, von Alexis zurück zu meinen Eltern, vom Elternhaus zu Marc.
Wie sich das anhört. Zu Marc.
So schön es auch ist, so schwierig wird es einmal sein. Man sagt ja immer, die wirklichen Probleme einer Beziehung kristallisieren sich erst im Alltag. Wenn die Routine einkehrt. Wenn jeder seinem Job nachgeht und niemand sich mehr um die Liebe kümmert. Dann ist Alltag eingekehrt und dann ist es verdammt noch mal Zeit etwas dagegen zu unternehmen!
Mir Marc wird es trotzdem gut, das spüre ich. Wir ergänzen uns ja irgendwie. Sind beide nicht so spießig und haben so ziemlich die gleichen Interessen, zumindest was das gemeinsame Wohnen angeht. Er ist doch eher nicht der konservative Typ. Ich ja irgendwie auch nicht. Wir brauchen schon Ordnung, aber eben nicht nur. Trotzdem habe ich auch mal das Badezimmer aufgeräumt. Dachte mir, das würde Marc bestimmt freuen und dem Bad mal gut tun. Der Reiniger, den ich an den Spülsteinen und in der Dusche verwendet habe, übrings auch.

„Gretchen! Wo ist meine Zahncreme!“ höre ich es aus dem Bad rufen.
„Im Schrahank“ rufe ich zurück. Wie süß, er ist so verwirrt, dass er seine eigene Zahncreme nicht mehr findet!
„Und wo ist mein verdammtes Shampoo!“
Er will doch jetzt nicht duschen, oder? Gut, kann er gerne tun. Wobei ich ja doch eher gegen Duschen nach Mitternacht bin. Wenn das der einzige Unterschied zwischen ihm und mir ist, im Bezug auf das Bad.
„Und wo verdammte scheiße ist mein Gesichtswasser?“ poltert Marc auf einmal. Ui, der wird aber doch lauter. Ob ich mal hingehen sollte?

„Gretchen, komm sofort her!“ schreit es aus dem Bad.

Okay, ich denke das ist genau der Moment, in dem ich aufstehen sollte und langsam zum Bad gehen sollte. Langsam, versteht sich. Nicht zu schnell.
„Wo ist meine Waschlotion?“ fragt er mich erneut.
„Was ist denn los?“
„Was los ist? Das fragst du MICH????“ Marc steht völlig aufgebracht vor mir.
„Ja?“ ich bin ein bisschen unwissend, wenn ich ehrlich bin.
„Du räumst hier mein ganzes Badezimmer um und ich finde nichts, aber auch wirklich absolut nichts, nada, niente, wieder! Das ist los!“ sein Puls rast.
„Entschuldige bitte mal, ich wollte dir bloß einen Gefallen machen und dachte, du könntest mal Ordnung im Bad benötigen?“
„Gretchen, ich bin ein Mann. Ich brauche keine Ordnung unter meinen paar Badezimmerutensilien, klar? Ich habe bisher auch immer alles super wiedergefunden, auch wenn ich nie aufgeräumt habe. Vom Putzen ganz zu schweigen!“
„Ich versteh nicht ganz, was du mir sagen willst!“
„Mensch Gretchen, verstehst du denn nicht? Ich bin nicht so ein Hyper-Ordnungsfanatiker!
Ich bin ein einfacher Mann, der so etwas nicht braucht!“
„Marc, du bist mein Freund, ich habe das gute Recht dein Bad aufzuräumen und zu putzen!“
„Ja, du hast das Recht zum Aufräumen und Putzen, aber bitte nicht so, dass ich hinterher nichts mehr wiederfinde!“
„Ich hab doch bloß Ordnung gemacht! Musste mich ja schließlich auch irgendwie einrichten!“
„Das ist immer noch meine Wohnung!“
„Ja, und ich wohne jetzt auch hier, falls du es noch nicht mitbekommen hast, Marc Meier!“ langsam werde ich auch laut.
„Ich bezahle aber immer noch Miete!“
„Ja und? Dafür putz ich halt!“

Ich laufe wütend wieder zurück ins Schlafzimmer.
„Boah, dass du aber auch gleich so zickig bist und immer gleich austickst, wenn irgendwer mal gegen dich ist!“
„Du bist irgendwer, da hast du recht!“
„Gretchen sorry, aber so klappt das nicht!“
„Ja, ich kann ja wieder ausziehen!“ sage ich genervt und gleichzeitig enttäuscht und drehe mich auf die andere Seite des Bettes um.
„Ja, dann mach das doch!“ Marc dreht sich auch um.
Na, das ist ja eine tolle erste Nacht in der gemeinsamen Wohnung!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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14.11.2009 18:26
#86 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten


Die Zeit mit Marc verläuft gut. Auch, wenn wir uns manchmal wirklich ein bisschen anzicken. Ich meine, bleibt ja auch nicht aus, wenn man unter einem Dach wohnt.
Aber was bilde ich mir ein? Dass es mit Marc nur harmonisch wird? Überall Harmonie und Friede, Freude, Eierkuchen herrscht?
Nein nein, das kann ja auch gar nicht sein. Jeder streitet mal, vor allem wenn man unter einem Dach wohnt.
Das schöne ist, dass wir noch nicht in der Routine leben. Trotz unseres Jobs und unser beider Karrieren bleiben doch noch eine gewisse Romantik und spannende neue Dinge nicht links liegen.
Ich bin ja echt überrascht, was man so alles mit einem Mann, wie Marc Meier unternehmen kann!
Habe ihn jetzt schon zu diversen Unternehmungen, die mich wahnsinnig interessieren, mitgeschleppt. Wir waren im Zoo, jaaaa, ich musste ihm unbedingt mal Knut zeigen!
Das war ja eines eines der ersten Dinge die ich gemacht habe, als ich wieder nach Berlin kam: Knut besuchen!
Der war aber auch ein Süßer. Jetzt ist er ja leider schon groß und dick. Aber ich mag ihn trotzdem noch. So ein kleiner Star. Haha, wie süß.
Dann war ich doch tatsächlich mit Marc im Kino! In Sex And The City! Ich meine, dass der Film hier überhaupt noch lief, war ja schon ein Wunder, aber dass Marc mich begleitete, war das wohl noch größere Weltwunder!
Und er hat mir doch tatsächlich versprochen, dass er mir irgendwann, wenn er genug Geld hat, einen echten Manolo Blahnik kauft! Ich werde ihn jedenfalls daran erinnern…
Außerdem habe ich Marc mit in meine Lieblingscocktailbar hier in Berlin geschleppt. Gemeinsam mit Schwester Sabine, Schwester Tanja und meiner ehemaligen Schulfreundin Kathrin, saß er da und trank brav seinen Long Island Ice Tea aus. Gut, ich konnte ihn dann hinterher nach hause tragen, weil er wohl so viel Alkohol auf einmal noch nie getrunken hat, aber das war mir dann auch egal.
Was auch ziemlich süß war, fand ich, als Marc mich zum Flohmarkt begleitete. Da stand er doch tatsächlich an seinem einzigen freien Tag in der Woche, dem Sonntag, um neun Uhr auf (für ihn noch Tiefschlafphase), duschte sich, zog sich brav an und begleitete mich ganze drei Stunden über diesen einen Flohmarkt in Friedrichshain. Gut, manchmal stand er etwas fehl am Platz zwischen den vielen handelnden Leuten, und ich musste ihn schnell wieder mitziehen, bevor er einschlief, aber der Wille zählt ja. Und der war da.
Ich kaufte ihm dann noch zum Dank ein schönes Lederarmband und ein Quartettspiel mit seinen Lieblingsautos. Er mir wiederum eine Tasche für umgerechnet 8 Euro (die Verkäuferin muss echt einen Schuss gehabt haben!), einen schönen Schal und ein ausgefallenes T-Shirt von Jungdesignern um die Ecke. Also wenn das nicht mal was Innovatives ist. Jedenfalls bin ich glücklich, so wie es ist.

Die Kollegen im Krankenhaus wissen jetzt auch endlich alle bescheid. Frau Doktor Hassmann reagierte zwar ein bisschen mit Wut und wollte wohl schon die Fäuste fliegen lassen, weil ich ja jetzt schon wieder Glück hätte. Die hat gut Reden. Hat ja auch keinen Betrüger geheiratet!
Aber alle anderen Kollegen haben uns doch tatsächlich gratuliert und uns „Glück für die Zukunft“ gewünscht. Wie sich plötzlich das Denken ändern kann, wenn sie sich bei ihrem Oberarzt einschleimen können.
Papa und Mama geht es übrings auch wieder gut. Also nicht, dass sie krank waren oder so, aber die beiden hatten ja fett Beef. Naja, nach 35 Ehejahren auch kein Wunder.
Alles in allem ist also alles ziemlich gut strukturiert hier. Die Bösen haben ihr Fett weggekriegt und die Guten haben ihr Glück endlich gefunden und was ganz wichtig ist – festgehalten!

An unserm Zweimonatigen hat Marc sich etwas ganz ausgefallenes einfallen lassen. Er wollte mit mir zu dem angeblich allerbesten Italiener ganz Berlin. Wir fuhren also fast eine ganze Stunde durch Berlin, um dann, um 21 Uhr mutterseelenallein vor dem Eingang des Restaurants zu stehen, dessen Kellner uns ganz dezent darauf hinwies, dass heute eine geschlossene Gesellschaft hier gastiere. Kurzerhand haben wir uns überlegt, vielleicht die nächste Boutique zu überfallen und uns unter das essende Volk zu schleichen. Haben dann aber die Idee doch wieder überworfen aus mangelnder Erfahrung in der Einbruchsbranche. So wie ich Marc kenne, hätte er sich wahrscheinlich zunächst zu blöd angestellt, das Schloss zu knacken oder die Fensterscheiben einzuwerfen. In der Boutique selbst hätte ich wahrscheinlich mit meiner Tollpatschigkeit wieder mal geglänzt, indem ich zu lange in dieser verweilt hätte, aus mangelnder Entscheidungsfähigkeit, welches Kleid ich denn jetzt wirklich mitnehmen soll. Dann wäre irgendwann die Polizei gekommen, wir wären aufgeflogen, ich wäre in einem babyblauen oder rosaroten Satinkleid höchstwahrscheinlich stecken geblieben und die Bullen hätten mich, eingepackt als ein rosarotes Satingeschenk, in den Wagen tragen müssen. Auf der Wache hätten sie das Kleid aufgeschnitten und ich hätte mich ihnen in dem Anblick an eine mit Bauchwegunterhose bekleideten Frau begrüßt.
Ja, so hätte es gehen können.
Aber so war es ja nicht.
Stattdessen entschieden wir uns kurzerhand einfach wieder ins Auto zu steigen. Nachdem ich eine ganze halbe Stunde Marcs Marco Polo Berlinplaner (warum hat er so was?) durchwühlte, in der Hoffnung, doch noch einen „Geheimtipp“ für Kurzentschlossene Geliebte zu finden, fuhren wir endlich weiter. Ja, die Ampel war endlich mal grün.
Als uns beiden um 23 Uhr Ortszeit immer noch nichts eingefallen war, was wir an unserem mittlerweile nur noch einstündigen Zweimonatigen unternehmen sollten, schlug ich spontan vor, Currywurst essen zu gehen.
Also bretterte Marc wieder mal durch halb Berlin Richtung Kreuzberg.
Eine sehr lange Weile später standen wir am Stehtisch des Curry 36 und aßen die wohl beste Currywurst Berlins mit Pommes. Der Verkäufer hatte uns netterweise noch eine kleine Kerze auf den Tisch gestellt, weil seine Beleuchtung spontan streikte. So was nenne ich spontane Romantik!

Ich bin also glücklich. Ist ja auch kein Wunder. Befinde mich schließlich in einer von mir schon sehr lang ersehnten und gewünschten Beziehung. Eigentlich die längste gewünschte, erhoffte und geträumte Beziehung.
Da ist sogar die von mir schon seit Jahren gewünschte Beziehungen mit Johhny Depp oder George Clooney, oder die lang geträumte Anbandelung mit Robbie Williams nur ein Zuckerschlecken gegen.
Marc Meier hat schließlich doch das Rennen gemacht. Er hat sich gegen all die Johnny Depps, George Clooneys und Robbie Williams dieser Erde durchgesetzt und doch noch mal, 14 Jahre später, mein Herz erobert. Und ich werde ihn nicht so schnell wieder hergeben!

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14.11.2009 19:12
#87 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc


„Marc, kannst du bitte mal deine Socken da wegräumen? Und deine Boxershrots fliegen auch schon wieder überall rum!“ Frauen und ihre Ordnung. Echt schrecklich!
Wobei ich insgeheim sagen muss, dass ich Gretchen und ihre mütterliche Art ja doch irgendwie süß finde.
Hat irgendwie was.

Und ich habe es tatsächlich schon zwei Monate ausgehalten, in einer richtigen Beziehung zu stecken. Das ist doch gut, oder nicht? Doch, für mich ist das gut…

„Na Mehdi, altes Haus, alles klar?“ begrüße ich meinen Kumpel.
„Ne, nichts ist klar“ er sitzt genauso bedröppelt am Esstisch wie damals, als wir Gretchens Hochzeitsvideo empfangen.
„Was ist denn los?“
„Ich bin schon wieder Single“ sagt er noch bedröppelter.
„Ach Alter, das tut mir leid“
„Nein, ist schon gut“
„Warum ist das neue Glück denn gescheitert?“
„Wegen so vielem….sie kam einfach nicht mit meiner Vergangenheit klar“
„Was?“
„Ja, sie konnte es nicht verkraften, dass ich mal mit einer Nutte verheiratet war“
„Alter, das ist ja völlig übertrieben!“
„Sag ich doch“
„Und jetzt?“
„Ja wie und jetzt? Jetzt sitz ich hier, esse mir den Kummer aus der Seele und versuche mich in meine Arbeit zu stürzen. Das, was du bis vor zwei Monaten auch gemacht hast! Außer essen vielleicht…“
„Ey Alter, Frauen, ne. Das ist echt mega kompliziert“
„Sag ich doch“
„Wirklich. Immer diese typischen Frauendinge. Ich war jetzt ein paar mal wieder mit Gretchen unterwegs. Erst musste ich in den Zoo, dann ins Kino und habe das wohl schlimmste Versprechen abgegeben, das ich eh nie halten werde, und ich habe sie auf einen Flohmarkt begleitet. Mehdi! Auf einen Flohmarkt!“
„Was ist? Du hast wenigstens noch eine Frau. Und keine schlechte!“
„Ach, jetzt geht das wieder los?“
„Was? Nein, nichts geht los. Ich gönne es dir sogar!“
„Ach, das ist aber nett“
„Ja ne? Ich bin richtig nett geworden in letzter Zeit“
„Total“
„Naja, insgeheim hoffe ich ja doch noch inständig, dass du sie irgendwann betrügen wirst“
„Was bitte?“
„Du kannst nicht ohne, Meier. Irgendwann kannst du dich nicht mehr mit deinem Image als Ich-bin-der-neue-Traum-aller-Schwiegermütter betrügen. Da kommt es wieder raus. Das meiersche Image des Obermachos. Vielleicht bist du jetzt nicht mehr so, aber ich sags dir, wenn Gretchen irgendwann mal keine Lust hat, jeden Abend Bettspielchen zu spielen, dann wirst du in die nächste Kneipe ziehen und dir die nächst beste schnappen. Ich kenn dich doch!“
„Mehdi, das Gespräch ist hiermit beendet!“ sage ich laut und gehe.
„Ja, ich hätte auch nichts mehr zuzufügen gehabt!“


Das glaube ich einfach nicht. Mehdi ist dermaßen eifersüchtig, dass er mir versucht einzureden, dass ich mich gar nicht ändern kann! Dabei kann ich das sehr gut! Ich habe mich in den letzten zwei Monaten so was von geändert. Von einem Obermacho, Loser und Trottel zu einem hoffentlich einigermaßen guten Freund.
Tzz, wie verzweifelt er doch sein muss, wenn er so rumwettert. Soll er mal in Puff gehen und seinen Druck ablassen.


„Schatz, bin wieder da!“ komme mir irgendwie gerade vor, wie Papa Dino, in der Kinderserie „Die Dinos“, als er das Haus betritt und laut ruft „Bin da, wer noch?“.
Komischweise antwortet bei mir niemand. Stattdessen höre ich es aus dem Wohnzimmer quasseln. Wenn Frauen telefonieren.

„Ja Gigi, ach, das wird schon, glaub mir! Die Masche mit der Kinderärztin hat doch auch geklappt! Ja, ich werde ihn von dir grüßen! Okay, machs gut! Bis dann, Küsschen!“
„Gigi?“ frage ich ziemlich angeekelt.
„Ja“ antwortet Gretchen dezent.
„Was redest du denn mit der noch?“
„Marc, darf ich dich daran erinnern, dass sie zufällig meine beste Freundin ist? Und ich musste ihr doch mal alles von uns erzählen, wo sie doch jetzt erst zwei Monate wieder im tiefsten Irland war, wo der Internetzugange nicht gelegt und die Telefonstation nicht installiert war.“
„Ich merk schon, du bist auf Entzug!“
„Von was?“
„Na, vom Telefonieren mit deiner Besten Freundin!“
„Ach quatsch! Wie könnte ich das denn, wenn ich hier so einen tollen Kerl habe? Einen, mit dem man reden kann, streiten kann, Shoppen kann, Sex And The City schauen kann und obendrein auch noch“
„Ja, ist ja gut.“ Gretchen grinst mich an.
„Ich bin glücklich mit dir“ sage ich leise.
„Ich auch“ flüstert sie zurück.

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14.11.2009 19:31
#88 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen


Oh shit. Morgen habe ich meine erste Prüfung. Eine theoretische! Ich hoffe doch nicht, dass ich wie George in Grey´s Anatomy schon im ersten Jahr durchfalle und alles wiederholen muss? Dann wäre ich ja schlechter als Knechtelsdorfer. Und der war in letzter Zeit schon so unglaublich schlecht. Hat immer so Sehstörungen und Zuckungen gehabt. Manchmal hat er irgendwas von rosa Nilpferden geredet und so. Tzz, völlig gestört der Typ, der nimmt auch bestimmt irgendwas.

Aber es wird schon schief gehen. Marc hat mir noch mal alles erklärt, wo ich noch Probleme hatte. Er hat mit mir die ganzen letzten zwei Wochen nur gebüffelt. Ist ja irgendwie schon ein Vorteil, so einen guten Arzt als Freund zu haben. Er ist aber auch verdammt gut auf seinem Gebiet, eigentlich merkwürdig, dass er in der Schule so schlecht war.

„Na, heute dein großer Tag, Gretchen?“ fragt mich Mehdi in der Kantine.
„Ja“ ich trinke schon den dritten Baldriantee.
„Ach, das wird schon“
„Ich hoffe“
„Meier hat doch bestimmt mit dir gelernt, was?“
„Ja, er hat mir viel noch mal gezeigt, erklärt und so Handgriffe noch mal genau durchgegangen“
„Ja, das kann ich mir vorstellen…“

„Sagen sie, Schwester Sabine, wissen sie eventuell, warum Dr. Kaan so komisch in letzter Zeit ist?“ frage ich Sabine, als ich sie auf dem Flur erwische. Denn jetzt noch irgendeine Unwissenheit was das zwischenmenschliche Leben außerhalb des OPs angeht, vor der Prüfung, das verkrafte ich nicht! Muss doch alles wissen, damit ich mich nur auf die Prüfung konzentrieren kann!
„Er ist wieder Single“ sagt Sabine in ihrem gewohnt merkwürdigen Ton.
„Ach, echt?“
„Wer ist Single?“ fragt Maria, als sie das Wort hört.
„Dr. Kaan“ sage ich.
„Ach, und ich dachte sie hätten den Meier schon wieder abgeschossen“
„Warum sollte ich Marc abschießen, Frau Doktor Hassmann?“
„Naja, weil sie ihn mit einer kleinen, dünnen, jungen, blonden Schlampe im Bett erwischt haben?“
„Nein, das habe ich nicht und habe ich auch nicht vor“
„Naja, dann dürfen sie ja gar nicht mehr später nach hause kommen, sie könnten ja eine böse Szene sehen, tzz, Frau Haase. Ach im Übringen, wir haben uns mal geduzt!“
„Aber da haben sie mir noch nicht Pech in der Liebe gewünscht!“


Betreten gehe ich weiter. Jetzt bloß nicht aufregen, Gretchen! Du musst dich konzentrieren, für deine Prüfung. Oh Gott! Nur noch zehn Minuten. Ich sollte mich mal langsam vor dem Prüfungsraum einfinden. Diese dämliche Theorie und danach direkt die Praktische. Das war doch bei meinem Führerschein auch nicht so! Viel zu viel Druck auf einmal! Dem halte ich nicht Stand!
In diese Moment ereilt mich Marc.
„Hey Schatz, wollte dir noch mal Glück wünschen für deine kleine Prüfung!“ er gibt mir einen langen Kuss auf den Mund. „Schaffst du schon!“
„Ja, ich hab ja auch gelernt“ beruhige ich mich selbst.
„Jap, hattest ja auch den besten Lehrer!“
„Eben“
„So, dann aber mal los!“ er schiebt mich in den Raum, als dieser von dem Prüfungsleiter geöffnet wird.
„Toi, toi, toi!“ sage ich mir selbst und betrete den Raum.



Yaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahuuuuuuuuiiiiiiiiiiiiiiii!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich habe bestanden! Zumindest den ersten Teil! Der zweite kommt nächste Woche.
Mal sehen, was das bringt.

Auf dem Weg nach hause rufe ich schnell Marc an und erzähle ihm alles. Er ist schon zuhause.
Als ich auflege, klingelt mein Handy wieder. Ist das etwa Marc, der noch mal meine Stimme hören möchte?
Das liebe ich ja, Männer die kurzerhand nachdem man schon längst aufgelegt hat, noch mal anrufen, nur um zu erfahren, ob es der Frau, die sie lieben, immer noch gut geht.
Hm, unbekannter Teilnehmer. Wer kann das sein? Ich habe keinen blassen Schimmer.
„Hallo?“ sage ich in den Hörer.
„Hallo Gretchen, ich bins, Alexis“.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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15.11.2009 19:38
#89 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Alexis?“ sage ich völlig überfordert in den Hörer.
„Ja, Gretchen, ich bins“
„Warum rufst du mich an?“
„Ich musste dich einfach anrufen! Ich muss dich sprechen, ganz dringend!“
„Darf ich dich daran erinnern, dass wir geschieden sind, weil du mich betrogen hast?“
„Ja, aber ich muss dir so viel erklären“
„Ich denke, ich weiß schon alles.“
„Was?“
„Ja, die Polizei fahndet nach dir, wusstest du das? Du gibst dich als jemand aus, der du nicht bist, etwas geschmackloseres habe ich noch nie gehört!“
„Gretchen, bitte, reg dich nicht auf!“
„Warum soll ich mich nicht aufregen?“
„Ich will dir so viel erklären, bitte, gib mir noch eine Chance!“
„Was? Ich soll dir zuhören? Du lügst mich doch eh nur an. Wenn du schon den Mund aufmachst, lügst du!“
„Nein, so ist das nicht. Bitte Schatz, ich muss dir etwas Wichtiges sagen!“
„Schatz? Du nennst mich Schatz? Ich bin nicht mehr deine Ehefrau, ja?“
„Ich weiß…aber, dass es überhaupt so weit kommen konnte, das ist schon schlimm genug. Bitte, gib mir diese Chance, Gretchen!“
„Ja, dass es zu dieser Hochzeit kommen konnte, ist echt schon eine Schande für mich!“
„Nein, ich meine die ganze Sache“
„Achja?“
„Es gibt so viel, das ich dir noch sagen möchte“
„Ich denke ich weiß alles wichtige“
„Nein, Gretchen! Ich bin zwar nicht der, der du glaubtest, der ich bin. Aber ich bin der, der dich wirklich geliebt hat! Und auch immer noch liebt!“
„Was?“
Da hat er mich. Ich stehe da, mutterseelenalleine im Park des Krankenhauses vor meinem Fahrrad und weiß nicht, was ich tun soll. Ich überlege ernsthaft, mir sein Gelaber anzuhören. Hatte ich etwa noch Gefühle für ihn?

Eine halbe Stunde später finde ich mich in einer Seitenstraße der Friedrichsstraße wieder. Irgendwo an einem Hostel, hat er mir gesagt. Und da stehe ich nun. Gegenüber von mir mein Ex-Ehemann.
„Gretchen, erst mal schön, dass du kommen konntest!“
„Alexis, was willst du mir denn sagen?“ frage ich ernst. Ich werde hierbei keine Miene verziehen.
„Ich muss dir endlich die Wahrheit sagen. Ich muss es einfach tun“
„Glaub mir mal, ich weiß genug über dich“
„Nein, ich meine, die echte Wahrheit, die wahre Wahrheit, wenn man so will“
„Und die da wäre?“
Er holt tief Luft und fängt mit seiner Geschichte an.

„Ich bin ein Hochstapler. Ich denke das weißt du inzwischen. Ich bin nicht der, der ich zu sein schien. Ich gab mich als jemand aus, der ich nicht wirklich war.
Gretchen, aber du musst immer wissen, ich habe dich wirklich jede Minute geliebt. Und ich liebe dich auch immer noch. Diese ganze Geschichte meiner Identität wird nichts an meinen Gefühlen für dich ändern!“
„Aber warum hast du dann eine andere Identität gespielt?“
„Das ist eine lange Geschichte….vor sechs Jahren lag ich im Krankenhaus wegen einer Blinddarmoperation und mit mir im Zimmer lag ein junger Mann, Anfang dreißig, Ende zwanzig, nehm ich an. Er hatte eine gewöhnliche Darmoperation, nichts besonderes. Wir plauderten jeden Tag miteinander, weil wir ja sonst nichts zu tun hatten. Er erzählte mir von seiner Familie, seinem Immobilienimperium, seinen Firmen und seinem Vermögen. Dann zeigte er mir Fotos von den Firmen und seiner Familie. Er und seine Frau wohnten gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter irgendwo in Nordhrein-Westfalen.
Irgendwann erzählte er mir von dem Eklat zwischen seiner Frau und seiner Mutter. Seine Mutter wollte, dass er das Imperium weiter ausbaut, genau, wie sein Vater es gewollt hätte. Doch seine Frau wollte das alles nicht mehr. Diese vielen Meetings und Firmengespräche. Sie wollte, dass er endlich für sie und die kleine Familie da war. Er selbst wollte das natürlich auch. Dennoch konnte er das ganze Imperium, das sein Vater ganz alleine aufgebaut hatte natürlich auch nicht vernachlässigen. Er wusste, dass sein Vater noch mehr für die Umwelt tun wollte und später nur noch in Umwelt investieren wollte. Das wusste jedoch seine Mutter nicht.
Diese kam ihn immer besuchen, er schien nie wirklich glücklich zu sein, als sie da war. Und so kam es, dass sie irgendwann zu ihm kam. Er trank irgendwas. Später ging sie, verabschiedete sich ganz normal von ihm.
In der Nacht bekam er Kammerflimmern und starb. Die Ärzte haben alles getan, um ihn zurückzuholen, aber es ging nicht. Sie konnten auch kein Gift oder so nachweisen.
Und ich, der das alles miterlebt hatte, fasste einen Entschluss: ich wollte das Imperium von Buren nicht einfach scheitern lassen.
Eines Nachts klingelte ich die Schwestern aus dem Schwesternzimmer und klaute alle möglichen Akten von ihm. Als ich auf gut Glück irgendwann einmal zum Amt ging, bestätigten diese mir, dass Herr von Buren noch lebe.
Also ließ ich mir einen neuen Pass erstellen. Ich gab mich als Alexis von Buren aus.“

Ich kann es nicht fassen. Was hat er sich dabei gedacht? Das geht doch nicht!
„Alexis, das kann nicht wahr sein! Wie kannst du so etwas tun? Wie?“
„Gretchen, wenn du diesen Mann gekannt hättest, hättest du vielleicht genauso gehandelt. Ich habe doch mitbekommen, wie viel Angst er vor seiner OP hatte. Wenn er nicht wieder aufgewacht wäre, hätte seine Frau auf der Firma gesessen, weil der Vater diese nur ihm und seiner Frau und nicht seiner Mutter geerbt hat. Deswegen war sie wahrscheinlich auch so hinterhältig.
Ich habe mit seiner Frau gesprochen. Sie hat nichts dagegen eingewendet, wir versprachen ein gegenseitiges Schweigen darüber. Sie floh dann nach Italien.
Gretchen, ich konnte diese arme Frau mit der kleinen Tochter nach dem Tod ihres Mannes doch nicht einfach auf der Verantwortung sitzen lassen und in den Ruin rennen lassen? Sie hatte keine Ahnung davon und wollte davon auch nichts wissen, aber sie konnte die Firma nicht verkaufen. Das war ihr untersagt, von dem Gründer, also ihrem Schwiegervater aus.
Ich habe nur das getan, was ich für richtig hielt. Schließlich hatte ich doch auch ein bisschen Ahnung von dem Buisness, habe doch schließlich BWL und ein bisschen Management studiert. Jeden Monat bekommt sie Geld von mir, um mit ihrer Tochter ein sorgenfreies Leben zu führen.“
„Alexis, du hast diese Frau und dich in die Kriminalität geführt!“
„Wer sollte es denn herausfinden?“
„Die Polizei?“
„Ich weiß nicht wie, aber ich bin all die Jahre nicht aufgeflogen, mein Plan funktionierte!“
„Alexis, das ist so geschmacklos!“
„Gretchen, ich habe diesem Mann geholfen. Ich hatte doch zu dieser Zeit selbst nichts Besseres zu tun. Studium beendet, keinen Job bekommen. Also warum nicht so etwas tun? Jemanden helfen?“
„Und dich dabei strafbar machen und andere mit reinziehen?“
„Glaub mir, seine Frau ist sogar sehr froh darüber“
„Und wieso hast du Lissy da mit reingezogen?“
„Meine Eltern sind früh gestorben. Unsere Oma ist auch vor acht Jahren gestorben. Lissy und ich lebten sowieso schon zwei Jahre alleine in einer kleinen Wohnung in München.“
„Du kommst aus München? Ich dachte aus NRW?“
„Ja, Herr von Buren kam aus NRW“
„Tzzz. Da hast du mich tatsächlich auch immer noch angelogen. Mit jedem Satz, den du gesagt hast“
„Ja, aber Gretchen, ich liebe dich!“
„Vielleicht. Aber ich dich nicht mehr!“
„Ich weiß. Ich kann dich auch verstehen, wenn du mich nach der ganzen Misere nicht mehr sehen willst. Aber ich wollte bloß, dass du es weißt.“
„Ist gut“ sage ich leicht niedergeschlagen. Alexis dreht sich weg.
Ich höre ein Schluchzen. Weint der jetzt etwa? Das kann doch wohl nicht sein!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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15.11.2009 19:39
#90 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Weinst du?“
„Es tut mir so schrecklich leid“
„Ja, aber daran kannst du nun mal jetzt nichts mehr ändern. Es ist so, wie es ist. Du bist ein Betrüger.“
„Und ich bereue es, dir nicht von Anfang an die Wahrheit gesagt zu haben“
„Ja, vielleicht hättest du damit vieles verändern können“
„Vielleicht.“ Er sieht mich an. „Aber vielleicht ist so ein scheußliches Wort!“
Er nimmt meine Hand.
„Gretchen, vielleicht, hätte wenn und aber, das ist einfach nicht mehr drin. Ich liebe dich und das ist eine Tatsache!“
„Alexis, du bist ein Betrüger!“ ich spüre diese Schmerzen in der Halsgegend und sie gelangen irgendwann in meine Augen und ich muss weinen.
„Frank, ich heiße Frank. Frank Winkler“.
„Frank“ sage ich leise.
„Gretchen, bitte glaub mir. Ich wollte nicht, dass es soweit kommt!“
„Das hättest du mal am Anfang wissen sollen!“
„Ja, aber das habe ich nicht. Ich wollte dich doch nicht verletzten. Das kleine Mädchen, das sich immer so eine Traumhochzeit gewünscht hat und sie endlich bekam, das konnte ich doch nicht enttäuschen, in dem ich sie anlüge!“ er klammert sich an mich.
„Bitte, gib mir noch eine Chance!“
„Das geht nicht“ sage ich kalt.
„Warum?“
„Ich habe jemand anderen gefunden“
„Wen?“
„Ist doch egal“ sage ich und reiße mich von ihm los.
„Sag mal, wie ist eigentlich Alexis von Burens Leiche in dein Haus gekommen?“
„Frau von Buren hat ihn dort verbuddelt. Anscheinend wollte sie selbst den Tod ihres Sohnes vertuschen.“
„Und du hast nichts dagegen gemacht?`“
„Wenn ich ehrlich bin, ich war nie in diesem Keller. Bis vor einem Jahr. Da habe ich diesen Hebel an der Figur entdeckt, besser gesagt Lissy. Uns war von Anfang an klar, dass etwas nicht stimmt, aber hätten wir die Polizei gerufen, wären wir doch beide aufgeflogen!“
„Was für Schisser ihr doch seid!“
„Ich weiß“
„Tzz“
„Gretchen“ er nimmt meine Hand.
„Und jetzt?“ frage ich ihn.
„Das frage ich dich, Gretchen.“ er guckt mich mit seinen Hundeaugen an.
Neeeeeeiiiin, ich werde jetzt nicht wieder schwach, wie damals, als Marc mich vom Erste-Hilfe-Seminar weggepiept hat, nur um mir im Schwesternzimmer an die Wäsche zu gehen!

„Ich würde vorschlagen, du gehst mit deinem gefälschten Pass und deiner goldenen Mastercard oder was auch immer du da hast in ein Hotel und checkst dort ein. Das Rizz wird ja wohl reichen, was?“
„Ich habe kein Geld mit. Ich habe nichts Wertvolles mit. Ich habe alles verkauft. Ich will dieses Geldvermögen hinter mir lassen! Ich bin nicht mehr Alexis von Buren, sondern Frank Winkler!“
Ich spüre einen Schock im Magen. Er will sich wirklich ändern. Wie Marc damals, als er mir seine Liebe gestand. Bis jetzt ist da auch noch was Wahres dran.
„Okay, aber zu mir kannst du nicht“
„Aber ich kann doch auch nicht unter der Brücke da hinten schlafen!“
„Alex…äh, Frank, das tut mir jetzt leid. Das hast du dir selbst zuzuschreiben. Du bist hier der Betrüger, ich könnte auch genauso gut die Polizei rufen!“
Ich drehe mich um und gehe in Richtung Haltestelle Oranienburgerstraße.

„Aber du tust es nicht!“ ruft er mir hinterher.
Ich bleibe stehen. Was tue ich nicht? Die Polizei rufen? Ja, da hat er recht. Und ich weiß selbst nicht so genau, warum eigentlich nicht. Wahrscheinlich, weil ich diesen Mann irgendwann vor drei Monaten mal geheiratet habe. Weil dieser Mann mich davon abgehalten hat, mich weiter in meine Marc Meier-Kinderträume zu stürzen. Wahrscheinlich, weil dieser Mann mir so viel gegeben hat, was ich nie bekam. Wahrscheinlich, weil ich diesen Mann wirklich mal geliebt habe. Wahrscheinlich, weil er der Neue war. Der Neue, den alle anderen Jungs auf dem Schulhof erst einmal schief angeguckt haben, weil er die Mädels aufgewühlt hat. Weil er ein Gegner für sie war. Ein Kampfgegner gegenüber ihnen, die schon seit Ewigkeiten ihren vorhandenen Gefühlen weglaufen. Ein Gegner, der nicht so einfach ist zu bezwingen.
Und die Frauen beißen an. An den Köder. An das Geld, die Macht, die Liebe, die er uns gibt.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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15.11.2009 19:39
#91 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Warum holst du nicht einfach die Polizei und lässt mich verhaften?“ fragt er mich.
Ich drehe mich wieder um. Von weiten kommen Engländer vorbei, die wohl im nahe gelegenen Hostel gastieren. Sie sehen mich an und lachen. Ja schön, das ist meine Wimperntusche, die anscheinend nicht ihr Verprechen gehalten hat und verlaufen ist.
„Weiß ich nicht“ sage ich nüchtern. Ich weiß es wirklich nicht. Oder weiß ich es, will es aber nicht wahrhaben?
Habe ich etwa immer noch Gefühle für Alexis aka Frank? Aber warum? Ich liebe doch Marc!
Ich liebe Marc! Ich liebe Marc! Ich liebe Marc! Ich liebe Marc! Rede ich mir ein.
„Wer ist dieser Neue?“ fragt mich frank schließlich.
„Niemand“
„Ist es jemand, den ich kenne“
„Quatsch“ lüge ich.
„Es ist Meier, stimmts?“
„Und wenn?“
„Liebst du ihn?“
„Ja“ mir laufen die Tränen die Wange hinunter.
„Und ihr seid jetzt ein Paar?“
„Ja und?“
„Ist doch schön“
Bitte was? „Du freust dich?“ frage ich überrascht.
„Ja, ich dachte, du würdest wieder so lange leiden, wie damals, als du mir von Marc Spielereien erzählt hast, als er heiraten wollte“
„Nein“ höre ich mich sagen. Habe ich nicht? Ups, habe ich wirklich nicht, habe mich sofort mit Marc abgelenkt!
„Dann hast du mich gar nicht geliebt…“ stellt Frank fest. Spinnt der?“
Ich überlege kurz, ob ich es sagen soll.

„Doch habe ich!“ rufe ich plötzlich, als er sich schon umgedreht hat, angefangen zu gehen.
„Aber?“
„Aber nachdem ich dich mit deiner Mutter im Bett gesehen habe, war für mich einfach die Welt zu ende! Da war alles vorbei, was ich mir je mit dir erträumt habe! Was auch immer ich für dich gefühlt habe und wie sehr ich mich über deinen Heiratsantrag und unsere Hochzeit, unser gemeinsames Haus, unsere gemeinsame Zukunft und den Kindern, die wir uns wünschten, geträumt habe, es war alles vorbei!“
„Es tut mir leid“ sagt Frank.
„Ich weiß“ sage ich leise.
„Ich glaube, es ist jetzt besser, wenn ich gehe“ sagt Frank und macht kehrt.
Zögernd stehe ich da. Hin und her gerissen. Nicht wissend, was ich tun soll. Die Engländer glotzen schon wieder. Ach, seid doch ruhig! Ihr habt doch keine Ahnung von Liebe!
„Warte!“ schreie ich auf einmal.
Ich laufe zu ihm. Er sieht mich an.
„Ich habs mir anders überlegt. Du kommst jetzt erstmal mit, schläfst irgendwo, wo Marc dich nicht finden kann, in unserer Wohnung und morgen sehen wir weiter, okay?“
Er lächelt.
Gemeinsam fahren wir mit der U-Bahn zurück zu Marcs und meiner Wohnung.

Ich kann es nicht glauben. Da habe ich schon wieder einem Betrüger und Hochstapler aus der Patsche geholfen! Ich bin echt so was von inkonsequent!



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.shinyshoes ( gelöscht )
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15.11.2009 22:03
#92 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Hier wohnst du jetzt?“ fragt mich Alexis, äh, Frank, als ich die Tür aufschließe.
„Ja, hier wohne ich jetzt“ sage ich und öffne leise die Tür.
„Okay, du wartest jetzt hier und ich guck mal eben, was Marc macht, okay?“
„Ja“

Leise schleiche ich mich in die dunkle Wohnung.
„Marc?“ rufe ich. Keine Reaktion.
„Maharci?“ immer noch nichts.
Ich betrete das Schlafzimmer. Paaaah, was eine Luft!
Ich knipse das Licht an. Dort liegt Marc halb über dem Bett ausgestreckt in Boxershorts schnarchend und schläft.

„Okay, du kannst jetzt kommen, aber sei verdammt noch mal leise!“
„Wo soll ich denn jetzt schlafen? Doch nicht auf dem Balkon?“
„Nein, du schläfst unter dem Bett“
„Was?“
„Ja, jetzt komm, oder willst du draußen schlafen?“
Wir gehen in das inzwischen wieder dunkle Schlafzimmer.

Mit einer Taschenlampe räume ich die Kisten unter dem Bett hervor.
„Also, du musst leise sein und bitte nicht schnarchen, okay?“
„Und du meinst, Marc kriegt das wirklich nicht mit?“
„Nein“
„Gut“
Frank legt sich unter unser Bett. Ich gebe ihm noch eine Decke und ein kleines Kissen.
„Hast du vielleicht noch ein größeres?“
Ohhh, sonst noch Wünsche? Seh ich aus wie eine Putzfrau im Hotel?
„Bittesehr!“ sage ich leicht genervt und fange an die restlichen Kisten wieder vor das Bett zu schieben.
„Und du meinst wirklich, dass Marc nichts mitbekommt?“
„Nein“
„Und mich auch nicht sieht?“
„Alexis, Marc steht morgen früh um fünf Uhr auf, spätestens um halb 6. Dann wankt er im Tiefschlaf durch das Schlafzimmer und wird erst wach, wenn er sich mal wieder am Türrahmen das Knie gestoßen hat, also ich denke nicht, dass er dann noch eine Gehirnzelle dafür frei hat, herauszufinden, warum die Kisten teilweise vor dem Bett stehen!“

Nachdem ich Alexis aka Frank vollständig unsichtbar unter unserem Bett habe verschwinden lassen, mache ich mich „bettfertig“. Super Wort Herr Mario Barth.
Irgendwann gegen 2.30 Uhr lege ich mich dann auch endlich ins Bett. Wenn ich jetzt schon daran denke, dass Marcs Wecker in nur drei Stunden schon wieder klingeln wird, kriege ich das Kotzen!
Ich lege mich zu meinem richtigen Freund und versuche ihm gleichzeitig ein Stück Decke abzuluchsen, aber irgendwie klappt das nicht.
Irgendwann schlafe ich frierend ein. Aua! Was ist das denn? Marcs Arm in meinem Gesicht, na toll, schönen Dank auch.

Tja Gretchen, das ist eben der Dank dafür, dass du zu allen Menschen immer so hilfsbereit und zuvorkommend bist!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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15.11.2009 22:38
#93 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Guten Morgen, hier ist wieder euer Radio Fritz! Und wenn ihr zu den zu der bemitleideten Zahl der Menschen gehört, die um diese Uhrzeit schon aufstehen müssen, dann wünsche ich euch jetzt einen schönen guten Morgen!“

Ja, du mich auch. Verdammte Scheiße. Wieso geht die Nacht immer so schnell um?
Ist Gretchen eigentlich da? Achja, da liegt sie ja. Was hat sie denn an ihrem Auge gemacht? Ist ja ganz blau.

„Und jetzt ein toller guten Morgen Song, hier ist für euch, Lady Gaga und Pokerface!

Ja, für mich ganz bestimmt nicht. Ich knalle den Wecker aus und reibe mir durchs Gesicht. Okay, Marc, du musste jetzt aufstehen! So schön es auch hier im Bett ist, du musst jetzt aufstehen. Nützt ja nichts.

Ich stehe also auf und wanke im dunklen durch das Schlafzimmer. Aua! Scheiße Türrahmen!
Irgendwann lande ich unter der Dusche. Boah, verdammt tut das gut. Erst mal wach werden.

„Herr Dr. Meier, wie gut, dass sie schon da sind, sie müssen sofort die Patientin im Zimmer 256 untersuchen!“ Sabine ist ganz hysterisch.
„Guten Morgen Herr Dr. Meier, wie schön, dass sie sich schon eine Halbestunde vor Schichtbeginn hier blicken lassen, wäre vielleicht eine nettere Begrüßung, Schwester Sabine?“
schnauze ich sie an.
„Ja, aber die Patientin, ihr geht es wirklich nicht gut!“
„Sie wollen sich anscheinend noch einen durchlauf einfangen, was? Herr Räumel könnte zumindest heute einen gebrauchen, soweit ich das weiß!“
Sabine guckt mich sauer an.

„So Frau Bumse“ haha, was ein lustiger Name. „Was haben wir denn da?“ ich gucke auf die Akte. „Sie haben also akute Beschwerden im Abdomenbereich? Sehe ich mir mal ihre Röntgenbilder an.“ Krass. „Ja, sie haben einen Fremdkörper. Aber das sieht mir eher so aus, als wäre das ein Fremdkörper im Unterleib und nicht im Darm.“
„Herr Dr. Meier, meinen sie, es ist“
„Jap, wohl ein bisschen zu viel…äh….geb“
„Herr Dr. Meier, diiiiie Patientin ist privat versichert!“
„Sabine?“
„Ja?“
„Das wollte ich jetzt noch nicht wissen, sondern erst wenn“
„Ahhhhhhh“ okay, der scheint es nicht sonderlich gut zu gehen.
„Frau Bumse, sagen sie mir doch einfach mal, was sie gemacht haben? Sie sind jetzt seit zwei Tagen hier und auf einmal haben sie schwere Beschwerden im Bauch?“
„Naja, det is ja eigentlich eher Unterleib, ne“
„Jaja, ich sehe schon.“
„Glauben se mir doch, Herr Doktor, ick hab nix jemacht!“
„Jaja, das glaube ich ihnen sogar….niiiiicht“ ich blättere noch einmal durch die Krankenakte.
„Herr Meier, die Patientin ist Single“
„Ick hab nur eenen Liebhaber, wissen se? Der hat mir jetzte ja komplett den Kopp verdreht! So wat von jung is der noch!“
„Ja, ich will mir weiteres gar nicht vorstellen, Frau Bumse“ sage ich und lege die Akte wieder weg.
„Tja, da können wir von der Chirurgie nichts machen. Da müssen wir Dr. Kaan rufen!“
„Is det och nen Arzt?“
„Jap, der ist sogar extra Arzt nur für sie Frauen. Sie sind ja alle so kompliziert, da muss man doch tatsächlich so was studieren, um sie wirklich zu verstehen!“


„Das war jetzt aber nicht nett, Meier“ ach die Hassmann.
„Was meinen sie Frau Hassmann?“
„Naja, wie sie mit der Patientin umgegangen sind. Ich meine, sie nach ihren sexualen Vorlieben zu fragen!“
„Ja, was soll ich denn machen, wenn sie wohl ein bisschen zu viel mit ihrem Lover gebu“
„Nananana, wir wollen doch Vorbilder sein, was?“
Sie grinst dem kleine Mädchen, welches am Kaffeeautomaten steht, an dem wir vorbeikommen, zu und verschwindet im nächsten Zimmer.

„Marc, da war ein Anruf für dich, du sollst zurückrufen.“
„Das ist aber nett von dir Gabi, dass du dir sowas merken kannst!“
„Ja, aber auch nur, weil das wohl was berufliches ist und nichts privates!“
„Ja, Gretchen ist ja jetzt gerade auch noch zuhause und meine Mutter hat“
„Mir doch egal! Ich bin nicht mehr Teil von deinem Leben!“
„Achja stimmt, du bist doch jetzt mit diesem, diesem….na wie heißt er noch? Klaus? Ne, Konrad? Ne, irgendwas anderes, warte ich habs gleich“
„Kalle!“
„Kalle! Sag ich doch!“ ich grinse sie an. Sie zischt beleidigt ab.

Ich gucke mir die Nummer an, die auf dem Zettel steht.
„Könnte teuer werden, ist wohl Irland“
Tzz, Gabi, hat auch keine Ahnung von Geographie. Die Nummer ist doch nicht in Irland! Das ist doch Berlin!
Ich wähle besagte Nummer und warte. Tut. Tut. Tut. Nichts passiert. Tut.
„Hallo?“ holt mich plötzlich eine weibliche Stimme aus dem Kurzschlaf.
„Äh, ja, Dr. Meier, Oberarzt der Chirurgie im Elizabeth-Krankenhaus in Berlin, sie hatten angerufen?“ fehlt nur noch, dass ich sage „Was kann ich für sie tun?“ dann höre ich mich ja an, wie eine Tussi im Büro, Callcenter oder eine Sektretärin!
„Ja, Dr. Meier, Dr. Amsel hier“
„Ich versteh nicht ganz“
„Gigi? Gretchen, Gigi, beste Freundin?“
„Ach du scheiße“
„Ja, genau.“
„Warum rufst du an?“
„Wie du weißt, bin ich zufälligerweise die beste Freundin deiner Freundin Gretchen!“
„Ich weiß“
„Wollte nur mal so hören, wie es dir geht?“
„Interessiert dich das wirklich?“
„Ja“
„Mir geht’s so beschissen, weil ich deine Stimme höre, so richtig beschissen!“
ich lege auf.

Kann mich mal, die olle tuse.
Soll sie sich doch endlich mal einen dämlichen mann suchen, der auch mit ihr ins bett geht, untervögelte brillenschlange!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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15.11.2009 23:04
#94 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen

Ohhh, hilfe, mein Kopf. Ich schiebe mir die Haarsträhnen aus meinen Gesicht. Als ich über mein Auge fahre, schmerzt es.
Aua, was habe ich denn da gemacht?

Noch völlig beduselt und neben der Spur stehe ich trotzdem auf und torkle ins Bad. Als ich die Tür öffne sehe ich ein völlig chaotisches, nasses Bad. Da liegt ein Handtuch, da eine Boxershorts. Na toll, Marc kann auch selbst morgens nicht mal das Bad aufräumen, wenn er duschen war!
Ich räume brav alles weg und wische den beschlagenen Spiegel frei.

Oh Gott! Hiiiiiiiiiiilfe! Was ist das denn? Scheiße!
Ich sehe noch mal genauer in den Spiegel. Mein Spiegelbild sieht echt ziemlich übel aus. Als hätte ich in einer Schlägerei Platz gefunden. Oh man. Männer!

Wie schon letztes Mal, nachdem ich den Sektkorken ins Gesicht bekommen habe, setze ich mir meine pinke Augenklappe auf. So, der kann nächste Nacht erstmal auf der Couch pennen, das schöre ich! So eine Frechheit! Erst das ganze Bett für sich alleine in Anspruch nehmen, dann die Decke nicht hergeben wollen, sich wie ein kleines Baby daran klemmen, Schnarchen und Schmatzen und dann auch noch zu Krönung seiner Freundin den Arm so dermaßen ins Gesicht zu schlagen, dass diese am nächsten Tag ein blaues Auge hat! Da stimmt doch irgendwas nicht, oder?

Als ich am Frühstückstisch sitze, bequemt sich auch Frank endlich mal aufzustehen.
„Na, gut geschlafen?“ begrüße ich ihn.
„Nein, ich sag dir, dieses Bett, das ist so am quietschen ja?“
„Tja, Pech gehabt“
Er setzte sich .
„Was hastn du gemacht?“
„Ach, ich hab was ins Auge bekommen“
„Wann denn? Heute Nacht?“
„Ne, gerade auf dem Balkon“
„Was machst du denn auf dem Balkon?“
„Rauchen?“
„Du rauchst? Hast doch früher nicht geraucht!“
„Früher? Vor drei Monaten oder was?“
„Ja“
„Tja, Menschen können sich ändern!“ sage ich und schiebe mir meinen Honig-Quarktoast in den Mund.

„Sag mal, wieso gehst du nicht einfach zur Polizei und gestehst denen alles, was?“
„Nein, das geht nicht!“
„Was geht denn da schon wieder nicht?“
„Na, dann würden die mich in den Knast stecken! Und Frau von Buren noch mit dazu suchen!“
„Ja, aber dann hättest du zumindest mal die Wahrheit gesagt!“
„Ach, ich kann auch so flüchten“
„Du willst also wieder flüchten? Und wie?“

Er öffnete sein Portmonee, und breitet sämtliche Pässe auf dem Tisch vor sich aus.
„Was soll denn das?“ frage ich sichtlich überfordert.
„Na wonach siehts denn aus?“
„Sind das etwa Pässe, die du?“
„Jap, genau“
„Und warum?“
„Naja, Herr von Buren hatte in Italien mal einen Autounfall und hat Fahrerflucht begangen, aber Passanten haben ihn erkannt, also ist er bei der Polizei durchaus ein Begriff. Der andere ist für Holland. Da gibt’s nen Coffeeshop, da kriegen zuerst Holländer ihren Stoff und das auch noch verbilligt. Dann einen für die USA, weil man Herr von Buren dort eben auch bildhaft kennt. Und in Japan genauso“
„Und da hast du dir mal eben fünf Pässe machen lassen?“
„Jap!“
„Das ist echt so geschmacklos!“
„Warum? Ich schmeiß die doch jetz weg!“
„Wo ist denn eigentlich dien eigener Pass?“
„Na hier“ er kramt einen etwas knitterigen Personalausweis hervor.
„Du bist gar nicht 37, sondern 35?“
„Ja, ich wusste ja nicht, ob du mich kanntest. Da muss man ja bei der Wahrheit bleiben! Wenn du mich gegoogelt hättest!“
„Achso, na schön“
„Ja“
„So und jetzt geh ich zur Polizei!“
„Gretchen!“
„Was denn? Ich will nicht mehr für dich lügen! Ich hab schon zu oft für andere gelogen oder mein Leben aufs Spiel gesetzt! Ich muss auch irgendwann mal an mich denken!“
„Okay ,wenn du meinst, aber dann“
„Was dann? Läufst du mir hinterher, stellst dich daneben und bestreitest alles?“

Ich schnappe mir meine Jacke und meine Tasche. Dann laufe ich zur U-Bahn und fahre Richtung Krankenhaus. Natürlich gehe ich jetzt nicht zur Polizei, aber dafür habe ich Alexis immerhin dazu gebracht, sich jetzt endlich eine eigene Bleibe zu suchen. Alle Pässe habe ich ihm weggenommen, mitsamt seines Alexis von Buren Passes.
Sein Name ist jetzt also nun auch offiziell nur noch Frank Winkler. Soll er doch machen, was er will!
Ich werde jetzt erst einmal zur Arbeit gehen, hab schließlich Nachtschicht und morgen früh freue ich mich auf Marc, der hoffentlich schon Frühstück gemacht hat, wenn ich zurück nach hause komme!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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15.11.2009 23:18
#95 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Feierabend. Endlich. Jetzt kann ich tun und lassen, was ich will heute Abend, denn Gretchen hat Nachtschicht. Aber ein Frühstück werde ich ihr trotzdem zaubern. Bin ja schließlich ein Gentelman. Der macht solche Sachen eben auch. Manchmal.

Als ich mich gerade mit einer kalten Flasche Bier auf die Couch geflegelt habe und den Fernseher eingeschaltet habe, klingelt es an der Tür. Wer kann das sein?
Genervt gehe ich zur Tür. Ich öffne diese.

„Hallo Marc!“
„Gigi!“ sage ich sichtlich desinteressiert.
„Na, ich dachte mal, ich statte dir einen besuch ab?“ sie quetscht sich an mir vorbei in die Wohnung hinein.
„Was willst du hier?“
„Nichts, nur ein bisschen Plaudern. Jetzt, wo du doch mit meiner besten Freundin zusammen bist“ sie kichert.
„Ja, eine Schande, dass sie dir wieder verziehen hat!“
„Ja, dir hat sie doch auch verziehen, nicht wahr?“

Sie schlendert durch die Küche ins Wohnzimmer.
„Ach, du hast ja schon eine Flasche Bier offen, dabei dachte ich, wir öffnen mal eine schöne Flasche Rotwein?“
„Nein“
„Okay, dann hole ich schon mal Gläser!“ sie verschwindet wieder in der Küche, während ich mich auf das Sofa setze und genervt an meinem Bier ziehe. Scheiße ja, Simpsons, Galileo, mir doch egal, was jetzt läuft, Hauptsache, es lenkt mich von dieser Schlampe ab!
„Soooo, hier haben wir den Wein!“ sie stellt die zwei Gläser samt Flasche auf den kleinen Tisch.
„Auf wen stoßen wir an?“
„Auf nichts!“ sage ich abwertend.
„Ach, Marci, komm schon, sei doch nicht so blöd!“
„Ich bin nicht blöd, Gretchen ist blöd, dass sie dir wieder alles entschuldigt hat.“
„Komm schon!“ sie klirrt ihr Glas gegen meins und nippt an dem Wein.
Ich hingegen kippe das ganze Glas runter.
Dieser Scheiß ist ja nur mit Alkohol zu vertragen!

Gigi labert mir die Tasche voll. Ich kann sie aber auch nicht rausschmeißen, weil dann würde sie das wiederum Gretchen erzählen und die wäre dann wieder sauer auf mich und dann müsste ich auf der Couch schlafen und und und….es ist ein ewiger Kreis!
„Sag mal, du magst doch auch Sex and the City, habe ich gehört“
„Nein“
„Samantha ist ja mein großes Vorbild!“
„Ach echt? Na bei dir würde doch eher Charlotte passen!“
„Haha, reingelegt! Siehste, du kennst dich also doch mit SATc aus!“ sie giggelt. Wie das eine gigi eben macht, sie giggelt.

Nach einer stunde ist mir leicht schummerig und ich kriege auch nicht mehr all zu viel mit. Irgendwie wird mir ganz schwindelig.
Gigi labert und labert. Sie hört ja gar nicht mehr auf!
Irgendwann wird mir schwarz vor Augen und ich es dreht sich alles um mich herum. Ohje, ich glaube, ich kippe weg. Scheiße, voll weg….

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.shinyshoes ( gelöscht )
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16.11.2009 21:20
#96 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen


Ach ist das schön, wenn man nach einem langen Tag frei hat und endlich nach hause kann. Bin schon riesig gespannt, ob Marc mir Frühstück gemacht hat. Die letzten vier Male, als ich Nachtschicht hatte, hat er es zumindest schon gemacht. Wie süß trottelig er dann immer durch die Wohnung dümpelt auf der ewigen Suche nach der Kaffeemaschine. Irgendwann merkt er, dass diese doch schon auf dem Tisch steht und packt sich an den Kopf. Fährt sich durch die Haare. Sieht dann ganz verwuschelt aus. Was soll ich sagen, ich mags!

Aber heute ist Freitag und da könnte es durchaus sein, dass Marc doch noch schläft. Oder mal wieder verschlafen hat. Er ist am Ende der Woche immer so unglaublich müde. Arbeitet aber auch viel zu viel, der gute Herr. Aber wenn er meint. Ich bin ja auch immer da. Naja, fast immer. Blöd nur, dass wir meist unterschiedlich Nachtschicht haben. da muss ich immer den halben Tag und die Nacht alleine im Bett verbringen, wenn er nicht da ist.
Ja, ich habe schon Luxusprobleme. Vor einem halben Jahr hätte ich mich gefreut, wenn nur mal zur Abwechslung ein männliches Geschöpf Platz in meinem Bett gefunden hätte.

Aber so ist sie nun mal. Die moderne Frau von heute. Denkt nicht mehr über die Vergangenheit nach, denn die hat ihr nur Unheil gebracht. Unheil und Schmerzen. Unheil und Kummer. Und das war auch der Grund, warum sie so unglaublich launisch wurde und so unglaublich viel Schokolade zu sich genommen hat.
Ich war lange genug auf der Suche nach 100% und wusste nie, wann etwas richtig ist oder einen Sinn macht. Doch ich glaube, jetzt bin ich angekommen. Und so soll es sein und kann es bleiben, so hab ich es mir gewünscht.


Auf dem Weg von der U-Bahn Haltestelle zu unserer Wohnung wird mir ja schon ein bisschen schummerig. Was hier so für Leute rumlaufen. Gut, das wusste ich vorher, als ich noch nicht hier wohnte schon, aber ich wollte es ja nicht anders. Wollte hier hin und jetzt bin ich hier. Also muss ich auch mit den Konsequenzen leben.
Außerdem ist Friedrichshain ja noch nicht soooo extrem wie Kreuzberg am Kottbusser Tor, Neukölln oder Marzahn!
Ich laufe jetzt einfach ganz schnell Richtung Wohnung.

Dann werde ich vorsichtig und schon duftend die Treppen hinaufgehen. Oben angekommen steht natürlich schon Marc in der Tür, auf mich wartend, gibt mir einen Kuss und hält mir dann die frischen Brötchen, die er noch vor zehn Minuten am Bäcker um die Ecke gekauft hat unter die Nase.
Dann frühstücken wir gemütlich und lange und dann bin ich endlich bereit für mein Bett. Marc wird wahrscheinlich sofort ins Krankenhaus müssen. Oder er vergisst mal wieder die Zeit und schläft ebenfalls wieder ein. Haha, das ist ihm letztes Mal passiert.
Ich muss schon sagen, seit er mit mir zusammen ist, ist er schon ein bisschen nachlässig geworden in seinem Job. Nicht mehr von 0 auf 200 und dann sofort Herz-OP oder Darmspiegelung oder Not-Geburt im Fahrstuhl! Er braucht jetzt immer seine Zeit, bis er wach ist, bis er bei sich ist. Naja, er ist ja immerhin schon über 30! Und auch ab 30 altern Männer noch schneller, als noch ab 20. Ist ja sowieso bewiesen, dass unsere Körper ab 20 anfangen zu altern. Also müsste ich mir eigentlich einen jüngeren Mann suchen zur Zeugung meiner Wunschkinder….
Sind halt die besten Gene!

Greeeetchen, du bist in einer glücklichen Beziehung und das jetzt schon seit zwei Monaten! Das hättest du vor einem halben Jahr noch für nicht möglich gehalten und vor 14 Jahren hättest du denjenigen, der dir dieses dubiose Märchen erzählt hat, womöglich umgebracht! Oder wärst ihm zumindest an die Gurgel gesprungen! Denn Träume darf man nicht voraussagen!

Ich gehe langsam die Stufen unseres Flures hoch. Hm, kein frischer Brötchengeruch. Stattdessen stinkt es mal wieder bestialisch nach Putzmitteln! Dass unsere Nachbarin aber auch schon um 5 Uhr morgens aufstehen muss und das erste, was ihr einfällt ist, dass sie das Treppenhaus putzen muss! Hat die nichts Besseres zu tun?
Ich schließe langsam die Tür auf.
Hm, alles dunkel hier. Außer die wenigen Sonnenstrahlen, die inzwischen schon teilweise durch unsere Rollos durchscheinen.
Wo ist denn Marc? Und wieso steht hier eine offene Flasche Wein auf dem Tisch?

Wieso steht die Badezimmertür offen? Und wieso liegen Marcs Anziehsachen verteilt im Wohnzimmer, im Flur und in unserem Schlafzimmer –dessen Tür übrings offen steht.
Und wieso stehen zwei benutzte Weingläser auf dem Wohnzimmertisch? Er hat doch nicht?....

Vorsichtig und mit einem gewaltigen Ziehen im Magen gehe ich in unser gemeinsames Schlafzimmer. Ich höre ihn schnarchen. Das ist schon mal gut. Ob wohl noch jemand da liegt? Aber wer? Schwester Gabi kann es nicht sein, die hatte selbst Nachtschicht und die habe ich gerade auch noch gesehen. Schwester Sabine auf gar keinen Fall. Schwester Mariella? Die neue Italienerin? Hm, die ist doch gerade mal 20!
Die Hassmann?
Gretchen! du stehst hier im dunklen in eurem Schlafzimmer, hörst deinen Freund schlafen, hörst ihn auch schnarchen und hast nichts besseres zu tun, als dir Gedanken darüber zu machen, welche Kollegin er abgeschleppt haben könnte? Er hat doch dich!
Ja, er hat mich.
Ich rede mir immer wieder diese drei Worte ein, bis ich endlich den Lichtschalter gefunden habe.

Was ich da sehe, verstößt mir den Atem! Macht mich traurig und wütend zugleich. Macht mich wahnsinnig und lässt mich sofort auf meine Knie sinken. Es lässt mich mal wieder den Schmerz spüren, den ich so oft schon gespürt habe in der letzten Zeit, als ich meinen Freund, mal wieder, mit einer anderen Frau im Bett erwischt habe. Sei es die Arzthelferin, sei es seine eigene Mutter oder sei es meine beste Freundin.
Ich glaub ich muss kotzen. Ich glaub ich muss weinen. Ich glaub ich muss schreien!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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16.11.2009 23:21
#97 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Ich traue meinen Augen nicht. Vor mir liegt mein Freund, Marc Meier, mein fester Freund halbnackt im Bett mit meiner ehemals besten Freundin! Es ist unfassbar!

Sie hat ihren Arm auf seinem Bauch liegen, ihr Kopf liegt halb auf seiner Schulter. Die beiden könnten glatt ein echtes Liebespaar abgeben. Es ist nur so unglaublich deprimierend….

Ich mache auf der Stelle kehrt und will tränenüberströmt aus dem Zimmer laufen, knalle dabei aber gegen den Türrahmen. Scheiß Türrahmen!
In diesem Moment bewegt sich etwas im Bett.

„Gretchen?“ höre ich eine mir sehr wohl bekannte Stimme sagen.
„Was machst du denn hier?“
„Zufällig wohne ich hier“ sage ich von meinen Weinkrämpfen überwältigt.
„Scheiße, wir wollten doch nicht, dass du es so erfährst!“
„Ach, es geht also schon länger was zwischen dir und Marc, ja?“
„Hm“
„Na hoffentlich hast du dann wenigstens Spaß und kommst auf deine Kosten! Ich geh dann mal!“ ich drehe auf der Stelle um und renne zur Tür. Als ich dort stehe fällt mir ein, dass ich doch eigentlich gar nicht diejenige sein sollte, die die Wohnung verlässt, sozusagen das Feld räumt, der Feindin Platz macht. Ich wohne hier schließlich auch! Zahle Miete und koche regelmäßig! Außerdem wird dank mir hier mal wieder öfter feucht durchgewischt! Und ich würde mal behaupten ohne mich würde Marc verhungern!
Also laufe ich wutentbrannt wieder zurück in das Schlafzimmer. In MEIN Schlafzimmer.

„Weißt du was du verdammte Schlampe, VERPISS DICH VERDAMMT NOCH MAL AUS MEINEM BETT!“ schreie ich.
Gigi sitzt stockstarr im Bett. Sie bewegt sich kein Stück.
„Du verdammte Nutte, musst auch echt alles kaputt machen, was? Erst vor der Hochzeit, dann jetzt, wo ich endlich mal wieder dachte glücklich zu sein!“
Jetzt wird auch Marc wach.
„Weißt du eigentlich, wie oft ich dir aus der Patsche geholfen habe mit deinen scheiß Männern? Dabei hätte ich dir deine Sache auch mal so richtig versemmeln sollen! Weißt du eigentlich, was du hier machst?“
„Gretchen, ich“
„Keine Ausreden! Ich glaube dir kein Wort mehr! Du gibst dich als meine beste Freundin aus, dabei fickst du hinter meinem Rücken meinen Freund!“
„Was ist denn hier los?“ Marc scheint noch nicht Herr der Lage zu sein.
„Gretchen, bitte glaub mir“ bettelt Gigi.
„Ich glaube niemanden mehr! Und dir schon gar nicht! Du hast mein Leben zerstört! Du hast wieder mal alles kaputt gemacht! Du hast mir alles weggenommen, was ich hatte!“ mir laufen die Tränen die Wangen hinunter.
„Gretchen, ich wollte wirklich nicht, dass“
„Es ist vorbei, aus und vorbei Gigi, du bist nicht mehr meine beste Freundin. Nicht nach all dem, was du mir angetan hast!“ ich sehe zur Seite, während sie halbnackt aus dem Bett steigt.
„Und jetzt zu dir, du widerlicher, Scheißkerl! Du…Arsch, Arsch….Pimmel….Macho! du Drecksscheißnazikommunistenschwein! Eugler!“
„Was hast du denn?“ zu viel Lammbock geguckt.
„Was ich habe? Du fragst mich, was ich habe? zufälligerweise kam ich gerade von der Nachtschicht und dachte, du würdest für mich Frühstück zubereiten und mit mir gemütlich und genüsslich frühstücken! Stattdessen muss ich mir dieses Scheißbild ansehen, wie du nackt mit meiner besten Freundin in UNSEREM VERDAMMTEN SCHLAFZIMMER liegst!“ ich trete gegen das Bett. AUA.
„Gretchen“
„Nein Marc, sag nichts. Ich weiß eh alles“
„Es ist….ich weiß überhaupt nichts mehr, was passiert ist“
„Achja, warst du so voll?“
Stille.

Marc schaut Gigi an, diese schaut zurück. Er sieht aus, als würde er die Welt nicht mehr verstehen. Aber ich glaube ihm kein Wort. Er hat mich betrogen. Er hat MICH betrogen, seine FRUENDIN. Mit meiner besten Freundin. Ich weiß nicht, was schlimmer ist…

„Gretchen ich“
„Marc, halt einfach die Klappe, ja?“
„Wir wollten es dir sagen“ mischt sich Gigi schließlich wieder ein.
„Ach, jetzt tu doch nicht so!“ ich blicke sie fies an.
„Was wollten wir denn sagen?“ er scheint wirklich nichts zu raffen.
„Na unser kleines Treffen!“

Ich laufe in die Küche und stehe weinend am Fenster. Die Welt geht trotzdem weiter. Das ist ja das fiese.
„Gretchen, jetzt hör mir doch bitte mal zu, wir wollten das eigentlich nicht. Es war nur die Leidenschaft, der Moment, der Wein…“
„Erzähl mir doch nichts vom Wein!“ ich schluchze. „Du hast mit meinem Freund geschlafen!“
„Nein, so ist das nun wieder nicht gewesen, ich meine, er hat mit mir doch eigentlich nur“
„Gigi, ich will das alles gar nicht mehr hören, okay?“
Ich gehe in den Flur und hole meine Jacke.
„Wo willst du denn jetzt hin?“ Marc hat sich inzwischen eine Hose angezogen und hüpft auf einem Bein in die Küche.
„Gretchen, wir haben wirklich nur dieses eine mal miteinander geschlafen, sonst war da doch nichts!“
„Ja klar Gigi!“
„Ey, woowowowowow, Moment mal!“ schreitet Marc jetzt ein. Er schiebt Gigi weg, die mir wieder irgendetwas sagen wollte.
„Gretchen!“ ruft sie noch, da fällt sie auch schon zu Boden, so sehr schubst Marc sie weg.

„Marc, hast du wirklich mit ihr geschlafen? Ich meine, stimmt das, was sie mir erzählt hat?“
„Ich weiß überhaupt nicht wovon sie spricht! Ich kann mich an nichts erinnern! Ich hab ganz bestimmt nicht mit dieser Frau geschlafen, du weißt ganz genau, wie ich zu ihr stehe!“
„Jaja, schon klar“ ich drehe mich weg.
„Wirklich, Gretchen, glaub mir. Ich habe keine Ahnung, was diese Frau mit mir angestellt hat, um mich in dieser Pose ins Bett zu kriegen, aber ich versichere dir, da war nichts!“
„Marc, sag mir doch einfach nur die Wahrheit. Hast du mit ihr geschlafen, oder nicht?“
„Nein“
„Doch!“ lallt Gigi von hinten und richtet sich wieder auf.
„Wenn ich es dir doch sage! Ich kann mich an nichts erinnern, die muss mich abgefüllt haben!“
„Jaja Marc, du redest ja bekanntlich viel, wenn der Tag lang ist!“
„Gretchen! Bitte, versteh doch, ich habe keinen blassen Schimmer, diese Frau war auf einmal da, da war der Wein und dann weiß ich nichts mehr!“
„Versuch es doch nicht noch auszureden!“ sagt Gigi fies.
„Marc, du musst mich nicht anlügen, ich habe auch so dein wahres Gesicht wieder erkannt. Du bist einfach so.“ sage ich und nehme meine Tasche und gehe.

Im dunklen Flur füge ich noch einen Satz hinterher.
„Und weißt du was? Ich weiß jetzt endgültig, dass man dich nicht ändern kann, dass du einfach so bist, wie du bist und keine Frau es ändern kann oder wird, keine Frau der Welt. Eigentlich sollte ich dir dafür dankbar sein, dass ich endlich diese - wenn auch harte – Erkenntnis gemacht habe, aber ich denke ich bin jetzt für mein Leben bereichert!“
Marc und Gigi gucken mir entgeistert hinterher, aber ich gehe.

Ich laufe die Treppen hinunter und werde immer schneller. Meine Tränen kullern ebenfalls immer schneller. Irgendwann kann ich gar nichts mehr sehen vor lauter Tränen.
Unten angekommen laufe ich in Richtung U-Bahnhaltestelle.
Ich muss sofort weg von hier!
Irgendwann höre ich ein „Gretchen! Warte!“ von weitem rufen, aber da ist es schon zu spät. Da bin ich schon in die U-Bahn gestiegen, Die U-Bahn Richtung besseres Leben. Die U-Bahn Richtung Chicago.

http://www.youtube.com/watch?v=_qF09DLnXBk

Ich komm nie mehr,
Ich bin in Chicago, in Chicago,
Irgendwo, wo mich keiner kennt
Ich komm nie mehr, ich bin in Chicago, in Chicago
Dort wo niemand, niemand meinen Namen nennt!


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.shinyshoes ( gelöscht )
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18.11.2009 15:57
#98 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Ich fahre durch die Dunkelheit. Zweiundzwanzig U-Bahnstationen. Bis die Bahn wieder zurückfährt. Dann steige ich irgendwann da aus, wo ich noch nie war. Keine Ahnung wo ich bin und was hier noch geschieht. Ich bin nicht mehr Teil dieser Welt, die schon wieder vor meinen Augen zerbrochen ist. Mein Dasein ist nur noch nebensächlich. Eigentlich lebe ich in einer Parallelwelt. Niemand sieht mich und niemand kennt mich. Das wäre toll.
Leider ist auch das nur ein Traum in meinem Leben, der wohl nie wirklich seine Realität und Wirklichkeit finden wird.

"I´m Gonna Start A Revelution From My Bed“

Jaja, das wäre nur zu schön. Einfach mal alles aufgeben. Einfach mal alles ändern. Einfach mal gehen lassen. Nicht nachdenken, was die anderen über einen sagen. Nicht nachdenken, was einem selbst für Zweifel in die Wiege gelegt wurde. Nicht nachdenken, wo man heute wäre, hätte man vor zehn Jahren ein anderes Studienfach gewählt. Wer möchte schon wissen, ob man auch mit einem Jura- oder Geschichtsstudium weit gekommen wäre? Vielleicht würde ich jetzt jeden Tag im Gericht stehen und Leuten versuchen den hals zu retten. Oder ich würde in einem Museum stehen und gelangweilten Schulkindern versuchen die deutsche Geschichte näher zu bringen. Oder aber ich wäre Expertin und würde in den sämtlichen Sendungen von Guido Knopp etwas über die Ostpolitik Brandts als Folge auf die Westintegration Deutschlands sagen? Meinen Senf dazu geben? Mich selbst darstellen?
Vielleicht wäre ich dann nie hier gelandet.
Vielleicht hätte ich dann nie Peter kennengelernt, einen Betrüger-Millionär geheiratet und mich auf eine Beziehung mit Marc Meier eingelassen.
Vielleicht wäre ich jetzt schon längst glücklich verheiratet und mit meinen zweiten Kind schwanger? Vielleicht wäre ich Marc Meier nie wieder im Leben begegnet?
Vielleicht ist gut, aber auch so ein….Wort.

http://www.youtube.com/watch?v=ZLm_TQNehGQ

Vielleicht wär's besser, es wär so nie passiert,
Doch vielleicht ist so ein feiges Wort...


Eigentlich bereue ich doch auch wirklich nichts, oder? Schließlich war es mit Marc die wohl schönste Zeit meines Lebens! Jetzt ist es eben vorbei. Nichts bleibt für die Ewigkeit. Es waren schöne zwei Monate für mich...
Aber auf der anderen Seite, ich bin doch glücklich oder? Also zumindest schätzte ich mich noch bis vor einigen Stunden glücklich. Ich war immerhin mit dem besten Mann der Welt zusammen. Mit meinem Traummann. Wer kann denn schon ahnen, dass dieser doch immer noch so abgebrüht ist und mit deiner besten Freundin ins Bett steigt?
Und was soll ich jetzt eigentlich mit Gigi machen?
Ich könnte sie umbringen, ihr die Augen auskratzen und sie verhöhnen. Aber auf der anderen Seite, was bringt mir das? Ich sollte sie lieber leiden lassen. Denn Gigi ist jemand, der Streit nicht mag. Gut, ich mag Streit auch nicht sonderlich gerne, aber ich finde ihn manchmal ganz passend. Schließlich kann nicht jede Frau von sich behaupten, dass sie gleichzeitig von ihrem Freund und ihrer besten Freundin betrogen wurde! Da muss man auch mal stur sein und Trauer zeigen. Wut und Aggressionen. Ich könnte einen Baum umwerfen. Nicht ausreißen, sondern einfach nur umwerfen. So wie bei den Dinos. Da war das sogar ein Job.
Naja, wer weiß. Vielleicht würde ich jetzt auch als Kioskbesitzerin irgendwo stehen und ein viel glücklicheres Leben leben, wenn ich nicht studiert hätte. Sowieso, diese ganze Akademiker Scheiße. Das wird doch sowieso überbewertet! Wer braucht schon ein Studium, um festzustellen, dass Lernen irgendwie doch scheiße ist?
Gut, manche sind so bekloppt und machen sich den Stress mit Lernen, Jobben, Lernen, Jobben, Lernen, Jobben, Studentenpartys, WGs suchen, Lernen, Klausuren, Examen, Bachelor, Master, Doktor, diese dämlichen Bezeichnungen.
Was bringt mir ein Bachelor oder ein Master oder gar ein Doktor, wenn ich nicht glücklich im leben bin? Was bringt mir das Geld auf dem Konto oder die Fachbezeichnung auf dem Papier, wenn ich selbst nicht happy mit meinem Leben bin? Wenn ich vielleicht sogar alleine bin?

Ach das ist doch alles Mist. So ein Mist. Ich wünschte, ich wäre jemand anders.
Jemand, der nicht so viele Probleme hat, wie ich. Zumindest in Liebessachen. Ist schon kompliziert, sein Leben nicht nur auf die Liebe zu setzen.
Wieso dreht sich überhaupt alles immer nur um die Liebe? Gut, es gibt auch Menschen, denen ist die Liebe völlig egal. Die haben entweder noch nie eine erlebt oder sie wurden schon so dermaßen arg verletzt, dass sie sich den ganzen Strapazen, die eine Beziehung und Liebe nun mal mit sich bringt, nicht mehr unterziehen wollen. Die haben dann eben Spaß. Und sterben alleine.

Oder ich bin glücklich, werde betrogen und völlig verletzt. Laufe ein bisschen orientierungslos durch Berlin-Kreuzberg und kaufe mir schließlich doch in der süßen kleinen Boutique dahinten ein super schönes teures Top und zum Schnuckern noch eine Tüte Lakritze aus dem kleinen Lakritzladen um die Ecke. Dann laufe ich in der Mittagssonne den ganzen Weg von Kreuzberg nach Mitte und setze mich am Alex einfach irgendwo hin. Mein Leben läuft an mir vorbei. Die Menschen laufen an mir vorbei. Ich sitze hier und schaue zu. die Welt geht weiter. Das ist ja der Scheiß. Mein Leben ist die Hölle. Es ist eine Hölle. Naja, immerhin habe ich eine Arbeit und bin kein Pfeil. Wäre auch eher unschön. Aber wer weiß, vielleicht wird das Krankenhaus auch irgendwann geschlossen? Hm, wäre blöd.
Irgendwann stehe ich wieder auf und gehe zur S-Bahn. Ich fahre einmal nach Potsdam und zurück, um schließlich bei Mehdi auszusteigen. Ich weiß nicht wieso, ich weiß nicht warum, aber irgendwie brauche ich gerade jetzt jemanden, mit dem ich reden kann und der mir auch zuhört und der mir nicht gleich wieder einredet „Ich habs dir doch gesagt!“….

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18.11.2009 22:50
#99 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

„Sag mal hast du den Arsch offen?“ rufe ich, als ich wieder zurück in meiner Wohnung bin.
Gigi steht inzwischen angezogen da.
„Wieso? Was denn?“
„Gretchen denkt, wir hätten was gehabt! Sie ist weggelaufen! Sie hat Schluss gemacht, ist dir das eigentlich klar?“
„Marc, wie könnte ich das nur übersehen? Das war mein Ziel!“
„Dein was? Dein Ziel?“
„Klar, oder hast du damals gedacht, als du mich im Krankenhaus als „so richtig hässlich“ beleidigt hast, dass es aus ist? Nein Meier, ich geb nicht auf! Du hast Gretchen nicht verdient!“
„Ich hab Gretchen nicht verdient?“
„Ja, du behandelst sie schlecht. Du belügst und betrügst sie. Und nebenbei hast du ihr ein wichtiges Detail nicht gesagt!“
„Ich betrüge sie? Darf ich dich mal auf den Gedankentrip bringen, dass DU mir das Zeugs, was auch immer es war, untergejubelt hast, das mich völlig weggebeamt hat?“
„Ja, aber auch nur zu schade, dass du als Arzt das nicht gemerkt hast“
„Woher häte ich denn?“
„Tja, du bist und bleibst eben ein Mann.“
„Wie hätte ich denn denken können, dass ausgerechnet du“
„Marc, Frauen sind gut im Intrigen spinnen. Sie können Männer so einfach verarschen, wie du ja selbst gemerkt hast“
„Du bist so eine Schlampe“
„Nein, ich bin nur intelligent und weiß mir zu helfen!“
„Nur weil du selbst keinen Mann abkriegst, muss du doch nicht die Beziehung deiner besten Freundin zerstören?“
„Doch Marc, manchmal muss man so etwas tun. Da hilft es nicht, nur zu zugucken und versuchen einzureden. Da muss man eben handeln, und das nicht zu kurz!“
„Du bist so eine zu bemitleidende Schlange“
„Ohhhhh, ich glaube jetzt bist du der zu Bemitleidende von uns beiden, immerhin denkt deine Freundin, du hättest sie betrogen!“
„Und die ist auch nicht wirklich egal, dass sie von dir genau dasselbe denkt?“
„Marc, wir sind Frauen. Wir können verzeihen!“
„Haha, ich hoffe mal stark, dass Gretchen dir nicht verzeiht. Wäre ja die falscheste Entscheidung, die sie treffen würde!“
Gigi zieht mit einem fetten Grinsen im Gesicht ab.

„Die Tür hat verdammt noch mal eine Klinke!“ schreie ich ihr hinterher.
Boah diese verdammte Schlampe. Zerstört sie mit einem Mal meine Beziehung zu Gretchen. Das kann ich einfach nicht glauben.

Da muss ich doch was unternehmen! Ich kann das doch nicht einfach auf mir sitzen lassen! Immerhin ist Gretchen weg, für immer wahrscheinlich. Nie wieder werde ich sie in meine Arme schließen können und das alles nur wegen dieser dämlichen Scheißkuh, die anscheinend zu wenig gevögelt wurde in ihrem Leben und zu viel Unglück erfuhr, dass sie die Beziehungen ihrer Freundinnen zerstören muss. Würde mich nicht wundern, wenn sie anderen Frauen auch die Männer ausspannt. So was Hinterhältiges habe ich ja noch nie gesehen. Da war ja selbst Gabi ein Engel gegen!

Ich mache mir einen Kaffee und setze mich an den Tisch. Diese Stille. Sie erdrückt mich. In den letzten Wochen war ich nie alleine. Gut, vielleicht mal, als Gretchen noch Dienst hatte. Aber ich wusste eben, dass da noch jemand ist, der kommt. Ich war also nie wirklich alleine in den letzten zwei Monaten. Und jetzt? Jetzt sitze ich alleine in meiner dunklen Küche. Niemand sagt etwas. Ich muss zugeben, manchmal hat mir Gretchens mit ihrem vielen Gelaber schon genervt, aber jetzt vermisse ich es.
Es stimmt also doch. Man merkt erst, dass man etwas wirklich liebt, wenn man es verloren hat. Ich glaube ich bin soeben in meinem ersten Liebeskummer seit Jahren. Genau genommen seit zwölf Jahren. Denn da machte Tanja mit mir Schluss. Damals brach die Welt für mich zusammen. Ich wusste gar nicht wohin mit mir. Wollte nicht ein, nicht ausziehen. Hatte keinen blassen Schimmer, was das Richtige für die Zukunft war. Alles, was ich hatte war weg. Wir hatten uns schon unsere Zukunft geplant und ausgemalt. Wir wollten beide gemeinsam anfangen zu studieren. Sie Schauspiel, ich BWL. Doch auf einmal war Schluss. Auf einmal machte sie Schluss, mit der Begründung „Ich glaube ich habe keine Gefühle mehr für dich!“. Einfach so, da war sie weg, meine große Liebe.
Und dann schwor ich mir, nie wieder einer Frau so nahe zu kommen, dass sich echte Gefühle entwickeln konnten. So lebte ich auch. Kurz nach der Trennung, besser gesagt kurz nach drei alkoholgefüllten Wochenenden beschloss ich Medizin zu studieren. Keine Ahnung warum, aber ich machte es. Erschien mir damals wahnsinnig rebellisch. Der absolute Schulschwänzer, ja ich gebe zu, ich schwänzte sehr, sehr viel, studiert auf einmal Medizin. Ein Wunder, dass ich überhaupt genommen wurde bei meinem Abi-Durschschnitt. Aber vielleicht war es Schicksal? War es Schicksal, dass ich Gretchen Haase wiedertreffen würde? Es war bestimmt eine Vorbestimmung, ich weiß es. Oh mein Gott, jetzt philosophiere ich schon so viel rum, wie Gretchen!
Jedenfalls lebte ich mein Studentendasein so richtig aus! Hier und da ein Mädchen, mal eine ältere Frau. Ich hatte alles. Dann traf ich Nina, meine Ex. Sie war die hübsche Schauspielstudentin aus München. Ich fühlte mich zurückkatapultiert in die Zeit mit Tanja. Vor Tanja. Nach Tanja. Wie auch immer, jedenfalls war sie die Erste, die nicht so plump auftrat, als sie mich sah. Ein paar Dates. Ein paar längere Nächte, in denen wir wirklich nur geredet haben. Und erst dann kamen wir zusammen. Die wohl schönste Zeit meines Lebens?
Die ersten Monate ja, vielleicht das erste Jahr. Aber dann wurde es zur Routine. Routine-Abende, Routine-Monats- und Jahrestage. Routine-Urlaube. Routine-Sex. Routine-Streits. Alles war vorhersehbar und gleich.
Nach drei Jahren war endlich Schluss.
Obwohl sie eigentlich ganz nett war.
Aber Liebeskummer? Never ever…
Und dann kam Gretchen. Sie verzauberte mich. So kitschig das klingt, es ist wahr.

Und jetzt ist sie weg. Und ich bin wieder allein allein.
Wie mir die Fantastischen 4 doch da aus der Seele sprechen.
Zum ersten Mal in meinem ganzen Leben habe ich mal wieder richtige Liebe gespürt und dann ist sie einfach weg.
Es hilft nichts, ich muss mich ablenken. Mal was anderes sehen.
Ich schnappe mir meine Jacke und gehe raus auf die inzwischen dunkle Straße – Wow Marc Meier, du hast zum ersten Mal in deinem Leben fünf Stunden am Tag nachgedacht!

Ich laufe die leere Straße entlang. Die Fützen schimmern im Licht. Es ist so einsam in Berlin. So ruhig. Niemand hier. Obwohl Millionen hier wohnen. obwohl noch dazu Millionen Touristen hier sind.
Mein Stammkiosk, wo ich mir immer meine Zigaretten hole hat zu. Na toll. Muss ich eben woanders hin.
Ich laufe in Richtung Kotbusser Tor. Hier muss es doch irgendwo Zigaretten geben! Während ich so laufe, merke ich wieder, wie mir Gretchen doch fehlt und ich sehe sie plötzlich überall.

http://www.youtube.com/watch?v=43MS55Vq_gA

Ich sitzt auf deiner Couch
Du gibst die Karten aus
Ich weiß nich was kommt
Und versteck mich in Deinem Blick
Schau aus dem fenster raus
Und hör Dir zu wie du was sagst
Und die Uhr wie sie leise tickt
Rettung ist nicht in Sicht
Denn hier geht's nicht um mich
Du schweifst aus
Und machst reinen Tisch
Du forderst mich heraus
Ich seh's in Deinem Gesicht
Willst wissen was ich will
Doch ich weiß es nicht

Chorus:
Mir fällt so vieles ein
Doch das hat damit nichts zu tun
Ich nehm meine Jacke und geh heim
Die Stadt sie leuchtet
Und überall bist Du

Du meinst wir waren zusammen
Doch von Anfang an lief ich nur neben her
Du hast recht ich erinner' mich
Du hast um mich gekämpft
Und wenn ich daran denk wie lange schon
Dann wird mir schwindelig
Doch mal angenommen es wär nich ganz so schwer
An mich heranzukommen
Hätten wir es trotzdem hingekriegt

Chorus:
Mir fällt so vieles ein
Doch das hat damit nichts zu tun
Diese Stadt wird mir zu klein
Denn sie leuchtet
Und überall bist du
Überall bist du
Überall bist du

Auch wenn ich daran nichts mehr ändern werd
Ich will nur das Du weißt
Dass ich das nicht so schnell vergessen werd
Denn sowas bleibt
Auch wenn wir uns nicht mehr sehen
Für immer und ewig
Für immer und ewig

Chorus:
Mir fällt so vieles ein
Doch das hat damit nichts zu tun
Ich nehm meine Jacke und geh heim
Die Stadt sie leuchtet
Und überall bist Du
Überall bist Du
Überall bist Du
Überall bist Du

_____________
Suchst du mich, dann such ich dich. Ist die Versuchung groß genug?

.shinyshoes ( gelöscht )
Beiträge:

18.11.2009 23:54
#100 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Wenn Gretchen mich jetzt sehen würde. Seit Tagen bin ich völlig neben mir. Völlig verwahrlost. Hab mich schon seit Tagen nicht mehr rasiert, vom Duschen ganz zu schweigen. Merkt doch eh keiner. Macht doch alles keinen Sinn. Wozu brauch ich das denn?
Ich muss zugeben, ich fühle mich ein wenig wie der Protagonist aus diesem Popromans, Soloalbum.
Bin ich wirklich schon so am Boden? Völlig in meiner Einsamkeit versunken?
Wird es mit mir etwa auch bald soweit sein, dass ich unter Dusche potentielle Partnerinnen bestaune, indem ich diverse Fotos rausgekramt habe und gucke, auf welche ich am besten reagiere? Werde ich auch alles waschen, was mit Gretchen zu tun hat und irgendwann wird dieses eine Bild von ihr, das ich habe, in der Mitte der Waschmaschienentür stecken bleibe und ich werde es trotz Waschgang sehen? Werde ich auch zehn Tage einfach nur schlafen? Und saufen?
Werde ich etwa auch bald von mir so reden:

„Was haben sie denn gemacht?“
„Geschlafen“ und getrunken und geweint.
Am Ende zerstört mir dann auch noch ein Sondereinsaztkommando der Feuerwehr mein Schloss, weil den Nachbarn der stark ekelige Geruch in die Nase gestiegen ist. Tja und dann fragt der Herr von der Schlosserei mich, ob ich denn gerne eine Quittung hätte.
„Wat soll ick denn mit na Quittung?“

Vielleicht sollte ich wirklich mal aufhören dauernd rumzuheulen. Ich bin schließlich ein Mann! Oder? Doch ich denke schon. Hm, was solls.
Höre ich eben noch eine platte von Oasis. Irgendwann wird’s mir schon wieder besser gehen. glaube ich. hoffe ich. bete ich. träume ich, aber wann?

http://www.youtube.com/watch?v=6QyVil0dwhk

Hold on
Don't be scared
You'll never change what's been and gone

May your smile (may your smile)
Shine on (shine on)
Don't be scared (don't be scared)
Your destiny may keep you warm

Cos all of the stars
Are fading away
Just try not to worry
You'll see them some day
Take what you need
And be on your way
And stop crying your heart out

Get up (get up)
Come on (come on)
Why're you scared? (I'm not scared)
You'll never change
What's been and gone

Cos all of the stars
Are fading away
Just try not to worry
You'll see them some day
Take what you need
And be on your way
And stop crying your heart out

Cos all of the stars
Are fading away
Just try not to worry
You'll see them some day
Take what you need
And be on your way
And stop crying your heart out

We're all of us stars
We're fading away
Just try not to worry
You'll see us some day
Just take what you need
And be on your way
And stop crying your heart out
Stop crying your heart out
Stop crying your heart out



Ja Marc Meier, dein Leben ist arm. So notbedürftig arm, dass du schon über dich selbst philosophierst. Das hast du doch sonst nie getan!
Aber so was nennt sich dann wohl Liebeskummer. Ja, ich habe Liebeskummer. Ja, ich gebe es zu. Ich bräuchte mal Ablenkung. Aber was? Mein bester Freund Oliver ist gerade glücklich und frisch mit seiner Freundin zusammengezogen. Alles, was ich schon nach zwei Monaten gemacht habe, hat er nach drei Jahren gemacht. Bin ich zu modern?
Was auch immer ich bin. Es ist egal.
Ich bin nicht mehr wert, als jedes Brot auf der Welt. Jedes schimmelnde Brot. Ja, so hart das klingt, es stimmt doch.
Scheiße, ich bade im Selbstmitleid. Ich habe doch immer von mir behauptet, das würde mir nie passieren! Tja, so kann man sich in sich selbst täuschen…

Das was man Liebeskummer nennt, ist ganz schön hart. Ohje.
Gretchen hab ich jetzt auch schon lange nicht gesehen. Gut, das ganze ist jetzt erst eine Woche her, aber das ist ja für mich eine halbe Ewigkeit.
Hab mir sofort Urlaub genommen. Mir doch egal, was die von mir denkt. Und ob ich meinen Job dadurch verlieren kann oder zumindest meinen Ruf. Das ist mir momentan so was von scheiß egal!
Wer braucht schon einen Job? Wenn man doch alleine ist?
Dass ich mir überhaupt so eine Schande hab unterjubeln lassen, ist schon der Oberhammer schlecht hin. Dabei war ich doch immer derjenige, der die Frauen verarscht hat.
Jetzt war ich mal an der Reihe.

Gigi, wenn ich die in die Finger kriege, ich mach sie so was von fertig, das schwöre ich!
Dass ich mir diese Frau nicht sofort geschnappt habe. Ich weiß, man schlägt keine Frauen, aber Gigi hätte es verdammt noch mal verdient. Und nötig.

_____________
Suchst du mich, dann such ich dich. Ist die Versuchung groß genug?

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