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Dieses Thema hat 207 Antworten
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 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
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.shinyshoes ( gelöscht )
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05.11.2009 00:04
#51 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen

Das kann ja wohl nicht wahr sein. Da will ich mal einmal abends weggehen, und schon habe ich so eine dämliche OP im Nacken sitzen. Tzz, gut theoretisch klappt das ja noch von der Zeiteinteilung, aber dann habe ich nur noch eine halbe Stunde, wenn ich großzügig bin, um mich fertig zu machen. Und dabei wollte ich doch gut aussehen.

„So, jetzt noch schnell nach hause und dann auch schon wieder weg zum Klassentreffen, was?“ fragt mich Marc, als ich an meinem Spind stehe.
„Ja, klar!“
„Gut. Weißt du schon wie du nach hause kommst?“ was soll denn jetzt die Frage?
„Nein?“
„Ja weil dann nehme ich dich mit. Ich nehme an, du fährst nicht mit dem Auto?“
„Ne, das hat mein Vater“
„Tja, so ist das wenn man immer noch von den Eltern abhängig ist“
War ja klar. Erst kommt was nettes, eine Eigeninitiative von ihm und sofort kommt darauf noch ein fieser Kommentar. Aber das ist eben typisch Marc Meier. Was soll man machen?

Als ich nach hause komme ist das Bad besetzt.
„Boah Papa, jetzt beeil dich doch mal! Das Essen mit Mama läuft dir doch nicht weg!“ rufe ich und hämmere gegen die Tür.
„Ja, gleich!“ höre ich es aus der Dusche rauschen.
Toll. Da habe ich sowieso schon unglaublich wenig Zeit, um mich von einer Ärztin in eine sexy 30jährige Frau verwandeln und dann ist auch noch das Bad besetzt. Ich könnte kotzen!
Fünf Minuten später kommt mein Vater nur mit einem Handtuch um die Hüften aus dem Bad.
„Was ist denn los mit dir?“
„Ja, ich will zufälligerweise gleich los?“
„Wohin denn?“
„Na zum Klassentreffen?“
„Was willst du denn da? Die haben dich doch sowieso nur immer gemobbt?“
Angeben, dass ich jetzt mit Marc Meier zusammen arbeite?
„Ja, deswegen ja!“
„Verstehe ich irgendwie nicht, Kälbchen“
„Ich will den vielleicht auch mal zeigen, dass aus mir etwas geworden ist?“
Ich verschwinde im Bad und verriegle sofort die Tür hinter mir. Kann ja wohl nicht angehen, dass ich noch weiter vom Duschen abgehalten werde.

Nach einer guten Viertelstunde bin ich mit Duschen und Haare föhnen fertig. Ja, ich habe mich sehr beeilt. Gut, meine Haare sind vielleicht noch nicht ganz trocken, aber das ist jetzt egal. Ich will heute schließlich keinen Mann abschleppen, ich will allen nur zeigen, dass ich es auch drauf habe. Aus mir, Gretchen Haase, der ehemaligen dicken kleinen schokoladeessenden Brillenschlange ist immerhin eine mehr oder weniger erfolgreiche Ärztin geworden. Gut, Assistenzärztin um genau zu sein. Aber das wird Marc schon nicht ausplappern. A propos Marc, ich sollte vielleicht doch ein Top anziehen, das ein bisschen weiter ausgeschnitten ist, man kann ja nie wissen.

„Margarethe! Da ist jemand an der Tür für dich?“
„Wer denn?“ rufe ich die Treppe hinunter.
„Der Meier“ höre ich meinen Vater schimpfen. Ja, ich weiß, er mag ihn nicht sonderlich, seit er mir vor kurzem erst noch das Herz gebrochen hat und dann auch noch Gabi heiraten wollte. Aber man kann ja nichts gegen Gefühle machen, oder? Mein Vater hatte schließlich auch Affären und ich habe nichts dagegen gesagt.
Ich laufe schnell die Treppe hinunter, so schnell das mit High Heels geht und ziehe meinen Mantel an.
„Margarethe, du hast dich ja heute richtig schick gemacht“ bemerkt meine Mutter.
„Ja, habe ich das?“
„Na so läufst du zumindest nicht jeden Tag rum“
Ja, das war ja auch der Plan der Sache.
„So Meier, dann haben sie mal ein schönen Abend.“ verabschiedet sich mein Vater von Marc.
„Marc, ich wusste nicht, dass wir verabredet hatten, dass du mich abholst?“
„Tja, es regnet und da dachte ich, ich kann dich ja auch mitnehmen. Ist ja kein Umweg“
Nein, gar nicht. Meine Eltern wohnen nur in Charlottenburg und Marc in Friedrichshain und wir müssen dann wieder nach Mitte, aber das ist ja kein Umweg. Nein.
„Gut, dann können wir oder musst du noch mal pudern?“
„Ahja, sehr witzig“ sage ich, nehme meine Handtasche, verabschiede mich noch von meinen Eltern und laufe durch unseren Vorgarten zu Marcs Auto.
„Du könntest dir aber auch mal ein neues Auto zulegen, der fällt ja fast auseinander“ sage ich locker, als ich Marcs alten, weißen, dreckigen Volvo sehe.
„Man kann ja nicht alles haben im Leben, was?“
„Nein, da hast du ausnahmsweise mal recht“ lache ich und steige ein.

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Suchst du mich, dann such ich dich. Ist die Versuchung groß genug?

.shinyshoes ( gelöscht )
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05.11.2009 00:06
#52 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Irgendwann nach einer halben Ewigkeit sind wir endlich da. Und ich dachte immer, Männer könnten besser einen Parkplatz suchen. Gut, mit mir sollte man das vielleicht nicht vergleichen, denn nachdem ich mit 18 – gerade Führerschein – ein Auto beim Vorwärtseinparken mitgenommen habe und darauf eine lange Wartezeit in eisiger Oktoberkälte folgte, bis die Herren Polizisten endlich mal eintrudelten, habe ich grundsätzlich große Panik vor parkenden Autos. Ich parke sowieso nur da, wo noch niemand neben mir steht. Und wenn sich im Laufe der Zeit jemand daneben hinstellt, kriege ich schon beim Anblick eine halbe Sinnkrise und es dauert ungefähr mehr als ein Peter Fox Lied, bis ich aus der parklücke wieder draußen bin.
Aber das ist ja jetzt egal, weil Marc hat ja geparkt. Und das auch noch gerade. Mist, den kann man echt für nichts anklagen!

Wir gehen stumm die Treppen zum Eingang hoch. Keiner sagt was. Was ist los? Wir sind doch sonst nicht so! Naja, egal. Jetzt erst einmal Klassentreffen.
Bin ja mal gespannt, was die anderen so sagen, wenn ich gleich gemeinsam mit Marc Meier den Saal betreten werde. Immerhin war er immer der Schulschwarm. Egal, welches Mädchen, irgendwie fand ihn ja jede toll. Außer Inka eben. Oh, hoffentlich ist die nicht auch da!
„Und, freuste dich schon?“ frage ich Marc.
„Ich weiß nicht worauf ich mich mehr freuen soll, dass ich die ganzen alten Fratzen wiedersehe, oder dass es Bier umsonst gibt“ typisch Marc. Wie immer eben. Egal.
„Also ich freue mich ja schon darauf mich mit den anderen auszutauschen, ich finde das ja irgendwie spannend zu hören, was die anderen so in den letzten fünf Jahren gemacht haben“
Vor fünf Jahren war das letzte Klassentreffen. Damals leider nur von meiner alten Klasse. Sonst hätte ich Marc wahrscheinlich damals schon wiedergesehen.
„Tja dann mal rein!“ sagt Marc und hält mir die Tür auf. Wow, er ist ja doch irgendwie ein Gentleman geworden. Hm, kann also doch noch lernen.

„Guten Tag, sie sind?“ fragt uns eine große Blonde am Empfang.
„Meier und Haase“ sie guckt uns grinsend an.
„Bitte hier entlang“ wir folgen der dünnen Blonden. Wieso sind eigentlich alle Frauen, die ich in letzter Zeit treffe blond? Und dünn?
„So, da wären wir. Ihre Platznummern haben sie hier“ sie gibt uns zwei kleine Papierschnipsel, auf denen große Nummern draufstehen.
„Und die Garderobe ist hier vorne. Ich darf doch?“ fragt sie und hängt unsere Jacken auf. Wow, Service, Service.
„Ich bin ja mal gespannt“ flüstert mir Marc zu und wir gehen suchender weise zu dem großen runden Tisch, an dem unsere Nummern stehen.
„Tag“ sagt Marc in die Runde.
„Hallo“ flöte ich aufgeregt.
„Marc Meier, altes Haus, endlich sieht man sich mal wieder!“ Klaus kommt auf ihn zu. War ja klar. Klaus, der total Versager damals. Und jetzt? Hm, sieht eigentlich ganz passabel aus.
„Mir geht’s gut, und dir?“ ich merke sofort, dass Marc nicht wirklich mit ihm reden will.
„Ja auch, super. Dannii ist jetzt schwanger!“ und eine Frau hat er dazu auch noch gefunden.
„Wer auch immer Dannii ist“ sagt Marc und nimmt einen großen Schluck des gerade servierten Begrüßungschampagner.
„Das ist ja jetzt schon schrecklich hier!“ flüstert Marc mir zu.
„Oh, warte mal ab, wenn alle ein bisschen getrunken haben!“ antworte ich.
Der Champagner ist schon mal gut. Könnte ich noch ein Glas von vertragen!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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05.11.2009 00:07
#53 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Gretchen!“ höre ich eine mir sehr bekannte Stimme flöten. Ich drehe mich um. Inka.
„Na das ist ja schön, dass wir uns schon so schnell wiedersehen!“ ja, du mich auch.
„Hehe, ja ich finds auch totaaal toll“ ich lache einfach mit ihr.
„Sag mal, wie geht es dir? Gute OPs gehabt? Neues dazugelernt? Also wenn du mal in die Charité willst, ich kann dir da bestimmt einen Platz besorgen!“
„Äh, nein danke, ich denke ich bin bei uns ganz gut aufgehoben“ winke ich ab und nehme noch einen großen Schluck Champagner.
Marc hatte recht, es ist jetzt schon schrecklich! Aber was solls, ich muss da durch, ich wollte ja auch hier hin, dann muss ich mich auch dieser dämlichen Gesellschaft stellen. Außerdem wollte ich mit meinem Arztberuf doch mal so richtig auftrumpfen!
„Gretchen!“ noch eine alte Freundin.
„Mensch, ich wusste ja gar nicht, dass du so erfolgreich bist!“
„Tja“
„Man hört ja schon viele Sachen von dir?“
„Ach echt?“
„Ja, mit deiner geplatzten Hochzeit, deinem Medizinstudium und dass du dich dann doch für die Chirurgie entschieden hast!“
Ja, so ist das, wenn Mütter sich beim Friseur treffen.
„Mensch Margarethe, dich hat man ja auch lange nicht gesehen!“ sagt Tobi. Oh nein, nicht Tobi. Er war bis zum Abi mein bester Freund. Und ich glaube völlig verschossen in mich. Der einzige Junge, der sich damals für mich interessiert hat. Aber ich wollte ihn ja nicht. Ich wollte Marc.
„Wie geht’s euch denn so?“ frage ich in die Runde, als alle sitzen. Marc ist immer noch mit Klaus beschäftigt und wird ihn wohl irgendwie nicht los. Tja Marc, so ist das eben.
„Ja, uns geht’s ganz gut, wir haben ja auch alle noch Kontakt. Aber wir wollen doch wissen, was bei dir so läuft! Erzähl doch mal was von deinem Job. Oder noch besser, von Meier und dir! Ihr seid doch jetzt zusammen, habe ich gehört!?“
Mir bleibt der Champagner im Hals stecken. Bitte was? Wer zum Teufel behauptet denn, dass Marc und ich ein Paar wären?
„Marc und ich?“ frage ich liebe noch einmal nach.
„Ja, Marc und du!“ wiederholt Tobi die Worte.
„Woher wisst ihr das?“ frage ich entsetzt. Ich weiß, eigentlich sollte ich mich freuen. Aber ich kann das irgendwie nicht. Schließlich war ich schon zweimal mehr oder weniger mit Marc zusammen und beide male ist nichts daraus geworden. Es hat einfach nicht geklappt. Wir haben uns nicht auseinandergelebt, sondern selbst das Herz gebrochen.
„Na von Inka“ Hä? Habe ich jetzt was verpasst? Sie war doch sonst kein Lästermaul!
„Und woher weiß die das?“ frage ich blöd nach. Muss ja wissen, wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat und wer es womöglich schon alles weiß.
„Na die hat euch im Fahrstuhl gesehen, hat sie uns erzählt“
Was? Im Fahrstuhl, wann war ich denn mit Marc…?
Achja.
„Ja“ hihi, ich lache, damit die drei von nichts Wind bekommen. Diese Chance könnte ich ja eigentlich mal ausnutzen.
„Dann“.

Ich tippe Marc unauffällig auf die Schulter, als die anderen anderweitig beschäftigt sind.
„Was ist?“ zischt er mich wieder mal an.
„Wir sind ein Paar“
„Was?“
„Pssst, nicht so laut“ ich beuge mich noch weiter vor zu seinem Ohr. „Die denken, wir sind ein Paar“
Marc guckt mich verdutzt an. „Woher wissen die das denn?“ „Von Inka, die hat es denen wohl gesteckt“
„Und die“
„Na die hat uns im Fahrstuhl gesehen“
„Ahja“
„Ja“
„Das hast du ja mal wieder super hingekriegt, Gretchen!“
„Ich bin doch nicht schuld, was kann ich dafür, wenn du nicht aufhören kannst?“
„Ich konnte nicht“
„Ja, typisch Mann. Warum muss sich auch immer was in eurer Hose bewegen, wenn ihr nur nackte Brüste seht?“
Marc sieht beleidigt zu Boden und schmollt.
„Jetzt können wir doch sowieso nichts mehr dagegen tun“ flüstere ich. Nicht, dass das noch jemand hört.
„Jap, du hast recht“.
Er nimmt meine Hand und lässt sie gar nicht mehr los.

Den ganzen Abend sitzen wir da. Händchenhaltend.
„Und wie ist es dann dazu gekommen, dass ausgerechnet ihr zwei?“ will Klaus unbedingt wissen.
„Naja, wir haben uns im Krankenhaus wieder getroffen“ erzähle ich stockenderweise. Marc schweigt und sieht mich dabei nur an.
„Und wir haben uns dann eben im Fahrstuhl zum ersten Mal wiedergesehen und“
„Es war Liebe auf den zweiten Blick“ fügt Marc hinzu. Was? Auf den zweiten?
„Ja, es war Liebe….es war Liebe?“
„Es war Liebe“
„Ja, genau, hihi“ ich hickse ein bisschen, um die Stimmung lockerer zu machen. Sollen ja nicht alle gebannt auf uns starren, als wären wir das neue royal Paar aus Norwegen.
„Und dann?“
„Wir arbeiteten ja zusammen. Also, er ist mein Chef und ich“
„Sie ist meine Assistenzärztin. Eine der besten. Wenn nicht sogar die Beste“
Meint er das wirklich ernst, oder ist das jetzt nur dahergesagt?
„Und dabei habt ihr euch verliebt?“
„Naja, es gab schon noch ein paar Hürden, die zu meistern waren“ sage ich weiter.
„Ja, die OPs waren nicht immer einfach“ fügt Marc hinzu.
„Und der Job macht einen ja auch körperlich total fertig“
„Da muss man sich schon ranhalten, wenn man die Beziehung nicht vernachlässigen will!“ sagt Marc. Wow, so emotional heute.
„Und das war erlaubt bei euch auf der Station? Dass es Liebe zwischen Chef und Assi gibt?“
„Naja“ versuche ich die Antwort zu vertuschen.
„Ja“ sagt Marc hingegen sofort.
Was? Wieso ist er sich denn da so sicher?
„Dann funkte es. Ach, ist das romantisch!“ schwärmt Kathi, die sich inzwischen zu uns gesetzt hat.
„Also es war jetzt nicht wie in einem Liebesfilm, in dem die zwei Hauptfiguren sich ständig streiten und irgendwie nicht zusammen sein können, weil noch eine dumme Ziege und ein oller Betrüger dabei sind, aber es war schon schön“ erzähle ich.
„Ja, es war wirklich schön.“ Was ist Marc denn so nachdenklich?
„Naja aber es ist ja auch noch nicht sooo lange, da seit ihr bestimmt schon länger zusammen Klaus, was?“ versuche ich irgendwie vom Thema abzulenken.
„Naja, fünf Jahre“
„Siehste!“ lache ich.
„Aber bei euch ist das doch bestimmt die ganz große Liebe, oder?“
„Ja“ sagt Marc sofort. Wow, wie gut er schauspielern kann, das hätte ich ja nicht gedacht.
„Ja doch“ sag ich.
„Wenn alles glatt läuft, heiraten wir auch bald“ sagt Marc plötzlich. Also jetzt übertreibt er aber.
„Naja, wir wollen ja noch nicht so einen Schritt für die Ewigkeit gehen“
„Doch“
„Ach Marc, Schatz, jetzt übertreibst du aber“
„Ja, ich weiß noch, wie du damals schon für Marc geschwärmt hast. Das ging wirklich nicht aus deinem Kopf rauszuprügeln. Selbst, wenn er mit einer anderen auf dem Schulhof rumgeknutscht hat, wolltest du nicht aufgeben. Du hast mir immer gesagt, wenn man nur lang genug daran glaubt, dann bekommt man auch sein Glück. Und jetzt, sechzehn Jahre später hast du es ja!“ erzählt Kathi und freut sich wohl richtig für mich.
„Ja, äh, da wo du es sagst!“ lache ich.
„Aber Marc, dass du mal deine Meinung ändern wirst, über „Hasenzahn“? Hätte ich ja nicht gedacht!“ fügt Kathi hinzu.
„Ja“
„Aber Gretchen hat sich ja auch verändert.“ Jetzt bitte nicht auf mein Äußeres von früher lenken. Ja, ich hatte Modesünden, aber die hatte Heidi Klum oder Gisele Bündchen bestimmt auch mal!
„Ja, ihre schönen Haare, die immer so gut riechen. Ihre Augen, in denen man sich manchmal wirklich verlieren kann. Ihre schöne Stimme. Ihr Gesicht, wenn sie mal wieder etwas nicht verstanden hat bei einer OP. Ihre kleinen Ausraster. Ihre Figur. Ihre süße rosa Mütze. Ihre Motivation. Ihre typische Art von einem Fettnäpfchen ins nächste zu laufen.“ zählt Marc plötzlich auf.
Was? Das denkt er jetzt aber nicht wirklich über mich, oder?
„Da kann man als Mann schon manchmal schwach werden!“ er sieht mich an.
Das hat er jetzt aber nicht ernst gemeint, kann gar nicht sein. Nein Gretchen. Warum? Na ganz einfach. Weil er so etwas nie sagen würde. Schon gar nicht über dich.
Das ist einfach nicht Marc Meier. Aber wer ist schon Marc Meier?

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.shinyshoes ( gelöscht )
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05.11.2009 19:57
#54 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc und ich erzählten noch den ganzen Abend von unserer „angeblichen“ Beziehung. Und ich könnte schwören, dass er irgendwann einmal ein Schauspielseminar belegt haben muss. So gut, wie der diese Gefühle für mich gezeigt hat.

„Kommt ihr auch noch mit tanzen?“ fragt mich Kathi, als der partylastige Teil des Abends beginnt.
„Tanzen? Ja klar!“ sage ich und ziehe Marc hinter mich her.
Mit den vier Gläsern Champagner und den zwei Gläsern Bowle tanz ich jetzt sogar freiwillig!
„Was wollen die denn jetzt schon wieder von uns?“ fragt mich Marc genervt, als wir Richtung Tanzfläche marschieren.
„Na, tanzen?“
„Och nö“
„Komm, auf Mehdi´s Party hast du schließlich auch getanzt!
„Ja, da war ich auch betrunken!“ stöhnt er.
Oh, Männer, können immer so wunderbar leiden.

Ich nehme Marc an die Hand und versuche ihn irgendwie in Bewegung zu bringen.
„Maaan, als du betrunken warst, hast du aber besser getanzt! Hicks!“ Ohje, Schluckauf. Irgendjemand denkt an mich. Aber wer? Alexis? Nein, bestimmt nicht. Wieso sollte er auch? Er hat doch seine Mutter! Dämlicher Ödipuskomplex.
„Und heute bist du betrunken oder was?“ lacht Marc. Na endlich. Ich dachte schon, seinem Mundwinkel verziehen sich heute gar nicht mehr.
Wir schwingen also wieder das Tanzbein und das ganz schön lange. Irgendwann verabschieden sich Klaus und Dannii. Schwangere können ja nicht so lange bei so lauter Musik und so. Nene schon klar. Was soll ich denn sagen? Meine Mutter war Hippie, als sie mit mir schwanger war! Da blieb laute Musik mal nicht aus. Woodstock und so.
Gegen 3 Uhr sind nur noch sehr wenige Menschen auf der Tanzfläche.
Als wir mal eine Pause machen, zieht mich Kathi zur Seite.

„Sag mal Gretchen, wie ist das eigentlich so mit Marc Meier?“ fragt sie mich, als wir Richtung Toilette stolzieren.
„Wie soll das schon sein?“
„Ist er genauso toll, wie er aussieht?“
„Ähm, also ich beschränke mich da ja jetzt nicht unbedingt nur auf das Äußere.“
„Naja, aber der hat doch…ich meine, der ist doch….“ Sie guckt mich fragend an. „Ist er gut im Bett?“
Ohje, ich habe ja intuitiv schon mit dieser Frage gerechnet. Blöd nur, dass ich sie nicht wahrheitsgemäß beantworten kann. Naja, muss ich eben lügen.
„Klar!“ sage ich so selbstbewusst, wie schon lange nicht mehr.
„Hatte ich mir ja schon gedacht“ sagt sie und wäscht sich die Hände. „Dann ging ja dein Traum völlig in Erfüllung, was?“ na, wenn das mal wirklich so wäre!
„Ja, hihi, total, hihi“ immer schön lächeln. Dann kommt auch eine Lüge super an.
„Ach, wenn ich mal nur so viel Glück mit den Männern hätte“ seufzt sie.
„Wieso, stimmt denn was nicht?“
„Ne“
„Was denn, wenn ich fragen darf?“
„Ach, mit Steffen ist Schluss.“ Sie guckt traurig zu Boden. „Du weißt doch noch, Steffen, der Werbegrafiker, oder?“
„Ja, ihr habt euch im Studium kennengelernt?“ sie nickt.
„Naja und nach fünf Jahren wollte er dann wohl irgendwie eine Auszeit“
„Oh, das tut mir leid“
„Nein, das muss dir nicht leid tun. Nicht, wenn du so glücklich bist“
„Doch, das ist doch schrecklich!“ ich weiß schließlich, wovon ich rede!
„Und dann hat er sich halt nach einem halben Jahr doch wieder gemeldet“
Sie hält kurz inne. „Wir haben dann noch zwei Jahre nebeneinander her gelebt“
„Und dann?“
„Irgendwann habe ich von seinem besten Freund gesteckt bekommen, dass er mich in diesen letzten eineinhalb Jahren nur betrogen hat.“ sie fängt an zu heulen.
„Och Kathi, das tut mir so leid! Ich kenn so etwas!“ wenn ich ihr jetzt die Geschichte von Alexis und seiner Mutter erzähle, fällt sie bestimmt noch in den Ohnmacht!
„Aber das geht auch wieder vorbei!“ sage ich und versuche sie zu beruhigen.
„Weißt du, alle haben es nicht leicht in der Liebe, sagen sie immer. Aber trotzdem haben irgendwann doch alle Glück und ich bleibe immer der Depp, der alleine dasteht!“ heult sie.
„Nein, das stimmt doch nicht! Ich bin, äh, war auch ganz lange allein“ bin ich ja eigentlich immer noch.
„Ja, aber du hast Marc! Den, den du dir schon immer gewünscht hast!“ tja, wenn das nur mal so einfach wäre.
„Und du wirst auch noch deinen Marc Meier finden!“ sage ich ihr.
„Nein, ich glaub schon langsam nicht mehr dran“
„Doch, das wird so kommen. Irgendwann. Du musst nur warten, aber irgendwann wird auch dein Märchenprinz mit der weißen Kutsche vorbeigefahren kommen“ ich denke dabei an Alexis und seinen Heiratsantrag. Nun laufen mir auch die Tränen von den Wangen. Na toll. Zwei einsame, verlassene und verarschte Frauen sitzen heulend in der Toilette eines teuren Berliner Restaurants.
„Ach, was solls. Man kann es ja eh nicht ändern“
„Eben“ gebe ich nüchtern zu.
„Eigentlich hat Single sein ja auch seine Vorteile“ sie grinst. „Man kann Spaß haben und muss sich vor nichts und niemanden rechtfertigen. Außer vielleicht vor seinem Gewissen!“
„Da hast du recht!“
„Und eigentlich könnten wir die Männer auch mal so was von verarschen!“
„Ja!“
„Komm Gretchen!“ sie nimmt meine Hand. „Lass uns raus gehen, in die Welt und Spaß haben!“
Eigentlich gar nicht mal so schlecht, was sie da vorschlägt. Ich meine, Marc und ich sind ja (noch?) kein Paar, also bin ich noch Single. Ich könnte also auch meinen Spaß haben! Kann ja schließlich nicht nur die ganze Zeit an Marc Meier hängen und warten, bis der sich endlich mal für mich entscheidet und vielleicht sogar auch noch mein Leben vergeuden!
So geht das nicht weiter! Ich bin jetzt frei. Zwar noch nicht ganz vom Ehemann getrennt, aber gedanklich bin ich frei.

Irgendwann kommt Sandra mit der Flasche Champagner durch die Tür. Ja, Frauen brauchen auch ein bisschen Alkohol auf der Toilette! Damit sie sich damit gegenseitig aufheitern können und sich wieder Mut und Lustigkeit für die Männerwelt antrinken können. Auch, wenn sie eigentlich gar nichts von ihnen wollen!
Lustig und noch mehr angeheitert kehren wir auf die Tanzfläche zurück. Wir haben Spaß und singen lauthals „Girls Just Wanna Have Fun“ mit. Tjaha, da sollen die Herren sich aber mal umgucken! Wir wollen unseren Spaß und den kriegen wir auch! Auch ohne Männer – oder zumindest vorerst ohne feste Bindung!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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05.11.2009 20:39
#55 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Huch. Was ist denn mit Gretchen los? Tanzt hier rum, als würde es keinen Morgen mehr geben!
Wirbelt über die Tanzfläche, hier ein Küsschen zur Verabschiedung, da eine Umarmung und zwischendrin immer tanzen. Haha, süß.
Ohhhh, jetzt ist hier Charts angesagt oder was?

http://www.youtube.com/watch?v=qdtLCfEcP...ex=0&playnext=1

Hey, alles glänzt
So schön neu,
Hey, wenn dir nicht gefällt,
mach neu!


Wow, wie sie dazu abgeht! Hätte ich ja nicht gedacht, dass Gretchen mal so eine Tanzmaus sein wird!
„Marc, weißt du, du musst mir mal mein Glas geben, ich brauch unbedingt was zu trinken“ Schreit sie mich an. Ist ja gut. Ich kann sie schon verstehen. So laut ist der Peter auch nicht.
„Ja, hier. Aber trink nicht so viel!“
„Wieso? Du bringst mich doch nach hause!“ sie kichert sich eins ins Gläschen und tanzt erschwinglich weiter.
Ich bewege mich der Musik angemessen. Sagen wir so: ich zeige Engagement. Schließlich will ich hier nicht als totaler Tanzversager vor den alten Klassenkammeraden dastehen!
„Meier, ich bin dann weg! Machet jut und haunse rinn!“ mein alter Kumpel Thomas gibt mir die Fünfe und verschwindet. Toll, jetzt bin ich hier der einzige Mann unter so vielen Frauen.
Hilfe, die tanzen ja alle!
Wo ist denn Gretchen? Da hinten? Ne, ahhh, da ist sie ja.
Tanzenderweise kommt sie auf mich zu.
„Marc, boah, ich bin sooooo happy gerade. Das war echt voll schön das Klassentreffen, was?“
Und wieder nippt sie an ihrem Glas. Wenn die gleich in mein Auto kotzt, dann…
„Marharc?“ Gretchen guckt mich fragend an.
„Ja? Was ist denn?“
„Ich habe dich was gefragt?“
„Was?“ war ich wirklich so lange mit meinen Gedanken weg?
„Ob wir zu diesem Lied tanzen wollen?“ ich versuche mich auf die Boxen zu konzentrieren.
Es singen Robbie Williams und Kylie Minogue freudig über „Kids“.
„Klar“ da bin ich auch schon wieder mitten im Geschehen.
„Das Lied ist sooooooo geil!“ höre ich Gretchen schwärmen.
Ja, wenn du das meinst. Ich versuche so gut ich kann zu diesem merkwürdigen Rhythmus mitzutanzen.
Irgendwann spüre ich Gretchens Hand auf meinem Allerwertesten. Oh, sie zieht wohl den „Sexy Tanz“ vor?
Ich mache das gleiche und ich würde mal behaupten, wir tanzen so eng umschlungen, wie sonst nur dämliche Stripperinnen um eine Stange.
Irgendwann landen ihre Lippen auf meinen. Keine Ahnung wie. Aber es ist verdammt geil.
Wir knutschen die ganzen verdammten 4:53 Minuten lang.
Es kommt mir vor, als wären wir in irgendeiner einer anderen Hemisphäre. Zumindest würde der Kuss mich dahin bringen. Ohje, ich glaube ich bin gerade völlig dabei, mich zu verlieben. Ach ne, das bin ich ja schon.

http://www.youtube.com/watch?v=iYB4ebbJUys

I'm gonna give it all of my loving
It's gonna take up all of my love
I'm gonna give it all of my loving
It's gonna take up all of my love



Bei dieser Zeile dreht sich alles in mir. Hilfe, alle drehen sich. Nur Gretchen und ich bleiben hier stehen. Oh Gott! Bin ich high? Nein, ich bin nur verliebt.
Mensch Meier, jetzt hast du es schon wieder gesagt! Hätte ich ja nie gedacht! Dass ich mir das selbst mal eingestehe!
„Und jetzt sag es auch verdammt noch mal Gretchen!“ raunt mich das Engelchen an.
Ja gleich.
„Ne, nix da gleich Herr Meier! Sofort! zieh sie von der Tanzfläche und sags ihr!“
„Ach quatsch, der soll erstmal diese Leidenschaft genießen!“
Eben!
„Ja, aber danach bitte die Wahrheit aussprechen!“
„Sei doch ruhig, du hast doch keine Ahnung!“
„Dann zeig ihr zumindest mit deinem Kuss, dass du es ernst meinst!“
Wie soll das denn gehen?
„Frauen merken es, wenn ein Mann es wirklich ernst mit ihr mag!“ lehrt mich das Engelchen.
Aha. Und wie? Ich stecke doch schon meine ganzen Gefühle in diesem verdammten Kuss!
„Lass sie es fühlen!“ schreit das Engelchen. Mach ich doch.
„Und dann verschwinde mit ihr im Auto!“ das Teufelchen grinst sich eines ins Fäustchen.
Als würde ich so etwas Primitives jetzt mit Gretchen machen wollen!
„Mensch Meier, sprich doch einfach mal deine Gefühle aus!“
„Mein, sieh zu, dass du endlich zum Zug kommst bei ihr! Ist ja nicht mit anzusehen! Wie lange hattest du jetzt schon keinen…“
„Halt die Klappe! Mensch Marc! Es sind doch nur 3 Worte!“
Ja, das ist ja das Problem. Nur 3 Worte. Und ich kann sie nicht aussprechen.
Aber vielleicht sollte ich es Robbie Williams nachmachen:

I'm gonna give it all of my loving
It's gonna take up all of my love

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.shinyshoes ( gelöscht )
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05.11.2009 23:33
#56 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Um viertel vor vier verlassen wir als einige der letzten das Restaurant.
Was eine Nacht. Ich hätte ja nie gedacht, dass man mit Gretchen so gut feiern kann.
Und dann auch noch diese Leidenschaft, dieser Kuss.
„Tja, hoffentlich machste da jetzt auch mal mehr draus!“ faucht mich das Engelchen an.
„Ach was, nehm sie schön mit zu dir nach hause und dann kochst du euch schön einen Kaffee, ihr fallt in dein Bett und dann…“
„Halt doch das Maul!“ schreit das Engelchen plötzlich.
Ich versuche nach ihnen zu schlagen, aber es klappt nicht, sie flattern mir weg. naja, jetzt sind sie zumindest beide ruhig.

„Gretchen, hier ist das Auto!“ ich schiebe sie nach links zu meinem Volvo. Scheiß Mistkarre, könnte wirklich mal einen neuen gebrauchen. Aber vielleicht, wenn ich mit Gretchen zusammen bin.
„Du, Marcdas war soooooo eine tolle Party“ sie hickst mal wieder. War klar, dass mindestens einer besoffen ist heute Abend. Tja, ich bin dann mal ganz der Gentleman geblieben.
„Ja, fand ich auch“ sage ich und schnalle Gretchen an. Die schafft das ja selbst nicht mehr.
Wir sitzen im Auto. Sie hickst. Ich schweige. Was eine Konversation.
„Du ich glaube ich muss dir mal was“
„Marc, wie gut, dass du das ansprichst, ich finde wir sollten nämlich wirklich mal über unser kleines Geheimspiel sprechen, hihihihi“ sie kichert wieder. Na toll. Soll ich jetzt eigentlich einer besoffenen Frau mein Liebesgeständnis machen?
„Ja, du ich finde wir“
„Marc, das war doch total lustig!“ lacht sie sich kaputt.
„Ja, fand ich auch, aber“
„Die haben uns das voll abgenommen!“
„Ja und ich finde wir“
„Das war sooooo lustig!“
„Ja und wir“
„Kathi hat mir dann ja noch von ihrem Liebespech erzählt und dass sie ja soooo unglücklich ist!“
„Schön…schade für Kathi“
„Marc, das ganze war echt so witzig“ sie lallt.
„Und Gretchen, genau deswegen müssen wir mal reden“
„Ja ich weiß. Das war alles einbisschen schmalllzig und so, aber ich finde ja, dass“
Ja, toll. So wird das nie was.
„Dann schrei sie doch mal an!“ flucht das Engelchen.
„Nein, lass sie ausreden! Sie ist ein Frau!“ meint das Teufelchen.
„Wenn er sie voll und ganz ausreden lässt, sitzt er noch morgen hier“
„Aber Frauen sollte man lieber ausreden lassen, wenn man sie noch ins Bett kriegen will!“
„Er will sie doch gar nicht ins Bett kriegen!“
„Klar! Jeder Mann will eine Frau ins Bett kriegen! Gut, vielleicht nicht jeder, aber fast jeder!“
„Boah, jetzt halt doch die Klappe!“ schreie ich.
„Was?“ Gretchen guckt mich fragend an.
„Nicht du“
„Oh, wer denn?“
„Öh, achso, doch du auch“
„Hä?“
„Sei du auch mal für eine Sekunde ruhig“ sage ich und nehme ihren Arm. Ihre Hände sind noch ganz kalt.
„Weißt du Gretchen, ich muss dir mal was sagen“
„Was?“
„Ich habe es schon so lange vor, es dir zu sagen, aber ich kam einfach nicht dazu“ fange ich an zu erzählen.
„Ja. Was denn?“
„Weißt du, da gibt es eine Sache, die ich dir gern sagen würde…“
Sie guckt mich erwartungsvoll an, soweit sie das noch in ihrem Zustand kann.
„Ich bin einfach nicht dazu gekommen, weil….weil du geheiratet hast und“
Ja auf den Punkt kommen, ich weiß.
„Ist was?“
„Ja, es ist was und wenn du es genau wissen willst, dann ist sogar etwas ganz gewaltiges. Weißt du Gretchen, ich habe es dir schon so oft gesagt, in meinem Kopf und in meinen Gedanken. Ich kann das einfach nicht aussprechen. Aber ich muss es, ich hab es gemerkt.
Gretchen, ich…ich liebe dich!“
„Was?“
In diesem Moment verteilt sich ihr gesamter Alkoholverbrauch der letzten Stunden auf meinem Schaltknüppel. Wow, so habe ich mir ein Liebesgeständnis eigentlich nicht vorgestellt. Aber was solls.
„Marc, ich glaub…ich glaub…mir ist schlecht!“ sie stößt die Tür auf und beugt sich über. Dann höre ich Geräusche, die man eigentlich nicht hören sollte, wenn man der Frau, die man schon seit einiger Zeit liebt, einen Gefühlsausbruch mitsamt Liebesgeständnis macht.
„G….Gretchen, geht’s dir gut?“ frage ich besorgt und steige sofort aus.
Sie hängt auf dem Beifahrersitz sitzend mit dem Kopf über der Straße und kotzt.
„Sorry, mir war grad echt übel“ sagt sie.
„Ja“
„Urgh“ und wieder kommt was. Super, direkt auf meine Schuhe.
Aber was solls.

Im Autoradio läuft gerade „Creep“ von Radiohead und ich sehe Gretchen in die Augen. Sie sieht ganz schön fertig aus. Wahrscheinlich schämt sie sich gerade in Grund und Boden, oder würde sich zumindest schämen, wenn sie noch bei Sinnen wäre, weil sie so scheiße aussieht. Ich mag sie so, sie sieht einfach nur unglaublich süß aus.

http://www.youtube.com/watch?v=oFtw8G5nSI4

When you were here before
Couldn't look you in the eye
You're just like an angel
Your skin makes me cry
You float like a feather
In a beautiful world
I wish I was special
You're so fucking special

But I'm a creep
I'm a weirdo
What the hell am I doing here?
I don't belong here

I don't care if it hurts
I want to have control
I want a perfect body
I want a perfect soul
I want you to notice when I'm not around
You're so fucking special
I wish I was special

But I'm a creep
I'm a weirdo
What the hell I'm doing here?
I don't belong here

She's running out again
She's running out
She runs runs runs

Whatever makes you happy
Whatever you want
You're so fucking special
I wish I was special

But I'm a creep
I'm a weirdo
What the hell am I doing here?
I don't belong here
I don't belong here



Ja, sie ist die Schönheit und ich bin der Versager. Ich habe versagt. Immerhin hat sie mir auf die Schuhe gekotzt.
Was mache ich eigentlich hier?

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.shinyshoes ( gelöscht )
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06.11.2009 22:42
#57 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Ich setze Gretchen irgendwann wieder richtig in mein Auto und fahre zu mir nach hause.
Gretchen ist auf der Fahrt eingeschlafen. Toll. Das kann ja was werden.
Vorsichtig hieve ich sie aus dem Auto und trage sie nach oben in meine Wohnung.

Meine Wohnung ist kalt und dunkel. Super Marc, so läuft das hier also, wenn du keine Frau in der Wohnung hast, die manchmal ein bisschen feucht durchwischt.
Behutsam trage ich Gretchen in mein Bett. Da liegt sie nun. Völlig tief und fest am schlafen. Aber was solls, man kann ja nicht immer alles im Leben haben, was?

Ich decke Gretchen mit meiner Decke zu und lege mich neben sie. Irgendwann schläft sie ein.
Und ich kann nicht schlafen. Super Marc, da liegt schon deine absolute Traumfrau neben dir und du kannst nicht schlafen! Was ist das denn?
Irgendwann stehe ich wieder auf. Ist inzwischen schon fast wieder hell draußen.
Ich tapse benommen durch meine Wohnung. Ich könnte mal wieder aufräumen. Obwohl, nicht jetzt. Oder putzen? Das letzte Mal hat Sarah geputzt und das ist jetzt auch schon wieder zwei Wochen her. Ohje, ich sehe es schon kommen: ich versinke in meinem eigenen Leben, kriege nichts auf die Reihe, nicht mal der Frau meiner Träume meine Gefühle zu zeigen.
Aber was solls. Ich laufe wieder zurück in mein Schalzimmer und versuche zu schlafen. Ich denke an Gretchen und über den Abend nach….hm, vielleicht sollte ich ihr doch von Alexis erzählen? Vielleicht ist es mir gar nicht gewährt, Gretchen zu haben, bevor ich ihr nicht die volle Wahrheit über ihren Ex-Ehemann gesagt habe? Vielleicht darf ich sie auch gar nicht haben, weil sie zu gut für mich ist? Und ich zu schlecht für sie?
Ich würde sie bestimmt nur unglücklich machen. Bin schließlich kein guter Hausmann, kann nicht wirklich kochen und putzen auch nicht. Ich kann noch nicht mal diverse Dinge reparieren. Da stelle ich mich ja immer so unglaublich dämlich an. Shoppen gehe ich auch nicht gerne. Auto fahren, naja das kann ich vielleicht. Aber ein schönes Auto fahr ich auch nicht gerade. Ich kann vielleicht gerade noch meine Steuererklärung abtippen. Und einkaufen. Aber ich gehe eben so einkaufen, wie ein Mann eben einkaufen geht. Schön aufpassen, dass immer genug Bier und Brot da ist. Mehr brauche ich gar nicht. Bin ja eh die meiste Zeit im Krankenhaus.
Genau, vielleicht ist das der Knackpunkt. Ich bin viel zu oft viel zu lange im Krankenhaus, sodass ich mein eigenes privates Leben völlig vernachlässige. Ich sollte mir unbedingt mal wieder ein weiteres Hobby, außer Golfen suchen. Sowieso, Golfen. Das mache ich doch nur, um bei dem Professor gut anzukommen und um mal ein bisschen Ablenkung und Smalltalk zu kriegen. Schließlich ist mein bester Freund Oliver auch immer so unglaublich viel beschäftigt als Buisness irgendwas Manager Fuzzi. Selbst davon habe ich keine Ahnung. Ich habe keine Ahnung von der Börse oder von der Wirtschaft. Nicht mehr, als das, was ich unregelmäßig mal in der Zeitung lese.
Ich bin nicht gerade belesen. Die paar Bücher, die ich von Thomas Mann, Theodor Fontane, Bert Brecht, Schiller oder sonst wem in meinem Bücherregal stehen habe, habe ich vielleicht höchstens mal einmal durchgeblättert. Vielleicht kriegen sie auch noch beim Putz manchmal den Staub weg. Aber sonst nichts.
Es ist ganz schön deprimierend, festzustellen, dass ich nicht gerade der beste Mann bin für Gretchen.
Gretchen braucht jemanden, der sie liebt. Der sie wirklich auf Händen tragen kann. Der Romantik liebt, genauso wie sie. Der nicht immer gleich nur das eine will. Der sie wie eine Prinzessin behandelt und der ihr Geborgenheit schenkt. Einer, der gutes Essen mag und auch mal einfach nur einen Abend auf der Couch mit ihr verbringen kann.
Kurzum. Ein Mann, der ich nicht bin. Und wohl auch nie sein werde.
Und trotzdem komme ich nicht von ihr los!

Vorsichtig streiche ich Gretchen über ihre Wangen. Wie süß sie da liegt. Einfach nur zum träumen.
Hilfe, Meier! Du wirst ja noch ganz pathetisch! Das geht aber nicht so weiter.

Ich drehe mich um und denke an etwas anderes. Aber es geht nicht. So ein Mist.
Okay, Gehirnwäsche. Was ist mit Sarah? Die war doch auch ganz nett! Wenn du Gretchen schon nicht haben kannst, dann versuch es doch zumindest noch einmal mit ihr.
„Du hast es ja noch nicht einmal richtig probiert!“ poltert das Engelchen.
„Ja und?“
„Du kannst doch nicht einfach so aufgeben. Vielleicht hat sie deinen Liebesbeweis gar nicht gehört? Oder richtige mitbekommen, weil sie schließlich total betrunken war?“
„Was willst du mir dadurch jetzt sagen?“
„Na, dass du nicht aufgeben darfst! Du musst es weiter versuchen! Du musst kämpfe, kämpfen, kämpfen!“ schreit das Engelchen mich an.
IST ja gut!

Beim Einschlafen flimmert mir ein Bild von Gretchen und mir im Kopf herum. Wir beide zusammen. Das sieht gut aus.
Vielleicht hat das Engelchen recht und ich sollte es wirklich noch einmal versuchen bei ihr und nicht sofort beim ersten Mal aufgeben. Sie hat es bestimmt nicht gehört. Oder realisiert?
Ich sollte nicht aufhören. Ich bin doch gerade mittendrin in meiner Verliebtheit! Also wieso gleich aufgeben, wenn sie dir beim ersten Mal auf die Schuhe kotzt? Das hat noch niemanden umgebracht, Til Schweiger hat schließlich auch in Keinohrhasen sein Glück bekommen, obwohl er sich zum Affen gemacht hat!
Ich schlafe schließlich ein und dabei läuft in meinen Ohren immer wieder

http://www.youtube.com/watch?v=0KJgBkreAuw


Talking to the songbird yesterday
Flew me to a place not far away
She's a little pilot in my mind
Singin songs of love to pass the time
Gonna write a song so she can see
Give her all the love she gives to me
Talk of better days that have yet to come
Never felt this love from anyone

She's not anyone
She's not anyone
She's not anyone

A man can never dream these kinds of things
Especially when she came and spread her wings
Whispered in my ear the things I'd like
Then she flew away into the night
Gonna write a song so she can see
Give her all the love she gives to me
Talk of better days that have yet to come
Never felt this love from anyone

She's not anyone
She's not anyone
She's not anyone


Ruckartig werde ich wach, als Liam Gallagher zu ende gesungen hat.
Scheiße! Sie ist nicht irgendeine! Ich muss was unternehmen!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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07.11.2009 19:33
#58 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen


„Gretchen?“
„Greeetchen?“ irgendeine Stimme holt mich aus dem Tiefschlaf. Ich öffne langsam meine brennenden Augen und schaue in das Gesicht von Marc Meier.
Oh Gott! Wo bin ich? Was mache ich hier? Und warum eigentlich?
Ich gebe mir Mühe, mich hinzusetzen. Mein Kopf, er knallt gleich durch.
„Morgen, naaaa gut geschlafen?“ er lächelt mich an.
„Ja, ich denke schon“
Marc steht vom Bett auf, zieht sich seine Schuhe an.
„Dann steh mal auf, ist nämlich schon ein Uhr mittags!“
Bitte was? Und ich habe so lange geschlafen? Wie bin ich eigentlich hier hin gekommen?
„Ohje, ich bin viel zu spät“
„Ach was, ich habe schon im Krankenhaus bescheid gesagt, dass du krank bist!“
Er hat was? Woher will er das denn wissen? Und wieso hat er mich nicht einfach geweckt? Vielleicht wäre ich ja aufgestanden und wäre putzmunter zur Arbeit gegangen?
Ich versuche aufzustehen. Auaaaaa, mein Kopf! Okay, ich wäre vermutlich doch nicht sofort zur Arbeit gegangen. Aber hat ja auch keiner von mir verlangt!
„Wie bin ich eigentlich hier hin gekommen?“ frage ich Marc, als ich es endlich geschafft habe, mich aufzuraffen. Diese Partys. Dieser Alkohol. Mit 20 hab ich das noch besser verkraftet.
„Ich habe dich mitgenommen“ sagt Marc.
„Oh, wieso?“
„Weil du müde warst“
„Ich war müde? Ich glaube eher, ich war betrunken. Wie lange waren wir eigentlich da? Ich kann mich irgendwie gar nicht mehr richtig erinnern. Scheint mir so, als hätten wir den ganzen Abend nur am Tisch gesessen. Das letzte, woran ich mich erinnern kann ist, dass ich Champagner getrunken habe“
„Du kannst dich an nichts mehr erinnern?“
„Also, wenn du mir jetzt sagst, dass wir nicht nur am Tisch saßen, dann nicht, nein“
Marc schaut mich fragend an.
„Ist was?“
„Nein, ich habe nur…ich muss nur….waschen!“
„Habe ich denn irgendwas Interessantes verpasst?“
„N…nö!“ er guckt immer noch so verzweifelt, als hätte ich ihm gerade irgendeine Lebensbeichte gesagt.
„Na, dann ist ja gut!“ sage ich und stehe vorsichtig auf.
Hilfe, ich werde wohl nie wieder in meinem ganzen Leben Alkohol trinken!
Ist ja echt eine Zumutung für eine 30jährige Frau.
„So…äh“ Marc steht immer noch wie verdattert vor dem Bett.
„Was hast du denn?“ frage ich einfach mal. Vielleicht sagt er es mir ja. Oder vielleicht ist er auch nur müde.
„Nich…nichts!“ sagt er und verschwindet in der Küche.
Ich schleppe mich ebenfalls in die Küche. Boah, diese Kopfschmerzen!
„Und was hast du die ganze Zeit gemacht? Du bist ja anscheinend schon länger wach, als ich“
„Ja, ich…war….Brötchen holen“
„Brötchen holen?“
„Ja“
„So lange?““
„Wieso? Wie lange?“
„Weiß nicht….du bist doch nicht gerade erst aufgestanden“
„Ja und in der Waschanlage war ich“
„Waschanalage? Wieso das denn?“
„Na, ich hab mein Auto waschen lassen“
Da denkt der nach einer geilen Party – und die Party muss geil gewesen sein, meinen Kopfschmerzen nach zu urteilen – an nichts anderes, als sein Auto. Tzz, Männer.
„Na dann, ich wird wohl mal frühstücken. Hast du irgendwas da?“
„Ja, da liegen Brötchen und“ in diesem Moment klingelt Marcs Handy. Er erschreckt, als er es bemerkt und geht völlig aufgeregt ran, als wäre es ein Notfall.
Was hat er denn? Er benimmt sich, als hätte er gestern irgendetwas peinliches gemacht, oder als würde er auf irgendetwas warten. Auf eine Reaktion vielleicht? Aber auf was? Hm, ist auch egal, ich war betrunken.
„Ich muss dann zur Waschanlage, mein Auto ist fertig“
„Ja, ich esse in der Zeit was“
Langsam setze ich mich auf den hölzernen Stuhl in Marc´s Küche.
„Scheiße, schon wieder“ er zückt erneut sein Handy.
„Ja, Sabine. Ich bin sofort da! Warten sie noch!“
Er schaut mich an.
„Ein Notfall! Ich hab Bereitschaft! Muss los!“ er nimmt seinen Schlüssel und seine Jacke.
„Brötchen liegen da, habe auch noch Heringe, falls du dieses typische Katerfrühstück essen willst, oder auch Bier, falls du mit dem weitermachen willst, womit du gestern aufgehört hast, oder wahlweise auch Schokolade. Liegt alles da. Und eine Aspirin müsste da auch noch sein!“ er lächelt mich an und verschwindet hinter der grau-weißen Tür.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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07.11.2009 19:33
#59 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Da sitze ich nun. Alleine in Marc Meiers Küche. Erst mal ein Brötchen, dann eine Tasse Kaffee –schwarz! Danach schön fett Nutella auf das Brötchen.
Mhhhhhmmmmm, das ist geil!
Aber was mache ich jetzt? Gefrühstückt habe ich, mich einigermaßen wieder berappelt auch, meine Augen brennen auch nicht mehr so, wie noch vor einer halben Stunde.
Was mache ich jetzt also, so ganz allein in Marc Meier´s Wohnung?
Hm….na, was macht Frau wohl, wenn sie ganz allein in der Wohnung ihres Jugendschwarms ist? Natürlich. Spionieren.
Bin ja nur neugierig. Da kann ich ja nichts dafür, oder?

Ich tapse also wieder zurück in sein Schlafzimmer. Erstmal das Nachttischchen überprüfen.
Uiuiuiuiuiui, viele Kondome. Naja, immerhin muss ich mir dann jetzt keine Sorgen machen, dass ich eventuell….Greeetchen! Du hast nicht mit Marc Meier geschlafen, du warst doch gar nicht mehr in der Lage dazu! Obwohl, es würde sein merkwürdiges Verhalten begründen. Aber nein, das glaube ich nicht. Marc ist nicht derjenige, der eine Frau nicht wissen lässt, wenn er sie beglückt hat.
Also brauche ich mir keine Gedanken über eine mögliche ungewollte Schwangerschaft aufgrund von Planlosigkeit, Alkoholisierung und Vergesslichkeit der Pille machen. Puh, noch mal Glück gehabt.
Was ist denn da noch? Feuerzeug, Zigaretten. Na toll, ich dachte Marc raucht nicht mehr so viel. Tzz, Männer, können auch nicht mal die Wahrheit sagen. Und was ist das?
Ich hole das merkwürdige Etwas aus der Schublade.
Ein Taschenrechner? Wozu braucht er den denn? Rechnet er abends im Bett immer noch seine Steuern, seine Einnahmen und Ausgaben aus? Oder braucht er das für eine eventuelle Berechnung des….
Nein! Denk doch nicht immer nur an das eine!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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07.11.2009 19:33
#60 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Okay, Marcs Schublade ist damit also schon mal nicht sonderlich interessant. Was ist denn wohl in der anderen? Die zweite ist ja entweder leer, bei einem alleinstehenden Mann, oder voll mit Dingen, die kein Mensch braucht, oder wahlweise den letzten Resten der Ex-Freundin.
Wobei ich Marc eher zutraue, dass er schon längst alles von Sarah verstaut bzw weggeworfen hat.
Die Schublade klemmt schon mal. Na toll. Aahhhhh, knack. Krach. Bäm. Jetzt geht es.
Was haben wir denn da? Ich kriege einen Schock. Mich durchfährt ein richtiger Stromschlag. Es läuft mir kalt den Rücken hinunter. Ich nehme das blöde etwas in die Hand. Na super.
Ein BH! Aber von wem? Ich betrachte das Ding mal genauer. Kein Push-up. Naja, schon mal gut. Aber Hartschalen. Okay. vertretbar. Hat ja fast jede Frau.
Aber welche Größe ist das? Hiiiiiilfe!
Das ist aber auf gar keinen Fall Sarah´s BH! Sarah hat andere Brüste, das habe ich doch kurz vor der OP noch mal gesehen….
Okay, also von wem ist der BH dann? Mir ist er zu klein. Hm, könnte ja eigentlich nur Gabi sein, oder?
Oder er hat wahlweise dazwischen doch mal andere Frauen gehabt? Aber ehrlich gesagt kann ich mich da nicht dran erinnern. Er war doch immer im Krankenhaus. Hatte also gar keine Zeit für eine Freundin.
Greeetchen. Erde an Gretchen und die Realität. Marc Meier ist und war schon immer ein Macho, der gerne mal nur was schnelles für eine Nacht hatte. Also, wieso soll er nicht auch zwischen deiner Hochzeit und deiner Scheidung jemand anderes, außer Gabi und Sarah im Bett gehabt haben?
Bei dem Gedanke wird mir schlecht. Ich meine, schon Gabi und Sarah waren scheiße, aber an die habe ich mich irgendwann gewöhnt. Vielleicht weil ich dachte, dass ich besser bin? Bin schließlich älter. Passe also so gesehen viel besser zu ihm. Obwohl, irgendwann würde er mich doch bestimmt mit einer jüngeren betrügen, weil ich ihm nicht mehr das geben kann, was er braucht. Wechseljahre, Orangenhaut und Falten lassen grüßen.
Das habe ich letztens noch bei Stern TV gesehen. Da wurde auch eine mittevierzigjährige von ihrem fünf Jahre älteren Mann mit einer 24jährigen betrogen!
Und die war sogar eine seiner Studentinnen!
Was ein Arsch, sag ich da nur!

Obwohl – Carrie wurde doch bis jetzt auch noch nicht von Big mit jüngeren Frauen betrogen, oder?
Manchmal machen das ja auch die Frauen! Aber iiiiiiiiiiiiich ja nicht! Niiiiiiiiiiiiemals!

Aber ich muss herausfinden, wem dieser BH gehört. Ich stopfe ihn in meine kleine Tasche und fahre ins Krankenhaus. Detektiv Gretchen Haase ist mal wieder auf geheimer Mission, also top secret!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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08.11.2009 23:14
#61 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Ich muss herausfinden, wem dieser verdammte BH gehört. Das kann ja wohl nicht angehen, dass der einfach in Marcs Nachttischen liegt. Was denkt der sich eigentlich dabei?

„Frau Doktor“
„Guten morgen, Sabine“ sage ich und schließe meinen Spind auf.
„Sie haben da einen BH aus ihrer Tasche hängen“
Oh, scheiße. Ich stopfe den BH wieder schnell in meine Tasche.
„Das ist nicht meiner!“ sage ich unüberlegt. Super, jetzt denkt sie, du wärst eine BH-Klauerin!
„Wem gehört er denn dann?“ fragt Sabine. Tja, vielleicht hat Gott ihr ja wirklich ein bisschen Gehirn genommen.
„Ja, das wüsste ich auch gerne.“ Scheiße, mein Spind ist voll! „Ich habe den nämlich bei Herrn Meier im Schlafzimmer gefunden“
„Sie haben bei Herrn Meier geschlafen?“ fragt sie mich ganz aufgeregt.
„Ja, äh, also nicht das, was sie jetzt denken.“ ich räuspere mich. „Ich war ein bisschen neben mir“.
„Achso“ Sabine holt ihren Apfel aus dem Spind und beißt genüsslich hinein.
„Aber wem kann dieser BH denn sonst gehören?“ fragt sie mich.
Was interessiert sie das denn jetzt? Ich dachte, ich wäre hier der Detektiv.
„Das weiß ich nicht, aber das werde ich schon herausbekommen!“ sage ich entschlossen und gehe.
„Frau Doktor!“ ruft Sabine mir hinterher, als ich die Türschwelle übertrete.
„Was ist Sabine? Gibt es irgendeinen Notfall? Sonst würde ich mich jetzt gerne der Suche nach dem Besitzer dieses billigen Kleidungsstückes machen!“
„Haben sie denn schon einen Verdächtigen?“
„Naja, wenn wird es ja wohl eine Verdächtige sein“ sage ich.
„Glauben sie, Doktor Meier hat eine Affäre?“
Ich hoffe nicht. Aber was ist wenn? Ich könnte das nicht verkraften, glaube ich, weiß ich.
„Wenn wäre für ihn die Sache jetzt wohl zu ende!“ sage ich und gehe zum schwarzen Brett.

Das was Adison Montgomery-Shepherd in Grey´s Anatomy gemacht hat, als sie Meredith´s Slip gefunden hat, kann ich auch.
Ich nehme zwei Heftzwecken und hefte das Stück an unser schwarzes Brett. Werden wir doch mal sehen, wer hier gewinnt!

Im OP mit Marc ist heute alles gut. Merkwürdiger weise benimmt er sich aber immer noch etwas konfus.
„Sag mal Gretchen, du weißt wirklich nichts mehr?“ fragt er mich bestimmt schon zum dritten Mal am heutigen Tag.
„Nein, wieso? Ich hab doch nichts verpasst, sagst du“
„N…nein, hast du auch nicht“ stammelt er.
„Na, dann“
„War aber ganz schön viel Alkohol, was?“
„Ja, einmal im Jahr darf man sich das auch mal gönnen“
„Hättest du mal mehr essen sollen vorher“ er grinst mich durch den Mundschutz an. Ich kann so was sehen!
„Tja Marc, stell dir vor, ich hab diesmal auch den anderen Gästen etwas zu essen übrig gelassen“
„Wow“
Stille. Ich hasse Stille im OP. Können wir nicht wieder Musik anmachen? „I´ve Been Looking For Freedom“ von David Hasselhof wäre jetzt gut.
“Sag mal Marc, wieso willst du das denn so genau wissen?” frage ich einfach noch mal.
„Na, einfach so. Weil ich dich nicht so eingeschätzt hätte“
„Achso“
„Ja“
„Aber ich hoffe doch mal, dass ich nichts anständiges angestellt habe, mich daneben benommen habe, oder du irgendetwas schlimmes mit mir gemacht hast?“ sage ich ironisch.
„Nein“
„Klingt ja nicht gerade überzeugt“
„Ey Gretchen, du warst betrunken!“
„Ja Marc?“
„Was soll ich denn da mit dir gemacht haben?“
„Weiß nicht. Vielleicht ist ja irgendetwas vorgefallen“ ich muss unbedingt rausfinden, wie der BH dahin kommt! Vielleicht ist noch eine andere mit zu ihm gefahren? Eine dritte? Und ich habe nichts mitbekommen? Vielleicht hat er sich mit ihr auf dem Sofa vergnügt, während ich betrunken in seinem Bett lag? Und weil sie ihren BH vergessen hat, versteckte er diesen einfach mal in der Schublade seines Nachtschränkchens.
„Nö. Ist nichts vorgefallen“
„Wie gut, ich dacht schon ich hätte was verpasst!“ lache ich.
„Äh, ja?“ Marc sieht mich fragend an.
„So, ich bin dann fertig“ sage ich und verlasse den OP.
„Äh, wieso gehst du?“
„Marc, der Patient ist zu?“ Tzz, wo der heute seine Gedanken hat.
„Oh“ er legt langsam das Skalpell und alles andere weg und wartet anscheinend extra, bis ich den Waschraum verlassen habe. Männer!

„Schwester Sabine, haben sie schon irgendjemanden gesichtet, der auffallend war, als er hier her gegangen ist? Wir brauchen jeden Verdächtigen, den es gibt!“ sage ich und sie zieht mich zur Seite.
„Schwester Tanja ist starrender weise am Brett vorbeigelaufen“
„Schwester Tanja? Nein, das kann nicht sein. So eine Geschmacksverirrung traue ich ja selbst Marc nicht zu!“
In diesem Moment kreuz Gabi auf.
Und Marc.
„Schwester Sabine, OP vorbereiten wir haben ein Geschwür im Abdomenbereich.“
„Was ist das denn?“ er steht vor dem BH.
„Äh, ein BH“ sage ich schnell.
„Ja, das sehe ich selbst“
„Ja“
„Und wem gehört der?“
„Tzz, da musst du mich nicht fragen. Meiner ist es nicht!“ sage ich unschuldig.
Gabi kommt ebenfalls näher und betrachtet das schwarze Spitzenstück.
„Was ist das denn?“ fragt sie aufgebracht.
„Ein BH?“
„Ja, Marc, DAS weiß ich als Frau ja auch zufällig“
„Tja, also die Frau muss echt große Brüste haben“ sage ich und schaue zu Boden.
Na, springt Gabi darauf an?
„Das gibt’s doch wohl nicht!“ flucht sie plötzlich.
„Warst du das Marc?“
„W…was soll ich denn gewesen sein?“
„Na, der BH du Volltrottel?“
„Tut mir leid, aber mir gehört der BH nicht“
„Ja, aber mir!“ sie reißt ihn vom schwarzen Brett.
„Der ist von Victoria Secrets, ja?“ Gabi guckt uns beide beschuldigend an.
„Ja, und was hat das zu bedeuten?“
„Er war TEUER!“ schreit sie. „Und bestimmt nicht dafür da, dass du dir einen Scherz erlaubst und ihn ans schwarze Brett hängst!“.
Marc guckt mich fragend an.
„Ich wusste es immer, du nicht nur ein verdammtes Arschloch, sondern auch ein verdammter BH-Fetischist!“ sie zieht ab, ihren BH in der Hand schwingend.
„Wow“ sage ich und muss mir wirklich das achen verkneifen.
„Was war das jetzt?“
„Sie hat dir soeben einen neuen Spitznamen gegeben“
„Ja, blöd nur, dass ich das nicht wahr, stimmts?“
„Tja, das hat man eben davon, wenn man fremde BHs in seinem Schränken liegen lässt!“ sage ich und gehe in Richtung Schwesternzimmer.
Marc steht verdutzt vor dem schwarzen Brett und guckt mir fragend hinterher.

Victoria Secrets?“
„Ja, wenn ich es doch sage Maria!“
„Und ich dachte immer, Krankenschwestern verdienen nicht so viel Geld“
„Tja, wenn man schon kein glückliches Leben hat, muss man sich eben das Leben mit Kleinigkeiten und Luxus verschönern, was?“ sage ich und esse noch ein Stück Möhre. Ah, bei dem Gedanken an den soeben gelösten Fall von Gretchen „Detektiv“ Haase schmeckt das richtig lecker.
„Naja, damit müssten sie sich ja bestens auskennen, nicht wahr Kollegin Haase?“ sagt Maria und schwirrt ab.
„Wir haben uns übrings mal geduzt, Maria!“ rufe ich ihr hinterher. Tzz, Frauen.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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08.11.2009 23:54
#62 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Boah, endlich Ruhe. Im Moment ist mein Büro hier im Krankenhaus aber auch echt der einzige Platz, an dem ich mal alleine bin!
Diese ganzen hibbeligen Personen da draußen. Ich hasse sie alle. Brauch unbedingt mal Urlaub. Aber nein, ich bin ja hier der „Beste“ und der „Beste“ muss ja immer anwesend sein. Wie scheiße das doch ist, der „Beste“ zu sein.

Mit Gretchen ist es auch irgendwie merkwürdig. Ich meine, sie bedankt sich noch nicht einmal bei mir, dass ich sie im betrunkenen Zustand zu mir genommen habe, sondern macht mich auch noch von der Seite an. Okay, ich war vielleicht heute ein bisschen verpeilt, aber doch nur, weil ich mir so viele Gedanken mache!
Immerhin habe ich Gretchen meine Liebe gestanden, wenn auch eher in einem unpassenden Zustand. Schließlich kotzen die Frauen einem normalerweise danach nicht auf die Schuhe, sondern küssen sie.

„Boah, bitte sag mir, dass das nicht wahr ist!“ Gabi kommt wütend in mein Büro.
„Was denn?“
„Hier ist der träger kaputt!“ sie zeigt mir das Maleur.
„Ja, und?“
„Ja und? Du fragst mich das?“ sie guckt mich so fies an, dass ich schon fast das Lachen bekomme. „Eigentlich sollte ich dich fragen, mein Lieber!“
„Was solltest du mich fragen? Was das soll? Tut mir leid Gabi, aber irgendwie weiß ich echt nicht, was du willst. Ich habe diesen BH noch nie zuvor in meinem Leben gesehen!“
„Da sieht man mal, wo du hinguckst!“ sie wirft ihn mir auf den Schreibtisch.
„Morgen ist der wieder heile! Und ich warne dich, wenn du es nicht machst!“
„Was soll ich machen?“
„Na einschicken!“
„Wohin?“
„Na zurück, ich habe Garantie drauf. Habe ich viel Geld für bezahlt!“
„Man kann Garantie auf einen BH haben?“
„Marc, das ist nicht irgendein BH. Das ist DIE Topmarke, was die weibliche Unterbekleidung angeht, die ihr Männer doch so gerne seht!“
„Ja, was interessiert mich das denn jetzt, ich war das doch nicht und wenn ich mich recht erinnere, habe ich dich das letzte mal nackt gesehen, als wir noch „zusammen“ waren, also vor einer halben Ewigkeit!“
„Achja? Wie kommt dann das Ding aus deiner Wohnung in das Krankenhaus?“
„Aus meiner Wohnung?“
„Ja, ich hab ihn da glaube ich mal verloren“
„So, wie den Ohrring?“
„Den habe ich ja nicht verloren…“
„Ach Gabi, jetzt verarsch mich doch nicht. Ich schick doch das Teil nicht weg.“
„Na, dann kaufst du mir eben einen neuen!“
„Oh, wenn du dann aufhörst zu nerven?“
„Ja“
„Okay, wo gibst die Dinger?“
„In den USA“
„Ja und wo hier?“
„Gibt’s hier nicht. Musst du über Internet bestellen“
„Bitte was?“
„Tja Marc, da siehst du mal, was Frauen so alles auf sich nehmen, um euch zu gefallen! Wie dumm nur, dass ihr Männer das gar nicht schätzt und es wieder kaputt macht“
In diesem Moment kommt Mehdi in mein Büro.

„Na Meier, schon wieder viele Menschen heute aufgeschnitten?“
„Klar“
„Du ähm, wie wärs wir beide heute bei einem Feierabendbier? Wo wir doch jetzt wieder Freunde sind?“ er grinst.
Wie eine Frau doch einen Mann verändern kann.
„Gerne“
„Gut, dann um acht hier um die Ecke“
„Supi, freu mich“
Er geht wieder. Merkwürdig. Mehdi wird immer sonderbarer. Jetzt will er sogar ein Bier mit mir trinken,
„So und wir gehen jetzt auch mal, oder willst du hier noch Wurzeln schlagen?“ Gabi guckt mich entsetzt an. „Oder vielleicht einen Baum pflanzen, an dem dann BHs wachsen?“ ich schiebe sie raus und schmeiße ihr ihren BH hinterher.

Am Abend sitzt Mehdi schon an der Bar, als ich komme.
„Na Alter, ich hab dir schon mal ein Bier bestellt“ er klopft mir auf die Schulter.
„Ja, gut“ sage ich und ziehe erst mal meine Jacke aus.
„Sag mal Mehdi, was ist das jetzt eigentlich hier? Sind wir jetzt wieder Freunde offiziell? Oder was? Besaufen wir uns nur anstandslos?“
„Nö, alles wieder gut“
„Achja, und woher kommt auf einmal der Sinneswandel?“
„Du, ich habe mir lange überlegt, ob ich einem Typen, der mich mit einer Nutte zusammengebracht hat, mir eine Zeit lang vorgelogen hat, er hätte was mit meiner Frau gehabt und mir dann auch noch Gretchen weggenommen hat, überhaupt noch ansehen kann. Aber ich habe mich doch nicht dagegen entschieden!“ er hält sein Bier hoch und wir stoßen an.
„So und jetzt zu dir!“ sagt er plötzlich.
„Zu mir?“
„Jap, mein Lieber, wir müssen mal unbedingt über dein Liebesleben reden!“
„Bitte was?“
„Ja, das verstehst du schon richtig. Jetzt nicht wieder wegrennen, nur weil es mal ernst wird. Das muss jetzt sein!“
„Und was willst du wissen?“
„Na, hast du es ihr gesagt?“
„Wem?“
„Na, Gretchen?“
„Wieso? Woher willst du überhaupt wissen, dass ich“
„Marc, es sieht ja wohl ein Blinder mit dem Krückstock, dass du auf sie stehst“
„Ja und“
„Und das nicht schon seit gestern“
Ich trinke einen Schluck des Biers und schaue gen Tür.
„Ich habs ihr gesagt“
„Was?“ er guckt mich erstaunt an.
„Ja, ich habs ihr gesagt“
„Und was hat sie geantwortet?“
„Sie hat gekotzt“
„Ne, oder?“ ich nicke. „Doch“. „Alter!“

Zwei Stunden später bin ich schlauer. Mehdi und ich haben einen gründlichen Plan gesponnen, wie ich es Gretchen noch einmal sage. Nur irgendwie macht mir das ganze Angst. Den Gedanken daran, es noch einmal zu tun. Ihr es noch einmal zu sagen, da wird mir schlecht. Mir fällt so vieles ein, was ich sagen könnte, aber ich kann es nicht tun. Der Moment, kurz bevor ich es ihr gesagt habe war wohl der schrecklichste in meinem ganzen Leben. Und gleichzeitig der schönste. Aber er hat mir ganz schön viel Angst und Schweiß gebracht. Und dann dieses ernüchternde Gewürge von Gretchen.
Aber was solls. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.

„Man kann ja nicht immer alles im Leben haben“ hat Gretchen noch gestern auf dem Klassentreffen auf irgendeinen Satz gesagt. Stimmt. Aber sie muss ich haben.
Ich glaube ohne Gretchen würde ich jetzt nicht der sein, der ich bin. Ich bin von einem Vollarschloch ohne Plan zu einem halb-Arschloch mit ein bisschen Plan mutiert. Immerhin habe ich jetzt einen Plan, wie ich es ihr noch einmal sagen kann.

Ich laufe durch die Straßen und schaue in die spiegelnden Fützen auf dem schwarzen Asphalt. In jeder Fütze meine ich Gretchens Spiegelbild zu erkennen. Ich kann nicht länger warten, sonst ist es zu spät. Ich muss es ihr noch einmal sagen. Und das mit Alexis auch. Aber erst der schöne Part.
Im Kopf schwirrt mir ein Lied, das irgendwie recht hat und ich glaube, ich weiß jetzt wirklich, was ich will und tun muss.


http://www.youtube.com/watch?v=6hzrDeceEKc

Today is gonna be the day
That they're gonna throw it back to you
By now you should've somehow
Realized what you gotta do
I don't believe that anybody
Feels the way I do about you now

Backbeat the word was on the street
That the fire in your heart is out
I'm sure you've heard it all before
But you never really had a doubt
I don't believe that anybody feels
The way I do about you now

And all the roads we have to walk along are winding
And all the lights that lead us there are blinding
There are many things that I would
Like to say to you
I don't know how

Because maybe
You're gonna be the one who saves me ?
And after all
You're my wonderwall

Today was gonna be the day?
But they'll never throw it back to you
By now you should've somehow
Realized what you're not to do
I don't believe that anybody
Feels the way I do
About you now

Said maybe
You're gonna be the one that saves me
You're gonna be the one that saves me
You're gonna be the one that saves me

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.shinyshoes ( gelöscht )
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09.11.2009 00:38
#63 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen

„Gretchen, die Polizei hat gerade angerufen!“ meine Mutter kommt aufgeregt auf mich zugelaufen, als ich nach hause komme.
„Was?“
„Ja, irgendwas mit Alexis, ich habe das gar nicht verstanden!“ sie scheint ganz schön verwirrt. Dabei versteht sie doch sonst immer alles, was mit Detektivsarbeit, Kriminellen, oder Mann-frei-kaufen zu tun hat.
„Okay, ich ruf da gleich noch mal an“ sage ich und gehe erst einmal auf mein Zimmer.

Oben angekommen schmeiße ich meine Tasche erst einmal in die Ecke.
Erst mal tief durchatmen.
Ich kann es nicht glauben. Da hat Marc Meier tatsächlich noch was mit Gabi. Und ich dachte immer, er hätte sich mal geändert.
Habe meine Tränen im Laufe des Tages immer weiter unterdrückt, damit niemand etwas mitbekommt. Vor allem nicht Marc! Ich will nicht, dass er schon wieder denkt, ich wäre von ihm abhängig. Das bin ich nämlich gar nicht. Ich und abhängig? Niemals!

Irgendwann raffe ich mich wieder auf und gehe in die Küche. Na nu, wieso ist denn hier alles so dunkel? Meine Eltern gar nicht mehr wach? Die hocken doch sonst immer so lange im Wohnzimmer und schauen Günther Jauch.
Ich gucke auf die Uhr in der Küche. Scheiße! 3.34 Uhr!
Ich muss eingeschlafen sein! Aber so richtig. Da kann man mal sehen, was ein Marc Meier mit einem wieder anstellt.

Am nächsten Tag gehe ich einfach nur meiner Arbeit nach. Ein bisschen versucht mich Sabine aufzuheitern. Aber irgendwie gelingt ihr das nicht. Die Traurigkeit gewinnt. Aber komischerweise muss ich nicht mehr bei jedem Gedanken an ihn heulen. Sogar wenn ich ihn sehe, ist es einigermaßen okay und ich habe mich im Griff, mehr oder weniger.
Dabei kommt mir das alles spanisch vor. Also nicht, dass ich Spanisch nicht verstehen würde. Hatte das ja in der Schule als zweite Fremdsprache, aber irgendwie verstehe ich Marc nicht.
Wieso hat er wieder was mit Gabi am laufen? Und wieso um alles in der Welt hat er mir das nicht erzählt? Ich hätte ihn vielleicht vorwarnen sollen. Dabei kennt er doch ihre Vergangenheit. Tzz, typisch Marc eben. Doch immer noch das oberflächliche Arschloch, wie damals. ich muss Gigi mal anrufen.

Scheiß auf betrügen. Gigi ist meine beste Freundin und versteht mich nun mal einfach am besten. Ich muss mit ihr reden!
„Mit Gabi, sagst du?“
„Ja“
„Das kann ich mir nicht vorstellen.“
„Wieso?“
„Naja, er hat mir gesagt, als wir eben…na du weißt schon….dass Gabi ihm viel zu kleine Brüste hat“
„Was?“
„Ja“
„Ach Gigi, jetzt spinnst du aber! Marc geht doch nicht nur nach den Brüsten“
„Gretchen, er ist ein Mann?“
„Ja gut. Dabei war der BH gar nicht so klein“
„Bestimmt falsche Größe. Die von Victoria Secrets haben immer ein paar andere Größen als hier in der EU. Habe ich auch schon erlebt“
„Du hast dir in den USA einen BH gekauft?“
„Ja, wieso nicht? Man muss sich doch mal ein paar Kleinigkeiten gönnen, wenn man sonst schon kein Leben hat! Oder nicht?“
„Also ich würde das ja nie machen! Für einen BH gleich ein ganzes Flugzeug, das über den Teich fliegt? Ich würde dafür kein Geld ausgeben! Aber wenn du meinst“
„Ja du…“
„Sag mal Gigi, wie läufts bei dir so? Wir haben ja doch lange nicht mehr geredet“
„Ja, blöd diese Sache. Aber gut, dass wir uns jetzt wieder ausgesprochen haben! Du, bei mir läufts gut! Die Masche mit der Kinderärztin klappt ganz gut! Habe schon ein paar Dates gehabt!“
„Ach tatsächlich?“
Hmpf. Selbst meine beste Freundin, die sonst doch eigentlich auch nur immer Pech in der Liebe hatte, kriegt Dates ab. Und ich? Versauere im Gedanken an Marc Meier. Und seinen BH-Fetisch.
„Und bei dir?“
„Ach, ich war betrunken, hab in Marcs Bett geschlafen und sah am nächsten Morgen aus, wie ein Zombie! Ich denke, das sagt alles!“
„Du sagst es!“

Ich sehe Marc aus dem OP kommen. Er geht Richtung sein Büro.
„Du, Gigi, ich muss Schluss machen, Marc ist da. Ich werde ihn jetzt sofort auf die Sache mit Gabi ansprechen! Ich will jetzt Klarheit!“
Ich verabschiede mich von meiner alten, neuen besten Freundin und eile Marc hinterher.
„Maharc!“ flöte ich und laufe zu ihm.
„Was?“
„Ich wollte nur mal fragen, wie es dir so geht?“
„Wie solls mir gehen? Wie jeden Tag, wenn ich eine gute und eine schlechte OP habe?“
„Ja…und in deinem Liebesleben? Wo du doch jetzt wieder mit Gabi zusammen bist?“ ich versuche dabei nicht zu heulen.
„Bitte was?“
Er packt mich am Arm und zieht mich in sein Büro.

„Was bin ich? Mit Gabi? Was denkst du?“
„Na, der BH sagt doch wohl alles, oder?“
„Ich hab mir schon gedacht, dass du das warst!“
„Ja Marc, manchmal muss man Männern einfach eine Quittung erteilen!“
„Wenn du es genau wissen willst, ich wusste noch nicht einmal, dass der BH sich in meiner Schublade befindet.“
„Ach“
„Jap“ er ordnet irgendwelche Akten, die auf seinem Schreibtisch liegen. „So, und jetzt hätten wir das geklärt, jetzt können wir ja“
„Mehdi!“ begrüße ich unseren besten Gynäkologen.
„Na, ihr Turteltäubchen!“ er geht grinsend Richtung Marcs Schreibtisch.
„Dir scheint es auch immer besser zu gehen, seit du wieder eine Freundin hast, was?“
„Jap“ antwortet er kurz und knapp.
„Schön!“
„Finde ich auch Gretchen“. „Und bei dir?“ fragt er mich plötzlich. Ich schlucke. Damit habe ich ja echt nicht gerechnet!
„Äh, alles gut.“ lüge ich. „Na, das hört man doch immer wieder gerne!“
„Jap!“ Marc und ich gucken uns fragend an.
„So, na Meier schon was für deinen anstehenden 33. geplant?“
„Nein“ sagt Marc nüchtern.
„Na, ihr feiert doch bestimmt in der Männerunde, was?“ frage ich.
„Tja, dann muss er aber mit seinen anderen Freunden feiern, denn ich habe an dem Tag leider schon etwas vor!“ erzählt uns Mehdi.
„Achso, und was?“ frage ich interessiert nach.
„Meine Freundin und ich haben einmonatiges“
Och wie süß. Endlich mal ein Mann, der an so etwas denkt! Tja, Gretchen, du hättest ihn ja auch haben können, aber du wolltest ja nicht mehr.
„Ja, ich bin dann auch mal weg!“ Mehdi verschwindet wieder.
„Und ich nehme an, du feierst ganz groß mit deinen Kumpels?“ frage ich Marc schließlich.
Peter hat seine Geburtstage immer mit seinen Kumpels verbracht. Zumindest abends. Die mussten irgendwie immer um die Häuser ziehen.
Ich saß dann immer zuhause und habe das Geschirr vom Essen zuvor gespült.
Naja, den bin ich ja jetzt los. Das ist auch etwas in meinem Leben, was ich nie vergessen werde! Die Trennung von Peter! Eigentlich ein Lichtblick in meinem dunklen Leben. Immerhin hat es mich wieder zu meiner großen Liebe Marc Meier geführt! Die Liebe, die jetzt doch nichts mit Gabi hat! Der Mann, den ich schon immer mal küssen wollte, als ich 13 war!

„Nein, ich glaube nicht“ antwortet Marc plötzlich.
Huch, ich weiß gar nicht mehr, was ich gefragt habe!
„Was glaubst du nicht?“
„Dass ich mit Kumpels meinen Geburtstag feiern werde“
„Warum?“
„Oliver ist weg. Mehdi ist mit seiner Freundin unterwegs“
„Und deine anderen Freunde?“
„Welche anderen Freunde?“
„Na, du wirst doch wohl noch ein paar andere Bekannte oder Kumpels haben, was?“
„Nein.“ Marc guckt beschämt zu Boden. „Selbst meine Mutter hat an dem Tag keine Zeit“.
Oh, jetzt tut er mir richtig leid! Wie er da sitzt. So alleine und gedemütigt. Weil niemand seiner wenigen Freunde an seinem Geburtstag Zeit hat! Selbst seine eigene Mutter nicht!
„Natürlich hast du noch mehr Freunde!“
„Wen?“ Marc guckt mich fragend an.
„Na, mich?“
„Achso“
„Ja“
„Tja, so ist das, wenn man im Job so erfolgreich ist. Alle Freunde verlassen einen oder lügen einen an“
„Was?“
„Ach, egal.“ Er steht auf. „Willst du auch einen Kaffee?“
Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie Männer ebenfalls in Rätseln sprechen können. Naja, jedenfalls werde ich es verhindern, dass Marc Meier an seinem 33. Geburtstag alleine dasitzt. Das muss ja nicht sein.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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09.11.2009 13:35
#64 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten


Als mein Tag endlich zu ende ist, freue ich mich schon auf die Couch. Irgendwie brauche ich das. Mal so richtig ausspannen und nichts mehr tun! Was ein Glück, dass ich nicht noch selbst kochen muss! Das macht ja schon Mama für mich!
Ach, ist ja irgendwie doch praktisch, wieder bei den Eltern zu wohnen. Auch, wenn ich mit 20 gedacht habe, dass ich nie wieder hier einziehen würde.
Ich ließ mich eines besseren belehren. Ja, das muss auch manchmal sein!

„Gretchen, die Polizei hat schon wieder angerufen!“ ruft meine Mutter aus der Küche, als ich im Flur stehe, noch mit allen Sachen bepackt.
„Jaha!“ kann diese Frau nicht einmal im Leben etwas ruhiger sein? Muss man gleich aus allem ein Drama machen?
Ich schlendere in die Küche und klaue mir erst einmal eine gurke. Ach, irgendwie stehe ich gerade ja auch Grünzeugs. Ist ja auch nicht schlecht. Ich meine, man kann schließlich nie genug Vitamine bekommen!
„Gretchen, kannst du mal bitte den Tisch decken? Papa kommt auch gleich nach hause, dann können wir essen!“
„Ja“ sage ich genervt und fange an. Wieso eigentlich immer ich? Jochen könnte auch mal ein bisschen was machen.
„Wo ist eigentlich Jochen?“ frage ich derweil. Muss doch mal wissen, wo sich mein kleiner Bruder rumtreibt.
„Der ist doch an der Uni! Der hat doch jetzt dieses Seminar“ achja, das Erstehilfeseminar mit Gordon. Tzz, immer diese Studenten. Machen sich ein laues Leben!
Ja, ich war selbst mal Studentin, aber ich habe nie so ein laues Leben geführt! Habe schließlich irgendwann in Peters Praxis ausgeholfen.
„Och Gretchen, jetzt mach doch mal!“ ruft meine Mutter.
„Ja, ich weiß, der Braten wird kalt“

Am Esstisch sitzen wir dann eine Viertelstunde später alle schweigend. Aber wenn alle schweigen, dann soll ja das Essen gut sein.
„Und sag mal, was ist mit dem Meier eigentlich wieder los?“ fragt mein Vater mit vollem Mund. Meine Mutter kriegt schon die Krise, weil er nicht erst kaut, bevor er spricht.
„Weiß nicht, was soll mit ihm sein?“
„Na, der ist irgendwie so nachdenklich in letzter Zeit, bekommt gar nichts mehr mit, dem muss man alles dreimal sagen und dann macht er es noch falsch. Also, nicht gerade professionell!“
„Papa, auch Männer wie Marc haben mal einen schlechten Tag“
„Ja, aber doch nicht gleich so einen!“
„Stellt dir vor, Männer wie er haben auch noch andere Dinge im Leben, außer ihren Job?“
„Ach, bei dem Meier doch nicht!“ mischt sich meine Mutter ein.
„Doch, stell dir vor. Marc hat sogar ein Leben!“
„Ja, aber dem ist doch sein Job heilig!“
„Ja und? Auch er hat mal Frauenprobleme oder andere Sachen die mit dem sozialen Netzwerk zu tun haben?“
„Gretchen, Marc hat doch keine Frauen! Und der würde doch auch noch nicht mal wegen einer Frau leiden und seinen Job vernachlässigen!“
„Was weiß ich?“
„Ich dachte, du hättest immer so viel mit dem Meier zu tun in letzter Zeit?“
„Ja, Mama, er ist schließlich mein Oberarzt und wenn du es genau wissen willst, habe ich schon mein halbes Leben mit ihm zu tun. Früher eben gefühlstechnisch, jetzt eben beruflich.“
„Die Frau muss ganz schön toll sein, wenn er wegen ihr so leidet“ stellt mein Vater fest.

Ja klar, als würde Marc Meier Liebeskummer schieben. Der würde eher in die Kneipe oder Disko gehen, sich betrinken und andere Weiber aufreißen! Tzz, was meine Eltern von der heutigen Generation und Marc Meier denken! Weiß doch wohl jedes Kind, dass er nicht zu seinen Gefühlen stehen kann!
Deswegen muss ich ja auch etwas unternehmen! Und das ist auch der Grund, warum ich Marc an seinem Geburtstag überraschen werde!

Das Telefon klingelt.
„Ah, Gretchen, das ist bestimmt wieder die Polizei“ meint meine Mutter.
„Ja, ich geh schon“

„Haase?“
„Guten Tag, sind sie Margarethe Haase?“
„Ja“
„Polizeipräsidium Berlin-Charlottenburg“
„Guten Tag?“
„Wir würden gerne eine Zeugenaussage von ihnen haben im Fall Alexis von Buren!“
„Was?“

Im Polizeipräsidium angekommen begrüßen mich die Polizisten nett. Ich setze mich auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch und weise mich erst einmal aus.
„Und sie sind auch die Ehefrau von Herrn Buren?“
„Ja“ sage ich etwas verunsichert. Warum wollen die das wissen? Bestimmt nur zu Personenangaben.
„Ist ihnen in letzter Zeit irgendetwas an ihrem Mann aufgefallen?“
„Nö. Wieso?“ was wollen die denn jetzt von mir? „Eigentlich nicht“ sage ich noch einmal.
„Gut, also keine Unauffälligkeiten? Hat ihr Mann vielleicht viel Zeit für sich alleine gebraucht? Oder hat er irgendetwas von einer längeren Reise gesagt?“
Naja, unsere Hochzeitsreise haben wir ja noch nicht angetreten.
„Nein, warum?“
„Gut.“ der Polizist hackt irgendetwas auf seinem Zettel ab.
„Und sie haben wirklich nichts mitbekommen?“
„Wovon denn?“ frage ich nach. Langsam werde ich nervös.
„Die Schwester, die in ihrem Haus ebenfalls wohnte, hat diese sich eventuell anders benommen, als noch ein paar Monate zuvor?“
„Hören sie, ich weiß wirklich nicht was sie von mir wollen!“ ich schlucke. „Und was hat das überhaupt mit mir und der Schwester zu tun? Ich wollte mich doch bloß von meinem Mann scheiden lassen, weil er mich betrogen hat! Wieso machen sie denn jetzt hier so einen Aufstand?“
„Lassen sie mich das ihnen so erklären, Frau Haase – oder von Buren? – ihr Mann ist im dringenden Tatverdacht, einen Menschen umgebracht zu haben!“.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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09.11.2009 15:22
#65 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten




Erst einmal ganz tief durchatmen. Ich kann es nicht glauben! Das, was die Polizei mir da gerade erzählt hat, kann ich einfach nicht glauben. Alexis von Buren, mein eigener Exmann ist ein Hochstapler! Ein Betrüger! Und ein Lügner!
Und wenn sich die DNA-Spuren auch noch mit seinen decken auch noch ein Mörder!
Ich weine und zittere am ganzen Körper.
Nach dem mir die Polizisten die ganze Geschichte erzählt haben, ich sozusagen zum ersten Mal die Worte „Hochstapler“, „Betrüger“ und „Mörder“ gehört habe, habe ich abgeschaltet.
Ich brauchte mir den Rest von dem, was sie mir erzählten gar nicht mehr anhören. Das hat mir schon gereicht. Ich glaube das Pech verfolgt mich.
Die Polizisten haben dann noch irgendetwas von einem Zeugen erzählt, der sie gerufen hat und so. Aber da habe ich schon gar nicht mehr hingehört. Habe auch einfach verneint, als sie mich gefragt haben, ob ich den Zeugen kenne. Hab auch gar nicht hingehört. Habe also den Namen gar nicht verstanden.
Für mich ist nicht nur eine Welt zusammen gebrochen, sondern auch mein ganzes Leben ist plötzlich, in einem Moment zusammengefallen.
Ich habe mich immer auf diesen einen Mann gefreut, der mich heiraten wird. Auf diesen einen Moment, in dem ich „Ja“ sage. Auf den kommenden Kuss, der so viel Liebe beinhalten wird, dass man denkt, man sei in einer Parallelwelt. Auf die kommende Feier und den Stolz, den meine Eltern haben werden. Auf die Hochzeitsnacht, in der ich einfach mal meine Pille vergessen würde. Auf die Flitterwochen, die wir auf den Fidschiinseln verbringen wollten! Auf meine Ehe. Auf Kinder. Darauf, dass ich endlich glücklich bin.

Und was bin ich stattdessen? Gedemütigt und verwirrt. Was hat Alexis sich eigentlich dabei gedacht, mich die ganze Zeit anzulügen? Er hätte doch mir – seiner Frau, die Frau, die er zu lieben schien – die Wahrheit sagen können! Gut, ich hätte für nichts garantieren können, aber ich glaube, die Liebe zu ihm hätte mich davon abgehalten, mich von ihm zu trennen!
Aber vielleicht war es so auch gut, wie es war.
Vielleicht war es besser, schon im Vorfeld ein schlechtes Bild von ihm zu bekommen, sodass ich ihn schon anfangen konnte zu hassen, bevor die ganze Sache mit dem Mordfall aufgeklärt wird.
Selbst die alte Frau Buren war in der ganzen Sache mit eingeweiht. Angeblich, so sagte sie nach eigener Aussage, hat er sie sogar gezwungen mit ihr…
Oh Gott! Wenn ich daran auch nur denke, wird mir schon wieder schlecht und ich könnte weinen.

Es ist der wohl schrecklichste Moment, wenn eine Frau erfährt, dass sie von den Mann, den sie über alles liebte und dem sie vor Gott ihre Liebe schwor, dass ihr Mann sie die ganze Zeit angelogen hat.
Es ist nicht dieses „ich wurde von ihm mit einer 24jährigen Tänzerin betrogen“-Gefühl, es ist das „ich wurde von Anfang an belogen und hintergangen“-Gefühl. Ich lebte mit einem Mörder zusammen! Ein Glück, dass er mir nichts angetan hat!
Es ist aber dennoch das wohl schmerzhafteste, was mir bisher in Sachen Liebe widerfahren ist. klar, es waren alle Freundinnen, die Marc hatte, ein Dorn in meinem Auge und ich hätte alle am liebsten umgebracht oder zumindest verjagt. Auch die Hochzeit mit Gabi und ihre Schwangerschaft waren nicht gerade die schönsten Momente in meinem Leben. Aber nichts war so schlimm und schmerzhaft, wie zu erfahren, dass dein eigener Ehemann ein Hochstapler ist!

Ich weiß ja noch nicht einmal seinen richtigen Namen! Er heißt Frank, das weiß die Polizei inzwischen. Aber wer er ist, woher er kommt und was er macht und vor allem warum, das weiß wohl niemand. Ich könnte heulen, aber ich kann es nicht. Der Schmerz und die Enttäuschung sitzen einfach zu tief.

Langsam schlendere ich von der Einfahrt der Polizeiwache zu meinem Auto. Ich fahre los und halte wohl während der gesamten Fahrt den Verkehr auf, weil ich mich einfach nicht konzentrieren kann.
Noch zeigt die Ampel rot, aber gleich wird sie grün zeigen und ich werde weiterfahren, mit dem Wissen, dass ich einen Betrüger geheiratet habe!

Als ich das Auto in die Garage gestellt habe – bestimmt ein paar Macken mehr hinein gefahren – laufe ich völlig desorientiert in unseren Garten. Hier saßen Alexis und ich noch kurz nach unserer Hochzeit und waren glücklich.
Ich sehe die vom Regen nassen Stühle und kriege einen Heulkrampf. Vor Wut schmeiße ich alle Stühle um, dabei schreie ich. Wohl so laut, wie noch nie zuvor! Ich schmeiße den Tisch um und versuche vor lauter Tränen nicht hinzufallen, weil ich nichts mehr sehe. Die Blumenkübel sind mir auch ein Dorn im Auge! Schließlich hat Alexis mir damals eine rosa Rose von genau diesem dämlichen Blumenkübel geschenkt! Wie naiv ich doch damals noch war, dass ich glauben konnte, es wäre wirklich wahre Liebe!
Scheiß auf Liebe! Wahre Liebe gibt es nicht, wird es nie geben und ich werde auch nicht irgendwann noch einmal auf sie stoßen!
Es wird nie wieder in meinem Leben Bäm machen, dass ich denke, mich hätte ein Blitz getroffen, dabei war es nur die Liebe.
Ich habe ganze 25 Jahre darauf gewartet, der großen Liebe zu begegnen – das dachte ich, als ich Peter kennenlernte. Ich würde niemals mehr unglücklich sein und irgendwann wären wir alle zusammen eine schöne kleine Familie! Ein Haus im Grünen wollte ich haben, tzz, jetzt sitz ich heulend in der grünen Wiese und habe einen Nervenzusammenbruch.
Ganze 29 Jahre habe ich gewartet um meine Jugendliebe wieder zutreffen. Monatelang habe ich darauf gehofft und auf ihn gewartet. Doch er kam nicht. Er wollte stattdessen eine Krakenschwester heiraten und war kurz davor, Vater zu werden!
Ganze 30 Jahre lang habe ich gewartet, um der angeblich wirklich großen Liebe zu begegnen! Ich war so glücklich, wie nie zuvor. Auch mit Peter war ich an guten Tagen nie so glücklich, wie mit Alexis.
Und auch, wenn er mich betrogen hat und ich in der letzten Zeit immer mehr versucht habe, ihn zu vergessen, ihn zu beleidigen in meinen Gedanken, ihn zu verdrängen, die Liebe war dennoch da und der Schmerz ist jetzt wohl noch größer.

„Gretchen, was ist denn mit dir los?“ schreit meine Mutter ganz aufgebracht, als sie mich sieht. Erst jetzt merke ich, dass ich anscheinend im heulend hier eingeschlafen sein muss, auf unserer Terrasse. Es ist schließlich schon dunkel.
„Alexis“ stammele ich.
„Was ist denn passiert?“
„Er ist ein…Mörder!“

http://www.youtube.com/watch?v=clq01TXQR0s

I hurt myself today
To see if I still feel
I focus on the pain
The only thing that's real
The needle tears a hole
The old familiar sting
Try to kill it all away
But I remember everything

What have I become
My sweetest friend
Everyone I know goes away
In the end
And you could have it all
My empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt

I wear this crown of thorns
Upon my liar's chair
Full of broken thoughts
I cannot repair
Beneath the stains of time
The feelings disappear
You are someone else
I am still right here

My sweetest friend
Everyone I know goes away
In the end
And you could have it all
My empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt

If I could start again
A million miles away
I would keep myself
I would find a way

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.shinyshoes ( gelöscht )
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09.11.2009 20:29
#66 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Aber Margarethe! Wie kann das denn sein?“ meine Mutter ist genauso geschockt, wie ich.
„Das kann sein, wenn man jemanden glaubt zu kennen und genau das Gegenteil tut.“ ich merke, wie mir der Schmerz in die Brust steigt.
„Ich dachte immer, ich würde ihn kennen. Mama, ich habe ihn geheiratet!“
„Ja, ach komm her!“ sie umarmt mich fürsorglich. Endlich fühle ich mich wieder geborgen.
Nach Wochen von Emotionslosigkeit. Ich hab schließlich meine Gefühle nicht zugelassen. Habe die ganze Betrügerei von Alexis mit seiner Mutter einfach verdrängt und mich in die Arbeit gestürzt, aber jetzt bemerke ich, dass ich sehr wohl noch nicht von ihm weg bin.
„Das ist ja das paradoxe! Mama, ich liebe einen Mörder!“
„Ach, du liebst ihn doch nicht mehr!“ redet sie mir aus.
„Ja, aber ich habe ihn sehr geliebt. Und..“ ich schluchze. „Und ich habe mich zu ihm hingezogen gefühlt“ jetzt kullern mir die Tränen wieder die Wangen hinunter.
„Und er war doch so lieb und…und so toll zu mir….er hat mir immer zugehört. Sogar meinen Lieblingsfilm hat er mit mir geschaut!“ meine Mutter nimmt mich immer fester in den Arm, während ich wieder auf einen beinahen Nervenzusammenbruch zusteure.
„Aber Gretchen, du musst jetzt die ganze Sache mit der Liebe vergessen! Du kannst ihn doch nicht mehr lieben! Nicht nach all dem, was er dir angetan hat!“
„Ja, du hast ja recht Mama, aber“
Mein Vater kommt nach hause und sieht das Elend auf dem Sofa.
„Was ist denn hier los?“ fragt er, als er seine Tasche wegstellt.
„Alexis ist ein Mörder“ sagt meine Mutter so trocken, als wäre es das normalste der Welt!
„Was?“ mein Vater eilt zu uns hin. Sieht mich schluchzend in den Armen meiner Mutter.
„Aber Kälbchen, das ist ja schrecklich!“
„Ja, Papa, das ist es!“
„Wen hat er denn umgebracht?“
Während ich bei dieser Frage immer noch heulend dasitze, erzählt meine Mutter meinem Vater die ganze Geschichte.

„Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ es ist das erste Mal nach seinem Herzinfarkt, dass ich meinen Vater mit bleichem Gesicht sehe.
„Da muss man doch was unternehmen! Der Kerl darf doch nicht ungestraft davon kommen!“ flucht er plötzlich.
„Das bringt doch nichts. Er ist auf der Flucht. Die Polizei kümmert sich ja schon darum!“ klärt ihn meine Mutter auf.

In dieser Nacht mache ich kein Auge zu. Ich heule ständig. Es gibt fast kaum einen Moment, in dem ich nicht weine.
In meinem Ipod habe ich den Ordner „Sad Songs“ ausgewählt. Damit ich nicht ganz mit meinen Gedanken alleine bin. Denn meine Gedanken und ich allein in diesem Zustand? Neeeeein, nicht verkraftbar. Das wäre zu viel für mich.

http://www.youtube.com/watch?v=yftOy8kz7aE

Love, love is a verb
Love is a doing word
Fearless on my breath
Gentle impulsion
Shakes me makes me lighter
Fearless on my breath

Teardrop on the fire
Fearless on my breath

Nine night of matter
Black flowers blossom
Fearless on my breath
Black flowers blossom
Fearless on my breath

Teardrop on the fire
Fearless on my breath

Water is my eye
Most faithful mirror
Fearless on my breath
Teardrop on the fire of a confession
Fearless on my breath
Most faithful mirror
Fearless on my breath

Teardrop on the fire
Fearless on my breath

Stumbling a little
Stumbling a little

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.shinyshoes ( gelöscht )
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09.11.2009 23:30
#67 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Die nächsten Tage verlaufen trist. Ich gehe zwar arbeiten, aber irgendwie bin ich neben mir. Ich bin nicht wirklich da. Die ganze Sache mit Alexis hat mich irgendwie völlig aus der Bahn geworfen. Gut, es wird einem auch nicht jeden Tag gesagt, dass der Ex-Ehemann möglicher weise ein Mörder ist!

Mein Handy klingelt. Hilfe, jetzt merke ich erst wieder, dass ich noch hier bin.
„Ja hallo?“
„Frau Haase?“
„Ja, das bin ich“
„Polizeipräsidium Berlin-Charlottenburg, Meier mein Name“ noch so ein Meier.
„Ja guten Tag“
„Ich wollte ihnen nur die Nachricht mitteilen, dass wir die DNA-Spuren ihres Mannes mit denen, die wir auf der Leiche gefunden haben, verglichen haben. Sie stimmen nicht überein. Jetzt warten wir natürlich auf das Verfahren. Jedenfalls wurde in der Obduktion der Leiche gleichzeitig festgestellt, dass der echte Herr von Buren nicht umgebracht wurde, sondern wahrscheinlich eine Krankheit hatte. Nur dass sie wissen, dass ihr Mann kein Mörder ist. jedoch würden wir sie gern noch zu einer weiteren Aussage einladen. Es ist für das Verfahren, das wir aufgrund der Flucht ihres Mannes eingeleitet haben“
Ich kanns kaum glauben! Alexis ist doch kein Mörder! Mir fällt regelrecht ein Stein vom Herzen.
Natürlich vermindert es nicht die Tatsache, dass er mich angelogen hat und sich als jemand ausgegeben hat, der er nicht ist. Aber dennoch habe ich ein besseres Gefühl. Es tut gut, endlich mal gute Nachrichten zu hören.
„Und noch eins, Frau von Buren hat endlich ausgesagt. Sie hat zunächst gelogen und schließlich zugegeben, dass sie ihren Mann dazu gezwungen hat, mit ihm sexuelle Praktiken auszuleben, da sie ihn dann nicht angezeigt hätte“
Bitte was? Alexis wurde erpresst! Ohje! Vielleicht wollte er das ganze also nicht? Noch ein Stein fällt hinunter. Ich freue mich wie ein Kind an Weihnachten. Ich könnte Luftsprünge machen!
Natürlich werde ich Alexis trotzdem nicht verzeihen, glaube ich, denk ich.
Oder – ich meine, wenn er doch das alles nicht gewollt hat? Dann ist er doch auch nicht der Schuldige?
Gut, er hätte mir dennoch die Wahrheit sagen können.
Aber vielleicht hat er sich das ganze einfach nicht zugetraut, weil ich ihm so glücklich schien?

„Frau Haase, sind sie noch da?“
„Äh, ja“
„Gut, ich hoffe, sie haben dann nächste Woche einen Termin frei, dann müssen wir sie leider noch einmal vernehmen!“
„Ja, gut“
„Dann wünsche ich ihnen noch einen schönen Tag!“
„Tschüss!“

Ahhhhhhhhhhhhh! Alexis ist kein Mörder! Ich könnte heulen!

„Na Frau Doktor, was sagt die Polizei?“
„Alexis ist nicht schuldig. Also, zumindest nicht in dem Mordverfahren. Herr von Buren ist durch eine natürlich Sache ums Leben gekommen“
„Na dann“

Im OP wirkt Marc mal wieder etwas von der Rolle und neben sich. Dafür bin ich, Gretchen Haase, wieder voll bei mir. Natürlich kann diese ganze Nachricht nicht meine Entscheidung zur Scheidung (wie das klingt?) wettmachen, aber ich bin trotzdem sehr erleichtert, keinen Mörder geheiratet zu haben.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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09.11.2009 23:30
#68 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten


„Sag mal, was bist du denn heute so gut drauf?“ fragt mich Marc.
„Ach, nur so eine Sache“
„Nur so eine Sache?“
„Ja, was privates“
„Was privates? Sag mal, spinn ich oder was? Willst du mir jetzt nichts mehr erzählen? Du laberst doch sonst ununterbrochen Scheiße“
„Tja, manchmal muss man halt ununterbrochen Scheiße denken, Marc!“
„Ja, Frauen halt, was?“
„Genau“
„Sag mal, was machst du denn morgen Abend?“
„Morgen Abend?“
„Jap“
„Ich feier mit Sabine und ein paar Freunden. Die neue Freiheit, weißt du“
„Ach bist du jetzt endlich geschieden, oder was?“
„Jap, genau“
„Frau Doktor war ja heute extra noch mal bei der Polizei, was?“ mischt sich Sabine in die Unterhaltung ein.
„Genau, Schwester“
„Also hast du nicht zufällig morgen Zeit?“
„Nein, leider nicht Marc!“
„Okay“
Was ist denn? Ist der jetzt beleidigt, oder was?
„Zu machen!“ Marc schwirrt aus dem OP und knallt die Tür hinter sich zu.

„Schwester Sabine!“ ich laufe ihr auf dem Flur nach.
„Ja, frau Doktor?“
„Sagen sie mal, wissen sie, was Doktor Meier hat?“
„Nein“
„Der war gerade so schnell aus dem OP, hat die Tür zugeknallt, haben sie ja selbst gesehen. Und gerade, als ich ihm noch die Ergebnisse von Frau Kramer gegeben habe und nach der OP morgen fragen wollte, war er auch nur so kurz angebunden“
„Vielleicht ist er eifersüchtig?“
„Eifersüchtig? Worauf soll der denn bitte eifersüchtig sein? Dass ich geschieden bin?“
„Sind sie es denn?“
„Ja, die Polizei hat gesagt, sie prüfen jetzt die Daten. Eigentlich war ich ja mit jemanden verheiratet, der eine andere Identität hat, also ein Fake war, so gesehen.“
„Also sind sie vielleicht gar nicht verheiratet gewesen?“
„Ja, vielleicht“
„Das ist aber traurig“
„Das können sie sehen, wie sie wollen, aber ich muss ehrlich gesagt sagen, ich finde das ganz gut. Das ändert zwar nichts an den Gefühlen, die ich für Alexis hatte, aber ich denke, ich war vielleicht doch noch nicht so bereit für eine Hochzeit!“


Am Abend hat meine Mutter noch einen Braten gemacht. Immer diese Mesterei hier.
„Gretchen, ruf doch mal bitte den Herrn Meier von der Polizei zurück, der hat eben schon wieder angerufen.“
„Mach ich“

Ich gebe in mein Handy „mei“ ein. Zwei Nummern erscheinen. Marc Meier und Dieter-Thoma Meier. Achja, Marc.
„Guten Tag Herr Meier“
„Tag, Frau Haase
„Sie hatten angerufen?“

„Ja“ sage ich. „Danke!“ „Bitte, bitte Frau Doktor!“ „Tschüss“ ich lege hastig auf und renne durch die ganze Wohnung.
„Mama! Ich bin gar nicht verheiratet gewesen!“
„Bitte was?“
„Ja, das war alles ungültig, weil Alexis doch ein Hochstapler ist!“
„Ja, aber was ist denn dann mit den Ringen? Und dem Ehegelübte? Dem Schwur? Dem Ja-Wort? Und der Feier?“
„Ja, die hat ja aufgrund des Virus sowieso nie stattgefunden!“
„Ja, aber“
„Nichts aber! Wir müssen feiern! Sofort, hol den Sekt aus dem Keller!“
„Du spinnst doch!“
„Doch, hol Papa!“
„Was ist?“
„Papa, wir müssen anstoßen!“

„Auf die neu gewonnende Freiheit!“ rufe ich und halte mein Glas empor. Meine Eltern gucken mich verdutzt an.
„Ja, ich kann mich halt jetzt freuen, dass ich wieder Single bin“
„Na, dafür hast du vor ein paar Wochen aber noch ganz schön gelitten“
„Ja, scheiß auf Alexis. Scheiß auf die Liebe! Ich bin jetzt wieder solo!“
Wir stoßen unsere Gläser zusammen und lassen es gehörig klirren.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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09.11.2009 23:31
#69 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Am nächsten Tag verläuft die Arbeit eher schleppend.

„Frau Doktor! Die OP!“
„Jaha“ ich eile in den OP-Saal.
Auf dem Weg dorthin laufe ich an unserer OP-Tafel vorbei. Plötzlich bleibe ich stehen.
„Wer hat mich denn hier ausgetragen?“
„Das war Doktor Meier“ stellt Sabine fest.
„Wieso sollte er das tun?“
„Na, sehen sie doch, das ist seine Handschrift!“
„Oh, Sabine, bitte“
„Aber warum tut Dr. Meier ihnen so etwas an?“
„Naja, es ist ja kein Weltuntergang!“
„Ja, aber es ist schrecklich für eine so tolle Ärztin, wie sie es sind“
„Danke, aber ich brauche jetzt keine Komplimente!“
„Doch, jemand muss ihnen doch mal sagen, dass sie gut sind, wenn es nicht der Meier ist“
„Wissen sie, wo der steckt?“
„Im OP“

Im OP schmeißt mich Marc achtkantig wieder raus. Na toll. Dann soll er halt alleine operieren. Wenn er es noch nicht einmal in seinem Leben nötig hält, mir einen Grund dafür zu nennen!

„Schwester Sabine?“
„Ja, Frau Doktor!“
„Ich gehe dann nach hause, hätte sowieso nach der OP Schluss gehabt“
„Okay“
„Wissen sie, sie können Dr. Meier eigentlich einen Gruß ausrichten, aber“
„Er hat heute Geburtstag“
„Was?“ scheiße. Das habe ich ja total vergessen! Dann war er nur so gehässig zu mir, weil ich ihm nicht gratuliert habe.
Vor lauter Alexis Gedanken habe ich ja alles um mich herum vergessen. Allen voran Marc.
„Haben sie das vergessen?“
„J…j…ja“ stammle ich.
„Soll ich ihnen ein Geschenk besorgen?“
„Nein, nein, danke Sabine. Ich kaufe schon selbst etwas, nein danke“

Schnell haste ich runter zu meinem Fahrrad. Oh, wenn man mal ein Auto braucht, ist keins da.
Ich rase wie noch nie zuvor zum Kuhdamm. Dort gebe ich dem Straßenmusiker vor dem KDW zwanzig Euro dafür, dass er auf mein Fahrrad aufpasst und eile in das größte Kaufhaus Europas hinein.
Na toll. Wo soll ich jetzt hin? Schmuck gefällt ihm doch sowieso nicht. Außerdem ist Swarowskis sowieso zu teuer. Und Tiffany´s erst. Oh Gott! Tiffany´s! Wenn es jemals noch einen Heiratsantrag geben sollte, dann doch bitte mit einem Ring von genau diesem Schmuckdesigner, wobei es womöglich nie dazu kommen wird!

„Entschuldigung, kann ich ihnen helfen?“ fragt mich eine bepuderte und mit sämtlichen Düften besprühte Verkäuferin in der Männerabteilung der „Düftchen“-Etage.
„Ja, ich suche einen modernen Männerduft“
„Okay, für was für einen Typ Mann soll der denn sein?“ fragt mich die Verkäuferin. „Eher maskulin und bodenständig oder modern und erfolgreich oder machomäßig mit einem weichen Kern?“
„Ha, letzteres dann bitte“ sage ich schnell. Wenn nur diese drei Typen von Männern hier einkaufen, dann kaufen hier ja nur Marc Meiers ein.
„Dann hätten wir hier diesen neuen Duft von…“
Die Verkäuferin zeigt mit bestimmt 9 neue Düfte von Marken, die ich sowieso nicht kenne.
Bei der 10. sage ich einfach mal ja und zahle schnell.
Ohne auf die Zahl, die auf der Kasse steht, zu gucken, zücke ich mein Geld, grinse noch ein nettes „Dankeschön und tschüss“ und rase zur Rolltreppe.
Noch schnell in die Schlemmerabteilung und eine überteuerte Tafel Schokolade kaufen und dann nichts wie weg hier.

Der Straßenmusiker hat tatsächlich auf mein Rad aufgepasst. Zur Belohnung gebe ich ihm noch einen Zehner und fahre schnell weiter. Ich rase so schnell, wie noch nie vom Kuhdamm wieder zurück nach Charlottenburg. Verdammt, hätte nicht gedacht, dass der weg so lang ist!

Zuhause gehe ich schnell Duschen, ziehe mich um und mache mich fertig.
Dann esse ich eine Kleinigkeit und packe das kleine Geschenk zusammen mit einer Flasche Sekt in meine pinke Tasche. Ja, die schwarze ist zurzeit kaputt!

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.shinyshoes ( gelöscht )
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09.11.2009 23:52
#70 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Um 20.17 Uhr klingelt es. Wer kann das sein? Ich habe doch niemanden eingeladen, der heute kommen soll. Wollte doch keiner kommen. Selbst Gretchen hat es vergessen. Tzz, die soll mir noch mal kommen mit ihrer Freunde-Einstellung. Bis wir Freunde werden, wahre Freunde, so richtige Freunde, da ist Obama´s Tochter schon erste schwarze Präsidentin der USA.
Autsch. Wenn da nicht die Gefühle wären. Aua.

Ich geh zur Tür und schiele durch meinen Spion. Toll.
„Gretchen?“
„Marc!“
„Was willst du hier?“
„Ich wollte dir gratulieren“
„Okay, komm rein!“ ich bete sie rein und sie betritt ihre pinke Tasche schwingend meine Wohnung.
„Schön hast du es hier, wie immer“
„Ja, hab extra aufgeräumt“
„Ach Marci“
Bitte was?
„Was hast du gerade gesagt?“
„Alles, alles liebe zum Geburtstag! Ich habs heute Mittag total vergessen, weißt du der Stress und so!“ sie umarmt mich fest, erdrückt mich schon fast. Aber es fühlt sich schön an.
„D…danke“
„Ach, keine Ursache. Hier ich dachte wir stoßen mal an?“ sie legt mir die Sektflasche in die Hand.
„Ja, klar“

Gretchen setzt sich im Wohnzimmer auf meine Couch, wo ich soeben noch die Simpsons geguckt habe.
„Du guckst du Simpsons?“ fragt sie mich, als ich mit zwei Gläsern und einer offenen Flasche ins Wohnzimmer komme. „Das ist ja süüüüüß!"
Ich grinse und setze mich neben sie.
„Auf dich!“
„Auf…mich“ sage ich und wir stoßen an. Dabei gucken wir uns tief in die Augen. Scheiße, der Plan.

„Sag mal Marc, wieso sitzt du an deinem 33. Geburtstag eigentlich wirklich alleine zuhause rum? Hast du echt keine anderen Kumpels, die Zeit haben?“
„N….nein…ich, naja“
„Das tut mir so leid“
„Nein, das muss dir nicht leid tun. Ich bin ja teilweise selbst schuld dran“
„Ja, aber ein Mann wie du, braucht doch auch Freunde. Männliche Freunde!“
„Ja, aber ein Mann wie ich ist eben auch immer im Job“
„Ach, lass doch mal Job, Job sein“

Eine Viertelstunde starren wir schweigenderweise auf den Bildschirm und sehen, wie Marge sich eine neue Frisur machen lässt und Homer eine Kur machen muss. Irgendwann kommt Werbung.
„Sag mal Marc, wieso ist das hier eigentlich so dunkel?“
„Ist doch egal“ ich gucke sie an.
„Wieso ist das egal?“
"Weil das jetzt nicht zählt“
„Tut mir leid, ich kann dir leider nicht folgen“
„Gretchen, was ist das hier mit uns?“
„Was soll das sein?“ sie trinkt einen Schluck. „Wir sitzen hier in gemütlicher Runde und stoßen auf deinen Geburtstag an?“
„Jaja, so sieht es vielleicht von außen aus, aber was sind wir?“
„Was sollen wir sein?“
„Och Gretchen bitte, dieses ständige hin und her: wir finden uns toll, wir finden uns scheiße. Das nervt!“
„Ich weiß gerade echt nicht, wovon du sprichst! Wir sind doch auch Freunde, oder? Wir sitzen hier zusammen, trinken Sekt, quatschen, haben Spaß“
„Gretchen!“
„Ja, und wir feiern eben deinen Geburtstag, so wie sich das für Freunde gehört“
„Gretchen“ ich werde lauter.
„Was soll daran jetzt bitte falsch sein?“
„Margarethe Haase!“ schrei ich jetzt so laut, bis sie endlich aufhört zu quatschen.
Sie sieht mich fragend an.

„Was ist das zwischen uns beiden, meine ich? Wir sind doch nicht bloß Freunde, wir sind auch nicht nur Kollegen, die ab und an mal was miteinander haben, oder?“
Sie schweigt und guckt mich immer noch fragend an.
„Sind wir Kollegen? Ja, sind wir Freunde? Ja, aber wir sind doch auch noch irgendwas anderes, oder?“
Gretchen schweigt und guckt weg.
„Diese ganzen Liebesdinge, dieses ständige auf Partys rummachen, das passt doch irgendwie nicht zusammen, oder?“
Gretchen guckt betreten zu Boden.

Nach zehn Minuten Schweigen ergreife ich die Initiative. Ich küsse sie.
Irgendwann stoppt sie das ganze und guckt mich wieder fragend an.
„Was soll das Marc, kannst du mir das bitte auch mal erklären? Ich meine, erst erzählst du mir einen von „Wir sind doch keine Freunde“ und dann küsst du mich einfach, ohne eine Erklärung“
Gut, dass Engelchen und Teufelchen im Urlaub sind. Die würden mich jetzt nur nerven.
„Wir sind nicht nur Freunde Gretchen. Wir sind doch mehr, oder? Ich fühle das zumindest so“
„Ja, du fühlst das. Und was ist morgen? Morgen fühlst du dann, dass zwischen dir und Gabi oder dir und Tanja oder dir und Sabine mehr ist!“
Okay, jetzt muss der Mehdi-Plan her. Ich küsse sie erneut.
„Gretchen, ich liebe dich verdammt noch mal! Wann kapierst du das denn endlich?“

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.shinyshoes ( gelöscht )
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10.11.2009 20:15
#71 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen

Oh Gott! Hat er das gerade wirklich gesagt? Marc Meier liebt mich? Steht zu seinen Gefühlen? Meint er womöglich ernst?

„M…Marc“ stammle ich.
„Was ist Gretchen?“ er guckt mich mit diesem verzückenden Lächeln an.
„I…ich weiß gerade wirklich nicht, was ich sagen soll“
„Ich liebe dich“ wiederholt Marc noch einmal und bleibt dabei ganz ruhig.
„Ich…“ ich schlucke. „Ich“
Ich kann das nicht! Hilfe, da sitzt Marc Meier nach seinem Liebesgeständnis vor mir und ich kann nichts sagen! Super, ich merke schon, ich laufe schon wieder in den nächsten romantischen Supergau!
„Du musst nichts antworten!“ sagt Marc und küsst mich erneut. Ach, ist das schön.
Nach zehn Minuten Rumgeknutsche auf der Couch wechseln wir die Location in Richtung Marcs Schlafzimmer.
Irgendwie schaffen wir es sogar, vom Wohnzimmer, durch die halbe Küche um die Ecke in sein Schlafzimmer zu wanken. Alles natürlich, ohne unsere Lippen auch nur einmal voneinander loszulassen!
Wir fallen in sein Bett. Ich spüre Marcs Hand unter meiner Bluse. Vorsichtig knöpft er sie mir auf. Oh Gott, das fühlt sich ja jetzt schon gut an!
Irgendwann liege ich halb nackt auf seinem Bett. Wir küssen uns immer noch, als gäbe es keinen Morgen mehr und vergessen die Zeit um uns herum. Ich muss zugeben, Marc hat noch nie so gut geküsst, wie heute!
Im Hintergrund höre ich schon Freundeskreis und Joy Denalane „Mit dir“ singen und muss zugeben, genauso fühle ich mich gerade!
Mit Marc bleibt die Welt stehen und ich werde jetzt alles genießen und keinen einzigen Moment davon vergessen.

Uh, da fliegt auch schon mein BH vom Bett auf den Fußboden. Ohje, bitte lieber Gott, lass das einfach nur schön sein und am liebsten nie enden…

http://www.youtube.com/watch?v=j8cHmUgoZ54

Mit dir steht die Zeit still du bist was ich will,
spürst du was ich fühl denn was ich fühl ist real.
Es ist mehr als nur ein Spiel ich lieb deinen Stil,
dein Sexappeal komm relax mit mir,
ich will nichts tun was du später mal bereu'n wirst
doch heute Nacht brauch ich bißchen mehr als Freundschaft,
bitte schau mich nicht so an deine Blicke sind gefährlich
ehrlich ich begehr dich!
Mit dir steht die Zeit still du verwirrst mich
bist zuviel für mich spür' wie du mein Willen brichst
ist es mehr als nur ein Spiel leg die Karten auf den Tisch
meinst du ich bleib kühl wenn du bei mir bist
ich will nichts tun was ich später mal bereu'n werd'
doch heute Nacht brauch ich bißchen mehr als Freundschaft
deine Küsse machen süchtig nimm Rücksicht
ich weiß du bist berüchtigt!


komm her komm her
komm näher komm näher
Baby Baby du bist smooth wie Kamasutra
...pschhht... sonst hört uns deine Mutter
denk nicht ich sei unverwundbar

Baby Baby meinst du nicht daß wir zu weit gehn
Wird das mehr als nur ein One Night Stand
oder willst du mich nur haben um deinen homes davon zu erzähl'n

Mit dir bleibt die Welt stehn
denk nicht daß wir uns nicht wiedersehn wenn sie sich morgen weiterdreht
ich weiß es ist schön spät soll ich lieber gehn
oder bei dir bleiben du bist mehr als nur ein Zeitvertreib
ist es Einsamkeit die aus deinen Augen spricht
laß die Zweifel sein und genieß den Augenblick
auch ich brauch dich
ist es nicht erstaunlich wie sehr du mit vertraut bist
mit dir bleibt die Welt stehn
werden wir uns wiedersehen wenn sie sich morgen weiterdreht
ich weiß es ist spät weiß nicht was ich mach'
ich will deine Leidenschaft und nicht nur für eine Nacht

is es liebe die aus deinen Augen spricht
zumindest spür ich sie im Augenblick
auch ich brauch dich
es ist erstaunlich wie sehr du mir vetraut bist

Baby Baby seitdem ich dich gesehn hab
hab ich gespürt daß es passieren wird
was wir tun kann nicht falsch sein
es ist mehr als du vielleicht meinst

Baby Baby suchst du nur nach Abenteuern
wir spielen mit dem Feuer
bitte nimm mich in den Arm ich erliege deinem Charme
ich will mich nicht verbrennen ich will dich wirklich kennen

Baby Baby du siehst schön aus im Schlaf
ich komm wieder wenn ich darf
will dich nicht wecken schreib dir'n Zettel bevor ich weggeh' Babe

Baby baby küss mich wach
ich begrüß den Tag
schenk dir ein Lächeln ich will dich checken bevor du wegehen babe

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.shinyshoes ( gelöscht )
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10.11.2009 20:48
#72 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Marc

Gretchen ist so süß, wie sie da liegt. Ich glaube es gibt echt nur die eine. Manchmal ist das ja so, dass man sich auf den zweiten Blick so richtig verliebt. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich das mal sagen werde, aber ich glaube, das ist bei mir gerade eingetreten.
Die Nacht war so toll mit ihr. Eigentlich bin ich ganz froh darüber, dass es nie zum Äußersten gekommen ist. Ich meine, wer bitteschön möchte solche Zärtlichkeiten im Krankenhaus austauschen?
Ja, selbst ein Marc Meier sieht doch noch die ein oder andere Sache ein. Schon komisch. Da kennt man sich 16 Jahre lang, sah sich fast jeden Tag in der Schule, - sie hat mir sogar zum Abi gratuliert! – und dann verliert man sich fast 12 Jahre aus den Augen. Ich weiß noch, wie das damals war, als ich selbst realisiert habe, das die Schule nun vorbei ist und ich die ganzen Leute da womöglich nicht wiedersehen werde. Zumindest nicht in naher Zukunft. Auch die nervigen Leute nicht. Auch Gretchen nicht.
Aber dann, 12 Jahre später, treffen wir uns im Fahrstuhl meines Krankenhauses (naja, das ihres Vaters) wieder. Den Moment werde ich wohl nie vergessen. Komischerweise habe ich sie ja sofort erkannt. Wie mich ein Schock durchfuhr, als sie mich ansah. Sie hat sich wirklich total verändert! Gar nicht mehr das hässliche Entlein und Pummelchen aus der Schule, sondern eine gestandene Frau. Wenn ich ehrlich bin, habe ich Gretchen immer bewundert, in der Zeit, in der sie hier ist. Sie hat es wirklich mit allem aufgenommen, der oder das sich ihr in den Weg stellte. Zwar war es oft ein harter Kampf für ihr Recht, aber – auch wenn sie das jetzt nicht wirklich denkt – sie hat ihn eigentlich immer gewonnen. Mit ihrem Selbstbewusstsein.
Ja, denn das hat sie. Auch wenn sie ständig denkt, sie wäre die schusselige Ärztin, die sich nichts zutraut. Klar, ich habe ihr bewusst gesagt, sie solle sich nehmen, was sie will! Hat sie dann ja auch….Alexis! Dieser Arsch!
Mir war von Anfang an klar, dass es nichts Ernstes ist zwischen den beiden. Und dann auch noch der Mordfall. Und die Flucht. Oh scheiße, da fällt mir ein, ich habe Gretchen ja noch nicht…
Egal. Das mache ich irgendwann anders. Vielleicht in einer ruhigen Minute. Das ist ja kein Weltuntergang, dass ich das ganze schon vor ihr wusste!

Gretchen ist und bleibt eine tolle Frau. Eine Frau, die Mann eigentlich bewundern muss! Tu ich ja auch! Was auch immer passiert, ich glaube ich werde bei ihr bleiben.
Ich kann mich komischerweise an keinen Moment in meinem Leben erinnern, in dem ich mich glücklicher gefühlt habe. Auch nicht, als ich direkt nach dem Abi mit meinem Medizinstudium anfangen konnte. Nicht, als ich meinen Abschluss in der Tasche hatte, nicht als ich meine Doktorarbeit mit der Bestnote bestand, nicht als ich zum ersten Mal dieses Krankenhaus betrat, nicht als ich meine Assistenzarztausbildung am schnellsten von allen mit mir angefangenen beendete, nicht als ich meinen Facharzt hatte, nicht als ich Oberarzt wurde. Nicht als es hieß, ich sei der jüngste Oberarzt Deutschlands. Und jetzt hat mir so ein rothaariger Ronald Wisley diesen Posten weggenommen!
Aber das ist mir alles egal, denn nichts war so schön, als diese Nacht, diesen Moment, als ich Gretchen so nah stand, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Scheiß Gefühle, lassen einen immer so geschwollen reden!

Wie süß sie „Ich liebe dich auch!“ gehaucht hat, irgendwann, keine Ahnung wann, aber ich werde es nie vergessen!
Da könnten zehn der wunderschönsten Frauen der ganzen Welt vor meinem Bett stehen. All die Gisele Bündchens, Heidi Klums, Jessica Albas, Angelina Jolies, Eva Longorias dieser Welt: ihr seid nichts gegen Gretchen! Ich würde sie wählen!

Hm, ich glaube ich kann nicht mehr schlafen. Viel zu aufgeregt von meinen Gefühlen. Ist das spannend. So etwas habe ich ja zuvor noch nie gefühlt. Liebe, was war das schon für mich vorher?
Ansprechen, quatschen, Drink ausgeben, gegebenenfalls tanzen, knutschen, zu mir fahren, ficken, schlafen, vielleicht Telefonnummern austauschen.
So sah für mich lange Zeit Liebe aus.
Okay, dann kam die Krankenhausausbildung, da habe ich einen Gang zurückgestellt. Nach der Affäre mit Anna hab ich mich sowieso scheiße gefühlt. Weiß nicht wieso.
Dann war ich irgendwann Oberarzt und das musste gefeiert werden. Ich weiß nicht, wie betrunken ich in dieser Nacht war, aber ich ging alleine nach hause.
Danach beschränkte ich mich eher auf die Sache mit Gabi. War eben praktisch: sie arbeitete auch im Krankenhaus, ich konnte sie herzitieren, wann ich wollte und niemand musste hinterher irgendeiner Verpflichtung nachgehen, wie anrufen oder so, weil man sich ja sowieso jeden Tag sah.
Gut, die Hochzeit und das angebliche Baby waren dann doch zu viel.
Naja, ist ja jetzt auch alles vorbei.
Ich habe ja jetzt eine Freundin.

Ui, wie das klingt: ich habe eine Freundin. Marc Meier hat eine Freundin.
Ich glaube nach meiner letzten großen Liebe Tina in der Schulzeit hatte ich nie wieder eine „Freundin“. Und auch noch nie wieder Liebeskummer, und ich hatte sehr großen Liebeskummer wegen ihr!
Aber jetzt habe ich ja Gretchen und das ist um so schöner!

Ich lege meinen Arm um sie, wie man es in all den Liebesfilmen sieht.
Für manche mag das jetzt vielleicht komisch klingen, aber ich habe das bei niemanden zuvor gemacht in der letzten Zeit, außer eben bei Gretchen.
Ich glaube, ich fühle mich geborgen.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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10.11.2009 23:39
#73 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

Gretchen

Was eine aufregende Nacht!

Manchmal glaubt man gar nicht mehr an wunder. Aber es gibt sie immer wieder.
Und Marc Meier ist so ein Wunder. Zumindest im Bett!
Das war der wohl intergalaktischste Sex, den ich je hatte!
Wir liebten uns. Irgendwann nahm mich Marc und presste mich ganz eng an sich und er küsste wie ein Engel.

Oh Gott, Gretchen, du klingst ja schon wie Elke Fischer in ihren Romanen um Dr. Rogelt!
Okay, es war gut. Es war sogar sehr gut. Und jetzt?

Da liege ich nun, splitterfasernackt. Und Marc? Wie Gott ihn schuf. Und Gott musste damals eine verdammt gute Phase gehabt haben.
Ich rekle mich im Sonnenlicht, das durch die Fenster in unser Schlafzimmer hinein scheint.
Oh ne, jetzt hab ich auch schon „unser“ Schlafzimmer gesagt!

„Morgen schöne Frau“ murmelt Marc und streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht. Dann spüre ich wieder seinen Atem ganz nah an mir und er küsst mich.
Ich weiß ja nicht, was der Sänger von den Kings Of Leon sich bei dem Text gedacht hat, als er diesen geschrieben hat, aber „Sex On Fire“ beschreibt wohl gerade meine kompletten Gefühle.

http://www.youtube.com/watch?v=XpiCsf8Ksys&feature=related (sorry, das muss jetzt mal in eigener sache sein! ich hab den mitschnitt hier kopiert, weil ich selbst da war und es so unglaublich geil war! )

Lay where you're layin', don't make a sound
I know they're watchin', they're watchin'
All the commotion, the kiddie-like play
Has people talkin', talkin'

You, your sex is on fire

The dark of the alley, the breakin' of day
The head while I'm drivin', I'm drivin'
Soft lips are open, knuckles are pale
Feels like you're dyin', you're dyin'

You, your sex is on fire
Consumed with what's to transpire

Hot as a fever, rattling bones
I could just taste it, taste it
If it's not forever, if it's just tonight
Oh, it's still the greatest, the greatest, the greatest

You, your sex is on fire
And you, your sex is on fire
Consumed with what's to transpire

And you, your sex is on fire
Consumed with what's to transpire



Jaja, mach weiter Marc, ohhhh, das tut gut. Bitte nicht aufhören ich…
Es klingelt. Sein Handy um genauer zu sein.
„Oh, welcher Arsch ruft denn um diese Uhrzeit?“ flucht Marc und springt auf.
„Sag mal Gretchen, hast du vielleicht zufällig ne Ahnung, wo mein Handy ist?“
„Nicht wirklich. Aber das ist dir bestimmt gestern aus der Hose gefallen, als“
„Jaja, och man ey, dieses scheiß Ding!“ Marc läuft nackt und fluchend durch die Wohnung. Ich muss sagen, ich muss mir tatsächlich das Schmunzeln verkneifen.
„Ah, endlich!“ höre ich ihn aus dem Wohnzimmer rufen. Aber wir haben doch nicht im Wohnzimmer?

„Ja, Schwester Sabine, ich bin noch zuhause!“
„Nein, ich weiß nicht wo Kollegin Haase ist“
„Wieso meinen sie, dass ich das weiß?“
„Ja, ich bin gleich da. Halten sie den Patienten eben noch ein bisschen ruhig. So ein Arm wird ja wohl mal warten können!“ Marc schmeißt völlig genervt sein Handy weg.
„Immer diese unsicheren Schwestern!“ er springt wieder ins Bett.
„Wie gut, dass du keine davon bist!“
„Sind wir ein bisschen gemein, heute morgen?“
„Nö, aber….sag mal, hast du Schwester Sabine irgendetwas davon erzählt, dass du bei mir bist?“
„Ich…nö!!“ lüge ich.
Er muss ja nicht wissen, dass ich ihr gestern schon gesagt habe, wenn ich heute Morgen nicht rechtzeitig da bin, liege ich höchstwahrscheinlich noch nackt in Marcs Bett. Und was tu ich?
Ich liege nackt in Marcs Bett! Oh Gott! Jetzt sieht er ja meine Problemzonen!

„Gretchen, weißt du eigentlich, wie sexy du sein kannst?“ sagt Marc und küsst meinen Hals.
„Ach echt?“ Wow! Geil! Ich bin im Himmel, habe einen Freund, der mich doch tatsächlich auch im Hellen und völlig nackt sexy findet!
„Sag mal Marc, willst du dich nicht mal anziehen“
„Nö, wieso?“
„Naja, es gibt so was, das sich Krankenhaus nen“
„Jaja, erstmal wach werden, oder?“
„Äh, du warst schon vor einer halben Stunde wach?“
„Jaja“ er drückt mich wieder runter und küsst mich. Echt, diese Küssen dürften nie aufhören!

Nach ein paar Minuten entscheiden wir uns dann doch dazu, endlich mal aufzustehen. Marc springt unter die Dusche und ich mache Frühstück. Wie gut, dass ich heute erst nachmittags arbeiten muss! Habe ich noch genügend Zeit, mich zuhause zu duschen, zu freuen und alles zu essen, was mir in den Sinn fällt.
Beim Frühstück kommt mir ein Gedanke. Sind wir jetzt eigentlich ein Paar? Also, ich meine, ist Marc jetzt mein Freund?
„Sag mal Marc, sind wir jetzt eigentlich?“ wage ich vorsichtig zu fragen.
„Zusammen?“ beendet er meine Frage.
„Ja“
„Wieso nicht?“
„Wieso nicht???“ ich gucke Marc fragend an.
„Naja, ich habe dir gestern ein Liebesgeständnis gemacht, etwas, was ich nicht jeder Frau und auch nicht jeden Tag mache, wie du vielleicht schon im Vorfeld gewusst hast und da fragst du mich – der seine gesamten Mut zusammengenommen hat und es dir endlich gesagt hat, ob wir eine Beziehung haben?“
„Naja, man weiß bei dir ja nie so“
„Gretchen, jetzt hör mir mal zu!“ er nimmt meine Arme, die seinen gegenüberliegen.
„Ich habe das gestern nicht einfach nur so gesagt! Ich meine es ernst! Ich will mit dir zusammen sein und dich nicht nur wieder im Krankenhaus sehen müssen!“
„Ich liebe dich!“ fügt er noch hinzu. Wie schön. Noch mal.
„Ich dich auch!“ wir küssen uns.
Ach, so sollte jeder Tag beginnen.
„Und jetzt komm, wir müssen!“
„Wohin?“
„Na, willst du eine interessante Unterarmfraktur beheben, oder nicht?“

„Marc, du solltest jetzt besser die Finger von mir nehmen!“ sage ich energisch als wir durch den Park zum Krankenhaus gehen und versuche seine Hand unter meinem T-Shirt wieder hervorzuholen.
„Was? Warum?“
„Weil vielleicht nicht jeder sehen soll, dass wir zusammen sind?“
„Oh ja, tschuldigung, die Ärztin hat Angst um ihren Job!“ er legt den Arm um meine Schulter. „Nur weil ich dein Oberarzt bin, darf ich jetzt nicht dein Freund sein, oder was?“
„Naja, warst ja eh mein halbes Leben so was wie der „Freund““
„Eben!“
„Also gut“
„Aber, lass es uns noch ein bisschen für uns behalten und erst in ein paar Tagen sagen, okay?“
„Okay, wie meine Kleine das will!“
„Oh, bitte nicht Kleine!“
„Doch Kleine
„Du nennst mich nie wieder so!“
„Kleine!“
„Wenn du mich noch einmal so nennst, bring ich dich noch um deinen Job, da kannst du Gift drauf nehmen!“ ich zwicke ihn in die Seite.

Kurz vor dem Eingang verwandeln wir uns wieder in ganz normale Kollegen.
„So, Frau Haase, dann bitte einmal OP vorbereiten! Und sie auch Schwester Sabine!“
„Ja, aber?“
„Nichts aber, wollen sie etwa noch Maniküre machen? Das können sie gleich bei dem Patienten, der ist schließlich in Narkose, da merkt der den Schmerz beim Fingernägel lackieren nicht so, was?“.

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.shinyshoes ( gelöscht )
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11.11.2009 14:25
#74 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

In der Mittagspause treffen wir zufällig auf Mehdi.
„Wie gesagt, lass uns noch warten“ flüstere ich Marc zu.
„Als würde ich das laut rausposaunen!“
Wir gehen in Richtung Mehdi.

„Ach sieh mal einer an, die Herrschaften aus der Chirurgie sind auch da“
„Tja, man hat ja auch mal frei, was?“
„Naja eine Pause.“
Marc langt beim Essen voll zu. Hilfe, das habe ich ja noch nie bei ihm gesehen! So viel und so schnell essen? Hat er irgendein Problem, Mehdi nichts zu sagen?

„Und Meier, haste gestern noch schön gefeiert?“ fragt Mehdi. Marc verschluckt sich.
„Ja sicher. Klar doch“
„Waren denn auch nette Frauen da?“ er zwinkert Marc zu.
„Na klar!“
„Ist ja wie immer. Da wo der Meier ist, prügeln sich die Frauen um ihn!“
„Ja, leider“
„Ich bin ja mal gespannt, wer das Rennen irgendwann mal machen wird!“
„Ja, das wüsste ich auch gerne“ sage ich schließlich und grinse Marc frech an.
„Ach, du bist gar nicht mehr im Rennen, Gretchen?“ fragt mich Mehdi.
„Nein? Wieso sollte ich das sein? Ich bin glücklicher Single!“
„Achso, na dann. Wird das wohl nichts mehr mit dem Haus, der Hochzeit und dem Kind vor 35, was Meier?“
„Spinnst du?“ kläfft Marc auf einmal.
„Wieso?
„Ich habe nie gesagt, dass ich das vor 35 haben will!“
„Ja sicher.“ Mehdi grinst. „Aber bis 40 kann Mann ja auch noch warten. Bei Frauen wird’s dann schon wieder schwieriger!“ sagt Mehdi und guckt mich dabei an.
Was will der denn jetzt von mir? Ich dachte, der ist Frauenarzt und unterstützt Frauen, Anfang 40, die noch keine Kinder haben?
„Ja, wie gut, dass ich gerade mal 30 geworden bin, was?“
„Ja!“
Ich drücke auf meinen Pieper und ziehe Marc vorsichtshalber mit.

„Sag mal Haase, was sollte das denn jetzt?“ fragt mich Marc, als wir die Kantine verlassen.
„Bitte was? Du nennst mich Haase?“
„Oh, ja ich dachte wir wollen uns noch nicht zeigen“
„Nein, aber hier ist doch keiner?“
„Ja, können ja überall Spione sitzen“
„Tzz“
„Im ernst, was laberst du denn da für eine Scheiße, du bist glücklicher Single? Siehst aber nicht so aus!“
„Ach, wie seh ich denn aus?“
„Na, wie eine verliebte Frau Anfang 30?“
„Oh Marc, bitte gewöhn dir mal ein bisschen mehr Gefühl an!“
„Was habe ich denn jetzt schon wieder gemacht?“
Wie ich es liebe, ihn zu verwirren!

„Frau Doktor!“ ruft mich Sabine am Nachmittag, als ich von meiner Visite komme.
„Ja?“
„Erzählen sie! Wie war ihr Date mit….ja, ich finde ja Brad Pitt sollte sich auch mal wieder den Bart abschneiden lassen!“ Hää? Diese Frau soll jemand verstehen?
„Was haben sie denn jetzt?“
„Na, da war grade Frau Hassmann! Es soll doch keiner mitkriegen, habe ich recht?“
„Was soll keiner mitkriegen?“
„Na, dass sie und der Meier…ich meine. ..sie sind doch?“
„Ja, wir sind zusammen“
„Nein! Ich habe es mir ja sowieso gedacht! Es stand so etwas Zuversichtliches in ihrem Horoskop!“
„Ja, lesen sie mal lieber ihr Horoskop“
„Lese ich ja, aber da steht immer nur negatvies drin. Ihres ist immer viel schöner!“
Mein Horoskop ist gut? Dann hatte ich vielleicht einfach nur Glück? Ist das mit Marc vielleicht doch nur eine Phase, bis das Glück wieder verflogen ist und ich wieder ins Pech falle?
„Aber sagen sie niemanden etwas davon, ja?“
„Nein, Frau Doktor! Ich kann schweigen, wie ein Grab!“
„Ja, das kann ich mir vorstellen“

Am Abend freue ich mich trotz aller Marc-Sehnsucht wieder auf mein zuhause. Mein pinkes Zimmer muss ja auch wieder genutzt werden. wobei, naja. Fragt sich nur noch wie lange, oder?
„Gretchen, da bist du ja endlich!“ meine Mutter freut sich wohl wirklich hysterisch.
„Ich war doch gar nicht so lange weg“
„Nein, nur seit gestern Abend! Weißt du, ich hab mir schon sorgen gemacht, man sieht ja immer diese ganzen Tatorts und Soko0815. Da kriegt man schon Angst bei!“
„Mama, das ist Fernsehen!“
„Ja, aber du hättest ja auch beinah einen Mörder geheiratet“
„Nicht Mörder, sondern Betrüger!“
„Na, du hast hier gut reden!“
„Jaha, habe ich auch“ ich grinse.
„Was ist denn? Wieso schaust du denn so aus, als hättest du ein Honigkuchengesicht?“
„Tja, die Männer, Mama“
„Jaja, die Männer. Da sagst du was! Papa hat schon wieder versucht den Garten umzugraben und hat jetzt einen Hexenschuss!“
„Ohhh“ ich grinse immer noch.
„Sag mal, was ist denn mit dir los?“ meine Mutter scheint meine gute Laune gar nicht zu mögen.
„Ich bin wieder verliebt!“
„Nein?!“
„Doch, Mama!“
„Nein!“
„Doch!“
„Na, wer ist es denn? Der Latino? Oder vielleicht ein neuer Oberarzt? Oder jemand ganz anderes? Aber Gretchen, doch kein Assistenzarzt, oder? Der lässt dich doch nach seiner Ausbildung sitzen!“
„Mama, hör doch mal auf!“
„Ja, du sagst auch nichts, da muss ich ja spekulieren!“
„Du kennst ihn“
„Ich kenne ihn?“
„Ja“
„Warte mal, ich muss mal eben überlegen…“ sie grübelt und grübelt und verzieht dabei so den Mund, dass man genau weiß, was sie gerade macht. Nicht gerade vorteilshaft, aber wenn sie meint.
„Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhh!“ fängt sie auf einmal an zu kreischen.
„Was denn?“
„Du bist wieder zu Peter zurückgekehrt!“ sie umarmt mich und erdrückt mich fast.
„Nein?“ ahhh, hilfe, ich werde wirklich fast zerquetscht. Mütter können echt schlimm sein!
„Ich bin nicht zu Peter zurückgekehrt!“ sage ich.
„Ach quatsch, ich freu mich doch für dich, steh doch dazu! Ich habe Papa ja schließlich auch verziehen!“
„Mama, das ist was anderes, ihr wart schon 35 Jahre verheiratet“
„Ja und? Liebe ist Liebe und du weißt ja, wie“
„Halt den Mund!“
„Was hast du denn jetzt?“
„Mensch Mama, als würde ich Peter verzeihen!“
„Wie? Nicht? Aber Gretchen, wer ist es denn dann?“
„Nicht Peter!“
„Ja, aber?“ meine Mutter lässt mich endlich wieder los. Jetzt steht sie mir genau gegenüber und schaut mich verdattert an. Anscheinend kann sie nicht wirklich folgen.
„Ja, aber wer ist es denn dann, wenn nicht Peter?“
„Jemand anderes“ ich versuche sie endlich auf die Spur zu bekommen, aber es schlägt fehl.
„Den ich kenne? Wen kenn ich denn noch?“ sie schaut mich immer noch verdattert an.
„Marc?“
„Nein!“
„Doch, Mama. Marc hat mir seine Liebe gestanden und…naja, wir sind jetzt zusammen!“
„Was?“
„Ja!“ ich grinse.
„Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ meine Mutter lässt sich auf das Sofa plumpsen.
„Was ist denn?“
„Marc Meier? Der Oberschleimer, der Obermacho, der, der nur so mit den Frauen spielt und sie an einer langen Leine laufen lässt! Gretchen, bist du dir da bewusst, in was für eine Lage du dich katapultiert hast?“
In eine sehr wunderschöne Lage?
„Ja, Mama. Aber er ist so toll zu mir! Er meint es wirklich ernst!“
„Ach, der kann es doch nicht ernst meinen! Bei der Mutter!“
„Was soll das denn jetzt schon wieder heißen? Glaubt hier eigentlich niemand an mich und freut sich mal für mich?“ ich merke, wie mir die Tränen in die Augen schießen.
„Doch doch, Gretchen, aber doch nicht so einer!“ meine Mutter nimmt mich in den Arm.
„Du hättest doch so viel bessere verdient!“
„Ja, aber ich will nur Marc!“ Oh Gott, ich klinge ja wie 13!
„Ach Gretchen, du bist aber auch stur. Ich sag dir, wenn er dich betrügt oder verlässt, dann sitzt du wieder hier. Ich will dich doch nur vorwarnen!“
„Aber Mama, ich liebe ihn, schon mein halbes Leben lang! Ich habe mir immer gewünscht, dass es mal soweit kommt! Also wieso sollte es dann nicht soweit kommen dürfen?“
„Ja“ meine Mutter seufzt.
„Mama, ich bin wirklich glücklich und Marc auch. Es ist so toll mit ihm. Wir haben ja gestern noch angestoßen und dann hat er mich“
„Margarethe!“
„Was denn?“
„Ich will davon nix hören!“
„Ach, aber Eltern dürfen Sex haben und einen Liebhaber anschleppen und alles ausplaudern, oder was?“

_____________
Suchst du mich, dann such ich dich. Ist die Versuchung groß genug?

.shinyshoes ( gelöscht )
Beiträge:

11.11.2009 21:09
#75 RE: Schlagsahne oder Schokosauce? - by .shinyshoes Zitat · Antworten

„Was bequatscht ihr denn da?“ mein Vater kommt aus dem Garten.
„Ach Franz, ich hab dir doch gesagt, du sollst nicht mehr weiterarbeiten!“
„Bärbel, lass mich! Ich will das jetzt zu ende bringen, bald ist schon wieder dunkel“
„Och Papa, hör doch mal auf Mama, sie macht sich doch nur Sorgen!“
Nörgelnd geht mein Vater in Richtung Dusche.

Am Abend am Esstisch sitzen wir sogar mal zu 4. Mein Bruder hat sich doch mal wieder hierhin geschleppt. Ja, Studenten!
„Sag mal Gretchen, weißt du eigentlich, warum der Meier wieder so gut drauf ist? Der war heute Morgen wieder so nett zu mir und gut gelaunt“
„Echt?“ Jaha!
„Hat das irgendeinen bestimmten Grund? Ich meine, du hast ja mehr mit ihm zu tun“
Um genau zu sein, ja sogar noch mehr!
„Und wieso grinst Gretchen hier so durch die Gegend, he?“ fragt mich plötzlich mein Bruder.
„Was geht dich das denn an?“
„Tja, ich bin vielleicht dein Bruder? Ich will auch wissen, wieso meine Schwester schon seit einer Viertelminute grinsend den Braten anstarrt?“
„Ohähmpf“ super schlagfertig.
„Weil sie diesen Braten eben nicht so gerne mag“ oha, will meine eigene Mutter nicht, dass ich von meinem Glück erzähle?
„Ach, und nicht, wegen eines bestimmten Mannes?“
„Ich wüsste nicht, welcher Mann das sein sollte, Jochen“ klar, die will davon ablenken!
„Mama, ich kenn Gretchen jetzt schon ein bisschen und ich weiß, wie sie aussieht, wenn sie verliebt ist!“
Da hat er es ausgesprochen. Naja, eigentlich ja nicht mein Problem, sondern das meiner Mutter.
„Tja, Jochen hat eben recht“ sage ich stolz.
„Siehste, ich kenn doch meine Schwester!“
„Kälbchen! Das ist ja wundervoll! Wer ist denn der Glückliche?“
„Na, Meier!“ klärt mein Bruder auf.
„Was?“ mein Vater spuckt seine Bohnen wieder aus.
„Jaha“ sage ich gedehnt. Oh, ich wusste, dass das wieder Diskussionen geben wird. Und wenn ich eines hasse, dann sind es Diskussionen am Esstisch!
„Schon wieder Meier?“
„Wieso denn schon wieder?“
„Ja, ihr wart doch schon des öfteren verbandelt. Das wie vielte Mal ist das jetzt? Und wie lange soll es diesmal gehen, bis er dich wieder sitzen lässt?“
„Oh, Papa, diesmal ist es wirklich etwas ganz anderes!“
„Jaja, das sagst du jetzt! Aber in ein paar Monaten sieht das ganze wieder anders aus!“
„Lass mich doch mein Glück genießen!“
„Eben, Papa. Wieso machst du dir da Eigentlich solche Gedanken drüber? Soll dir doch egal sein! wenn die beiden heiraten, hast du einen guten Nachfolger und eine, die ihn bekocht!“
Ich werfe Jochen einen fiesen Blick zu.
„Aber Papa, du musst das auch mal anders sehen! Es ist diesmal wirklich etwas Ernstes! Und damals, bei dem Abendessen mit Marc, wart ihr doch auch so glücklich!“
„Ja, damals wusste ich auch noch nicht, dass er eine Krankenschwester heiraten wollte und Vater wurde!“
„Ja, er wurde erpresst, okay?“
„Erpresst? Davon weiß ich ja noch gar nichts!“ Ups. Ich dachte das ging rum im Krankenhaus.
„Du weißt das nicht?“ frage ich noch einmal vorsichtig nach.
„Nein, ich habe nie etwas von Erpressung gehört“
„Öhm ja, also“
„Erpressung am Arbeitsplatz? Gretchen! Das muss doch Konsequenzen haben! Von wem wurde Meier erpresst? Von dieser Schwester? Ich wusste, dass es nichts Ernstes zwischen denen war!“
„Papa, das ist alles nicht so, wie du denkst“
„Klar, sie hat ihn voll fett erpresst“
„Sag mal, was machst du dich denn so lustig? Pass mal lieber auf, dass dich keine Krankenschwester abschleppt und ausnutzt, Jochen!“
„Ähm, meine Freundin ist zufälligerweise Krankenschwester?“ erinnert mich Jochen an sein neues Glück mit „Mirjam“. Was für ein Name.
„Aber du und Meier? Meinst du denn, das geht wirklich gut?“ fragt mich mein Vater mit besorgtem Vlick. Oh, Eltern! Können einem nie Mut und Zuversicht zutrauen!
„Ja, er hat mir gesagt, dass er mich liebt und dass er mit mir zusammen sein will!“
„Und da sagst du einfach ja?“
„Papa, du weißt genau, dass ich mein halbes Leben auf diesen Moment gewartet habe?“
„Ja, aber Gretchen! Das waren Teenie-Gefühle! Das kannst du doch nicht mit heute vergleichen!“
„Papa, jetzt reichts aber!“ ich merke, wie mir wieder die Wut aufsteigt.
„Ach, Kälbchen, ich will dir doch nur helfen!“
„Ja, womit denn? In dem du mir alles schlecht redest? Nicht zu mir hältst? Mich traurig und nachdenklich machst, weil du an meiner Beziehung zweifelst? Du weißt genau, dass du mich damit emotional unter Druck setzt!“
„Ich dachte, das macht immer nur Mama?“ er isst noch ein Stück Braten. „Kälbchen, schau mal her, ich wollte dir doch nur klar machen, dass du vielleicht viel zu schnell ja gesagt hast. Immerhin kennt ihr euch gerade mal ein paar Monate! Und du sollst auch nicht jedes Liebesgeständnis auf die Goldwaage legen, das habe ich dir auch schon mal gesagt! Selbst bei Peter hast du anfangs gezweifelt, meintest du mal zwischendurch. Und dann sagst du bei so einem, wie Meier, sofort ja? Der hat doch keine Ahnung von Liebe! Ich habe deiner Mutter auf der einen Brücke am Spreeufer da hinten Richtung Spandau meine Liebe gestanden! Im Sonnenuntergang! Das war mal romantisch! Und selbst danach musste ich noch bibbern, ob sie mich überhaupt so will, wie ich sie!“
„Oh, Papa, das ist ja echt süüüß!“ ich kriege schon wirklich fast Tränen in die Augen, weil das so schön romantisch ist.
Guuut, dagegen ist das Liebesgeständnis von Marc nicht gerade romantisch, aber es passte. Und es war das wohl schönste, was ich je erlebt habe!
„Was denkste jetzt? Meier wieder abschießen?“ witzelt mein Bruder. In Gedanken werfe ich die Gabel und das Messer nach ihm.
„Gretchen, alles, was wir wollen, ist doch nur, dass du glücklich bist!“
„Und alles, was ich will, ist dass ich einmal im Leben etwas richtig gemacht habe!“

„Ja und dann haben sich meine Eltern irgendwie aufgeregt und so“ erzähle ich später Marc, als ich bei ihm auf der Couch sitze.
„Ach, komm lass die! Meine Mutter denkt bestimmt auch wieder, dass ich nur irgendeine Affäre eingegangen wäre. Zumal ich ja vor ein paar Wochen noch Sarah hatte!“
„Tja und ich Alexis, den Betrüger“
„Stimmt“
„Tja, sind wir halt beide beziehungsgestört!“ wir lachen.
Dann küssen wir uns. Ohhh, wie ich Marcs Lippen liebe! So unfassbar toll! Besser, als zuvor! Ob das wohl der Kick der Beziehung macht? Ich meine, in einer frischen Beziehung, wo man sich sozusagen noch in der Verliebtheitsphase befindet, ist das alles ja total aufregend!
Wie eine Nacht zuvor, wandern wir irgendwann in Marcs Bett.
Keine Ahnung, wann ich einschlafe und wieder aufwachen werde, weil ich so unglaublich fertig bin. Und unglaublich viele Kalorien verbraucht habe! Ha, Tschacka!

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Suchst du mich, dann such ich dich. Ist die Versuchung groß genug?

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