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Dieses Thema hat 359 Antworten
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 Abgeschlossene Fortsetzungen!
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Verena1991 Offline

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08.11.2009 12:30
#201 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Hey!“, begrüßte sie ihn schüchtern und lächelte ihn unsicher an. Sie wusste ja nicht mal, ob er sich überhaupt reinlassen würde.
„Hey!“, erwiderte er mindestens genauso verunsichert. Wie kam er denn zu dieser Ehre? Heute gar kein Date mit ihrem ach so tollen Anwalt? „Was willst du?“ Wüsste sie selbst auch ganz gerne. Abwechselnd verlagerte sie ihr Gewicht von einem Bein aufs andere und biss sich leicht auf die Unterlippe.
„Kann ich reinkommen?“ Verwundert wich er zur Seite und gab ihr somit einen Durchgang in seine Wohnung frei. Sie stellte sich mitten ins Wohnzimmer und sah sich um. Die Möbel waren an sich dieselben, aber er hatte sie alle neu mit getragenen Klamotten oder mit leeren Pizzakartons oder ähnlichem dekoriert. Bierflaschen unterstrichen dabei noch das Ambiente dieser alternativen Ordnung. Zudem roch es auch noch so wie es aussah. So lebte also der Vater ihres ungeborenen Kindes. „Bin nicht zum Aufräumen gekommen…“ Die Tür war mittlerweile wieder geschlossenen und er stellte sich in einigen Metern Entfernung zu ihr hin, während er seine Flasche auf dem Couchtisch bunkerte.
„Ja, das sieht man!“
„Warum bist du hier?“, lenkte Marc schnell das Thema von seinem Chaos ab. Das sollte sie eigentlich nicht sehen, aber er hätte ja eher noch damit gerechnet, dass Angelina Jolie vor seiner Tür stehen würde.
„Weiß auch nicht… Auf einmal war ich da und dann dachte ich, ich schau mal vorbei…“
„Ich dachte… du hasst mich!“ Wie könnte sie ihn hassen, sie liebte ihn doch viel zu sehr. Eine Zeit lang wollte sie ihn wirklich hassen, aber jetzt war ein Teil von ihm in ihr. Was auch immer das für ein Verhältnis zwischen den beiden werden würde, Hass wollte sie nicht als Verbindung zwischen ihnen.
„Nein, das tue ich nicht… Marc, ich, äh…“ Erwartungsvoll sah er sie an, aber sie wusste nicht, was sie ihm sagen sollte.
„Spuck’s schon aus, so schlimm wird’s kaum sein!“ Ein Teil von ihm hoffte, dass sie ihm sagen würde, dass sie ihn vermisst hatte und ihn noch liebte. Aber glauben tat er nicht daran, auch wenn sie ihn nach eigenen Angaben nicht hasste. Aber was wollte sie dann hier? Wohl kaum ein kleiner Besuch unter Kollegen. Hatte sie etwas bei ihm vergessen? Fiel ihr aber reichlich früh ein. Und in dem Chaos konnte man ohnehin nichts finden. Trotzdem wirkte seiner Wohnung auf ihn um einiges freundlicher seit Gretchen hier war. Gemütlich war sie zwar bei Weitem nicht, aber Gretchen brachte diesen gewissen Schein in den Raum.
„Das war eine blöde Idee! Ich geh lieber wieder!“, sagte Gretchen schließlich und wollte sich schon vorbeidrängen, doch er griff reflexartig nach ihrer Tasche um sie abzuhalten und riss ihr diese dadurch aus den Händen. Ungünstigerweise entleerte sich dabei der Tascheninhalt auf den Boden.

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Verena1991 Offline

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08.11.2009 13:02
#202 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Panisch blickte Gretchen zu Boden, auf dem die Wahrheit über ihre Schwangerschaft ausgebreitet war. Marc blickte noch verwirrt auf die Tasche in seinen Händen, die sie ihm schnell entriss und sie machte sich schleunigst daran, alles wieder reinzustopfen ohne dabei irgendeine Rücksicht auf ihre Habseligkeiten zu nehmen. Hauptsache, es verschwand in ihrer Tasche bevor Marc einen Blick darauf werfen konnte.
„Warte ich helf dir!“ Marc kniete sich neben sie und streckte seinen Arm aus, um ihr beim Einsammeln zu helfen. War ja doch so einiges in der Tasche einer Frau.
„NEIN! Ich schaff das allein, also lass mich!“ Marc konnte wieder nicht verstehen, was mit ihr los war. Zuerst war sie so süß und zurückhaltend und dann auf einmal blockt sie ab und will abhauen. Frauen…
„Ich wollt nur nett sein! Kommt nicht wieder vor!“ Er stand wieder auf und beobachtete sie dabei, wie sie die letzten Sachen zusammenkramte und einsteckte.
„Ich weiß ja, was dabei rauskommt, wenn du nett bist!“ Er wüsste es auch gerne, aber er wollte auch nicht riskieren wieder angezickt zu werden. Gretchen erhob sich mühsam wieder aus der Hocke und klemmte sie die Tasche fest unter den Arm, damit der Inhalt auch sicher drin blieb. So ging sie dann Richtung Tür zurück und wollte schnell verschwinden.
„Was wolltest du denn jetzt?“ Noch immer verwirrt über ihren Auftritt hier fragte er sie erneut und sie blieb auch tatsächlich nochmal stehen und drehte sich zu ihm um. Er sah ihr an, dass sie etwas bedrückte, aber sie wollte anscheinend nicht darüber reden. Oder sie konnte einfach nicht…
„Du würdest es nicht verstehen…“ Er sah wie ihre Augen nun traurig wurden und sie wieder kurz vor den Tränen stand. Gab es auch Tage, an denen sie nicht weinte? Er hätte sie so gerne in die Arme genommen, aber befürchtete, nur wieder zurückgestoßen zu werden.
„Woher willst du das wissen?“
„Ich kenne dich! Ich hätte gar nicht herkommen dürfen!“ Sie zeigte ihm wieder ihre Rückseite und wollte nun endgültig gehen. Enttäuscht sah Marc zu Boden und entdeckte dabei ein kleines bläuliches Heftchen, welches definitiv nicht ihm gehörte. Also musste Gretchen es übersehen haben…
„Gretchen, du hast da was vergessen!“ Gretchen drehte sich wieder um und sah schockiert, wie Marc sich bückte, um es aufzuheben. Sie wollte ihn abhalten, aber da hielt er es schon in den Händen und warf einen Blick darauf. Sein Blick erstarrte, als er das Wort ‚Mutterpass’ darauf las. Sein Gretchen war also schwanger…

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Verena1991 Offline

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08.11.2009 16:44
#203 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Gib das her!“ Sie kam wieder auf ihn zu und entriss dem noch immer geschockten Marc den Mutterpass, den sie schnell einsteckte. Natürlich konnte das alles wieder nicht nach Plan laufen!
„Du bist… schwanger?“ Die Worte kamen schwer über seine Lippen und Gretchen wusste gar nicht, was sie sagen sollte. Stattdessen blickte sie nur zu Boden. „Dann hast du ja wenigstens nen guten Grund dafür, dass du so dick bist!“ Bei seinen Worten blickte sie wieder auf und sah in an. Wie konnte er jetzt nur Witze machen? Aber seine Augen hatten nicht dieses hämische und zufriedene Funkeln wie sonst, wenn er einen Spruch von sich gab. Sie wirkten leer und leblos.
„Findest du nicht, dass wir normal darüber reden sollten?“ Nun wollte Gretchen das Gespräch doch aufrechterhalten. Sie mussten darüber sprechen, ob es ihnen leicht fiel oder nicht.
„Was willst du da groß bereden?“ Da gab es so einiges zu bereden. Ob er dazu stehen würde, ob er sie unterstützen würde. Und ob sie es überhaupt bekommen sollten. „Wenn du Urlaub nehmen willst, musst du das mit dem Chefarzt besprechen.“ Er ging zurück zu seiner angebrochenen Bierflasche und trank einen großen Schluck.
„Ich dachte eher, wir reden darüber, was mit dem Kind passiert…“ Schützend legte sie die Arme um ihren Bauch, als ob sie damit ihr Kind vor dieser schwierigen Situation abschirmen konnte.
„Solltest du das nicht eher mit dem Vater besprechen?“ Marc dachte, Dennis wäre der Vater. Darauf hätte sie auch früher kommen können, er wusste ja nicht, dass sie nie so weit gegangen waren. Und er wusste auch nicht, wie weit sie schon war. Sollte sie diesen Moment nun nutzen und ihm die ganze Wahrheit erzählen oder ihn in seinem Glauben lassen? Zumindest noch für einige Tage. Oder Wochen…
„Der interessiert sich nicht dafür…“ Das entsprach sogar der Wahrheit. Nur wusste Marc nun immer noch nichts davon, dass es sein Kind war. Aber es gab ihr die Möglichkeit, mit ihm darüber auf eine gewisse Weise zu reden.
„Da kann ich ihn gut verstehen, mich interessiert es auch nicht! Also lass mich mit deinem Scheiß in Ruhe!“
„Scheiß? Du redest hier über mein Kind!“ Und über seines auch. Sie konnte nicht fassen, was er da gesagt hatte, aber nun wusste sie wenigstens, woran sie war. Vielleicht würde er anders reagieren, wenn er alles wusste, aber sie bezweifelte einfach, dass er sich dann ganz anders zu dem Kind stehen würde.
„Man, ich meinte deinen ganzen Kram! Das ist nicht mehr meine Angelegenheit! Also geh jetzt bitte!“ Gretchen folgte seiner Bitte und ging wieder zur Tür. Das war ja ein ganz tolles Gespräch gewesen. Konnte sie das ihrem Kind antun? Vielleicht wär es einfach auch das Beste für das Kleine, wenn es nie mit den Schwierigkeiten dieser Welt konfrontiert wurde.

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Verena1991 Offline

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08.11.2009 17:45
#204 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Marc fiel ein normaler Umgang mit Gretchen in der darauffolgenden Zeit zunehmend schwer. Ständig erinnerte er sich an ihr Kind, wenn er sie sah. Das Kind, das sie für immer mit diesem Schmierlappen verbinden würde. Und dieser Typ interessierte sich noch nicht mal dafür, dass er so eine lebenslange Verbundenheit mit Gretchen haben würde. Und Marc selbst hatte nun keine Chance mehr bei Gretchen. Er sah doch, wie sehr sie schon an ihrem Kind hing. Er sah ganz genau, wie sie es vor allem beschützen wollte und er wusste einfach, dass sie für das Kleine einstehen würde wie eine Löwin. Und Marc konnte man bestimmt keinem Kind zumuten. Das würde sie nicht tun, und er selbst auch nicht. Dazu war er oftmals einfach zu sehr auf sich selbst fixiert, das konnte nicht gut gehen. Gretchen hingegen hatte so viel Liebe zu geben und wäre mit Sicherheit eine hervorragende Mutter. Das war ihre Zukunft und sie würde so mit Sicherheit ihr Glück finden, das sie so sehr verdiente. Auch wenn es ohne ihn war, für Gretchen war es so das Beste. Wie sie sich immer wieder den Bauch hielt und mit der Hand sanft darüber fuhr, machte ihm klar, wie viel ihr das Kind schon bedeutete. Auch wenn sie damit allein war, würde sie ihr Kleines auf jeden Fall bekommen und Marc damit endgültig aus ihrem Leben streichen.
Gretchen hingegen war sich nicht so sicher, ob das Kind jemals das Licht der Welt erblicken sollte. Sie wusste einfach noch immer nicht, ob sie das schaffen würde. Und ein Kind verdiente doch eine gute und liebende Mutter. Aber sie wusste nicht, ob sie das sein könnte. Und brauchte ein Kind nicht auch einen Vater? Einen aufopferungsvollen Vater, der sich um sein Kind sorgte und ihm die Dinge beibrachte, die die Mutter nicht konnte? Könnte sich Marc so verändern und Verantwortung für seinen Nachwuchs übernehmen? Oder würde er es ihr für immer vorwerfen, weil sie ihm seine Freiheit genommen hatte? Immerhin hatte ihn schon die Beziehung zu ihr so sehr eingeengt, dass er gleich einen Ausweg gesucht und sie betrogen hatte. Konnte Marc überhaupt jemand andres als sich selbst lieben? Sie wollte nicht, dass ihr Kind darunter leiden würde, wenn der Vater kein Interesse zeigt. Sie bemerkte, dass sie die Hand wieder auf ihren Bauch gelegt hatte und zog diese wieder davon weg. Sie durfte sich emotional noch nicht auf ihr Kind einlassen. Sie musste rational entscheiden, was das Beste für das kleine Wesen in ihrem Bauch war. Es ging nicht mehr länger um sie, sondern ausschließlich um ihr Baby.

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Verena1991 Offline

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08.11.2009 19:39
#205 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Gretchen kam nach einem langen Arbeitstag mal wieder erschöpft nach Hause und ihr erster Weg führte sie ins Wohnzimmer. Dort wurde sie schon von Bärbel erwartet, die um sich herum lauter Kisten stehen hatte und gerade ein Fotoalbum in der Hand hielt, das Gretchen sehr bekannt vorkam. Wenn sie sich da hinsetzte, müsste sie sich die ganzen alten Kinderfotos ansehen und die dazugehörenden peinlichen Geschichten anhören, die auf den Familienfeiern immer der Renner waren. Sie wollte sie gerade umdrehen und schnell abhauen, als Bärbel sie bemerkte.
„Margarethe, warte doch mal! Ich hab eure alten Kindersachen aus dem Keller geholt. Wollen wir sie nicht zusammen ansehen?“ Vorfreudig strahlte Bärbel ihre Tochter an und rückte ein Stück zur Seite, damit Gretchen sich neben sie setzen konnte.
„Mama, ich bin müde! Ich will mich hinlegen und einfach schlafen!“ So müde war sie zwar auch nicht, aber es war nicht gelogen, dass sie ziemlich erschöpft war.
„Das hatte ich auch immer in der Schwangerschaft. Vor allem bei dir, aber du warst ohnehin so ein ziemlich schweres Baby, sogar noch vor deiner Geburt!“ Das war genau das, was Gretchen momentan nicht hören wollte. Sollte sie hier jetzt Schwangerschaftserfahrungen mit ihrer Mutter austauschen?
„Ja, schön für dich! Also ich würde mich wirklich gerne aufs Ohr hauen!“
„Aber ein paar Minuten hast du doch bestimmt noch! Es ist so schön, die ganzen Sachen wieder durchzuschauen. Ich weiß noch ganz genau, wie sehr ich mich über meine Schwangerschaft gefreut habe. Ich konnte deine Geburt gar nicht abwarten!“
„Schön für dich! Aber ich freu mich NICHT! Du hattest Papa an deiner Seite, aber ich steh verdammt nochmal allein da!“ Bärbel legte das Album beiseite und ging auf Gretchen zu.
„Du bist doch nicht alleine, ich bin doch auch noch da! Wir schaffen das schon! Wir bauen einfach das alte Arbeitszimmer deines Vaters um und machen ein Kinderzimmer daraus. Das wird ganz wunderbar!“ Sie malte sich das alles so einfach und schön aus, aber Gretchen sah das alles nicht so rosig. Sie wollte nicht für ihr restliches Leben bei ihrer Mutter wohnen und auf ihre Hilfe angewiesen sein.
„Nein, wird es nicht… Mama, ich kann das nicht…“ Sie musste doch erst ihr eigenes Leben in den Griff bekommen. Sie konnte ja noch nicht einmal für sich selbst sorgen, wie sollte sie dann für ein Kind Verantwortung übernehmen?
„Wie meinst du das? Natürlich schaffst du das!“ Bärbel wollte ihrer Tochter die Hand ermutigend auf die Schulter legen, aber Gretchen wehrte ab. Gleich würde sie sie bestimmt hassen, aber das war so das Beste für alle …
„Ohne Marc kann ich das Kind nicht bekommen…“ Gretchen versuchte den schockierten Blick von Bärbel zu ignorieren, das fiel ihr ja auch nicht unbedingt leicht. Aber es gab ja noch immer die unwahrscheinliche Möglichkeit, dass Marc sich zwar vielleicht nicht unbedingt freuen würde, aber ihr doch seine Unterstützung zusicherte. Aber darauf würde sie sich nicht verlassen…

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Verena1991 Offline

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08.11.2009 20:46
#206 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Aber es galt erstmal herauszufinden, was er darüber dachte, dass es sein Kind war. Deshalb stand sie nach Feierabend wieder vor seiner Haustür und drückte ängstlich die Klingel. Den ganzen Tag hatte sie an nichts anderes gedacht und versucht, sich die Worte zurechtzulegen. Doch alles kam ihr falsch vor. Mal war es zu plump, mal zu wehleidig, aber nie richtig. Erfahrungsgemäß kamen die Worte jedoch ohnehin spontan, ganz unabhängig von all den vorausgegangenen Überlegungen. Ihr Herz setzte kurz aus, als sie Marc sah, nur um nachher noch tausendmal schneller als vorher zu schlagen.
„Gretchen!“ Erstaunt sah er sie wieder an, womit hatte er denn diesen zweiten Überraschungsbesuch verdient?
„Wir müssen reden!“ Sie kratzte ihr letztes Stück Selbstbewusstsein zusammen und wollte sich ihm stark gegenüberstellen. Marc ließ sie wieder eintreten und sie sah sich wieder um. Es war zwar um einiges aufgeräumter als letztes Mal, aber vom Boden konnte man bei Weitem noch nicht essen.
„Was gibt’s denn schon wieder?“ Gretchens Magen zog sich zusammen und das waren nicht nur die physischen Folgen der Schwangerschaft, sondern auch die psychischen. Aber da musste sie durch, sie musste es ihm sagen.
„Es geht um mein Baby…“ Fragend sah er sie an. Wieso wollte sie immer mit ihm über ihr Kind reden? Er hatte doch gar nichts damit zu tun.
„Wird das heute noch was oder soll ich raten?“ Wie üblich reagierte er gereizt auf das Thema, was ihr nicht gerade Mut machte.
„Es… Dennis… und ich sind nicht mehr zusammen, weil… es nicht von ihm ist!“ Sie konnte ihm dabei nicht ins Gesicht sehen, sondern starrte stattdessen auf den Boden.
„Ja und? Soll ich jetzt wissen, mit wem du alles in die Kiste gesprungen bist?“ Leider hatte er nicht verstanden, worauf sie hinauswollte. Wär auch zu schön gewesen, wenn Männer alleine auf etwas kommen könnten. Aber für wen oder was hielt der sie eigentlich? Ihre Mutter hatte ihr ja auch dieselbe Frage gestellt. Was dachte der denn, mit wie vielen Typen sie zugange war? Sie war doch nicht eines von denen Flittchen, deren Bekanntschaft er sonst gerne suchte.
„Ich hätte es dir vielleicht schon früher sagen sollen, aber… für mich ist die Situation auch nicht leicht! Ich musste mir über einiges klar werden…“
„Gretchen! Komm zum Punkt, ja?“ Da war sie wohl ins Schwafeln geraten. Aber sie konnte nicht weiter so rumdrucksen, sie musste die Wahrheit einfach gerade und unverblümt aussprechen.
„Marc, du warst der einzige, mit dem ich geschlafen habe! Das Kind ist von dir!“

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Verena1991 Offline

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09.11.2009 13:16
#207 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Das Kind sollte von ihm sein? Er würde Vater werden? Ihm war diese lebenslange Verbindung mit Gretchen zugesagt? Aber sie hatte doch die Pille genommen! Und das Kondom sollte auch versagt haben? Das konnte doch nicht sein, das Kind konnte doch nicht von ihm sein! Oder wollte sie es ihm auch nur unterschieben wie Gabi damals? Aber nein, Gretchen war ganz anders, so war sie nicht! Gretchen war doch ein ehrlicher Mensch und nicht so ein hinterhältiges Biest. Er hatte ein Kind gezeugt, zusammen mit seiner großen Liebe, die nicht das beste Bild von ihm hatte.
„Wie…“ Er wusste nicht, was er sagen sollte, was er denken sollte oder was er tun sollte. Er wusste nichts, nur, dass sein Kind da in Gretchens Bauch heranwuchs.
„Wie das passieren konnte? Ich weiß es doch auch nicht!“ Er sah wie sie sich verzweifelt um Fassung bemühte, aber diese konnte sie nicht wahren und eine Träne fand den Weg über ihre Wange. Er hätte sie gerne getröstet, aber irgendetwas hielt ihn davon ab. Ihn überforderte die Situation doch auch. Mit einem Schlag war alles anders, alles würde sich ändern. Aber könnte er das auch?
„Ich…“ Das nächste Wort kam aus seinem Mund. Er wollte ja etwas sagen, aber er wusste einfach nicht was.
„Es ist schon okay, du musst gar nichts sagen… Ich verstehe schon…“ Dafür verstand er im Moment gar nichts. „Keine Angst, du musst keine Verantwortung übernehmen. Aber allein schaff ich das nicht. Ich… ich werde es wegmachen lassen!“ Sie wollten ihm in die Augen sehen, hielt seinem Blick aber nicht stand. Marc war nun noch geschockter. Gerade eben eröffnete sie ihm, dass er Vater werden würde und im nächsten Moment schon nicht mehr. Wie konnte sie das einfach entscheiden? Er wusste doch selbst noch nicht, ob er dieses Kind wollte und jetzt gab sie ihm nicht einmal die Möglichkeit darüber nachzudenken. Dabei war er sich so sicher gewesen, dass sie dieses Kind unbedingt wollte. Er kannte sie doch gut genug. Gretchen war nicht der Typ, der einfach so mal eben ein Kind abtrieb. Und dann noch sein Kind! Bedeutete das denn gar nichts?
„Aber…“ Seine Stimme brach wieder ab und er konnte nicht weitersprechen. Die Worte wollten einfach nicht aus seinem Mund kommen, sondern blieben ihm in der Kehle stecken.
„Nichts aber! Das ist doch das Beste für alle! Für dich, für mich und für das Kind!“ Aber wie konnte das das Beste sein, wenn sie doch offensichtlich nicht glücklich darüber war?
„Wann?“
„Übermorgen hab ich einen Termin. Dann können wir das einfach vergessen…“ Wie sollten sie das vergessen können? Auch wenn er nur für wenige Tage bewusst Vater wurde, könnte er es doch niemals aus seinen Erinnerungen streichen. Und Gretchen könnte das auch nicht. Das Kind war doch in ihrem Körper, das würde sie doch nie vergessen. Sie würde sich doch eher ein Leben lang Vorwürfe machen und sich fragen, wie alles mit dem Kind geworden wäre. Unfähig zu reagieren, stand Marc nur noch da und beobachtete stumm, wie Gretchen seine Wohnung verließ und er allein mit seinen wirren Gedanken zurückblieb.

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Verena1991 Offline

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09.11.2009 13:30
#208 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Die letzten Stunden vor der Abtreibung zählten zu den merkwürdigsten in Gretchens sowie auch Marcs Leben. Zu wissen, dass das eigene Kind bald nicht mehr existierte, war ein seltsames Gefühl. Auch das Verhalten zwischen den beiden war verkrampft und verfahren. Sie konnten nicht normal miteinander kommunizieren, geschweige denn operieren. Deshalb kamen sie darüber ein, dass Gretchen sich ein paar Tage freinehmen würde. So könnte sie sich in Ruhe auf den Abort vorbereiten und sich danach noch einige Zeit davon erholen. Diese Zeit würde sie bestimmt auch brauchen, die Entscheidung war ihr ja alles andere als leicht gefallen und könnte sicherlich nicht einfach normal weiterleben und so tun, als ob nichts gewesen wäre, als ob sie nie ein kleines Leben in sich getragen hätte. Für Marc war die Situation auch nicht leicht, aber dennoch konnte er besser damit umgehen, er war einfach tougher als Gretchen. Trotzdem war er schlichtweg nicht in der Lage darüber zu reden. Was sollte er auch sagen? Gretchens Entscheidung war gefallen und er konnte nichts dagegen unternehmen. Er hatte keine Rechte und er wusste auch nicht, ob er überhaupt welche wollte. Und Gretchen wusste bestimmt besser, was richtig war. Sie kannte sich bei so was besser aus und hatte zudem schon viel mehr Zeit gehabt, um darüber nachzudenken. Vermutlich war es wirklich das Richtige. Früher oder später würde er Gretchen und das Kind mit Sicherheit enttäuschen und furchtbar verletzen. Es wäre besser, wenn es nie so weit kommen würde und man ihm nicht die Gelegenheit dazu gab. Gigi hatte doch Recht gehabt, irgendwann hätte er sie betrogen. Wenn er nur daran dachte, wie oft er Nina damals betrogen hatte… Auch wenn er die nie so geliebt hatte wie Gretchen, zeigte es doch, dass er nicht treu sein konnte. Gretchen würde ihn hassen und das Kind darunter leiden. Er hatte in seiner Kindheit doch selbst mitbekommen, wie das war. Das sollte seinem Kind erspart bleiben. Und Gretchen hatte den Schmerz genauso wenig verdient. Dieses Kind hätte einfach nie entstehen dürfen. Und nun mussten sie verhindern, dass es in diese schwere Welt entlassen wurde.
Marc versuchte sich wieder am Bearbeiten einer Akte, aber seine Gedanken schweiften immer wieder zu Gretchen, die vielleicht schon nicht mehr schwanger wäre. Er stütze seine Arme auf dem Schreibtisch ab und vergrub sein Gesicht in den Händen. Wie konnte das alles richtig sein, wenn es sich so falsch anfühlte?
Dasselbe dachte gerade auch Gretchen, die gerade vor der Abtreibungsklinik stand. Gleich würde sie da mit Kind reingehen und ohne wieder herauskommen. Konnte das wirklich die richtige Lösung sein?

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Verena1991 Offline

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09.11.2009 13:43
#209 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Sie wurde aufgerufen und nahm auf dem frauenärztlichen Stuhl Platz, wo ein letzter Ultraschall von dem Kind gemacht werden würde, als Vergleichszweck für nachher. Sie wollte das Procedere einfach über sich ergehen lassen und ihre Emotionen zurückhalten. Am besten würde sie sich einfach völlig davon distanzieren und es nur als einen Zellhaufen in ihrem Bauch ansehen. Im Grunde nicht mehr als ein Geschwür, das ihr entfernt wurde. Es konnte nicht denken und würde gar nicht mitbekommen, was gleich geschehen würde. Sie sah auf den Bildschirm, der ihr ein letztes Mal ihr Kind zeigen würde. Sie erkannte wieder das Schlagen des kleinen Herzens. Aber das war ein rein biologischer Vorgang, das Kind fühlte noch gar nichts und bemerkte noch nichts. Aber Gretchen fühlte etwas. So eine starke Bindung zu dem Kind, eine Liebe, die sie aber nicht zulassen konnte und wollte. Es ging nicht, dieses Kind konnte keine gute Zukunft haben. Gretchen musste diesen Eingriff durchführen. Auch wenn ihre Mutter sie hassen würde. Und sie selbst würde sich auch hassen.
„Alles in bester Ordnung mit dem Kind und auch sonst sieht eigentlich alles gut aus. Wird ein normaler Routineeingriff.“ Sie hörte den Worten des Arztes genau zu, der hatte doch keine Ahnung. Routineeingriff… Nichts daran war Routine, das war das Schlimmste und Verwerflichste, was sie je getan hatte. Sie sah schnell von dem Monitor weg und fixierte stattdessen die Decke. Sie konnte sich das nicht länger ansehen. „Sie können noch immer zurück, Frau Haase. Ihrem Kind geht es noch gut, Sie können jetzt noch immer gehen und weiterleben. Und in knapp 30 Wochen haben Sie Ihr Baby bei sich zu Hause.“ Sie wandte ihren Blick doch wieder auf das Abbild des Kindes. Ihres Kindes. Man konnte nicht viel erkennen, aber dennoch konnte sie schon viel für dieses kleine Wesen empfinden. Unaufhaltsam flossen wieder Tränen über ihre Wangen. Das war ihr Baby. Noch war es da. Noch konnte sie einfach nach Hause gehen und ihr Kind behalten. Aber was dann? Ihre Mutter würde sich riesig freuen und ihr bei der Erziehung des Kindes helfen. Sie würde Gretchen immer wieder reinreden und sie keinen Schritt aus den Augen lassen. Sie würde sie korrigieren und kritisieren, so oft es ging. Sie wusste ja immer alles besser. Und Marc? Der würde vermutlich sauer sein und sagen, dass sie es besser hätte abtreiben sollen. Vielleicht würde er sie sogar aus seinem Team schmeißen, um sie weniger zu sehen und nicht mehr an das Kind erinnert zu werden. Murrend würde er Unterhalt zahlen und sein Kind keines Blickes würdigen. Aber sie hätte ihr Baby bei sich und würde ihm so viel Liebe schenken können. Schon jetzt bedeutete ihr das Kleine so viel. Ihr Kind hätte es nicht immer leicht, aber wann war das Leben schon ein Kinderspiel? Es würde schwere Momente geben, aber sie könnte es schaffen und alle Hürden meistern. War eine Abtreibung wirklich die beste Lösung?

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Verena1991 Offline

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09.11.2009 13:54
#210 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Noch immer in Tränen aufgelöst kam Gretchen wieder zu Hause an. Was hatte sie nur getan?
„Margarethe!“ Ihre Mutter wartete bereits auf sie und sah sie hoffend an. Hoffend, dass Gretchen doch noch zur Besinnung gekommen war und ihr Kind nicht angetrieben hätte. „Hast du es wirklich getan?“ Gretchen schluchzte noch heftiger und konnte nicht antworten, da Bärbel sich schon ihr Urteil gebildet hatte. „Wie konntest du nur? Es war doch dein Kind! Mein kleines Enkelkind hast du einfach umgebracht!“ Verständnislos und vorwurfsvoll blickte sie ihre Tochter an.
„Mama, ich…“ Gretchen fand ihren Wortschatz wieder und wollte sich ihrer Mutter erklären, aber das stellte sich als nicht so einfach heraus.
„Ich will das nicht hören! Margarethe, ich bin so enttäuscht von dir! Ich dachte, ich hätte dir die richtigen Werte beigebracht und was machst du? Tötest einfach dein Kind!“
„HÖR AUF!“ Sie hatte genug von den Vorwürfen, das musste sie jetzt nicht hören. Bärbel blickte überrascht drein. Sie sagte doch nur die Wahrheit, Gretchens Verhalten war falsch gewesen, das musste sie doch einsehen.
„Ja, aber, was du das getan hast…“
„GAR NICHTS HAB ICH GETAN!“ Sie konnte es nicht tun, sie konnte ihr Kind nicht abtreiben. Der einzige Fehler, den sie gemacht hatte, war, dass die es abtreiben wollte. Dass sie ihr Kind nicht von Anfang an angenommen hatte und es nicht als willkommen angesehen hatte. Sie war kurz davor gewesen, ihrem Kind sein Leben zu nehmen.
„Wie? Du hast nicht…?“ Bärbel wollte sich nicht zu früh freuen, die Enttäuschung über das Gegenteil wäre dann doch zu groß.
„Nein, hab ich nicht! Es ging einfach nicht! Es ist doch mein Baby…“ Gretchen sah an sich herunter auf ihren Bauch, in dem noch immer das gemeinsame Kind von Marc und ihr. Das Kind, das zwar viele Probleme mit sich brachte, aber ihr auch so viel Freude bringen konnte. Egal, wie viel Leid ihr deswegen widerfahren würde, die schönen Momente mit ihrem Kind würde das alles wert sein. Sie freute sich auf diese Momente. Sie freute sich auf ihr Kind und auf alles, was sie erleben würde. In knapp sieben Monaten würde sie ihr Kind in den Armen halten können und es ansehen. Bestimmt wäre es das schönste Kind dieser Welt. Musste bei dem Vater ja so sein. Der Gedanke an Marc trübte ihre Gedanken. Sie müsste ihm sagen, dass sie das Kind behalten und großziehen würde. Und auch wenn er nicht begeistert sein würde, ihr Entschluss stand fest. Sie konnte die Gefühle für ihr Kind nicht weiter verleugnen, sie war sich ihrer Liebe viel zu sehr bewusst. Morgen würde sie es ihm sagen und ganz egal, wie er reagierte, er könnte sie nicht von ihrem Entschluss abbringen. Nichts und niemand konnte das.

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09.11.2009 19:25
#211 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Stundenlang durfte sich Gretchen die enthusiastischen Pläne und Vorschläge von Bärbel anhören, wie alles mit dem Kind laufen würde. Laut Bärbel sollte Gretchen die nächsten Jahre ganz zu Hause bleiben und ihr Kind großziehen. Vermutlich hoffte sie sogar, dass Gretchen dann auch dauerhaft Hausmütterchen spielen würde. Aber eigentlich wollte Gretchen lieber schnellstmöglich ihren Facharzt machen, um dann irgendwann alleine für das Kind sorgen zu können. Aber das wäre vermutlich noch ein langer Weg bis dahin, der sich nicht so leicht planen ließ. Als sie die Müdigkeit übermannte, verabschiedete sich Gretchen von ihrer Mutter und wollte sie schlafen legen. Sie ließ den ganzen Tag nochmal Revue passieren und je länger sie darüber nachdachte, war sie sicher, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Das musste Marc einfach verstehen. Er kannte sie doch gut genug, um zu wissen, dass sie nicht der Typ dafür war. Morgen Abend würde sie ihm alles sagen und er musste es akzeptieren. Natürlich hoffte sie, dass er Verständnis zeigen würde, aber nach seinem Verhalten in den letzten Tagen bezweifelte sie es. Das machte sie schon allein an seiner Reaktion fest, als sie ihm sagte, das Kind sei von ihm. Seine ausdruckslosen Augen… Und auch danach hatte er ja nicht wirklich etwas unternommen, um sie von der Abtreibung abzuhalten. Stattdessen schlug er noch vor, dass sie ein paar Tage zu Hause bleiben sollte. Vermutlich alles nur, damit er nicht an das Kind erinnert wurde. Er wollte sich nicht damit auseinandersetzen und er musste es auch nicht. Sie würde ihn nicht zwingen, für sie und das Kind da zu sein. Vielleicht hätte er eines Tages den Wunsch, sein Kind besser kennenzulernen und das würde sie ihm niemals verwehren. Aber wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass Marc Vater sein wollte? Stochastik hatte sie nie zu ihren Stärken gezählt, aber sie war auch so überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit nicht sehr groß war. Sie wollte nicht glauben, dass es anders sein konnte und alles gut werden würde. Zu groß wäre die Enttäuschung, wenn dem nicht so wäre. Ihre Gedanken drehten sich noch lange um das Thema und hinderten sie am Einschlafen. Sie ahnte nicht, dass es Marc genauso ging, der der festen Überzeugung war, dass Gretchen sein Kind tatsächlich abgetrieben hätte. Aber während Gretchen nach einiger Zeit doch einschlief, machte Marc die Situation schier wahnsinnig. Er konnte hier nicht einfach in aller Seelenruhe schlafen, wenn das Kind nicht mehr da war. Ohne ein bestimmtes Ziel zu haben stand er wieder auf und ging aus seiner Wohnung. Er wusste nicht, wo er hinsollte oder hinwollte, aber einfach dazuliegen hielt er nicht aus. Er setzte sich in seinen BMW und fuhr einfach los, einfach irgendwohin, wo er nachdenken konnte.

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09.11.2009 21:09
#212 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Ihr Kind verfolgte Gretchen sogar noch in ihre Träume. Sie saß mit ihrer kleinen Tochter auf einer grünen Wiese und spielte ausgelassen mit der Kleinen, die Marc so unglaublich ähnlich sah, nur die blonden Locken hatte sie von der Mutter. Ihre Tochter lächelte sie an, griff nach der Hand ihrer Mutter und kuschelte sich ganz eng an sie. Gretchen genoss dieses Gefühl, ihre Tochter so nah bei sich zu haben. Alles war so einfach und leicht und sie fühlte sich rundum wohl, fast schon schwerelos. Aber dann änderte sich das Bild. Die heiteren weißen Wolken verfinsterten sich und sie wurde von einer Dunkelheit eingeschlossen. Sie wollte ihr Kind beschützen und an der Hand halten, aber es entzog ihr die Hand und sah sie traurig und enttäuscht an. Ihre Tochter musste gar nichts sagen, um Gretchen verständlich zu machen, was los war. Sie wollte ihr Kind abtreiben, ihm einfach das Leben nehmen. Und das alles, obwohl sie doch gesehen hatte, wie das Herz ihres Kindes schlug. Und das konnte ihr die Kleine nicht vergeben. Dabei hatte Gretchen das nicht für sich getan, sondern dachte doch nur, dass es das Beste für das Kind war. Sie wollte ihrem Kind die Enttäuschung über ihren Vater ersparen und dabei hatte Gretchen ihr Kind selbst enttäuscht. Aber sie hatte es doch nicht getan, sie hatte das Leben ihrer Tochter doch bewahrt und wollte sie bekommen. Sie hatte sich doch auf das Baby gefreut. Im Grunde hatte sie ihr Kind doch vom ersten Moment an geliebt, sie hatte nur Zeit gebraucht. Zeit, um sich darüber klar zu werden. Aber das konnte man ihr doch nicht so vorwerfen! Ihr Kind durfte sie nicht dafür hassen, man durfte sie nicht so dafür bestrafen. Ihre Tochter trat einige Schritte rückwärts und sah Gretchen dabei unentwegt traurig und sogar ein stückweit wütend an. Gretchen wollte ihr hinterher, aber ihre Tochter entfernte sich weiter von ihr. Sie wollte näher an das kleine Mädchen herantreten, aber egal wie viele Schritte sie machte, sie kam nicht vorwärts. Sie blieb auf der Stelle und musste hilflos mitansehen, wie ihr Kind immer weiter von ihr wegging. Ihre Umrisse wurden immer kleiner und unklarer und verschwanden schließlich endgültig in der tiefen Dunkelheit. Gretchen blieb allein zurück und beweinte den Verlust ihrer Kleinen. Was hatte sie getan? Wie konnte sie in diese Klinik gehen? Wieso hatte sie nicht früher erkannt, was sie für ein Glück hatte? Und nun war sie allein, ganz allein mit einem tiefen Loch in ihrem Herzen.
Schweißgebadet schreckte sie aus ihrem Traum auf und atmete schwer ein und aus. Sofort legte sie die Hand auf den Bauch, sie hatte furchtbare Schmerzen im Unterleib. Irgendetwas unter der Bettdecke fühlte sich so komisch an, so fremd, als würde es da nicht hingehören. Ängstlich schlug sie die Decke beiseite und sie musste nicht einmal das Licht anmachen, um zu erkennen, dass das Laken mit Blut durchtränkt war. Ihr wurde schwindelig und sie hatte nur noch einen Gedanken. Was war mit ihrem Baby?

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09.11.2009 22:24
#213 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Ein panischer Schrei durchdrang das Haus der Haases und riss Bärbel aus ihrem Schlaf, die natürlich sofort ins Zimmer ihrer Tochter lief und das Licht anmachte. Sie sah Gretchen, die sich weinend ihren Bauch hielt und von einer Menge Blut umgeben war.
„Mein Baby!“, rief Gretchen immer wieder aus und verkrampfte sich auf dem Bett, um den Schmerz zu unterdrücken. Aber schlimmer als der körperliche Schmerz war der seelische. Die Angst, ihr Kind zu verlieren und am Ende doch allein dazustehen. Sie hatte sich doch gerade erst dazu entschieden, es zu bekommen und jetzt sollte es schon vorbei sein? Das konnte man ihr doch nicht antun! Auch wenn sie zuerst gezweifelt hatte, konnte sie dem Kind eine gute Mutter sein. Aber man musste ihr die Chance geben und durfte sie nicht bestrafen. Bärbel war erstmal zu geschockt, um zu handeln. Dann aber packte sie ihre Tochter und half ihr auf. Gretchen war nicht stark genug, sie sackte gleich neben dem Bett zusammen und hielt sich mit ihren blutverschmierten Händen noch immer den Unterleib.
„Margarethe, du musst aufstehen! Ich bring dich ins Krankenhaus!“ Bärbel versuchte ihre Tochter zu motivieren, aber es ging nicht. Gretchen konnte nicht reagieren, sie konnte nur an ihr Baby denken. Ihr kleines, unschuldiges Baby. Nachdem Bärbel bemerkt hatte, dass so kein Weiterkommen war, lief sie schnell nach unten, um einen Krankenwagen zu holen. Sie musste ihr Kind und Enkelkind retten. Hoffentlich war es dazu noch nicht zu spät…
Marc fuhr derweil mit seinem Wagen durch Berlin und fand sich vor Gretchens Haus wieder. Er war nicht bewusst hierher gefahren, aber er fühlte sich hier richtig. Er hielt am Straßenrand und überlegte, ob er klingeln sollte. Aber vielleicht schlief sie auch schon. Im Erdgeschoss brannte noch Licht, es wäre also noch jemand wach. Schlimmstenfalls würde Bärbel ihn hochkant rausschmeißen. Er zog den Schlüssel aus der Zündung und stieg aus dem Wagen. Die Zweifel, ob das richtig war, verschwanden nicht, aber umdrehen wollte er jetzt auch nicht mehr. Er stand vor der Tür und klingelte. Kurze Zeit später öffnete ihm eine verstörte Bärbel mit dem Telefonhörer in der Hand.
„Herr Meier, gut, dass Sie da sind!“ Das waren ja ganz neue Töne, was war hier los? Ob etwas mit Gretchen war? War bei dem Eingriff etwas schief gelaufen?
„Wieso? Was ist denn?“
„Margarethe… Das Baby… Sie verliert es!“ Aber sie hatte es doch schon verloren. Sie hatte es doch erst vor wenigen Stunden abgetrieben. Oder doch nicht?
„Aber sie hat doch…“
„NEIN! Sie muss ins Krankenhaus, jemand muss das Kind retten!“ Sein Kind lebte. Noch… Oder auch schon nicht mehr… Bärbel zog ihn schnell ins Haus und brachte ihn zu Gretchen ins Zimmer. Er sah wie sie auf dem Boden lag und sich krümmte. Und er sah das ganze Blut. Sie durfte das Kind nicht verlieren!

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Verena1991 Offline

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10.11.2009 14:44
#214 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Ich hab schon einen Krankenwagen gerufen, aber… Machen Sie doch etwas! Schnell!“ Marc erwachte aus seiner Trance und lief zu Gretchen. Er kniete sich neben sie und sprach sie an.
„Gretchen? Gretchen, beruhig dich bitte!“ Aber wie sollte sie sich hier beruhigen, wenn doch ihr Kind hier gerade starb. „Ich fahr dich jetzt ins Krankenhaus!“ Er umfasste ihren Körper mit seinen Armen und hob sie hoch. Auch er hatte nun das Blut auf seiner Kleidung, aber das interessierte ihn zur Zeit am wenigsten. Schnell und vorsichtig zugleich trug er sie die Treppen runter. Sie krallte sich verzweifelt an ihm fest und ließ viele Tränen auf sein Hemd tropfen. Bärbel lief ihnen nach und sah zu, wie Marc Gretchen auf den Beifahrersitz seines BMWs hievte. Gerne wäre sie mitgefahren, aber in dem Zweisitzer war kein Platz mehr für sie. Aber Hauptsache war jetzt, dass Marc Gretchen schnell ins Krankenhaus brachte. Sie würde nachher hinterherfahren. Gretchen nahm das alles um sich herum nicht wirklich wahr und auch Marc schien das alles so irreal. Er musste Gretchen einfach ins Krankenhaus bringen, alles andere zählte nicht.
„Mein Baby…“ Gretchens Stimme wurde leiser und schwächer, sie hatte ihre ganze Kraft ausgeweint. Marc fuhr so schnell er konnte, genau den Fahrstil, den Gretchen so hasste. Aber es war jetzt die einzige Möglichkeit, um das Kind zu retten. Bei der Menge an verlorenem Blut wäre es schon ein Wunder, wenn das Kind überhaupt noch lebte. Aber so durfte er nicht denken, es würde alles gut werden. Es musste einfach. Er brauchte jetzt einfach dieses Wunder. Hatten sie denn nicht schon genug mitgemacht?
„Wir schaffen das!“ Er legte beruhigend eine Hand auf Gretchens blutgetränkte Pyjamahose und strich ihr über das Bein. Aber das konnte weder sie noch ihn selbst von der Angst abbringen. Marc setzte die Straßenverkehrsordnung außer Kraft und hoffte nur, dass sie rechtzeitig ankommen würden. Tatsächlich schafften sie es, das Krankenhaus in Rekordzeit zu erreichen und Marc nahm Gretchen wieder auf seine Arme. Das Auto ließ er einfach ungeachtet stehen, sollte es doch jemand klauen, das war ihm jetzt auch egal. Er lief so schnell er konnte zum Fahrstuhl und ließ Gretchen neben sich wieder auf ihre Füße kommen, damit er den Knopf drücken konnte. Dabei hielt er sie aber weiter an sich gedrückt, um ihr Halt zu geben. Ungeduldig betätigte er immer wieder den Knopf, aber dadurch kam der Fahrstuhl auch nicht schneller. Kurzentschlossen hob er Gretchen wieder hoch und sprang schon fast die Treppen hoch. Er kam endlich auf der Gynäkologie an und sah sich panisch um.
„Ich brauch nen Arzt!“ Man sollte doch meinen, dass man hier leicht einen finden konnte. „Meine Freundin…“

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10.11.2009 18:37
#215 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Noch immer in Angst um Gretchen und das Baby lief er über die Station, aber es schien ihm keiner helfen zu wollen. Nach einer gefühlten Ewigkeit sah er Mehdi, der schnell auf ihn zukam und besorgt auf Gretchen blickte.
„Was ist mit ihr?“, fragte der Gynäkologe, während er immer näher kam.
„Siehst du doch! Und jetzt mach was und rette mein Kind!“ Mehdi hatte also Recht gehabt, sie war wirklich schwanger. Zumindest noch… Denn das, was sie an Blut verloren hatte, machte ihm keinen Mut. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Er öffnete schnell die Tür zu seinem Untersuchungszimmer und Marc setzte Gretchen ab. Mehdi machte sofort einen Ultraschall bereit und eine Schwester lief hektisch durch den Raum.
„Marc, du gehst jetzt besser raus!“, forderte Mehdi. Es wäre besser, wenn er nichts davon mitbekam und Mehdi seine Ruhe ließ.
„Vergiss es! Das sind MEIN Kind und MEINE Freundin!“ Offiziell gab es zwar noch keine Reunion, aber das war momentan egal. Es fühlte sich noch immer so an. Sie mussten doch gerade zusammen um ihr Kind bangen. Auch wenn Gretchen momentan nichts mitbekam, sie war sogar zu schwach, um die Augen offen zu halten.
„Ich muss hier in Ruhe meine Arbeit machen! Wenn du etwas für Gretchen tun willst, dann geh raus!“ Wütend verließ Marc den Raum und knallte die Tür hinter sich zu. Er wusste doch nicht, was in dieser Lage richtig oder falsch war. Und während Mehdi da drin hoffentlich sein Kind retten würde, musste er untätig hier draußen warten. Dabei sollte er jetzt bei Gretchen sein und ihr beistehen. Während der langen Wartezeit ging er gefühlte tausendmal vor der Tür auf und ab. Er konnte nicht ruhig bleiben, es stand doch so viel auf dem Spiel. Nach einigen Minuten kam auch Bärbel zu ihm gerannt, die ihn gleich ausquetschte.
„Was ist mit ihr? Wie geht es dem Kind? Hat sie es verloren?“
„Mehdi kümmert sich gerade darum… Wir können nur abwarten und hoffen…“ Und das taten sie dann auch weiterhin ungeduldig. Die Zeit schien nicht vergehen zu wollen und mit jeder Sekunde starb ein Funken Hoffnung in ihnen. Sie waren kurz vor dem Wahnsinn, als sich endlich die Tür öffnete und Mehdi herauskam. Er wirkte gestresst und aufgewühlt.
„Mehdi! Was ist mit Gretchen? Hat sie… Ist das Kind…?“ Er konnte Mehdis Blick nicht deuten. Er versuchte irgendetwas in seinen Augen zu erkennen. Erleichterung, dass das Kind noch da war oder Enttäuschung, dass er es nicht retten konnte. Aber er wusste nicht, was er sah. Er war absolut ahnungslos, was nun los war.

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10.11.2009 20:56
#216 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Das Kind lebt noch! Gretchen geht es soweit auch ganz gut. Ich hab ihr Magnesium gegeben. Das verhindert, dass sie Wehen bekommt und sich die Plazenta löst.“ Ein gewaltiger Stein fiel von Marcs und Bärbels Herz. „Aber es war sehr knapp. Gretchen braucht in nächster Zeit viel Ruhe und Stress sollte sie vermeiden.“
„Kann ich zu ihr?“, fragte Bärbel und sah Mehdi erwartungsvoll an.
„Natürlich. Aber sie schläft gerade, ich hab ihr was zur Beruhigung gegeben. Wir bringen sie gleich auf ein Zimmer und behalten sie auf alle Fälle die Nacht über hier.“ Bärbel ließ sich das nicht zweimal sagen und ging sofort zu ihrer Tochter. Marc blieb noch bei Mehdi stehen und atmete nochmal erleichtert aus.
„Danke!“ Er klopfte Mehdi freundschaftlich auf die Schulter und wollte ebenfalls zu Gretchen.
„Ist mein Job! Und deiner ist es jetzt, ein guter Vater zu sein. Schaffst du das?“ Marc blieb stehen und überlegte. Er wusste nicht, ob er das schaffen würde. Aber konnte man das vorher schon wissen? Aber er wollte es auf alle Fälle versuchen. Seit seiner gemeinsamen Zeit mit Gretchen konnte ihn sein Beruf nicht mehr ausfüllen, er sehnte sich nach so etwas wie Familie.
„Weiß nicht… Vielleicht… Aber ich werde Gretchen nicht allein lassen!“ Er würde wirklich sein Möglichstes tun, um sie zu unterstützen. Egal, ob wieder als Paar oder nicht, sie würden dieses Kind gemeinsam großziehen. Ob er seine Rolle gut übernehmen würde, würde sich erst noch zeigen. Er schenkte Mehdi noch ein müdes Lächeln, bevor auch er zu Gretchen ging. Sie lag noch immer da und schlief, während Bärbel ihr sanft über die Hand strich.
„Gretchen braucht Sie…“ Marc lehnte sich an die Wand und beobachtete sie von weitem, normalerweise wurde er ja immer ganz zurückgestoßen. „Sie werden für dieses Kind sorgen! Aber sonst lassen Sie bitte die Finger von meiner Tochter!“ Ja, er würde für das Kind sorgen. Aber ob er Gretchen in Ruhe lassen würde, wusste er noch nicht. Immerhin liebte er sie. Sie und ihr gemeinsames Kind waren das Wichtigste für ihn.
„Wieso glauben Sie, dass ich so schlecht für Gretchen bin? Wer sagt, dass ich sie nicht glücklich machen kann?“
„Herr Meier, Sie und mein Mann sind gar nicht so verschieden! Aber Gretchen würde das nicht aushalten, wenn Sie sie betrügen. Sie haben ja gesehen, wie schlimm das ganze für sie war.“
„Ich habe sie nicht betrogen…“
„Aber sie denkt, dass Sie es hätten! Und das ist auch gut so!“ Ihre Stimme blieb dabei ganz ruhig, sie wollte Gretchen ja nicht wecken.
„Sie wissen, dass ich…“
„Dass Sie nichts getan haben? Ja, ich weiß. Aber ich musste doch mein Mädchen schützen.“

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11.11.2009 21:20
#217 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Schützen? Er war doch kein Schwerverbrecher, der Gretchen etwas getan hätte. Er war wahrlich nicht gerade der Traumschwiegersohn schlechthin, aber dass sie ihn so sabotiert hatte… Gretchen war glücklich mit ihm gewesen und er hätte sie vielleicht für immer glücklich machen können. Eine Garantie gab es natürlich nicht, aber die gab es nie. Er wollte gerade etwas erwidern, als eine Schwester reinkam, um Gretchen auf ein Zimmer zu bringen, in dem sie die Nacht verbringen würde. Bärbel ging wie selbstverständlich neben dem Bett her und wich nicht von Gretchens Seite. Marc wollte es ihr gleichtun, er wollte Gretchen nicht alleine lassen. Er war schließlich nicht ganz unschuldig an ihrem Zustand. Vor dem Zimmer, in dem Gretchen nun lag, wurde er aber von Bärbel abgehalten.
„Habe ich nicht gesagt, dass Sie bitte von meiner Tochter wegbleiben sollen?“ Sie stemmte die Arme gegen ihre Hüfte und sah ihn durchbohrend an.
„Dann sag ich Ihnen jetzt, dass ich das nicht tun werde!“ Die hatte ihm gar nichts zu sagen. Auch wenn niemand daran glaubte, dass diese Beziehung funktionieren würde, wurde Marc mit jedem Moment klarer, dass es sehr wohl klappen könnte. Vor allem mit dem Kind. Er wollte nie Kinder, aber jetzt, wo er seines fast verloren hätte, wollte er es unbedingt.
„Wenn es sein muss, hol ich Gina gerne wieder aus London! Dann werden wir ja sehen, wie nah Ihre dreckigen Finger an meine Tochter kommen werden!“
„Dann haben Sie die Schlampe auch noch hergeholt? Wird ja immer besser!“ War ja ne richtige Verschwörung, die da gegen ihn abgelaufen war. Könnte man ja nen richtigen Film draus machen.
„Ich bin nur eine Mutter, die das Beste für ihr Kind will!“
„Ich kann nur hoffen, dass Gretchen sich kein Vorbild an Ihnen nimmt!“ Er sah, wie das böse Funkeln in Bärbels Augen noch größer und deutlicher wurde und wie es innerlich in ihr brodelte. Offensichtlich fanden es Mütter wirklich nicht berauschend, wenn man an ihren Mutterqualitäten zweifelte.
„Sie haben doch keine Ahnung, wie es ist, ein Kind zu lieben!“ Wenn er es nicht besser wüsste, würde er behaupten, dass sie kurz vor den Tränen stand. War die gleich so wütend? Oder lag das Rumheulen in der Familie? Aber doch, er wusste, wie es war, ein Kind zu lieben. Und das, obwohl er es noch nie gesehen hatte und es noch nicht mal auf der Welt war.
„Frau Haase, denken Sie, was Sie wollen! Aber ich werde nicht zulassen, dass Sie in Gretchens und mein Leben eingreifen. Deshalb werde ich jetzt in dieses Zimmer gehen und so lange bei Gretchen bleiben bis sie wieder aufwacht!“ Nicht ganz sanft drückte er Bärbel zur Seite und setzte sich an Gretchens Bett. Er spürte Bärbels stechenden Blick im Nacken, aber er konnte auf ihre Sorgen keine Rücksicht nehmen. Sie hatte immerhin auch nicht auf sein Wohlergehen geachtet.

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12.11.2009 14:16
#218 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Es war schon früher Nachmittag, als Gretchen langsam ihre Augen öffnete. Zuerst erkannte sie nicht, wo sie war. Anstatt der rosa Wand blickte sie auf ein kahles Weiß. Sie schwenkte ihren Blick weiter durch den Raum und identifizierte es als Patientenzimmer des Elisabethkrankenhauses. Sofort kamen die Erinnerungen an die vergangene Nacht zurück. Der Traum, das Blut, Marc. Was war mit ihrem Baby? Panisch legte sie die Hand auf ihren Bauch und versuchte etwas zu spüren. Aber es regte sich nichts. Das war doch normal für ihr frühes Schwangerschaftsstadium, sie war ja gerade mal im ersten Trimester. Dennoch hatte sie furchtbare Angst. Sie schloss die Augen und kurze Zeit später zwängte sich eine Träne unter dem Lid hervor. Sie wagte einen erneuten Blick in den Raum und bemerkte erst jetzt, wie Marc seine Arme auf das Bett gelegt hatte und seinen Kopf darauf stützte. Hatte er die ganze Zeit an ihrer Seite gewacht? Er wusste bestimmt, was mit dem Kind war. Sie stupste ihn leicht an und Marc schreckte hoch.
„Hm?“ Er brauchte kurz Zeit, um sich der Lage bewusst zu werden und bemerkte dann, dass Gretchen wach war. „Hey, du bist wach.“ Er lächelte kurz und umschloss mit seinen Händen ihre rechte. Mit der linken strich sie sich über den Bauch, während sie ihn ängstlich ansah.
„Was ist mit meinem Baby?“ Sie durfte es einfach nicht verloren haben, das durfte einfach nicht sein. Marc schenkte ihr erneut ein aufbauendes Lächeln.
„Keine Angst, unserem Kind geht’s gut!“ Ein gigantischer Hinkelstein krachte von ihrem Herzen und sie konnte erleichtert aufatmen. Das Kind lebte noch. Hatte er es gerade als ihr gemeinsames Kind bezeichnet? Wollte er das Kind etwa auch?
„Unser Kind?“, fragte sie verunsichert an und sah ihm tief in die grünen Augen.
„Ich hoffe doch mal schon. Oder hast du mir was zu beichten?“ Sie erkannte ein Strahlen in seinen Augen, er sah so glücklich aus, wenn er davon sprach. Waren all ihre Ängste umsonst gewesen?
„Aber… ich dachte, du…“ Sie musste nicht weitersprechen, Marc wusste, was sie sagen wollte.
„Hab ich das jemals gesagt? Ich war doch nur erstmal geschockt. Und dann hast du mit deinem Hitzkopf sofort falsche Schlüsse gezogen. Vielleicht waren’s auch die Hormone, was weiß ich…“
„Dann willst du…?“
„Das Kind mit dir bekommen? Ja, und ich bin froh, dass du nicht abgetrieben hast!“ Wieder musste sie ihre Frage nicht zu Ende sprechen, Marc antwortete auch so. Diesmal bildeten sich Tränen der Rührung, das hätte sie nicht von ihm erwartet. Wieso hatte sie sich so in die Angst, allein zu sein, reingesteigert? Es war völlig umsonst gewesen, Marc war für sie da und würde für sie und das Kind sorgen. Sie erwiderte sein Lächeln und sie spürte, wie sich all ihre Muskeln entspannten und ließ sich erleichtert tief in das Kissen sinken. Sie genoss diesen Moment, in dem sie sich so leicht fühlte, zumindest bis sie von einem lauten Grunzen, das sich bald als Schnarchen entpuppte, aufgeschreckt wurde und ihr Blick erstmals auf ihre Mutter fiel, die in einem Stuhl, der nicht sonderlich bequem aussah, an der Wand saß und noch immer zu schlafen schien. Da hatte sie ja eine tolle Leibgarde für sich und ihr Baby gefunden…

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Verena1991 Offline

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13.11.2009 13:45
#219 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Will deine Mutter hier nen Baum fällen oder was?“ Skeptisch sah auch Marc zu Bärbel, die ihren Mund wieder geschlossen hatte und wieder ruhig weiterschlief.
„Normalerweise eigentlich nicht… Aber egal! Wie lange sitzt du da schon? Ich mein, warst du die ganze Zeit da?“ Bedeutete sie ihm doch so viel, dass er nicht von ihrer Seite gewichen war?
„Ne, zwischendurch hab ich gearbeitet! War nur gerade zufällig in der Gegend und dachte, ich schau mal kurz vorbei!“ Er zog ihr einen Arm weg und rieb sich kurz verschlafen die Augen.
„Ach so…“ Enttäuscht sah Gretchen nach unten auf ihre Bettdecke. Sie war ihm anscheinend doch nicht so wichtig.
„Man, Gretchen, du glaubst auch jeden Scheiß, oder? Seh ich so aus, als ob ich zu irgendwas gekommen wär? Ich trage immer noch dasselbe blutige Hemd wie gestern. War übrigens sündhaft teuer…“ Das war doch hoffentlich kein Vorwurf von ihm. Sie hatte es ja nicht mutwillig getan.
„War keine Absicht… Wenn du willst, bezahl ich die Reinigung.“
„Vergiss mal das Hemd, ist doch echt nicht so tragisch.“ Doch kein Vorwurf. Sie sah ihn wieder an und unwillkürlich zog es ihr die Mundwinkel leicht nach oben. „Denk lieber an meinen Wagen. Selbst wenn der noch da ist, die Sitze sind total im Eimer!“ Die fielen aber bei ihr auch nicht weiter ins Gewicht. Neben dem van Gogh und dem Monet waren das ja nur Peanuts. Ihr Blick wurde schuldbewusster und sie sah Marc entschuldigend an.
„Jetzt schau nicht so, ist doch scheißegal! Hauptsache ist doch, dass es euch gut geht!“ Im Gegensatz zu ihr war ihm das Grinsen nicht aus dem Gesicht zu treiben. Sie sollte dringend aufhören, sich ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen. Vor allem, wenn es völlig umsonst war. Marc streckte ihr wieder seine zweite Hand hin und hielt Gretchens wieder ganz fest. Es tat wirklich gut, ihn hier bei sich zu haben. Sie fühlte sich sicher, immerhin hatte er letzte Nacht alles getan, um sie und das Kind zu retten.
„Danke!“, sagte sie schließlich und strich ihm sanft mit einem Finger über die Hand. Zu mehr war sie nicht fähig, umklammerte er ihre Hand ja noch immer ziemlich fest.
„Nicht dafür! Reiner Egoismus! Was hätte ich denn ohne euch machen sollen?“ Anscheinend war er wirklich glücklich, dass alles gut gegangen war. Nicht mal während ihrer Beziehung war er so aufmerksam gewesen. Zumindest nicht ihr gegenüber… Aber daran wollte sie jetzt nicht denken, sie wollte den Moment genießen. Aber da hatte jemand anderes noch was dagegen.

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13.11.2009 19:38
#220 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Margarethe, du bist ja wach!“ Bärbel sprang von ihrem Stuhl auf und lief sofort zu ihrer Tochter. Dabei achtete sie genau darauf, nicht die freie Seite des Bettes zu beanspruchen, sondern den überraschten Marc wegzudrängen und Gretchen erstmal kräftig zu umarmen.
„Ja, Mama, ich hab dich auch lieb.“ Erdrückt von der Liebe ihrer Mutter versuchte Gretchen noch genug Luft zu bekommen und klopfte ihrer Mutter ein paar Mal auf den Rücken, bis diese von ihr abließ. Marc beobachtete das Spektakel skeptisch und hoffte nur, dass Bärbel da nicht gerade ihr Enkelkind zerdrückt hatte. „Herr Meier, Sie können jetzt gehen!“ Bärbel warf Marc einen strengen Blick zu und deutete, dass er sich genug gekümmert hätte.
„Bitte? Äh, ja… Muss sowieso noch schauen, ob mein Auto noch da ist.“ Er warf Gretchen noch einen Blick zu, der ihr deuten sollte, dass er später nochmal vorbeischauen würde und verließ anschließend den Raum. Gretchen ging es soweit ganz gut, ein paar Minuten konnte er sie schon alleine lassen. Gretchen sah ihm noch nach und konnte ihr Glück nicht verbergen, man sah es ihr einfach an. Wider aller Erwartungen hatte ihr Kind einen liebenden Vater, der sich rührend gekümmert hatte. Sie war nicht allein, sie hatte seine Unterstützung.
„Du hast mir wirklich einen ganz schönen Schrecken eingejagt!“ War ja keine Absicht gewesen… Und sie selbst war ja auch mehr als geschockt gewesen.
„Kommt nicht wieder vor!“ Hoffte sie zumindest. Noch einmal würde sie das nicht durchstehen. Aber das würde nicht passieren, ab jetzt würde alles besser werden.
„Das will ich auch stark gehofft haben! Solange dieser Meier dir nicht zu nahe kommt…“
„Mama! Ich kann das selbst entscheiden!“ Sie wusste noch nicht genau, wie sie sich entscheiden würde, aber das lag in ihrer Hand. Ihre Mutter konnte ihr da nicht weiter reinquatschen. Sie konnte für sich selbst Verantwortung übernehmen. Für sich und ihr Kind.
„Du willst ihm doch nicht wirklich verzeihen?“ Ungläubig sah Bärbel ihre Tochter an. Sollte alle Mühe umsonst gewesen sein?
„Weiß nicht… Ich mein, so bin ich ja auch nicht wirklich glücklich… Außerdem wär’s für das Kind auch besser!“ Und das war ja auch das Wichtigste für sie. Vielleicht würde Marc sich durch das Kind ändern können und alles wäre gut.
„Aber Kind, hast du denn vergessen, was der alles getan hat? Was du alles erleiden musstest?“ Konnte ihre Mutter nicht einmal Neutralität bewahren und nicht schlecht über Marc reden? Immerhin gehörte er jetzt zur Familie. Ob sie wollte oder nicht.
„Ich hab gar nichts vergessen! Mama, ich weiß doch auch nicht, was ich tun soll!“ Einerseits konnte sie nicht so tun, als ob nichts gewesen wäre, als ob die ganzen Probleme nie aufgetaucht wären. Andrerseits konnte sie sich einfach nicht gegen ihre Gefühle wehren. Dazu waren die einfach noch immer zu stark. Konnte ihr Saturn nicht einfach nochmal ein Zeichen schicken? So unter Berücksichtigung der neuen Umstände? Oder war das damals allgemein gültig? Für jede Zeit ihres Lebens?

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14.11.2009 00:58
#221 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Am späten Nachmittag kam Mehdi vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Er konnte sie ja nicht ewig hier behalten. Er musste sie gehen lassen. Und das nicht nur aus dem Krankenhaus…
„Und Gretchen, wie geht’s dir denn heute schon wieder?“, fragte der Gynäkologe, als er das Zimmer betrat und die Tür hinter sich zuzog. Bärbel war inzwischen schon nach Hause gefahren. Sie wollte ihrer Tochter den erneuten Anblick des ganzen Blutes ersparen, das würde sie nur unnötig aufwühlen. Wer wusste, wie sie das ertragen würde? Und bevor sie am Ende doch eine Fehlgeburt erlitt, musste man ihr diesen Stress ersparen. Solch ernste Gespräche mit Mehdi brauchte man nicht zu wiederholen.
„Schon viel besser!“ Wie könnte es auch anders sein? Ihr Kind ruhte noch friedlich in ihrem Bauch und Marc stand ihr bei. Auch wenn das Erlebnis so schrecklich gewesen war, fühlte sie sich nun so gut wie schon lange nicht mehr.
„Das ist schön zu hören! Wir machen nachher noch nen Ultraschall zur Kontrolle und dann kannst du auch schon nach Hause.“ Er wollte sie aufmunternd anlächeln, aber so richtig gelingen mochte es ihm nicht. Gretchens Schwangerschaft hatte ihn zwar eigentlich nicht überrascht, aber doch geschockt. Gab eben Schöneres als die Gewissheit, dass die Frau, die man liebte, von einem anderen ein Kind erwartete. Aber vielleicht würde ihm das helfen, sie loszulassen.
„Okay…“
„Ist was? Du klingst so… traurig irgendwie…“, stellte Mehdi fest und sah Gretchen an. Traurig traf es nicht ganz, eher ängstlich. Sie hatte Angst vor dem Ultraschall. Was, wenn doch etwas mit dem Kind wäre?
„Mehdi? Mit dem Ultraschall… Können wir da warten bis Marc wieder da ist?“ Sie wollte da nicht alleine durch. Sie wollte, dass Marc bei ihr wäre und ihr Mut zusprach.
„Klar!“ Wenn es ihr Wunsch war, würde er ihn ihr auch erfüllen. Dennoch behagte ihm der Gedanken nicht ganz, zu sehen, wie glücklich Gretchen und Marc über den gemeinsamen Nachwuchs waren. Marc bekam die Familie, die er nie gewollt hatte, während Mehdi allein dastand.
„Danke! Für alles! Ich will mir gar nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn…“ Sie wollte den Gedanken nicht weiter aussprechen, sie wollte nicht darüber nachdenken.
„Kein Problem! Wir sehen uns nachher beim Ultraschall. Und ich bin sicher, dass alles gut sein wird!“ Er schenkte ihr ein letztes müdes Lächeln und verschwand wieder in sein Büro. Er musste das nicht länger als nötig ertragen. Aber nun war es so und er würde es akzeptieren. Früher oder später…

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14.11.2009 15:12
#222 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Gretchen zählte ungeduldig die Sekunden bis Marc wiederkam. Leider kam sie bei den größeren Zahlen immer wieder raus und musste neu anfangen. Aber so ein Neuanfang musste ja nicht zwingend schlecht sein… Sie war gerade erneut bei 107 Sekunden angekommen, als sie hörte, wie die Türklinke nach unten gedrückt wurde und gespannt wartete sie ab, wer da eintrat.
„Mehdi… du schon wieder.“ Enttäuscht blickte sie ihn an und erleichterte ihm die Situation auch nicht unbedingt. Aber sie war sich so sicher gewesen, dass Marc bald wiederkommen würde und jetzt war er schon Stunden weg.
„Tut mir Leid für die Enttäuschung, aber mit Marc kann ich nicht dienen. Wir müssen jetzt aber wirklich langsam mal den Ultraschall machen.“ Gretchen sah ein, dass er Recht hatte. Sie hätte schon gerne gleich die Gewissheit, dass alles in Ordnung war. Und wer wusste, wann Marc wiederkommen würde? Am Ende würde er erst wieder pünktlich zur Geburt hereinschneien.
„Können wir nicht noch warten?“ Sie wollte einfach unbedingt, dass er dabei war. Das gehörte doch auch dazu. Es war doch wichtig, dass man als Familie zusammenhielt. Mehdi sah sie aber nur verständnisvoll und auch ein Stück weit entschuldigend an. Er glaubte nicht, dass Marc noch kommen würde.
„Wir könnten schon. Aber glaubst du wirklich, dass das etwas bringt?“ Sie ging noch einmal in sich und dachte nach. Sie glaubte nicht wirklich daran. Sie wollte es glauben, aber die Vertrauensbasis war noch nicht wieder hergestellt. Sie richtete sich also langsam auf und setzte ihre Füße auf den Boden. Mit Hilfe ihrer Arme drückte sie sich vom Bett hoch und stand auf. Unsicher stand sie mitten im Raum und zweifelte, ob das wirklich jetzt nötig war. Vielleicht würde er doch noch kommen… Sie sah den ungeduldigen Blick von Mehdi, der darauf wartete, dass sie ihm folgte.
„Aber was ist wenn…?“
„Dann kommt er eben zum nächsten Ultraschall! Wie lange willst du noch warten? Es ist deine Entscheidung, aber wenn du mich fragst, dann sollten wir es jetzt machen.“ Ganz langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen und folgte ihm. Sie blieb nicht stehen, gab Marc aber doch noch die Chance vorbeizuschauen und die Möglichkeit ihr Kind das erste Mal zu sehen. Das Kind, das er ja mit ihr wollte. Hoffentlich kam er bald mal auf die Idee, nach ihr zu sehen und ihr wieder unterstützend zur Seite zu stehen.

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14.11.2009 16:00
#223 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Von Marc war noch immer keine Spur, als Gretchen auf dem frauenärztlichen Stuhl Platz nahm und sich auf die Untersuchung gefasst machte. Gab auch bestimmt Schöneres als einen inneren Ultraschall, der noch dazu vom Ex-Freund gemacht wurde, der zu allem Übel auch noch Gefühle für sie hatte. Aber was sein muss, muss sein. Die Hoffnung auf Marcs Erscheinen hatte sie mittlerweile auch aufgegeben und wollte das jetzt einfach so schnell wie möglich hinter sich bringen. Mehdi wollte gerade mit dem Ultraschall beginnen, als die Tür aufflog und Marc sie doch noch mit seiner Anwesenheit beehrte. Er sah sich kurz in dem Raum um und sein Blick fiel schließlich auf Mehdi, der gerade vor der untenrum entblößten Gretchen saß. Dieser Anblick gefiel ihm ganz und gar nicht und war wohl allen Beteiligten ziemlich unangenehm.
„Was genau wird das?“ Die Eifersucht in Marcs Stimme war nicht zu überhören, doch Mehdi versuchte, diese zu übergehen.
„Ein Ultraschall!“ Mehdi schenke Marc ein kurzes, möglichst freundliches Lächeln, welches dieser aber nicht bereit war zu erwidern.
„Und wieso so? Finger weg von der Vagina meiner Freundin!“ Die Worte kamen aus seinem Mund ohne gründlich durchdacht worden zu sein. Gretchen stutze sehr über seine Wortwahl. Seit wann waren sie denn wieder zusammen? Und sollte sie nicht eigentlich davon wissen? Dennoch fühlte es sich unbestreitbar gut an, wenn er sie so bezeichnete. Nur entsprach es eben nicht der Wahrheit. Noch nicht.
„Freundin?“, fragte Gretchen nach, doch Marcs Blick galt nunmehr nur noch dem Fußboden. „Hab ich da nicht auch noch was mitzureden?“
„Ähm… Hab ich Freundin gesagt? Weiß ich gar nicht mehr!“ So ließ sie ihn aber nicht davonkommen. Der konnte doch nicht ernsthaft glauben, dass sie das so stehen lassen würde.
„Hast du aber gesagt!“
„Ich will mich ja nicht einmischen, aber ich würd jetzt ganz gerne mal weitermachen. Könnt ihr das später klären?“, beendete Mehdi den aufkeimenden Dialog zwischen Gretchen und Marc.
„Schon klar, dass du weitermachen willst! Aber du wirst das ganz bestimmt nicht machen!“ Marc kam mit erhobenem Finger auf Mehdi zu, um seiner Aussage Ausdruck zu verleihen.
„Wer denn dann? Doktor Gruber macht gerade einen Kaiserschnitt, die hat keine Zeit!“
„Dann mach ich’s noch lieber selbst als dich da ranzulassen!“
„Hallooooo? Hab ich da vielleicht auch noch was mitzureden?“ Gretchen sah die beiden an, war ja nicht zu fassen, was sie da hörte. Als ob sie Marc das machen lassen würde… Sie spürte die zwei Augenpaare der beiden Männer auf sich ruhen und fuhr dann fort. „Gut! Dann kommst du…“ Sie deutete auf Marc und zeigte dann mit dem Finger neben sich. „hier her und du…“ Ihr Blick richtete sich auf Mehdi. „machst den Ultraschall!“ Ganz offensichtlich hatten die Herrschaften nur einen kleinen Anstoß gebraucht, denn ohne Widerworte und nur etwas murrend folgten sie ihren Anweisungen.

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Verena1991 Offline

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14.11.2009 18:10
#224 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Kannst du nicht wie normale Ärzte auch nen normalen Ultraschall von außen machen?“, fragte Marc, der skeptisch beobachtete, wie Mehdi das Ultraschallgerät einführte. Das ganze Spektakel gefiel ihm einfach nicht, das war sein Revier. Da hatte niemand etwas zu suchen, und erst recht kein Mehdi.
„Könnte ich. Aber da sieht man dann nichts!“ Unbeirrt fuhr Mehdi fort und ließ Marc keine andere Möglichkeit als das Geschehen kritisch zu beäugen.
„So sieht man auch nichts!“ Marc starrte auf den Bildschirm, konnte aber nichts erkennen, was annähernd einem Fötus gleichkam. Wäre hier Gabi neben ihm auf dem Stuhl, würde er glatt sagen, dass die Schwangerschaft nur vorgetäuscht war.
„Sei doch mal etwas geduldig!“, ermahnte ihn Gretchen und schaute selbst gebannt auf den Bildschirm. Marc hingegen verstand nicht, was daran so interessant war. War doch alles einfach nur schwarzweiß.
„Davon geht das auch nicht schneller!“ Gretchen rollte nur mit den Augen und widmete sich wieder dem Monitor. Sie war ja auch nicht die Geduldigste, aber Marc war doch eine ganze Ecke schlimmer.
„Und da hätten wir es auch schon!“, unterbrach Mehdi das ungeduldige Warten und zeigte auf den Bildschirm. „Sieht alles gut aus!“ Gretchen atmete erleichtert aus und genoss dann in Ruhe den Anblick ihres ungeborenen Kindes. Für sie war es auch noch lange keine Routine, sie hatte doch noch Angst, dass das Herz nicht mehr schlagen könnte. Auch Marcs Augen waren nun einzig und allein auf das kleine Wesen gerichtet, das man kaum erkennen konnte. Egal, wie klein es war, er wusste schon jetzt, dass das das Größte war, was er jemals hervorgebracht hat. Zusammen mit Gretchen hatte er dieses kleine Wunder geschaffen. Er wollte gar nicht dran denken, was gewesen wäre, wenn Gretchen abgetrieben oder sogar eine Fehlgeburt erlitten hätte.
„Und? Was sagst du?“ Glücklich strahlte Gretchen den werdenden Vater an und wartete auf seine Reaktion. Der wusste aber noch gar nicht, was er sagen sollte. Mir Gefühlsduseleien würde er garantiert nicht anfangen, obwohl er eigentlich innerlich gerade ziemlich emotional war. Aber bevor sich Gretchen wieder in etwas hineinsteigerte, musste er doch etwas sagen.
„Ist ganz nett.“ Nicht ganz das, was Gretchen hören wollte, aber für seine Verhältnisse war das doch pure Freude. Deshalb bohrte sie nicht weiter nach und ließ ihn weiter seinen Gedanken nachkommen. Sie wusste ja, dass einem viel durch den Kopf ging, wenn man das Kind zum ersten Mal sah. Und bei Marc war das auch nicht anders.

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Verena1991 Offline

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14.11.2009 23:01
#225 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Mit dem neusten Foto des Nachwuchses ausgestattet, verließen Gretchen und Marc zusammen das Zimmer. Gretchen betrachtete noch eine Zeit lang einfach nur den Abzug des Ultraschalls bis sie ganz deutlich Marcs Blick spürte. Sie sah zu ihm und seine Augen schwenkten immer wieder von dem Bild zu ihr und zurück.
„Willst du das vielleicht behalten?“ Sie hielt ihm das Foto hin und er sah sie erstmal überrascht an. Er war ja auch nicht unbedingt der Typ, der Fotos in seinem Portemonnaie rumschleppte. Aber bis jetzt war ihm auch noch niemand so wichtig gewesen. Er würde ja auch ein Foto von Gretchen bei sich tragen, wenn er denn eins hätte.
„Kann ja nicht schaden!“ Er griff nach dem Bild und zog es an sich. „So ein Bild vom eigenen Sohn kann man ja immer mal gebrauchen!“ Er grinste Gretchen an, wie es typisch für ihn war.
„Sohn?“ Provokativ verschränkte sie die Arme vor der Brust und sah ihn auch entsprechend an.
„Ja klar, was sonst?“ Mindestens genauso provokativ lächelte er zurück.
„Eine Tochter vielleicht? Wieso denken alle Männer immer nur, dass sie Söhne bekommen?“
„Also bei mir ist das doch wohl klar! Steckt eben zu viel Mann in mir, um ne Tochter zu bekommen!“ Er holte kurz sein Portemonnaie aus der Hosentasche und steckte das Ultraschallfoto rein.
„Über eine Tochter würdest du dich nicht freuen oder was?“ Nun lag es an ihr, die Ehre der Frauen zu verteidigen. Seit ihrem unheimlichen Traum hatte sie fest das Bild einer Tochter im Kopf.
„Hab ich nicht gesagt. Steht aber auch gar nicht zur Debatte! Aber kommst du jetzt bitte? Oder willst du hier sesshaft werden?“ Und da war die altbekannte Ungeduld von vorher schon wieder. Dabei musste sie vorhin auch ewig auf sein Auftauchen warten.
„Wo warst du vorher eigentlich so lange? Ich hatte schon früher mit dir gerechnet!“, lenkte sie das Thema nun auf ihn und ging neben ihm her.
„Hast du mich etwa schon vermisst?“ Mit einer Leichtigkeit drehte er den Spieß wieder um und drängte sie in die sprichwörtliche Ecke. Während er auf ein ‚Ja’ hoffte, wollte Gretchen ihm das nicht gestehen. Diese Genugtuung würde sein Ego ins Unermessliche steigen lassen.
„Vermisst? Ähm, naja, nicht direkt. Hab mich nur gewundert, wo du so lang warst…“ Klang bestimmt sehr überzeugend… Selbst glaubte sie ja auch nicht daran, wie sollten es dann andere tun?
„Schon klar!“ Marc glaubte es auch nicht. War doch eindeutig, dass er ihr alles andere als egal war. Die Hoffnung auf eine Versöhnung gab er jedenfalls nicht auf.
„Ja, ist klar!“ Der Versuch ihre Aussage dynamisch zu unterlegen, scheiterte ebenfalls. Leider zeigte sie ihre Gefühle einfach immer viel zu offen. Zusammen gingen sie auf den Parkplatz zu Marcs Auto.
„Doch nicht geklaut?“ Ihre Haftpflicht würde einen Luftsprung machen. Sie setzte sich auf den Beifahrersitz, der vorsorglich mit einer Decke versehen war, und Marc setzte sich hinters Steuer.
„Nein! Lag vielleicht daran, dass es so aussieht, als wäre auf dem Beifahrersitz ein Mord passiert. Oder es traut sich einfach niemand Gott zu beklauen!“

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