Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Willkommen im Doctor´s Diary Fan-Forum!
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 359 Antworten
und wurde 93.599 mal aufgerufen
 Abgeschlossene Fortsetzungen!
Seiten 1 | ... 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | ... 15
Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

04.11.2009 22:21
#176 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Nachdem Marc doch irgendwie noch in sein Bett gefunden hatte und auch Gretchen nach langem Nachdenken eine Portion Schlaf gefunden hatte, trafen sich beide am nächsten Tag im Krankenhaus wieder.
„Na Marc, Rausch ausgeschlafen?“, fragte Gretchen von ihrem Stuhl aus, als ein noch immer verkatert wirkender Marc ins Stationszimmer kam.
„Mhm… Hast du die Kollegennummer endgültig aufgegeben?“
„Weiß nicht, vielleicht…“
„Sag mal, woher weißt du eigentlich davon? Und warum verdammt ist es so hell hier?“ Da hatte anscheinend jemand einen Blackout…
„Weil die Sonne scheint. Und zu dem Ersten… Du wolltest mir nach meinem Date noch einen kleinen Besuch abstatten.“ Bei Erwähnen ihres Dates murrte Marc kurz auf, bevor er hörte, was sie danach sagte.
„Besuch?“
„Du erinnerst dich echt nicht, oder?“
„War vielleicht ein Bierchen zu viel…“ Oder eher fünf. Aber was tat er nicht alles, um Gretchen zu vergessen. Aber das schaffte er anscheinend nicht mal im Rausch. Hoffentlich hatte er da nichts Peinliches von sich gegeben. „Was… hab ich denn so gesagt?“
„Also es war alles eher gelallt. Und ganz wirres Zeugs, irgendwas von wegen, ich wäre die Einzige für dich. War wahrscheinlich nur so dahergesagt, oder?“ Erwartungsvoll sah sie ihn an und hoffte, dass er hier nochmal dazu stehen würde. Sie wusste nicht, ob das etwas ändern würde, aber sie wollte es dennoch hören. Sie wollte aus seinem Mund klar die entscheidenden Worte hören. Sie musste einfach wissen, was Sache war und was sie ihm bedeutete.
Marc dachte darüber nach, was er sagen sollte. Könnte gut sein, dass er so was gesagt hatte, denn es stimmte ja. Blöderweise konnte er sich an nichts von gestern Abend erinnern. Das letzte, was er wusste war, dass er bei Mehdi in der neuen Wohnung war und sich ein paar Bier genehmigt hatte, bevor Mehdi ihm ein Taxi gerufen hatte, was ihn nach Hause bringen sollte. Aber was danach kam, wusste er nun wirklich nicht mehr. Hoffentlich hatte er sich nicht total zum Affen gemacht. Er sah in Gretchens Augen und glaubte, so etwas wie Hoffnung darin zu erkennen. Was würde passieren, wenn er sagte, dass das nicht nur dahergesagt war? Würde sie ihm alles verzeihen und sie würden schnellstmöglich in sein Büro, um dort hemmungslosen Sex auf dem Schreibtisch zu haben? Oder würde er sich total blamieren und sie würde ihm klarmachen, dass es endgültig vorbei war und er sich seine Gefühle sonst wohin stecken könnte? Dann hieße es wohl jetzt Alles oder Nichts.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

04.11.2009 23:25
#177 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Ja, also… Also es ist so… Ich weiß jetzt nicht genau, was ich da gesagt habe, aber… also nur so rein theoretisch…“, stotterte Marc vor sich, noch immer unsicher, was er jetzt sagen sollte.
„Marc! Komm zum Punkt! Hast du es so gemeint? Ja oder Nein?“ Sie setzte ihm die Pistole auf die Brust, bevor er noch die ganze Schicht mit seinen Wortfetzen bereicherte. Sie wusste ja, dass er schwer zu seinen Gefühlen stehen konnte, aber es war Zeit, dass er mal klar Stellung bezog.
„Vielleicht…“ Vielleicht? Wie kann man so etwas vielleicht meinen? Entweder es war so oder nicht! War das wieder nur seine Masche, um sie reserviert zu halten? Aber das wollte sie so nicht mehr! Sie konnte nicht länger warten, bis er sich mal sicher war. Aber dazu hatte sie ja jetzt Dennis, der würde garantiert nicht so mit ihren Gefühlen jonglieren.
„Sag mir Bescheid, wenn du’s sicher weißt! Bis dahin sollten wir dann aber vielleicht weiterarbeiten!“ Sie stand auf und ging an ihm vorbei aus dem Raum. Gab ja keinen Grund, weiter hier zu bleiben.
Marc sah ihr nach und hatte wieder das starke Bedürfnis, sich selbst zu ohrfeigen. Würde er auch tun, wenn er keine Angst haben müsste, dass ihn dann eine vorbeischleichende Krankenschwester in die Klapse einliefern lässt. Welcher Mensch bei gesundem geistigem Bewusstsein schlägt sich schon selbst ins Gesicht? Wobei er an seinem Geisteszustand schon zweifeln könnte. Sie hatte ihm doch die perfekte Vorlage geliefert. Eine einfache Ja-oder-Nein-Frage. Ein ‚Ja’ hätte bestimmt nicht mehr wehgetan als sein ‚Vielleicht’. Es wäre nur ein kleines Wort gewesen, nur zwei kleine Buchstaben. Und er erhöhte auf zehn Buchstaben. Das hatte doch nur unnötig Zeit gekostet. Und das nicht nur in diesem Moment, sondern auch dauerhaft. Jetzt würde es noch länger dauern, bis er Gretchen eventuell mal wieder in den Armen halten konnte. Vielleicht hätte ein einfaches Bejahen ihrer Frage sie ihm schon zurückgebracht. Oder zumindest wieder stärker in seine Richtung geschubst. Aber so musste er sich wieder eingestehen, dass er mal wieder Mist gebaut hatte. Dabei wäre die richtige Antwort so einfach gewesen…

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

05.11.2009 00:21
#178 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Die Wochen verstrichen und Marc war immer noch nicht schlauer, was er in Bezug auf Gretchen tun sollte. Aber so konnten sie nicht weiterleben. Bei jeder zufälligen Berührung im OP zuckten sie zurück und die Konzentration fiel beiden schwer. Marc konnte jedoch besser mit der Situation umgehen und machte seine Arbeit gut, während Gretchen sich noch immer über ihren Posten als zweite Assistenz beklagte. Das ärgerte sie noch mehr, zumal sie doch wusste, was der Knechtelsdorfer nebenberuflich noch so alles machte. Und da ihre Mutter da selbst mitgemacht hatte, konnte sie ja nichts darüber sagen. Dafür lief es mit Dennis ganz gut. Sie hatten sich einige Male getroffen, bewahrten aber noch eine gesunde Distanz zueinander. Und jetzt gerade saß er gerade mit einem Richter beisammen und besprach das Ende von Gretchens Ehe. Die ging nervös vor dem kleinen Büro im Gericht auf und ab und wartete, dass die Besprechung bald vorbei war und sie wieder frei. Sie hielt sich die Hand auf den Bauch, ihr wurde ganz schlecht von dieser Situation. Kein Wunder, wenn man bedachte, worum es ging. Sie schluckte schwer und versuchte ein Erbrechen zu unterdrücken. Gespannt sah sie auf, als sich die Tür öffnete und Dennis und ein älterer Mann daraus kamen und sich zum Abschied nochmal mit einem festen Händedruck die Hände schüttelten. Mit einem gekonnten Pokerface, das man als Anwalt wohl gut gebrauchen konnte, kam Dennis auf sie zu und blieb vor ihr stehen.
„Ja, und?“, fragte Gretchen voller Spannung und versuchte etwas aus seiner Miene lesen zu können.
„Also, wir haben uns lange beraten und ich hab ihm den Sachverhalt genaustens erklärt. Und jetzt…“ In diesem Moment hätte sie ihn umbringen können. Ihr war kotzübel und er zögerte es auch noch hinaus. Als hätte sie nicht lange genug gewartet. „Jetzt warst du offiziell nie mit einem Alexis von Buren verheiratet!“ Er grinste sie triumphal an und ihr entwich ein fröhliches Quietschen. Voller Freude sprang sie ihm in die Arme und feierte so erstmal ihre Freiheit. Endlich konnte sie mit diesem Kapitel abschließen. Sie zog ihren Kopf von seiner Schulter und sah ihm in die Augen, bevor sie sich zu einem Kuss hinreißen ließ. In dem Moment, in dem sie seine Lippen berührte, wurde ihr bewusst, dass sie ihn nicht liebte und vermutlich auch nie lieben würde. Er war einfach nicht Marc, dessen Küsse ihr den Atem raubten und die Welt um sie herum vergessen ließen. Aber sie vertraute Dennis und er gab ihr das Gefühl von Geborgenheit. War das vielleicht wichtiger als Liebe? War das das Rezept zum Glück? Sie löste ihre Lippen und sah in die erstaunten, aber glücklichen Augen des Anwalts. Sollte sie es wagen? Es einfach mal versuchen? Unsicher sah sie ihn an, sein Lächeln aber bestärkte sie, ihm eine reele Chance zu geben und nicht gleich wieder von sich zu stoßen. Zu verlieren hatte sie nichts, sie konnte nur gewinnen.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

05.11.2009 00:37
#179 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Ein peinliches Schweigen herrschte, als die beiden vom Gericht aus zu Dennis’ Wohnung fuhren. Beiden war nicht ganz klar, was das zwischen ihnen jetzt war. Eine Beziehung, eine Affäre oder doch etwas vollkommen anderes? Nach dem Kuss hatte er sie jedenfalls auf nen Kaffee zu sich nach Hause eingeladen. Und wehe, es gab keinen Kaffee, was andres würde er von ihr jedenfalls nicht bekommen! Nicht solange sie nicht ganz klar wusste, was da war und wohin es führen könnte. Sie betraten die Wohnung und Gretchen dachte erst, sie wären in der Staatsbibliothek gelandet. War vielleicht etwas übertrieben, aber das waren die Massen an Büchern und Lexika auch. Sie hatte natürlich auch einige Fachbücher, aber in gesunden Mengen. Und auch sonst sagte ihr die Kombination aus schwarz, weiß und einigen Grautönen eher wenig zu. Dagegen war Marcs Wohnung ein Farbenparadies. Und ihr Zimmer war eine geplatzte Bonbontüte. Sie setzte sich auf das weiße Sofa und wartete auf Dennis, der in der Küche tatsächlich Kaffee machen wollte. Den würde sie aber besser nicht hier auf der Couch trinken, sie konnte die Braunfärbung der Garnitur schon vor sich sehen. Und da das auch nicht ins Ambiente des Raumes passte, musste sie das unbedingt vermeiden. Nach einiger Zeit traute sie sich, sich zurückzulehnen und atmete einmal tief aus. Nun war sie endlich nicht mehr verheiratet und frei für was Neues. Leider war Marc ja nun nicht mehr dafür bereit. Das ‚Leider’ wollte sie sich ganz schnell aus dem Kopf schlagen, sie sollte froh sein, Marc hinter sich zu lassen. Auch wenn sie sich nicht sicher war, ob sie das auch wirklich wollte. Bevor sie weiter über Marc nachdenken konnte, kam aber schon Dennis herein und stellte ihr die Kaffeetasse auf den gläsernen Couchtisch. Den konnte man wenigstens leicht abwischen.
„Danke!“, sagte sie schüchtern und rutschte auf der Couch nach vorne, um die Tasse zu nehmen. Sie atmete den Geruch des Kaffees ein und dabei wurde ihr wieder ganz übel. War vielleicht doch zu viel Schokolade heute gewesen, die schlug ihr jetzt ganz schön auf den Magen.
„Geht’s dir nicht gut?“ Dennis hatte ihr Unwohlsein bemerkt und fragte besorgt nach. Gretchen stellte daraufhin die Tasse wieder hin und versuchte die Übelkeit durch tiefes Atmen zu vertreiben.
„Kann ich mal eben ins Badezimmer?“ Das schlechte Gefühl wollte einfach nicht weggehen, sondern wurde nur immer noch schlimmer.
„Den Gang raus, zweite Tür rechts!“ Prompt folgte sie seinen Worten und stürmte aus dem Wohnzimmer.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

05.11.2009 12:44
#180 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Minuten später war sie noch immer in innigster Umarmung mit der Kloschüssel und schnaufte erschöpft aus. So eine Eheannullierung geht einem ganz schön auf den Magen. Nachdem sich dieser wieder etwas beruhigt hatte, stand sie langsam auf und schleppte sich zurück ins Wohnzimmer.
„Tut mir Leid, war wohl einfach alles ein bisschen viel in letzter Zeit.“
„War bestimmt viel Stress, hm? Oder hast du irgendwas Schlechtes gegessen?“ Im Grunde hatte sie nur viel gegessen. Aber wenn man Schokolade als schlecht bezeichnen wollte, dann hatte sie was Schlechtes gegessen, ja.
„Weiß nicht genau… Aber geht schon besser jetzt! Ist mir aber echt peinlich jetzt…“
„Ach Quatsch, ist ja nicht deine Schuld! Soll ich dich lieber wieder nach Hause fahren?“ Gretchen überlegte kurz und wog die Vor- und Nachteile ab. Es stand ein gemütliches Bett gegen eine nervende, sich zu viele Sorgen machende Mutter. Aber hier wollte sie nicht länger bleiben, erst recht nicht, wenn weiter diese ekelhafte Brühe, die Dennis Kaffee nannte, auf dem Tisch stand. So fiel das Gleichgewicht zugunsten ihres Zuhauses aus.
„Das wäre nett. Ich leg mich besser erstmal hin, danach bin ich garantiert wieder topfit!“, sagte sie selbst wenig überzeugt davon. In der Regel gönnte sie sich schon immer ein paar Tage Bettruhe. Wäre auch ganz praktisch, wenn sie Marc nicht sehen müsste. Noch immer leicht benommen stieg sie zu ihm in den Wagen und ließ sich nach Hause kutschieren, wo sie von ihrer Mutter besorgt ausgefragt wurde, was mit ihr los sei. Gretchen löste sich schnellstmöglich aus der Befragung, indem sie sagte, dass sie sich gerne gleich hinlegen wollte. Und das tat sie dann auch. Sie kuschelte unter ihre wärmende Decke und schlug sich die Arme um den Bauch, als sie die Übelkeit erneut übermannte. Hoffentlich war es keine Lebensmittelvergiftung, das wäre ja noch schöner. Aber immerhin hätte die Kloschüssel dann die nächsten Tage eine gute Freundin, die sich mehrmals am Tag mit ihr unterhielt. Und um die Arbeit machte sie sich auch weniger Gedanken, Marc und der Knechtelsdorfer, das neue Dreamteam, kamen bestimmt bestens ohne sie zurecht. Dann könnten sie im OP bestimmt auch schön über Gretchen lästern. Dieser Gedanke machte Gretchen ziemlich wütend, vielleicht sollte sie doch zur Arbeit! Aber sie beschloss, einfach mal abzuwarten, wie es ihr morgen gehen würde, erst dann würde sie entscheiden, ob sie fit genug für Marc und seine Sprüche war.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

05.11.2009 17:03
#181 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Nach einer relativ ruhigen Nacht wachte sie mit einem umso schlechteren Zustand wieder auf. Stürmisch begrüßte sie die Kloschüssel und würgte ihr einen ‚guten Morgen’ rein. Danach schnappte sie sich ihr Handy und schleppte sie sich mühsam in ihr Bett zurück. Sie musste Marc ja noch sagen, dass sie nicht zur Arbeit kommen könnte. Schnell wählte sie die Nummer, die sie schon auswendig in ihrem Kopf eingespeichert hatte, und wartete nervös darauf, dass er sich am andren Ende meldete.
„Meier?“ Der klang ja ziemlich mürrisch, aber vielleicht würde ihn die Nachricht ihrer Erkrankung ja glücklicher stimmen.
„Marc, ich bin’s…“ Eigentlich könnte er es ihr schon an ihrer schwachen Stimme anhören, dass es ihr nicht gut ging.
„Gretchen!“ Beim Wahrnehmen ihrer Stimme wurde seine weicher und freundlicher, vielleicht sollte er das nächste Mal aufs Display schauen, wer da anrief. „Was ist los?“
„Mir geht’s nicht gut, ich bleib lieber zu Hause.“
„Was hast du denn?“, fragte er nach und Gretchen glaubte so etwas wie Besorgnis in seiner Stimme zu hören.
„Weiß nicht, vielleicht ne Lebensmittelvergiftung…“ Marc erwiderte erstmal nichts und Gretchen musste etwas auf die Antwort ihres Oberarztes warten.
„Soll ich… nachher mal, ähm… vorbeischauen? Also nur so für seine Gesundheit, als dein Arzt!“ Konnte es sein, dass der sich wirklich Sorgen machte? Ging es ihm dabei um sie persönlich oder nur darum, dass er wen zum Schikanieren und zum Halten der Haken brauchte?
„Danke, aber das muss nicht sein. Geht bestimmt auch bald wieder vorbei…“ Offenbar überlegte Marc, was er nun sagen sollte, denn es dauerte wieder etwas bis er die Stille durchbrach.
„Gut, dann… dann seh ich mal, wie ich die Schicht ohne dich rumbekomme. Gute Besserung, werd schnell wieder gesund, ja?“ Wieso konnte er sonst nicht auch so lieb sein? Wie schön wäre es, wenn er doch vorbeischauen und sich um sie kümmern würde.
„Ich werd’s versuchen. Also vielleicht bis morgen!“
„Ja… bis morgen oder so!“, verabschiedete sich auch Marc, legte aber noch nicht auf. Genauso wenig wie Gretchen, die ihr Handy auch noch immer ans Ohr hielt und darauf wartete, dass er auflegte. Aber irgendetwas hielt beide davon ab, die Verbindung zwischen ihnen zu trennen.
„Also… ich leg dann mal auf, denke ich…“, griff Gretchen das Gespräch nach einiger Zeit wieder auf.
„Ja, mach das! Ich muss dann auch mal arbeiten…“ Aber wieder hatten beide den Hörer weiterhin am Ohr und lauschten dem leisen Surren in der Leitung.
„Gut, dann Tschüß!“ Erst das erneute Aufkommen von Brechreiz trieb Gretchen dazu aufzulegen und schnell zu ihrer alten Freundin, der Toilette, zu rennen.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

05.11.2009 18:13
#182 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Den restlichen Tag verbrachte sie weiterhin im Bett und die Übelkeit war auch weitgehend verschwunden. Morgen könnte sie vielleicht schon wieder arbeiten gehen. Und Gott sei Dank würde Marc nicht noch vorbeikommen, der dachte am Ende doch bestimmt, sie hätte nur simuliert. Abends war sie schon wieder kurz vorm Einschlafen, als sie die Klingel doch noch einmal in die Realität zurückrief. Selbstverständlich blieb sie liegen, ihre Mutter war schließlich da, um zu öffnen. Stattdessen versuchte sie zu lauschen, wer da noch etwas von ihnen wollte. Sie wartete ja noch immer auf die Antwort eines Preisausschreibens. Ein Jahresvorrat an Schokolade. Wobei sie da ja schon gerne gewusst hätte, wie die einen Jahresvorrat definierten. Aber egal, es ging um Schokolade. Während sie sich schon in einem Berg von Schokolade sah, stürmte Marc in ihr Zimmer und gleich hinter ihm noch immer ihre Mutter.
„Margarethe, es tut mir Leid, aber der Herr Meier ist einfach so reingeplatzt! Ich wollte ihn ja noch aufhalten, aber…“
„Aber mich kann keiner aufhalten! Außerdem bin ich Doktor Meier, so viel Zeit muss sein!“ Er setzte sich zu Gretchen ans Bett und sah sie an. Dieser besorgte Blick bedeutete ihr mehr als 1000 Tafeln Schokolade, sie hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass er doch noch kommt. „Und wie geht’s dir?“
„Also, ich muss doch sehr bitten! Lassen Sie doch endlich meine Tochter in Ruhe!“
„Mama! Es ist schon okay. Ich bin alt genug, um auf mich selbst aufzupassen!“
„Ich werde dich keinesfalls mit dem Herrn Meier allein lassen!“
„Doktor!“, warf Marc schnell ein und fügte bei Bärbels fragendem Blick noch hinzu: „Es heißt Doktor Meier!“ Bärbel reagierte nicht weiter auf diesen Einwurf und fuhr unbeirrt fort.
„Ich habe nicht vergessen, was der dir angetan hat und du kannst das auch nicht vergessen!“ In diesem Moment wurde die Klingel erneut betätigt und sehr zu ihrem Leidwesen war Bärbel gezwungen, nach unten zu gehen. Hoffentlich würde sie gleich mit Gretchens Schokoladenvorrat wiederkommen.
„Also wie geht’s dir jetzt?“, fragte Marc erneut nach.
„Geht schon wieder ganz gut, heut Morgen war’s nur ziemlich heftig.“ Vorsichtig legte Marc ihr seine Hand auf die Stirn und fühlte ihre Temperatur.
„Fieber hast du jedenfalls keines.“
„Ich hab doch gesagt, mir geht’s wieder gut!“ Marc zog seine Hand zurück, was Gretchen doch etwas enttäuschte. Trotz allem fühlte sie ihn noch immer gerne.
„Brauchst du sonst noch was?“
„Nein… Aber Danke, dass du vorbeigekommen bist!“
„Klar, ich hab mir eben so ein paar Sorgen gemacht. Ich meine… du bist ja im Grunde doch meine beste Assistenz… und meine liebste auch.“

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

05.11.2009 23:27
#183 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Mit einem ehrlichen Blick sah er sie an und brachte sie wieder in ein riesiges Gefühlschaos. Sollte sie an seine Unschuld glauben? Konnte sie das? Jedenfalls wollte sie es, aber es fiel ihr einfach so verdammt schwer, nach allem, was er sich geleistet hat. Es ging eben nicht so leicht nach all dem, was sie gesehen hat. Marc rutschte ein Stück näher an sie heran und hielt ihren Blick noch immer mit seinen Augen gefangen. Das Knistern zwischen den beiden wurde jäh durch ein Poltern auf der Treppe unterbrochen und gleich darauf kam Dennis ins Zimmer, ihre Mutter wieder im Schlepptau.
„Margarethe, schau mal, wer da ist! Der Herr Altmann hat sich Sorgen gemacht!“ Neumann, dachte Gretchen bei sich, hatte aber keine Lust, sie wieder zu korrigieren. Aber wie gut, dass Bärbel ihr nochmal ganz genau gesagt hat, wer da war, allein wär Gretchen ja nie darauf gekommen. Und wieso durfte sich Dennis Sorgen machen, aber Marc nicht?
„Hey Gretchen, wie geht’s dir?“, fragte nun auch Dennis mit einem eifersüchtigen Blick auf Marc.
„Der Herr Meier…“
„Doktor Meier!“, korrigierte Marc Bärbel wieder sofort.
„Ja, der auch… also der wollte eh gerade gehen, wir lassen euch dann also lieber allein.“ Bärbel deutete Marc mit ihrem Blick, dass er jetzt das Haus verlassen sollte, aber so einfach ließ der sich nichts vorschreiben.
„Ich glaube nicht, dass Sie zu entscheiden haben, wer hier bleibt und wer nicht!“
„Meine Tochter braucht Ruhe!“
„Aber der Anwaltsfutzi darf bleiben? Außerdem geht’s Gretchen schon wieder gut, hat sie selbst gesagt!“ Gretchen wollte ihm gerade Recht geben, als sich Dennis wieder einmischte.
„Doktor Meier, wir sind Ihnen dankbar, dass Sie Gretchens Gesundheitszustand überprüft haben, aber ich wäre mit meiner Freundin jetzt gerne einen Moment allein!“ Sobald sie dieses Wort hörte, wurde ihr wieder klar, dass das nicht das war, was sie wollte. Auch Marc starrte ungläubig zu dem andren Mann auf und hatte Mühe, seine Kinnlade oben zu halten.
„F…F…Freundin?“, stammelte er und in seinen Augen konnte man Trauer und Enttäuschung sehen. Es war zu spät, er hatte Gretchen verloren. Er stand langsam auf und sah nochmal unsicher zu Gretchen, die noch nicht wusste, was sie sagen sollte. Sie wollte Dennis ja auch nicht verletzen. „Ich… geh dann mal!“ Er stand auf und ging aus dem Zimmer, was Bärbel und Dennis zufrieden beobachteten. Erst jetzt schaltete sich Gretchens Gehirn ein und nach langer Zeit des Liegens stand sie in ihrem rosa Lieblingspyjama auf, um ihm nachzulaufen.
„Marc, nein! Warte doch bitte!“ Er hatte die Haustür schon geöffnet, als Gretchen ihn einholte. „Bitte! Es ist nicht so…“
„Schon gut! Ich hab’s verbockt und muss jetzt die Konsequenzen tragen. Die Konkurrenz schläft nicht…“ Er versuchte sich an einem Lächeln, was aber kläglich scheiterte, bevor er durch die Tür nach draußen zu seinem Wagen ging.
„MARC!“, rief ihm Gretchen noch hinterher, aber Marc drehte sich nicht mehr um. Traurig ging er weiter und ließ eine ebenso unglückliche Gretchen an der Tür zurück.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.11.2009 00:25
#184 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Sie war doch selbst daran Schuld, wieso wollte sie Dennis auch eine Chance geben? Sie hätte wissen müssen, dass das nicht funktionieren konnte, solange ihr Herz noch Marc gehörte und sie ihn tagtäglich sehen musste. Aber jetzt war sie in dieser Situation, sie war in dieser ‚Beziehung’ mit Dennis. Und jetzt musste sie entscheiden, ob sie ihr Herz weiter belasten wollte oder seines brechen wollte. Beides schien ihr keine tolle Lösung zu sein, aber es musste zwangsläufig eine Entscheidung her. Sie ging zurück ins Haus und machte sich nachdenklich und trübselig wieder auf den Weg in ihr Zimmer.
„Was sollte das? Wieso läufst du diesem Idioten hinterher?“ Dennis durchlöcherte sie gleich mit Fragen, als sie sich auf ihr Bett setzte und traurig zu Boden sah. Ja, Marc war ein Idiot, aber er war gerade ein so liebevoller Idiot gewesen. Und so enttäuscht wie er auf die Beziehung reagiert hatte, mussten da doch seinerseits auch Gefühle sein.
„Margarethe, du kannst doch nicht einfach so weglaufen und deinen Freund…“ Sie blickte zu Dennis und ihre Miene erhellte sie schlagartig bei Erwähnen ihres neuen Traumschwiegersohnes. „hier so einfach zurücklassen!“
„Ach nein? Wieso kann ich das denn nicht? Marc hat sich doch auch nur Sorgen gemacht und ihr habt ihn einfach rausgeschmissen!“
„Grete…“, fing Dennis an und Gretchen blickte ihn warf ihm einen Blick, der eine gute Mischung aus Wut und Erstaunen war, an. Grete? Das ging ja mal gar nicht! Sie wollte doch nicht wie ein Fischskelett gerufen werden! Da war Gretchen Kaninchen noch besser gewesen! Sollte er sich mal ne Scheibe von seiner Sekretärin abschneiden, die hatte bessere Ideen. Zwar keine guten, aber bessere.
„Nenn mich nicht Grete! Gretchen! Ist das so schwer?“
„Entschuldigung, ich…“
„Margarethe, nun reg dich nicht so auf, er hat er doch lieb gemeint. Denk doch nur mal daran, wie dich dieser Meier nennt! Irgendwas mit Hase am Anfang…“ Diesmal war es Bärbel, die Dennis ins Wort fiel.
„Hasenzahn!“, schrie Gretchen nun schon ziemlich wütend. Natürlich war das kein netter Kosename, aber es war Marcs Kosename für sie. Wenn er es sagte, war es etwas anderes. „Und jetzt lasst mich bitte allein! Du hast doch selbst gesagt, dass ich Ruhe brauche!“
„Ja, vor diesem Meier, aber…“
„Mit Marc hatte ich mehr Ruhe als mit euch! Also lasst mich bitte allein!“ Ihre Tränendrüsen begannen wieder ihrer Funktion nachzukommen und einige Tränen fanden den Weg über ihre Wangen.
„Was weinst du denn jetzt?“ Bärbel wollte ihrer Tochter die Tränen wegwischen, bekam aber schnell mitgeteilt, dass das gerade nicht erwünscht war.
„Weil du dich ständig in mein Leben einmischst! Ich will jetzt allein sein!“ Nachdem Bärbel endlich eingesehen hatte, dass er so keinen Sinn machte, ging sie mitsamt Dennis aus dem Zimmer und gab Gretchen die Möglichkeit über alles nachzudenken.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.11.2009 12:43
#185 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Trotz leichter Übelkeit am nächsten Morgen, beschloss Gretchen wieder ins Krankenhaus zu gehen. Fit genug war sie dafür. Sie fuhr mit dem Fahrrad zu ihrer Arbeitsstätte und war furchtbar gespannt auf das bevorstehende Zusammentreffen mit Marc. Wie gewohnt stieg sie in den Fahrstuhl und ließ sich in den fünften Stock bringen. Sie musste nicht einmal einen Fuß auf die Station setzen, um zu bemerken, dass Marc schon da war. Denn sie konnte auch so schon hören, wie er genervt jemanden zusammenstauchte. Sie ging ein paar Schritte und konnte schließlich sehen, dass es sein Lieblingsopfer Sabine war.
„Marc, können wir reden?“, fragte sie vorsichtig und befreite Sabine so wieder aus ihrer undankbaren Lage. Marc drehte sie sofort um und sein Blick wechselte wieder zu Traurigkeit, als er Gretchen vor sich sah. Er hatte sofort wieder im Hinterkopf, dass sie einen neuen Freund hatte und er nun nicht mehr gebraucht wurde und nicht mehr Teil ihres Lebens war. Abgesehen von der beruflichen Verbundenheit… Aber das reichte ihm nicht, er wollte, dass sie seine bessere Hälfte war und sie wieder ein Paar waren, sich liebten und ihre ganze Zeit miteinander verbrachten. Jetzt wusste er, wieso es Gretchen so schwer gefallen war, mehr als kollegiale Gefühle zu zeigen.
„Nein, keine Zeit!“, wimmelte er sie ab und wollte weiter zu seinem Büro, wohin Gretchen ihm aber folgte.
„Marc, das war so nicht geplant!“
„Ist schon gut… Wenn ihr… euch liebt, dann… Ist ja logisch, dass ihr dann auch öffentlich zusammen sein wollt!“
„Marc, könntest du mir bitte zuhören?“ Sie standen vor seinem Büro und Marc hatte sich schon in die Tür gestellt, mit dem Rücken zu Gretchen.
„In zehn Minuten ist Visite! Dann hör ich deinen medizinischen Ausführungen gerne zu!“ Er ging weiter in sein Büro uns schmiss die Türe mit seinem Fuß zu und setzte sich erstmal hinter seinen Schreibtisch um nachzudenken. Er wollte keine Entschuldigungen oder sonst etwas von ihr hören. Er wollte nur, dass sie ihm endlich glaubte und ihm noch eine Chance gab. Aber davon war er nun weiter entfernt denn je. Er vergrub sein Gesicht in den Händen und schluckte schwer. Er war nicht der Typ, der heulte, aber er war den Tränen selten näher gewesen. Das war wieder eine neue Erfahrung, selbst ein Marc Meier lernte nie aus. Hätte sie nicht einfach noch länger krank sein können? Wie sollte er sich so konzentrieren können? Er hatte ja schon kaum geschlafen. Es musste doch irgendeine Lösung geben…

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.11.2009 14:48
#186 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Gretchen stand vor der geschlossenen Tür von Marcs Büro. Ob sie einfach reingehen sollte, auch wenn er offensichtlich seine Ruhe vor ihr haben wollte? Oder ihm lieber noch Zeit geben, damit er sich abreagieren konnte? Musste Dennis das gestern unbedingt sagen? Sie atmete noch einmal tief ein und drückte die Klinke einfach nach unten, glücklicherweise hatte er nicht zugesperrt.
„Marc?“ Sie schloss die Tür wieder hinter sich und ging behutsam einige Schritt auf ihn zu.
„Was ist denn noch?“, fuhr er sie gereizt an, sah dabei aber nicht von seinem Schreibtisch auf, sondern hielt den Blick gesengt.
„Wie es gestern gelaufen ist… Das war so nicht geplant.“
„Ist schon okay! Es ist ja deine Sache mit wem du zusammen bist! Ist mir jetzt eigentlich auch scheißegal! Vielleicht kannst du dich jetzt ja wenigstens wieder konzentrieren und operierst nicht mehr wie ein Anfänger. Mehr interessiert mich nicht! Also hör bitte auf mich hier so vollzulabern, da hab ich echt Besseres zu tun!“ Natürlich entsprach das zu 100% der Unwahrheit. Für ihn gab es nichts Wichtigeres als Gretchens Leben, und das nicht nur im beruflichen Sinn. Aber sich das einzugestehen und es auch ihr zu sagen, das wollte er einfach nicht. Er wollte seine Gefühle einfach nur in einen Schutzbunker bringen und nicht mehr verletzbar sein. In der festen Überzeugung, dass Gretchen sich auch nicht mehr für ihn interessierte, wusste er nicht, wie sehr er damit sie verletzte.
„Gut, dann… geh ich mal wieder…“, stotterte diese vor sich hin und war noch immer tief getroffen von seinen Worten. Dabei war er erst gestern noch so fürsorglich gewesen. War das nur gespielt gewesen oder jetzt dieses Desinteresse an ihr? Sie versuchte in seinen Augen die Antwort zu finden, aber die blieben stur nach unten gerichtet.
„Ja, schön! Weißt ja, wo die Tür ist!“ Ihr wurde klar, dass sie so nicht weiterkam und ging wieder zur Tür zurück. In der geöffneten Tür hielt sie noch einmal kurz inne und blickte über ihre Schulter traurig zurück zu Marc. Auch dieser nutzte den Moment für einen kurzen Blick auf seine Herzdame und für einige Sekunden trafen sich die Blicke der beiden. Sie erkannte den Schmerz und die Sehnsucht in seinen Augen. In diesem kurzen Augenblick fühlte sie sich ihm näher als sie es mit Dennis jemals tat. Sobald Marc realisierte, wie tief sie ihm in die Augen sah und er befürchtete, dass sie so schon fast in seine Seele blicken konnte, senkte er den Blick schnell wieder und sah erst wieder zur Tür, als er hörte, wie diese geschlossen wurde. Noch lange blickte er auf die Stelle, an der kurz zuvor noch Gretchen gestanden hatte und dachte darüber nach, wie es weitergehen würde. Ohne Gretchen…

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.11.2009 15:11
#187 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Hasenzahn, dein Versuch!“ Marc hielt Gretchen das Operationsgesteck hin, nachdem der Knechtelsdorfer die ihm gestellte Aufgabe bei der Blinddarm-OP nicht hinreichend erfüllt hatte. Dabei sollte das eigentlich mittlerweile Routine sein. Gretchen war überrascht, dass sie nun wieder wichtigere Aufgaben als Hakenhalten übernehmen durfte. Die vorausgehende Visite konnte sie immerhin nicht zu ihren besten zählen. Deshalb beschloss sie nun umso fester, dass sie in der Praxis ihre ärztlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen musste. Genau darauf bedacht seine Hände nicht zu berühren, nahm Gretchen ihm die Werkzeuge ab und übergab dem Knechtelsdorfer ihre alte Aufgabe. Danach stellte sie sich Marc gegenüber auf die andre Seite des Patienten und setzte zu einem Schnitt an, um den Blinddarm herauszuholen. Ihr wurde kurz ganz schummrig und schwindelig, weshalb sie für einen Moment die Augen schloss und leicht den Kopf schüttelte, so als ob das das Bild wieder geraderückte. Als sie die Augen wieder öffnete, erschien ihr alles wieder klarer, aber der längerfristige Erfolg blieb aus. Vielleicht hätte sie doch noch nicht wieder zur Arbeit gehen sollen, denn es überkam sie auch erneut ein Übelkeitsgefühl.
„Marc? Kannst du bitte weitermachen? Mir… geht’s nicht… gut!“ Sie drückte ihm schnell das Besteck in die Hände und lief aus dem OP. Gerade noch rechtzeitig erreichte sie ein Waschbecken und ließ sich ihr Essen noch einmal durch den Kopf gehen. Erschöpft ließ sie sich gegen die kalte Wand fallen und ließ sich an ihr heruntergleiten, während sie noch schwer nach Luft schnappte. In dieser Position verweilte sie einige Minuten und stand dann wieder auf, ging aber nicht in den OP zurück, sondern in die Umkleide, wo sie sich erstmal aus den stylish grünen OP-Klamotten befreite und wieder in ihre normale Kleidung schlüpfte. Einige Minuten später stieß Marc wieder zu ihr und warf ihr einen besorgten Blick zu, beobachtete sie dabei erstmal aber nur still.
„Tut mir Leid, aber mir war wieder so schlecht…“, entschuldigte sich Gretchen bei ihm, als sie ihn bemerkte.
„Schon gut. Und bevor die Kotze im Patienten landet, ist es besser, wenn man rausgeht.“ Er lächelte sie aufmunternd an vermittelte ihr so ein wohligeres Gefühl. „Und du gehst besser ganz nach Hause, so kann ich dich hier echt nicht gebrauchen!“ Gretchen sah ein, dass er Recht hatte und hängte ihren Kittel gerade wieder in den Spind, als sie ein altbekanntes Gefühl beschlich. Sie hielt sich die Hand vor den Mund und wollte die nächste Toilette aufsuchen, aber das Unheil war nicht aufzuhalten und entlud sich mit Schmackes über Marcs bis dahin blaue OP-Kleidung, was ihr einen angewiderten Blick von dem Arzt einbrachte. Klar hatte er sich einige Male gewünscht, dass sie ihm ihr Innerstes offenbarte, aber das hatte er sich irgendwie anders vorgestellt.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.11.2009 17:09
#188 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Hasenzahn, da du mich hier schon im wahrsten Sinne des Wortes ankotzt, schlage ich vor, dass du ganz schnell verschwindest. Also Hopp, Hopp!“ Gretchen betrachtete eine Weile die ungewöhnliche Farbkomposition von dem Blau und ihrem persönlichen Farbtupfer. Da war ihr mal wieder ein mehr als peinlicher Auftritt gelungen, wie es kaum ein andrer hinbekam.
„Marc, das… das tut mir echt Leid! Ich…“
„Passt schon! Und jetzt hau ab!“ Trotz seiner harten Wortwahl klang er nicht wütend, sondern blieb für seine Verhältnisse erstaunlich gelassen. Er klang eben nur angeekelt, aber das konnte sie ihm nicht verübeln.
„Ich bin mit dem Fahrrad da…“, sagte Gretchen kleinlaut. Sie war sich nicht sicher, wie gut sie so eine Fahrt jetzt verkraften würde.
„Ja und?“ Marc sah sie fragend an, die erwartete doch hoffentlich nicht, dass er sie nach Hause fahren würde.
„Könntest du…“ Doch, das tat sie offenbar.
„Also erstens muss ich jetzt schnell aus diesen Klamotten raus und zweitens hab ich keinen Bock, dass du noch meinen BMW markierst! Also such dir den andren Idioten, der dich herumkutschiert. Wozu hast du denn nen neuen Macker?“ Jetzt klang er doch sauer. Er ging schnell an ihr vorbei und zog sich vorsichtig das Oberteil aus, stets darum bemüht, dass alles da drauf blieb und nicht auf ihn persönlich übersprang. Gebannt betrachtete Gretchen Marcs nackten Rücken und erinnerte sich an die gemeinsame Zeit und wie sich seine Haut anfühlte. Sie versuchte den Gedanken abzuschütteln und ging aus dem Raum und schließlich noch dem Krankenhaus hinaus. Wen könnte sie jetzt anrufen? Dennis wollte sie jetzt nicht gerne sehen, außerdem musste der bestimmt arbeiten. Ihre Mutter? Die Frage beantwortete sich von selbst. Aber wen denn dann? Passenderweise fiel ihr Blick in dem Moment auf Mehdi, der auf sein Auto zusteuerte. Vielleicht hatte er ja gerade Mittagspause. Dann könnte er doch bestimmt einen kleinen Umweg fahren.
„Mehdi?!“, rief sie ihm hinterher und winkte dabei auffällig. Dieser drehte sich beim Klang von Gretchens Stimme an und sah schon wie sie mit erhobenen, weit ausschwenkenden Armen auf ihn zukam. „Kannst du mich mitnehmen?“
„Wieso? Schon Feierabend?“
„Ähm, nein, mir ist nur ziemlich übel… Da hat Marc mich nach Hause geschickt.“ Bei der Übelkeit horchte der Gynäkologe natürlich auf, berufsbedingt hatte er da immer gleich einen bestimmten Verdacht.
„Übelkeit? Wie lange denn schon?“ Wurde das jetzt eine weitere ärztliche Untersuchung? Darauf hatte Gretchen nicht wirklich Lust.
„Seit ein paar Tagen. Gestern Morgen war’s eigentlich am heftigsten, aber geht jetzt schon wieder einigermaßen. Also keine Sorge, ich werd schon nicht sterben!“ Eher würde sie wohl Leben schenken, mutmaßte Mehdi erneut.
„Gretchen, wann hattest du deine letzte Monatsblutung?“

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.11.2009 17:51
#189 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Was?“ Gretchen sah ihn schockiert an, ging ihn doch nun wirklich nichts an, wann sie ihre Tage hatte.
„Du hast mich schon verstanden! Wann war deine letzte Menstruation?“
„Keine Ahnung, vor sechs Wochen oder so… Aber ich hatte auch echt viel Stress in der letzten Zeit, da können die Tage schon mal ausbleiben!“
„Eventuell sogar neun Monate!“ Gretchen verstand, was er meinte und sah ihn schockiert an. Das konnte nicht sein! Sie hatte doch immer verhütet. Oder? Ganz genau konnte sie sich nicht mehr erinnern, war ja auch schon etwas her. Sie konnte aber nicht schwanger sein, das ging einfach nicht! Ein Kind mit Marc? Da konnte man sie doch gleich eine Klippe runterstoßen! Es lag bestimmt nur am Stress, es musste einfach daran liegen.
„Nein! Ganz sicher nicht! Ich wüsste es doch, wenn ich schwanger wäre!“, schnauzte sie ihn unfreundlich an, sie wusste schlichtweg nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollte.
„Ach ja? Hast du schon einen Test gemacht?“ Wieso hatte sie ihn nur angesprochen? Mit dem Fahrrad wär’s bestimmt auch gegangen.
„Nein! Ist auch gar nicht nötig, ich weiß auch so, dass ich nicht schwanger bin!“
„Wenn du willst, kann ich dir gerne noch schnell Blut abnehmen. Dann weißt du morgen genau, was Sache ist.“ Er selbst wollte es ja auch genau wissen. Immerhin bedeutete ihm Gretchen noch sehr viel. Und wenn sie jetzt ein Kind von einem anderen bekäme, könnte er vielleicht mit dem Thema abschließen. Denn er glaubte nicht mehr daran, dass sie je wieder mehr als freundschaftliche Gefühle für ihn entwickeln könnte.
„NEIN! Wie oft denn noch? Glaubst du echt, ich bin so blöd und lass mich von Marc schwängern?“
„Marc wäre also sicher der Vater?“
„Ja klar! Aber da ich NICHT schwanger bin, ist das eh egal!“ Nun hatte sie endgültig genug von dieser Diskussion und drehte sich um, während sie in ihrer Tasche nach dem Schlüssel für ihr Fahrradschloss kramte. Was fiel dem ein, ihr eine Schwangerschaft zu unterstellen? Das musste sie sich echt nicht länger anhören!
„Soll ich dich jetzt mitnehmen?“, rief Mehdi ihr hinterher, aber sie dachte nicht mehr daran.
„NEIN! Als Nichtschwangere ist Fahrradfahren kein Problem für mich!“ Mehdi sah ein, dass es keinen Sinn hatte und ließ Gretchen ziehen. Es war immerhin ihre Entscheidung, wie sie nach Hause kam und ob sie einen Schwangerschaftstest machen wollte. Aber dann war es nicht seine Schuld, wenn sie in neun Monaten überraschenderweise in den Wehen lag und einen kleinen Meier herauspresste. Er hatte es ihr ja gesagt, hören musste sie selbst.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.11.2009 20:10
#190 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Noch immer völlig verstört von diesem Gespräch kam Gretchen zu Hause an und zudem war sie noch ziemlich k.o. von dem Radfahren. Aber Sport war eben nicht gut für Kranke. Und genau das war sie. Krank. Nicht schwanger, nur gesundheitlich angeschlagen. Wäre sie schwanger, wurde sie jetzt doch bestimmt eine mit sauren Gurken belegte Pizza bestellen. Aber sie wusste noch, was gut schmeckte und was definitiv zu abstrakt zum Essen war. Da sollte noch einmal einer sagen, sie wäre schwanger. Am besten strich sie dieses Gespräch ganz aus ihren Gedanken. Das hatte nie stattgefunden und sie war vollkommen und durch und durch unschwanger.
„Margarethe, was machst du denn schon hier?“, fragte Bärbel, die Gretchens Ankunft natürlich mitbekommen hatte. Wär auch zu schön gewesen, mal nach Hause zu kommen und sich gleich gemütlich ins Bett legen zu können.
„Ich bin krank, okay? Nur krank! Ich leg mich einfach hin und dann ist es wieder gut!“, versuchte sie ihrer Mutter weiszumachen, wollte es sich aber auch selbst einreden. Ihre Mutter sah sie verwundert an, sie hatte sich doch nur Sorgen gemacht und gefragt, was los war. War ja nicht so, dass sie ihr einen Banküberfall unterstellte.
„Ist ja gut! Ich wollte nur nachfragen. Aber anscheinend stör ich ja nur!“ Bärbel drehte sich um und ging in die Küche zurück, während sie murmelte: „Kann ich doch nichts dafür, wenn sie ihre Tage hat…“ Diese Worte waren aber laut genug, dass Gretchen sie hören konnte. Schön wär’s… Dann müsste sie sich von niemandem unterstellen lassen, sie wäre in anderen Umständen. Und sie selbst könnte auch sicher sein. Sie stampfte wütend die Treppe hoch, wieso glaubte keiner, dass sie einfach nur krank war? Sobald sie ihr Zimmer betreten hatte, ließ sie sich auf ihr Bett fallen und ließ ihren Kopf im Kissen versinken. Das Kissen, das nach wenigen Minuten durchnässt von ihren Tränen war. Erst waren es Tränen aus Wut, dann aus Verzweiflung. Sollte sie vielleicht doch einfach einen Test machen? Aber es konnte einfach nicht so sein, das war bestimmt nur rausgeschmissenes Geld. Am Ende einigte sie mit sich selbst zu einer Entscheidung. Sie würde noch zwei Wochen warten. Und wenn sie dann noch immer nicht ihren monatlichen Besuch hatte, würde sie wohl oder übel einen Test machen. Aber bis dahin wollte sie nicht weiter daran denken und redete sich eine normale Krankheit ein. Jede Krankheit war besser als eine Schwangerschaft. Zumindest wenn Marc der Vater war. Sie wusste ja, dass er keine Kinder mochte und allein könnte sie das nicht schaffen. Sie durfte einfach nicht schwanger sein.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.11.2009 20:22
#191 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Zwei Wochen später stand sie in einer Apotheke und wartete gezielt ab, bis sie die einzige Kundin wäre. Musste ja nicht gleich jeder mitkriegen, dass sie einen Schwangerschaftstest kaufen wollte. Zwar hatte sie ihre Freundin, die Kloschüssel, in letzter Zeit weniger umarmt und konnte sogar wieder arbeiten, aber so ganz wollte die Übelkeit einfach nicht verschwinden. Ihre Periode wollte dafür einfach nicht auftauchen. Offiziell war sie zwar noch irgendwie mit Dennis zusammen, gab sich aber keine gesteigerte Mühe um ein gutes Verhältnis. Die Initiative ging immer wieder von ihm aus und sie brachte es einfach nicht übers Herz, mit ihm Schluss zu machen. Marc beobachtete diese Beziehung mit Argwohn und versuchte seine Gefühle für Gretchen wieder mit seinen Sprüchen zu überdecken. Sie waren jetzt immerhin schon seit sechs Wochen getrennt, wieso konnten die Gefühle dann nicht von selbst zurückgehen?
Dann war es für Gretchen endlich so weit und sie war mit der streng aussehenden Apothekerin alleine.
„Hallo, ich hätte gerne…“ Gretchen kaute unsicher auf ihrer Unterlippe herum, das war ihr doch etwas unangenehm. Dabei wusste die Apothekerin ja eigentlich nichts von Gretchens Hintergrund. Es sei denn, die arbeitete für den Geheimdienst und beschattete sie heimlich. Aber das war eher unwahrscheinlich. „Kopfschmerztabletten!“, vollendete Gretchen ihre Bestellung, sah dann aber schnell ein, dass sie so nicht weiterkam. Sie durfte nicht wieder davonlaufen, sondern sollte mal wieder auf ihren Vater hören. „Oder vielleicht doch lieber nen Schwangerschaftstest…“ Nervös spielte sie mit ihren Fingernägeln und blickte beiläufig zur Seite.
„Dürfte ein bisschen spät sein…“, gab die Apothekerin knapp zur Antwort und suchte einen Test raus. Was für eine unverschämte Person, Gretchen war vielleicht nicht gertenschlank, aber sie sah doch nicht schwanger aus! Oder etwa doch? Was, wenn Marc das auch mitbekam? Panisch sah sie an sich herunter, konnte aber keinen Unterschied zu ihrem normalen Bauchumfang feststellen. Oder kam das nur ihr so vor und eigentlich sah man ihr eine Schwangerschaft an? Aber dazu müsste sie erstmal schwanger sein.
„Der… ist ja gar nicht für mich! Für ne Freundin!“ Skeptisch zog die Frau die Augenbraue hoch und starrte Gretchen an.
„Ja klar! Sie glauben gar nicht, wie viele Frauen Schwangerschaftstest für ihre Freundinnen kaufen.“ Gretchen beschlich das leise Gefühl, dass man ihr hier nicht glaubte und legte schnell das Geld auf den Tresen, bevor sie mit dem Test in der Tasche eiligst die Apotheke verließ.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.11.2009 21:32
#192 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Zu Hause angekommen, schloss sie sich erstmal im Badezimmer ein und holte die Packung des Schwangerschaftstests hervor. Sie holte die Gebrauchsanweisung heraus und las sie aufmerksam durch. Klang immerhin einfacher als ein Regal zusammenzubauen. Und mit zwei Minuten dauerte es auch noch wesentlich kürzer. Sie leistete den Anweisungen genau Folge und legte den Test anschließend aufs Waschbecken und wartete ungeduldig die zwei Minuten ab. Allein die ersten Sekunden erschienen ihr endlos und waren die reinste Zumutung. Und nun musste sie noch viele weitere Sekunden abwarten, bevor sie erleichtert ausatmen konnte oder verzweifelt zusammensackte. Nervös summte irgendeine Melodie vor sich her und tippte dabei im Takt mit dem Fuß gegen den Boden. Eine Schwangerschaft würde einfach alle verändern und so viele neue Fragen aufwerfen. Würde sie das Kind überhaupt bekommen? Wie würde Marc reagieren? Oder ihre Mutter? Könnte sie weiterhin hier wohnen bleiben oder müsste sie sich eine eigene Wohnung suchen? Sie hoffte so sehr, dass all diese Fragen nur theoretisch blieben und eine Antwort nicht nötig wäre. Wenn alles gut lief, könnte sie gleich einen negativ ausgefallenen Test in den Müll werfen und keinen Gedanken mehr daran verschwenden. Sie wollte sich doch auf ihre Karriere konzentrieren, ihren Facharzt machen, den richtigen Mann heiraten und dann erst Kinder bekommen. Obwohl sie wusste, dass die Zeit noch nicht um war, warf sie immer wieder einen Blick auf den Test, der sich aber zu ihren Leidwesen nicht extra beeilte, sondern die benötigte Zeit voll auskostete. Kurz vor Verstreichen der zwei Minuten las sie sich noch ein letztes Mal den beiliegenden Zettel durch. Erschien gleich nur ein einzelner Streifen war alles gut und sie war nicht schwanger wie eh und je. Gesellte sie zu dem einen Streifen jedoch ein zweiter mit dazu, würde sie ihr Leben mal eben um 180° drehen. Sie war doch ein so genügsamer Mensch, mit einem Streifen wäre sie mehr als zufrieden, das reichte ihr doch vollkommen aus. Wozu also noch ein zweiter? Den gab sie gerne wem anders ab. Laut Uhr waren die zwei Minuten endlich abgelaufen und sie blickte ängstlich zu dem Test, der einige Schritte von ihr entfernt noch immer in Seelenruhe auf dem Waschbecken lag. Dafür war ihr Puls locker bei 160 und ihren Blutdruck wollte sie auch nicht wissen. Leise flehte sie den Test noch einmal um Gnade an, bevor sie ihn in die Hand nahm und die Augen schloss. Durch tiefe Atemzüge versuchte sie sich zu beruhigen, stellte jedoch fest, dass das einfach nicht klappen wollte. Sie zwang sich, ihre Augen wieder zu öffnen ließ ihren Blick auf den Test fallen, der alles verändern konnte.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

06.11.2009 22:53
#193 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

So gebannt und geschockt sie anfangs auf den Test gesehen hatte, so schnell wandte sie diesen Blick nun wieder ab und legte den Test wieder beiseite, um das Unglück nicht weiter vor Augen geführt zu bekommen. Sie war also tatsächlich schwanger. Und das von Marc Meier, über dessen Gefühle sie sich nie sicher sein konnte. Sie wusste nicht, was sie denken sollte. Aber sie wusste, dass Marc keine Kinder wollte und dementsprechend nicht begeistert sein würde. Genauso wenig wie alle anderen, es würde sie doch niemand darin unterstützen, ein Kind von Marc zu bekommen. Sie wusste, dass sich niemand über dieses Kind freuen würde. Nicht mal ihre Mutter, denn die hasste Marc ja regelrecht. Sie wünschte sich zwar Enkel, aber bestimmt nicht, wenn sie Marcs Gene hätten. Für sie käme das bestimmt mit den Nachkommen des Satans höchstpersönlich gleich. Und das musste man um jeden Preis verhindern. Und Dennis wäre natürlich auch nicht begeistert. Aber die Trennung war eigentlich ohnehin nur eine Frage der Zeit gewesen… Gigi würde ihr das Kind sofort ausreden, denn für sie war Marc ja auch das personifizierte Unglück für Gretchen. Keiner von denen würde ihr zu dem Kind raten. Ihr Vater könnte dem Kind wenigstens die talentierten Chirurgenhände abgewinnen, aber der war ja leider nicht mehr. Und deshalb würde sie es vorerst für sich behalten. Sie musste sich erst selbst darüber klar werden, ob sie das Kind behalten und großziehen möchte, auch wenn sie dabei ganz alleine war. Sie hatte ja noch einige Wochen Zeit, um sich zu entscheiden. Aber wie sollte sie den anderen jetzt noch normal gegenüber treten können? Sie konnte doch nicht so weitermachen wie bisher. Sie hatte doch immer im Hinterkopf, dass sie ein kleines Würmchen mit sich rumtrug, dieses Wissen konnte sie nicht einfach abstellen und mal eben vergessen. Sie bemerkte nicht, wie sie sich unbewusst die Hand auf den Bauch hielt und sanft darüber strich. Jetzt konnte sie wenigstens mit Recht behaupten, dass sie für zwei aß. Und bald würde sie noch fetter werden. Natürlich vorausgesetzt, sie bekam das Kind wirklich. Und sie musste noch dringend mit ihrem Frauenarzt sprechen. Wozu nahm sie die Pille, wenn sie eh nichts brachte? Wobei sie nicht ausschloss, dass sie es vielleicht mal vergessen hatte… Sie wusste es nicht mehr, aber es spielte im Grunde keine Rolle mehr. Fakt war, dass das Kind nun da war und es egal war, wer bei der Verhütung versagt hatte. Sie war nun nicht mehr allein. Egal, wohin sie nun auch immer ging, trug sie Verantwortung für das kleine Wesen in ihrem Bauch, das ihr schon jetzt so viele Probleme brachte und Entscheidungen forderte.



Jaja, da habt ihr's jetzt... Was keiner wusste und doch jeder ahnte

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

07.11.2009 13:27
#194 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

„Margarethe?“ Bärbels Stimme klang durch die abgeschlossene Tür und Gretchen schreckte aus ihren Gedanken auf. Ihre Mutter sollte ja noch nichts von dem ‚Glück’ mitbekommen. „Bist du da drin?“
„Mhm!“ Gretchen versuchte so fröhlich wie möglich zu klingen, aber es hatte mehr etwas von einem ängstlichen Meerschweinchen.
„Alles in Ordnung?“ Bis auf eine ungeplante Schwangerschaft, ja…
„Klar! Was soll denn auch sein?“ Sie vermutete, dass sie wieder nicht die geplante Selbstsicherheit rüberbringen konnte.
„Du klingst nur so komisch!“
„Es ist alles okay!“
„Sicher? Ich mach grad die Wäsche, hast du noch was?“ Nach Hause kommen und Wäsche waschen, würde das auch Gretchens Zukunft sein? Haushalt, Kind und Arbeit. Würde sie das hinbekommen?
„Nein! Lass mich einfach allein!“ Fast schon verzweifelt wollte Gretchen ihre Mutter loswerden, das alles erinnerte sie einfach an ihre bevorstehende Mutterschaft. Sie wollte allein sein. Zumindest so allein wie gerade möglich…
„Margarethe, was ist denn los? Lass mich jetzt bitte rein!“ Eins war für Gretchen klar. Sollte sie das Kind bekommen, würde sie nie, niemals so nervig werden wie ihre Mutter.
„Mama! Ich bin im Bad, ja?“
„Ich merk doch, dass mit dir was los ist! Als Mutter spürt man das!“ Tat man das? Würde sie das auch tun? Könnte sie überhaupt etwas für ihr Kind fühlen und ihm die Liebe geben, die ein Kind brauchte?
„Ist mir egal, was man als Mutter spürt oder nicht! Mir geht’s gut, wirklich! Glaub es oder lass es bleiben!“
„Ist ja schon gut! Man wird doch wohl noch nachfragen dürfen!“ Das Thema war vermutlich noch nicht angehakt, aber fürs erste hatte Gretchen wieder ihre Ruhe und sie ließ sich auf die kalten Fließen sinken. Allzu lang könnte sie dieses Versteckspiel nicht aushalten, das machte sie jetzt schon total fertig. Nachdem sie glaubte, dass die Luft rein war, schlich sie mit dem Schwangerschaftstest in ihr Zimmer. Den würde sie demnächst irgendeinem Nachbarn in den Müll werfen, damit ihre Mutter auch wirklich nichts mitbekam. In nächster Zeit würde nur sie davon wissen. Und ihr Tagebuch, das sie gleich in ihr Geheimnis einweihen wollte.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

07.11.2009 19:05
#195 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Liebes Tagebuch,
du weißt ja, dass ich mir heute einen Schwangerschaftstest besorgen wollte. Keine Angst, ich hab keinen Rückzieher gemacht, sondern hab mir Gewissheit besorgt. Und Mehdi hatte mit seinem Verdacht Recht, ich bin wirklich schwanger. In mir ist ein kleiner Meier. Man nimmt ja von jeder Beziehung irgendetwas mit, aber ein Kind ist dann doch zu viel des Guten. Ich weiß einfach nicht, ob ich das schaffe. Mit 30 bin ich ja eigentlich alt genug dafür und ich liebe Kinder ja auch, aber der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig. Du kannst mir ja auch nicht sagen, was ich tun soll… Ich fürchte, das ist die schwerste Entscheidung, die ich jemals treffen musste. Jedenfalls um einiges schwerer als die Frage Zartbitter oder Vollmilch. Joghurtschokolade wär gerade nicht schlecht… Aber das ist momentan mehr zweitrangig.
Die Schwangerschaft werde ich vorerst für mich behalten, ich muss mir erstmal über einiges klar werden. Auf deine Verschwiegenheit kann ich mich doch auch verlassen? Apropos verlassen… Das mit Dennis muss auch noch geregelt werden. Am besten gestern. Ist so auch das Beste für ihn. Ich liebe ihn einfach nicht und erwarte jetzt auch noch ein Kind von dem einzigen Mann, denn ich je wirklich mit ganzen Herzen geliebt habe und noch immer liebe. Keiner hat es verdient, so von mir verarscht zu werden. Als wäre alles nicht schon kompliziert genug gewesen, kommt noch dieses Kind dazu. Das hätte eigentlich auch jemand Besseres wie mich verdient, ich mach doch immer nur alle unglücklich. Nicht mit Absicht, aber ich tue es. Muss erstmal meine Gedanken sortieren… Vielleicht ein Pro-Contra-Liste?
Pro Kind:
- ich mag Kinder
- zusätzliches Kindergeld
Contra Kind:
- keine familiäre Unterstützung
- Marc wird mich nicht mehr mit dem Arsch anschauen
- werde nur noch fetter
- kostet mehr als Kindergeld
Fällt mir jetzt so spontan ein. Spricht eigentlich mehr dagegen. Aber kann man so was einfach mit so rationalen Gründen entscheiden? Ich denke, ich brauch einfach Zeit.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

07.11.2009 22:43
#196 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Stundenlang lag sie auf ihrem Bett und dachte weiter nach. Wenn sie das Kind austragen würde, könnte sie nicht mehr so bequem auf dem Bauch liegen… Noch ein Contra!
„Was?“, fragte sie genervt, als es an ihrer Tür klopfte. Sie sah auf und es war natürlich ihre Mutter, die eintrat und als Verstärkung hatte sie noch Dennis mitgebracht. Innerlich stöhnte Gretchen auf, der hatte ihr gerade noch gefehlt.
„Margarethe, ich hab deinen Freund angerufen, damit er vorbeikommt und es dir besser geht!“ Gretchen wusste jetzt schon, dass dieser Plan unter Garantie nicht aufgehen würde. „Ich lass euch dann mal allein, ich muss noch eben was einkaufen!“ Bärbel ging wieder aus dem Raum und zog mit einem Lächeln die Tür wieder zu, während sich Dennis zu Gretchen aufs Bett setzte.
„Was ist denn los? Ist dir wieder schlecht?“ Sollte sie die Gelegenheit nutzen und gleich Schluss machen?
„Dennis…“ Sie setzte sich auf und zog ihre Beine an ihren Oberkörper. „Es tut mir Leid, aber das geht so nicht mehr…“ Sie hasste es wirklich Schluss zu machen.
„Was geht so nicht mehr?“
„Das mit uns… Ich kann das nicht!“
„Willst du mir jetzt endlich sagen, was du meinst?“ Hatte mit dem noch nie jemand Schluss gemacht? Musste sie wirklich noch konkreter werden?
„Ich kann nicht mehr mit dir zusammen sein!“ Jetzt war es ausgesprochen und es tat ihr unendlich Leid zu sehen, wie er sie traurig und verständnislos anblickte. Hoffentlich fragte er jetzt nur nicht weiter nach…
„Aber… Aber warum?“ Wär auch zu schön gewesen. Aber sie schuldete ihm eine Erklärung.
„Wegen Marc…“
„Diesem Arzt? Wegen so einem aufgeblasenen Möchtegern machst du Schluss? Das kann nicht dein Ernst sein! Diesem eingebildeten Volltrottel werd ich mich nicht geschlagen geben! Der hat dich nicht verdient, ich bin viel besser für dich!“ Er klang ziemlich wütend und wollte ihre Hände ergreifen, aber Gretchen wehrte ihn ab.
„Zufälligerweise bin ich schwanger von ihm!“ Diese Worte waren nicht geplant gewesen, aber sie sprudelten einfach aus ihr heraus. Nun versuchte Dennis auch nicht mehr nach Gretchen zu greifen, sondern sah sie nur ungläubig an, während sich in ihren Augen Tränen bildeten.
„Du bist was?“ Nach einigen Sekunden fand er seine Stimme wieder und Gretchen sah beschämt zu Boden. „Wenn das so ist, dann… Es tut mir Leid, aber du kannst nicht verlangen, dass ich ein fremdes Kind großziehe!“ Erstaunt blickte Gretchen wieder auf. Hatte sie das je verlangt? Aber gut, wenn er Schluss machen wollte, dann sollte er es tun. Sie beschloss, einfach nichts mehr zu sagen, sondern ihm das Reden zu überlassen. Sie hatte ohnehin schon zu viel gesagt. „Ich geh dann besser. Viel Glück noch!“ Ohne einen weiteren Blick auf sie zu werfen, stand er auf und verschwand aus ihrem Zimmer und ihrem Leben. Auch wenn er viel für sie getan hatte und sie ihm das nie vergessen würde, war sie doch erleichtert. Aber es gab dennoch noch so viel mehr zu klären…

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

07.11.2009 23:18
#197 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Am nächsten Morgen stand sie wieder im Krankenhaus und Frau Müller, die zwei Straßen weiter wohnte, hatte nun einen positiven Schwangerschaftstest in der Mülltonne. Hatten die Müllers nicht eine 16-jährige Tochter? Die würde bestimmt mächtig Ärger bekommen, falls jemand einen genaueren Blick in den Müll warf. Aber Gretchen hatte ja noch mehr Ärger und sah sich Marc gegenüber, der noch nichts von seinem Vaterglück wusste. Gretchen sah ihn mit vollkommen anderen Augen seit sie sicher die Frucht seiner Lenden in sich trug. Sie versuchte sich alle möglichen Genkombinationen vorzustellen. So ein kleiner Mini-Marc mit ihren Augen. Oder eine kleine Gretchen mit seiner Nase. Aber sie konnte es sich nicht wirklich vorstellen, das war alles noch nicht wirklich real und fassbar für sie. Marc bemerkte ihre musternden Blicke und fragte nach der Visite irritiert nach.
„Hab ich was im Gesicht?“ Eventuell die Nase ihrer gemeinsamen ungeborenen Tochter. Oder ihre Wangenknochen. Aber ansonsten war da nichts.
„Nein! Wieso?“
„Du schaust nur so als hätte ich Schokolade im Gesicht kleben. So ein besessener Blick… Hab mich nur gewundert, dass du mich dann noch nicht angesprungen hast.“
„Halt einfach die Klappe, ja?“, schnauzte sie ihn an. Darauf hatte sie jetzt echt keine Lust. So genau hatte sie ihn sich bestimmt nicht angeschaut!
„Was bist du jetzt gleich so gereizt? Ich hab doch nur ne Feststellung gemacht!“
„Aber nur um mich blöd dastehen zu lassen! Dabei hab ich doch echt nichts gemacht!“ Sie schluckte die sich anbahnenden Tränen herunter, jetzt musste sie nicht auch noch vor ihm heulen.
„Jetzt fang doch nicht gleich an zu flennen! Was ist denn los mit dir?“ Dann sah man es ihr wohl doch an. Blöde Hormone, auf Stimmungsschwankungen konnte sie verzichten.
„Weil mich keiner versteht! Also lass mich in Ruhe!“ Sie stürmte aus dem Stationszimmer zur Toilette, wo sie sich einschloss und sich eine Weile verschanzen wollte. Wenn sie sich weiter so benahm, musste der doch von selbst rausbekommen, was los war. Aber sie brauchte noch Zeit. Nach einigen Minuten strich sie sich sanft über ihren Bauch und flüsterte ihrem Kind zu: „Kannst du nicht einfach unoffensichtlicher da sein? Ich muss doch nur in Ruhe darüber nachdenken, was ich mit dir mache. Du kommst einfach etwas ungünstig.“

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

07.11.2009 23:44
#198 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Sie war wirklich heilfroh, als sie in den Feierabend verschwinden durfte. Das Kleine dachte natürlich nicht daran, keinen Einfluss auf ihren Hormonhaushalt zu nehmen und so war sie am Ende nach dem gelungenen Einsetzen einer Hüftschraube zu Tränen gerührt. Aber sie bildete sich ein, dass sie sich schnell genug aus dem Staub gemacht hatte. Und selbst wenn nicht, wäre Marc wohl der Letzte, der auf eine Schwangerschaft tippte. Für ihn lief doch immer alles nach Plan, da konnte es doch gar nicht sein, dass sein Leben so durcheinander gebracht wurde. Und außerdem verstand er im Grunde nichts von Frauen, vielleicht hielt er ihre Gefühlsausbrüche für vollkommen normal. Da war ihre Mutter das größere Problem. Die wusste ja auch, dass Frau nicht über mehrere Wochen ihre Tage hatte. Gretchen hatte gerade das Haus betreten, als ihr Bärbel schon entgegenkam.
„Margarethe, du bist schwanger? Wieso hast du mir denn nichts gesagt?“ Eben, sie hatte nichts gesagt. Woher wusste sie davon? Den Schwangerschaftstest hatte sie doch entsorgt…
„Ähm, woher weißt du…?“
„Ich wollte deinen Freund zum Essen einladen. Und der hat gesagt, ihr hättet euch getrennt, weil du schwanger bist!“ Sie durchbohrte Gretchen mit ihrem Blick und gestikulierte wild und aufgeregt mit den Armen.
„Dann weißt du ja alles!“ Sie wollte sich an ihrer Mutter vorbeidrängen, aber die stellte sich ihr in den Weg.
„Kind, wieso hast du nichts gesagt? Du und dieser Neumann kriegt das bestimmt hin mit dem Kind! Und ich bin doch auch noch da!“ Glücklich über die freudige Nachricht strahlte Bärbel ihre Tochter nun an. Wusste die etwa noch nicht, dass Marc der Vater war?
„Das Kind ist nicht von ihm und außerdem liebe ich ihn nicht! Also Nein, wir kriegen das nicht hin!“ Sie nutzte den Schock ihrer Mutter und drängte sie an ihr vorbei, um zu ihrem Zimmer zu kommen. Dort blieb sie allerdings nicht lange allein und Bärbel setzte sich zu einer erneut weinenden Gretchen ans Bett.
„Ja, aber… wer denn dann?“ Wer wohl? Was glaubte die denn, mit wie vielen Typen Gretchen im Bett war.
„Marc…“ Vorsichtig und leise sprach Gretchen schließlich den Namen des Kindsvaters aus und machte sich auf einen Herzinfarkt ihrer Mutter bereit. Aber die schwieg erstmal und verdaute diese Nachricht.
„Marc Meier?“ Nein, der andere Marc… Natürlich meinte sie Marc Meier, in den sie seit ihrer Schulzeit unsterblich verliebt war. Bärbel deutete das Schweigen ihrer Tochter richtig und war erstmal geschockt. So hatte sie sich ihre Enkelkinder nicht vorgestellt. „Aber… wie konnte das denn passieren?“
„Weiß ich doch auch nicht! Glaubst du, das war geplant?“
„Hast du es ihm schon gesagt?“ Gretchen fühlte sich sehr unwohl in dieser Situation und das nicht körperlich. Sie redete einfach sehr ungern darüber.
„Nein… Er will das Kind bestimmt nicht…“
„Früher oder später musst du es ihm sagen… Spätestens wenn man es sieht…“
„Wenn ichs nicht bekomme, muss ich es ihm nicht sagen…“
„Du willst doch nicht abtreiben? Margarethe, es ist dein Kind!“ Eben! Und es war ihre Entscheidung, ob sie es bekommen würde. Bärbel würde sie anscheinend zu Gretchens Erstaunen unterstützen, aber dennoch war das Thema noch nicht vom Tisch.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

08.11.2009 01:00
#199 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Nervös rutschte Gretchen auf dem Stuhl im Wartezimmer ihres Frauenarztes auf und ab. Gleich würde eine erste Untersuchung stattfinden und erst dann konnte sie sich eigentlich vollkommen sicher sein, dass sie schwanger war. Aber im Grunde wusste sie es doch schon sicher. Sie wurde aufgerufen und ging in das Untersuchungszimmer.
„Frau Haase, Sie haben also einen Schwangerschaftstest gemacht und der war positiv.“, fasste der etwa 50-jährige Arzt nach dem ersten Gespräch zusammen. Gretchen nickte und sah ihn fragend an, was jetzt passieren würde. „Dann machen wir jetzt einen ersten Ultraschall und ich stelle Ihnen den Mutterpass aus. Und am Ende haben Sie ein schönes Foto vom Nachwuchs!“ Freundlich blickte er sie an und erwartete wohl, dass sie sich auch freuen würde. Aber ihr lag noch eine Frage auf der Zunge.
„Ich wollte dann auch nochmal fragen wegen einem Beratungsgespräch… falls ich das Kind nicht bekommen will!“
„Aber Frau Haase! Eine Abtreibung? So hätte ich Sie ja nun wirklich nicht eingeschätzt! Aber natürlich werde ich Sie über einen Schwangerschaftsabbruch aufklären, wenn Sie es wünschen. Aber zuerst nehmen Sie jetzt auf dem Stuhl Platz und machen sich untenrum schon mal frei.“ Widerwillig tat sie das auch, sie zeigte sich eben nicht besonders gerne jedem von da unten, und setzte sich schön breitbeinig auf den Untersuchungsstuhl.
„Muss das sein?“, fragte sie nochmal ängstlich nach, während der Arzt großzügig das Gel auf dem langen weißen Stab verteilte, der ihr gleich von innen das erste Mal ihr Kind zeigen würde.
„Das ist alles halb so schlimm. Es könnte nur gleich etwas kalt werden.“ Gretchen nickte wieder nur kurz und spürte kurz darauf, wie ihr der Stab vaginal eingeführt wurde. Etwas kalt? Der Mann neigte zu Untertreibungen! Wieso konnte man nicht einfach schon durch die Bauchdecke schallen? Aber gut, da musste sie jetzt durch. Sie starrte an die Decke und hoffte auch ein baldiges Ende. „Und da haben wir auch schon ihr Kind!“ Ursprünglich wollte sie nicht hinschauen, aber sie lenkte ihren Blick doch zur Seite und sah erst nichts außer einem schwarzweißen Monitor. Aber je länger sie hinsah, desto deutlich sah sie ihr Kind. „Sehen Sie, wie das Herz schon schlägt?“ Ihre Augen wurden wässrig, als sie den kleinen Punkt, der das Herz des kleinen Würmchens war, schnell schlagen sah. Da schlug ein zweites Herz in ihrem Bauch, ein kleines Leben, das da in ihr drin war. „Siebte Woche würde ich sagen. Sieht alles gut aus! Wollen Sie noch immer ein Beratungsgespräch?“ Gretchen sah noch immer gebannt auf ihr Kind, ihren kleinen Meierhaasen. Wollte sie eine Abtreibung noch in Erwägung ziehen?

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

08.11.2009 01:50
#200 RE: Verenas Fortsetzung zu DD Zitat · Antworten

Sie verließ das Ärztehaus und steckte ihren Mutterpass in ihre Tasche. Genauso wie den Wisch vom Beratungsgespräch. Konnte ja nicht schaden. Hieß ja noch nicht, dass sie wirklich abtreiben würde. Es hieß nur, dass sie sich darüber informiert hatte. Aber es war unbestreitbar grausam zu hören, wie so eine Abtreibung stattfand. Was da mit dem Kind gemacht wurde… Dabei schlug doch schon das kleine Herz des Kindes! Eigentlich wollte sie nicht weiter darüber nachdenken. Man musste ja nicht immer gleich alle Details wissen. Im Moment könnte sie es einfach nicht abtreiben. Aber bekommen konnte sie es auch nicht. Vielleicht sollte sie doch einfach mit Marc reden. Wenn sie wüsste, dass er hinter ihr stünde und ihr Kind einen Vater hätte, dann wäre alles viel leichter. Aber wenn er sie einfach stehen ließ oder ihr sogar zu einer Abtreibung riet, würde sie das Kind vielleicht doch nicht bekommen. Sie stieg auf ihr Fahrrad und trat in die Pedale, um nach Hause zu fahren. Sie fuhr langsam durch die Straßen Berlins und es erschien ihr so, als wären heute extra viele Schwangere und junge Mütter unterwegs. Viele davon gemeinsam mit ihren Männern, die liebevoll auf die Kleinen herabsahen oder den Arm um ihre schwangere Frau legten. Das war das Bild wie es ideal wäre. Aber einige Mütter waren auch allein unterwegs. Sie sah eine glückliche Schwangere auf einer Bank sitzen, die sich liebevoll über den runden Bauch strich. So könnte sie doch auch sein. Eine glückliche Mutter, die ihr Kind liebte, auch wenn kein Vater da war. Aber es gab auch ein andres Bild. Sie sah eine überforderte Frau, die vergeblich versuchte, ihr kleines Kind zu beruhigen. Auch das könnte sie sein. Allein und vollkommen verzweifelt. Sie nahm ihren Blick von ihren Mitmenschen und konzentrierte sich zur Abwechslung mal auf die Umgebung. Sie brauchte einige Zeit, um diese Gegend zuzuordnen, erkannte sie aber schon wenig später. Unbewusst war sie anscheinend hierher gefahren, auch wenn sie noch nicht wusste, was sie gleich tun sollte. Sie stieg von ihrem Fahrrad und stellte es gegen die nackte Fassade des Hauses. Sie ging zur Tür und blickte auf die Klingel, die mit ‚Meier’ beschriftete war. Sie war sich ihres Zieles hier noch immer nicht ganz bewusst und hatte keine Ahnung, wie das gleich laufen würde. Ob sie ihm alles sagen würde oder es doch weiter für sich behielt. Hastig drückte sie auf die Klingel und wartete nervös ab, ob er ihr gleich öffnen würde. Noch hatte sie die Chance zu gehen und er würde nie erfahren, dass sie da war. Aber noch bevor sie sich abwenden konnte, wurde die Tür schon geöffnet und Marc blickte sie überrascht an. Mit diesem Besuch hätte er nun wirklich nicht gerechnet. Während er mit der rechten Hand die Türe offen hielt, sah Gretchen in seiner linken Hand eine halbleere, für Optimisten halbvolle, Bierflasche. Aber solange er nicht so hackedicht war wie letztens, könnte man vielleicht vernünftig mit ihm reden.

__________________________________________________


Mitglied im WeMarc-Club

Seiten 1 | ... 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | ... 15
 Sprung  
Weitere Links
| Sicher und kostenlos Bilder hochladen|9-1-1 FanSeite|
zum Impressum | 2008- © Doctor's Diary FanForum | Admins JackySunshine & Seppy | Moderatoren Lorelei & Mellow | Gründerin des Forums Flora
Xobor Forum Software von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen
Datenschutz