Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Willkommen im Doctor´s Diary Fan-Forum!
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 24 Antworten
und wurde 11.052 mal aufgerufen
 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

27.08.2009 23:02
Story von Ivory Zitat · Antworten

Hey! Ich war nach der letzten Folge erstmal ziemlich depri, weil nach meinem Geschmack deutlich zu wenig Marc&Gretchen-Szenen waren [grin]. Dann hab ich mir mal mein eigenes Ende gebastelt. Ich stells jetzt mal hier rein, vielleicht hilft es anderen ja auch über die Wartezeit hinweg!
Viel Spaß beim Lesen, würde mich über Kommentare riesig freuen, bitte sagt mir, was ihr davon haltet!
Alles Liebe, Ivory <3


DISCLAIMER: Ich besitze weder Rechte an Doctor's Diary, noch habe ich irgendeine Zugehörigkeit zur Serie, den Figuren oder den Autoren.

P.S. ICH LIEBE DICH

~ * ~

Das Letzte, woran sie sich erinnern konnte, war das leise Schnappen der zufallenden Tür. Danach wurde alles dunkel und kalt.

Scheisse. Das wars dann wohl. Und diesmal kein Marc, der mit dem rettenden Defi kommt. Mann, Gretchen, kannst du nicht mal kurz vor deinem Erfrierungstod nicht an Marc denken? HALLO?! Er liebt dich ja sowieso nicht. Super, jetzt is mir noch kälter.
Vielleicht.. vielleicht kapiert ja der Millionär was.Mein Handy ging immerhin total plötzlich aus, da kann er sich ja denken, dass etwas nicht stimmt.
Mist, könnte ja auch ein leerer Akku sein...


Gretchens Gedanken schienen langsam zu erstarren, genau wie ihr restlicher Körper.
Sie schloss die Augen, da es weniger schmerzhaft war und ihr dadurch außerdem irgendwie wärmer wurde.
Langsam schien es ihr, als würde alles um sie herum warm und angenehm werden.
Wie eine Wolke glaubte sie zu schweben und hoffte nur mehr auf das erlösende, helle Licht...

~ * ~

„Gretchen!“
„Gretchen, können sie mich hören? Gretchen!!“
Leises Gemurmel drang auf einmal an Gretchens Ohr.
Ihr Kopf dröhnte und es fühlte sich an, als ob tausend Meere in ihren Ohren rauschen würden.
Sie versuchte angestrengt, die Augen zu öffnen, doch sie schienen wie zugeklebt.
Endlich, endlich brachte sie sie doch dazu, das zu tun, was sie von ihnen wollte.
Das erste, das sie bemerkte, war eine verschwommene Gestalt, die sich direkt über sie beugte.
Marc! schoss es durch ihren Kopf, als sie plötzlich einen langen Zopf am Kopf der Person bemerkte.
Gretchen wollte eben innerlich loslachen, als ihr Gehirn ihr leise sagte, das da etwas nicht stimmen konnte.
Das war nicht Marc, sondern Frau Doktor Hassmann.
Gretchen versuchte sich probeweise an den Kopf zu fassen und schrak zurück, als ihre Hand an einem Schlauch hängenblieb.
Wo war sie da nur hingeraten?
„Professor Haase, sie kommt zu sich.“
„Gretchen, Kälbchen, na endlich!! Wir haben uns schon solche Sorgen gemacht. Was machst du denn nur für Sachen?“
Gretchen erkannte die Stimme ihres Vaters sofort.
Aber was redete er da eigentlich? Was machte sie denn für dumme Sachen?
Hatte sie etwa doch mit Marc geschlafen?
Dieser Gedanke riss sie sofort hoch, um die Lage zu checken und das Schlimmste zu verhindern.
„Whoa, langsam, langsam, sie fallen ja noch aus dem Bett!“ hörte sie die laute Stimme von Doktor Hassmann.
Gretchen legte sich wieder hin und starrte in die Richtung, aus der sie die Stimme vermutete.
Endlich schienen ihr ihre Augen richtig zu gehorchen, und aus der verschwommenen Doktor Hassmann wurde eine ungeduldig blickende Doktor Hassmann, die genervt an den Schläuchen in ihrem Arm herumdrückte.
Moment mal, wieso hab ich eigentlich überall Schläuche an mir rumhängen?
Gretchen drehte sich langsam um und sah ihren Vater auf der anderen Seite des Bettes sitzen.
Sie betrachtete staunend das Zimmer und kam schließlich zu dem Schluss, dass sie sich in einem Krankenhaus befinden musste.
„Kälbchen, deine Mutter und ich haben vielleicht einen Schock gehabt, als auf einmal diese Schwester Sabine bei uns anruft und uns sagt, du wärst tiefgefroren im Kühlraum gefunden worden? Wie hasd du denn das bitte angestellt? Weißt du nicht, dass die Tür defekt ist?“
Gretchens Gedanken schwirrten wirr in ihrem Kopf herum, als sie plötzlich wahrnahm ,was ihr Vater da eigentlich sagte.
Krankenhaus. Kühlraum. O MEIN GOTT, KÜHLRAUM!
Genau, ihr war ja die Tür zugefallen und Knechtelsdorfer, dieser Idiot, hatte daneben selig auf seinem Stuhl geschlafen.
Wie bin ich da eigentlich wieder rausgekommen?
„Äh,wie bin ich da eigentlich wieder rausgekommen?“
Mann, tat das gut die eigene Stimme wieder zu hören!
„Na wunderbar, sie können sogar sprechen. Die Gehirnfunktion scheint auch voll da zu sein.“, ließ sich Dr. Hassmann hören.
„Margarete, so was machst du nie wieder. Du wirst nie wieder diesen Kühlraum betreten!“
„Mann Papa, jetzt hör doch mal auf mit dem Unsinn und sag mir lieber, wie ich da rausgekommen bin?“ Gretchen hatte sich inzwischen aufgerichtet und sah ihren Vater erwartungsvoll an.
Er wollte gerade anfangen, als Dr. Hassmann ihm ins Wort fiel.
„Der Millionär hat sie gerettet. Es ist ja wirklich immer dasselbe mit ihnen, egal was sie machen, die Männer fliegen ihnen immer zu. Ich finde das jetzt wirklich ungerecht!“
Gretchen verdrehte die Augen und grinste.
„Vielleicht probieren sie es auch mal mit der Kühlkammer, Frau Doktor. Könnte die Lösung für sie sein.“
Dr. Hassmann runzelte die Stirn und lächelte Gretchen auf einmal freundlich an.
„Gut dass sie wieder ganz die Alte sind, Dr. Haase. Ich werd dann auch mal, es gibt immerhin auch noch andere Assistenzärzte hier, die meinen qualifizierten Rat brauchen. Gute Besserung nochmal.“
Gretchen grinste und bedankte sich überschwänglich bei der Neurochirurgin.
„Na nun werden sie nicht gleich wieder sentimental, sie sind ja eben erst aufgewacht.“
Da war sie auch schon aus der Tür raus.
Gretchen lächelte. Mit Dr. Hassmann war wirklich gut auszukommen.
Schließlich wendete sie sich wieder ihrem Vater zu.
„Hat der Millionär micht echt gerettet?“
Professor Haase sah Gretchen besorgt an.
„Ich war nicht dabei, aber das hat zumindest Sabine erzählt. Er hätte sie angepiept und gesagt, sie solle mal nach dir sehen, da dein Handy so plötzlich ausgegangen ist.
Haach, wie süüüß ist das denn? Er hat sich tatsächlich Sorgen gemacht?! Vielleicht ist er echt nicht so ein Arsch, wie ich dachte.

„Ja und dann?“
„Sabine ist ins Labor gelaufen und hat Knechtelsdorfer gefunden und schließlich den umgefallen Besen gesehen und dich dann entdeckt.“
„Hat der immer noch geschlafen?“
„Ja, du dem werd' ich was erzählen. Schläft da einfach, während..“
„Nein, nicht, Papa. Ich..äh..ich meine, also er..war bestimmt nur müde.“
Als ihr Vater sie erstaunt ansah, beeilte sie sich schnell das Thema zu wechseln.
„Naja, also, wie lange hab ich eigentlich geschlafen?“
„Die ganze Nacht und den halben Vormittag. Aber deine Vitalzeichen sehen gut aus, du dürftest keine Folgeschäden davontragen.“
„Na, dann hab ich ja gerade nochmal Glück gehabt.“
Plötzlich ging Professor Haases Piper los.
„Na, ich muss dann auch los, die Plicht ruft. Du kommst klar, Kälbchen? Deine Mutter müsste ganz in der Nähe sein, ich hole sie schnell, dann kann sie dir Gesellschaft leisten.“
Na wunderbar.
„Ja sicher, bis später, Papa!“
Da ging auch schon die Tür auf und Bärbel kam herein.
„Margareeeeeeete, ich hab gekocht. Du siehst ja ganz abgemagert aus. Ich hab dir gleich alles mitgebracht, dass Essen hier ist ja furchtbar.“
Gretchen seufzte. Die nächsten Stunden würden seeeehr, seeeehr anstrengend werden...

~ * ~

Währenddessen kam Dr. Meier den Gang entlang.
Er hatte eine gute OP vor sich, war wieder mal richtig ausgeschlafen nach seinem freien Tag und der Kaffee war zur Abwechslung auch richtig heiß.
Am Gang entdeckte er Schwester Sabine, was ihm sehr gelegen kam.
„Sabine, ist Hasenzahn bei ihnen? Sonst piepen sie sie gleich an, die OP startet in zehn Minuten!“
Sabine klappte ihren Mund auf und schaute ihn verwundert an.
„Ja, was soll das jetzt? Ist meine Frisur so toll oder warum glotzen sie als ob sie einen Geist gesehen hätten? Hopp hopp, los jetzt, der Patient wartet auch nicht den ganzen Tag!Und ich übrigens auch nicht!“
Sabine starrte ihn immer noch mit offenem Mund an.
„Sabine?? Alles in Ordnung mit ihnen?“
Endlich brachte Sabine ein Wort heraus.
„Mit mir schon, Herr Doktor. Aber Doktor Haase ist in der Unfall-Ambulanz.“
„Wie in der Ambulanz? Was macht sie da denn? Sind auf der Chirurgie die Schokoriegel ausgegangen oder was?“
Sabine schüttelte heftig den Kopf.
„Äh, das weiß ich nicht, aber ich meinte doch, sie LIEGT auf der Unfall-Ambulanz.“
„Sie liegt? Sag mal, Sabine, wollen sie mich verarschen oder was?“
„Wissen sie den nicht, dass sie einen Unfall hatte?“
„Sie hatte einen UNFALL?!“ Marc riss die Augen auf und starrte Sabine erschrocken an.
„Sie hatte sich versehentlich in der Kühlkammer eingeschlossen. Aber zum Glück hat sie der Herr von Buren gerettet.“
„Der hat was?? Ja und was is jetzt?Geht es ihr gut oder was?“ Marc bekam vor lauter Aufregung keinen richtigen Satz zustande.
„Ja, das weiß ich auch nicht. Ich hab ja Dienst, aber vor zwei Stunden war sie noch bewusstlos.“
„BEWUSSTLOS!?!Und warum bitte sagt mir das keiner?!? Werd ich hier nicht mehr informiert oder was?“ Marc schrie schon fast vor Angst.
„Sie..sie hatten doch frei, Herr Doktor.Und da dachte ich..“ stotterte Sabine.
„Das ist das letzte mal, dass sie soetwas denken .Ist das klar?“
Dem Oberarzt stand die Angst wirklich ins Gesicht geschrieben. Sabine zuckte zusammen, als er sie anfuhr.
Sie wollte gerade zu einer weiteren Erklärung ansetzen, als Professor Haase auf die beiden zukam.
„Dr. Meier, da sind sie ja wieder. Bereit für die OP?“
„Sie meinen meine OP??..Ich meine, sie sind dabei?“
„Naja, ich muss für die Assistenz einspringen, Knechtelsdorfer ist noch nicht ganz auf der Höhe und Gretchen ist gerade aufgewacht.“
Marc sah ihn betroffen an.
„Sie ist wach?“
„Ach so, das wussten sie ja gar nicht. Ja, es sieht soweit gut aus.“
Marc fiel ein Stein von Herzen. Plötzlich wurde ihm bewusst, wie er wohl aussehen musste, setzte einen möglichst gefassten Gesichtsausdruck auf und straffte sofort seine Schultern.
„Ja, dann können wir jetzt ja wohl operieren, Professor.In 5 Minuten? Sabine, mitkommen!“
Sabine schaute Dr. Meier verwundert an.
Der Arzt, der eben noch ausgesehen hatte, als würde er sie jeden Moment anspringen, war plötzlich wieder ganz gefasst.
Sabine machte sich ihre Gedanken, folgte ihm aber schließlich eilig.
Dr. Meier lag also doch viel mehr an Gretchen, als er zugeben wollte, das hatte sein Verhalten eben nur zu deutlich bewiesen.
Sabine grinste befriedigt und begann, sich die Hände zu desinfizieren.

~ * ~

Marc war immer noch wie hypnotisiert als er sich für die OP steril machte.
Sein Gretchen erfriert fast in der Kühlkammer, und ihn informiert kein Mensch!
Oh Gott, hatte er eben „sein Gretchen“ gesagt?
Marc schüttelte den Kopf, als wollte er den Gedanken vertreiben.
Er konnte es einfach immer noch nicht zugeben, wie viel ihm an Gretchen lag.
Eigentlich war er sich ja selber nicht mal ganz im Klaren darüber, aber eine leise innere Stimme sagte ihm immer öfter, dass er sich irgendwie total in Gretchen verliebt hatte.
„Quatsch.“
„Wie bitte?“ Professor Haase sah ihn erstaunt an.
Ich hab das jetzt nicht gerade laut gesagt?!
„Öh, nichts. Ich meine, Quatsch, dass diese Blutung hier..äh.. nicht aufhört zu äh..bluten.“
Sag mal geht’s noch?
Was war nur mit ihm los? Wegen Gretchen konnte er nicht mal eine anständige Ausrede herausbringen.
Professor Haase sah ihn kurz an und beugte sich dann wieder über die Wunde.
„Schwester Sabine, äh..saugen und mehr Blut bitte.“ Marc kam seine Stimme ganz fremd vor. So nervös klang die sonst nicht.
Das gab's ja wohl nicht, diese Frau brachte ihn tatsächlich total durcheinander.
Was hatte sie nur gemacht, dass er sich nicht mal mehr richtig auf die Operation konzentrieren konnte?
Beim Gedanken einer bewusstlosen Gretchen am Boden der Kühlkammer wurde ihm ganz flau im Magen..
„Meier?! Sag mal, hören sie mich?“ drang eine laute Stimme schließlich an sein Ohr.
Marc blickte ganz in Gedanken versunken erschrocken auf und bemerkte schließlich, dass Professor Haase die ganze Zeit mit ihm geredet hatte.
„Äh.. entschuldigung, Herr Professor, was haben sie gesagt?“ brachte er hastig hervor.
„Meier, was ist heute nur mit ihnen los?Geht es ihnen nicht gut?“
Marc starrte ihn an und schluckte.
„Ich äh.. weiß auch nicht. Ich.. hab wohl was falsches gegessen oder ähm..“
„Schon gut, hören sie auf, rumzustottern, gehen sie raus, setzten sie sich hin und ruhen sie sich aus. Schwester Sabine, übernehmen sie!Und Meier, sorgen sie dafür, dass sie nach Mittag wieder auf dem Damm sind, mir gehen sonst noch die Ärzte aus!“
Marc sah ihn unsicher an und räusperte sich schließlich.
„Äh, aber natürlich, Herr Professor.“
Dieser schüttelte den Kopf.
Als Marc aus dem OP gegangen war, wandte er sich an Schwester Sabine.
„Was ist heute nur mit ihm los? Der ist doch sonst nicht so?“
Sabine lächelte in sich hinein. Sie wusste nur zu gut, was mit Dr. Meier los war.
Eine blonde, etwas zu dicke und im Moment ziemlich kranke Dr. Gretchen Haase war mit ihm los. Aber das konnte sie Professor Haase wohl kaum sagen.
„Ich weiß es auch nicht, Herr Professor. Er hat vielleicht wirklich etwas falsches gegessen.“
„Hm, das wird es schon sein. Ich hoffe nur, er ist bald wieder fit. Erst Knechtelsdorfer, dann Gretchen, und jetzt auch noch mein bester Oberarzt.Wenn das so weiter geht, stehe ich bald alleine da!“ ...

~ * ~

Marc hatte sich inzwischen im Personal-WC auf den Boden sinken lassen.
Gretchen wäre schon wieder fast gestorben!
Er schluckte schnell und verbannte den Gedanken aus seinem Kopf.
Sie lebte ja immerhin! Es ging ihr gut!
Mit solchen Worten versuchte er, sein klopfendes Herz zu beruhigen, aber es wollte einfach nicht aufhören.
Es ließ ihm einfach keine Ruhe, seitdem er sie mit diesem Millionär zusammen gesehen hatte. Er konnte einfach nicht aufhören, an sie zu denken..
Wenn er nur daran dachte, wie sie von diesem reichen Schnösel von Buren sprach oder ihn nur ansah, er könnte echt kotzen!
Genauso wie damals bei Mehdi..
Mit einem Schlag wurde es Marc bewusst. Er konnte es einfach nicht mehr hinausdrängen, er hatte sich in Gretchen verliebt, und das schon lange!
Immer wenn sie da war, war alles einfach leichter und lustiger und... schöner.
Oh Gott, er müsste sich mal hören. Er klang ja schon wie seine Mutter, wenn sie einen dieser Romane schrieb!
Zitternd hielt er sich am Waschbecken fest.
So sehr er seinen Kopf auch schüttelte, so sehr er die Gedanken zu verdrängen versuchte und so lange er sich auch einredete, das wäre nur die Angst, weil sie schon wieder fast gestorben wäre, er kam einfach nicht darum herum.
Er liebte Gretchen!
Jetzt wo es ihm klar war, musste er es ihr nur irgendwie auch klar machen.
In letzter Zeit schien sie sich ja nicht wirklich um ihn zu kümmern...
Marc dachte angestrengt nach, und ihm fielen langsam wieder all die Sachen ein, die er gesagt und getan hatte.
Das schreckliche Gefühl, wie sie ihn angesehen hatte, als er Gabi die Frage in der Cafeteria gestellt hatte! Oder wie sie ständig versucht hatte, herauszufinden, womit Gabi ihn erpresste! Ihm wurde erst jetzt so richtig klar, dass sie das alles nur für ihn gemacht hatte!
Und er Idiot fragte sie auch noch, ob er ihr etwas schulde!Wie konnte er nur so blind sein!!
Marcs Magen drehte sich bei dem Gedanken um, Gretchen etwas von seinen Gefühlen zu sagen! Mal abgesehen davon, dass er sowas in seinem ganzen Leben noch nie gemacht hatte, würde sie ihn sicher auslachen!So wie jetzt musste sie sich die ganze Schulzeit gefühlt haben!
Plötzlich konnte er nicht mehr anders, er musste dem Drang seines Körper nachgeben, als er sich über das Waschbecken beugte und sich heftig übergab.

~ * ~

Dr. Kahn wollte sich eben noch schnell einen Kaffee holen, bevor er nach Hause fuhr, als er Dr. Meier nun schon zum dritten Mal an dem Zimmer vorbei gehen sah, in das sie Gretchen inzwischen verlegt hatten.
Was machte der bloß hier? Er ging nie rein, sondern zögerte immer und drehte sich schließlich um und ging weiter.
Seltsam!
Mehdi nahm den heißen Kaffeebecher und ging langsam schlürfend auf seinen Kollegen zu.
„Na, Marc, wirst du reingehen auch mal?“
Marc fuhr erschrocken herum und starrte Mehdi an.
„Ich äh..wollte, natürlich ich meine.. wie kommst du eigentlich darauf?“
Na wundervoll, er stotterte schon wieder! Und dann auch noch vor Mehdi.
„Naja, du gehst jetzt schon zum dritten Mal vorbei und nie rein.Es geht ihr übrigens gut, ich war vorhin da.“
„JA ganz toll.Ich öh.. sag mal beobachtest du mich? Hasd du irgendwie nicht genug zu tun oder was?
Mehdi fuhr überrascht zurück.
„Hey, man wird ja wohl nochmal fragen dürfen.“
Marc sah ihn verärgert an und ging schließlich in Richtung Schwesternstation davon.
„Ich auf jeden Fall muss jetzt arbeiten! Täte dir auch mal gut!“
Mehdi blickte ihm verwundert nach, zuckte mit den Schultern und ging schließlich zur Treppe.
Meier war heute wirklich komisch drauf! Schwester Sabine hatte schon so etwas angedeutet und dann hatte sich auch noch Professor Haase erkundigt, ob der Kollege irgendwelche Probleme hätte. Was hatten die heute alle bloß?

~ * ~

TEIL 2 sollte gleich folgen, wenn alles klappt. [grin]

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

27.08.2009 23:22
#2 Happy ever after? Zitat · Antworten

~ * ~

Gegen zehn Uhr abends hielt Marc es einfach nicht mehr aus. Er musste einfach zu Gretchen! Nachtdienst hin oder her, er musste sie einfach sehen und sich überzeugen, dass es ihr gut ging.
Er klopfte leise an die Tür und wartete nervös.
Marc Meier und nervös! Diese Frau schaffte wirklich alles!
Als immer noch keine Antwort kam, ging er schließlich leise in den dunklen Raum.
Geräte piepten und stickige Luft kam ihm in einem Schwall entgegen. Gretchen lag schlafend auf ihrem Bett. Ihr rosa Schlafanzug leuchtete so hell zu ihm her, dass Marc sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Bärbel Haase war wohl zu Besuch gewesen..
Marc ging leise zum Fenster und kippte es vorsichtig.
Dann setzte er sich sachte auf ihr Bett und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
Sie war immer noch erschreckend kühl und ihre Hautfarbe sehr blass.
Marc strich ihr sanft über die kalte Wange und betrachtete sie lange.
Seine Hand rutschte von ihrem Gesicht, als sie sich im Schlaf wild drehte und laut und unruhig atmete.
Als sie schließlich auch noch zu zittern begann, bekam Marc wirklich Angst.
Er zog sich schnell seine Schuhe aus und legte sich vorsichtig neben sie aufs Bett.
Sofort schmiegte sich Gretchen an ihn und vergrub ihren Kopf in seiner Schulter.
Marc zog sie noch ein bisschen an sich und legte seinen Arm sanft um sie, um sie zu wärmen.
Gretchens Atem wurde schnell ruhiger und sie drehte sich auch nicht mehr.
Seine Anwesenheit musste sie wohl beruhigen.
Marc lächelte leise in sich hinein. Es gab wohl doch noch Hoffnung.
Glücklich zog er sie noch näher an sich, schlüfte unter die Decke und legte sie fest um Gretchen.
Nachdem er ganz sicher war, dass sie warm und weich lag, lies er auch seinen Kopf auf das Kissen fallen und verfiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

~ * ~

Ein seltsames Piepen weckte ihn.
Marc rieb sich verschlafen die Augen und wollte sich eben langsam aufrichten, als er mit einem Knall aus dem Bett flog.
Aua.
Nachdem er sehr unsanft auf dem Krankenhausboden gelandet war, schnellte er hoch und schaute erschrocken zu Gretchen.
Sie war zum Glück nicht aufgewacht.
Er rieb sich den schmerzenden Kopf und sah zu Gretchen hinüber.
Sie sah so friendlich aus, während sie schlief.
Marc wurde ganz schwindlig davon, doch plötzlich fiel ihm alles wieder ein.
Die ganze Nacht war praktisch wie ein schöner Traum. Er hatte seine Chance wohl echt verpasst, für Gretchen war er wahrscheinlich schon längst abgeschrieben.
Er musste schwer schlucken, als plötzlich die Tür aufging und Frau Dr. Hassmann in der Tür stand.
„Kollege Meier, ich hab sie ja gar nicht gesehen.. Entschuldige, was machen sie eigentlich hier?“
Marc hatte sich erschrocken über Gretchen gebeugt und tat, als würde er ihren Zugang am Ellbogen untersuchen.
„Ich äh.. wollte nur eben nachsehen, ob es ihr auch gut geht. Ich hatte ja Nachtschicht.“
„Ja, und die ist um neun Uhr morgens schon aus, soviel ich weiß. Würden sie micht jetzt vielleicht zu meiner Patientin lassen?“
Marc schaute sie verunsichert an, als ihm schließlich siendenheiß einfiel, dass er gestern seine Schuhe ausgezogen hatte.
„Ja, äh.. natürlich.“ Geschickt kickte er die Schuhe unter das Bett und versuchte möglichst unauffällig an Dr. Hassmann vorbeizugehen.
Das gelang ihm anscheinend nicht, denn er wollte gerade durch die Tür, als sie ihn mit ihrer Stimme zum Stehen brachte.
„Ziehen sie eigentlich immer ihre Schuhe aus, wenn sie in der Nachtschicht Patienten klauen?“ Sie blickte ihn herausfordernd an.
Marc schluckte. Verdammt, normalerweise würde ihm jetzt irgendein Spruch über die Lippen kommen, aber sein Gehirn war wie blankgefegt.
„Ja äh, die hab ich gerade gepu..also äh putzen lassen.“
„Ja, natürlich. Vom Osterhase, oder?“
„Osterhase??“ Marc konnte nicht anders, er musste laut los lachen.
Doktor Hassmann grinste und blickte ihn nach exakt drei Sekunden wieder todernst an.
„Jetzt aber raus hier. Sie mag ja ihre Assistentin, Freundin oder sonst was sein, meine Morgenvisite stören sie trotzdem nicht.“
Marc hustete, als er das Wort Freundin hörte.
Schön wärs.
„Ja also, ich geh dann mal meine.. äh Schuhe abholen.“
Doktor Hassmann ignorierte ihn und beugte sich über Gretchens Akte.
Marc machte, dass er zur Tür rauskam und ging so schnell wie möglich zu seinem Büro, während er hoffte, niemand würde ihn schuhlos durch die Station rennen sehen.
Er hatte sich gestern vor dem Professor schon lächerlich genug gemacht, einen weiteren Kratzer brauchte sein ohnehin schon angeschlagenes Ego wirklich nicht.

~ * ~

Marc hatte heute eigentlich wieder frei, er blieb aber im Krankenhaus, da er schließlich noch zu Gretchen wollte.
Er musste zumindest versuchen, es ihr irgendwie zu erklären.
Nachdem er den ganzen Vormittag und den halben Nachmittag mit todlangweiligen Aktenkram verbracht hatte, hielt er es nicht mehr länger aus.
Außerde hatte ihn Schwester Sabine schon dreimal seltsam angesehen, als sie ihn über dem Aktenberg sah.
Es war allgemein bekannt, dass Dr. Meier Akten schreiben hasste und es so lange wie möglich hinauszudrängen gewohnt war.
Und dann noch an einem eigentlich freien Tag. Sabine musste ihn wirklich für total neben der Spur halten.
Bevor sie ihn nochmals so komisch ansehen würde, ging er lieber zu Gretchen.
Die konnte ihn immerhin auch nicht komischer ansehen.
Naja gut, sie konnte ihm zusätzlich das Herz brechen, aber noch länger Aktenkram und er würde sowieso sterben!

~ * ~

Marc stand schließlich vor ihrer Tür und sah durch die halbgeöffneten Rollläden des Krankenzimmers.
Die doofen Dinger waren eigentlich echt praktisch!
Plötzlich merkte er, dass sie da drin nicht alleine war, sondern dieser Millionär auf ihrem Bett saß.
Auf ihrem BETT!
Sofort brodelte er vor Eifersucht und überlegte krampfhaft, was er tun sollte.
Früher hätte er ihn einfach rausgeschmissen, aber..
Ach quatsch, Gretchen hatte vielleicht einiges an ihm geändert, aber im Grunde war er immer noch derselbe Marc Meier wie vorhin!
Kurz entschlossen riss er, ohne auch nur einmal Anzuklopfen die Tür auf..

~ * ~

„Raus!“
Der Millionär und Gretchen schaueten beide erstaunt zur Tür.
„Sag mal, spinnsd du Marc? Ich hab hier Besuch. Du weißt schon, das das Patienten bekommen wenn sie krank sind.“
„Tja, leider, die Besuchszeiten sind aus, also raus jetz hier!“
Gretchen starrte ihn entgeistert an während Alexis langsam nach seiner Jacke griff.
„Äh.. bleiben sie doch hier, Herr von Buren, Dr. Meier wollte sowieso gleich wieder gehen..“
„Jetzt reichts dann, raus jetzt hier!“
„Was bildest du dir eigentlich ein hier reinzumarschieren und einen auf..“ Gretchen hielt mitten im Satz inne als sie merkte, dass Alexis im Begriff war, aufzustehen. „Herr von Buren, bleiben sie doch.Das ist ja wirklich zu kindisch.“
Der Millionär war inzwischen aufgestanden und wollte eben durch die Tür.
„Schon okay, ich komm dann..äh einfach später wieder. Gute Besserung!“
„Okay also äh danke. Ach ja, und danke für die Blumen!“
Er lächelte nochmal flüchtig und schloss die Tür hinter sich.
Gretchen sah ihm kurz nach, als ihr bewusst wurde, was gerade passiert war und dass Marc außerdem immer noch mitten im Raum rumstand.
„Hast du sie eigentlich noch alle?!? Was machst du eigentlich hier?“
„Wie geht’s dir?“ erkundigte sich Marc mit plötzlich erkaltetem Blick.
„Nicht im Ernst jetzt Marc, oder? Du schmeisst meinen Gast raus, um zu fragen wie es mir geht? Herrgottnochmal wer glaubst du eigentlich wer du bist?!“
„Ich äh..“
„Ich glaub das jetzt echt nicht. Kommt da ungebeten hier rein, macht einen auf Oberarzt, schmeisst meinen Besuch raus und weiß dann nicht mal was er eigentlich will?! Sie schluckte leise. „Für die Nummer hier hättest du mir wenigstens was mitbringen können!“ fügte sie vorwurfsvoll hinzu und starrte schließlich ihre Hände an.
Betretenes Schweigen erfüllte den Raum.
„Ich liebe dich.“ ertönte es auf einmal leise von der anderen Ecke.
„WAS?“ enkam es Gretchen laut.
Das darf jetzt nicht wahr sein, oder? Das hat der nicht gerade gesagt?
„Ich.. ich liebe dich, Gretchen. Ich weiß auch nicht warum ich das nicht früher gerafft hab, aber es ist echt alles was ich weiß.“
Gretchen wurde blass und starrte ihn entgeistert an.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, Marc? Nicht JETZT?!“
„Ich.. ich packs nicht ohne dich.Ich weiß nicht was du gemacht hast, aber ich kann einfach nicht.. der ganze Krankenhausstress, die OP's, ich packs einfach nicht ohne dich!“
ICH GLAUB DAS JETZT EINFACH NICHT!
„Ja ganz toll, Marc. Wahnsinn du liebst mich. Da kommst du gerade jetzt drauf, ja? Bisd du dir überhaupt sicher, hm? Soweit ich weiß, kennst du das Gefühl eigentlich nicht, oder? Weißt du eigentlich wie beschissen es mir in meiner Kindheit gegangen ist? Ich dachte auch, ich schaffs nicht ohne dich. Aber das interessierte ja wieder niemand,hm? 'Und jetz glaubst du echt du kannst hier reinspazieren und ich fall dir um den Hals oder was?“ Gretchen schrie schon fast.
Marc starrte sie an und brachte kein Wort raus. Gretchen schien dafür erst richtig in Fahrt gekommen zu sein.
„Ich konnte Tage nicht schlafen wegen dir, weißt du das eigentlich? Scheisse, du hast ja echt keine Ahnung wie viel ich wegen dir geweint hab.Meine ganze Schulzeit.. und dann stehst du zehn Jahre später einfach wieder vor mir. Bei mir hat sich nichts geändert, Marc, nicht was dich betrifft.. Und du spielst mit mir, als wär ich irgendeine Puppe ohne Herz. Hergottnochmal Marc kapierst du eigentlich echt nichts? Ich renne sogar zur Polizei für dich und du checkst immer noch nichts sondern fragst mich ob ich dir was schulde!! Ich hab deinen verdammten Arsch gerettet, NATÜRLICH SCHULDEST DU MIR WAS!!“ Gretchen hatte inzwischen schon erhitzte Wangen von der ganzen Schreierei, doch es tat gut es endlich mal von der Seele zu haben.
„Ich hätte echt gehofft, das öffnet dir die Augen. Aber für dich bin ich ja nur jemand, den du herumschubsen kannst. Genau wie alle anderen Frauen in deinem Leben. Anderen reicht das vielleicht, mir aber nun mal nicht!Und für deine Schuldgefühle ist es jetzt echt zu spät, Marc. Ich hab letzte Nacht endlich mal wieder gut geschlafen, ich hätte echt gern, dass das so bleibt.“
Gretchen glaubte, sie sah nicht recht, als sie ihn ansah und tatsächlich seine Augen verräterisch feucht schimmerten.
Der heult jetzt aber nicht gleich los, oder?
„Das war ich.“ brachte er leise hervor.
Gretchen schaute ihn verständnislos an.
Mensch, wenn der nicht gleich aufhört so zu gucken, dann krieg ich Mitleid auch noch.. Stopp aus Gretchen! Konzentrier dich!
„Wie, was warst du?“
Marc blickte sie traurig an und wiederholte: „Das war ich, ich hab bei dir geschlafen.“
NEE ODER?!
„Wie, du hast hier .. ich meine, du warst die ganze Nacht hier?“ Gretchen starrte ihn ungläubig an, als ihr ganzer Körper auf einmal ganz warm wurde.
Marc sah sie immer noch traurig an. Starrte in ihre Augen, dass sie glaubte, er blicke durch sie hindurch.
Plötzlich richtete er seinen etwas zusammengesunkenen Körper straff auf und sagte kalt und gefasst, sich zur Tür wendend: „Aber dafür ist es jetzt ja wohl zu spät.“
Die Worte schnitten Gretchen mitten durchs Herz.
Sie konnte genau heraushören, wie verletzt er war. Marc wollte gerade rausgehen, als Gretchen endlich jähes Begreifen durchzuckte.
Scheisse, das sind nicht nur seine Schuldgefühle.Er liebt mich TATSÄCHLICH! O gott, was hab ich alles gesagt?!
„MARC!“
„Was!?“ fragte er beinahe ärgerlich, als er sich in der Tür umdrehte.
„Ich äh.. kannst du mal die Tür zumachen? Bitte!? „ Gretchen sah ihn flehend an, da sie wusste, dass echt alles vorbei war, wenn er rausgehen würde.
Scheisse, ich muss das jetzt echt irgendwie geradebiegen. Verdammt Gretchen denk nach!
Der Marc von früher wäre gegangen schoss es ihr nur ständig durch den Kopf, als er immer näher kam.
Der Marc von früher wäre gegangen. Es musste ja echt irgndwas mit ihm passiert sein, dass er jetzt noch hier war. Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen: der neue Marc Meier MIT Herz!
Gretchen war so vertieft darin, nach einer passenden Erklärung zu suchen, dass sie gar nicht merkte, wie Marc sie ungeduldig ansah und fast schon wieder gehen wollte.
„Marc.. ich..“ Verdammt Gretchen, sag was! Irgendwas!
„Du weisst schon ,dass das eigentlich sexuelle ähm.. Bedrängnis der Privat..äh spähre ist.Ich meine, gestern, dass du .. äh“ stotterte Gretchen rum und bemühte sich, nicht in seine Augen zu sehen.
Schließlich hielt sie es nicht mehr aus und blickte ihn an.
Zu ihrer größten Überraschung erschien langsam ein kleines Lächeln auf Marcs Mundwinkeln, bis er sie schließlich in seiner gewohnten Weise angrinste.
Er kam langsam näher und setzte sich sachte auf den Rand ihres Krankenbettes.
„Sah mir gestern aber ganz anders aus. Du schienst ja einen sehr.. äh..schönen Traum zu haben.“ Marc grinste sie frech an.
DA IST ER WIEDER! Der alte Marc Meier. Und ich dachte mir schon ich müsste mir Sorgen machen - Scheisse, was hat der gerade gesagt?O GOTT ich hab jetzt nicht...?
Gretchen lief knallrot an und wusste nicht, was sie sagen sollte.
Marc schien sich dafür ja echt prächtig zu amüsieren.
„Du hättest dich echt mal sehen müssen.. übrigens redest du im Schlaf..“ Marc musste laut loslachen, während Gretchen immer röter wurde.
Das darf ja wohl nicht war sein? Scheisse, was hab ich bloß dahergeredet? O Mann, wieso muss sowas auch immer mir passieren??
„Was äh.. was hab ich denn gesagt?“ fragte Gretchen langsam und hoffte, möglichst unbefangen zu klingen.
„Bisd du dir sicher, dass du das wissen willst?“ Marc grinste sie an und began schon wieder zu lachen.
„Ja.. Nein.. ich meine Ja... ich meine, Marc, ich find das jetzt echt nicht so lustig hier.“ stotterte Gretchen vorwurfsvoll.
Marc kamen schon die Lachtränen als Gretchen ihn wütend in die Rippen boxte.
„Mann, Marc, jetz hör doch mal auf.“
„Is ja gut, is ja gut.“ Marc betastete vorsichtig die Stelle, die Gretchen getroffen hatte und beugte sich schließlich leicht nach vorne.
Gretchen schaute ihn unsicher an.
„Aaalso..“ Marc grinste.
„Stell das dämliche Gegrinse ab, ich komm mir sowieso schon wie der letzte Idiot vor.“ meinte Gretchen genervt und versuchte, die Decke über ihre Schultern zu ziehen, um ihren rosa Schlafanzug ein wenig zu verdecken.
„Keine Sorge, im Vergleich zu dem was du gestern gesagt hast, ist der Schlafanzug echt das kleinere Übel.“
Wahnsinn Gretchen, du hasd es geschafft. Geknickter Dr. Meier ist wieder ganz der alte.Super!
Gretchen schossen vor lauter Wut und Scham die Tränen in die Augen.
Wütend drehte sie sich um und vergrub sie ihren Kopf in ihren Armen und versuchte hektisch, ihre Augen trocken zu wischen.
Das kann ja wohl nicht wahr sein, jetz heul ich auch noch vor ihm rum!
Marc beobachtete immer noch grinsend Gretchens Reaktion und beugte sich schließlich zu ihr runter. Sachte drehte er sie wieder um, während Gretchen viel zu überrascht von seiner Sanftheit war, um sich zu wehren.Marc wischte ihr mit seinem Daumen zärtlich die Tränen von den Wangen und nahm ihr Gesicht in seine Hände.
„Du hasd gesagt, dass du Mehdi in letzter Zeit echt ziemlich seltsam findest und dass du den Millionär eigentlich nicht ausstehen kannst und du am liebsten..“
„Mann Marc, jetz hör doch auf mit dem Quatsch..“
Marc grinste, beugte sich schnell vor und küsste sie, sanft und kurz, dennoch wurde Gretchen ganz warm.
„Lass mich ausreden. Du hast gesagt, dass ich dir echt die Kindheit versaut habe, aber dass du mir verzeihst und mich trotzdem für immer lieb.. Aua!“
Gretchen hatte Marc kurzerhand eine geschallt und grinste nun selber.
„Jetz hör' doch mal zu labern auf.“
„Jaja, das sagst gerade du. Spinnsd du, so zuzuschlagen?“
„ Die hast du echt verdient. Ich hab gar nicht im Schlaf gesprochen, richtig?“
Marc huschte ein Lachen über das Gesicht, während er sich die brennende Wange hielt.
„ Vielleicht.“
„ Ich habs doch gewusst.“
„Gar nichts hast du gewusst. Du bisd voll drauf reingefallen.Aua, Mensch Hasenzahn, das tut jetzt echt weh.“
Gretchen verdrehte die Augen.
„Nimm die Hand da weg.“
Marc sah sie ungläubig an und ließ seine Hand sinken.
„Danke.“ Gretchen grinste und beugte sich schnell zu ihm.
Sie küsste leicht seine Wange und strich ihm schließlich sanft darüber.
„Besser?“
„Äh..nein.“ Marc grinste.
„Mensch Marc, kannst du nicht einmal das richtige sag“ Weiter kam sie nicht, da Marc sie blitzschnell zu ihm herangezogen hatte und ihren Mund sanft mit seinen Lippen umschloss.
Gretchens Herz klopfte schneller, als er sie noch näher an sich heranzog und seine Arme um ihre Hüften schlang.
Sie schien alles um sich zu vergessen, während der Kuss immer leidenschaftlicher wurde.
Gretchen strich mit der Hand über seine Haare und drückte ihren erhitzten Körper so nah wie möglich an seinen.
Von mir aus kann das ewig so weitergehen.
Sie lösten sich erst voneinander, als ihnen die Luft auszugehen drohte.
Marc strich ihr etwas außer Atem über die Haare und schaute sie verliebt an.
„Viel besser.“
„Hä?“
Mann, ich bin so geistreich!
„Na die Wange. Ich wusste ja immer schon ,dass ich waaahnsinnig gut küsse, aber dass es dir gleich das Hirn wegbrennt..“ Marc lachte laut und Gretchen war kurz davor, ihm noch eine zu schallen, als sie es sich schließlich anders überlegte und ihn herausfordernd anblickte.
„Ach ja, Dr. Meier? Können sie mir gleich beweisen, jetzt wo sie schon mal hier sind.“
Marc grinste. „Und ich wär das Speedboot, ja?“
„Halt die Klappe und küss mich endlich.“
So etwas ließ sich ein Doktor Meier natürlich nicht zweimal sagen...

What goes up must come down
spinning wheel got to go round
Talking about your troubles it's a crying sin
Ride a painted pony
Let the spinning wheel spin


~ * ~


Das wars. Ich hoffe, es hat euch gefallen! Wär superlieb wenn ihr mir ein Kommentar dalassen würdet! Sagt mir bitte auch, was ihr verbessern oder anders machen würdet! Ob ich die Geschichte noch fortsetze ,kommt jetzt ganz auf eure Reaktionen an, aber wenn ihr eine Fortsetzung wollt, kann ich meine grauen Zellen schon noch ein bisschen anstrengen.

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

30.08.2009 20:02
#3 Die Wahrheit übers Lügen Zitat · Antworten

~ * ~

Nur das leise Ticken des Weckers erinnerte Gretchen daran, dass sie nicht im Paradies war, sondern tatsächlich noch in diesem unbequemen Krankenhausbett mit den hässlichen senffarbenen Decken lag.
Naja wenigstens waren die Decken frisch und, von den kleinen Schokoflecken mal abgesehen, sauber.
Was Gretchen aber noch viel mehr an ihnen faszinierte, als die wirklich auffallend abscheuliche Waschung des Stoffes war der herrliche Geruch, nämlich nach billigem Waschpulver und nach... Marc.
Es waren auch tatsächlich Marc Meiers weiche Haare, durch die sie sanft mit ihren Fingern strich und es waren auch seine Füße, die mit ihren verheddert unter der Decke lagen.
Eine Hand lag unter seinem Kopf und die andere war langsam von ihrer Hüfte gerutscht, wo sie ursprünglich gelegen hatte.
Gretchen betrachtete ihn lange, während er neben ihr schlief und sein warmer Atem an ihrem Hals entlang strich.
So angenehm es auch war, neben Marc zu liegen, seinen Geruch einzuatmen und die Wärme seines Körpers zu spüren, so war das Bett leider doch ziemlich eng und die Erlebnisse des Tages doch zu aufwühlend gewesen, dass Gretchen schlafen hätte können.
Hellwach lag sie neben Marc im Bett und dachte, während sie ihm leicht das Haar kraulte, über den heutigen Tag nach.
Was hatte sie nur alles erlebt! Manche Tage fliegen vorbei, ohne dass man sie richtig wahrnimmt, und dann passiert in manchen zwölf Stunden wieder so viel, dass man gar nicht glauben kann, dass sich alles plötzlich verändert hat.
Gretchen konnte nicht sagen, dass ihr die Veränderung nicht gefiel, ganz im Gegenteil, doch trotzdem war alles ein wenig zu schnell gegangen.
Es gab noch so viele unausgesprochene Gedanken und Gefühle, so viele Unklarheiten und Ängste, da war noch etwas zwischen ihnen, was sich Gretchen gar nicht genau erklären konnte, doch es war eindeutig da.
Wahrscheinlich konnte sie ihr Glück einfach noch nicht fassen, wer kennt das schließlich nicht, man träumt ewig von etwas und auf einmal hat man es einfach so bekommen und kann es gar nicht fassen.
Okay, Gretchen hatte Marc nicht gerade einfach so bekommen, aber dennoch, oder vielleicht gerade wegen der ganzen Schwierigkeiten, irgendwie kam sie mit dieser neuen Situation noch nicht klar.
Sie konnte sich einfach nicht wie Marc sorglos darauf einlassen und in den Tag leben, dazu kannte sie sich viel zu gut.
Ihr fehlte einfach das grundlegende Vertrauen zu Marc, und jeder der sie kannte, wusste, wie wichtig das für sie war.
Es schmerzte ihr zwar, sich soetwas einzugestehen, aber sie wusste, dass sie Marc immer noch nicht ganz glaubte.
Außerdem hatte er es nicht nochmal wiederholt, seit er ihr heute Nachmittag seine Gefühle gestanden hatte, das war doch eindeutig ein Zeichen!
Mensch, jetzt versuchte sie schon wieder, alles Negative an der Situation zu finden, um sich zu überzeugen, dass das ungute Gefühl in ihrem Bauch nicht von irgendwoher kam.
Das war wieder so typisch für sie, sie musste einfach alles solange drehen und wenden, bis sie irgendetwas fand, was für sie beunruhigend wirkte.
Plötzlich fiel ihr ein, dass sie Marc eigentlich nie explizit gesagt hatte, dass sie ihn auch liebte.
Scheisse, warum hatte sie es nur nicht getan?
Logisch, sie hatte ewig darauf gewartet, diese drei Worte von Marc zu hören, und wollte ihm nicht sofort den Triumph gönnen und ihn merken lassen, dass sie ihn trotz allem genauso liebte wie vorher, aber eigentlich hätte sie es wirklich sagen können!
Da war wieder ihre doofe Angst ins Spiel gekommen, wieso konnte sie nicht einfach auch mal was riskieren?
Naja okay, wie oft hatte sie schon etwas riskiert und war dabei auf die Nase gefallen?
Mensch, wieso konnte sie mit dieser Sache nicht einfach cooler umgehen? Und warum bitte, konnte Marc, der Idiot, nicht einfach mal ernsthaft mit ihr über seine Gefühle sprechen? Okay, gestern war ja schon mal ein großer Schritt, aber dennoch..er hatte es nicht einmal am Abend wiederholt. Nicht mal angedeutet!Diese Männer und ihr Scheiss-Stolz!
Naja okay, sie musste sich eingestehen, es musste echt ein riesiger Schritt für Marc gewesen sein, ihr zu sagen, dass er sie liebte.
Aber kaum hatte er gemerkt, dass sie nicht sofort dazu bereit war, ihm zu vergeben, hatte er seinen Schutzpanzer schon wieder umgelegt und war in alte Muster verfallen.
Nachdem sie sich danach vor ihm lächerlich gemacht hatte, hatte er sich wieder sicher gefühlt und plötzlich war er wieder ganz der alte Ich-hab-ein-Ego-wie'n-Lastwagen-Marc.
„Scheiss-Männer und ihre Scheiss-Egos“ murmelte Gretchen wohl etwas zu laut vor sich hin, da Marc sich langsam im Bett bewegte und ein leises Brummen hören lies.
Gretchen, die sich in ihrem Gefühltaumel ein wenig aufgerichtet hatte, legte sich schnell wieder hin und strich Marc so lange durch die Haare, bis sie sicher sein konnte, dass er wieder komplett eingeschlafen war.
Als er schließlich sein Gesicht wieder zwischen Hand und Kissen vergraben hatte, seufzte Gretchen leise.
Warum steigerte sie sich nur wieder so in was hinein, was gar nicht da war?
Gut, sie hatte tatsächlich Angst, dass das mit Marc und ihr nicht funktionieren würde, aber sie konnte sich noch genau erinnern, wie glücklich sie sich in seinen Armen gefühlt hatte, nachdem er sie geküsst hatte und sie für eine Weile einfach nur festhielt.
Und wie sie ihn angestrahlt hatte, als er verkündet hatte, er würde heute, natürlich nur um sicherzugehen, dass sie keine Rückfälle erlitt oder ihr Herz stehen bleiben könnte, bei ihr übernachten.Loooogisch.
Er hatte sie angegrinst und sie hatte zurückgegrinst.
Na also! Man sagt ja, wenn man sich in diesem Augenblick, wo man etwas gemacht hat, glücklich gewesen ist, dann soll man es nie bereuen.Gretchen wusste sogar genau die Seite des Heftes, worin sie diesen Spruch einst gelesen hatte.
Sie hatte ihn sogar in ihr Tagebuch übertragen.In rosa Glitzerschrift!
Na eben, und zu dem Zeitpunkt, wo Marc sie geküsst hatte, war sie immerhin mindestens im fünfzehnten Himmel gewesen, also sollte sie jetzt auch aufhören, rumzugrübeln und sich Sorgen zu machen, sondern auch einfach mal darauf vertrauen, dass alles gut gehen würde!
Mit dem Spruch aus ihrem Tagebuch auf ihren Lippen schlief sie schließlich endlich ein.

~ * ~

Als Gretchen am Morgen aufwachte, war Marc nicht mehr da.
Super, kein gutes Zeichen.
Ach was, das neue Gretchen war jetzt optimistisch!Nur weil Marc nicht mehr im Bett lag, musste das ja nicht heißen, er hätte es sich anders überlegt.
Es war immerhin schon fast zehn Uhr, und er hatte heute nicht frei, das wusste sie genau.
Er hatte nur sicher eine dringende OP gehabt, genau so musste es gewesen sein!
Beruhigt durch diesen Gedanken genoss Gretchen erstmal ihr Frühstück.
Den Rest vom Vormittag musste sie noch ein paar Untersuchungen über sich ergehen lassen, bis sie schließlich von Frau Hassmann persönlich entlassen wurde.
Gretchen wollte eben Marc suchen gehen, um dann mit ihm zu essen, als ihre Mutter auftauchte und sie nach Hause bringen wollte.
Sie hatte extra gekocht und ließ Gretchen gar nicht erst ausreden, sie würde jetzt sofort mit nach Hause fahren und mit der Familie essen, nachdem sie immerhin zwei Tage von Krankenhauskost leben musste.
Gretchen seufzte, da sie wusste, dass sie aus der Sache nicht rauskam.
Sie bat Schwester Sabine Marc auszurichten, dass sie nach Hause gefahren war, aber später wahrscheinlich nochmal kommen würde.
Diese versprach ihm alles, sobald sie ihn sehen würde, auszurichten und Getchen fuhr beruhigt nach Hause.
Es dauerte natürlich doch länger als geplant, sodass Gretchen nicht vor fünf Uhr ins Krankenhaus kam.
Ihr Vater hatte zum Glück Nachtschicht und konnte sie in die Klinik mitnehmen, da es grauenhaftes Wetter hatte und es Gretchen vorkam, als hätte sich die Erde gedreht und das halbe Meer platsche auf Berlin herunter.
Leicht durchnässt kam sie im Krankenhaus an und ging sofort auf Schwester Sabine zu, die gerade aus der Umkleide kam.
„Sabine, hasd du Marc alles ausgerichtet?“
„Ja natürlich, Frau Doktor.“
Gretchen blickte sie ungeduldig an.
„Ja und? Was hat er gesagt? Wo ist er überhaupt?“
„Er sagte, er musste nochmal dringend wohin und Sie sollten in seine Wohnung kommen.“
Hörte sich ja schon mal nicht schlecht an.
„Achso, ja. Hat er nicht gesagt, wo er hinfahren würde?“
„Nein, der Dr. Meier ist ganz schnell nach der OP gegangen und meinte nur, dass ich ihnen sagen sollte, sie sollten in die Wohnung kommen.“
„Wo bitte fährt der jetzt noch hin? Naja, danke Sabine.“
Sabine musterte Gretchen. „Gerne, Frau Doktor.“
Gretchen ging Richtung Umkleide, um den neugierigen Blicken von Sabine zu entkommen.
Sie mochte Schwester Sabine ja echt gerne, aber im Moment konnte sie auf ihre Blicke echt verzichten.
Was wollte Marc bloß erledigen? Es stieg schon wieder ein ungutes Gefühl in ihr auf, sie schüttelte aber schnell ihren Kopf und versuchte es zu verdrängen.
Das lag sicher nur daran, dass sie ihn den ganzen Tag nicht gesehen hatte. Außerdem, warum sollte er Geheimnisse haben? Vielleicht war er ja nur zu seiner Mutter rausgefahren, weil ihr ein Haar ausgefallen war sie oder vor lauter Leidenschaft vom Stuhl gefallen war oder so was. Die Frau regte sich ja auch wirklich wegen jedem Fältchen auf..
Sie ging schließlich zu ihrem Vater, da sie ja das Auto brauchte.

~ * ~

Nachdem dieser sie mit Fragen vollgequatscht hatte, weshalb Bärbel eigentlich wieder arbeiten wollte und es tatsächlich fertiggebracht hatte, sie eine halbe Stunde in seinem Büro zu nerven, bekam er auch noch einen Anruf mit einer Bitte, einen Hausbesuch zu machen.
Gretchen war endgültig total genervt, da er jetzt das Auto brauchte.
„Aber Kälbchen, ich kann dich doch gleich mit nach Hause fahren! Wo liegt denn da das Problem?“
„Ich will aber nicht nach.. ich meine, ich muss.. musst du diesen verdammten Hausbesuch gerade jetzt machen?Ach, is ja auch egal.“
„Ja aber Kälbchen, was hast du denn? Ich fahre dich ja nach Hause. Ich seh jetzt wirklich nicht das Problem hier!“
Gretchen wollte ihrem Vater natürlich nicht unbedingt auf die Nase binden, dass sie eigentlich zu Marc fahren wollte und verfluchte die Frau, die ihren doofen Hausbesuch gerade im ungünstigsten Moment brauchte.
„Ach, ich nehm mir einfach ein Taxi, is ja auch egal.“
„Auf keinen Fall, wir haben ja fast den gleichen Weg. Wieso für ein Taxi bezahlen, wenn ich dich doch heimfahren kann? Margarete ich verstehe dich wirklich nicht! Willst du etwas nicht mit mir fahren?“
„Mensch Papa, vergiss es einfach. In zehn Minuten bin ich am Parkplatz, sei bitte pünktlich, ich will nicht auch noch warten..“
„Jaja, eben wolltest du ja nicht mal mitfahren? Was ist nur heute los mit dir?“
Gretchen schnaubte wütend und ging einfach aus dem Zimmer.
Was war auch wirklich mit ihr los? Nach Marcs Geheimniskrämerei und Sabines neugierigen Blicken kam jetzt auch noch ihr Vater an und machte alles noch komplizierter!
Gretchen wollte sich gerade einen Kaffee holen, als Knechtelsdorfer an ihr vorbeiging und sie hocherfreut angrinste.
„Sind sie wieder gesund? Ich sag das ja wirklich ungern, aber ich habe eben mein letztes Experiment meiner DA erfolgreich beendet. Ich glaube, ich werde doch noch vor ihnen fertig, Frau DOKTOR! Obwohl,eigentlich ja eher nicht, ne.. „
Gretchen hätte ihm eine schmieren können!
Klar, der Typ war total sauer wegen der Schlaftabletten, aber trotzdem..sie hatte immerhin seinen Arsch vor ihrem Vater gerettet!
Und außerdem kämpfte der mit unfairen Mitteln!
Gretchen schaute ihn mit ihrem besten „Noch-ein-Wort-und-ich-bring-dich-um“-Blick an und stürmte dann davon.
Nichts wie weg hier! Sonst kommt vielleicht auch noch der Millionär an oder Mehdi hat eine plötzliche „Können wir reden?“-Phase.
Sie wollte einfach nur mehr nach Hause. Das heißt, zu Marc eigentlich.
Mensch, mit ihrem Vater musste sie ja auch noch heimfahren.
Sie rannte schnell auf den Parkplatz und trotz ihrer Tasche, die sie über ihren Kopf hielt, war sie, als sie endlich im Auto saß, komplett durchnässt.
„Mensch Gretchen, musst du so tropfen? Ich hab das Auto gerade gestern reinigen lassen!“
„ENTSCHULDIGE BITTE, ES REGNET! DA IST ES NORMAL, DASS MAN NASS WIRD!“
Gretchens Vater sah sie erschrocken an. „Was ist dir denn über die Leber gelaufen? Du brauchst mich doch nicht so anzubrüllen!“
„ICH BRÜLLE NICHT!!“ Gretchen sah ihn erbost an und verschränkte die Arme vor ihrer Brust.
Ihr Vater sagte kein Wort mehr, sondern beschloss, dass es wohl klüger wäre, einfach zu fahren.
Während der Fahrt hielt er es natürlich nicht mehr aus.
„Gretchen-Kälbchen, was ist denn los? Du kannst doch mit deinem Vater reden!“
Gretchen war grad gar nicht in der Stimmung zu reden, deshalb antwortete sie einfach nicht.
„Du bist genau wie deine Mutter! Zuerst brüllt ihr einen an, dass einem ganz anders wird, und dann schweigt ihr uns an, dass sich kein Mensch auskennt! Unmöglich ist das! Genau wie vorgestern, soll sie mir doch sagen, warum sie arbeiten will! Aber nein, man hüllt sich in Schweigen und schimpft schließlich vor dem ganzen Krankenhaus auf die eingebildeten Ärzte! Euch Frauen soll mal einer verstehen!“
Das konnte doch wohl einfach nicht wahr sein? Jetzt redete der schon wieder von Mama.
„Kannst du vielleicht einmal in deinem Leben deine Probleme für dich behalten? Seh ich so aus, als würde ich grad gerne davon hören? ES IST NÄMLICH NICHT SO! Red das jetzt bitte mit ihr aus und zieht nicht immer mich da mit rein!“
Franz wollte gerade antworten, als Gretchen auch schon aus dem Auto gesprungen war.
Vor lauter Aufregung hatte er gar nicht bemerkt, dass sie schon zu Hause angekommen waren.
Franz schaute Gretchen beleidigt nach und fuhr schließlich weiter Richtung Erlegasse.
Gretchen blickte ihm kurz nach und rannte dann schnell um die nächste Ecke auf eine Bushaltestelle zu, damit ihre Mutter sie nicht entdeckte.
Dort stellte sie sich unter, obwohl es eigentlich sinnlos war, da sie sowieso schon über und über nass war.
Sie holte ihr Handy raus und rief bei einer Taxigesellschaft an.
Warteschleife, das gibts doch nicht!
Sie wartete genervt ein paar Minuten und studierte derweil gelangweilt den Busfahrplan und die Sterbeanzeigen, als sie die Nummer nochmal wählte und auch diesmal nicht durchkam.
„Ihr könnt mich alle mal!“
Vor lauter Wut hatte sie gar nicht gemerkt, wie Frau Schmitz vom Nachbarhaus vorbeiging.
Sie lächelte ihr schnell zu und murmelte etwas von Versicherungsgesellschaft und nervige Beamten, als Frau Schmitz zum Glück endlich abzog.
Verzweifelt setzte sich Gretchen auf die dreckige Eisenbank der Haltestelle und zupfte ein altes Kaugummi unter ihrem Rock hervor, auf das sie sich versehentlich gesetzt hatte.
Angestrengt versuchte sie, sich an eine andere Taxinummer zu erinnern, aber zu ihrem Ärger fiel ihr absolut keine mehr ein.
Das nächste Telefonhäuschen war auch mindestens 15 Minuten weg und bis sie dort war, konnte sie eigentlich auch gleich zu Marc gehen.
Zu spät war sie ohnehin schon, obwohl, Marc hatte eingetlich keine Urzeit gesagt.
Mit zusammengebissenen Zähnen ging sie schließlich die Straße runter und ärgerte sich schon gar nicht mehr, als ein Auto sie nassspritzte.
Eben kam ihr die Idee, dass es vielleicht nicht so klug war, nach einer starken Erfrierung in komplett durchnässten Kleidern durch den Regen zu waten, aber da ihr nichts besseres einfiel, ging sie einfach weiter.
Sie wollte nur noch zu Marc!
In eine warme Decke gehüllt auf seinem Sofa zu sitzen kam ihr im Moment besser vor, als den Lotto-Sechser zu knacken.
Er würde ihr eine heiße Schokolade machen, sie in den Arm nehmen und ihr gestehen, wie froh er war, dass sie da war.
Dann würde er diesen süßen Blick bekommen, dem sie nie widerstehen konnte und ihr sagen, dass er gestern alles ernst gemeint hatte und mit ihr zusammensein wollte.
Gretchen würde ihn selig anlächeln, ein filmreifes „Ich liebe dich auch.“ flüstern und schließlich würde Marc sie küssen und die Welt wäre perfekt.
Gretchen wurde ganz warm von ihren Gedanken, dass sie, als sie endlich vor Marcs Tür stand gar nicht merkte, wie nass sie eigentlich war.
Zaghaft drückte sie die Klingel.
Niemand antwortete. Sie klingelte nochmal, wieder keine Antwort.
Schließlich drückte sie probeweise die Türklinge und die Tür sprang auf.
Geht doch.
Gretchen ging hinein und zog sich die triefenden Schuhe aus.
Ihre Haare hingen ihr in feuchten Strähnen ins Gesicht und in ihrem Rock klebten nasse Blätter, wie sie mit Erschrecken in dem Spiegel am Gang bemerkte.
„Marc?“
Keine Antwort.
Die Wohnung war dunkel, nur aus dem Schlafzimmer fiel ein schmaler, blasser Lichtstreifen.
„Marc!“ rief sie nochmal und öffnete die Tür, aus der das Licht kam.
Sie sah wohl nicht besonders attraktiv aus, aber dass Marc sie dermassen entgeistert anstarren würde, damit hatte sie nicht gerechnet.
„Was ist denn mit dir passiert?“
Gretchen war so überrascht, dass sie im ersten Moment gar nicht merkte, dass Marc nur mehr seine Boxershorts trug.
Als ihre Hirnwindungen wieder zu arbeiten schienen und sie ihn von Kopf bis Fuß gemustert hatte, sah sie ihn ebenso erstaunt an.
„Könnte ich eigentlich auch fragen?“
Marc sah sie verständnislos an.
„Äh, wolltest du gerade schlafen gehen? Also, ich kann auch wieder..“
„Äh, nein. Ich wollte eben..“
Gretchen hörte gar nicht, was er noch sagte, als sie etwas Rotes in seiner Hand bemerkte.
Das konnten doch wohl nicht..?
Rosenblätter?? Sie ließ ihren Blick durch das Zimmer schweifen und merkte erst jetzt die Kerzen und die kleinen Plastikpäckchen auf dem Nachttisch.
Das waren jetzt aber keine...?Bin ich jetzt im falschen Film oder was?
„Gretchen??“ riss Marcs Stimme sie aus ihren Gedanken.
„Äh.. Marc, was wird das hier?“ Gretchen deutete auf die Rosenblätter und die Kerzen.
Marc sah sie grinsend an.
„Naja, ich dachte..du bist ja mehr so der romantische Typ. Oder nicht?“
Gretchen blieb vor lauter Überraschung die Luft weg.
Langsam begann ihr Gehirn zu begreifen.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst oder?!“
Marc sah sie verständnislos an.
„Was genau meinst du jetzt?“
„Das war also das Geheimnis, du wolltest Rosenblätter kaufen? Und damit wolltest du mich..?“
Kaum sind wir einen Tag „zusammen“ , will der mich ins Bett kriegen. Gretchen! ALARM!
„Von welchem Geheimnis redest du da und was bitte wollte ich?“
„Ich glaub das jetzt einfach nicht, Marc. Du wolltest nur mit mir schlafen? Du hast das alles nur gesagt, dass ich mit dir schlafe?!? Und deshalb auch die Rosenblätter, ich verstehe. Das unter der Dusche war ja nicht so mein Ding, jetzt dachtest du dir, du machst einfach einen auf romantisch und sagt mir, du liebst mich, obwohl du eingentlich nur mir mir schlafen willst?!“
Gretchens Stimme war ganz leise geworden.
Marc sah sie immer noch ein bisschen ratlos an.
„Öhh, naja eigentlich..“ druckste er herum und grinste schließlich verschmitzt.
„Hats denn funktioniert?“
Gretchen war ganz blaß geworden. Da war es wieder. Das grausamste Gefühl auf der Welt. Dieses Gefühl, total benützt und hintergangen zu werden und mit der eigenen Unschuld betrogen zu werden.
Dieses Gefühl, auf einmal total klein und schutzlos zu sein, wie ein Insekt, dem man die Flügel rausgerissen hatte.
Dieses Gefühl, zu tausend Scherben zerbrochen zu sein, die keiner mehr kleben konnte und wie durchsichtig zu sein, dass der eigene Schmerz für jeden sichtbar war und die Menschen drumherum einen neugierig anstarrten, als wäre man ein menschlicher Verkehrsunfall... ja, Gretchen kannte dieses Gefühl nur zu gut.
Das letzte Mal, wo sie es empfunden hatte war, als sie Peter mit der Schlampe von Assistentin gesehen hatte.
Und das mal davor, als sie Marc auf dem Schulhof das Leben gerettet hatte und er sich nicht mal bedankt hatte, sondern sie noch schlimmer als vorher behandelt hatte.
Das Gefühl erinnerte sie an die schlimmsten Momente in ihrem Leben und jetzt war es wieder da.
„Ich glaub das jetzt einfach nicht.“ flüsterte Gretchen fast unhörbar, während sie ihre Tasche auf den Boden sinken lies.
Marc sah sie an und kapierte immer noch nicht genau, was Gretchen eigentlich hatte.
Er wollte sie mit einem romantischen Abend überraschen, hergottnochmal er hatte sogar früher Schluss gemacht um Rosenblätter zu kaufen.
HALLO? ROSENBLÄTTER!
Irgendwie schien Gretchen das alles jedoch nicht wie gehofft aufzunehmen, sie stand nur da und starrte auf einen Fleck an der Wand.
Schließlich lief ihr eine Träne die Wange herunter und sie drehte sich um und ging ohne ein Wort hinaus.
Marc starrte ihr total verwirrt hinterher.
Was hatte er denn gemacht? Ja, der Spruch vorhin war echt überflüssig, okay, sogar total unnötig gewesen, aber trotzdem, warum haute sie einfach ab?
Marc lief Gretchen hinterher, die gerade verzweifelt versuchte,in ihre Stiefel zu schlüpfen.
Er fasste sie leicht an der Schulter.
„Hey, was ist denn los?“
Gretchen zerrte weiter hysterisch an ihrem Reißverschluss, als es Marc zu bunt wurde und er ihr den Stiefel wegnahm.
Gretchen schaute ihn wütend an.
„Lass mich verdammtnochmal in Ruhe, du Arschloch!“
Marc wusste überhaupt nicht, wie ihm geschah, als sie ihm den Stiefel entriss und eben zur Tür rauswollte.
Sie kam nicht hindurch, da Marc sie am Arm gepackt hatte und zurück in die Wohnung schob.
„Jetzt sagst du mir aber sofort was hier eigentlich abgeht und haust nicht heulend aus meiner Wohnung ab!“
Gretchen riss ihren Arm aus seinem Griff und wollte gerade wieder zur Tür raus, als Marc sie mit einem Knall zuwarf.
„Sag mal spinnst du?“
Gretchen gab ihm einen Schups, sodass es ihn zurückwarf.
„ICH SPINNE, JA?! DIE KLEINE SENTIMENTALE GRETCHEN HATS ALSO MAL WIEDER NICHT GERAFFT! SAG ICH IHR HALT MAL SCHNELL, DASS ICH LIEBE, IS JA SCHNELL GESAGT NE, DANN STREU ICH EIN PAAR BLÄTTER UND SCHON HAB ICH SIE IM BETT!!IST JA NUR IHR HERZ, DAS ICH BRECHE, ABER SONST...“
Gretchen verstummte plötzlich, als Marc sie mit offenem Mund anstarrte.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst oder? Das kann ja wohl echt nicht wahr sein??WAS willst du eigentlich von mir?!?“ Er legte seine Hand auf ihre Schulter und drehte sie so, dass sie ihm direkt in die Augen sah.
Marc wollte eigentlich nicht laut werden, aber er war so verwirrt und wütend, dass er einfach nicht anders konnte.
„ICH WILL, DASS DU DEINE DRECKIGEN PFOTEN VON MIR LÄSST, DU RIESENARSCHLOCH!“
Marc nahm seine Hand von ihrer Schulter und starrte sie vor lauter Schreck an.
Sie starrte ihn ebenfalls direkt aus ihren Augen an, und für einen Augenblick dachte er, sein Herz würde stehenbleiben.
Noch nie in seinem Leben hatte ihn jemand mit soviel Wut, Enttäuschung , Hass und Trauer in den Augen angesehen.
Er fühlte sich wie gelähmt.
„Ich dachte echt, dass du es diesmal ernstmeinst. Aber ich hab meine Lektion jetzt endlich gelernt, keine Sorge. Ich dachte, du bist anders geworden als früher, aber herzlichen Glückwunsch, du bist immer noch dasselbe Arschloch!“
Gretchen wandte sich um.
„Sag mal WAS willst du eigentlich Gretchen? Ich sage dir, dass ich dich liebe verdammt, und du schreist hier VÖLLIG GRUNDLOS rum!! WAS ERWARTEST DU EIGETLICH? SOLL ICH VOR DIR AUF DIE KNIE GEHEN ODER WAS??“
„ICH WILL, DASS DU ES EHRLICH MEINST!!! WARUM KAPIERST DU DAS NICHT, VERDAMMT??“
Marc verstand die Welt nicht mehr.
„HERGOTTNOCHMAL ICH MEINE ES JA EHRLICH!! SCHEISSE GRETCHEN ICH WEISS ECHT NICHT WAS MIT DIR LOS IST ABER ICH MEINE ES EHRLICH!!“ -
„ DAS KANNST DU DEINER GUMMIENTE ERZÄHLEN!“
Mit diesem Satz riss Gretchen die Tür auf und stürmte die Treppe runter.
Marc überlegte nicht lange und rannte ihr in seinen Boxershorts hinterher.
„GRETCHEN!“ .. „GRETCHEN, WARTE! VERDAMMT jetzt warte doch endlich!!“
Marc rannte ihr hinterher, doch Gretchen ignorierte ihn einfach.
Ihr rannen die Tränen über die Wangen während sie rannte und plötzlich fiel ihr ein, dass sie ihre Tasche vergessen hatte, aber das war jetzt völlig egal, sie wollte nur noch weg von hier und weg von ihm.

~ * ~

Sie konnte es einfach immer noch nicht glauben, dass er es nur gesagt hatte, um mit ihr zu schlafen.Sie dachte echt, er meinte es ernst.
Sie musste heftig schniefen, da die Tränen einfach nicht aufhören wollten.
Seine Schreie waren immer noch hinter ihr zu hören, doch Gretchen stolperte nur blindlings durch die Tür und raus in den Regen.
Die Straße entlangrennend blickte sie hinter sich, als sie ihren Augen nicht traute.
Marc rannte, nur mit seinen Boxershorts bekleidet auf die Straße und auf sie zu.
Vor lauter Überraschung blieb sie stehen und starrte ihm entgegen.
Er war ihr tatsächlich nachgelaufen.
Immer noch rufend kam er schweratmend auf sie zu.
„Scheisse Gretchen jetzt warte doch mal verdammt. Ich weiß nicht, was passiert ist oder wer mit dir geredet hat, aber ich liebe dich! Nein, bitte..“ er hielt sie fest als sie weiterlaufen wollte.
„Hör mir zu. Ich weiß, ich hab Mist gebaut, gewaltigen Mist sogar. Die ganze Geschichte mir Gabi und alles.. ist ja auch egal, aber ich habs ernst gemeint. Die Angst um dich, als mir Sabine erzählt hat, dass du in der Kühlkammer lagst, du hast ja keine Ahnung.. Gretchen, ich weiß, dass ich dich liebe, und du weißt es auch. Du fühlst es genauso wie ich..“
„Du willst doch nur mit dir schlafen. Ich werd nicht die nächste Kerbe auf deinem Gürtel sein.“ unterbrach sie ihn.
„Red nicht so dummes Zeug. Natürlich will ich mit dir schla“
„SIEHST DU!“ unterbrach sie ihn nochmal.
Marc fuhr unbeirrt fort.
„Hör mir zu.Natürlich will ich mir dir schlafen, aber weil ich verdammtnochmal dich will! Es tut mir echt leid, dass das zuerst falsch rübergekommen ist, so war das nicht gemeint!Ich will mit dir zusammensein, ich will mit dir im Bett frühstücken und die ganze Nacht sinnlose Filme ansehen, ich will mich komplett zusaufen und mich mit dir aufn Balkon legen und die Sterne ansehen verdammt! Wegen dir hab ich im gestern im OP fast geheult und ich hasse dich dafür, ehrlich. Ich steh hier halbnackt auf der Straße und es ist ehrlichgesagt arschkalt, also falls du dich dafür entscheidest, dass du mich auch willst, dann rat ich dir es möglichst bald zu tun,sonst kannst du es meinem erfrorenen Ich sagen.“
Gretchen starrte ihn fassungslos an.
Soetwas hatte in ihrem ganzen Leben noch nie jemand zu ihr gesagt.
„Du willst nicht nur mit mir schlafen?“ fragte sie wie mechanisch.
„Sag mal, hast du mir eigentlich zugehört?“
Gretchen sah ihn etwas geistesabwesend an.
„Knechtelsdorfer hat seine Doktorarbeit fertig.“ murmelte Gretchen halblaut.
„Ähh, ja und?“ Marc sah sie etwas unverständlich an und wischte mit seinem Daumen eine Träne von ihrer Wange.
Gretchen ließ es wortlos geschehen und starrte ihn an.
„Warum hast du es nicht nochmal gesagt?“
Jetzt war Marc an der Reihe mit Starren.
„Von was genau redest du jetzt?“
„Du hast gesagt du liebst mich und ich habs dir anfangs nicht mal geglaubt. Warum hast du es später nicht nochmal gesagt? Als wir abends im Bett lagen, ich hab die ganze Nacht darauf gewartet!“
Marc druckste herum.
„Ich..ähh..ich..mensch scheisse Gretchen, ich hab mich eben nicht getraut okay.Ich kann eben nicht so perfekt wie du über Gefühle reden. Das heißt aber nicht, dass sie nicht da sind.“
„ Du wolltest also echt nicht nur mit mir schlafen?“
„Gretchen..“ Marc holte tief Luft und wollte nochmal ansetzen.
„Okay, okay.“ Gretchen schaute ihn unsicher an.
„Also, das wär jetzt eigentlich der Moment wo du sagt, dass du mich auch liebst.“
Gretchen packte auf einmal seinen Arm. Ihr war gerade ein Einfall gekommen.
„Marc?“
„Ja?“
„Mir ist ganz schwindlig..“ flüsterte Gretchen leise und sank auf einmal nieder.

~ * ~

Marc war wie gelähmt, als sie seinen Arm nach unten riss und plötzlich auf der Straße lag.
„Gretchen!Gretchen!!“
Panisch fühlte Marc ihren Puls und merkte, dass sie ganz kalt war.
Vor lauter Angst hatte er den Regen gar nicht mehr wahrgenommen.
Zitternd rannte er mit Gretchen auf seine Wohnung zu und achtete nicht auf die zwei alte Damen, die ihn und Gretchen anglotzten als sei er vom Mond gefallen.
Gretchen selber öffnete einmal kurz die Augen und sah ihn von der Seite an. Sie konnte seine Angst ganz deutlich spüren..
Im Haus angekommen hastete Marc so schnell er konnte die Treppe rauf und rannte mit Gretchen durch die immer noch offeneWohnungstür.
Gretchen grinste leise in sich hinein, als Marc sie die Treppe hochschleppte.
Geschah ihm recht.
Er brachte sie ins Bad und zog sie schnell unter die Dusche.
Immer noch scheinbar bewusstlos hing Gretchen in seinen Armen, als er mit letzter Kraft die Dusche einschaltete und ihr Tshirt und Pulli auszog.
Er rieb ihr das warme Wasser sanft ins Gesicht, was zum Glück zu wirken schien, da Gretchen auf einmal die Augen aufschlug. Marc blickte sie erschrocken an.
„Spinnst du, mir so einen Schreck einzujagen? Sag mal, hast du das alles nur gespielt?!“
Gretchen grinste kurz.
„Tut mir leid, aber das hast du echt verdient nach dem Spruch vorhin im Schlafzimmer.“ Gretchen lächelte ihn an, aber Marcs Miene blieb ernst.
„Mach so was nie wieder! Warum hast du das überhaupt getan?“
„Ich wollt sie sehen.“
„Wen wolltest du sehen?“
„Na die Angst von der du geredet hast. Und du hast Recht. Sie war echt da.“
„Ja toll, natürlich war sie echt da.Im Ernst, Gretchen, ich fand das jetzt echt nicht so lustig.“
„Entschuldige.Wenigstens hast du mich jetzt überzeugt.“
„Bitte?!?? Ich renn dir in Boxershorts mitten in die Sintflut raus nach und du warst noch immer nicht überzeugt?“
Gretchen grinste.
„Das war echt süß.Hätte ich dir nicht zugetraut.“
Marc rollte mit den Augen, als Gretchen plötzlich realisierte, dass sie oben nur mehr mit ihrem BH bekleidet war.
„Marc Meier, du hast mich nicht schon wieder in die Dusche geschleppt?“ Sie setzte einen gespielt verärgerten Gesichtsausdruck auf.
Marc stand der Schreck ins Gesicht geschrieben.
„Das..war jetzt echt nicht zu verhindern.“
Gretchen grinste.
„Das Gesicht war jetzt echt Gold wert.“
Marc verdrehte die Augen und wurde dann wieder Ernst.
„Gretchen..ich dachte nie, dass ich sowas als Erster sage, aber ich glaube, wir müssen jetzt echt mal reden.“
„Allerdings.“ Gretchen grinste.
Marc sah sie immer noch ernst an.“ Hey, ich mein das ernst. Die Aktion grade will ich nicht nochmal erleben. Ich glaube..es wäre an der Zeit für ein bisschen Vertrauen.“
Gretchen schaute ihn an.
Sie betrachtete lange sein Gesicht und lächelte schließlich.
„Mhm, aber nicht jetzt.“
„Wie, nicht jetzt?“
„Marc?“ flüsterte Gretchen leise und stellte sich auf Zehenspitzen, um zu seinem Ohr zu gelangen.
„Hm?“
„Ich liebe dich.“ flüsterte sie leise in sein Ohr und drehte sich schließlich wieder um ihm ins Gesicht zu sehen.
Sie zog ihn sanft an sie heran und küsste die kleine Narbe auf seiner Nase.
Ihre Finger fuhren durch sein nasses Haar, während sie begann, seinen Hals zu küssen.
„Was...genau wird das hier?“ fragte Marc verwirrt.
„Gerade du solltest das doch wissen..“ meinte Gretchen leise und sah ihm in die Augen.
Marc grinste.
„Das hier ist die Dusche. Ich denke du willst nicht in der Dusche?“
„Du hast mir doch die Wahrheit gesagt.“ Gretchen drückte einen Kuss auf seinen Mundwinkel.
„Du wolltest aber allgemein nicht in der Dusche.“
„Ich hab gelogen.“ Gretchen grinste.
„Du hast gelogen?Du hasst Lügen!“ Marc sah sie ungläubig an.
„Du ich kann auch rausgehen.“ Gretchen war im Begriff, sich umzudrehen, als Marc ihre Hand fasste. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Glaubst du echt, ich lass dich jetzt noch gehen?“ Marc drückte sie sanft an die Duschwand und strich ihr einen Strähne aus dem Gesicht.
„Sicher?“ fragte er mit diesem Lächeln, dem Gretchen nicht widerstehen konnte.
Gretchen antwortete nicht, sondern schloss nur die Augen.
Marc lächelte und murmelte: „Will ich einmal reden, willst du Sex. Da versteh einer mal die Frauen.“ Er beugte sich schnell zu ihrem Ohr und flüsterte ganz leise: „Ich liebe dich auch.“
Dann nahm er ihren Kopf in seine Hände und küsste sie.

~ ~ ~ ~ ~ ~ x ~ ~ ~ ~ ~ ~

Gretchen fühlte, wie sich ihre Körper ineinanderlegten wie zwei passende Puzzleteile und Hitze stieg in ihr auf, als der anfangs so sanfte Kuss immer leidenschftlicher wurde.
Sie ließ ihre Hand durch seine Haare wandern und drückte seinen Körper näher an ihren eigenen.
Ihre Lippen verschmolzen wieder und wieder, während er sie sanft gegen die Duschwand gedrückt hielt.
„Gretchen..“ flüsterte Marc leise und atmete schwer.Gretchens Lippen fühlten sich ohne die seinen sofort kalt an.
„Marc..meine Schuhe..die Absätze ruinieren noch die Dusche.“ antwortete sie ebenso leise und außer Atem, doch Marc achtete gar nicht darauf und zog sie wieder an sich.
„Hör auf zu reden...du musst nur.. fühlen.“ flüsterte er leise und begann, ihren Hals zu küssen.
Ich kann sowieso nicht reden, wenn du mich so küsst.
Heftige Leidenschaft packte sie, als er ihre Lieblingsstelle mit seinen Lippen berührte, genau da wo sich ihre Schultern und ihr Hals trafen.
„Marc..“ murmelte sie leise, um ihm zu zeigen wie sehr sie seine Berührungen genoss.
Ihre Nägel vergruben sich in seinen Rücken, als er sie leicht hochhob und auf den hohen Randstein der Dusche setzte.
Typisch dass der sowas hat schoss es Gretchen durch den Kopf.
Sie öffnete leicht ihre Lippen und spürte Marcs Zunge ganz deutlich.
Von der neuartigen, wunderschönen Berührung überzog sich ihr ganzer Körper blitzschnell mit einer Gänsehaut.
Gretchen fühlte seine starken Arme um ihren Körper und hielt die Luft an, als Marcs Hand auf ihrer linken Brust landete.
Er küsste sanft ihren Hals abwärts und liebkoste ihre Brüste mit einer Sanftheit, die ihr den Atem nahm.
Sie konnte langsam verstehen, warum Schwester Gabi Marc nicht so schnell aufgeben wollte.
Gretchen vergaß den Gedanken sofort, als Marc sein Gesicht in ihrem Haar vergrub und ihr leise ins Ohr flüsterte.
„Gott, du fühlst dich so gut an.“
Gretchen antwortete, indem sie ihre Beine um seine Hüften schlang und ihn noch näher zu ihr brachte.
Flüssige Hitze schoss durch seinen Körper, als sie sein Gesicht zu ihr zog und sein Ohrläppchen küsste.
Gretchen spürte seine Erregung mit der Berührung wachsen und lächelte innerlich, da sie nun scheinbar auch seine Lieblingsstelle gefunden hatte.
Auf Marcs ganzem Körper breitete sich ein unglaubliches Gefühl aus, als Gretchens Zunge sein Ohrläppchen berührte.
Er beugte sich wieder zu der Stelle, wo sie seine Berührungen besonders spürte und fühlte ihre Beine sogleich enger um seinen Körper, während er die Stelle auf ihrem Schlüsselbein küsste.
Gretchen fuhr mit ihren Fingern wild durch seine Haare und bemerkte plötzlich, dass sie eigentlich immer noch ihre Schuhe und Hose trug.
Sie beugte sich leicht hinunter, um die nervigen Stiefel loszuwerdem, als Marc ihre Hand sanft wegzog und sie schweratmend anlächelte.
„Lass mich..bitte“ murmelte er leise und verschwendete keine Zeit, ihre Schuhe auszuziehen.
Vorsichtig half er ihr aus der Hose und öffnete ihren BH.
Marc küsste die erhitzte Haut zwischen ihren Brüsten, was Gretchen total verrückt machte.
„Mhmm..“
„Marc..“ hauchte sie atemlos, „ich will dich jetzt spüren..“
„Hmm.. bald.“
Marc strich sanft an ihren Beinen entlang und zog ihr schließlich auch ihr Höschen aus.
Als Gretchen endlich komplett nackt vor ihm stand, atmete er tief ein und drückte seinen Körper so nah wie möglich an ihren.
„Du bist wunderschön.“, flüsterte er leise.
Stumm suchten Gretchens Lippen die seinen und sie verschmolzen abermals in einem Kuss, wie Gretchen es sich immer erträumt hatte.
Sie ließ ihre Hände an seiner warmen Brust entlanggleiten und betrachtete seinen starken Körper.
Wie viel Glück kann eine Frau eigentlich haben?
Sie hatte keine Zeit mehr, seinen Körper länger zu bewundern, weil Marc inzwischen Dinge mit seiner Zunge an ihrem Hals anstellte, dass sie dachte, sie würde ihren Verstand verlieren.
Sie presste ihre Hände an seinen Rücken und ließ ihren Kopf zurückfallen.
„Gretchen, ich halts nicht mehr aus.“, flüsterte er leise und nahm ihren Kopf in seine Hände.
Marc küsste sie leidenschaftlich und berührte sie an ihrer intimsten Stelle.
„Marc..“. Gretchen keuchte und lehnte sich an die Duschwand.
Flüssige Hitze schien sich in seinem Körper auszubreiten, als er ihre Erregung spürte.
„Gretchen..“ flüsterte Marc leise und bedeutungsvoll.
„Alles..für..dich.“ murmelte sie atemlos und suchte erneut seine warmen Lippen.
Marc keuchte laut als Gretchens nackter Oberkörper seine Brust berührte. Er ließ seine Hände an ihrem Körper entlangwandern und drückte sie fest an ihn.
„Gretchen..“ murmelte er leise.
„Marc..“ antwortete sie ebenso leise und blickte zu ihm auf und direkt in seine Augen, als er sie schließlich mit einem kleinen Ruck hochhob und die beiden für einige Minuten aus der Realität in eine wunderbare, grelle Welt vollkommener und äußerster Glücksseligkeit versetzte.

So come on, get higher, loosen my lips
Faith and desire and the swing of your hips
Just pull me down hard
And drown me in love


TBC

~ * ~

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

08.09.2009 17:16
#4 Die ewige Hassliebe... Zitat · Antworten

Liebe Marc&Gretchen-Lovers, nachdem gestern ja so ungefähr unser Weltuntergang war [grin] hab ich mir gedacht, beeil ich mich mal mit posten, einigen scheint es ja gestern echt ans Herz gegangen zu sein, wie man so liest[shocked].. Ich bin ja mehr der "viel-schreiben-dann-posten"-Typ, jetzt splitter ich das mal auf und mach kleine Schokostückchen-Updates. Hoffentlich erzielen sie die gleiche Wirkung wie echte Schokolade, Stück für Stück und es geht uns allen besser[grin]
Ich hab die Geschichte außerdem umbenannt, da es jetzt immerhin eine wirkliche Geschichte wird und keine Fortsetung einer einzelnen Folge. So, jetzt hör ich auch auf, sinnloses Zeug zu quatschen und lass euch lesen![grin]


~ * ~

Nach einer langen, heißen Dusche beschlägt sich immer der Spiegel und man muss ihn mühsam mit einem Handtuch trockenreiben, um auch nur halbwegs durchsehen zu können.
Diese leider vorhandene Tatsache kann man allerdings abwenden, wenn man das Badfenster und am besten auch noch die Tür öffnet, da das aber keiner tut und viele noch nicht mal ein Badfenster haben, kommt man meistens nicht darum herum, das nervige Spiegel-Ding ewig abzuschrubben und den ganzen Wasserdampf in den Hausflur abziehen zu lassen.
Das dauert meistens nicht lange, da eine durchschnittliche Dusche nicht länger als 7 Minuten dauert und die durchschnittlichen Badezimmerspiegel auch nicht größer als ein mittleres Sofakissen sind.
Zu einem geordneten Duschverhalten gehört außerdem, nicht ewiglang das Heißwasser laufen zu lassen, da eventuelle Mitbewohner auch noch ganz gern ihre Dusche genießen würden; und dann natürlich das unvermeidliche Auftrocknen eventueller Wasserreste auf dem Boden vor der Dusche. Jede tüchtige Hausfrau weiß das, die hat es ihren Kindern auch bestimmt schon fünfhundertmal vorgepredigt und sah sich schon tausendmal vor einem komplett überschwemmten Bad und einer Wohnung ohne einem Tropfen heißem Wasser zum Kochen übrig.
In einem ganz bestimmten Haushalt in Berlin jedoch wäre wohl jede gute Hausfrau vor Entsetzen zusammengebrochen...

Es war an einem kalten Septembertag, Regenmassen von ungewöhnlicher Stärke hatten sich den ganzen Nachmittag über Berlin ergossen und ein kühler Herbstwind ließ einen eine Packung Actimel mehr in den Einkaufswagen legen, in der Hoffnung, die lieben Abwehrkräfte würden sich übermotiviert an die Arbeit machen und ja keinen Keim in den Körper lassen, was bei den kalten Temperaturen ja leicht möglich war.
Sicher nicht wenige hatten sich ein heißes Bad eingelassen, und auch Frau Schneider aus dem dritten Stock eines modernes Wohnhauses in Berlin wollte sich gerade eines gönnen, doch seltsamerweise bekam sie gerade mal die halbe Wanne mit lauwarmen Wasser voll.
Ob der Heißwasserhahn wohl kaputt war? Sie würde auf jeden Fall morgen den Klemptner rufen, falls sich die Situation nicht bessern würde.
Beruhigt legte sich Frau Schneider auf ihre Couch und hüllte sich in die teure indische Patchworkdecke. Wirklich seltsam, so wenig Heißwasser hatten sie nicht mehr gehabt, als damals bei Dr. Meier im fünften Stock die Weihnachts-Poolparty stattgefunden hatte...
Wenn Frau Schneider bloß wüsste...

Jener Haushalt im fünften Stock nämlich war genauso schuld für den Wassermangel der Frau Schneider, als auch an dem höchstwahrscheinlichem Zusammenbruch jeder Hausfrau, denn im fünften Stock wurde soeben bei Regenwald-Temperaturen ein Bad überschwemmt.
Vom Spiegel konnte man schon gar nichts mehr sehen, es herrschte tropische Hitze im Bad und aus der offenen Dusche tropfte es unaufhörlich auf den komplett durchnässten Badezimmerteppich.
Der Duschkopf ließ ohne Unterbrechung heißes Wasser auf die beiden Gestalten darunter laufen, die in einer fremden Welt zu schweben schienen.
Die junge Frau lehnte an der Duschwand und hielt den Mann umklammert, welcher seinen Kopf in ihren nassen Haaren vergraben hatte.
Eigentlich sah das Bild sehr friedlich aus, wenn man mal davon absah, dass man in dem Bad eigentlich nicht atmen und außerdem auf dem Fußboden baden konnte.
Die beiden schienen davon nichts zu merken, unbeweglich standen sie unter der Dusche und umklammerten einander, als würden sie ertrinken.
Plötzlich riss die Frau erschrocken die Augen auf.
„Aaaaaaaaaah, scheisse ist das kalt.“
Sie drückte verzweifelt an den Duschknöpfen, doch das eiskalte Wasser wollte einfach nicht aufhören.
Auf einmal ging es aus.
Sie blickte erstaunt auf ihren Gegenüber.
Meine Güte, das war ja Marc!
Plötzlich fiel es Gretchen wie Schuppen von den Augen. Sie war ja hier, bei Marc, in seiner Dusche! Er war ihr in den Regen nachgelaufen und hatte sie hierhergebracht und dann hatten sie.. Gretchen seufzte leise bei der Erinnerung...Sie hatte es getan!
Sie hatte mit Marc Meier geschlafen! Endlich!
Die Spannung zwischen den beiden war wirklich schon so groß gewesen, sie hätten wohl halb Berlin einen Kurzschluss beschert, wäre die nicht endlich mal entladen worden!
Egal, jetzt hatte sie es ja endlich getan!
O Gott, und es hatte sich sooooo gut angefühlt!
Gretchen konnte nicht anders, sie musste grinsen. Irgendwie mussten sie wohl für ein paar Minuten eingeschlafen sein, denn eben war das Wasser noch heiß gewesen und Marc hatte ihren Hals geküsst.
Ach ja, Marc! Der war ja auch noch da! Gretchen war so in ihren Gedanken versunken, dass sie erst jetzt realisierte, dass Marc sie grinsend ansah.
„Ich weiß ja nicht ob du's schon gemerkt hast, aber wir haben das Bad überschwemmt!“
Gretchen blickte ihn mit großen Augen an.
Durch die eiskalte Dusche vorhin war sie zwar irgendwie wieder in diese Welt zurückgekehrt, aber ihr Gehirn schien noch nicht ganz so zu laufen, wie es eigentlich sollte.
„Wir haben was?“
Marc deutete auf den kleinen Bach, der aus der offenen Duschkabine auf den Badezimmerboden floss.
Gretchen starrte dem Wasser entsetzt nach.
„O Gott, haben wir die Kabine offen gelassen???“
„Sieht ganz so aus, oder?“ Marc grinste immer noch.
„Scheisse, jetzt ist sicher..“ Gretchen stieß die Duschkabine ein bisschen weiter auf.“..Um Gottes willen, Marc das ganze Bad ist total nass.“
„Sozusagen ein „Schwimm-bad.“ Marc lachte laut.
„Hey, ich find das jetzt eigentlich echt nicht lustig. Was wenn das alles rauläuft, dann ist ja die ganze Wohnung..Scheisse verdammte, ich muss sofort..“
Gretchen wollte eben aus der Dusche, als Marc sie festhielt und an ihn zog.
„Hey, hey, langsam, sonst rutscht du mir noch aus!“
Gretchen lächelte ihn als, als sie sich wieder zu ihm umdrehte.
Wie süß, er macht sich Sorgen!
„Marc, der Flur könnte auch überschwemmt sein.“
Marc strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. „ O Gott, und der teure Badezimmerboden. Die ganzen Wasserflecken, die gehen sicher nicht mehr raus und..“Gretchen blickte Marc in die Augen.
„Sag mal hörst du mir überhaupt zu?“
Marc hauchte einen Kuss auf ihre Schulter und beugte sich wieder zu ihrem Gesicht hinauf.
„Nee.“ Er grinste und zog sie an sich.
Gretchen blickte ihn kurz gespielt verärgert an und legte schließlich ihre Hände um seinen Hals.
„Hätte ich mir eigentlich denken können.“ Sie stellte sich auf ihre Zehenspitzen und presste ihre Lippen sanft auf die seinen.
„Mmm..“

„Marc..“

„Nicht jetzt..“

„Aber..“

„Hmm...Mmm...Gretchen...“ flüsterte er, seine Hand langsam zu ihrem Rücken bewegend, als er sie sanft an die Wand drückte. „Was...?“

„Nichts...“ flüsterte er, während er sie immer weiter küsste.

„Mmm...“ Sie kicherte, als er sie fest gegen die Wand presste.

„Hmm...“

„Marc...ich...wir müssen...den Boden...trocknen...“ flüsterte sie atemlos, den Kuss unterbrechend.

„Mhh...später.“

Gretchen ließ ihn sie wieder küssen und fuhr mit ihrer Hand durch seine nassen Haare.

„Nicht...Marc..der...Boden...“

Marc küsste sie noch einmal, bis er sich schließlich schweratmend von ihr löste.

„Ich hasse es, wenn du Recht hast.“
Gretchen grinste.

„Komm jetzt, Arbeiten! Vergnügen kommt später.“ Sie gab ihm einen Klaps auf den Hintern.

„Ich hasse dich.“ Marc schaute sie gespielt genervt an.

„Du liebst mich.“ antwortete Gretchen grinsend.

„Manchmal. Jetzt gerade nicht.“

„Siiicher.“ Gretchen grinste ihn nochmals an und stieg aus der Dusche.

Marc blickte ihr kopfschüttelnd hinterher und lächelte leise in sich hinein.
Sie hatte schon Recht, er liebte sie.
Gott, wenn er gewusst hätte, wie gut sich das anfühlte, hätte er es ihr schon längst gesagt!

There was love all around
But I never heard it singing
No I never heard it at all
Till there was you.

Then there was music and wonderful roses
They tell me in sweet fragrant meadows of dawn and dew
But I never heard it at all
till there was you
till there was you.


~ * ~

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

09.09.2009 15:08
#5 Frauen und ihre natürlichen Feinde Zitat · Antworten

So, jetzt ist es zwar schon Nachmittag, aber immerhin kann man ja Schoko auf zum Kaffee essen.[grin]
Erwähnenswert zum Kapitel sind eigentlich nur zwei Dinge: 1. :Marcs Gedanken, die hier auch vorkommen, sind fett und Gretchens, wie gewöhnlich, kursiv.
Und 2.: Ich hab absolut nichts gegen Gucci "Envy me", falls das wer von euch benützt +g+. In der Story wurde es nur böse missbraucht[grin], aber eigentlich mag ichs selbst ganz gerne.

Das wars dann auch schon, viel Spaß beim Lesen! <3 Ivory


~ * ~

„Jaa, aber natürlich, Frau Schmitz. Ja, das wird alles ersetzt.“ - „Nein, natürlich kommt das nicht mehr vor...Ja, ich weiß schon, ich werd's ihm ausrichten....Aber sicher, Frau Schmitz.Ihnen auch eine gute Nacht!“
Genervt knallte Gretchen den Hörer auf das Standtelefon.
Wer hatte eigentlich überhaupt noch ein Standtelefon?? So ein richtiges Retroteil mit rotem, abblätterndem Lack und fünf Meter langen Kabeln?Marc musste wohl der einzige Mensch sein, der diese Dinger noch bei sich rumstehen hatte – obwohl, sah eigentlich schon sehr cool aus, das Ding. Was dachte sie da eigentlich schon wieder, eigentlich war sie gerade kurz vorm Durchdrehen!
Das war jetzt nämlich schon die dritte Nachbarin gewesen, die wegen eines Heißwassermangels angerufen hatte und gefragt hatte, ob der Dr. Meier schon wieder eine Poolparty feiere.Eine hatte sogar gedroht, ihn zu verklagen und aus der Wohnung schmeissen zu lassen! Was hatte der früher nur in der Wohnung angestellt, dass seinen Nachbarn alle schon so sauer waren?? Obwohl, wollte sie das eigentlich wissen?
Auf jeden Fall hatten ihr die nerivgen Nachbarn gerade noch gefehlt, immerhin stand die halbe Wohnung unter Wasser...
Okay, eigentlich...stand nur das Bad unter Wasser.
Naja, wenn man es ganz genau nahm, war das auch nicht mehr wahr, da sie alle Handtücher, die sie gefunden hatte unter Marcs lautem Protest einfach auf den Boden geworfen hatte, worauf sich diese natürlich sofort mit dem ganzen Wasser vollgesaugt hatten.
Nun hatten sie einen glitschigen Badezimmerboden, aber immerhin nicht mehr triefend nass, und außerdem ungefähr 35 komplett vollgesaugte Handtücher.
Während Gretchen ins Bad ging, überlegte sie schon, ob sie nicht den Nachbarinnen ein paar Handtücher bringen sollte, heißes Wasser war ja genug drin, obwohl, erstens war es sicher sowieso schon wieder kalt und außerdem – die alten Damen würden sie wohl für komplett verrückt erklären.
Wie auch immer – HATSCHI – sie würde jetzt erstmal – HATSCHI – na super, sie würde gar nichts, sie hatte sich nämlich zuallererst eine Wahnsinnserkältung geholt, GENAU das was sie jetzt brauchte.
Scheiß-Regen und Scheiß-Wasser! Und überhaupt, Scheiß-Kühlkammer! Wegen der hatte sie ja auch noch die Gefahr, beim noch so kleinen Schnupfen so richtig schön dauerhaft unterkühlt zu sein. SCHEISS-KAMMER! Obwohl, wenn sie recht überlegte, ohne die Kammer hätte Marc ihr nie gesagt, dass er sie liebte, und sie hätten auch nie den Wahnsinns-Sex in der Dusche gehabt und sie hätten auch nie...das Bad überschwemmt!!
„Da siehste, DOCH Scheiss-Kammer.“ murmelte Gretchen leise vor sich hin, als sie Richtung Bad ging.
Sie wollte eben durch die Tür, als diese auf einmal aufging und ihr gegen den Kopf knallte.
„VERDAMMTE SCH..AUA!!“
Gretchen hielt sich die schmerzende Delle auf der Stirn und setzte sich auf den Boden, weil ihr vor lauter Schmerzen ganz schwindlig wurde.
„Whoa, tschuldigung, ich wusste jetzt echt nicht, dass du gerade...“
Marc kniete sich neben Gretchen, die die Hände auf die Stirn presste und ihn giftig anstarrte.
„Kannst du nicht ein bisschen vorsichtiger sein?! Ach ja, und wenn wir gleich dabei sind, deine dämlichen Nachbarinnen! Das nächste Mal redest du selber mit denen, ich bin doch nicht dein Hausmädchen. Die Tunten haben mich zugequatscht, als ob ich ihnen ihr Strickzeug geklaut hät – HATSCHI – Verdammt, jetzt geht das schon wieder los!!“
Gretchen presste ihre Hände vors Gesicht und lehnte ihren Kopf gegen ihre Knie.
Marc zog sachte ihre Hände von ihrem Gesicht und wischte ihr mit dem Daumen eine kleine, verirrte Träne von der Wange.
„Komm, ich bring' dich ins Bett. Wie es scheint, hast du dir leider eine ordentliche Erkältung eingefangen, obwohl, wundert mich eigentlich bei dem ganzen heißen Wasser.“ Marc grinste.
Gretchen konnte nicht anders, sie musste auch lachen.
„So witzig ist das nicht! Du hättest die Ollen mal hören müssen, „da ruuf ig doch gleech den Hausmeister..so wat von unverschämt, dat jibtse doch nich'...“ Gretchen äffte Marcs Nachbarin nach und nieste nochmal laut.
„Jaja, Frau Schmitz ist schwer auszuhalten, wundert mich auch nicht, bei den Töchtern!“
Gretchen verdrehte die Augen.
„Wollten die nicht mit dir schlafen, oder was ist mit denen schon wieder?“
Sie sah Marc kurz ins Gesicht und grinste.
„Aah, sie haben mit dir geschlafen. Ja, und?“
Nun war Marc an der Reihe, die Augen zu verdrehen.
Woher wusste sie nun das schon wieder? War er ihr gegenüber wirklich so durchschaubar?
„Haben sich natürlich sofort verliebt. Ich hab ihnen zwar eindeutig klar gemacht, das das nicht geht, aber.. Weiber halt.“
„Ja klar, wir Weiber schon wieder. Nur weil ihr nicht kapiert, dass.. ach, is ja auch egal. Äh, und was is jetzt mit denen? Die wohnen aber nicht noch hier oder?“
„Wieso, bist du eifersüchtig?“ Marc grinste.
„Ich? Nee, wieso? Ich will nur wissen, ob du sie aus dem Haus getrieben hast!“
„Aahja. Öh, also die jüngere wohnt noch hier, soweit ich weiß.Kimberly, oder wie die heißt, ist nach München gezogen und wollte Sängerin oder so was werden. Wird eh nie klappen, die sang ja schlimmer als Susanne aus der Zweiten, und das will was heißen!“
„Kimberly?? O Gott, welche Mutter nennt ihr Kind heute noch Kimberly?!“
„Frau Schmitz guckt schon seit Ewigkeiten Blossom Girls und die dämlichen Hauptdarstellerinnen heißen Kimberly und Mary-Ann. Passt doch perfekt zu ihren zwei süßen Perlchen, oder nicht?“
„Meine Güte, Marc, du müsstest dich mal hören.“ Gretchen prustete los. „Und woher willst du überhaupt wissen, ob diese Kimberly so schlecht singt, dich singen will ja wahrscheinlich auch niemand hören.“ Gretchen grinste, als sie Marcs Blick sah.
„Hey, ICH konnte schon immer singen.“
„Ja, unter der Dusche vielleicht. Die hat aber auch schalldichte Wände, hoffentlich.“
Gretchen kicherte.
„Dir werd ichs zeigen..“ zischte Marc grinsend und begann, sie an ihren nackten Fußsohlen zu kitzeln.
„Oh Gott, oh Gott, aufhören, AUFHÖREN!“ Gretchen konnte sich kaum halten vor Lachen. Marc hatte ja keine Ahnung, wie kitzlig sie war.
„Das hast du jetzt davon.“ Marc grinste, doch das Grinsen verwandelte sich sofort in einen besorgen Blick, als Gretchen auf einmal wieder anfing, laut zu niesen.
„Scheisse, jetzt aber echt ab ins Bett mit dir.Komm..“ Marc fasste sie unter den Achseln und hob sie hoch, als ob sie leicht wie eine Feder war.
Gretchen schmiegte sich an seine Schulter und lächelte.
„Wow Marc, sag mal, seit wann bist du eigentlich so nett geworden?“
Statt des dummen Spruches, den Gretchen erwartet hatte, kam nur ein leises Räuspern und ein betroffener Blick auf seinem Gesicht.
„Ich..äh..“
Marc stieß die Schlafzimmertür auf, setzte sie aufs Bett und drehte sich um.
Oh Gott, sie hatte es doch tatsächlich geschafft, Marc Meier sprachlos zu machen!
Scheisse, was hatte sie jetzt schon wieder gesagt???
Er schaute kurz aus dem Fenster, bis er sie schließlich wieder ansah und Gretchen verunsichert zu ihm aufblickte. Da war so eine Verletzlichkeit in seinem Blick, etwas Verwundbares, wie sie es bei ihm nur ganz, ganz selten gesehen hatte.
„Tschuldige, ich meine, ich wollte jetzt nicht..“
„Schon gut.“ Marc grinste halbherzig. „Ich könnte echt öfters mal ein bisschen..netter sein.“
Hallelujah.Hallelujah, hallelujah.Hallelujah, hallelujah!HALLELUJA! Marc Meier, das unverschämte Arschloch war unter meinem weiblichen Einfluss zu einem menschlichem Wesen mit echten Gefühlen geworden! Höchstphase, Gretchen, Höchstphase!
Gretchen konnte in ihren Gedanken schon die Fanfarenklänge hören, während sie gütig und milde in die Menge lächelte, als wäre sie die neue Mutter Theresa. „Ja, ich bin es. Ich habe Marc Meier gerettet. Autogramme gibt’s da drüben!...bis sie durch eine Stimme plötzlich jäh aus ihren Gedanken gerissen wurde.
„Es äh...tut mir leid, falls ich dich mal..naja verletzt habe.“
„Mal verletzt“ ist gut...Der Typ hat echt keine Ahnung.Naja, egal jetzt, er liebt mich ja.
Gretchen schaute ihn erstaunt an. Was genau war mit Marc eigentlich los? Er würde doch nie zugeben, dass... Weiter kam sie nicht, da Marcs Stimme ihre Gedanken schon wieder untebrach.
„Ich hab ihn letzter Zeit...mal nachgedacht halt, und ich finde einfach, dass du wissen solltest, dass es mir...äh..leid tut.“
Gretchen starrte ihn mit offenem Mund an.
So was hatte sie jetzt echt nicht erwartet.
Gretchen konnte sich schon wieder vor der andächtig schweigenden Menge sehen.
Sie, im dunkelroten Abendkleid, mit leicht gesenktem Blick, gütiges Lächeln.
„Kaum hatte ich einmal mit ihm geschlafen, schmolz das Eis von seiner Seele wie ein Eiszapfen, den man unter heißes Wasser hält!“ Toooolle Metapher, übrigens! Meine Güte, Gretchen, ERSTHAFT JETZT. Der Typ haut vor dir gerade seine harterbauten Selbstschutz-Mauern voller Machogetue und Ey-bloß-keine-Gefühle-zeigen-Masche nieder.So was passiert einem auch nur einmal im Leben!
Gretchen schüttelte ihren Kopf, um die dämlichen Gedanken zu vertreiben und grinste.
Wie viel Quatsch konnte ein einzelnes Gehirn eigentlich zusammendenken?!
Sie zuckte zusammen, als Marc auf einmal auffuhr.
„Kannst du vielleicht nicht so dämlich grinsen, während ich so was sage? Das ist nicht gerade leicht, okay?!“
Mit verletztem Blick stand er auf und ging Richtung Tür.
Das war ja wieder typisch. Kaum merkt man, die Gefühlsmasche reißt einem die Sicherheit weg, die man mit der Machotour bekommt, haut man lieber ab, als der eigenen Schwäche ins Auge zu sehen. SO was von klar!
„Marc, jetzt warte doch...“
Gretchen sprang rasch auf und nahm ihn sanft am Arm.
Marc drehte sich zu ihrer Freude um und blickte sie unsicher an.
„Ich hab das nicht so gemeint. Ich dachte nur nicht, dass jetzt...sowas kommt.“
Marc setzte sich aufs Bett und atmete tief durch.
„Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist, zuerst du, und dann meine Mutter und..“. Er schluckte leise.
MARC, bin ich SCHEISSE oder was?! Warum erzählst du ihr sowas?!Hallo! Selbstaufgabe! Du machst dich vor der Frau zur Frau!
Gretchen zog ihn an sich und strich ihm sanft über den Rücken.
Marc Meier lässt sich von mir trösten! Marc Meier zeigt echte Gefühle! Wie mache ich das??Hilfe, ich bin Gott!!!
Äh, jetzt fängt die auch noch an, mich zu trösten. O Gott, sie ist die MUTTER!! Kaum zeigt man einmal die andere Seite, wird sie zur Tröstemaschine. Äh, hallo? Kann die vielleicht aufhören?
Gretchen atmete tief ein. Sollte sie wirklich... okay, er liebte sie, sie liebte ihn, wenn sie schon mal dabei waren, dann: Frontalangriff!!
„Marc, kann es sein, dass dir das mit deiner Mutter näher geht, als du zeigst?Ist da irgendwas? Willst du vielleicht über deinen...“ Gretchen schluckte. „..Vater reden?“
Marc sagte gar nichts, er saß nur da, sein Kopf an ihrer Schulter und sein Atem an ihrem Hals.
O Gott, es ist die Mutternummer! Neiiiihein! Kaum sagt man ihr, man liebt sie, will sie alles! Keine totale Selbstaufgabe Marc, mach es ihr klar!SOFORT!
Plötzlich richtete er sich auf.
Er blickte wieder ganz gefasst und aus seinen Augen blitzte das bestimmte Lächeln, dass er immer aufsetzte, wenn er sich überlegen und sicher fühlte.
„Du Gretchen?“
„Hm?“
„Ich weiß, dass du dir das jetzt so vorstellst, so ich erzähl dir alles, breite meine innersten dunkelsten Geheimnisse vor dir aus, du kommst mir mit deinen und so, und dann is alles paletti. Aber das zieht bei mir nicht, also ich meine...noch nicht halt.“
Gretchens Miene wurde auf einmal etwas kühl.
Logisch, jetzt kommt die totale Verweigerung. Er traut sich nicht.
„Das will ich ja auch gar nicht.“ Gretchens Stimme klang sichtlich etwas gereizt.
Marc schaute sie total perplex an.
„Nee?“
Hä?
O Gott, es steht echt schlimmer um ihn, als ich gedacht habe. Was hat diese Fisher-Kuh nur mit ihm angestellt?!
„Gott Marc, glaubst du echt, nur weil wir jetzt zusammen sind, glaub ich, du servierst mir deine Gefühle aufn Silbertablett oder was?“
So in etwa hab ich mir das jetzt gedacht, ja.
„Hallo? Ich bin nicht so naiv wie du vielleicht denkst. Ich kann dich nicht in einem Tag verändern, schon klar. Aber du weißt, dass ich..“
„..dass du mir helfen willst?“ fiel er ihr ins Wort.
Gretchen atmete tief durch. „Ja. Das muss ja nichts schlechtes sein. Warum könnt ihr Männer das nicht einfach mal glauben?“
Marc verdrehte die Augen. Aber wenigstens war das ganze nicht so schlimm, wie er erwartet hatte.
„Gretchen, hör zu. Ich weiß, dass du das willst und ich weiß, dass du das vielleicht auch kannst. Aber ich will das nicht. Jetzt noch nicht. Versteh mich bitte, es gab noch nicht viele enge Beziehungen in meinem Leben, aber alle, die mehr als nur Sex waren, wollten mich ständig irgendwie...retten halt.“
Gott, was laber ich da eigentlich?
Scheisse, er weiß es. Das was er in Frauen immer auslöste, das „Retter-Syndrom“, wie Gretchen es nannte. Und er wusste es. SCHEISSE, Pech muss frau haben...
„Wie auch immer, sie gaben keine Ruhe, wollten alle, dass ich ihnen alles erzähle und so Kram. Aber das ist nun mal nicht so einfach. Also bitte sei nicht auch eine von denen, sonst weiß ich nicht, ob ich das mit dir kann.“
Gretchen blickte ihn genau an.
„Ist alles okay, allerdings..nur solange du mir vertraust. Versuch es zumindest, vertrau mir!“ sagte Gretchen bestimmt.
„Du wirst nicht ständig in mich dringen?“
„Nein.“
Marc hob erstaunt den Kopf und ein leises Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
Das hatte er nicht erwartet. Er wusste, wie sehr Gretchen wollte, dass er ihr alles über sich erzählte und wie wichtig ihr das alles war, gerade deshalb war es sicher nicht leicht für sie, jetzt darauf zu verzichten. Er war ihr echt dankbar dafür.
„Danke.Irgendwann...erzähl ichs dir vielleicht.“
Er lächelte sie unsicher an.
„Okay.“
„Okay!“ Marc sprang auf und klatschte in die Hände.
„Nachdem wir den Psychokram jetzt hinter uns haben, können wir ja jetzt zum Wichtigen kommen.“
Gretchen grinste und verdrehte die Augen.
Das war wieder so typisch Mann. Kaum hatte etwas irgendwie mit Gefühlen zu tun, strich man es so schnell wie möglich aus dem Gehirn.
Gretchen lächelte trotzdem. Das hatte Marc sicher noch keiner Frau gesagt und war ja immerhin schon etwas.
Sie würde ihn schon noch dazu bringen, sich ihr zu öffnen.
Immerhin glaubte sie fest daran, dass das Geheimnis guter Beziehungen darauf beruhte, die schlimmsten Dinge voneinander zu wissen und zu tolerieren.
Egal, jetzt zählte nur, dass er sie liebte und sie ihn. Das war die Hauptsache, der Rest würde schon noch kommen.
Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut!
„DU legst dich jetzt erstmal ins Bett und rührst nicht einen Finger.Warte einen Moment.“ Gretchen konnte nicht mal den Mund aufklappen, da war Marc auch schon zur Tür raus.
Was hatte er denn jetzt wieder vor?
Naja, war ja auch egal.Gretchen ließ sich in die weichen Polster zurücksinken und starrte die Decke an.
Leicht sog sie die Luft ein.
Die im Schlafzimmer war schon mal gut, sie konnte vielleicht etwas Lavendel vertragen, aber wenn man den Kopf in Marcs Bettwäsche vergrub, konnte man alle möglichen „Dufttraum“-Raumerfrischer sofort vergessen, sein Geruch war einfach einmalig!
Wieso konnte man eigentlich nicht „Marc in Spraydosen“ herstellen?
„Ihre persönliche Droge für einen angenehmen Raumduft“, das würde sich doch mal gut verkaufen...
Gretchen ließ ihren Blick schweifen, bis er auf einem Stapel Bücher neben dem Bett landete.
„Noch eine Runde auf dem Karusell“ von Terzani und „Fiesta“ von Hemingway.Daneben ein blanker Dr. Rogelt-Band seiner Mutter, den hatte er sicher nicht gelesen. Einige Zeit-Magazine und natürlich Sporthefte...trotzdem, so hohe Literatur hatte sie ihm ehrlichgesagt nicht zugetraut. Sie hätte eher darauf getippt, mehrere Playboy-Abos zu finden..Ach wo, die waren sicher noch irgendwo verstaut.
Wahrscheinlich hatte ihm Gabi befohlen, sie wegzuräumen. Sie hatte immerhin auch ihren ganzen Kram in seinem Bad verteilt, wie Gretchen heute zu ihrem Ärger gemerkt hatte.
Mit nicht einem klitzekleinen bisschen Reue hatte sie heute eine fast unbenutzte Flasche Gucci „Envy me“ mit hinterhältigem Lächeln in die Toilette gekippt.
Das war SO klar, dass Gabi so ein Parfum benützte. Aber beneiden würde sie bestimmt keiner mehr...
Gretchen musste immer noch grinsen, wenn sie an den „Zwischenfall“ mit dem Parfum dachte.
Sie stand leise auf und schaute sich im Zimmer um.
Sie war fest entschlossen, die Playboy-Hefte zu finden... Irgendwo mussten die ja sein!
Gretchen schob den Schrank auf. Eine Reihe sauber gebügelter Polohemden, teure Pullover, Kravatten, aber keine Hefte!
Im Regal daneben sah es schon vielversprechender aus, einige Ikea-Boxen, die sich nur schwer heben ließen, also sicher etwas Schweres drin.
Gretchen zog den Pappdeckel herunter und linste hinein.
Mist, nur lauter Säckchen mit bunten Steinen. Was zum Teufel hatte er nur mit diesen Steinen vor?
Naja, egal.
In der Schachtel daneben hatte sie schließlich mehr Glück.
Eine ganze Reihe von Heften fiel auf den Boden vor ihre Füße.
„Mist..“, murmelte sie leise und versuchte wie wild, die Hefte wieder in die Schachtel zu stopfen.Dabei waren es noch nicht mal Playboy-Hefte, sondern alte Ausgaben von medizinischen Fachzeitschriften. Marc hatte sogar Zettel reingeklebt...Scheisse, Marc! Der kam ja sicher gleich wieder!
Er sollte sie immerhin nicht sofort beim Rumkramen finden, sowas machte keinen guten Eindruck! Außerdem hatten sie die Situation schon mal... Naja okay, sie endeten in der Dusche, aber trotzdem...
„Äh, was genau machst du da?“
Scheisse, mitten in der Tat ertappt.
„Äh...ich suche eigentlich nur...“
„Ja?“ Marc grinste.
„Äh.. die Playboyhefte. Irgendwo müssen die ja sein.“
„Linke Kommode, ganz oben. Gabi hat sie weggeräumt..“.
„Wusst’ ich’s doch.“ Gretchens Blick fiel auf seine Hand. „Sag mal, ist das Kakao?“
Marc nickte und kam zu ihr.
„Mhm, sogar mit Sahne. Krieg ich jetzt ein Sternchen in den Katzenblock?“
Gretchen verdrehte die Augen und nahm ihm die Tasse ab.
„Danke.“
Marc setzte sich aufs Bett, während Gretchen sich unter die Decke kuschelte.
„Hier, nimm die besser, sonst wachst du morgen noch mit Lungenentzündung auf.“ Er drückte ihr eine kleine, weiße Tablette in die Hand.
Gretchen nieste wie auf Knopfdruck.
„Okay, vielleicht solltest du auch lieber zwei nehmen?“ Marc sah sie besorgt an.
„Nee, lass mal gut sein. Kannst du mir vielleicht ein Glas Wasser zum Runterspülen holen?“
Marc nickte und verschwand ins Bad.
Gretchen grinste. Meine Güte, sie war wirklich Gott, oder zumindest die Erzengelin Gabriella...Marc war ja tatsächlich ein richtiger Gentleman gworden!
Er kam gleich darauf wieder und drückte ihr das Wasser in die Hand.
„Sag mal, weißt du, wohin Gabis Parfum gekommen ist? „Marry me“ oder so ähnlich?
Gretchen musste husten. Sie konnte nicht umhin, bei der Vorstellung von „Marry me“ ein warmes Gefühl im Bauch zu kriegen.
Es musste wunderbar sein, Marcs Frau zu sein!
Äh, Gretchen?!?Sonst geht’s noch oder?
Was dachte sie nur schon wieder?! Außerdem, so wunderbar würde es sicher doch nicht sein, wer wollte schon bis an sein Lebensende Marcs dreckige Socken waschen..Auf der anderen Seite...SCHLUSS JETZT!
„Envy me.“
„Was?“ Marc blickte sie verständnislos an.
„Das Parfum, es heißt „Envy me“. Von Gucci.“
„Ist doch völlig egal, wie das Ding heißt. Weißt du wo es ist?“
Marc sah Gretchen erwartungsvoll an.
Sie zog sich schuldbewusst die Decke bis an die Nasenspitze hoch.
„NEIN!“ sagte Marc plötzlich. „Du hast nicht...“
Weiter kam er nicht, da er so sehr lachen musste.
Gretchen kam wieder unter der Decke hervor.
„Naja, das stand da so rum und es war halt einfach da und... dann könnte ich es eventuell in die Toilette gekippt haben. Eventuell. Ich meine, immerhin war es von Gabi.Ich trag ja auch nicht Mehdis Aftershave mit mir rum!“ verteidigte Gretchen sich lautstark, während Marc vor Lachen wild um sich schlug.
„Ich glaubs ja einfach nicht! Wie geil ist das denn?“
Gretchen schaute ihn verärgert an. Konnte der auch nie etwas ernstnehmen. Könnte sich ja mal denken, dass sie das Parfum seiner Ex nicht gerade gerne in seinem Bad sah.
„Sie wird dich umbringen, wenn sie das erfährt. Sie liebte das Zeug und es ist echt teuer.“
„Verdammtnochmal das weiß ich. Ich wollte eben nicht, dass das da rumsteht, okay?!“
Marc schaute sie verständnislos an. Er wusste eigentlich gar nicht, warum sie sich so aufregte.
„Wieso, ich hasste das Zeug ohnehin! Viel zu schwer und die Mengen, die sie da immer draufgesprüht hatte... zum Kotzen.“
Gretchen schaute ihn überrascht an.
„Du magst es nicht?!?“
„Nee, wieso?“
Gretchen fühlte sich auf einmal total erleichtert. Mann, war doch lächerlich, wegen so einem dummen Parfum gleich eifersüchtig zu werden.
„Ich dachte, es steht da, weil du es magst.“
„Sag mal, du bist doch eifersüchtig!“ Marc grinste verschmitzt.
Gretchen setzte eine bockige Miene auf.
„Bin ich gar nicht.“
„Und wie. Als stände es rot auf deiner Stirn, das schnallt sogar n' Blinder“ Marc lachte laut.
Gretchen verschränkte verärgert die Arme.
Das Schlimmste war, dass er Recht hatte.
„Du kannst ja dein Parfum hinstellen, das was du früher immer benützt hast, das ist echt gut. Aber nicht das neue, das ist scheisse. Viel zu orientalisch.“
Gretchen überhörte die andere Bemerkung und strahlte ihn an.
„Echt?! Ich darf?“
Marc lächelte.
„ Naja, sagen wir mal so, durch dich bin ich dieses „Jelly me“ da losgeworden, da kann man ja mal eine Ausnahme machen. Aber nicht, dass du mir deinen ganzen Kram anschleppst!“
Gretchen verdrehte die Augen.
„Envy me, das Ding heißt „Envy me“.“
„Ja super, da kann sich das Klowasser aber freuen. Und jetzt nimm endlich deine Tablette und trink den Kakao, bevor er kalt wird.“
Gretchen hatte noch nie so glücklich eine Tablette geschluckt.
Normalerweise hasste sie die Dinger, bitter und eklig wie sie waren.
Und dann meistens auch noch so riesig, dass man die ewig nicht runterbekam.
Aber im Moment war ihr das alles egal, Marc hatte ihr immerhin gerade erlaubt, etwas in seine Wohnung zu stellen.
Das war für ihn ungefähr so, als ob er ihr gesagt hätte, sie könne mit seinem Porsche mit fünf Freundinnen auf Urlaub fahren...
Plötzlich klingelte wieder das Telefon.
Na toll, sicher schon wieder eine von Marcs reizenden Nachbarinnen.
„Jetzt gehst aber du.“ Gretchen grinste ihn hämisch an.
„Jaja, schau du, dass du nur schön im Bett bleibst. Äh, Klo ist um die Ecke, Wasser am Nachttisch und Schokolade...äh, ja ist eh geschmolzen im Kakao, das sollte für fünf Minuten reichen, oder?“ Marc lachte.
„Raus jetzt hier.Telefon läutet.“ Gretchen gab ihm mit ihrem Fuß einen Schubs in Richtung Tür.
„Ja, ich hatte eigentlich gehofft, dass die Tunte in der Zwischenzeit auflegt.“
„Tja Marc, musst du halt auch mal die Verantwortung für deine Fehler übernehmen.Fühlt sich scheisse an, ne?!“ Gretchen grinste.
Marc streckte ihr die Zunge raus und ging zum immer noch läutenden Telefonapparat.
Gretchen schaute ihm lächelnd hinterher und lehnte sich wieder zurück in die weichen Bettlaken.
Die Dinger waren ganz dunkelrot und mindestens aus reinem Kaschmir, dem Gefühl nach. Außerdem passten sie genau zu dem ebenfalls rubinroten Bettbezug.
Also eines musste man ihm lassen, Geschmack hatte er wirklich!
Obwohl, vielleicht hatte Gabi die Dinger ausgesucht, oder noch schlimmer, seine Mutter!
Gretchen unterdrückte den Kotzreiz und beschloss, sich die Freude an den herrlichen Laken nicht von solchen Biestern zerstören zu lassen.
Immerhin würde sie heute Nacht darin schlafen!
Gott, wie sie die riesigen Kissen liebte!
Und Marc hatte nicht nur eines, sondern drei!
Sie waren über das ganze Bett verstreut gewesen, wie schlief der Typ eigentlich um das hinzukriegen? Naja, egal.
Das Bett hatte bequemerweise kein Kopfbrett, sondern war an allen Seiten frei.
Es gab allerdings einen Art „Betttisch“, den man über das Bett schieben konnte und so tollerweise im Bett frühstücken konnte.
Sehr praktisch!
Gretchen malte sich schon aus, wie sie zusammen im Bett frühstücken würden, als ihr Blick an der großen Kakteensammlung auf dem Fensterbrett hängenblieb. Sie wunderte sich, wo er die Dinger wohl alle her hatte.
Manche davon hatten so seltsame Formen, wie man sie in Deutschland sicher nicht bekam..
Sie bemerkte außerdem, dass nirgendwo in dem ganzen Zimmer Fotos waren.
Es hingen einige schöne Bilder an der Wand, und neben einem antiken Spiegel lehnte ein großes Art-déco-Gemälde, aber ein persönliches Foto konnte sie nirgends entdecken.
Das würde sie schleunigst ändern müssen! Gretchen sah die Bilder schon vor sich, Marc und sie im Park, Marc und sie im Urlaub, das große Hochzeitsfoto...okay, OKAY Gehirn, man wird doch wohl noch mal träumen dürfen!!
Plötzlich ging wieder die Tür auf und Marc stand im Raum.
„Also die Überflutung ist getrocknet, wegen dir hab ich nicht ein trockenes Handtuch im Haus und die Damen haben, so wie's aussieht wieder Wasser, denn das vorhin war nicht eine von denen, sondern deine Mutter, die fragte, ob ich wüsste, wo du wärst.“
Gretchen schaute ihn genervt an.
„Oh Gott, die hat nicht im Ernst hier angerufen? Na super, wenn sie sogar bei dir anruft, hat sie vorher auch schon meinen halben Bekanntenkreis durch..Was hast du ihr eigentlich erzählt?“
„Äh, ich sagte, dass du bedauerlicherweise bei mir eingeschlafen bist, nachdem wir die Operation für morgen durchgegangen sind.“
„Wahnsinn, sehr geistreich Marc, wirklich!“ Gretchen verdrehte die Augen.
„Wieso? War hilfreich, sie hörte auf, mich zuzulabern und meinte nur, wir sollen uns nicht stören lassen.“
„Mensch Marc, jetzt weiß gleich jeder Bescheid oder was?“
Marc grinste. „Schämst du dich etwa?“
Mensch, Männer!!!
„Äh, nein, natürlich nicht, aber ich will eben nicht, dass mein Vater gleich alles weiß. Du kennst doch meine Eltern.“
„O Gott, heißt das jetzt, wir sind schon wieder zum Essen eingeladen?“
Gretchen grinste.
„Vielleicht. Obwohl, soweit ich mich erinnern kann, hat sich ein bestimmter Doktor Meier das letzte Mal ohnehin ziemlich amüsiert!“
„Gar nicht. Ich habs dir doch schon gesagt, ich fands scheisse.“
„Ja klar, mach dir das erst mal selber weis.“
„Wieso, is doch wahr? Und jetzt rutsch rüber, obwohl, zu zweit passen wir da eh nicht rein, oder hast du in letzter Zeit abgenommen?“
„Ich rutsch keinen Zentimeter, bevor du es nicht zugibst.“
Marc verdrehte die Augen.
„Okaaaay, vielleicht hatte ich ein bisschen Spaß.Zufrieden jetzt?“
„Ja, sehr.“ Gretchen grinste. „Äh, ich will aber trotzdem nicht, dass es jeder gleich mitkriegt. Mein Vater ist glaub ich grad nicht so gut auf dich zu sprechen..“
Marc verzog das Gesicht. „Ach ja, und um den Professor nicht zu ärgern, willst du jetzt auf Krankenhausquickies verzichten?“ Er grinste sie frech an.
„Mensch Marc, hast du eigentlich auch mal irgendwas anderes im Kopf?“
„Äh, nein?“
„Ugh.“ Gretchen drehte sich gespielt genervt um.
„Meine Fresse,Gretchen, man wird doch wohl noch scherzen dürfen. Du hast doch selbst gesagt, man kann jemand nicht an einem Tag ändern.“
„Marc, ich schlafe.“
„Mhm, klar, deshalb redest du ja auch.“
Gretchen hielt die Luft an, um nicht laut loszulachen.
Sie hätte es wahrscheinlich nicht zugegeben, aber eigentlich fand sie Marcs Sprüche meistens ziemlich witzig. Ohne die ständigen Kabbeleien zwischen den beiden würde ihr wohl echt was fehlen, und ihm ging es genauso, dass hatte sie schon zu oft deutlich erlebt.
„Gut, dann schlaf ich jetzt eben auch.“
Gretchen musste grinsen.
Sie drehte sich langsam um und vergrub ihren Kopf in Marcs Armbeuge.
„Achso, jetzt werden wir auf einmal doch wieder nett zu mir.“
„Nö, mir war nur kalt.“
Marc grinste.
Er nahm ihren Kopf in seine Hände und küsste sie sanft.
„Mmm...“

„Hmm...Marc...“

Gretchen schlang ihre Hände um seinen Hals und presste ihren Körper näher an seinen.
Seine Hände strichen über ihr Gesicht, während sich ihre Lippen nie voneinander lösten.
Nach einem langen, weichen Kuss, durch den beiden ganz warm wurde, strich Marc ihr schließlich die Haare aus dem Gesicht und legte seinen Arm auf ihre Hüfte.
Gretchen kuschelte sich ganz nah an ihn und presste nochmal kurz ihre Lippen auf seine.
„Gut' Nacht.“
Sie lächelte ihn an und legte ihren Kopf schließlich wieder in seine Armbeuge.
Marc küsste ihre Haare und zog die Decke über die beiden.
„Schlaf gut.“ murmelte er leise und knipste das kleine Licht neben ihrem Bett aus.
„Morgen darfst du übrigens die Handtücher sauber waschen und trocknen, wenn meine Putzfrau die so sieht, bekommt die einen Herzinfarkt.Viel Spaß schon mal, mein Trockner ist nämlich kaputt.“
Gretchen antwortete nicht mehr, sie war schon eingeschlafen.
Marc lächelte in die Dunkelheit und beugte sich zu ihrem Ohr.
„Ich liebe dich.“ flüsterte er leise, bevor er sich schließlich zufrieden mit der Welt auf sein weiches Kissen sinken ließ und die Augen schloss.

Sweet dreams till sunbeams find you,
Sweet dreams that leave all worries behind you.
But in your dreams, whatever they be,
Dream a little dream of me.


~ * ~

Hoffe wie immer, es hat euch gefallen und freu mich, auch wie immer, auf eure Kommis. [grin]

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

10.09.2009 21:58
#6 Der perfekte Tag Zitat · Antworten

Hey ihr Glücksmäuse, mich hat wohl irgendwie die Muse geküsst heute, auf jeden Fall ist das liebe Schokostück doch ein großes geworden, sogar mit ner Nuss drin und natürlich wie immer kalorienfrei :D
In diesem Sinne, Mahlzeit!Image and video hosting by TinyPic


~ * ~

Es gibt Tage, da spürt man es schon genau beim Aufwachen, dieses Gefühl, dass der Tag heute einfach perfekt werden würde.
Das eigenartige Kribbeln hatte Gretchen schon beim Zähneputzen, beim Wiegen (sie hatte sogar exakt 914 Gramm abgenommen! Und da gab es tatsächlich noch Leute, die behaupteten, es gäbe etwas besseres als Sex auf dieser Welt!) beim Honig-auf-den-Toast-schmieren und sogar beim Honig-der-vom-Toast-gelaufen-war-wieder-irgendwie-aufs-Brötchen-befördern ganz genau gespürt, bis sie es schließlich zweifelsfrei wusste: heute würde der perfekteste Tag seit langem werden!
Sie hatte das Gefühl sogar noch, als sie jetzt gerade mit mindestens siebenminütiger Verspätung am Krankenhausparkplatz ankam.
Warum sollte sie auch bedenken, dass sie von Marcs Wohnung fünf Minuten länger mit dem Rad brauchte, WER bitte denkt denn auch an sowas?
Und woher sollte sie bitte wissen, dass Marc heute Frühschicht hatte und um Punkt fünf aus dem Bett kroch?
Sie müsste ihm wohl auch nochmal beibringen, dass man auch etwas leiser duschen könnte und die Haustür nicht unbedingt zuknallen müsste, dass an friedliches Weiterschlafen unmöglich zu denken war! Schön langsam konnte sich Gretchen vorstellen, warum sämtliche ältere Nachbarinnen schon etwas gereizt auf den Namen Marc Meier reagierten.
Egal, es war immerhin der perfekte Tag, solche kleinen Schönheitsfehler zählten nicht.
Gretchen kam es so vor, als schwebe sie in die Umkleide, trotz der nunmehrigen Verspätung von geschlagenen 13 Minut – verdammt, schon 13!! Eben waren es doch noch sieben!
Nun doch ein wenig von der morgentlichen Eile angesteckt, ging Gretchen die letzten Meter in die Umkleide etwas rascher und machte einen großen Bogen um sämtliche Kaffee- und Schokoautomaten.
Noch später könnte sie echt nicht zur Visite erscheinen, es war heute immerhin ein perfekter Tag, das garantierte auch perfekte Fälle, und das wiederum garantierte perfekte Operationen!
Schnell noch den Kittel übergeworfen, wie sehen denn eigentlich meine Haare –oooH mein Gott, schnell noch die Strähne in die andere Richtung, verdammt, wo hab’ ich nochmal das Haarspray, aah 17 Minuten nach acht! Los jetzt!
Um 19 nach acht stand Gretchen schließlich endlich vor der Tür des ersten Patientenzimmers und spürte es ganz deutlich – hinter dieser Tür verbarg sich DER PERFEKTE FALL! Außergewöhnlich, schwierig, nun ja, ein bisschen, sie war ja immerhin Anspruch gewöhnt, und vor allem: SCHWERSTVERLETZT!
Gretchen würde ihr ganzes chirurgisches Können aufbringen müssen, um der Dame das Leben zu retten, die perfektesten Nähte setzen, die schönsten Schrauben befestigen, ja, sie würde ihren letzten Schweißtropfen opern, nur um, nur um...OH GOTT! NUR UM DAS HIER zu sehen?!?!?!?!!!?!!!!!

~ * ~

Gretchen hätte sich am liebsten sofort umgedreht, irgendeine dämliche Entschuldigung gemurmelt und wäre schleunigst abgehauen, aber das ging jetzt leider nicht mehr, man hatte sie schon mit einem lauten Kreischen entdeckt!
Oh Gott, steh mir bitte bei! Ich werde auch für immer auf die Pistazien-Nougat Schokolade verzichten, die extrazarte, extrafeine! Versprochen!
„Da SÜND Sie ja endlüch, üch dachte schon, üch müsste noch EWÜCH warten!!!“
Toll, Gott war wohl schon wieder mal ausgebucht..
Gretchen zwang sich eisern, ein möglichst freundliches Lächeln aufzusetzten, während sie langsam weiter in das Zimmer ging.
„Guten Morgen, Frau von Elderstädt, nein wie herrlich, dass sie es auch wieder zu uns geschafft haben, wir dachten schon, sie hätten sich ein anderes Krankenhaus ausgesucht!“, säuselte Gretchen und dachte schon ,gleich würde süßer Honig tropfenweise von ihren verlogenen Lippen fließen.
Die Angesprochene lächelte säuerlich.
„Das wollte üch auch, die Behandlung hier üst ja nun würklich nücht einer Person meines Standes angemessen, aber bedauerlücherweise war nirgendwo mehr etwas frei, nicht wahr, Vüktor?“
Gretchens Blick fiel auf die armselige Kreatur, die neben dem Krankenbett stand und beinahe von all den Blumenhäufen auf dem Nachttisch verdeckt wurde.
„Vüktor“, eigentlich Viktor, seines Zeichens Graf von Elderstädt, richtete theatralisch die Augen Richtung Decke und blinzelte Gretchen schließlich hilflos an.
„Aber natürlich, meine Liebe, genau so war es.“
Die Alte nickte befriedigt und schaute Gretchen schließlich wieder erwartungsvoll an.
„Was üst nun müt meiner Behandlung? Wann würd sie beginnen, üch halte es ja jetzt schon kaum aus, ün düsem schrecklichlüchen Zimmer, müt diesen schrecklüchen Möbelstücken!“
„Dann hauen Sie doch einfach ab.“, hätte Gretchen ihr am liebsten an den Kopf geworfen.
Ihr schlimmster Albtraum war wahr geworden! Sie wusste nicht, was sie eher vorziehen würde, einen Tag in der Hölle zu schmoren oder einen Tag lang Ihre Durchlaucht Gräfin von Elderstädt zu betreuen...
Die verrückte Alte war vor einigen Monaten auf Grund eines Nierenleidens in das Elisabeth-Krankenhaus eingeliefert worden und hatte sich dort behandeln lassen.
Gretchen war zum Glück nicht dabei gewesen, aber sie hatte wahre Horrorgeschichten über sie gehört!
Die Gräfin war nie mit irgendetwas zufrieden, und wenn sie einem nicht gerade mit irgendwelchen Sonderwünschen in den Wahnsinn trieb, schaffte sie es mit ihrer unmöglichen „feinen“ Sprache oder sonstigen Hirngespinsten einem den Tag gründlichst zu versauen.
Der arme Graf Viktor konnte einem wirklich Leid tun!
Sie hatte ihn wahrscheinlich erpresst, sie zu heiraten, anders konnte es gar nicht gewesen sein, denn freiwillig würde sich wohl wirklich niemand mit diesem Weib ein Bett teilen, und wäre sie die letzte Frau der Welt!
Nun gut, Gretchen hatte ja auch Marc zu ihrem Auserwählten erkoren, aber gegen Frau von Elderstädt war Marc der reinste Engel!
Die Dame bildete sich auch noch weiß Gott was auf ihre adelige Herkunft ein, obwohl sie nur einem vor Ur-Ur-Urzeiten wohlhabenden und heute schon längst verarmten Adelsgeschlecht angehörte. Sie hatte es im Grunde nur ihrem Mann zu verdanken, über derart große Geldmittel zu verfügen, da dieser einst einen hohen Posten im Bankgeschäft bekleidete und sich nun auf seinen Zinsen ausruhen konnte.
Der Reichtum war der Guten zu Kopf gestiegen und das ganze schien sich im Alter noch verstärkt zu haben.
Gretchen hatte nun das große Vergnügen, die Dame einen ganzen Tag lang zu behandeln.
JU-HU! Erde, eigentlich kannst du mich gleich auch verschlucken, nach dem heutigen Tag werde ich sowieso nicht mehr unter den Lebenden weilen!
„Nun, was stehen Sü hür eigentlüch so rum? Haben Sü nüchts zu arbeiten? Außerdem bütte üch Sü, mir schnellstens ein Müttel gegen düse grääääßlichen Kopfschmerzen zü geben, ich sterbe noch bei düsen Schmerzen!“
NA HOFFENTLICH MÖGLICHST BALD!
Gretchen setzte ihr süßestes Lächeln auf.
„Aber natürlich, Frau von Elderstädt. Haben Sie sonst noch einen Wunsch?“
Oh, Gott, was hatte sie getan? Wieso zum Teufel fragte sie auch noch??
„Naja, wenn Sü müch so dürekt fragen, der Tee hür üst abscheulich. Haben Sü keinen besseren? Machen Sü mir am besten gleich fünf Tassen von diesem feinen englüschen Gebräu, wü nennt süch das nochmal, Vüktor?“
Viktor, der inzwischen in eine Art Halbschlaf verfallen war, hob schnell den Kof und murmelte irgendetwas in seiner ruhigen Art und Weise.
Die Gelassenheit war wohl sein Mittel, wie er mit dieser Hexe leben konnte! schoss es Gretchen durch den Kopf. Sie würde sich an ihm ein Beispiel nehmen!
„ Ich befürchte leider, dass wir diese Art von Tee nicht zubereiten können, Frau von Elderstädt. Aber ich könnte ihnen einen frischen Lindenblütentee bringen?“ Gretchen versuchte, sie so überzeugend wie möglich anzulächeln.
Gräfin von Elderstädt setzte eine leidene Miene auf.
„Wenn es denn würklüch sein muss, Fräulein.“
Ugh, wieder eine dieser grauenhaften Angewohntheiten ihrer Durchlaucht! Sie pflegte nämlich alle Frauen, die sie für unter ihrer Würde hielt, stets nur mit „Fräulein“ anzureden.
Gretchen kam sich vor wie ein Zimmermädchen und verließ so schnell wie möglich den Raum.
Diese verfluchte Gräfin würde ihr noch den ganzen Tag versauen! Dabei hatte er doch so toll angefangen!
Oh, wenn sie doch gewusst hätte, dass dieser „außergewöhnliche“ Fall diese Verrückte war, dann wäre sie gar nicht erst aufgestanden und hätte sich von Marc krankschreiben lassen!
À propos Marc! Wo war der eigentlich? Sicher hatte er eine bequeme, kleine OP vor sich, während sie diese FRAU bedienen musste!
Gretchen war so in ihrem Ärger vertieft, dass sie gar nicht merkte, wie sie plötzlich in jemand rannte.
„Whoa, Gretchen, wohin geht’s so eilig?“
Gretchen blickte leicht genervt auf und musterte Mehdi mit einem kurzen Blick.
„Morgen, Mehdi, sorry, ich kann jetzt nicht.“
Dann war sie auch schon wieder weg.
Mehdi schaute ihr überrascht hinterher.
Was war nur mit ihr los? Gretchen war doch sonst nicht so abweisend! Ob Meier wohl daran Schuld war?
Verwundert schüttelte er den Kopf und ging Richtung Lift.

~ * ~

Gretchen war inzwischen schon in der Teeküche angekommen und brühte schnell heißes Wasser auf.
Das Wasser begann gerade zu kochen, als Schwester Sabine durch die Tür kam.
„Guten Morgen, Frau Doktor. Geht es ihnen nicht gut, Sie sehen so abgehetzt aus?“
Gott, jetzt fing die auch noch an!
„Danke, bestens. Sagen Sie, Sabine, haben sie Dr. Meier gesehen?“
Sabine schaute Gretchen überrascht an.
„Der hat gerade eine OP, glaub ich. Soll ich ihm etwas ausrichten?“
Gretchen überlegte kurz und leerte dabei das kochende Wasser über ein Teesieb.
„Äh... nein, danke. Ich muss dann auch wieder.“
Gretchen stellte die Kanne auf ein Tablett und ging dann schnell aus dem Zimmer, um eventuellen lästigen Fragen von Sabine auszuweichen. Dafür hatte sie jetzt echt keine Nerven mehr!

~ * ~

„Fräulein, wückeln Sü mür auch noch die Locken früsch, ja! Dü sünd schon ganz eingetrocknet.“
Gretchen stöhnte.
Diese Frau trieb sie echt in den Wahnsinn.
Nachdem sie dreimal die Bettwäsche gewechselt hatte, fünfmal die Klimaanlage verstellt hatte, das Mittagessen von den zwei auserlesensten Feinschmeckerlokalen aus Berlin extra mit dem Rettungswagen (!) kommen hatte lassen, dass es auch ja noch schön heiß war und schlussendlich auch noch der grässliche, fette Pudel der verehrten Gräfin extra aus dem Schwarzwald eingeflogen worden war, war Gretchen kurz vorm Explodieren.
Das heißt, eigentlich wäre sie schon längst explodiert, hätte sie sich nicht schnell in der Pause mit zwei gut bemessenen Gläschen Cognac aus dem Schrank ihres Vaters Abhilfe verschafft.
Es war zwar verboten, am Arbeitsplatz Alkohol zu konsumieren, aber da sie heute ohnehin nur ihre Durchlaucht zu bedienen hatte, konnte sie wohl einmal eine Ausnahme machen, immerhin musste sie den Tag ja auch irgendwie überleben!
Außerdem, war es nicht auch verboten, den Ersatzkrankenwagen zu solch unsinnigen Zwecken wie Essensbeschaffung zu missbrauchen, wenn man doch erstklassiges Essen in der hauseigenen Cafeteria bekommen konnte? Das Krankenhaus hatte sogar mal einen Preis für seine Cafeteria bekommen! HA!
Aber nein, Frau Gräfin kann natürlich nicht auf die Austern mit Curry und Feigen im Speckmantel vezichten, wenn man wegen so etwas „Lächerlichem“ wie Nierensteine im Krankenhaus lag, um den wortlaut der Dame in etwa wiederzugeben.
Gretchen überlegte sich gerade, ob sie sich nicht eigentlich weigern könnte, die adeligen Prachtlocken zu frisieren, aber leider zahlte die Frau den saftigen Aufpreis für VIP-Patienten, und leider gab es keine festgelegten Regeln, was man als „VIP-Patient“ verlangen durfte und was nicht. Scheiss-Gesetz!
Gretchen musste dringend ihren Vater daran erinnern, die VIP-Patienten-Regelung zu überarbeiten.
Für heute blieb ihr wohl nur übrig, mit zusammengebissenen Zähnen und hinuntergeschluckten Mordplänen die schlaffen Locken ihrer Durchlaucht aufzuhübschen...

Geschätzte drei Tonnen verbrauchte Volumen-Schaumsprays und „Glanz-Soforteffekt“-Spülungen später war die Gräfin endlich mit ihrem neuen Look, extra für die anstehende Operation gefertigt, zufrieden – man bedenke, das moderne Gräfinnen-Biest von heute trägt natürlich auch zur Nieren-OP die Locken frisch frisiert und das beste Seidennachthemd – und Gretchen konnte sich endlich eine kurze Mittagspause gönnen.
Dachte sie zumindest!
Kaum hatte sie ca. drei Bissen ihrer Lasagne im Magen, ging ihr Pieper schon wieder los.
Gretchen rannte, sich mit einer Hand die Tomatensoße von den Lippen wischend, auf Frau von Elderstädts Zimmer zu, in der Hoffnung, die Frau hätte eine plötzliche, unheilbare Schlafkrankheit oder irgendwas ähnliches, ihr wäre ja schon ein simpler Sprachausfall Recht gewesen...
Sie war noch nicht mal durch die Tür, als sie Gräfin von Elderstädts lautes Gekreische hörte.
Oh Gott, es wird doch nichts ernsthaftes passiert ein!
Schon mit dem Schlimmsten rechnend, bekam Gretchen beinahe selbst die Herzattacke, als ihr klar wurde, warum die alte Hexe sie diesmal schon wieder geholt hatte.
Dieses Weib besaß doch tatsächlich die Frechheit, sie vom wohlverdienten Mittagstisch zu holen, da eine klitzekleine, absolut unschuldige schwarze Babyspinne sich auf die verehrte Decke des verehrten Gräfinnenzimmers gewagt hatte! WIE konnte sie nur! Also wirklich, dass es solche absolut unverschämten Spinnenbabies noch gab!
Gretchen schäumte vor Wut, als sie das kleine Ding mit einem Handgriff in die Luft vor dem Fenster versetzte.
Sie schaute der kleinen Spinne nach, wie sie langsam auf den Boden weit unter ihr zusegelte.
Gerade nochmal Glück gehabt, das kleine Tierchen. Die Frau hätte sie wahrscheinlich auch noch gleich wahnsinnig gemacht!
Obwohl, vielleicht wäre sie zur Riesentarantel mutiert und hätte der Gräfin ordentlich das Fürchten gelehrt!
Gretchen wollte die Spinne beinahe schon wieder zurückholen, so sehr war sie von ihren neuen Racheplänen erfüllt, bis ihr einfiel, dass ihr die Spinne wohl nicht den Gefallen tun würde und sie außerdem schleunigst wieder zurück zu ihrem Essen sollte, bevor die Mittagspause aus war.
Ohne die Gräfin eines Blickes zu würdigen, ging Gretchen mit hoch erhobenem Haupt aus dem Zimmer.
Hach, hatte sich DAS gut angefühlt!

~ * ~

In der Zwischenzeit war Marc in die Cafeteria gekommen und wunderte sich, wi Gretchen blieb und warum eine halbgegessene Lasagne auf ihrem Platz stand.
Mehdi, der ebenfalls an dem Tisch saß, nickte ihm kurz zu und aß dann weiter.
„Sag mal, weißt du wo Gretchen ist?“
Mehdi schaute sich kurz im Speisesaal um und verkündete danach triuphierend: „Na, also hier is sie nich!“
Marc rollte genervt mit den Augen.
„Wahnsinn Mehdi, da wär ich jetzt nich draufgekommen. Danke für deine großartige Hilfe.“
Mehdi schaute ihn verständnislos an und wollte sich schon wieder seiner Lasagne zuwenden, als ihm doch noch was einfiel.
„Heute morgen bin ich in sie gerannt, sie wirkte irgendwie gestresst und genervt.“
Marc blickte nachdenklich vor sich hin und ließ Mehdi schließlich weiteressen.
Er wollte sich eben auch eine Lasagne holen, als sein Piper plötzlich losging.
„Na super.“ Murmelte er leise und ging eilig aus dem Speisesaal.

~ * ~

Nachdem Gretchen den Nachmittag mit zwei weiteren Cognac-Schüssen überlebte und die Frau endlich operiert worden war und im Aufwachzimmer ruhte, musste Gretchen nur noch ihren Mann aufsuchen, um ihm mitzuteilen, dass die verehrte Gattin die OP (leider, leider!) ohne Schaden überstanden hatte.
Wo war der eigentlich schon wieder?
Gretchen machte sich etwas genervt auf die Suche nach dem stillen, kleinen und eigentlich freundlichen Mann, dem man weder das Grafenamt noch eine solche „Dame“ als Frau zugetraut hätte.
Als sie an der Tür ihres Vaters vorbeikam, entging sie nur knapp der Versuchung, sich mit einem weiteren Gläschen Cognac ein wenig mehr Gelassenheit, wie sie Herr von Elderstädt besaß, anzutrinken.

~ * ~

Marc kam pfeifend den Gang entlang, als er Gretchen am anderen Ende mit einem Patienten diskutieren sah. Halt nein, dass war ja gar kein Patient, das war doch dieser Graf da, dieser...na, Graf von ...Graf von...ach ja, Elderstädt!
Der und seine Frau waren vor ein paar Monaten hier gewesen, um der herzallerliebsten Gräfin ein paar Nierensteine rausholen zu lassen. Das hatte er sogar damals gemacht.
Marc tat es beinahe Leid, dass er die Frau von den Dingern befreit hatte, dieses Weib war wirklich sowas von unausstehlich!
Die arme Gretchen! Musste sich sicher schon den ganzen Tag mit dieser Fettel rumschlagen!Deshalb war sie wahrscheinlich so genervt gegenüber Mehdi gewesen!
Marc wollte gerade auf die beiden zugehen, als ihm plötzlich ein besserer Einfall kam.
Schnell schlüpfte er in die kleine Abstellkammer in der Mitte des Ganges und wartete, bis die beiden Stimmen verhallten...

~ * ~

Gretchen war inzwischen zu Herrn von Elderstädt gegangen, um ihm mitzuteilen, dass die Operation seiner Frau gut verlaufen war und es keine weiteren Komplikationen gegeben hätte.
Sie merkte richtig, wie er sie enttäuscht ansah.
Das konnte doch wohl echt nicht wahr sein! War sie jetzt im falschen Film oder was?
Gretchen musste ein Kichern unterdrücken und brachte schließlich ein mitleidiges Lächeln zustande.
Der arme Herr von Elderstädt, sie nahm jetzt einfach mal an, er hatte wohl nicht unbedingt gleich auf den Tod seiner Göttergattin gehofft, aber doch zumindest auf einen längeren Krankenhausaufenthalt, sodass er wenigstens ein Paar Tage seine Ruhe von ihr hatte!
Gretchen tat er richtig leid, so beschloss sie, ihm einen kleinen Gefallen zu tun.
„Herr von Elderstädt, ich muss ihnen aber leider noch mitteilen, dass die Operation zwar gut verlaufen ist, es aber dennoch nach ein paar Tagen zu Komplikationen kommen könnte, ich möchte daher ihre Gattin lieber für fünf anstatt der üblichen drei Tage hierbehalten! Es tut mir wirklich Leid, aber um ganz sicher zu gehen...“
Gretchen grinste, als sie das Strahlen bemerkte, dass plötzlich über das Gesicht des lieben Grafen ging.
Er war wirklich arm dran, mit so einer Frau geschlagen zu sein!
Gretchen lächelte ihm nochmal zu und glaubte nicht Recht, als er ihr plötzlich zuzwinkerte.
Mist, hatte er sie etwa durchschaut?!
Sie wollte sich schon Sorgen machen, als Herr von Elderstädt plötzlich ihre Hand nahm und sie fest drückte.
„Ich danke Ihnen, Frau Doktor.“ Er blickte sie direkt an und Gretchen konnte nicht umhin, leicht zu grinsen.
Er wusste also genau, welches Spiel sie hier spielte!
Naja, sollte ihr Recht sein, jetzt hatte sie zwar kein ganz reines Gewissen, aber mit dem Gedanken, dem armen Mann ein paar freie Tage verschafft zu haben, konnte sie gut leben!

Sie würde sich jetzt erstmal einen Kaffee und einen dicken Schokoriegel kaufen, das hatte sie sich nun wirklich verdient!
Gretchen ging immer noch grinsend den Gang runter, als plötzlich die Tür zur Abstellkammer aufging und sie jemand mit einem sanften Ruck am Arm hineinzog.
Hinter ihr fiel die Tür zu und sie wollte schon schreien, als sie im Halbdunkel Marcs Gestalt erkannte.
Es blieb ihr nicht lange Zeit, ihn überrascht anzusehen, da er sie, kaum war die Tür zugefallen, an die Wand gepresst hatte und seinen Kopf zu ihrem Gesicht runterbeugte.
„Oh...“
Gretchen war zwar überrascht, schloss aber dennoch die Augen, als seine Lippen auch schon die ihren fanden.
Sie verschmolzen in einem stürmischen Kuss und sie wünschte sich nur noch, einmal im Leben nicht atmen zu müssen.
„Mmm...Marc....“, flüsterte sie, den Kuss kurz unterbrechend, doch sie hatte keine Chance, es waren nicht mal zwei Sekunden vergangen, als Marcs Lippen schon wieder auf ihren lagen.
„Schhh...“ murmelte er leise und schlang seine Hände um ihre Hüften.
Sie umfasste mit ihren seinen Kopf, um noch besser in seinen Armen zu liegen und gab sich ganz dem brodelnden Gefühlschaos, das in ihrem Körper tobte, hin.

Gretchen öffnete kurz die Augen und starrte direkt in die von Marc.
Dunkel und glänzend wegen der Dunkelheit schimmerten sie ihr entgegen, dunkler als sonst.
Marcs Augen waren immer dunkler, wenn er von irgendwas erregt war.
Er blickte sie kurz an und Schalk blitzte aus seinen Augen, als sie sich plötzlich gegen seine warme, männliche Brust gedrückt fühlte und merkte, wie er ihr langsam die Bluse aufknöpte.
Den Mantel hatte er ihr schon beim ersten Kuss abgestreift, und sie hatte es nicht einmal gemerkt. Ihr Atem stockte, als sie seine warmen Hände auf ihrer Haut fühlte.
Gretchens Hände glitten über Marcs Schultern, strichen an dem weichen Leinen seines Hemdes entlang, als sein Mund ihre Stirn streifte.
„Hmmm...“
Der Kontakt seiner Lippen mit ihrer inzwischen erhitzten Haut fühlte sich herrlich an, und in Gretchens Kopf zerstreuten sich die letzten Zweifel, als er wieder begann, sie leidenschaftlich zu küssen, ihr Gehirn und ihr ganzer Körper schrie nur noch eines, und zwar MEHR!
Sie hob ihr Gesicht ein wenig, um ihm besseren Raum zu verschaffen, als er ihren Hals mit federleichten Küssen bedeckte.
Marc war schon wieder gefährlich nahe an der Stelle, von der er wusste, dass sie sie wahnsinnig machte, wenn er sie mit seinen Lippen berührte.
Gretchens Nägel gruben sich immer tiefer in seine Schulterblätter, je näher er der Stelle kam.
Sie riss ihm ungeduldig das Hemd vom Körper, in der Hoffnung, dass er ihr endlich das geben würde, was sie wollte.
Marcs Lippen berührten schließlich die Stelle, wo ihr Hals mit ihren Schultern verschmolz und Gretchen fühlte sofort, wie ein Schwall erneuter Hitze ihren Körper durchzuckte.
Sie liebte Marcs Art, sie immer so lange zu reizen und hinzuhalten, bis sie es fast nicht mehr aushielt in die Spannung zwischen ihnen so groß wurde, dass sie sich schließlich mit unglaublicher Macht lösten würde und die beiden mindestens in den Himmel und zurück schleuderte.
Es war fast wie im echten Leben, sie spielten ihr immerwährendes Katz-und-Maus Spiel, bis sie sich wieder und wieder solange an ihre Grenzen trieben, bis sie sich schließlich in einem unglaublichen Rausch von Gefühlen einander hingaben.
Irgendwie mussten sie sich zurückbewegt haben, als Gretchen auf einmal an ein Regal stieß und leicht zurückfiel.
Plötzlich wurde sie auf das Regal gehoben, während Marc sie immer tiefer und leidenschaftlicher zu küssen begann.
Gretchen wand ihre Finger wie wild durch seine weichen Haare, als sie versehentlich einen Besen oder irgendeinen Stab umstieß, und ihr mit einem Schlag bewusst wurde, wo sie hier eigentlich waren.
„Marc...“ murmelte sie leise gegen seien Mund.
Er hörte nicht auf, sie zu küssen und wendete seine Lippen wieder ihrem Hals zu.
„Marc...“ hauchte Gretchen nun nur mehr, ihre echte Stimme wurde immer leiser, während ihre innere auf sie einredete, doch endlich die Zweifel beseite zu schieben und sich ihren Gefühlen hinzugeben.
Marc fasste auf einmal sanft ihre Hand und küsste ihre Fingerspitzen.
„Gretchen...“ Seine Stimme war tief und voller Verlangen, als seine Augen ihre trafen.
Sie konnte seinen unregelmäßigen Atem hören, wie er mit sich selber um Kontrolle über sich rang, während ihr eigener Körper fast explodierte.
„Das ist verrückt...ich...wir sollten nicht...hier sein...“ murmelte Gretchen außer Atem.
„Nicht...?“ Marc brachte es irgendwie fertig, zu grinsen, während sein Oberkörper bebte.
Gretchen schüttelte ihren Kopf, unfähig sich zu bewegen, während ihr beinahe kalt wurde, als Marc seine Arme von ihren Hüften zog.
Sie hielt es nicht aus und riss seinen Körper wieder an den ihren zurück, presste ihren Oberkörper an seinen und zog seinen Kopf erneut zu ihr herunter.
Marc zögerte nicht lange und begann wieder, sie leidenschaftlich zu küssen.
Ein Teil ihres Gehirn, der noch normal zu funktionieren schien, flüsterte ihr leise zu, sie sollte aufhören, sie waren im Krankenhaus, in der Abstellkammer, jeder könnte sofort reinkommen, doch ihr ganzer restlicher Körper schien mit allen seinen Zellen: „Bleib!“ zu schreien.
In der Ferne nahm sie Stimmen am Gang wahr und hörte die laute Sirene eines Rettungswagens.
Sie versuchte mühevoll, ihre Gedanken zu ordnen und wollte sich eben wieder wegdrehen, als Marc erneut begann, ihren Hals zu küssen.
Hitze schoss durch sie wie ein elektronischer Schock und unfähig, irgendetwas anderes zu tun, schlang sie ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn mit aller Leidenschaft, die sie fühlte.
Marc unterbrach den Kuss, um Atem zu schöpfen und strich mit seinem Daumen über ihre heißen, geschwollenen Lippen.
„Wir sollten hier wirklich....wirklich...rausgehen...“ flüsterte Gretchen, nicht einen Funken davon überzeugt, was sie sagte.
Marc nickte und umschloss ihr Gesicht mit seinen Händen.
„Mmm...sollen sollten wir...schon.“
„Ich...weiß.“ flüsterte Gretchen außer Atem und blickte ihn bittend an, als ob sie etwas von ihm erwartete.
Keiner von beiden bewegte sich.
Sie starrten einander nur an, dunkelgrünes Feuer kollidierte mit blauem...

~ * ~

Wer sich zuerst zu dem andern gebeugt hatte und ihn geküsst hatte, konnten sie später gar nicht mehr sagen, Gretchen wusste nur, dass sie nach den zehn besten und intensivsten Minuten ihres Lebens schweratmend in Marcs Armen lag und ihre Stirn gegen seine gelehnt hatte.
Wie lange sie nun schon so dastanden – es könnte eine Ewigkeit gewesen sein, es könnten auch nur fünf Sekunden gewesen sein, sie wusste es nicht.
Es kam ihr vor, als hätte sie jegliches Gefühl für Zeit verloren.
Marcs Hände fuhren sanft über ihren Rücken und eine Gänsehaut legte sich über ihren ganzen Körper.
Sie fröstelte, jetzt wo sich die Hitze ihrer beiden Körper zu legen begann.
Gretchen löste sanft ihre Stirn von der seinen und blickte ihn schließlich grinsend an.
„Ich glaub’s nicht, ich habs tatsächlich getan.“
„Was? Sex im Krankenhaus?“ Marc grinste auch.
„Mhm. Und dann auch noch am zweiten Tag unserer Beziehung.“
Marc lachte.
„Ich glaub fast, ich hab einen schlechten Einfluss auf dich.“
Gretchen boxte ihm sanft in die Rippen und angelte ihr T-shirt vom Regal hinter ihr hervor.
„Marc Olivier, Klappe!“
„Meine Güte, fang’ halt du auch noch an.“
Gretchen lachte.
„Jaja, ich versprechs dir schon, wir werden unsere Kinder nie solche Namen geben.“
Da war es auch schon raus! Es war wieder mal einer dieser Momente im Leben, wo man sich am liebsten einen Kasettenrecorder wünschte, auf dem man zurückspulen konnte!
Die Rekation ließ nicht lange auf sich warten.
„Unsere WAS?“ Marc starrte sie erschrocken an.
Gretchen überlegte fieberhaft, war diesmal jedoch schon klug genug, genau DAS zu tun, was als einziges Mittel die Situation retten konnte.
„Mensch Marc, krieg’ nicht gleich einen Herzinfarkt, das war ein Scherz!“
Marc starrte sie immer noch sprachlos an.
„Okaaay, ein sehr sehr unlustiger Scherz!“
Gretchen schlüpfte in ihre Hose und verschränkte die Arme.
„Ja dann..äh..ha-ha. Sehr witzig. Ich dachte jetzt echt schon wieder....“ Marc knöpfte etwas verlegen das Hemd zu.
Gretchen versuchte, so wenig panisch auf den Zwischenfall zu reagieren, wie es eine Frau nur konnte.
Floskeln wie „Er ist Marc!“ oder „Irgendwann krieg’ ich ihn schon noch rum.“ schossen wahllos durch ihren Kopf und sie versuchte sich hilflos, an irgendeine von ihnen zu klammern und sich dem unangenehmen Gefühl zu erwehren, dass sich in ihrem Inneren breitmachen wollte.
Mann, was hatte sie denn erwartet!
Jede Frau träumt von Hochzeit und Kindern und Märchenschloss, wenn sie ihren Traummann gefunden hat, aber trotzdem... bei Marc würde sie in Bezug auf dieses Thema wohl noch einiges an Arbeit vor sich haben.
Obwohl, konnte sie ihn eigentlich wirklich beschuldigen?
Wenn sie sich ansah, wie Marc dem Anschein nach aufgewachsen war und wie sie, Gretchen, ihre Kindheit erlebt hatte, durfte sie sich eigentlich nicht mehr wundern, warum Marc so verschlossen gegenüber dem Thema Familie, Kinder und Heirat war.
Aber sie hatte ihn immerhin schon dazugebracht, ihr einen Teil seiner Gefühle zu gestehen, irgendwie würde sie das schon auch noch hinbekommen...
Hoffte sie zumindest.
Ach was, zur Zeit lief doch alles super zwischen ihnen, sie würde ihn schon noch auftauen!Wenn nicht sie, wer dann?
Mit diesen Gedanken konnte Gretchen endlich erfolgreich ihr klopfendes Herz wieder in den Normalzustand versetzen, und sie wagte es schließlich sogar, Marc in die Augen zu sehen.
Er stand vollständig angezogen und immer noch etwas blass vor ihr, der Spruch musste in ihm echt einen wahnsinnigen Schrecken ausgelöst haben... so plötzlich verwandelte sich der selbstbewusste Macho wieder zum Häufchen Elend..naja okay, das vielleicht nicht..sagen wir, zum sehr muskulösen, sehr attraktiven Häufchen Elend.
Gretchen grinste und beschloss, ihn zu beruhigen, immerhin wollte sie nicht, dass sich irgendetwas zwischen den beiden änderte, nur weil sie sich wieder mal einen peinlichen Ausrutscher geliefert hatte.
„Du Marc...das mit vorhin..“ Marc sah sie unruhig an.
„Das war wirklich ein Scherz, okay?“ Sie lächelte ihn unsicher an.
Man spürte förmlich den Druck von Marc abfallen, der auch sofort wieder zu seinem alten Ich wurde.
„In Ordnung, Kälbchen.“
Gretchen verdrehte die Augen.
„Olivier-Schatz, ich glaube, wir sollten jetzt mal unauffällig von hier verschwinden, meine liebe Patientin ist sicher schon wieder aufgewacht und will ihren durchlauchten Tee.“
Marc grinste. „Ich wusste doch, dass dir eine Ablenkung gut tun würde.“
Gretchen schaute ihn verständtnislos an, bis ihr schließlich ein Licht aufging.
„Du hast mich bei ihr gesehen und mich deshalb hier reingeholt?“
Marc grinste wieder. „Fast.Du bist gerade bei ihrem Mann rumgestanden und da dachte ich, dass eventuell etwas Entspannung erwünscht wäre.“
„Ach Olivier, du sorgst einfach zu gut für mich.“ Gretchen grinste.
„Danke mein Kälbchen, ich tu mein Bestes..“ Marcs Pieper ging plötzlich los.
„So, ich muss dann auch wieder, Arbeit ruft.“ Er küsste ihr nochmal flüchtig die Wange und ging dann, ohne auch nur einmal rauszublicken, durch die Tür.
Gretchen wartete kurz und verließ schließlich, nachdem sie sich zweimal versichert hatte, dass sich ja niemand am Gang befand, die kleine Abstellkammer.

~ * ~

Nachdem sie der aufwachenden Gräfin versicherte, dass sie nicht im Sterben lag, sondern lediglich im Aufwachstadium nach einer Operation war und die Schmerzen normal seien, musste Gretchen nur noch schnell die Blutwerte einer eben angekommenen 21-jährigen Patientin checken.
Die junge Frau hatte sich nach einem Sturz mit dem Motorrad ein Loch in den Ellenbogen gerissen und musste nun noch, nachdem der Arm genäht worden war, auf die Blutergebnisse warten.
Gretchen betrat den Raum mit breitem Grinsen, was wohl daran lag, dass erstens die Blutwerte der Frau gut waren, sie ihre letzte Patientin war und das hieß, dass sie endlich nach Hause fahren konnte und sie außerdem immer noch ein kribbeliges Gefühl im Bauch hatte, wenn sie an Marc und heute Nachmittag dachte.
Die junge Frau steckte erschocken eine Zigarette weg und versuchte möglichst unbefangen zu schauen.
Gretchen grinste. Sie mochte die Frau auf Anhieb.
Mit ihrer frechen Kurzhaarfrisur und dem Sechziger-Style ihrer Kleidung sah sie aus, wie ein bunter Farbkleks unter der langweiligen weißen Kleidung der Ärzte und Schwestern.
„Ich hab nichts gesehen.“ Gretchen zwinkerte ihr zu und das Mädchen lächelte dankbar.
Sie ließ die Kippe in einem Taschentuch verschwinden und grinste Gretchen freundlich an.
„Und sans eh guad oda?“
Gretchen schaute etwas perplex.
„Wie bitte?“
Das Mädchen verbreiterte ihr Grinsen.
„Tschuldige. Ich meine, Tschuldigung. Also, ob sie gut sind, wollte ich wissen?“
Gretchen lächelte, schlug schnell die Akte der Patientin auf und bemerkte, dass sie aus Bayern kam.
„Deshalb also der Akzent, sie sind aus Bayern.“
Die junge Frau lächelte wieder.
„Sie kenan ruhig „Du“ zu mia sagn.“ Gretchen nickte.
„Vreneli.“, fügte die Frau dazu und hielt Gretchen die Hand hin.
„Gretchen Haase.“ Gretchen schüttelte ihr die Hand und schaute sie dann fragend an.
„Vreneli ist jetzt aber nicht bayrisch, oder?“
Vreneli lachte.
„Na, das ist schweizerisch. I kim eigentlich aus da Schweiz.“
Gretchen musste über Vrenelis lustigen Sprachmischmasch lachen.
Sie versuchte Hochdeutsch zu sprechen, es brach aber immer wieder der Dialekt durch.
„Achso, ja dann. Also deine Werte sind sehr gut, Vreneli. Du musst nicht noch länger bleiben.“
Die Frau strahlte über das ganze Gesicht.
„Supa, danke.“
Gretchen lachte.
Da ging plötzlich die Tür auf und ein junger, hochgewachsener Mann kam herein.
Vreneli stieß einen Schrei aus und warf sich dem Mann in die Arme.
Gretchen musste über ihre stürmische Art grinsen, konnte sie aber nur zu gut verstehen.
Schließlich löste sie sich von dem Mann und zog ihn zu Gretchen hin.
„Da Alex, mei Freind.“
Der Blonde streckte Gretchen freundlich die Hand entgegen und kaum hatte Gretchen sie geschüttelt, legte sich der Arm auch schon wieder samt Hand um seine hübsche Freundin.
„Ihr seid echt süß.“ Gretchen lächelte. „Frisch verliebt?“
Die beiden nickten und kicherten.
Gretchen beobachtete sie eine Weile flüstern und tuscheln und musste unversehens wieder an Marc denken.
Ein warmes Gefühl stieg in ihr auf und ihre Augen bekamen einen sehnsüchtigen Blick.
Sie wollte nur mehr heim, heim auf die Couch, zu irgendeinem unwichtigen Film und in Marcs Armen einschlafen!
„Du schaust aba a guad geliebt aus, Frau Doktor.“
Gretchen begann zu husten und wurde zu ihrem Ärger auch noch rot.
Die beiden kicherten schon wieder, als natürlich genau in dem Moment die Tür aufging und Marc hereinmarschierte.
„Na, Frau Dr. Haase, sind sie denn etwa nicht?“
Toooooll, er hatte es auch noch gehört!
Gretchen hätte ihm eine schmieren können, genau mitten hinein in sein hämisch grinsendes Gesicht.
„Ja, ich meine..nein, ich meine, ich wüsste eigentlich überhaupt nicht, was euch das schon wieder angeht!“ schnaubte Gretchen verärgert, weil sie sich sehr ertappt fühlte. Marc stand immer noch grinsend im Türrahmen und Gretchen zischte ihm leise zu: „Wenn Blicke töten könnten, wärst du schon längst eine vergammelte Leiche!“
Marc grinste sie nochmals in dieser unwiderstechlichen Weise an, für die sie ihm jedesmal umbringen könnte, da er es doch immer schaffte, sie mit einem Blick ganz wuschig zu machen.
„Und ich hätte fast behauptet, es würde mich was angehen.“
Gretchen schaute ihn wütend an, als Vreneli sich auf einmal hören ließ.
„Des muas da doch ned peinlich sei, Frau Doktor.“
Sie lachte und ihr Freund und Marc stimmten ein.
Gretchen spielte noch für ungefähr eine Minute die beleidigte Leberwurst, als sie schließlich auch in das Gelächter einstimmte und sich an Marc lehnte, der inzwischen hinter sie getreten war.
„Oh Gott, sieht man mir das echt so sehr an?“ Gretchen schaute Vreneli unsicher an.
„Mhm, scho.“
„Naja und wenn nicht, spätestens seit heute Nachmittag hat es ohnehin jeder gehört.“
Gretchen haute es fast aus den Socken.
Das war wieder SO typisch Marc.
Sie drehte sich entrüstet um, doch Marc und die beiden jungen lachten schon wieder.
Marc blickte auf seine Uhr und meinte schließlich: „Ich auf jeden Fall hab jetzt Feierabend. Also wenn du mitfahren willst, würd ich besser gleich kommen.“
Er küsste sie blitzschnell auf die Nase, ohne dass Gretchen auch nur irgendetwas machen konnte und war auch schon zur Tür raus.
„Guadn Fang hast da, da könnt man boid neidisch werdn.“
Gretchen grinste Vreneli an, während Alex seiner Freundin gespielt verärgerte Blicke zuwarf.
„Gehns liaba, sonst kann i eana ned garantiern, dass mei Freindin statt eana in seim Auto sitzt.“
Nun grinste Alex, während Vreneli ihm nun die entrüstete Blicke zuwarf.
Gretchen verabschiedete sich bei den beiden und machte, dass sie zum Parkplatz kam, bevor sie noch mit dem Rad heimtreten musste.
Marc wartete schon im Wagen und dröhnte sich mit Metallica zu.
Er hatte die Augen geschlossen und hämmerte mit den Finger den Takt zur Musik auf dem Lenkrad.
Gretchen beugte sich schnell rüber, küsste die kleine Narbe auf der Nase und schaltete schließlich die Musik aus.
„Da könnte ja ne Bombe einschlagen und du würdest es nich hören!“
Marc grinste und berührte seine Nase da, wo Gretchen sie geküsst hatte.
„Woher hast du eigentlich die Narbe?“
„Fussball. Irgendson Idiot hat mir den Ball mitten ins Gesicht geknallt.“
Gretchen grinste.
„Also dafür, dass sie vom Fussball stammt, ist sie echt süß.“
Sie beugte sich rüber und küsste sie nochmal.
„Fährst du eigentlich heute nochmal oder soll ich lieber?“
„Wenn du fahren würdest, würden wir sowieso noch an der Tankstelle halten Schoko kaufen, also kann ich mir ruhig noch zwei Minuten Zeit lassen und wir sind trotzdem früher daheim.“ Marc grinste und drehte endlich den Zündschlüssel um.
„Haha, wahnsinnig witzig, Olivier.“
„Danke Kälbchen.“, antwortete Marc trocken und fuhr schließlich Richtung Wohnung.
Gretchen lehnte sich zurück und dachte darüber nach, wie der heutige Tag eigentlich doch noch relativ gut verlaufen war.
Immerhin konnte sie jetzt mit Marc heimfahren und den ganzen Abend in seinen Armen liegen.
Gretchen schloss vor lauter Zufriedenheit die Augen und summte leise irgendeine Melodie, von der sie keine Ahnung hatte, was es eigentlich war.
Sie merkte nicht mal, dass sie inzwischen schon daheim angekommen waren.
„Mensch, hast du wieder das Garagentor geschlossen und die Fernbedienung vergessen?“ Gretchen brummte leise und Marc schüttelte den Kopf über so viel weibliches Unverständnis. Er stieg aus dem Wagen, um die Garage zu öffnen.
Als der Wagen endlich da stand, wo er hingehörte, öffnete er Gretchens Tür und sah ihre Hand heraushängen.
„Na super. Gaaanz, gaaaanz super...“ murmelte er leise vor sich hin, und trug die schlafende Gretchen augenrollend die vielen Treppen rauf, vorbei an den gaffenden Nachbarinnen, die ihm verwundert hinterherblickten...also SOWAS war ihnen im ganzen Leben nicht untergekommen!
Doktor Meier trug eine Frau! Und dann auch noch so liebevoll!! Es war nicht nur Kimberly Schmitz, die Marc nachstarrte und der schlafenden Gretchen neiderfüllte Blicke zuwarf... der halbe Wohnblock sah dem attraktiven Arzt zu, wie er die schlafende Blonde die Treppen hochtrug.
Gretchen gewann in dieser Stunde wohl so manche neue Feindin...
Diese merkte davon jedoch zum Glück gar nichts, sie kuschelte sich nur noch enger an Marc und lächelte in ihren Träumen.

I can't walk this road without you
You cannot go it alone
We were never meant to make it on our own
When the load becomes too heavy
And your feet too tired to walk
I will carry you.


~ * ~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Have you ever thought about what protects our hearts?
Just a cage of rib bones and other various parts
So it's fairly simple to cut right through the mess,
And to stop the muscle that makes us confess.

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

13.09.2009 14:46
#7 Drittel-Life-Crisis Zitat · Antworten

Kleines Sonntagsschokostück!

~ * ~

Was ist schlimmer, als sich nicht mit dem Menschen blicken lassen zu dürfen, den man liebt?
Genau, wenn der Mensch:
Erstens: Ständig um einen rumwuselte, sowohl in Gedanken als auch im realen Leben!
Zweitens: Das grausamste-süßeste Lächeln auf den Lippen hatte, von dem er genau wusste, welche Wirkung es erzielte (nämlich genau die falsche, logisch!)
Drittens: sich absolut nicht an die Regeln hielt und
Viertens: alle schon Verdacht schöpten, man eigentlich noch vorsichtiger sein müsste, jedoch Durchhaltevermögen und Kampfgeist eines durchschnittlichen Bettlakens besaß und deshalb unmöglich, UNMÖGLICH so weiter machen konnte!
Gretchen kaute frustriert an einer kleinen, unschuldigen Zwetschke herum und starrte durch die dreckigen Scheiben ihres Autos.
Na toll, die Dinger könnten auch mal wieder ein bisschen Liebe und vor allem Autoputzanlage vertragen, aber das Problem war jetzt eindeutig zweitrangig.
Frau Doktor Hassmann spazierte mit riesigem Designerschirm und ebenfalls riesigem Zahnpastalächeln an Gretchens Auto vorbei, aus diesem sie nur genervt zurücknickte und dann wieder das Lenkrad anstarrte, als wäre es ein Knusperschokoriegel mit Extra-Schoko.
Seit zwei Wochen ging das nun schon so!
Jeden Morgen saß sie in ihrem Auto und studierte Lenkrad und Blinker, während sich eine Hand sorgsam um den unvermeidlichen Schokoriegel klammerte und ihre Augen im Zehn-Sekunden-Takt auf die leider auch unvermeidliche eben entstandene Speckrolle auf der Hüfte linsten, nur um dann sofort wieder Kurs aufs Lenkrad zu nehmen.
Sie passte schon nicht mal mehr richtig in ihre Lieblingsjeans, das also brachte die seit ihrer Kindheit erhoffte Beziehung mit Marc Meier hervor!
Gretchen hatte das grauenhafte Gefühl, dass die Wolke, auf der sie Richtung siebter Himmel schwebte, langsam begann, sich aufzulösen...

~ * ~

Zu Beginn ihrer Beziehung konnte sie die Tage in der Klinik noch genießen, die geheimen Treffen in der Abstellkammer, die Flüstereien am Mittagstisch und die sehnsüchtigen Blicke während der OP’s, aber inzwischen war sie schon so weit, dass sie nicht mal mehr die gemeinsamen Abende richtig genießen konnte, weil die beiden Männer in ihrem Leben beschlossen hatten, Krieg zu spielen und sie zu sehr damit beschäftigt war, sich Sorgen um den nächsten Vormittag zu machen!
Zu allem Übel wirkte sich das absolut negativ auf ihren Schokoladenkonsum aus, der stetig zunahm.
Dieser ganze emotionale Stress schien auch nicht gut für ihre Haut zu sein, ihr logisches Denkvermögen und natürlich ihr verdammtes Happy-ever-after mit Marc, der Grund allen Übels!
Der ausgesuchte neue Lieblingssport des Doktor Meier war es nämlich, Gretchen live den Psychoterror-Lehrer zu machen und außerdem, trotz ihrer ständigen Warnsignale, Ermahnungen, Liebesentzugs-Drohungen (die halfen übrigens manchmal!) und ähnlichen kleinen Hilfsmittelchen, alles daranzusetzen, ihre Beziehung auch jeden, wirklich JEDEN merken zu lassen!
Nicht das Gretchen grundsätzlich etwas dagegen hatte, dass irgendwer mitbekam, dass sie allein in Marc Meiers Armen einschlafen durfte, aber es wussten leider schon zu viele Leute, nämlich genau zwei zuviel.
Diese beiden hatten dummerweise ebenfalls die Macht, Gretchen ihres Psychoterrors auszusetzen, da sie bedauerlicherweise immer noch bei ihnen wohnte, es handelte sich nämlich um ihre Eltern.
Professor Haase hatte sich nach einer Woche nun zwar endlich mit dem Gedanken abgefunden, dass Gretchen einen Mann liebte, der erstens der beste Oberarzt und nebenbei auch noch das größte Macho-Arschloch war, das er kannte, jedoch hatte er die Beziehung nur unter einem Vorwand geduldet, die gute alte Regel aller Berufstätigen, trenne Berufliches von Privatem!
Er hatte ihnen auf gut deutsch verboten, sich in der Klinik gemeinsam, also "gemeinsam"-gemeinsam blicken zu lassen!
Da Marc nichts lieber tat, als sich der Regel nach allen Möglichkeiten zu widersetzen, musste Gretchen leider die zwangsläufig unbedingt tötlich endende Rolle des Ihn-davon-Abhaltens übernehmen, und so wie es aussah, stand sie kurz vorm Ende.
Trotz mehrstündiger Vorträge vor Marc, weshalb genau er damit aufhören sollte, zeigte das ganze Null Wirkung, da Marc Franz gegenüber leider noch einige Asse im Ärmel hatte, so in die Richtung Elke Fisher, Inspiration zu bestimmten Romanen etc. .
Gretchen musste leider einsehen, dass sie durch Vorträge bei Marc nichts erreichte, außer vielleicht das Ausbleiben des Fernsehapparates, da sie laut ihm besser war als jede Comedy-Queen.HA, HA!
Zu ihrem größten Ärger fielen Marc die besten anzüglichen Bemerkungen auch noch neben ihrem Vater ein, weshalb ungefähr jeder Abend, den sie bei ihren Eltern verbrachte, entweder in eisigem Schweigen oder hitzigen Debatten endete.
Bärbel fand zwar immer noch alles wunderbar zwischen Marc und Gretchen, aber eine Mutter, die nur darauf aus war, die beiden sofort verheiratet zu sehen, half auch nicht weiter!
Außerdem waren ihre „Ich finde die beiden passen aber wirklich toll zusammen, Franz.“-Kommentare inzwischen nicht nur Franz selber ein Dorn im Auge, sondern auch Gretchen, da ihre Mutter damit alles nur noch schlimmer machte und ihr Vater noch schlechter auf Gretchen zu sprechen war.
Insgeheim hatte er wohl Angst, dass er für Gretchen nicht mehr wichtig war, wenn sie erstmal in einer richtigen Beziehung mit Marc war und wehrte sich dagegen eben so, wie er es konnte.
Obwohl, war es nicht auch ein gutes Zeichen, wenn Franz Marc als ernsthaften Konkurrenten in Bezug auf die gerechte Verteilung von Gretchens Liebe sah?
Egal, Marc war jedenfalls auf dem besten Weg, einen großen Keil zwischen Gretchen und ihren Vater zu treiben, nicht gerade der beste Weg, um sich als eventueller Schwiegersohn anzubieten – obwohl, wenn das so weiterging, würde ihre Beziehung ohnehin nicht mehr lange halten und Gretchens Träume von Hochzeit, Kinder und Einfamilienhaus würden wieder mal wie eine dicke Seifenblase zerplatzen.
Auf jeden Fall konnte und wollte sie so nicht weitermachen!
Marc war toll, sie liebte ihn wirklich, aber er musste jetzt wirklich mal aufhören, sich wie ein Kind zu benehmen!
Ihr Vater war auch toll, aber er sollte auch endlich mal einsehen, dass man sich eben nicht aussuchen konnte, wo die Liebe hinfiel und dass Marc eigentlich gar nicht so ein schlechter Mensch war!
Wow, auf einmal schien sie ja die Weisheit persönlich zu überschütten, das war der erste klare Gedanke, den sie seit Tagen fassen konnte!
Gretchen kaute erstaunt auf dem Zwetschkenkern herum und spuckte ihn schließlich aus dem Fenster.
Ob der wohl weise machte?!
Egal, auf jeden Fall würde sie jetzt endlich in die Klinik hineingehen und den beiden Kampfhähnen zeigen, wo’s langging!
Wie die Merkel schon so schön gesagt hatte, Kopf hoch und mit vereinten Kräften raus aus der Krise!


Why does it always rain on me?
Sunny days, oh
Where have you gone?


TBC

~ * ~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

27.09.2009 12:53
#8 Oh, funny babe, that's what you are! Zitat · Antworten

~ * ~

Das mit dem Krisenmanagement hatte doch nicht ganz so geklappt, wie Gretchen es gerne gewollt hätte.
Herr Krisenverursacher hatte nichts als OP’s und Blödsinn im Kopf und Herr Krisen-noch-schlimmer-Macher-als-sie-ohnehin-schon-war drückte sich den ganzen Tag nur im Büro rum und bestellte Sabine alle zwei Stunden zu ihm rein, um ihm frischen Kaffee zu bringen.
Gretchen wusste nur zu gut, was da hieß.
Die grandiose Frau Fisher hatte wieder mal einen ihrer umweltverseuchenden Romane herausgegeben und Franz hatte, wie jedes Mal, ein besonders glänzendes und außerdem handsigniertes Original zugeschickt bekommen.
Kein Wunder, dass Sabine ihm an diesen Tagen so strahlend den Kaffee brachte!
Diese ekelhafte Fisher-Tante hatte auf jeden Fall ihren Spaß daran, ihren Vater immer und immer wieder zu erinnern, dass man sich besser nicht wieder zu seiner Frau zurücktraute, wenn man erst eine Affäre mit ihr gehabt hatte. Anscheinend konnte sie ihm sein Glück mit seiner Frau nicht gönnen, wahrscheinlich wollte sie ihn sogar zurück und rächte sich so auf ihre Weise, um ihre ersteckten Gefühlen nicht zugeben zu müssen.Diese ganze Familie hatte doch echt Probleme mit ihren Gefühlen!
Wie auch immer, Gretchen hatte doch gefunden, dass es nicht unbedingt an so einem Tag sein musste, um mit ihrem Vater über Marc zu reden.
Sie vermied das Thema in letzter Zeit so oft wie möglich und wollte unter keinen Umständen einen weiteren Streit zwischen den beiden hervorrufen.
Mit Marc hatte sie eigentlich auch reden wollen, doch der hatte heute eine Bypass-Operation an einem wichtigen Politiker und war den ganzen Tag schon eine total nervöse Nervensäge.
Unglücklicherweise zeigte er seine Nervosität nur durch noch dämlichere Witze und miese Laune gegenüber all seinen Untergebenen, exclusive Gretchen, der gegenüber er sich wie ein liebeskranker Vollidiot benahm und sie bis auf die Knochen blamierte.
Als Marc vor der OP nochmal laut „Je t’aime, mon amour!“ über den Gang gebrüllte hatte und sich danach fast am Boden rollte vor Lachen, beschloss Gretchen endlich zu handeln, denn das ging nun wirklich zu weit.
Morgen kam er noch auf die Idee, sie mit rosa „Mon cheri“-Pralinen zu bewerfen oder ihr neben ihrem Vater den Kaugummi aus dem Mund zu küssen.
Ihre Kollegen glaubten auch schon alle, sie hatte Marc mit einem bunten Drogencocktail gefüttert oder ihm eine Million versprochen, wenn er sich wie Casanova auf Extasy benahm.
In Wahrheit konnte er es einfach nicht lassen, mit ihrem Vater zu konkurrieren und ihm täglich unter die Nase zu reiben, wer nun die erste Geige in Gretchens Leben spielte.
Ganz tief in ihm drinnen wollte er wohl nur die Anerkennung von ihrem Vater, er wollte als ihr Freund akzeptiert werden und äußerte es in seiner typischen Weise, indem er ihren Vater provozierte und sie ganz nebenbei völlig lächerlich machte.
Schön langsam begann echt jeder an der Echtheit ihrer Beziehung zu zweifeln, und das musste Gretchen ändern, und zwar SOFORT.

~ * ~

Während sich Gretchen aufmunternde Worte zuflüsterte, ging sie zielstrebig auf das Büro ihres Vaters zu.
Elke Fisher hin oder her, er würde endlich einsehen müssen, dass Marc und sie zusammen waren und das im Krankenhaus auch zeigen durften, wie normale Menschen eben.
Sie verlangte ja nicht, dass sie mitten am Operationstisch ihr Bett teilen durften, aber ein Kuss nach einer gelungenen OP musste ja wohl drin sein!
Und wenn Franz endlich erlauben würde, dass die beiden auch in der Klinik „offiziell“ zusammen sein könnten, würden auch die heimlichen Treffen mit Marc aufhören.
Nicht dass sie was gegen die Abstellkammer einzuwenden hätte, aber Marc wurde von dem ganzen Heimlichkeitskram nur angestachelt und zeigte ihrem Vater bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit, dass er sich um sein Verbot einen Scheissdreck scherte.
Also Schluss jetzt, rein durch die Tür und ein für allemal klarstellen, wer hier die Hosen anhatte!

„Frau Doktor, wollen sie nicht mal reingehen?“
Sabines Stimme holte Gretchen aus ihren Gedanken wieder auf die Erde zurück.
Okay, okay, sie stand immer noch vor der Tür. Na und?
Man sagt seinem Vater eben auch nicht jeden Tag, dass man von nun an nicht mehr jeden Sonntag zum Familienessen erscheint, sondern leider noch zu beschäftigt damit ist, sich mit dem Freund vom Sexmarathon der letzten Nacht zu erholen.
Aber bis jetzt hatten es eigentlich auch alle Väter geschafft es einzusehen, dass ihre süßen Töchterchen ihre Spinnen nun von einem anderen aus den Zimmern verscheuchen ließen und um die neuen, supergeilen Schuhe nicht mehr bei ihm, sondern bei dem lieben Freund um Geld anhauen würden.
Es kommt eben immer mal der Zeitpunkt, wo man sich von seinen Kindern lösen muss. Ist eben nun mal so, und jetzt rein da, aber schnell.
Gretchen war schon wieder beim Mut zusprechen.
Okay, egal, jetzt oder nie!

~ * ~

„ Papa, ich muss dringend mit dir…“
Gretchens Stimme verstummte kurz, als sie ihren Vater beinahe am Buch in seiner Hand kleben sah. „…sprechen.“
Franz sah kurz auf und wendete sich gleich wieder seinem Buch zu.
„ Kälbchen, kann das nicht warten?Ich muss das hier wirklich lesen.“
Gretchen verdrehte genervt die Augen.
„Mensch Papa, jetzt hör doch endlich mal auf, dich von dieser dämlichen Fisher-Kuh provozieren zu lassen!“
Franz warf Gretchen einen giftigen Blick zu.
„ICH lasse mich nicht provozieren. Außerdem bist du, soweit ich weiß, mit ihrem misratenen Sohn zusammen. Wo steckt der eigentlich? Sonst kann ich doch auch nicht mit dir reden, ohne dass er an deinem Hals klebt?“
Na super, sie waren schon wieder beim Thema!
„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich nichts dafür kann, wenn du ihm verbietest, mich in der Klinik auch nur schief anzusehen! Wenn wir jetzt schon dabei sind, deshalb bin ich auch hergekommen. Das Verbot ist wirklich lächerlich!“
„Ach ja? In diesem Krankenhaus bestimme immer noch ich!“ meinte Franz aufgebracht.
Gretchen blitzte ihn wütend an.
„ Nur weil du hier der Chef bist, kannst du mir noch lange nicht verbieten, mit meinem Freund zusammen zu sein! Du willst doch nur nicht einsehen, dass das mit mir und Marc ernst ist!“
„ Das muss ich mir von dir nicht sag..“
„Und wie du dir das von mir sagen lassen musst. Bei Peter war es doch genau dasselbe!“, fiel Gretchen ihm ins Wort.
„Peter war wenigstens ein anständiger Kerl. Ein miserabler Arzt vielleicht, aber ein anständiger Kerl. Meier ist das genaue Gegenteil von ihm und ich verbiete dir, mit ihm zusammen zu sein!In mein Haus kommt mir kein solcher „Playboy“, oder wie man das auch immer nennt!!“
Gretchen wurde rot vor Wut, als sie die Worte ihres Vaters hörte.
„Ein anständiger Kerl, ja? Anständige Kerle schlafen bei dir also mit ihren Assistentinnen, während ihre Verlobte die Hochzeitsvorbereitungen trifft? Feiner anständiger Kerl, wirklich!! Marc steht tausendmal über Peter und wenn ich mir dich so anhöre, dann auch über dir!“
Gretchen war so in Fahrt, dass sie die bleiche Miene ihres Vaters gar nicht richtig wahrnahm.
„ Und weißt du was? Wenn du es mir verbietest, dann zieh ich eben aus! Mit dreißig ist es ohnehin nur noch lächerlich, noch bei seinen Eltern zu wohnen!“
Franz starrte Gretchen sprachlos an.
Schließlich schien er seine Fassung wieder zu erlangen.
„Gut, dann ziehst du eben aus. Dann muss ich mir wenigstens keine grässliche Tina Turner-CD um drei in der Nacht anhören!“
Franz war nun wieder wütend geworden.
„Gut, dann hol ich heute noch meine Sachen! Viel Spaß noch beim Lesen!“
Gretchen drehte sich um und rannte wütend aus dem Zimmer.
Sie knallte die Tür zu, ohne sich auch nur einmal umzublicken.

~ * ~

Während sie den Gang entlang hastete, fühlte sie auf einmal, wie ihr Körper zu zittern begann und sich ihre Augen mit Wasser füllten.
Beklommen schluckte sie den Kloß in ihrem Hals hinunter.
Sie hätte sich nie gedacht, dass es soweit kommen würde! So einen schlimmen Streit hatte sie mit ihrem Vater noch nie gehabt!
Gretchen wusste nicht, wie sie reagieren sollte, aber je länger sie darüber nachdachte, umso mehr fühlte sie ihr Verhalten gerechtfertigt.
Es war wirklich eine Frechheit von ihrem Vater, ihr mit dreißig Jahren noch den Freund verbieten zu wollen.
Sollte er doch tun , was er wollte, sie würde sich von nun an nicht mehr darum kümmern!
Peter als anständigen Kerl zu bezeichnen war wirklich das Letzte!
Sie würde nun zu Marc gehen und ihm alles mitteilen.
Er würde endlich aufhören, sich wie ein liebeskrankes Wildschwein zu benehmen und sie würde endlich wieder gut schlafen können!
Ihr Vater würde schon endlich einsehen, dass Marc der Richtige für sie war, wenn er die beiden erstmal richtig zusammen sehen würde!
Aber sosehr Gretchen es auch versuchte, der dumme Kloß in ihrem Hals wollte und wollte doch nicht ganz verschwinden…

~ * ~

Mit den Gedanken immer noch bei ihrem Vater knallte Gretchen auf einmal gegen etwas warmes, weiches.
Sie schloss die Augen, klammerte sich an Marcs Oberkörper und sog seinen Duft ein.
Sie spürte ihn grinsen und kuschelte sich enger an ihn als er sagte: „ Ich denke, man soll uns hier nicht zusammen sehen. Eben heute morgen hast du es mir noch vorgehalten, ich seh’s deutlich vor mir.“
Gretchen verdrehte die Augen.
„Klappe. Von jetzt an schon, ich zieh’ bei meinen Eltern aus.“
Gretchen hörte Marc lachen, als er plötzlich realisiert, was sie gesagt hatte und verstummte.
„Du machst bitte WAS?“
Gretchen holte tief Luft und zog sich aus seinen Armen.
Ihr Blick traf seinen. Verwundert und leicht geschockt sah er sie an.
„Ich zieh bei meinen Eltern aus.“
Marc klappte den Mund auf.
Er wollte wohl was sagen, aber irgendwie kam nichts raus.
„Wie war deine OP?“, erkundigte Gretchen sich mit einer Stimme, als ob sie ihm eben mitgeteilt hätte, dass sie morgen zum Frisör gehen würde.
Marc klappte endlich wieder den Mund zu.
„ Erfolgreich natürlich, aber das ist jetzt eigentlich nicht der Punkt.“
Gretchen zog die Brauen hoch.
„Ham die dich rausgeschmissen oder was?“. Marc blickte Gretchen ungläubig an.
Ihre Augen verfinsterten sich und sich starrte ihn auf einmal böse an.
„Nein mein Lieber, ICH hab mich selber dazu entschieden. Mein Freund hat nämlich vor zwei Wochen beschlossen, mit meinem Vater Kindergarten zu spielen und da die beiden nicht zur Vernunft kommen wollten, musste ich eben handeln. Oder glaubst du echt ich seh noch länger zu, wie ihr beiden euch um mich streitet? Ich hab da keine Lust mehr drauf!“
Gretchen war schon wieder wütend geworden.
„Du musst echt mal lernen, dich wie ein Erwachsener zu benehmen. Diese Spielchen waren früher mal lustig, aber im Moment haben sie nur dazu geführt, dass ich mich mit meinem Vater wahrscheinlich auf ewig verkracht habe. Wenn du so weiter machst, seh ich für uns echt keine Zukunft.“
Marc schaute Gretchen verletzt an.
„Ach ja? Wo willst du eigentlich jetzt hin, wo du dich rausgeschmissen hast?“
Gretchen schnaubte verächtlich.
„Keine Ahnung, bei Babsi könnte ich sicher für ne Weile wohnen. Und Julika hat sich soweit ich weiß von Robert getrennt, also ist sie wahrscheinlich eh froh, wenn sie jemanden hat, der bei ihr wohnt.“
Gretchen blickte Marc herausfordernd an und war überrascht über seine kalte Miene.
„Hm okay. Sag mal Gretchen, was genau bin ich eigentlich für dich? Du denkst nicht mal eine Sekunde lang darüber nach, eventuell bei mireinzuziehen? Wie kannst du dich verdammt nochmal als meine Freundin bezeichnen, wenn dir nicht mal im Ernst einfällt, dass du vielleicht auch bei mir wohnen könntest, wenn dich deine Eltern rausschmeissen!?!“
Gretchen starrte ihn total überrascht an.
„Ich äh...naja, also ich...überhaupt ham die mich gar nicht rausgeschmissen, kapier das endlich mal!“
„Das ist doch scheissegal wer wen rausgeworfen hat. Ich komm mir echt wie der letzte Idiot vor. Für was bitte liefere ich mir mit deinem Vater diese ganze Scheissaktion, wenn ich hinterher draufkomme, dass meine sogenannte „Freundin“ nicht mal weiß, ob sie das eigentlich SEIN WILL??“
Marc schrie jetzt schon fast.
Gretchen packte ihn ohne Umschweife am Arm und zog ihn in das nächste Schwesternzimmer.
„Jetzt mach mal nen Punkt, okay?! DU bist doch derjenige, der immer Angst vor einer Beziehung gehabt hat!Ich wollte dich eben nicht überrumpeln. Sonst kriegst du ja schon einen Anfall, wenn ich einer Traumhochzeit im TV zusehe und jetzt auf einmal regst du dich auf und spinnst hier rum, als ob ich eben mit dir Schluss gemacht hab!“
Marcs Kopf schoss in die Höhe.
„Du willst mit mir Schluss machen?“
Seine Stimme klang jetzt echt panisch und Gretchen bekam schon fast ein bisschen Angst.
„Mensch Marc, was ist denn bloß mit dir los in letzter Zeit? Natürlich will ich nicht Schluss machen, ich will nur, dass du dich endlich wie ein erwachsener Mensch benimmst.“
Marc schaute sie kurz an und auf einmal erschien ein kleines Grinsen auf seinem Gesicht.
„Ähh..ich wollte dir eigentlich schon lange was sagen.“
Gretchen blickte erwartungsvoll zu ihm hoch.
„Ja? Sags halt!“
Marc blickte sie mit todernster Miene an.
„Naja also...der Grund für mein ähh...Verhalten in letzter Zeit ist eigentlich nur, dass äh...naja..äh..“
„Jaa? Wenn du’s aussprechen würdest, könnte ich eventuell auch helfen?“ half Gretchen weiter.
„Naja...also. Es ist so,das...“
„MARC!“
„Okay, okay. Also ich..äh...ich.. ich bin schwanger, verdammt!“

~ * ~

Gretchen hatte wohl noch nie in ihrem Leben ihren Mund und ihre Augen so weit aufgerissen.
Entsetzt und vollkommen verwirrt starrte sie Marc an, der auf einmal laut schallend zu lachen begonnen hatte.
Marc prustete und spuckte schon fast, als er sich an den Schrank lehnen musste, um nicht vor lauter Lachen umzufallen.
Gretchen starrte ihn immer noch leicht entgeistert an, bis ihr langsam zu dämmern begann, dass Marc sie gerade so richtig verarscht hatte.
Aber schon so RICHTIG!
Alleine schon die Vorstellung... Gretchen konnte sich nicht helfen, wenn sie Marc mit dickem Bauch und Windeln vor sich sah, das war einfach ZU komisch.
Gretchen grinste und knuffte Marc in die Rippen, der inzwischen mit Lachtränen in den Augen gegen den Schrank hämmerte.
„Maaann, Gretchen, du hättest dich mal sehen sollen! Scheisse, das war jetzt geiler als damals, wo Gabi in die Kloschüssel gefallen ist, und das war echt fett!“
Marc prustete erneut darauflos, während Gretchen sich Gabi in einer Kloschüssel vorstellte und nicht umhin kam, hämisch zu grinsen.
Vor lauter Lachen hatten sie ihren Streit vollkommen vergessen, und als Marc sich endlich wieder soweit erholt hatte, dass er gerade stehen konnte und nur mehr alle zwei Minuten ein leises Glucksen aus seiner Kehle kam, fiel Gretchen wieder ein, wieso sie eigentlich hier waren.
„Du Marc... jetzt mal ganz im Ernst.“
Marc grinste.
„Wann bitte bin ich nicht ernsthaft?“
Gretchen ließ sich nicht beirren und fuhr fort.
„Also wenn das so ist... dann...kann ich natürlich gerne bei dir einziehen. Jetzt wo mich meine Eltern rausgeworfen haben.“
Gretchen blickte ihn unsicher an.
„Ich denke, du bist freiwillig gegangen?“ Marc blitzte der Schalk nur so aus den Augen.
„Mensch Marc. Ich frag dich hier was!“
Marc grinste.
„Ach ja? Und wer sagt, dass ich dich in meiner Wohnung überhaupt noch will?“
Gretchen zog die Schultern hoch.
„Dann eben nicht. Ich geh nur mal schnell telefonieren.“
Gretchen wendete sich ab, als Marc ihren Arm packte.
„Hiergeblieben.“
Gretchen drehte sich langsam um und blickte ihn erwartungsvoll an.
„Du glaubst wohl nicht im Ernst, dass du jetzt gehen kannst? Immerhin brauche ich jemand, der mir hilft, die Windeln zu wechseln und mitten in der Nacht aufsteht.Ich mach das sicher nicht, nur dass das gleich mal klar ist.“
Marc grinste und Gretchen konnte nicht umhin, sie grinste zurück.
„Du wärst echt der beschissenste Vater auf der Welt.“
„Möglich. Ziehst du jetzt ein oder nicht?“
Gretchen schlang ihre Arme um seinen Hals.
„Mmmhm.“
„Supi, dann kann ich der Putzfrau auch gleich absagen. Is eh sauteuer, die Tunte. Und nicht, dass du mir deinen gesamten alten Möbelkram anschleppst, die Möbel bleiben so wie sie sind. Die Kleider sind ja schon genug..“
„Ja Marc, ich freu mich auch, dass wir zusammenwohnen.“
Marc grinste und nahm ihren Kopf in seine Hände.
„Hmm...“
Gretchen schloss die Augen.
Sie hatte sich lange schon nicht mehr so entspannt gefühlt, wenn er sie geküsst hatte.
„Gretchen...“
„Hmm...mmh“
„Lass uns...heimfahren.“
Marc gab ihr einen Klaps auf den Po und Gretchen fuhr mit ihren Händen durch seine Haare.
„Okay.“ Flüsterte sie leise und beugte sich zur Seite, als Marc begann, ihren Hals zu küssen.
„Hmm..Marc...“.
Marc ließ sich nicht beirren und begann, an ihrem Gürtel herumzudrehen.
„Ich denke...wir wollten..heimfahren...“ brachte Gretchen stoßweise hervor.
„Beschissene Idee.“ Murmelte Marc und ließ seine Hände über ihre Hüften gleiten.
Gretchen wollte gerade sein Hemd aufknöpfen, als plötzlich die Tür aufging.
Gretchens Blick wandte sich erschrocken Richtung Tür und sie erstarrte, als sie ihren Vater sah.
Marc räusperte sich und trat vor Gretchen.
„Dr. Haase!“
„Für sie immer noch Professor.“ Schnauzte Franz und blickte Gretchen streng an.
„Das ist also deine Wahl?“ Franz deutete auf Marc, der den Kopf einzog.
Gretchen hob überrascht den Kopf.
Das hatte sie nicht erwartet.
Sie blickte ihrem Vater in die Augen und nickte schließlich unsicher.
„Gut. Du kannst deine Sachen jederzeit holen.“ Franz wollte sich umdrehen.
„Ach und Gretchen? Wir erwarten dich jeden Sonntag zum Mittagessen. Und ich erwische euch nicht nochmal in der Klinik. Nicht auf meiner Station.“
Gretchen schaute ihren Vater verblüfft an.
Was war nur mit ihm los?
Auf einmal schien er damit klarzukommen, dass sie ausziehen wollte, ja mehr noch, dass sie ein Recht darauf hatte, ihren Freund selber auszuwählen und er hatte ihnen sogar mehr oder weniger erlaubt, in der Klinik zusammen zu sein.
Ein Lächeln ging über Gretchens Gesicht.
„Danke Papa. Ich äh... wir ziehen übrigens zusammen, falls es dich interessiert.“
Franz musterte Marc von oben bis unten und blieb schließlich vor den beiden stehen.
„Eins sag ich dir Meier, es wird ihr ein Haar gekrümmt und ich mach dich fertig.“
Marc schlucke.
„Natürlich, Herr Professor.“
„Gut, dann ist ja alles klar. Sie sind übrigens auch jeden Sonntag eingeladen. Wehe sie kommen nicht, meine Frau kocht wirklich ausgezeichnet.“
Marc schluckte abermals.
„Gerne, Herr Professor.“
Franz blickte die beiden nochmals an und drückte Gretchen einen Kuss auf die Wange.
„Du holst deine Sachen, ja?“
„Mhm. Danke nochmal, Papa.“
„Du bist doch mein Kälbchen.“
Gretchen verzog das Gesicht.
„Schon klar, ich lass euch dann mal wieder alleine.“
Franz warf Marc nochmal einen prüfenden Blick zu und ging schließlich hinaus.
Marc blickte ihm leicht verstört nach.
Gretchen grinste.
„Jetzt mach dir mal nicht in die Hosen, er mag dich!“
Marc drehte sich zu Gretchen.
„Ach ja? Er hat mir praktisch erzählt, dass er mich umbringt, wenn dir auch nur der kleine Fingernagel abbricht.“
„Du hast ja richtig Schiss, ich glaubs ja nicht!“
Gretchen kicherte und Marc wendete sich Richtung Tür.
„Ich brauch jedenfalls erstmal eine richtig fette Pizza. Die ganze Aktion hier schlägt echt aufn Magen und ich hab seit heute morgen nichts gegessen, wegen diesem dämlichen Ministerheini.
Kommst du vielleicht auch heute noch, oder?“
Gretchen verdrehte die Augen.
„Jaja, stress hier nicht so rum.“
„Ich verhungere, okay! “
„Oooooh, armes Marcilein. Tust mir fast schon leid. Außerdem brauchen Schwangere ja auch immer die doppelte Portion, ich komm dann doch besser gleich, oder?“
Marc grinste.
„Ach ja, richtig.Hätt ich jetzt fast vergessen.“
Gretchen wollte noch was sagen, aber Marc war schon zur Tür raus.
Sie packte schnell ihre Sachen und rannte ihm nach.

~ * ~

Marc sperrte die Wohungstür auf.
Gretchen schleppte sich zwar halbtot an ihrer Tasche und dem ganzen Kram für heute Nacht, den sie noch schnell bei ihren Eltern abgeholt hatten, doch es kam ihr trotzdem so vor, als schwebe sie auf Wolken auf ihr neues Heim zu.
Ja, richtig gehört, ihr neues Heim!
Sie konnte es noch gar nicht richtig glauben, sie wohnte offiziell mit Marc zusammen!
Sie würde sofort das Türschild ändern! Und sie müsste Rund-SMS verschicken, wegen ihrer neuen Adresse.
Sie konnte sie schon bildlich vor sich sehen.
„Hey ihr Lieben, Marc und ich sind zusammengezogen, ich hab daher eine neue Adresse. Bachgasse 5, Stadt ist natürlich gleichgeblieben. Grüße, Gretchen.“
Hach, das würde herrlich werden!
Gretchen war so in ihre Träumerein versunken, dass sie gar nicht merkte, dass Marc schon längst ins Wohnzimmer gegangen war und die Glotze angeschmissen hatte.
„Gretchen, bist du da draußen angewachsen?“
Seine Stimme brachte sie wieder in die Wirklichkeit zurück, als sie endlich in die Wohnung ging und den ganzen Kram auf den Boden warf.
Gretchen ging ins Bad und beschloss am Vorübergehen, dass es eigentlich viel bequemer war, Marcs Pyjama anzuziehen als ihren eigenen auszupacken, als plötzlich Marcs entsetzte Stimme aus dem Wohnzimmer kam.
„Sag mal, spinnst du? Hast du eine Pizza mit Oliven, Würstchen und rosa Marzipan bestellen lassen?Das frisst ja nicht mal ne Schwangere!“
Gretchen grinste in sich hinein und drehte den Wasserhahn zu.
Rache war eben süß, im wahrsten Sinne des Wortes!



When I push the sheets away from your face and watch you sleep all day here.
And when I push you away and say you simply cannot stay here.

It's all love, all love, it's all of my stupid love.


~ * ~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

04.10.2009 17:01
#9 Zurück zum Meer PART 1 Zitat · Antworten

Ich üb' mich jetz mal in Mini-Updates. Denn die Wartezeiten sind sonst echt ne gefühlte Ewigkeit. Das hier ist wirklich ziemlich mini, aber ich glaube, heute kommt noch was!

~ * ~

„Ssssssssssssssssssss.“

„SsssssssSS.“

„ssssssssssss“

„sSsSSSSS“

Maaaaaann, Scheiss-Fliege! Wo war nur die dumme Fliegenklatsche, wenn man die mal brauchte.
Gretchen rieb sich müde die Augen und tastete mit der Hand um sich.
Marc atmete leise und regelmäßig und rührte sich kein bisschen.
Na toll, Fliegen vertreiben war eigentlich die Sache des zuvorkommenden Freundes. Genauso wie Schlangen vertreiben. Oder Spinnen aus der Dusche holen. Die guten Freunde machten das. Marc würde sowas natürlich nie einfallen. Er mochte keine Spinnen. Nicht, dass er das je zugeben würde. Schlange waren sie noch nie einer begegnet. Und Fliegen waren ihm grundsätzlich egal, solange sie sich nicht in seinen Haaren verfingen oder auf seinem Hemd nisteten.
Toll. Also musste Gretchen selber ran.
Sie knipste die kleine Stehlampe neben dem Sofa an, als Marc ein schnaubendes Geräusch hören ließ und seinen Kopf in das teure Sofakissen vergrub.
Gretchen grinste und stand auf.
Sie musste sich an der Sofalehne festhalten, da sich alles auf einmal ein bisschen drehte.
Mit Gewissensbissen dachte sie an den vielen Wein, den Marc und sie zur Pizza getrunken hatten, während sie laut grölend zugesehen hatten, wie Deutschland einen Ball nach dem anderen ins Tor versenkte.
Oh nein! Das es ihr überhaupt möglich gewesen war mitzugrölen sagte ihr, dass sie schon ganz schön viel Alkohol im Blut haben musste. Sonst war Fußball ja nicht unbedingt ihr Lieblingssport.
Super, der Kater morgen war ihr morgen also gewiss.
Gretchen griff sich probeweise an den Kopf und ihr war, als ob sie die Kopfschmerzen schon fühlen konnte.
Nicht das auch noch!
Trotzdem, der Abend war eigentlich so richtig gemütlich gewesen. Obwohl sie schwitzenden Männern zusehen musste, die sich wegen einem weißen Rießenknödel über ein riesiges Feld jagten.
Und obwohl sie den schweineteuren Perser versaut hatte, als sie ein halbes Weinglas darüber ausgoss.
Marc hatte es, glaubte sie, nichtmal bemerkt.
Er war so damit beschäftigt gewesen, den Spielern arge Schimpfwörter und Flüche an den Kopf zu werfen, dass er es wahrscheinlich nicht mal mitbekommen hätte, wenn Gretchen sich nur mit Unterwäsche bekleidet daran gemacht hätte, den Fleck wegzuputzen.
Und normalerweise nahm Marc nackte, weibliche Haut auf zehn Meter Entfernung wahr! Mindestens!
Gretchen sah ihn an, wie er schlafend da lag und ihm eine kleine Locke in die Stirn fiel. Er sah immer so süß und friedlich aus, wenn er schlief.
Ob er wohl von ihr träumte?
Gretchen seufzte glücklich und stand endlich richtig auf.
Sie brauchte jetzt dringend Schokolade. Sonst würden die Kopfschmerzen morgen wirklich unerträglich werden.

~ * ~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

04.10.2009 19:09
#10 Zurück zum Meer PART 2 Zitat · Antworten

Sie schlich sich leise in die Küche und bemerkte zu ihrem Ärger, dass Marc nichts als Kochschokolade zu Hause hatte.
Wozu brauchte der bitte Kochschokolade, das sollte ihr mal wer erklären!
Egal, das Ding war von Manner und sah eigentlich nicht schlecht aus in seiner rosa Verpackung.
Gretchen brach sich zwei große Rippen runter und schob die Schokolade in den Mund.
Langsam begann sie, in ihrem Mund zu schmelzen und wurde zu einer herrlichen, cremigen Masse.
Mmmmhm. War echt nicht schlecht, das Zeug!
Gretchen holte sich noch schnell eine Tasse Milch und schnappte sich die Schokolade.
Leise tappte sie am Sofa vorbei zum Schreibtisch und zündete eine hohe, cremefarbene Kerze an.
Sie verbreitete ein warmes, sanftes Licht und war wirklich unbeschreiblich schön anzusehen.
Überhaupt der ganze Schreibtisch!
Marcs Wohnung war grundsätzlich sehr modern gestaltet und hatte sehr viel Licht, aber er hatte einige ausgewählte Dinge, die richtig antik und sehr kostbar wirkten.
In Kombination mit den kühlen, modernen Möbeln wirkte das ganze noch viel mehr und jeder Innenarchitekt wäre vor Verzückung in die Luft gesprungen.
Wer auch immer diese Wohnung eingerichtet hatte, Geschmack hatte der gute Mensch!
Der kastanienfarbene k.u.k-Sekretär sah auf jeden Fall aus, als würde er aus einer kaiserlichen Residenz persönlich stammen und mit den vielen kleinen Schublädchen, Fächern und Goldverzierungen war er wirklich entzückend anzusehen.
Vorsichtig schob Gretchen eine der kleinen Schubladen auf.
Es befanden sich schon wieder Steine drin. Bläulich und lindgrün schimmerten sie heraus, ein korallenroter Zapfen lag obenauf.
Was hatte Marc nur mit all diesen Steinen?
Gretchen nahm den Zapfen heraus und strich mit ihren Fingern über die Oberfläche. Rau. Schön.
Behutsam legte sie ihn wieder zurück und zog eine andere Lade auf.
Sie fand noch alte Kugelschreiber und zahlreiche Werbegeschenke, die man als Arzt eben so bekam, unter anderem ein signiertes Kugelschreiberset in Silbergrau und mehrere abgelaufene Tüten Fruchtgummis mit dem großen Logo einer bekannten Pharmafirma.
In einer kleinen, verborgenen Nische direkt unter den Fruchtgummis spürte Gretchen auf einmal etwas glattes, hartes.
Vorsichtig zog es heraus und bemerkte zu ihrem Erstaunen einen kleinen, goldenen Schlüssel.
Für was der wohl gut war?
Gretchen wollte ihn eben wieder zurücklegen, als die alte Pendeluhr, die ganz oben in den Sekretär eingefasst war, leise gongte.
Mein Gott, schon ein Uhr nachts!
Gretchen war darauf und daran, den Schlüssel wieder auf seinen Platz zu legen, als sie auf einmal ein kleines, goldenes Loch in der Mitte der Uhr bemerkte.
Ihr Kopf zuckte hoch und sie beugte sich schnell näher.
Ob das wohl...? Sie betrachtete nochmal den Schlüssel in ihrer Hand und kam zum Schluss, dass sie wohl gerade das Schlüsselloch entdeckt hatte.
Die Neugierde war zu groß, als dass Gretchen den Schlüssel noch zurücklegen konnte.
Sachte steckte sie ihn in das Loch in der Uhr – und siehe da!
Das Ziffernblatt der Uhr sprang tatsächlich auf und enthüllte ein kleines, schmales Fach.
Gretchen linste hinein und zog einen kleinen Stapel staubiger Briefe und Postkarten hervor.
Saubere Handschrift füllte die Karten. Auf einer war eine Insel, und bei drei anderen war Gretchen sich ziemlich sicher, dass es sich wohl um die Nordsee handeln musste.
Auf einer schönen Karte mit einem knallroten Leuchtturm drauf traute sich Gretchen schließlich, einen Blick auf den Absender am Ende der Karte zu werfen.
„Jan.“ , stand dort in klarer Schrift zu lesen.
Gretchen wollte sich gerade wundern, wer dieser Jan wohl war, als auf einmal ein kleines vergilbtes Papierchen Richtung Boden segelte.
Gretchen legte die Karten schnell wieder in das Fächlein in der Uhr und bückte sich, um das Papier aufzuheben.
Sie wollte es gerade zu den anderen stecken, als sie bemerkte, dass es sich bei dem Papierchen um ein altes Foto handelte.
Gretchen konnte einfach nicht anders, sie musste es sich ansehen.
Am Steg an irgendeinem kleinen Hafen lehnte ein großer Mann und lächelte verschmitzt in die Kamera.
Seine Haare waren vom Wind verweht und er hatte die blausten Augen, die Gretchen je gesehen hatte.
Je länger Gretchen den Mann betrachtete, desto bekannter kam er ihr vor.
Sie musste ihn schon irgendwo mal gesehen haben, oder er erinnerte sie an jemand.
Gretchen strich mit dem Finger über das Foto, als ihr auf einmal schlagartig bewusst wurde, wer das war.
Sie hielt das Foto nochmal mehr ins Licht.
Die Haare, die Haltung, die vollen Lippen...alles passte!

~ * ~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

05.10.2009 19:51
#11  Zurück zum Meer PART 3 Zitat · Antworten

Gretchen strich mit dem Finger über das Foto, als ihr auf einmal schlagartig bewusst wurde, wer das war.

Ohne Zweifel, der Mann auf dem Foto konnte niemand anders sein als Marcs Vater.
Gretchens Daumen glitt über seine hochgewachsene, starke Figur und sie betrachtete den Mann genau.
Er wirkte sehr glücklich auf dem Foto.
Gretchen war so vertieft in das Bild, dass sie gar nicht merkte, als auf einmal jemand hinter ihr stand.

~~~ x ~~~

„Gib es her.“
Gretchen erschrak und zuckte zusammen.
Schnell drehte sie sich um und blickte Marc an.
Sein Blick war starr auf das Foto gerichtet und er streckte die Hand aus.
Gretchen wagte es nicht, ein Wort zu sagen und drückte Marc wortlos das Foto in die Hand.
Sie machte sich schuldbewusst auf einen zornigen Ausbruch von Marc bereit, er hätte ja alles Recht dazu gehabt, und war umso überraschter, als dieser ausblieb und Marc nur leicht über das Foto strich und es wie entgeistert anstarrte.
Gretchen rührte sich nicht und blickte Marc an, wie sein Finger über das Bild glitt.
Lange starrte er es an, bis er schließlich den Kopf hob und Gretchen mit leerem Blick ansah.
Seine Augen waren feucht.
Gretchen krampfte sich das Herz zusammen.
Was hatte sie nur nun schon wieder angerichtet!
Wenn Marc fast vor ihr heulte, dann musste schon mindestens der Himmel am Runterfallen sein.
Die eine verirrte Träne auf seiner Wange erzählte ihr soviel.
Und doch, gleichzeitig wurde ihr bewusst, wie wenig sie eigentlich von ihm wusste...
Gretchen hatte Marc schon in vielen Situationen gesehen, in lustigen, traurigen und verzweifelten.
Aber nie so verletzlich. Das war nicht Marc. Dieser Marc, den gabs für sie nicht, den kannte sie nicht.Und er machte ihr Angst.
Das Schlimmste war, er schien nicht mal zu bemerken, wie anders er plötzlich war.
Marc gab nie zu viel von sich preis, nie!
Wenn ihm etwas naheging, wenn er etwas fühlte, was er allein durch lässig rumstehen und irgendeinen Spruch ablassen nicht ausdrücken konnte, das alles, das ließ er in sich, sperrte es ganz tief weg.
Da mussten so viele versteckte Gefühle drin sein, so viel Unsicherheit und Angst.
Wie eine Wunde, mit einer großen Narbe drüber.
Auf einmal war da ein Riss.

Slices of me piled sky high
The same old me to the naked eye.


~~~ x ~~~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

05.10.2009 22:12
#12 Leuchtturm Zitat · Antworten

Das letzte für heute.

~~~ x ~~~

Wind rauschte, eine Bö kam nach der anderen und man musste sich konzentrieren, um nicht hinzufallen.
Das Meer war eiskalt zu dieser Jahreszeit.
Drei Personen gingen eingemummt in dicke Mäntel am Deich entlang, stapften durch den nassen, matschig-sandigen Boden und der kleine Junge hielt die Hand in der des Vaters wie ein Ertrinkender.
Die Mutter ging gleich hinter ihnen, jammerte, schimpfte, wann sie denn endlich da wären.
Der Junge versuchte, sie zu beruhigen und malte ihr die wunderschönen Sternschnuppen, die wir sehen würden, in seiner ganzen Phantasie aus.
Sie schüttelte nur unglaubwürdig den Kopf, er hatte sie nicht verstanden.
Endlich waren sie da.
Der alte Steg ging nicht weit ins Meer und war nur wenige Meter über dem Spiegel.
Schwarze Wellen schlugen weiter draußen immer wieder darüber, also beschlossen sie, mehr in Ufernähe zu bleiben.
Die Mutter schimpfte, dass sie das nie wieder mitmachen würde und dass es das letzte Mal sei, dass sie ihn im Winter zum Meer lassen würde, und dann auch noch nachts!
Der Junge nahm sie gar nicht mehr wahr, er starrte nur gebannt auf die Wellen und spürte das salzige Wasser auf seinem Gesicht, das die Gischt ihm von Zeit zu Zeit leicht ins Gesicht spritzte.
Sein Vater stand neben ihm und deutete in den nachtschwarzen Himmel.
Er erklärte ihm Sternbilder und schaute immer wieder auf die dunkle Flut.
Da hörte er hinter ihm wieder seine Mutter jammern und schimpfen.
Der Junge dachte, sie könnte vielleicht die Sterne nicht genau sehen.
Schnell ging er zu ihr hin und zog sie nach vorne.
Mit einer Hand lief er mit ihr immer weiter auf den Steg, sie wehrte sich, doch er rief immer nur: „Komm Mami, komm komm, ich zeig dir die Sterne.“
Der Vater schrie etwas, die Mutter ließ kurz die Hand los und der Junge drehte sich erschrocken um.
Er merkte nicht mehr, wo er hinlief und auf einmal spürte er den Boden unter den Füßen nicht mehr...


Ein kalter Schauer lief über Marcs Rücken, als er die Augen wieder öffnete.
Er hatte eben einen wüsten Traum gehabt. Oder mehr so einen Tagtraum. Obwohl, es war halb zwei in der Nacht. Aber geschlafen hatte er auch nicht...naja egal.
Er presste den Munde zusammen.
Plötzlich fühlte er ihn wieder, den Geschmack von Salz auf den Lippen.
Er schüttelte sich vor Kälte und fühlte auf einmal eine warme Hand auf seiner Schulter.
Ein blonder Kopf erschien über ihm und eine vorwitzige Locke kitzelte seine Nase.
Gretchen!
Gott sei Dank, Gretchen war noch da!
Er griff sich an die eiskalte Stirn und schnellte plötzlich hoch.

~~~ x ~~~

Gretchen hatte es wirklich mit der Angst zu tun bekommen.
Marc war vor ihr gestanden, seine Augen feucht und ein Foto seines Vaters in seiner zitternden Hand.
Er hatte das Bild gedankenverloren angestarrt und war dann langsam zum Sofa gegangen.
Dort hatte er sich hingesetzt und die Augen geschlossen.
Gretchen wollte ihn nicht stören und lehnte sich stumm gegen die Wand, bis sie es schließlich nicht mehr aushielt und sich neben hin setzte.
Auf einmal schüttelte er sich.
Gretchen lehnte sich rüber und legte ihre Hand auf seine Schulter.
Er schien sie kurz anzulächeln und schnellte auf einmal hoch.

Gretchen sah ihm überrascht nach.
„Marc?“
Ihre Stimme klang leise und verständnisvoll.
Marc blieb stehen und drehte sich zu ihr um.
Gretchen blickte zu ihm auf und ging auf ihn zu.
Sie nahm ihm zögernd das Foto aus der Hand.
Marc wehrte sich nicht und ließ die Hand sinken, als hätte er eben eine große Last aus der Hand gegeben.
Gretchen legte das Foto auf den Sekretär und drehte sich zu Marc um.
Dieser starrte inwischen seine Hände an und rührte sich nicht, als Gretchen ihre Arme um seinen Hals schlang.
Er lehnte sich schließlich leicht gegen sie und flüsterte nach einer gefühlten Ewigkeit: „Ich hab das Bild jetzt mindestens drei Jahre lang nicht mehr gesehen.“
Gretchen strich mit ihren Händen über seinen Rücken und drückte ihn fest an sich.
„Du siehst ihm sehr ähnlich.“
Marc nickte in ihre Schulter.
„Mhm.“
Tiefe Stille legte sich wieder über den leicht erleuchteten Raum.
„Wie heißt er denn?“, fragte Gretchen nach einigen Minuten.
„Jan.“ kam Marcs Antwort leise darauf.
Ah, die Karten waren also auch von ihm gewesen!
Gretchen drückte einen Kuss auf Marcs Wange und lehnte sich an ihn, als er sie sanft von sich weg schob.
Gretchen blickte ihn fragend an und Marc wollte gerade zu einer Erklärung ansetzen, als er schließlich wieder den Mund zuklappte und ohne ein weiteres Wort zu sagen wieder zur Couch ging.
Gretchen blickte nochmal schnell auf das Foto auf dem Schreibtisch und setzte sich schließlich wieder zu ihm.
Sie sagte kein Wort, sondern lehnte sich nur ruhig gegen die weiche Lehne.
Er würde schon anfangen, wenn er wollte.

Und richtig, nach zwei Minuten richtete Marc schließlich seinen Kopf in ihre Richtung.
„Willst du die lange oder die kurze Version?“
Gretchen blickte ihn überrascht an.
„Marc, du musst nicht...ich meine, es tut mir wirklich leid, ich wollte nicht, dass du...“
Marc winkte ab.
„Du musst dich nicht dafür entschuldigen. Und irgendwann musst du es ja erfahren. Warum dann nicht jetzt? Oder läuft grad n’ guter Porno?“
Es war wieder mal einer der Momente, in denen Gretchen froh über Marcs Spürche war. Er war also doch noch der Alte! Nach vorhin hatte sie echt Muffesausen bekommen.
Sie lächelte Marc dankbar an und kuschelte sich an seine Schulter.
„Aber nur wenn du wirklich willst.“
Marc nickte langsam und brachte ein halbherziges Lächeln zustande.
„Ich hab vorhin fast vor dir geheult, also ist mein letztes bisschen Stolz eh schon dahin.Außerdem muss ich es dir eh irgenwann mal erzählen.“
Gretchen verdrehte die Augen.
„Mensch Marc, das ist doch nichts schlimmes. Was habt ihr Männer bloß immer?“
Marc antwortete nicht und starrte nachdenklich vor sich hin.
„Doch, das ist schon was Schlimmes.“
Gretchen blickte ihn unsicher an.
„Man...man sagt ja, dass es besser wird, wenn man darüber redet.“
Marc grinste.
„Ich wette, das Sprichwort kommt von einer Frau.“
Gretchen konnte nicht anders, sie musste auch grinsen.
„Du bist unmöglich, weißt du das eigentlich?“
Marc nickte und grinste wieder.
„Willst du jetzt die lange oder die kurze Version?“
Sein Blick wurde wieder ernst.
Gretchen überlegte kurz.
„Erzähl mir was von deinem Vater.“
Marc blickte ein bisschen erstaunt, nickte aber schließlich.
„Okay.“
Gretchen blickte ihn dankbar an, nahm seine linke Hand und hielt sie fest zwischen ihren.

Er räusperte sich kurz und begann schließlich leise zu sprechen.
„Er war Koch. Aus Bayern. Genau wie meine Großeltern. Aber er wollte schon immer ans Meer. Seine Mutter hat immer gejammert, weil sie nie verstanden hat, was ihrem „Bua“ nur so am Meer lag. „Er hat ja eh die Berg’. “, hatt sie immer gesagt.“
Gretchen lächelte.
„Ich weiß eigentlich auch nicht, was ihn so sehr am Meer faszinierte, aber er war einfach nicht davon abzubringen...Kaum hatte er seine Ausbildung als Koch beendet, packte er seine Sachen und zog nach Kiel. Meine Großeltern haben es immer bedauert und nie ganz eingesehen, warum ihr Sohn ausgerechnet ganz nach Norden wollte, wo sie ihn doch so dringend gebraucht hätten im Gasthof...aber sie waren auch stolz, wenn sie die Briefe bekommen haben, die ihn als Schiffsdiener zeigten, als Offizier und schließlich als Kapitän. Er hatte sich durchgekämpft, anpacken hatte er von zu Hause gelernt.“
Marc machte eine kleine Pause, strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und fuhr schließlich fort.
„ Die Menschen am Hafen, in Hamburg und in Kiel, sie haben ihn immer schon als einen der ihren angenommen. Mit seinem Namen, Jan ist immerhin sehr untypisch für einen aus dem Süden, und seiner Leidenschaft für die See... er hat zu ihnen gepasst.“
Gretchen nickte und drückte Marcs Hand.
Gepresst für er fort.
„Schließlich lernte er meine Mutter kennen. Für sie nahm er eine Stelle am Hafen an, als Koch, was er ja ursprünglich gelernt hatte. Es ging eine Weile gut, sie wohnten in einem kleinen Dorf direkt an der Nordsee, aber meine Mutter wollte immer schon raus aus dem Dorf und in die Hauptstadt. Schließlich kam auch noch ich und dann ging bald alles in die Brüche.“
Marcs Gesicht hatte einen harten Zug angenommen.
„Meine Mutter nahm mich mit in die Stadt, ich sah ihn nur mehr sehr selten. Er hat mir immer Steine geschickt, von überall her.“
Gretchens Blick erhellte sich.
Daher hatte er also die ganzen Steine!
„Ich hab’ ihn immer wieder besucht, in den Ferien, Wochenenden, wann es eben ging. Und dann sind wir einmal, mitten in den Weihnachtsferien runter zum Strand und haben nach Sternschnuppen ausgeschaut. Da war dieser Tag da, du weißt schon, einmal im Jahr, wo man die vielen Sternschnuppen sieht.“
Gretchen blickte ihn ungläubig an.
„Also ich hab an den Tagen noch nie auch nur eine Sternschnuppe gesehen.“
Marc lachte.
„Tja, du warst wahrscheinlich zu beschäftigt damit, Eis zu essen.“
Gretchen knuffte ihn in die Rippen und verdrehte die Augen.
Grinsend fuhr Marc fort.
„Naja, eigentlich war’s nicht so lustig, ich bin an dem Abend fast abgesoffen.“
Gretchen verschluckte sich vor lauter Lachen und hörte aprupt damit auf, als sie realisierte, was Marc gesagt hatte.
„Du bist WAS??“
Marc schaute sie kurz an.
„Ich bin ins Meer gefallen.“
Der Schreck stand Gretchen ins Gesicht geschrieben.
„Ja und? Wer hat dich wieder rausgeholt?“
Marc verdrehte die Augen.
„Na mein Vater natürlich.“
„O Gott. Das muss schrecklich gewesen sein.“
Marc grinste.
„Nö, war eigentlich ziemlich geil. Welcher Arzt kann schon behaupten, er war näher am Tod dran als ich?“
„Mensch MARC!“
Gretchen war ehrlich entsetzt. „Wie kannst du nur so über so ein Thema reden?“
Marc grinste.
„Wenn dir sowas passiert wäre, könntest du nicht mehr alleine einschlafen, schon klar.“
Gretchen schauderte.
„Das muss doch wohl echt schrecklich gewesen sein?“
Marc nickte schließlich.
„Naja, angenehm war nicht. Genaugenommen wars echt scheisskalt. Wie tausend Nadeln, die sich in deine Haut bohren.
Ich ruderte und spuckte, aber ich schrie nicht, ich konnte nicht.
Ich spürte, wie das Wasser in mich floss, den Hals hinunter wollte, nach meinen Lungen leckte.“
Gretchen biss sich beinahe auf die Finger vor lauter grusligen Vorstellungen.
„In der Ferne hab ich n’ Leuchtturm gesehen. Meine Mutter behauptet immer, dass ich mir das nur eingebildet hab, dass da weit und breit kein Leuchtturm war, aber ich glaubs heute noch nicht. Ich bin mir sicher, dass ich ihn gesehen habe. Ich weiß es einfach.“
„Glaubst du, es war...?“
Gretchen sah Marc mit großen Augen an.
Marc wiegte den Kopf hin und her.
„Hmm, könnte schon sein. Alle paar Minuten spürte ich sein warmes Licht. Ich wollte zu ihm, alle Macht zog mich zu dem Licht, aber ich kam einfach nicht weiter. Ich ruderte und ruderte und auf einmal... hörte ich auf. Da waren Hände um mich.“

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

11.10.2009 16:07
#13 Der ganz normale Wahnsinn Zitat · Antworten

Die Achterbahnfahrt geht weiter![grin] Schnallt euch gut an!

~~~ x ~~~

„Naja und dann ging alles sehr schnell. Meine Mutter schrie rum und machte ein Mordstheater, das Geschmackloseste daran ist, dass sie es sogar mal in einem von ihren Dr.Rogelt-Teilen detailliert beschrieben hat, egal, auf jeden Fall brüllte sie sich die Seele ausm Leib und tat ansonsten rein gar nichts.“
Gretchen sah Marc geschockt an und wusste echt nicht, ob sie lachen oder weinen sollte.
Er erzählte das ganze, als ob er eben grad beim dritten Bierchen mit einem Kollegen vom letzten Fußballspiel sprach.
Aber was sollte sie auch anderes erwarten? Das Getue war sicher wieder Marcs Art, mit solchen Erlebnissen umgehen zu können.
Sie könnte sich auf jeden Fall nicht ruhig und leise zuflüstern, dass die eigene Mutter lieber plärrend am Ufer stand, während man selber drauf und dran war, gurgelnd und hustend seinen Abgang zu machen.
Sowas konnte man seinem Gewissen nicht anvertrauen, also bitte!
Man flüsterte sich immerhin auch nur ungern selber zu, dass der Arm in der neuen Bluse total gequetscht und unschön aussah, und um sich DAS einzugestehen, riss man ja schon die nächste Schoko auf, ich meine HALLO?!
Von dem her konnte Gretchen Marc vielleicht doch ein bisschen verstehen.
Cool müsste man sowas gegenüber eben sein, eiskalt am besten. Wie Himbeer-Vanille-Eistorte. O Gott, Eistorte!!
Gretchens Gedanken drehten sich schon wieder in die falsche Richtung.
Sie zwang sich, ihre Gedanken von einer suuuuper luftigen, suuuuuper leckeren, frischen, kühlen, zarten…okay,OKAY, also auf jeden Fall wieder Marc zuzuwenden.
Der hatte, so wie er aussah, auch gar nicht gecheckt, dass Gretchen nicht ganz bei der Sache war, er blickte nur, die Augen halbgeöffnet und wie in einem anderen Universum versunken das Bücherregal gegenüber an.
Gretchen blickte rüber und wieder auf Marc, dann wieder rüber und beschloss schließlich, vielleicht doch durch Fragen herauszufinden, was zum Teufel Marc nur so an diesem absolut totlangweiligen Bücherregal interessierte.
O Gott, da kam doch der berühmte Gedankenblitz um die Ecke!
Vielleicht…vielleicht dachte er ja über seine Nahtot-Erfahrung mit seiner geschmacklosen Furienmutter nach!!
Das wars doch!
Gretchen wollte sich gerade wieder ein Loblied auf ihre geistige Helligkeit trotz der späten, späten Stunde singen und außerdem in die Hände klatschend auf dem Sofa rumspringen, da Marc auf Grund ihrer neuen Theorie doch zu immerhin annähernd weiblichen Gedankengängen und Gefühlen wie „Sorge“ und „Unsicherheit“ fähig war, als er auf einmal halblaut aufschrie und zum Regal rübersprang, als ob sich Megan Fox persönlich drin räkelte.
Er warf allerdings nur schnell den Deckel einer Kiste hinter sich, worauf eins, zwei, drei, vier.. FÜNF Bücher folgten, die er einfach mit einer schnellen Handbewegung über seine Schulter auf den Teppich fallen ließ, bis er endlich das Gesuchte gefunden zu haben schien und triumphierend ein glänzendes Buch mit rosa Schnörkelschrift und einem zahnpastalächelnden Prachthengst-Exemplar von Mann in die Höhe hielt.
Gretchen wollte sich fast schon ein klitzekleines bisschen wundern, als sie endlich entziffert hatte, dass die hässlichen rosa Schnörkel „Dr. Rogelt und der Sommernachtstraum“ ergaben, wenn man sie geschätzte fünfzigmal mit dem Hirn durchgescannt hatte.
Ob das wohl der Zweck der Schrift war?
Könnte hinkommen, denn wer würde sonst ein Buch mit so einem Titel kaufen?
Weil die Menschen erst NACHDEM sie schon im Bus standen oder sich einen Zitronen-Butter-Bagel gekauft haben entziffern konnten, für was sie eben ihr geschätztes Geld rausgeschmissen hatten, fanden die Prachtbücher von Frau Fisher so viel Absatz. Anders konnte es wirklich nicht sein!
Egal, auf jeden Fall verstand Gretchen Marc nur zu gut, wenn er die Bücher lieber in einer antrazithfarbenen Kiste im Regal aufbewahrte, als die Menschheit mit den nackten Buchrücken für alle gut sichtbar mitten im Regal zu schockieren.
Gretchen musste wohl irgendwie einen fragenden Blick aufgesetzt haben, da Marc ihr grinsend das Buch unter die Nase hielt und sich danach selbstzufrieden auf dem Sofa neben ihr niederließ.
„Das ist es. Da steht alles drin.“
Gretchen zog die linke Braue hoch.
„Was steht da drin?“
Marc grinste immer noch.
„Na wie ich abgesoffen bin. Also fast.“
Gretchen sah Marc für drei Sekunden verwirrt an, bis ihr schließlich etwas dämmerte.
„Das ist nicht dein Ernst oder? Deine Mutter hat jetzt nicht im Ernst alles brühwarm da reingeschrieben?“
Angewiedert blickte Gretchen auf das Buch.
„Äh..doch.“ Marc schaute Gretchen erwartungsvoll an.
„Mach schon auf.“
„Sag mal, spinnst du? Ich will das doch von dir hören, nicht in irgendeinem bescheuerten Buch lesen!“
Marc grinste nur dämlich und nahm ihr das Buch aus der Hand.
„Wieso, geht so doch auch. Warte..“.
Er blätterte eifrig in dem Buch und nickte schließlich zufrieden.
„Hier. >Eiseskälte umschloss mein Herz, als...<“
Gretchen riss Marc das Buch aus der Hand und begann kopfschüttelnd zu lesen.
Marc beobachtete sie, wie sie immer wieder die Augen aufriss und sich schließlich die Hand vor den Mund presste, um nicht laut loszuprusten.
„Oh Gott, Marc, die hat sie doch nicht mehr alle. Hier: >Ich stand nur da, verwegenen Blickes auf die lüsterne See starrend, die meinen teuren Sohn begehrte und kein Laut regte sich in mir. Schließlich löste das Unfassbare der Situation meine Zunge und ein Schrei des Schreckens erbrach sich aus meiner zerrüteten Figur.<“
Gretchen prustete los und presste sich die Hand vor den Mund.
Marc musste genau hinhören, als so etwas ähnliches wie „Oh Gott, ich KANN nicht mehr.“ aus ihrer Hand drang.
Gretchen ließ ihren Kopf vor lauter Lachen gegen das Buch sinken und Marc hörte kurz nur einige Prustlaute, als sie schließlich wieder gerade saß und mit Lachtränen in den Augen weiterlas.
„> Er starrte auf die schwarze Bestie, als auf einmal die eisige Hand der Erkenntnis sein Herz ergriff. Ihr Sohn schwebte dort, wie ein entrückter Engel trieb er in den grauen Wellenbergen. Doktor Rogelt wusste sofort, dass er handeln musste. Monique, die einer griechischen Göttin gleich am Ufer stand und in seine Urkraft vertraute, gab ihm neuen Mut. Ohne einen weiteren Gedanken ließ er sich in die Fluten der wütenden See und sprang zu dem tropfenden, bleichen Kind, das mit dem Tode rang.“
Die letzten beiden Sätze bekam Gretchen nur noch mit Mühe raus, so sehr musste sie sich den Bauch halten vor Lachen.
Auch Marc lachte Tränen.
Als sie sich schließlich wieder ein bisschen beruhigt hatten, sah Gretchen zu Marc auf.
„WER bitte kauft sowas?? Ich meine, im Ernst jetzt…“ Gretchen musste schon wieder lachen.
Marc sah sie kurz an und zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung, manchen gefällts.“
„Oh Gott, das kann einem nicht gefallen. Das geht einfach nicht. Das ist absurd, echt.“
Marc verdrehte die Augen.
„Ja, schon klar.“
„Nein im Ernst jetzt Marc, ich möchte die Frauen echt sehen, die sowas lesen!Was denkt deine Mutter nur, während sie sowas schreibt? Hat die kein Hirn im Kopf? Oder nein, ein krankes Herz anstelle ihres Gehirns?“ Gretchen grinste und zuckte zusammen, als Marc sie auf einmal anfuhr.
„OKAY, wir haben jetzt alle verstanden, dass du sowas nie lesen würdest.Aber die Frau ist meine Mutter!“ Marc wusste selber nicht, warum er auf einmal so laut geworden war.
Gretchen blickte ihn erstaunt an.
„Äh Marc? Willst du jetzt… ich meine, schon klar, sie ist deine Mutter, aber was ist das für eine Mutter bitte??“
Marc wollte gerade wieder laut etwas sagen, als er den Mund wieder zuklappte und Gretchen nur für eine Weile ansah.
„Schon klar, was ist das nur für eine Mutter.“ Schnaubte Marc leise und verächtlich, als er schließlich schnell aufstand.
Gretchen blickte ihm erstaunt hinterher, als er einfach die Wohnzimmertür öffnete und rausging.
„Äh, Marc?“ schrie Gretchen ihm ungeduldig hinterher.
Das konnte doch wohl nicht wahr sein?
Was hatte sie nun schon wieder gemacht?
„Marc, ich weiß wirklich ni…“
„Schon klar, die Romane sind zwar Müll, aber sie ist trotzdem meine Mutter. Ich erzähl dir ja auch nicht ständig, dass deine Mutter tratschsüchtiger ist als eine pubertierende 13-Jährige.“
Gretchen blickte Marc total perplex an.
„Äh, tschuldige, was bitte?“
Marc zog sich ein graues Tshirt über den Kopf und schlug die Bettdecke zurück.
„Vergiss es einfach.“
Gretchen ging ganz durch die Tür und setzte sich aufs Bett.
„Äh, NEIN?! Ich will jetzt sofort wissen, was jetzt schon wieder los ist.“
„Was heißt da jetzt schon wieder? Du schnüffelst ja ständig in meinen Sachen rum! Ich hab dir eh alles erzählt, was du wissen wolltest!Du bist nicht meine verdammte Kummertante!“
Gretchen schnaubte.
Das konnte jetzt doch wohl echt nicht wahr sein!
„Jetzt mach mal nen Punkt! Erstens schnüffle ich gar nicht die ganze Zeit bei dir rum, und das mit dem Foto wollte ich echt nicht. Aber ganz nebenbei glaube ich sowieso, dass du endlich mal damit aufhören solltest, die ganze Scheisse zu verdrängen, sondern dich einfach mal wie ein normaler Erwachsener aufführen solltest und dich endlich mal deinen Gefühlen zu stellen!!“
Marc blickte Gretchen wütend an.
„Ich stell mich meinen Gefühlen, wann ich will! Außerdem verdränge ich gar nichts und nebenbei geht dich das n’ Scheiss an!!!“
Gretchen stemmte ihre Hände in die Hüften.
„Klar Marc, du verdrängst gar nichts!! Du fährst ja auch jeden Sonntag deinen Vater besuchen und erzählst mir immer alles, wenn du mal wieder Scheisse gebaut hast!“
Marc blickte Gretchen betroffen und stur an.
„Misch dich da sofort aus! Mein Vater geht dich überhaupt nichts an!“
„Aber gerne, Herr Doktor!! Dann sie eben selber zu, wie du damit klar kommst! Aber eins sag ich dir, wenn wir bei seiner Beerdigung stehen, kannst du dir selber in den Arsch treten, weil du keinen Kontakt mehr zu ihm hattest!!! Und wenn du jedes Jahr ein paar Kapitel dieses…dieses Schundbuches schreiben willst, weil deine Mutter zu feige dazu ist, sich ihre Probleme einzugestehen, mir auch egal, machst du’s halt. Ich muss mich ja nicht hinsetzten und mir ständig einreden, dass mir das nichts ausmacht!!Und immerhin muss ich mich ja auskennen, ICH als deine KUMMERTANTE!!“
Mit diesem Satz knallte sie einem sprachlosen Marc die Tür ins Gesicht und rannte wütend aus der Wohnung.

You're just a boy
You don't understand
How it feels to love a girl.
Someday
You'll wish you were a better man.


~~~ x ~~~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

14.10.2009 20:53
#14 Man sagt ja, gute Planung sei die halbe Miete. Blöd nur, wenn man keine hat... Zitat · Antworten

~~~ x ~~~
Das war doch mal n’Abgang!
Angie selber hätte es nicht besser machen können.
Und jetzt in die angesagteste Bar der Stadt! Komplimente einsammeln, sich schnell auf einen Drink einladen lassen und die Welt war wieder in Ordnung! Der wartende Freund sollte derweil nur ein bisschen zappeln!
Gretchen lief immer noch im Freudentaumel über ihre kinoreife Performance aus dem Haus, nur um zwei Sekunden später wieder zitternd reinzustürmen und zu sich selber sagend, wie sie bitte nicht merken konnte, dass sie nicht nur keine Schuhe, sondern auch keine Hose trug!
Gretchen war immer noch im Treppenhaus, als ihr schön langsam bewusst wurde, dass es wahrscheinlich nicht die allerbeste Idee war, um halb vier in der Nacht bei ihren Eltern aufzutauchen.
Außerdem – das Auto lenkte sich ja auch nicht ohne Schlüssel, und der war oben mitten auf der Mahagonikommode am Eingang.
Na super!
Planung wie immer perfekt...
Zurück zu Marc konnte sie auf keinen Fall, das ganze war nämlich eben so schnell gegangen, dass sie eigentlich schon gar nicht mehr wusste, warum sie überhaupt zu streiten begonnen hatten.
War jetzt ja im Grunde positiv, aber falls Marc das anders sah und eine Entschuldigung erwartete?
Oder weiter rumschrie? Oder noch schlimmer, sie eiskalt ignorierte?
Wie auch immer, sie musste erst mal verarbeiten, was sie heute alles mitbekommen hatte, dass mit Marc und seiner eher weniger harmonischen Kindheit war immerhin auch nicht grad wie’n Kuchenstück, dass man mal schnell annimmt und dann nicht weiter darüber nachdenkt.
Außerdem bereiten einen Kuchenstücke auch keine üblen Folgen in der Zukunft, jetzt mal von den zusätzlichen Kalorien abgesehen.Marcs schwache Ich-schütte-dir-jetzt-mein-Herz-aus-also-pass-bloß-auf-ich-mach-das-sicher-nicht-nochmal-Momente entschieden allerdings über so einiges, zum Beispiel ihre Zukunft mit ihm!
Gesetzt für den Fall, dass sie Marc doch noch irgendwie zu einem beziehungsfähigen Menschen machen konnte, sollte sie sich vielleicht den „Vorfällen“ in seiner Kindheit bewusst sein, sonst würde sie ihn ja nie mit zuckersüßem Lächeln, Champagner und Ring vor sie auf die Knie bringen.
Und auch wenn sie sich hundertmal einredete, dass das ja alles nicht so wichtig war und im Moment nur die Beziehung ansich zählte, und nicht die Zukunft der Beziehung in ein paar Jahren, Verlobung, Hochzeit blabla und den ganzen Kram eben, war es dennoch das, was sie sich letztendlich erhoffte.
Ich meine, logisch, wenn man schon mal einen Mann wie Marc Meier an der Angel hatte, wer würde ihn da wieder in die böse Welt voller dämlicher Ich-hab-BH-Größe-D-aber-sie-sind-trotzdem-total-straff-Tussis rauslassen, nur um selber im seichten, öden Sumpf des Single Forever and longer und auch noch wenn ich schon längst grau bin-Daseins zu landen. EBEN!
Theoretisch gesehen steuerte Gretchen zwar gerade eher auf genau das zu, sie hatte immerhin eben schon wieder einen Streit vom Zaun gebrochen – obwohl, hatte sie?
Okay, die Witze über seine Mutter waren vielleicht wirklich eher geschmacklos gewesen, jaaaha vielleicht auch absolute no-go’s wenn er gerade dabei war, die traumatischen Erlebnisse seiner Kindheit wieder geistig durchzuspielen, aber trotzdem, machte er das nicht auch ständig mit ihr?
Was heißt eigentlich mir ihr? Er war doch der unangefochtene Meister im Sprüche genau dann klopfen, wenn sie gerade echt absolut unnötig sind.
Also war es im Prinzip nur ihr gutes Recht, auch mal dumme Sprüchlein in dummen Situationen abzulassen.
Keiner war perfekt, sagte einem doch jeder Verzweifelte-Frauen-Ratgeber!
Aber wie man ohne Schlüssel, ohne Schuhe und ohne dem Freund über den Weg zu laufen, dessen Tshirt man übrigens auch noch trug, in die Wohnung der Eltern kam, auch noch nachts, das sagte einem leider nicht mal so ein dämlicher Ratgeber.
So verzweifelt waren wahrscheinlich nicht mal die Protagonistinnen in solchen Büchern!
Na super, Gretchen war nicht „Desperate Housewife“, sondern „Pathetic desperate Probably-never-going-to-be-Housewife“...
Was sagten schlaue Menschen in solchen scheins ausweglosen Situationen immer?
Radikal denken? Ne!
In Raten denken? Äh..ne?! Rationsweise denken? Nöööö.Schei..AH JA! RATIONAL denken.
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass 95% von Frauen in Stresssituationen erstmal Panik schieben, nur um später noch mehr Panik zu schieben und dann in der Depression oder der Schokoladenfalle zu enden.
Die übrigen 5% machten es wie die klugen männlichen Kollegen, sie dachten rational.
Tolle Statistiken übrigens, wer zum Teufel veröffentlichte sowas eigentlich?
Das half ja wohl echt gar nichts! Konnte Gretchen sogar ohne wissenschaftliche Studie eindeutig belegen.
Naja egal, sie würde jetzt handeln! Rational denken!
Denk rational! RATIONAL! RA-TIO-NAL! RA-TIO-NAL. Raaahbarber-KU-CHEN! Ähhh, Mist!
Im Ernst jetzt, Gedanken weg! Öh also ne...Gedanken nicht weg! Nichtrationale Gedanken weg! Also irration..ach, scheiss doch drauf.

Gretchen schüttelte entschlossen ihre Haare zurück und ging schnellen Schrittes auf die Wohnung zu.
Mit Stufe zu Stufe wurde sie langsamer, bis sie schließlich fünf Treppen vor der Türe stand und mit großen Augen das Türschild betrachtete.
Ohhhh, glänzte das aber schön! So silbrig! Und die Tür erst! Sooo ein tolles weiß! Ach und der..Gott, wie armselig war sie eigentlich!
Sie würde es ja wohl gerade noch schaffen, sich leise in die Wohnung ihres Freundes zu schleichen und schnell ein paar Schuhe, die Autoschlüssel und einen Mantel zu holen!
Kurz entschlossen drückte Gretchen die Türe auf, was irgendwie doch ein kleiiin wenig zu kurz entschlossen war, da sie nämlich das Gleichgewicht verlor und wie ein angestoßener Stapel Dosen durch die Tür flog.
Toll, machte auch mindestens so ein lautes Geräusch!
Marc ließ sich trotzdem nicht blicken, wie Gretchen nach fünf Minuten rhythmischen schmerzenden Kopf-Reibens bemerkt hatte.
Also wenn ihn das nicht geweckt hatte, konnte sie eigentlich sichergehen, dass sie ihn heute nicht mehr wiedersehen würde.
Sie stand schnell auf und griff sich in der Eile irgendeine Hose und einen schönen warmen Pullover.
Dann ging sie zur Kommode, um den Schlüssel zu holen und drehte noch schnell das Licht im Wohnzimmer ab, als sie zu ihrem Schreck bemerkte, dass der dumme Schlüssel doch nicht da lag, wo er eigentlich liegen sollte.
Gretchens Nase begann nervös zu zucken.
Wo hatte Marc nur wieder den dämlichen Schlüssel?
Also wieder rein ins Wohnzimmer, wieder Licht andrehen, suchen, suchen, suchen und schließlich aufgeben! Mist! Hier war er nicht, was zu ungefähr 99,9%iger Wahrscheinlichkeit sagte, dass sich das gute Stück im Schlafzimmer befand.
Das kam Gretchen jetzt ungefähr so grandios gelegen, wie der Kopf von Schwester Sabine in der Tür zum Bereitschaftsraum, während Gretchen und Marc sich gerade vom alltäglichen Krankenhausstress ähh.. entspannten.
Toll, musste sie wohl doch nochmal rein ins Zimmer.
Soviel zu „elegantem Abgang“.
Gretchen öffnete, diesmal zum Glück mit etwas mehr Überlegung, langsam und geräuschlos die Tür und schlich langsam ins Schlafzimmer.
Marc lag regelmäßig atmend auf dem Bett, nur seine linke Hand baumelte auf der Seite runter und sein kleiner Finger zuckte leicht.
Gretchen grinste, als er auf einmal leicht zu husten begann und drehte sich schließlich um, um endlich den doofen Schlüssel zu finden.
Nach zehnminütigem Rumkramen im Schlafzimmer fand sie ihn endlich in Marcs Hose über dem Stuhl, die ungefähr so ordentlich gefaltet war, wie das wiederverwendbare Geschenkspapier vom großen Weihnachtsaufräumen.
Gretchen umschloss den Schlüssel fest mir ihrer Hand und wollte schon rausgehen, als sie sich noch einmal kurz umdrehte, schnell zurückhuschte und Marc einen kleinen Kuss auf den halbgeöffneten Mund gab.
So musste sie wenigstens nicht auf ihren Gute-Nacht-Kuss verzichten, wenn der Guten-Morgen-Kuss schon ausfallen würde.
Gretchen grinste, als Marc auf einmal einen lauten Schnarchton von sich gab.
Er schaffte es sogar im Schlaf, alles irgendwie komplett unpassend zu kommentieren.
Gretchen grinste noch, als sie leise wieder die Tür schloss und eilte schließlich schnell die Treppe runter.
Sie wollte immerhin nicht riskieren, dass Marc jetzt noch aufwachen würde, denn dann würde sie wohl oder übel bleiben müssen.
Es war zwar weder besonders fair noch besonders edel, aber Gretchen hoffte doch, dass Marc von sich aus kommen und sich entschuldigen würde.
Worauf sie sich natürlich auch entschuldigen würde.
Nachdem er es getan hatte. Obwohl...naja, wie auch immer, nach all dem Stress, den ihr der liebe Marc in ihrem ganzen Leben bereitet hatte, durfte sie jetzt wohl auch mal auf einen Ego-Booster hoffen und auf ihn warten.
Nachdem sie mit seinem Auto in der Nacht zu ihren Eltern gefahren war! In seinem Tshirt! Und seinem...o Gott, scheisse, in der Eile hatte Gretchen nicht mal bemerkt, dass sie Marcs Lieblingspulli angezogen hatte.
Supi! Jetzt kam er morgen bestimmt vorbei! Wo doch Sonntag war und er nichts lieber tat, als bei seinem Chef vorzufahren und... uups. VorFAHREN war wohl auch eher Wunschvorstellung, das Auto fuhr sie immerhin gerade aus der Garage.
Desto länger Gretchen über ihre Situation nachdachte, desto sicherer wusste sie, dass sie sich eigentlich schon glücklich schätzen konnte, wenn Marc auch nur noch ein Wort mit ihr wechselte.
Sein Auto zu „entführen“ war nun wirklich nicht besonders klug, aber wie zum Teufel sollte sie sonst raus zu ihren Eltern kommen?
Das war nun wirklich ein Argument!
Wie zur Bekräftigung versuchte Gretchen, sich einen Kaugummi in den Mund zu schieben und die ganze Nervosität und Müdigkeit durch wilde Kaubewegungen zu vergessen, als sie bei einer scharfen Kurve auf einmal von einer Katze, die über die Straße sprang, erschreckt wurde und sich die klebrige Pampe in ihrem Mund selbstständig machte und auf den lederbezogenen Beifahrersitz platschte.
Und dann auch noch mit so einem grauenvollen schleimigen Geräusch!
Gretchen beäugte den lecker-lecker Fleck misstrauisch und seufzte.
Tja ähhhh.. sich ja nicht zuerst zu entschuldigen war doch echt eindeutig überbewertet! Nicht?

I'm going to the place where love
And feeling good don't ever cost a thing.
And the pain you feel is a different kind of pain.

~~~ x ~~~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

19.10.2009 22:12
#15 Oh Herr, schmeiss Hirn vom Himmel! Zitat · Antworten

~~~ x ~~~

Es war schließlich schon fast fünf geworden, als Gretchen endlich an der Einfahrt vor ihrem Elternhaus parkte.
Missmutig fuhr sie sich durch die Haare und ließ ihren Kopf auf das Lenkrad fallen, da ihr leider immer noch nichts wahnsinnig geniales eingefallen war, um ohne Schlüssel und ohne ihre Eltern aufzuwecken in das Haus hineinkommen zu können.
Wenn ihre Mutter etwas hasste, dann waren es angebrannte Semmelknödel oder nächtliche Besucher.
Selbst bei der eigenen Tochter zog sie eine saure Miene und behauptete immer den ganzen nächsten Tag lang, sie hätte kein Auge mehr zugetan und nur dank Salmiakgeist und Kamillenessenzen würde sie mit schrecklichen Augenringen und unerträglichen Kopfschmerzen diesen Tag überleben!
Gretchen seufzte und versuchte gar nicht daran zu denken, dass sie auch noch ihren Vater aus dem Schlaf reißen würde, der ja auch noch arbeiten gehen musste, als ihr zum Glück einfiel, dass morgen, also eigentlich heute, Sonntag war.
Ahhh, herrlich! Ihr Vater würde wenigstens ausschlafen können, bei Bärbel war das eh relativ schnuppe, da die sowieso nie lange schlief, aus Gretchen unerklärlichen Gründen, aber auf jeden Fall würde sie dann nicht den ganz großen Ärger auf sich laden!
Mit neuem Mut stieg Gretchen endlich aus dem Auto und kämpfte sich durch die regennasse Hecke, als sie auf einmal durch die Wohnzimmerfenster Licht bemerkte.
Ach, Jochen wird wohl noch länger weggegangen sein und jetzt noch fernsehen oder was auch immer, obwohl....heilige Scheisse, Jochen war ja gar nicht da, der hatte ein paar Seminare in Kiel und war noch den ganzen Monat weg!
Gretchen blieb die Luft weg.
O du heilige Scheisse!!!! Einbrecher! EINBRECHER!!! In ihrem Haus!
Ihre Eltern konnten es unmöglich sein, das war Gretchen sofort klar, die waren nämlich nie so lange wach, nie!
Verdammt, was sollte sie jetzt nur machen?
Gretchen stürmte auf das Haus zu, während sie überlegte.
Sie verlor ihre Tasche und außerdem die Autoschlüssel und war komplett außer Atem als sie mit dem Herz in der Hose endlich vor der Tür stand.
Zitternd drückte sie nach einer halben Ewigkeit endlich die Klinke runter und öffnete vorsichtig die Tür.
Nichts regte sich, also beschloss sie, dass reingehen vielleicht auch mal nicht schaden könnte.
Leise schlich sie in den düsteren Vorraum und ging mit klopfendem Herzen auf das Wohnzimmer zu.
Sie wollte schon raufschleichen und ihre Eltern wecken, aber Gretchens Mutter würde schneller Panik schlagen, als Gretchen „Marc“ sagen konnte, und die Einbrecher wären wahrscheinlich schon in Potsdam, wenn Bärbel sich endlich beruhigt hatte.
Dann eben doch auf eigene Faust!
O Gott, aber was wenn die ne Knarre hatten und sie sofort umlegten, wenn sie reinkam?
Wenn Marc doch nur hierwäre!
Scheisse, Marc! Den würde sie ja auch nie wieder sehen, wenn die Wahnsinnigen da drinnen ihre Läufe auf sie richteten!
Gretchen konnte ihn schon vor sich sehen, über ihre Leiche gebeugt, während Mehdi hinter ihm laut „Warum Gretchen, warum!!“ schrie.
O nein! Sie musste ihm eine Nachricht hinterlassen!
Wegen des blöden Streits dachte er am Ende noch, sie liebte ihn nicht mehr!
Schnell kramte Gretchen einen Fetzen Papier vom Telefontischchen und suchte eilig einen Stift. Als sie nach einer halben Minute immer noch keinen gefunden hatte, wollte sie schon aufgeben, als sie einen kleinen goldenen Gegenstand auf dem Kästchen schimmern sah.
Gretchen zögerte.
Schließlich gab sie es auf und zog den sündhaft teuren Lippenstift ihrer Mutter heraus und schrieb in riesigen, verwackelten Lettern „Marc, ich liebe dich. G“ auf die Zeitung.
Wenigstens würde sie etwas für die Nachwelt hinterlassen! Mann, wie kitschig war das eigentlich?
Als Gretchen bewusst wurde, was sie gerade gemacht hatte, hätte sie den Zettel am liebsten wieder zerissen, als auf einmal ein lauter Schrei aus dem Wohnzimmer drang.
Gretchen zuckte zusammen und drehte sich schnell wieder zur Tür.Sie atmete nochmal gut durch, als sie diese kurz entschlossen aufriss und „Hände hoch, sonst knallts!“ schrie.

Fünf Sekunden später öffnete Gretchen wieder die Augen, die sie unabsichtlich geschlossen hatte und sah in die entsetzten Gesichter ihrer nackten Eltern. Erleichterung machte si..ihrer NACKTEN ELTERN! OH GOTT HERR IM HIMMEL LASS DAS NICHT WAHR SEIN!!!
Gretchen war so erleichtert, dass nicht auf sie geschossen wurde, dass sie nicht mal genau hingesehen hatte, wer denn so in der Wohnung einbrach und als ihr Hirn schließlich wieder zu funktionieren schien, fiel sie fast in Ohnmacht.
Es gab Dinge, die wollten Kinder einfach NICHT sehen, und ihre Eltern auf dem indischen Perserteppich.... gehörten eindeutig in diese Kategorie!
Den Würgreiz unterdrückend wollte Gretchen sich gerade umdrehen und so schnell wie möglich von hier verschwinden, als sie auf einmal gegen etwas hartes stieß und WUSCH sich die Welt für ein paar Minuten von ihr verabschiedete, während sie nach aller Herzenslust die süßen, gelben Sternchen zählen konnte, die in ihrem Kopf schwirrten.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

25.10.2009 16:31
#16 Schlimmer gehts immer! Zitat · Antworten

~~~ x ~~~

Gretchen stand im Bad und schäumte das herrliche duftende, neue Shampoo in ihrer Hand auf.
Es gab doch nichts schöneres als frisch gekauftes, nach Beeren duftendes Wundermittel, das einem die frischesten, glänzensten und duftensten Haare versprach.
Spätestens nach den ersten drei Anwendungen merkte man zwar, das das neue Traumshampoo genauso traumhaft wirkte, wie die letzten drei halbleeren Flaschen, die in der Dusche vor sich hingammelten, aber was solls, man fiel eben immer wieder drauf rein!
Und das Gefühl, ein neues Supershampoo erworben zu haben war eben einfach grandios!
Gretchen arbeitete den luftigen Schaum in ihre nassen Locken ein reckte ein wenig den Hals, um sich noch besser im Spiegel bestaunen zu können.
Sexy UND sinnlich sah sie aus mit den erhitzen Wangen und den nassen Haaren, das Shampoo war echt ein Allroundkönner!
Gretchen schloss verliebt die Augen und während ihre weichen Finger durch ihre Haare glitten und sich Gänsehaut auf ihrem ganzen Körper ausbreitete, ging auf einmal die Tür auf uns sie spürte einen warmen Körper gegen den ihren gepresst.
Ein männlicher Körper, wie sie zwei Sekunden später sehr eindeutig bemerkte![grin]
Und nicht nur das, es war aller Ansicht nach der Körper von Marc, der sich da einfach so in ihr Bad geschlichen hatte.
Nicht das sie was dagegen hatte –bei Gott, nein! Außerdem war es ja eigentlich auch sein Bad...
Gretchens Hände ließen von ihren Haaren ab und griffen nach den seinen, die langsam über ihre Hüften glitten.
„Was machst du denn hier?“, entkam es Gretchen leise.
Sie merkte Marcs Grinsen deutlich an ihrem Hals, als er ihr leise ins Ohr flüsterte: „Ich dusche hier.“
Gretchen musste auch grinsen.
„Duschen huh?“
„Hmmmmm..“
Gretchen bekam eine erneute Gänsehaut, als sie Marcs leise Wohllaute merkte, während er seine Nase in ihren duftenden Haare vergrub.
Gretchens Verstand begann langsam auf Sparflamme zu lodern, nachdem Marcs Hände sich zu einer kleinen Erkundungstour entschlossen hatten.
Schnell drehte sie sich um, und es vergingen keine zwei Sekunden, als ihre Lippen schon hungrig miteinander verschmolzen.
Marc hielt sie gegen das Waschbecken gedrückt und legte seine Hände besitzergreifend um ihren Kopf.
Gretchen klammerte sich an ihn und schloss ihre Beine über seinen Hüften zusammen, während Marc begann, ihren Hals mit Küssen zu bedecken.
Gretchen stöhnte leise und öffnete die Augen, als sie auf einmal einen lauten Schrei ausstieß.
Der Mann, der ihren Hals küsste, war nicht mehr Marc, sondern ihr VATER!
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHH!!!
Gretchen begann, wild um sich zu schlagen und drückte ihren Vater so weit weg wie möglich, während sie sich selber wie am Spieß schreien hörte...

~~~ x ~~~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

25.10.2009 18:15
#17 A Hard Day's Night Zitat · Antworten

~~~ x ~~~

Schweratmend und schweißgebadet wachte Gretchen auf.
Sie musste sich mit der Hand in den Arm kneifen, so sehr stand sie noch unter Schock.
Das Erlebnis gestern hatte sich wohl in ihrem Unterbewusstsein vergraben und hatte nun Spaß daran, sie im Traum zu quälen und ihr einen wahnsinnigen Schreck einzujagen...alleine die Vorstellung ließ Gretchen schon Richtung Kloschüssel sprinten.
Also einen Albtraum dieser Art wünschte man echt niemandem, das war ja schlimmer als alle Monster dieser Erde zusammen!
Dabei hatte der Traum doch so lecker angefangen...
Gretchen lief fast das Wasser im Mund zusammen, als sie an Marcs Hände dachte, und was die alles mit ihr angestellt hatten...
Ihr wurde ganz warm und sie hätte sich am liebsten an Marc gekuschelt und genau das getan, was sie ihm Traum vorhin gemacht hatten, als ihr dummerweise einfiel, dass sie sich bei ihren Eltern befand.
Und außerdem mit Marc gestritten hatte!
Gott, sie mussten echt an ihrer gegenseitigen Toleranzgrenze arbeiten, so konnte das doch nicht weitergehen, dass sie wegen jedem Blödsinn in die Haare gerieten!
Gretchen blickte auf die tickende Uhr direkt über der Tür des Flurs und bemerkte zu ihrem Bedauern, dass es immer noch erst halb sechs in der Früh war.
Und wer stand an einem Sonntag bitte um halb sechs auf?
Das beste war wohl einfach, nochmal einzuschlafen und dabei auf KEINEM FALL nochmal zu träumen!
Mit diesem Vorsatz auf den Lippen schlief Gretchen schließlich wieder ein...

Als sie zum zweiten Mal aufwachte, wurde Gretchen von dem Duft nach frischen Brötchen geweckt. War doch schon eindeutig besser, als von seinen eigenen Schreien!
Langsam sog sie den herrlichen Duft ein und streckte sich.
Mit halbgeschlossenen Augen versuchte sie aus dem Bett zu klettern, bis ihr einffiel, dass sie ja gar nicht in einem Bett lag, sondern auf dem Boden rumrollte.
Verwirrt stand sie auf und erschrak, als sie ihr Spiegelbild in der großen Glasscheibe zur Wohnzimmertür sah.
Wohnzimmertür? Wohnzimmer? O MEIN GOTT!
Auf einmal fiel ihr alles wieder brühwarm ein – klarer als ihr lieb war!Schlimmer hätte die Nacht echt nicht mehr werden können...
Gretchen versuchte, die Gedanken aus ihrem Gehirn zu vertreiben, was jetzt nicht sooo super klappte, aber immerhin konzentrierte sie sich schon mehr auf das Vogelnest auf ihrem Kopf, als an ..... ugh und den grauenvollen Traum zu denken.
Sie überlegte schon, ob sie nicht einfach schnell abhauen sollte, jetzt da sie immerhin schon auf dem Boden am Korridor ihrer Eltern übernachtet hatte, aber das würde im Endeffekt ja auch nicht helfen, irgendwann würde sie ihre Eltern ja doch wiedersehen müssen!
Außerdem, heim konnte sie ja auch schlecht, da war ja Marc, und mit dem war im Moment leider auch nicht gut Kirschen essen.
Obwohl, man musste die positiven Seiten sehen!
Sie würde sich heute ganz lieb bei ihm entschuldigen. Das war ja echt total lächerlich was die da aufführten. Immerhin war es echt supersüß von ihm gewesen, ihr die ganze Story von seinem Vater zu erzählen und außerdem begann er echt, sich zu einer Art Medhi-Reloaded zu entwickeln, er machte sich sogar Sorgen um sie!
Und das war in den Marc-Meier-Chroniken wohl echt nicht oft vorgekommen, zumindest nicht so offensichtlich.
Gretchen hatte einen festen Entschluss gefasst, sie mussten jetzt wirklich mal lernen, nicht wegen jeder Kleinigkeit zu streiten.
Aber Marc müsste ja eigentlich auch nicht immer sofort eingeschnappt, eifersüchtig oder zwangsneurotisch werden, da könnte er sich ruhig mal n’ Stück von ihr abschneiden...okay, okay, sie war auch relativ leicht auf die Palme zu bringen, aber, und das war immerhin die Hauptsache, auch wirklich leicht wieder von dem Baumteil da runterzubefördern!
Und schön langsam sollten sie sich wirklich mal aneinander gewöhnen, da Gretchen, allerdings nicht unbedingt zu ihrem Bedauern, feststellte, dass sie die ewigen Kabbeleien zwischen Marc und ihr schon wieder schrecklich vermisste, obwohl sie erst gut einen Tag getrennt waren.
Gretchen versuchte gerade herauszufinden, ob der Grad ihrer Verzweiflung schon besorgniserregend war, war es wirklich normal, jemandem, mit dem man eigentlich gerade stritt, so zu vermissen?
Auf jeden Fall wurde sie bei ihren philosophischen Gedankenerörterungen von ihrer Mutter unterbrochen, die beschwingt auf den Flur herrausmarschierte und eifrig Brötchen Richtung Esstisch trug.
„Margareeeeteee, endlich bist du auch schon wach! Komm, die Bröchen werden nicht noch knuspriger!“
Gretchen schaute ihrer Mutter mit einem verunsicherten Blick nach.
Kein Wort wegen gestern?
Nicht mal ein seltsamer Blick?
Gretchen wusste zwar nicht, ob sie das positiv oder negativ bewerten sollte, war aber auf jeden Fall froh, als ihr Vater, der eben schlaftrunken die Treppe runterkam, ebenfalls nichts sagte, sondern nur mit einem verschlafenen Nicken in Richtung Gretchen und mit einem erfreuten Aufleuchten der Augen Richtung Brötchen verrüberging.
Den Traum hatte Gretchen inzwischen verdrängt, damit konnte sie sich nicht auch noch rumschlagen, aber das hier kam ihr nun doch komisch vor!
Das kann denen doch echt unmöglich entgangen sein? Sie war ja echt mehr als offensichtlich durch die Tür geplatzt!
Okay, sie war nach ungefähr einer Zehntelsekunde wieder draußengewesen, aber trotzdem!
Sowas merkte man doch! Wenns sogar die eigene Tochter war!
Gretchens Gedanken wurden schon wieder abgelenkt, als Bärbel wieder durch den Flur spazierte, diesmal allerdings mit einer Platte mit frischem Aufschnitt.
„Margarete, kommst du jetzt endlich? Dein Vater ist auch schon aufgestanden? Und kämm’ dir noch die Haare, ja?“
Oh mann, ihre Haare!
Gretchen versuchte so gut wie möglich die verwuschelten Locken in eine halbwegs alltagstaugliche Form zu bringen und marschierte dann mit ihrem besten Ich-hab-keine-Ahnung-was-ich-hier-mache-aber-ich-mach-einfach-mal-Lächeln ins Esszimmer.
Ihr Vater saß kauend über der Sonntagszeitung, während Bärbel ihm gerade Kaffee nachschenkte.
„Und, wie hast du geschlafen?“
Ihre Mutter brachte es tatsächlich fertig, ihr die dämlichste aller dämlichen Fragen nach so einer Nacht zu stellen.
„Ähh...ja, ganz gut eingentlich.Danke.“
Gretchen hustete leise, als der Traum detailliert und direkt vor ihren Augen wieder ablief. Der erste Teil machte sie ganz wuschig und der zweite trug noch weniger zu einem angenehmen Gesamtzustand bei.
Das Leben konnte so grausam sein!
Note to myself: Verdrängen, liebes Gehirn, heißt, dass man das, was man verdrängen will, gefälligst ganz tief irgendwo unter den letzten Erinnerungen verstaut und auf KEINEN FALL nochmal hochkommen lässt. Verdammtnochmal das kann doch wohl nicht so schwer sein?!
Franz wischte sich einen Brösel von der Backe und Gretchen wurde puterrot.
O Gott, sie musste jetzt sofort die Gedanken aus ihrem Gehirn vertreiben!
Denk an Müllsäcke Gretchen, Müllsäcke! Oder Joggen! Rosa Jogginganzüge! Frau von Elderstädt! Ne, Frau von Elderstädts Haare!
Brrrrrrr!
Endlich hatte sich Gretchen soweit, dass sie nicht mehr rot wurde, sondern sich nur mehr vor Ekel schüttelte.
„Sag mal, ist mit deinem Brötchen irgendwas nicht in Ordnung Margarete? Nur weil du gar so zappelst!“
Gretchen steckte sich schnell den Rest des Brötchens in den Mund und versuchte gleichzeitig beschwichtigend zu lächeln und ihrer Mutter zu erklären, dass das Brötchen keineswegs Schuld an ihrem Gesichtsausdruck war.
Bärbel verstand wohl, was Gretchen ausdrücken wollte, da sie sich wieder ihrer Kaffeetasse zuwandte und schließlich aufstand, um den Tisch abzuräumen.
„Ja aber Butterböhnchen, warum räumst du denn schon ab? Ich bin doch noch gar nicht fertig!“ meinte Gretchens Vater leicht vorwurfsvoll.
„Ich muss aufdecken für Mittag, sonst werde ich nicht fertig, und immerhin erwarten wir heute hohen Besuch!“
Bärbel zwinkerte Gretchen zu.
„Warum genau zwinkerst du mir jetzt...ach du Scheisse.“ Gretchen hielt sich ihre Hand vor den Mund.
„Margarete, was sind denn das für Ausdrücke bitte? Das kommt sicher nur vom schlechten Einfluss von Dr. Meier!“
Gretchen hustete und überhörte den Kommentar ihrer Mutter.
O Gott, wie konnte sie das nur vergessen, heute war ja Sonntag und sie und Marc waren bei ihren Eltern zum Essen eingeladen!
Wahnsinn, und Marc hatte sicher großartige Lust, gerade jetzt mit ihr bei ihren Eltern zu essen!
Mist, wie sollte sie das nur ihren Eltern beibringen, wenn sie ihnen nicht unbedingt auf die Nase binden wollte, dass Marc und sie gerade wegen seiner Mutter im Clinch lagen?! Je länger sie darüber nachdachte, desto lächerlicher kam ihr das ganze eigentlich vor!
Sie musste sich wirklich dringend bei Marc entschuldigen!
Aber das half ihr jetzt auch nicht weiter.
„À propos Dr. Meier! Wo hast du den eigentlich gelassen, Kälbchen??“

Incredible love - you fill me
Incredible love - you spill me
Incredible love - you kill me
Incredible love

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

26.10.2009 00:01
#18 Holy Smoke Zitat · Antworten

~~~ x ~~~

Gretchen schaute ihren Vater mit leicht panischen Augen an, um es dezent auszudrücken.
„Ähhhh....der...äh..musste noch einen..äh..Hausbesuch machen. Aber er wird so gegen Mittag hier auftauchen.“
Gretchen wurde knallrot und starrte auf ihren Teller, aber ihr Vater schien angeblich mit ihrer Antwort zufrienden.
„Der Meier...war ja immer schon so ein Arbeitstier.“
Gretchen murmelte irgendetwas unverständliches, aber ihr Vater blickte nicht mal von der Zeitung auf.
Scheisse, wie sollte sie bitte Marc bis 12 Uhr vor dieses Haus zitieren, mit sauberem Hemd am besten, ihrer Mutter fiel sowas sofort auf. Und ihm außerdem zu verstehen geben, dass man vielleicht nicht unbedingt bekannt machen müsste, dass die beiden eben wegen einem total dämlichen Grund stritten?!?!
Da hatte sie sich ja wieder mal was eingebrockt!
Gretchen murmelte sich irgendeine Entschuldigung, nahm das halbgegessenen Brötchen vom Teller und verschwand schnell in ihr Zimmer nach oben.
Sie musste jetzt sofort Marc erreichen!
Gretchen wählte die Nummer von seinem Handy, musste aber leider feststellen, dass es aus war.
Und bei seinem Festnetz ging nur der dämliche Antwortbeantworter dran!
Mist!
Gretchen stolperte schnell wieder hinunter und rief ihrer Mutter in die Küche zu, dass sie nur noch schnell was zu besorgen habe.
Bärbel blickte Gretchen erstaunt hinterher.
„Aber die Geschäfte haben doch sonntags nicht geöffnet!“
Gretchen hörte ihren verwunderten Ausruf gar nicht mehr, sie war schon längst im Auto und fuhr fast die Nachbarskatze übern Haufen, so schnell wie sie aus der Einfahrt kurvte.
Sie bemerkte es nicht mal und drückte sich in der Zwischenzeit durch die Sender des Autoradios.
Vor lauter Frust, weil überall nur Mist lief, schaltete sie das Ding etwas gewaltsamer aus, als nötig gewesen wäre und konzentrierte sich schließlich wieder auf die Straße.
Nach einer halben Ewigkeit und einem ellenlangen Stau in der Berliner Innenstadt wegen irgendeinem dämlichen Stadtlauf kam sie endlich vor Marcs Wohnung an.
Schnell eilte sie auf das Tor zu und rannte schließlich über die gepflegten Rasenflächen von Marcs untersten Nachbarinnen, zu deren Wohnungen ein kleiner Garten dazugehörte.
Zum Glück bemerkte sie keiner, normalerweise wurde man bei der leisesten Berührung eines Grashalmes notfalls sogar mit Gewalt von der Grünfläche entfernt.
Die werten Nachbarinnen schienen aber alle noch zu schlafen oder anderwertig beschäftigt zu sein, obwohl es nun schon elf Uhr vormittags war.
Gretchen stürzte die Treppe hinauf und sperrte mit zittriger Hand die Tür auf.
„Marc!“ - „Marc, ich bins!“
Gretchen schrie durch die Wohnung, lief in jedes Zimmer und schaute sogar auf den Balkon, aber Marc war offensichtlich nicht da.
Na super!
Jetzt war sie den weiten Weg auf noch komplett umsonst gefahren.
Sie ging in die Küche und sah Marcs Kippen auf dem Tisch liegen.
Sagten Menschen nicht immer, Rauchen würde sie beruhigen?
Und Beruhigung würde ihr im Moment ja nun wirklich guttun!
Gretchen ging zögernd zu dem Tisch und holte sich eine in beige-goldenes Papier gewickelte Zigarette aus der Schachtel.
Sie kam sich vor wie ein kleines Kind, dass Lutscher aus dem Keller klaut, obwohl es weiß, dass es unter keinen Umständen einen von den Lollies nehmen durfte.
Eigentlich war das ja lächerlich!
Auf die eine Zigarette kam es jetzt auch nicht darauf an!
Gretchens Hände zitterten ein wenig, als sie sich die Zigarette anzündete – kein Wunder, war ja auch ihre erste!
Naja, strenggenommen ihre zweite, aber die eine Mentholzigarette im Schulhof zählte nicht!
Spätestens nach dieser Erfahrung hatte sie für sich befunden, dass Rauchen „ihhhhh“ war.
Wie oft sie Rauchern gegenüber ihr Sätzlein von „Rauchen ist böse usw...“ aufgesagt hatte und sich meistens total lächerlich gemacht hatte, sie wusste es gar nicht mehr...wie auch immer, es würde Zeit, so eine Zigarette auch mal richtig zu rauchen, dann würde sie sich beim nächsten Anti-Raucher-Vortrag nicht mehr so scheinheilig vorkommen, sie, die noch nie eine richtige Zigarette geraucht hatte und nebenbei verkündete, wie schlecht und unglaublich ecklig Rauchen doch sei.
Gretchen hatte vor lauter Denken fast auf das Ziehen vergessen und nahm daher einen besonders großen Zug zum Einstieg.
Prompt verschluckte sie sich am ungewohtnen Rauch in ihrer Lunge und hustete was das Zeug hielt.
Im Grunde war ihr das Rauchen ab dem Zeitpunkt an schon absolut widerwärtig, aber sie wollte wenigstens noch einen weiteren Zug machen.
Nachdem es ihr bei den weiteren fünf ebenfalls so erging, beschloss sie, dass sie vielleicht einfach nicht der Typ zum Rauchen war!
Was ja nun absolut nichts schlechtes war!
Naja, mal von ihrer Figur abgesehen.
Sie war eben der Schokolade-in-Stresssituationen-essen-Typ, nicht der Nikotin-in-Stresssituationen-Typ.
Schokolade war wenigstens billiger als Zigaretten! HA!
Wie auch immer, Marc war immer noch nicht aufgetaucht und sie hatte neben einer leichten Rauchgasvergiftung nun auch noch Verspätung, da es bei ihren Rauchversuchen nun schon fast halb zwölf geworden war und sie für den Heimweg mindestens eine Stunde einplanen musste, falls dieser doofe Marathon immer noch das ganze Verkehrsnetz blockierte.
Na super!
Jetzt würde sie ohne Marc, mit Nikotingeruch und außerdem viel zu spät zum gemeinsamen Mittagessen mit ihren Eltern kommen.
Gretchen hätte am liebsten umgedreht und auf der Stelle kehrt gemacht, aber das konnte sie ihrer Mutter nicht antun, das sonntägliche Essen war ihr so heilig wie anderen zusammenpassende Unterwäsche oder die Zigarette-danach!
Hastig riss Gretchen ein Fenster in der Küche auf, um den Rauch rauszulassen und knallte dann die Tür hinter sich zu, während sie im Rekordtempo zu Marcs Auto runtersprintete...

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

14.11.2009 22:50
#19 Mozzarella Zitat · Antworten

Liebe Leute, an alle die diese Story mögen und gelesen haben, es tut mir echt Leid, dass ich so lange nichts gepostet habe. Ich hoffe, ich hab in Zukunft wieder mehr Zeit. Jetzt hoff ich aber erstmal, dass es euch gefällt! Image and video hosting by TinyPic


~~~ x ~~~

„Mama, ich bin wied-“ Gretchen erstarben die Worte als sie bemerkte, dass es nicht ihre Mutter war, die ihr geöffnet hatte.
„Sag mal hast du sie eigentlich noch alle? Spinnst du mich so zu erschrecken…?“

~~~ x ~~~

Das durchdringende Klingeln der Türglocke riss Marc aus dem Schlaf.
Gretchen!, schoss es Marc durch den Kopf. Na die könne ruhig noch ne Weile warten!Außerdem hatte sie ja wohl den Schlüssel vergessen, da konnte er nun wirklich nichts dafür.
Marc drehte sich genüsslich nochmal um und versuchte wieder einzuschlafen, als er nach zwei Minuten wieder aufschreckte.
Die Scheissklingel ging ja immer noch!
Entnervt und halbnackt trottete Marc in den Flur und öffnete schlaftrunken die Tür.
Er sah Gretchen schon vor sich, mit kritischem Gesichtsausdruck und ihre Füße, wie sie wütend gegen den Boden trommelten, wie sie es immer tat, wenn sie ungeduldig oder genervt war.
Statt einer wütenden Freundin bemerkte Marc zu seiner Verwunderung allerding bloß ein kleineres, braunes Paket auf der Türmatte aus reinsten Cashmerefasern.
„Das is jetz nich war!?“
Marc musste wohl nicht nur in seinen Gedanken gesprochen haben, als auf einmal eine Antwort von der Treppe über ihm kam.
„Ne es is Weihnachten und irgendwer hat sich gedacht, ich verteil jetzt mal rostbraune Pakete und schmeiss sie vor fremder Leute Wohnungstür.“
Marc hatte wohl nicht gerade einen besonders geistreichen Blick aufgesetzt, da ihn das pinkhaarige Mädchen, das auf einmal das Treppenhaus runtergeschlendert kam, mit einem spöttischen Blick musterte.
„Klapp den Mund wieder zu ja, sonst fängst du noch Fliegen.“
Ob es der Umstand war, dass Marc gerade aufgestanden war, oder weil für solange keiner mehr in der Weise mit ihm geredet hatte, Marc klappe vor lauter Verwunderung den Mund noch mehr auf.
„Sag ma Schnucki, bist du n bisschen bekloppt oder so? Wenigstens-“ sie ließ ihren Blick an Marc runtergleiten „siehst du wirklich so scharf aus, sonst würde ich glatt nich glauben, dass du’s wirklich bist.“
Marc blickte das freche Mädchen fragend an.
„Ich..äh..wollte nur eben..“
„Ja schon klar, ich bin ja nich blind. Also mitm Körper hatten sie ja Recht gehabt, aber das mit den Haaren is ja wohl nicht ihr Ernst gewesen?“
Marc war nahe dran, schon wieder der Mund aufzureissen.
Wer zum Teufel war das und warum kam er sich einer kleinen Schülerin wie ihr gegenüber wie der letzte Idiot vor?
„Äh, wer bist du eigentlich?“
Das Mädchen bickte ihn nun wieder spöttisch an.
„Achso, klar, der große Doktor hat natürlich keine Ahnung von sozial Minderwertigeren.“
Schön langsam wurde es Marc nun echt zu blöd.
Er hatte es, nach so einer kurzen Nacht sowieso gleich zweimal nicht nötig, von irgendso`ner frechen, pinkhaarigen Göre erst dumm angemacht und dann auch noch beschimpft zu werden.
Marc gewann langsam seine Fassung wieder und auch seine sonstige Schlagfertigkeit kam wieder zurück.
„Eh werd du erstmal erwachsen dann unterhalten wir uns nochmal.Also, schönes Leben noch.“
Erstaunt blickte das Mädchen Marc an und begann schließlich zu grinsen.
Marc nahm das Paket in die Hand und wollte eben wieder durch die Tür, als ihm auf einmal noch was einfiel.
„Woher kennst du mich überhaupt?“ fragte er scharf und drehte sich kurz nochmal um.
Es lag immer noch nicht das leiseste Zeichen der Eingeschnapptheit oder Unsicherheit auf ihrem Gesicht.
Stattdessen klebte wie vorher das fast hämisch wirkende, spöttisch-charmante Lächeln auf ihren Lippen.
Seltsamerweise erinnerte das Marc fast an sein eigenes.
„Geschichten, Schnucki. Jeder in dem Haus kennt sie.“
Marc verzog angewidert das Gesicht, ob wegen der Geschichten oder dem „Schnucki“, sie konnte es nicht sagen, und ließ kurz seinen Blick über sie gleiten.
Das Mädchen starrte zurück und schließlich trafen sich ihre Augen.
Sie zwinkerte und Marc räusperte sich schnell und wandte sich schließlich wieder um.
„Du kennst mich echt nich oder? Man, ich wohne hier?!“
Marc war schon wieder halb in der Wohnung.
„Schön für dich. Das nächste Mal vielleicht n’ Schlüssel mitnehmen, dann kann man auch wieder rein, in die Wohnung, du weißt schon.“
„Haha, sehr lustig.“
„Ja fand ich auch. Ich würde dir ja eecht gerne beim Warten Gesellschaft leisten, aber da drinnen wartet n’Frühstück auf mich.“
„Idiot. Obwohl, krieg ich was ab?“
Marc dachte, er höre nicht richtig.
„Siicher. N’Brötchen, mit Schinken vielleicht?“
„Nutella.“ Konterte sie trocken.
„Sonst geht’s noch oder?“
„Danke, muss ja.“ Das Mädchen grinste.
Marc konnte nicht umhin, ebenfalls zu grinsen.
Irgendwie begann ihm das Mädchen zu gefallen.
„Sag mal hast du keine Eltern, die du nerven kannst?“
Das Mädchen hörte plötzlich auf zu grinsen.
„Ne, Mam is im Krankenhaus.“
„Und dein Vater?“ Marc hustete, als ihm sein eigener Vater in den Sinn kam.
„Weg.“
„Meiner auch.“ Entkam es Marc.
Oh Gott, dass hab ich nicht eben gesagt?! Neben einer vielleicht 14-Jährigen!
Erstaunt blickte das Nädchen auf.
„Scheidung?“
Marc hob überrascht den Kopf und blickte ihr zum ersten Mal richtig in die Augen.
„Mhm.“
„Scheidung is super.“
Marc glaubte, sich verhört zu haben.
„Bitte?“
Sie zuckte gleichgültig mit den Schultern.
„Wenn sie nur streiten? Was soll das bringen?! Egal, krieg ich jetzt die Nutella?“
Sie blickte ihn herausfordernd an.
Marc begann schließlich zu lächeln. Das Mädchen könnte ihm tatsächlich sympathisch werden.
„Ok.Scheidungskinder müssen schließlich zusammenhalten. Aber auch nur deshalb.“
„Klar.“ Ihre Mundwinkel zuckten als sie grinste.
Marc deutete ihr mit der Hand, reinzugehen und schüttelte kurz den Kopf, während sie durch die Tür spazierte.
Seltsames Mädchen!


„…Naja und dann isser halt weg. Von einem Tag aufn anderen, ich hab keine Ahnung wo er jetzt ist. Is mir aber eigentlich auch egal.“ Sie betonte den Satz zu sehr, als dass er noch glaubwürdig sein könnte.
Marc nickte dennoch verständnisvoll.
Seit einer Viertestunde hockte sie nun bei ihm auf dem teuren Sofa und aß ihm die Nutella weg.
Marc musste grinsen, als er merkte, mit welchem Heißhunger sie die Brötchen in sich hineinschlang.
„Was is mit deinem Alten?“
Marc verschluckte sich an seinem Brot.
„Ich äh….also..“
„Schon klar, Sperrgebiet.“
Fast dankbar blickte er sie an.
Dieses Mädchen schien ihn besser zu kennen, als ein paar seiner engsten ehemaligen Schulfreunde.
Marc räusperte sich und griff nach dem Orangensaft.
„Gerne.“ Beantwortete das Mädchen Marcs fragenden Blick, als er auch ihr noch nachschenkte.
Eine kleine Strähne fiel ihm dabei in die Stirn.
Genervte strich Marc sie nach hinten und fuhr sich schließlich durch die Haare.
Das Mädchen beobachtete ihn schweigend, räusperte sich schließlich und stand auf.
„Lass sie genau so. Sieht viel besser aus als mit dem Gelkram.“
Marc stuzte und hob den Kopf.
Verständnislos sah er sie an.
„Na die Haare.“, meinte sie und deutete mit ihrem Kopf auf seinen.
„Äh, woher weißt du wie die sonst aussehen?“ Marc war ziemlich irritiert.
„Ich wohne hier, schon vergessen. Nur weil dich deine Nachbarn n’Scheiss interessieren, muss dass nicht auch für uns gelten.“
„Uns?“ Marc blickte sie fragen an.
„Kimberly und die anderen halt.“
„Kimberly Schmitz?“
„Ja wohnt hier sonst noch eine oder wie? Du ich muss jetzt runter, mein Baby wartet.“
Marcs Mund klappte nun zur Gänze verwirrt auf.
„Dein Baby??Du bist doch wohl höchstens 15.“
„Beruhig dich man. Mein Auto.“
„Achso. Äh trotzdem? Mit 15?“
„Ja ich fahr ja nicht du Scherzkeks.“
„Ahja.“ Man sah Marc an, dass er an der Wahrheit der Worte zweifelte.
„Kannste mir schon glauben, Herr Doktor. Wie auch immer, ich muss dann auch. Danke für die Nutella.“
Sie wollte schon schnell an ihm vorbei, als Marc sie am Arm packte.
Landsam drehte sie sich um und blickte ihn erwartungsvoll an.
Marc starrte zurück.
„Ja äh, kann ich jetzt gehen?“
Marc räusperte sich fast verlegen.
„Klar. Also äh. Nein.“
„Was wirdn das jetzt?“. Zum ersten Mal breitete sich sowas wie Unsicherheit auf ihrem Gesicht aus.
„Wohnst du jetzt ganz alleine da oben? Seit deine Mutter im Krankenhaus ist?“
„Klar.“ Meinte sie schnell.
Marcs Blick verdüsterte sich.
„Eh ich komm schon klar, okay? Du musst jetzt nicht den großen Doktor raushängen lassen, ich brauch keinen Wohltäter oder so. Außerdem muss ich jetzt mein Auto reparieren, also wenn du mich entschuldigen würdest.“
Sie versuchte sich erneut an Marc vorbeizudrücken, als dieser sie einfach am Arm packte und zurückzog.
„Hast du dich ausgesperrt?“
Das Mädchen blickte ihn auf einmal verängstigt an.
„Nein!“
Die Antwort kam schnell und scharf, als hätte sie sie trainiert.
Marc musterte sie kurz und sie versuchte seinem Blick so gut standzuhalten wie möglich, Marc durchschaute sie aber trotzdem.
„Du hast dich gestern ausgesperrt und dein Handy nicht mit, deshalb wartest du, bis jemand von deinen Freunden kommt. Zu deiner Mutter willst du nicht, weil sie wahrscheinlich zu krank ist, um sich auch noch um dich Sorgen zu machen und du dich außerdem schämst, weil sie dich huntermal ermahnt hat, dass du ja nicht den Schlüssel verlierst.“
Die Pinkhaarige starrte ihn mit offenem Mund an.
„Äh, spionierst du mir nach?“
Marc grinste.
„Logisch denken, schon mal davon gehört?“
„Woher wusstest du, dass ich mich gestern ausgesperrt habe?“Irritiert blickte sie ihn an.
„Äh, ich hab noch nie jemand mit solchem Heißhunger Brötchen Essen sehen.Und ich bin einiges gewöhnt, meine Freundin ist genauso ein Schokotiger wie du.“
„Ah, die blonde Ärztin?“
Marc war nun wieder mit Starren dran.
„Weiß ich von Kimberly. Sie nimmt sich sicher zwei Stunden pro Tag dafür Zeit, eure Beziehung zu analysieren und vergisst dabei nie zu betonen, was für ein Arschloch du bist und wie arm die Blonde doch ist.“
Marc stöhnte laut auf.
Das war wieder so typisch für die Schmitz-Frauen. Der Schmitz-Drachen persönlich und ihre zwei missratenen Töchter waren wirklich die größten Klatschtanten, die man sich vorstellen konnte.
„Hast du dich inzwischen eigentlich schon wieder entschuldigt?“
„Bitte?“ fragte Marc.
„Na wegen heute Nacht. Auf einmal ist die Blonde doch raus.“
Marc starrte sie mit offenem Mund an.
Das Mädchen grinste.
„Du hast echt keine Ahnung, was ich alles weiß.“
„Irgendwas sagt mir, dass ich es auch gar nicht wissen will.“ Nuschelte Marc leise.
Sie grinste nochmal.
„Und, hast du jetzt?“fragte sie.
„Was?...Achso, entschuldigt? Ne! Das soll schon sie machen.“
Das Mädchen blickte Marc lächelnd an.
„Wieso sie?“
„Äh, weil sie mit dem Scheiss angefangen hat!? Ihr Weiber seid doch alle die Gleichen, erst führt ihr euch auf wie die Gans vor Weihnachten und dann wollte ihr, dass wir mit eingezogenem Schwanz angekrochen kommen.Ich mach mich doch nich zum Megaaffen, bin ja nich total bekloppt.“
Über so viel verletzte männliche Eitelkeit konnte die pinkhaarige nur mehr lachen.
Marc wollte sich eben noch mehr über die weibliche Unfähigkeit auslassen, als sie ihm einen Vorschlag machte…

Fünf Minuten später fand Marc sich im Keller wieder.Während Ella ihm die richtigen Werkzeuge gab, erzählte er ihr gleichzeitig von Gretchen und schraubte rostige Schrauben aus dem Auto.
Ella. So hieß seine pinkhaarige, für ihr Alter erstaunlich freche Nachbarin von ihm.
Eigentlich würde Marc soetwas nie tun, aber er fand die Art der 15-Jährigen irgendwie sehr erfrischend und außerdem tat sie ihm leid, was er ihr natürlich nicht sagte.
Und eigentlich tat es auch ganz gut, seine Beziehung zu Gretchen mal mit einem anderen weiblichen Wesen zu besprechen.
„Du musst die Schraube anders rausdrehen. Halt den Bohrer mal gerade mensch.“
Marc schaubte.
„Überlass du mal die Arbeit dem Fachmann hier.“
Ella kicherte.
„Gehört der schicke Ölfleck auf deinem Pulli auch zu deinen Fachkünsten?“
Marc befühlte seinen Pulli und bemerkte zu seinem Entsetzten, dass sie recht hatte.
Der schöne neue Armani-Pulli!
Marc wollte gerade unter dem Auto hervor, um den schmierigen Fleck zu begutachten, als er mit voller Wucht gegen die Stoßstange stieß.
„Verammte Schei…AUA!!!“
Ella presste sich die Hände vor den Mund, um nicht laut loszulachen.
Marc fuhr sich mit der öligen Hand an die schmerzende Stelle und betastete die wachsende Beule.
„Spinnst du, du schmierst dir ja das ganze Öl in die Haare! Das kriegst du nie mehr raus.“
Marc zuckte nur mit den Schultern.
„Wird schon gehen.“
„Äh, nein, weil da Stoffe drin sind, die das Haar verkleben.“
„Und das weißt du deshalb so genau weil du..?“ Marc grinste.
„Ich bin Frisörin du Idiot.“ Rechtfertigte sich Ella lautstark.
Marc blickte sie ungläubig an.
„Mit 13?“
Ein bitterböser Blick und ein nicht zu unterschätzender Faustschlag trafen Marc.
„Eh, sag mal spinnst du? Ich verarsch dich doch bloß.“
Ella fand es andscheinend immer noch nicht lustig.
„15, schon klar. Stimmt das echt mit dem Frisör?“
Sie blickte schon versöhnlicher drein und nickte.
„Ich mach nebenbei ein Praktikum.“
Marc fuhr schon wieder mit der Hand zur Wunde.
„Jetzt hör mal auf damit!“
Marc verdrehte die Augen.
„Motz nicht ständig rum, du..du..“ plötzlich ging ein Grinsen über Marcs Gesicht. „..Mozzarella.“
„Hä?“ Das Mädchen blickte ihn fragend an.
„Du motzt. Ständig. Gibt Motzer-Ella. Mozzarella.“ Marc lachte laut los.
Ella rollte nur mit den Augen, während Marc sich immer noch über seinen Witz amüsierte.

~~~ x ~~~

Inzwischen war Gretchen in Marcs Wohnung angekommen, hatte ihn dort aber nicht vorgefunden.
Nach ihrer kleinen Rauchaktion fuhr sie unverrichteter Dinge wieder zurück und hoffte, Marc bei ihren Eltern anzutreffen.
Blöd nur, dass sie sich jetzt vorher nicht mehr aussprechen konnten.
Gretchen wollte immerhin ihre Eltern nicht sofort merken lassen, dass die beiden sich wieder mal in den Haaren lagen.
Nervös stapfte sie durch die Einfahrt zur Haustür der großen Haase-Villa…
Zu ihrem großen Erstaunen öffneten jedoch weder ihre Mutter noch ihr Vater, sondern ihr Bruder Jochen, der anscheinend schon wieder zurückgekehrt war.
„Sag mal hast du sie eigentlich noch alle? Spinnst du mich so zu erschrecken…? Ich denke, du bist in Kiel!“
Jochen grinste. „ Freut mich auch dich zu sehen, Schwesterherz.“
„Hmmm ja warum bist du eigentlich hier Jochi?“
Jochen setzte einen gespielt entrüsteten Blick auf.
„Das klingt ja beinahe so, als ob du mich loswerden möchtest.“
Gretchen lächelte. „Nö, also im Moment find’ ich dich ganz erträglich eigentlich. Aber jetzt erzähl endlich!“
Jochen stöhnte. „Ja,ja. Also, ich war eben da und dann hatten wir die Fortbildung und mitten unter dem Vortrag über die Zukunft des Krankenpflegepersonal kippt der Redner einfach um.“
Gretchen zog die Brauen hoch. „Ja und? Nur weil der kollabiert ist, wird man doch wohl nicht gleich die ganze Veranstaltung absagen?“
Jochen nickte gewichtig. „Ne, aber wenn der tot is, schon.“
Gretchen starrte Jochen geschockt an.
„Wie, tot?!“
„Ja tot halt. Umgekippt. Weg vom Fenster.Und dann ist das ganze eben abgesagt worden. Ganz praktisch eigentlich, wenn du mich fragst.“
„Jochen!“ Ein entsetzter Blick wurde auf Gretchens Gesicht sichtbar. „Wie kannst du sowas sagen, mensch der is gestorben!! Das ist doch kein Grund zur Feude.“
„Ich freu mich ja auch nicht, weil der tot ist, sondern weil das Seminar viel kürzer ausgefallen ist. Und eigentlich weiß ich überhaupt nicht, warum du dich so aufregst.“, protestierte Jochen.
„ICH rege mich nicht auf!“ meinte Gretchen gereizt und etwas zu laut.
„Klar. Schon wieder Stress mit deinem Oberarzt oder wie?“
„Ach halt doch einfach die Klappe!“ erwiderte Gretchen und rauschte an Jochen vorbei, der ihr kopfschüttelnd nachsah.

~~~ x ~~~

„Du musst die Schraube anders rum reindrehen! Ey NEIN, ANDERSrum!“
Marc rollte mit den Augen.
„Würd ich liebend gern Mozzarella, aber du sitzt auf dem richtigen Schraubenzieher.“
Ella stand von der alten Autodecke auf dem Garagenboden, auf der sie saß, auf und bemerkte tatsächlich, dass der kleinere Schraubenzieher darunterlag.
Sie steckte ihn zu Marc unters Auto und ließ sich dann wieder auf die bequeme Decke fallen.
„Also, wo waren wir? Genau, sie hat alles im Roman veröffentlicht!“
Marc hielt kurz mit dem Schrauben inne.
Das freche 15-jährige Mädchen mit den leuchtend pinken Haaren hatte es tatsächlich geschafft, Marc die ganze Geschichte mir Gretchen zu entlocken.
Er wusste nicht genau wieso, aber die Art, mit der sie ihm zuhörte und ihn nur unterbrach, um ihm zu sagen, wie „scheissblöd“ oder „total beknackt“ er irgendwas gemacht hatte, gefiel ihm.
Wahrscheinlich erinnerte Ella ihn an die holländische Nachbarin seines Vaters, aus der Zeit, wo er für einige Jahre in den Niederlanden gelebt hatte...

Immer, wenn Marc seinen Vater besucht hatte, also ungefähr zweimal im Jahr, war Meredy bei ihnen gewesen.
Marc hatte sie immer „Tante Meredy“ genannt.
Meredy van Croen war eine sehr lustige, sehr holländische Frau.
Sie liebte es, sich bunt und exzentrisch anzuziehen und war schon in vielen Ländern der Welt herumgekommen.
Ihre Mutter war Französin gewesen und hatte Meredy die Liebe zum französischen Wein und zur französischen Sprache mitgegeben. Außerdem war sie sehr geradeheraus, unkompliziert und schlagfertig, die Frau sagte immer, was sie dachte.
Marc vergötterte Meredy , seiner Mutter war sie allerdings ein Dorn im Auge, wahrscheinlich auch, weil sie glaubte, Meredy und Jan hätten eine Affäre gehabt.
Marc wusste eigentlich gar nicht, ob zwischen seinem Vater und ihr einmal etwas gewesen war, Meredy hatte Jan zwar stets sehr freundlich behandelt und ihn zur Begrüßung geküsst, aber das hatte sie bei jedem getan...


Marc war so in seine Gedanken versunken, dass er gar nicht merkte, dass sein Arm herabgesunken war und er nicht mehr arbeitete.
Die Erinnerungen an seine Kindheit hatten ihn so plötzlich eingeholt, dass er nicht genau wusste, wie er damit umegehen sollte.
Es war ewig her, dass er an Tante Meredy gedacht hatte, wirklich ewig.
Das letzte Mal, wo er sie gesehen hatte, war immerhin auch kurz vor seiner Konfirmation gewesen.
Er konnte es noch genau vor sich sehen…

Während sein Vater sich mit ihr unterhalten hatte, hatte Marc im Wohnzimmer Meredys prallgefüllte Regale betrachtet, die rießigen Fächer an der Wand und die unzähligen Steine, Muscheln und Ketten, die überall in dem Wohnzimmer verteilt waren.
Irgendwann war sein Vater hereingekommen und hatte ihm mitgeteilt, dass sie nun bald zum Flughafen müssten, wo Elke schon auf Marc warten würde.
Marc war sehr traurig gewesen, nicht nur, weil er seinen Vater lange nicht mehr sehen würde, sondern vor allem, weil es wahrscheinlich das letzte Treffen bei Tante Meredy war. Im Sommer würde Jan wieder nach Deutschland ziehen und so gab es für Marc keinen Grund mehr, seinen Vater in Holland zu besuchen.
Meredy schien auch traurig zu sein, sie schenkte Marc viele bunte Steine und eine goldene Kette mit einem winzigen Anhänger, einen kleinen Tropfen aus Rubin, zum Abschied. Er solle sie jemanden schenken, den er gern hatte...


Mozzarellas genervte Stimme drang von der Decke zu ihm unters Auto.
„Äh Marc? Schlafen is nich?!“
Marc ignorierte sie.

Eigentlich hatte er sie seiner Mutter geben wollen, aber die hatte das Schmuckstück nicht genommen, weil es ihrer Ansicht nach hässlich und unecht war.
Marc war tief gekränkt, weil seine Mutter Meredys Geschenk schlecht gemacht hatte und hatte die Kette zuhause schließlich irgendwo versteckt.
Ob er die wohl noch hatte? Egal, was sollte er auch mit einer alten, goldenen
Ket---


Auf einmal fiel es Marc wie Schuppen von den Augen.
Er hatte endlich jemand, dem er die Kette schenken konnte UND wollte!
Angestachelt von der plötzlichen Idee, das goldene Schmuckstück Gretchen zu geben, als Zeichen dafür, dass er sie nicht von seiner Vergangenheit ausschließen wollte, rollte er schnell unter dem Auto hervor.
Er wollte gerad aufstehen, als er in die grinsenden Augen von Ella blickte.
Achja, Mozzarella! Die war ja auch noch da!
„Wasn dir über die Leber gelaufen?“
Marc blickte sie kurz an, sprang dann aber auch schon auf und ging Richtung Garagentür.
„Äh, Marc? Was is?!“ Ella blickte ihm fragend hinterher.
„Mitkommen und Klappe halten, Mozzarella.“
Damit war er auch schon zur Tür raus.
Ella schüttelte den Kopf und sprang auf.


„Schau nochmal in der kleinen! Aber heute noch wenns geht!“
„Reg dich ab, okay!“ Ella schnaubte laut und ging zu dem kleinen Wandschrank mit der kleinen Schublade.
Sie konnte sich nun in etwa vorstellen, wie es war, unter Dr. Meier zu arbeiten.
Er kommandierte sie nun seit mehr als 10 Minuten durch seine Wohnung und trug ihr auf, irgend eine unwichtige goldene Kette zu suchen!
Außerdem nannte er sie ständig Mozzarella, was ihr schön langsam gehörig aufn Sack ging.
„Jetzt krieg dich mal wieder ein!“ motze Ella laut, als Marc ihr schon wieder irgendwas aus der Küche zuschrie.
„Eh ich geb mich schon den ganzen Vormittag mit dir ab und dein Scheiss-Öl hat meinen Pulli versaut, also an deiner Stelle tät’ ich mal ganz schnell die Klappe halten.“
Ella grinste. Ein kleines Duell.
„Wenn man sogar zum Ölwechseln zu blöd ist, kann ich wohl auch nicht mehr helfen!“
„Weißt du, was ich mich eignetlich die ganze Zeit schon frage?“ meinte Marc, als er den Kopf zur Tür reinstreckte.
„Nö, und ich wills auch gar nicht wissen.“ Antwortete Ella schnell.
Marc ignorierte sie einfach.
„Wieso du eigentlich noch hier bist. Also in der Haut deiner Mutter möcht’ ich echt nicht stecken.“
Ella streckte ihm die Zunge raus und wurde dann ganz still.
Marc war zum Glück durch Gretchens menschlichen Einfluss soweit, dass er für fünf Sekunden seine Klappe hielt und das Thema nicht noch weiter ausreizte.
„Sprich ruhig weiter.“, sagte sie schließlich mit selbstbewusster Stimme, aber Marc konnte das Zittern im Unterton nur zu gut vernehmen.
Ella wühlte wild in einer kleinen Schublade rum, um ihren nervösen Händen eine Beschäftigung zu geben.
„Wenn du mir sagst, wo sie liegt, könnte ich eventuell...also weil ich ja so nett bin..eventuell..vorbeischauen..so zufällig?!“ Marc grinste das Mädchen mit seinem Marcgrinsen an.
„Grins nich so dämlich.Sieht scheisse aus.“
„Äh..“
Marc klappe den Mund auf, und weil ihm nichts einfiel, klappte er ihn wieder zu.
Zu seiner Verteidigung muss allerdings gesagt werden, dass er sowas wirklich noch nie hören musste! :D
„Gedisst.“ Ella grinste.
Marc verdrehte die Augen. „Klappe, Mozzarella.“
Ella zog einen knallroten Stein aus der Schublade, ein altes Taschentuch, etwas langes goldenes und einen grünen Marm-

Etwas langes goldenes?!
„Warte!“
Marc stürzte auf Ella zu, die ihn fragend ansah.
„Gib mir das Goldene.Mach schon.“ Marc hielt ihr ungeduldig die Hand hin.
„Jaja Herr Doktor.“ Ella rollte mit den Augen und Marcs leuteten, als er Meredys Kette erkannte.
„Das ist sie.“
Auf seinem Gesicht war der Blick eines Kindes am Weihnachtsmorgen.
„HÄ?“ meldete sich Ella überlaut zu Wort.
„NA die Kette. Für Gretchen.“
„Für die Blonde? Wie süüüß.“
Marc verdrehe die Augen und ging Richtung Tür.
„Komm mit.“ kommandierte er, die Kette in seiner Hand fest umschlossen...

~~~ x ~~~

Regen klatschte gegen die Fenster der Haasevilla.
Lustlos kaute Gretchen an ihrem Braten, während sie dem Regen dabei zusah, wie er Bärbels fleckenlose Fenster versaute.
Gretchen seufzte leise, als sie den nassen, tropfenden Garten und die tristen Bäume sah.
„Ach Margarete, jetzt iss doch endlich mal auf. Wir können ja nicht ewig auf dich warten. Die Nachspeise muss aus dem Rohr! Dr. Meier wird schon noch kommen!“
Wenn die nur wüsste!

Gretchen hatte ihren Eltern nichts vom Streit mit Marc erzählt, sie dachten immer noch, er wäre bei irgendeinem dämlichen Vortrag und würde bald kommen.
Sie hatte allerdings wirklich, wirklich gehofft, dass Marc zum Essen auftauchen würde.
Aber anscheinend hatte sie es diesmal aber echt versaut.
Irgendwie schienen die beiden wohl doch zu unterschiedlich zu sein und funktionierten wohl doch besser getrennt...obwohl?
Bei dem Gedanken, dass sie diesmal zu weit gegangen war und Marc echt sauer war wurde ihr nur noch übler, als ihr ohnehin schon war.
Und dann hatte sie auch noch sein Auto!
O weia, Marc würde sie echt umbringen!
Seufzend wandte sie sich wieder ihrem Essen zu und versuchte so gut es ging, ihre Schuld- und Reuegefühle mit runterzuschlucken, was ihr mehr schlecht als recht gelang.

~~~ x ~~~

In dicken Tropfen klatschte der Regen gegen den teuren schwarzen Herrenschirm.
Ella zog den Kopf ein und seufzte.
„Wie lang müssen wir den noch? Mir tun die Füüüüüße weh und hungrig bin ich auch.“
Marc antwortete nur mit einem müdem „Klappe, Mozzarella.“ und versuchte gar nicht erst, ihr zu verheimlichen, wie gerne er selber endlich da wäre.
Ohne Auto war der Weg zu Haases vom ihm aus wirklich lange!
Aber Gretchen musste ja auch das verdammte Auto nehmen!
Fast wollte Wut in ihm aufkeimen, als er sich plötzlich erinnerte, warum sie eigentlich zu Gretchen gingen – nämlich keinesfalls, um seinem Ärger Luft zu machen.
Die Kette hatte er vorhin gut versteckt, bis zu Weihnachten würde sie sicher in ihrem Versteck liegen bleiben.
Ella war währenddessen hauptsächlich damit beschäftigt, Gretchens Kleiderschrank in einen neuen Super-GAU zu verwandeln.
Eigentlich wollte er sie nicht mitnehmen, aber er konnte sie ja auch schlecht in der Wohnung lassen, die kleine Ratte hätte sie wohl zu Kleinholz verarbeitet, wenn sie wieder heimkommen würden.
Marc musste bei dem Gedanken grinsen.
Auch obwohl sie ihn nur einen Tag lang kannte, schien sie ihn besser zu verstehen, als die meisten Menschen.
Er mochte sie.
Von einem seltsamen Wohlgefühl durchströmt sah er sie an.
Ella blinzelte gelangweilt und strich sich eine pinke Strähne aus dem Gesicht.
„Ham wa n’ Engel gesehn oda warum kuckste so blöd?“
Marc grinste.
„Teufel triffts eher.“ Murmelte er leise und ging schnell weiter, um sie nicht merken zu lassen, was in ihm vorging.
„Jetz renn doch nich so mensch.“ Ella keuchte hinter Marc her und zerrte an seinem Arm, um unter den Schirm zu gelangen.
„Okay, wir sind gleich da. Was machst du dann?“
Ella verzog das Gesicht und kniff die Lippen zusammen.
„Na, Mozarella?“ Marc konnte sich das Grinsen nicht verkneifen.
„Ich grüße freundlich und verhalte mich für den Rest des Nachmittags still und freundlich, so als wäre ich ein wohlerzogenes Mädchen. Außerem betone ich, dass ich nur mitgekommen bin, weil du absolut keine andere Idee hattest, wo du mich sonst lässt. Als wär ich deine Sklavin, ey sorry aber...“
„Du kannst gerne heimgehen, is mir eh lieber.Ich würd ja nicht vor verschlossener Tür warten wollen...Aber is deine Entscheidung.“ Marc grinste.
„Ich hasse dich. Echt. Von tiefstem Herzen.“ Ella grinste und senkte den Kopf.
„Das letzte kannst du weg lassen.“ Meinte Marc plötzlich.
„Hä?“
„Das mit „ich musste sie leider mitnehmen“. Sag einfach, ich hab dich miteingeladen.“
Ella hob langsam den Kopf und blickte in Marcs Augen.
Sie brauchte seine Worte nicht, um zu verstehen, was er ihr mit der Geste sagen wollte.
Ella grinste und freute sich.
Normalerweise wurde sie von anderen Menschen skeptisch angesehen und gleich in eine Schublade gepresst. Pinke Haare und alles...
Von Marc hatte sie eigentlich nichts anderes erwartet, aber so unfreundlich, eingebildet und sarkastisch er auch war, für einen besseren oder wertvolleren Menschen als andere hielt er sich nicht. Vielleicht als schöneren, oder klügeren... oder...ach, war ja auch egal.
Dr. Meier war auf jeden Fall nicht so ein Arsch, wie Kimberly Schmitz immer erzählt hatte!

Ellas Laune sank mit einem Schlag, als sie die dicke, steinerne Pforte sahen, vor der sie auf einmal standen.
Sie besuchte nicht gern reiche Leute.
Mit ihrem aufmüpfigen Wesen und ihren pinken Haaren passte sie einfach nicht in ihre Welt.
Marc zog sie mehr die Einfahrt rauf, als das sie selber ging.
„Man Ella, reg dich ab. Ich bin da drin genauso unwillkommen wie du.“
Ella blickte ihn fragend an.
„Ihr Alter kann dich wohl nicht leiden, was?“
Marc verzog das Gesicht.
„Ihr Alter, der nebenbei mein Chef ist.“
„Oh.“ Ella grinste. „Das kann ja lustig werden.“
„Klappe.“ Marc zögerte kurz, als er plötzlich den Druck von Ellas Hand gegen seine spürte.
„Sie liebt dich, du Idiot. Also geh jetzt da rein und sag ihr, dass du sie auch liebst.“
Marc lächelte dankbar. Diese Göre war echt unglaublich.
Entschlossen drückte er schließlich die Klingel.

~~~ x ~~~

Gretchen fuhr zurück, als auf einmal die Glocke schellte.
Die Glocke mit ihrem schrecklichen, mittelalterlichen Klang, den Gretchen und Jochen so sehr hassten.
Ihre Eltern hatten ihn sich unbedingt eingebildet, irgendetwas mit „geschmackvolle Klingel“ oder so ein Unsinn hatte sie dazu getrieben.
Aber heute kam ihr das Geräusch der Klingel auf einmal gar nicht so schlecht vor.
Immerhin bedeutete sie ihr, dass Marc doch noch gekommen war.
Hallelujah!
Obwohl, vielleicht war es nur irgendein Nachbar oder ein Freund von Jochen?
Gretchen schluckte und sprang auf, ehe ihr Vater oder ihre Mutter zur Tür gehen konnten.
„Ich geh schon.“, murmelte sie und ging schnell Richtung Haustür.
Franz, Bärbel und Jochen nickten sich wissend zu und Bärbel stand schließlich lächelnd auf, um ein fünftes Gedeck aus dem Geschirrschrank zu holen...

Sorry
Is all that you can't say
Years gone by and still
Words don't come easily
Like sorry
Like sorry

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

31.12.2009 21:20
#20 Mozzarella mit Butterböhnchen Zitat · Antworten

~ + ~

Gretchen öffnete langsam die Tür.
Ein Leuchten ging über ihr Gesicht, als sie tatsächlich Marc vor sich sah. Verunsichert sah sie zu Boden und öffnete die Tür so weit, dass er eintreten konnte.
Auf einmal merkte sie, dass sich hinter Marc noch eine andere Person durch die Tür drängte.
Gretchen wusste noch immer nicht genau, wohin sie blicken sollte und schaute überrascht auf, als Marc ein fragendes "Gretchen?" an sie richtete.
Sie blickte ihn kurz an und ein leises "Hi" kam über ihre Lippen.
Schnell wandte sich ihr Blick wieder ab und ruhte kurz mit verwundertem Ausdruck auf dem pinkhaarigen Mädchen neben Marc.
"Meine..äh..", begann Marc.
"Nächtliche Unterhaltung?!" platzte Ella ihm ins Wort und prustete los.
"COUSINE.", beeilte sich Marc festzustellen, mit nachdrücklichem Blick Richtung Mozzarella.
Gretchen wollte gerade genauer nachhaken, als auf einmal Bärbel im Flur erschien.
"Dr. Meier, ich kann ihnen gar nicht sagen, wie ich mich freue, sie zu sehen." Bärbel strahlte über das ganze Gesicht.
Marc versuchte sowas ähnliches wie einen freundlichen Blick und wollte ihr eben die Hand hinstrecken, als Bärbel ihn auch schon in eine für Marcs Geschmack unglaublich überflüssige Umarmung zog und ihn drückte, als gäbs keinen Morgen mehr.
Marc warf Gretchen hilfesuchende Blicke zu, während Ella sich fast in die Hosen pinkelte vor Lachen.
"In Zukunft erwarten wir sie jeden Sonntag hier, Dr. Meier. Jetzt da sie und Gretchen, ich meine...wir freuen uns ja so sehr, nicht wahr Gretchen?"
Gretchen beschloss, dass es eventuell Zeit war, Marc zu retten, bevor er noch auf die Idee kam, sich selber zu retten und so schnell wie möglich vor ihrer unmöglichen Mutter zu fliehen.
Bärbel nahm endlich ihre Hände von Marc und konnte nicht umhin, noch schnell ein Fussel von seiner Brust zu entfernen.
"Hmmm, also ich muss schon sagen Herr Meier, das Parfum, dass sie benützen...sehr frisch. Sowas könnte Franz auch mal vertragen. Welche Marke ist das, wenn ich fragen darf?"
Marc und Gretchens Blicke trafen sich, und während Gretchen knallrot war und sich sehr offensichtlich für ihre Mutter schämte, verzog sich Marcs Gesicht zu einem verwunderten Grinsen während er Gretchen zuzwinkerte und Bärbel die Marke nannte. Die strahlte übers ganze Gesicht und zögerte nicht, diese sofort aufzuschreiben, während sie irgendwas von "idealem Weihnachtsgeschenk" murmelte.
Gretchen war inzwischen rot wie eine Tomate und starrte abwechselnd ihre Hände, den Fußboden und Marcs grinsendes Gesicht an.
Ahhh, diese Frau würde sie noch mal ins Grab bringen!
Zuerst vertrieb sie ihn fast mit ihren unglaublichen Möchtegern-Schwiegermonster-Begrapsche und jetzt blies sie ihm auch noch Zucker der bekömmlichsten Sorte in den Arsch, bis er strahlte wie sonst was.
Marc war schon eitel genug, er brauchte wirklich nicht auch noch die Schleimtour ihrer Mutter, obwohl die es offensichtlich ernstgemeint hatte, so wie sie ihn gerade ansah.
Gretchen wurde das ganze nun endgültig zu bunt, und sie schlug ihrer Mutter vor, doch mal nach der Bratensoße zu sehen.
Marc und Ella grinsten über Gretchens offensichtliche Eifersuchtsattacke, doch letzterer verging das Grinsen auch gleich wieder, als Marc meinte, seine "Cousine" könne doch schon mal mit Frau Haase hineingehen.
Bärbel musterte Ella etwas verwundert, aber da es immerhin die Cousine ihres verehrten (und in ihren Gedanken schon längst Schwiegersohnes) Dr. Meier war, hatte sie keine weiteren Einwände.
"Aber natürlich Dr. Meier. Bleiben sie nur ruhig hier und fühlen sie sich wie zu Hause. Margarethe, möchtest du Dr. Meier nicht mal den Mantel abnehmen?"
Bärbel gab Gretchen einen Schubs Richtung Marc und zog die unglückliche Ella hinter sich ins Wohnzimmer.

~ + ~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

31.12.2009 21:32
#21 L O V E Zitat · Antworten

Liebe, liebe Doctor's Diary-Fans, ein Wunder ist geschehen! Ich habs tatsächlich noch geschafft, gaaaanz knapp allerdings, in diesem Jahr noch zu posten. Die neuen Kapitel dümpelten eigentlich schon lange auf meinem Arbeitscomputer rum, aber ich bin nie dazugekommen, die irgendwie zu betan oda zu überarbeiten. Kurz, es tut mir wahnsinnig Leid, dass alle die diese Story mögen und lesen so lange warten mussten, die beiden Updates sind auch noch nicht korrigiert und rübergelesen, bitte achtet nicht auf kleine Fehler etc..
Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich euch eine kleine Freude bereiten konnte, Kommis wären sehr nett!Ich wünsch euch allen alles Liebe und Gute fürs neue Jahr, indem ich hoffentlich wieder öfter Zeit habe!! Gruß + Kuss

~ + ~

Gretchen stand für eine Weile verunsichert vor Marc und inspizierte mit größtem Interesse den Fußboden, bis sie Marcs Stimme hörte.
"Möchten Sie mir nicht den Mantel abnehmen, Fräulein Haase?"
Gretchen verdrehte die Augen, Marc erreichte aber dennoch, dass Gretchen endlich aufblickte.
Zu seiner Verwunderung nahm sie ihm wirklich den Mantel ab, was ihn doch ein wenig überraschte. Eigentlich würde Gretchen nur mit den Schultern zucken oder irgend eine freche Antwort zurückgeben.
Ein Lächeln schlich sich über Marcs Gesicht, als er Gretchens vorsichtige Berührungen spürte, wie sie ihm den Mantel abnahm.
Sie war wirklich verunsichert. Eigentlich hatte er nicht erwartet, dass Gretchen so reagieren würde.
Anscheinend hatte sie aber irgendwie das Gefühl, dass zwischen ihnen nicht mehr alles so war wie vorher.
Auf der einen Seite hatte Marc natürlich nichts dagegen einzuwenden, dass Gretchen sich sehr offensichtlich für ihre Taten schämte, aber dass sie auf einmal so scheu und verunsichert war kam ihm doch ein wenig komisch vor.
Für ihn hatte sich zwischen den beiden natürlich nichts verändert, er liebte sie nach wie vor. Sehr sogar, schoss es ihm durch den Kopf, als er sie betrachtete, wie sie vorsichtig seinen Mantel aufhängte und darauf achtete, ja nichts zu verknittern.
Ein warmes Gefühl durchzuckte seinen Körper und trieb ein Lächeln auf sein Gesicht.
"Gretchen?"
Sie zuckte zusammen und drehte sich um, während er in ihren Augen ein ängstliches Flattern sah.
Marc wurde das ganze nun doch ein wenig zu unheimlich, Gretchen benahm sich ja geradezu so, als ob er sie gleich anspringen würde, und zwar im negativen Sinn. ( :D)
Immerhin hatten sie sich nur gestritten, nicht getrennt oder versucht, sich umzubringen.
Bei Gretchen hatte das anscheinend ein akutes Angstsyndrom ausgelöst, während der Streit bei ihm im Nachhinein betrachtet irgendwie das genaue Gegenteil bewirkt hatte.
Gretchen blickte ihn immer noch zögernd an, während sich auf Marcs Gesicht langsam ein Lächeln ausbreitete.
"Lebt mein Auto noch?"
Marc schaute Gretchen grinsend an, als er sah, dass seine Frage die erwünschte Wirkung hervorgerufen hatte und sich ein zaghaftes Lächeln auf Gretchens Gesicht ausbreitete.
"Marc, es tut mir alles so Leid.“
Marcs Gesichtsausdruck verdüsterte sich.
„Du hast es jetzt nicht ernsthaft geschafft, das Auto zu Schrott zu fahren?“
Gretchens Kopf fuhr erschrocken hoch.
„Nein, natürlich nicht. Ich meine, wegen dem was ich gesagt hab. Mit tut alles schrecklich Leid. Dass ich dein Auto genommen hab und angesau.. also äh genommen hab und dass ich abgehauen bin und ganz nebenbei könntest du auch mal da sein wenn ich bei dir vorbeikomme und mir nicht so einen Schrecken einjagen..
„Gretchen, ich will...“
„...auf jeden Fall verstehe ich, wenn du mich jetzt für eine Weile..ich meine, ich kann ruhig für eine Weile ausziehen..."
Gretchen hatte immer noch leise gesprochen.
„Was willst du?“ fragte sie kaum hörbar, ohne dabei aufzublicken.
Gretchens Herz krampfte sich zusammen. Jetzt kam es, er würde ihr sagen, dass das wahrscheinlich die beste Idee wäre. Oder er würde überhaupt mit ihr Schluss machen...
Während Gretchen innerlich mit sich kämpfte, beschloss Marc, dass nun Taten sprechen mussten. Länger konnte er Gretchen auf jeden Fall nicht dabei zusehen, wie sie vor lauter Mist reden und denken vergaß, dass sie sich nicht irgendwie getrennt hatten oder sowas. So weit würds ja grade noch kommen!
„Nichts.“
Gretchen blickte ihn fragend an.
„NA Ausziehen.Ich will natürlich nicht, dass du ausziehst. Übrigens ist das irgendwie immer noch meine Wohnung, also wenn da wer auszieht, hab ich immerhin noch ein Wörtchen mitzureden.“
Ungeduldig lehnte Marc sich schließlich vorwärts, um endlich ihre Lippen zu berühren. Er legte seine Hand auf ihren Oberarm und versuchte nicht zu lachen, als sie zurückschreckte.
Sie schien es immer noch nicht kapiert zu haben.
„Marc..“
„Gretchen.“
„Du kannst nicht…du kannst nicht einfach..ich meine, ich dachte…du kannst mich nicht einfach küssen und dann so tun als ob…glaub ja nicht, dass du mich nur anzulächeln brauchst und schon…ich werd‘ mich nicht ablenken lassen, du..du..mit deinen dämlichen Grinsen und deinen dämlichen Augen und diesen…diesen dämlichen Lippen…ich weiß genau was los ist, du brauchst mir gar nichts vormachen…und…und überhaupt hast du mich nicht…ich meine, was denkst du dir eigentlich, einfach nicht da zu sein, weißt du eigentlich wie wütend ich war?“
„Hmm..“ er nickte und lehnte sich wieder vor, um sie zu küssen, ein wenig zielstrebiger diesmal.
„Ma..“
„Schhh..“ flüsterte er leise, während seine Zunge langsam in ihren Mund glitt und seine Arme sich um ihre Hüften schlangen.
Zu seiner Verwunderung – nicht, dass es ihn gestört hätte- ließ sich Gretchen alles gefallen und von den entfachten Gefühlen wegtreiben.
Marc drückte sie fester an sich, während sich ihr Körper bereitwillig gegen seinen schmiegte.
„Marc…wir können nicht,“ murmelte sie leise gegen seine Lippen.
„Wir können.“ Entgegnete er leise und versuchte, sie wieder zu küssen.
„Nein, du…wir können nicht..“
„Hmmm, ich denke wir können,“ flüsterte er leise und begann ihren Hals zu küssen, als sie sich wegdrehte.
Marc lächelte. Er konnte das nun endlich wieder tun, er konnte sie küssen und riechen und genießen und musste sich kein bisschen schuldig dabei fühlen. Sie musste nur noch irgendwie klarkriegen, dass er den dummen Streit längst vergessen hatte, weil er nun endlich wieder alles hatte, was er wollte. Gretchen.
„Marc…getrennte Paare…“
„Hä?“ Es mochte wenig geistreich klingen, aber Marc hatte echt keine Ahnung, was sie nun schon wieder hatte.
„Wir sind getrennt. Auseinander.“ Gretchen sagte es als wäre es eine Krankheit.
„Sind wir nicht.“
„Natürlich sind wir…sind wir nicht???“ Gretchen riss sich jäh aus seinen Armen und ging ein Paar Schritte zurück.
„Klar sind wir das. Hast du doch selber..“
„Gar nichts hab ich.“
„Aber du…du…hast du nicht?“ Murmelte sie und starrte ihn mit weitaufgerissenen Augen an.
„Du…du hast nicht, ich meine, ich dachte, du warst nicht da und du..du“
Marc beschloss, dem ganzen endlich ein Ende zu setzen. Anscheinend war seine Freundin irgendwie unglücklich auf den Kopf gefallen oder hatte einen kurzzeitigen Hirntod erlitten, da sie irgendwie wirklich zu glauben schien, er hatte mit ihr Schluss gemacht.
„Steh ich hier vor dir in deinem Haus?“
„Äh…ja?“ antwortete Gretchen versuchsweise, so als ob sie nicht genau wüsste, was er damit eigentlich sagen wollte.
„Na eben. Hätte ich mir dir Schluss gemacht, würde ich dann wie ein Vollidiot bei dir im Flur stehen?“
Gretchen starrte ihn mit offnenem Mund an.
Schön langsam schien sie zu begreifen, worauf er hinauswollte.
„Wir sind also nicht getrennt?“
Marc sah Gretchen ungläubig an. Das durfte jetzt ja wohl nicht wahr sein.
„Wer bist du und was hast du mit meiner Freundin gemacht?“
„Du meinst es echt Ernst oder?“
„Boa ey Gretchen, also schön langsam..“
„Oh.“
„Ich liebe dich.“
„Was?“
„Ja, leider.“
„Oh…oh.. flüsterte sie leise und überhörte seine letzte Bemerkung völlig.
Auf einmal löste sich etwas in ihr.Schnell ging sie auf ihn zu und warf ihre Arme und seinen Hals, während sie ihre Lippen auf seine drückte und sich an ihn klammerte wie eine Ertrinkende.
Marc brauchte nicht mal Sekunden, um auf ihren plötzlichen Anflug von Leidenschaft zu reagieren und küsste sie mir mehr Gefühl als er wohl je jemanden geküsste hatte.
„Marc..“
„Hmm?“ murmelte er widerwillig und zog sie wieder an seine Lippen.
„Du liebst mich wirklich oder?“
Marc nahm sich nicht mal die Zeit darauf zu antworten, zu sehr war er damit beschäftigt, es ihr via Körpersprache zu vermitteln.
Gretchen war diesmal zum Glück weniger schwer von Begriff und lächelte gegen seine Lippen.
„Es tut mir so leid was passiert ist. Ich war so dumm und ich…es tut mir Leid. Seit wir gestritten haben war ich einfach…ich meine, weißt du eigentlich was ich mir gedacht habe, als du nicht mehr in der Wohnung warst? Ich dachte echt, das wärs jetzt.“
„Sorry.“ Murmelte Marc nur kurz und widmete sich gleich darauf wieder ihren Lippen.
„Das mit uns…das ist echt.“ Flüsterte Gretchen leise in sein Ohr und ein Wärmeschauer zog sich über Marcs Rücken.
Er deutete das jetzt mal als gutes Zeichen. Immerhin war er derjenige gewesen, der vor „echt“ so sehr Angst gehabt hatte.
Vor allem seit seiner Beziehung zu Nina. Marc teilte seine Bekanntschaften nämlich grundsätzlich in zwei Kategorien ein, „echt“ und „Sex“.
Bis auf Nina fielen alle, an die er sich erinnern konnte, unter „Sex“.
Und nachdem Unternehmen „ Nina“ so grundsätzlich in die Hose gegangen war, gabs für ihn eigentlich nur noch „Sex“.
Und jetzt mit Gretchen trat auf einmal wieder die andere Kategorie in sein Leben.

„Ich liebe dich.“ Murmelte Marc nochmal leise, von einer plötzlichen Gefühlswallung gepackt.
„Ich liebe dich.“ Flüsterte Gretchen leise in sein Ohr, ihre Augen immer noch ein wenig geweitet, als würde sie nicht glauben, dass die Worte wirklich aus ihrem Mund kamen.
„Das ist gut…denk ich.“
Gretchen grinste.
„Hmm.“
„Marc?“
„Ja.“
„Was bedeutet das?“
„Ich glaube…äh.. ich hab keine Ahnung,“ er lachte und küsste sie wieder.
„Das ist zwar nicht die Antwort, die du hören willst, aber ich hab echt keine Ahnung. Ich meine, ich liebe dich, und ich will Zeit mit dir verbringen, so viel wie möglich. Ich will einfach mit dir zusammen sein. Es gibt echt nichts, was ich im Moment lieber tun würde – naja, okay -
Marc wurde durch einen kläglichen Boxversuch von Gretchen unterbrochen und grinste.
„..fast nichts, was ich im Moment lieber tun würde, aber ich hab keine Ahnung was das jetzt bedeutet. Für uns..ich meine..“
Marc verstummte. Eigentlich wusste er schon ziemlich genau, was das bedeutete, nämlich dass er irgendwie tatsächlich nicht nur „echt“ haben wollte, sondern sogar „für immer“.
Aber das konnte und wollte er Gretchen jetzt nicht sagen, immerhin musste er sich selbst erst mit diesem Gedanken anfreunden.
„ Das letzte Mal hat’s nicht funktioniert.“ Meinte Gretchen leise.
Marc schluckte. Es war immerhin ihr gutes Recht, dass sie Zweifel hatte.
„Gretchen…ich weiß, wir streiten ständig und können selten über irgendwas reden, ohne dass der andere zu schreien beginnt. Aber das sind wir! So funktionieren wir zusammen, als wieso sollten wir das als Problem sehen?“
„ Wenn ich um halb 2 in der Nacht aus deiner Wohung rausrenne, nur weil wir uns wegen irgendwas unwichtigem gestritten haben? Nennst du das kein Problem?“
„Das war meine Mutter bitte.So unwichtig auch wieder nicht.“
„Na und? Ich bin trotzdem aus der Wohnung gerannt, und dachte immerhin fast drei Tage lang es sei aus zwischen uns. Das nennst du problemlos?“
Marc seufzte.
„Siehst du, wir tun es schon wieder.“
Gretchen seufzte auch.
Beide waren für einen Moment ziemlich still, als Marc schließlich mit seinem Zeigefinger ihr Kinn hob und sie damit zwang, ihn anzusehen.
„Das vor zwei Tagen, das war schlimm. Nein, weißt du was, es war traurig! Weil es einfach so sinnlos und vermeidbar gewesen wäre, wenn wir uns wie Erwachsene benommen hätten.“
„Das war’s wirklich. Aber es ist ja jetzt vorbei, oder?“
„Ich weiß.“ Murmelte Marc.
„Weißt du…weißt du was ich denke?“
Gretchen blickte fast schüchtern zu ihm auf.
„Ich glaube…wir müssen das einfach so nehmen wie’s kommt. Du willst das mit uns durchziehen, oder? Du liebst mich?“
„Natürlich will ich das durchziehen.“
„Du haust nicht ständig ab und ich werde mit dir über Dinge reden. Gerade so wie jedes andere Paar.“
„Logisch, ist ja von mir.“
Gretchen unternahm Boxversuch Nummer Zwei, und zu Marcs Bedauern zielte sie diesmal um Längen besser, was er ihr allerdings unter keinen Umständen sagen wollte.
Er biss die Zähne zusammen und lächelte sie an.
„Also…“
Marc räusperte sich.
„So, nachdem wir den Teil jetzt endlich hinter uns haben, können wir dann auch mal essen gehen? Meine Köchin und Hausfrau ist mir die letzten zwei Tage immerhin abhanden gekommen, ich könnte ein halbes Schwein vernichten.“
Gretchen grinste. Marc war wieder der alte Marc.
Sie lehnte sich kurz nach vorne und küsste seine Nasenspitze.
„Weißt du was, ich liebe euch beide.“
„Hä?“
Gretchen hätte am liebsten eine Nahaufnahme von Marcs Blick gemacht, aber nur mit ihren Augen alleine war leider nichts zu machen.
Dafür grinste sie Marc nur an und zog ihn langsam Richtung Esszimmer.
„Na Machomarc und Softiemarc.“
„Softiemarc?“
Gretchen lachte laut.
„Ich kann dich auch McMarc nennen, wenn du willst.“
„McMarc???“ Marc machte ein immer dämlicheres Gesicht.
„Wie McDreamy, nur eben mit Marc.“
„Aaahja.“
Gretchen grinste. „Lass uns essen gehen. Deine HAUSFRAU kann ja nicht zusehen, wie du verhungerst.“
„Das will ich hoffen.“ Meinte Marc und ließ sich bereitwillig von Gretchen ins Esszimmer ziehen.
Er hätte es anderen gegenüber wohl nie zugegeben, aber „echt“ fühlte sich wirklich verdammt gut an.



~ + ~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

03.01.2010 23:41
#22 Geschwisterliebe Zitat · Antworten

~ x ~

Lautes Gelächter drang aus dem Zimmer nebenan.
Gretchen saß am Küchentisch und drehte eine blonde Strähne ständig wieder um ihren Finger, sodass sie sich noch mehr lockte, als sie es ohnehin schon tat.
Zeitweise trommelte sie dazu noch mit den Finger der linken Hand auf der Tischplatte.
Schön langsam begann ihre Hand zu schmerzen.
Mit einem lauten, unzufriedenen Seufzer ließ sie ihren Kopf langsam auf den Tisch sinken und verharrte einige Momente in dieser Stellung.
Seit einem ganzen Nachmittag ging das nun schon so!
Gretchen hörte sich schon wieder seufzen. Es war aber auch wirklich zum aus der Haut fahren!
Während Marc sich im Nebenzimmer mit dieser Göre amüsierte und alle zwei Sekunden irgendsowas wie „Neiiiiiiiiin.“, „Jetz schieß’ endlich du Trottel!“ oder „Verdammt das WAR Abseits du idiotische Witzfigur“ brüllte, lauthals unterstützt von Ellas „Scheiß-Schiedsrichterschwein!“-Ruf, saß sie, Gretchen Haase, offizielle „Echt“-Freundin von Marc Meier frustriert in der Küche und übte sich im Selbstmitleid.
Gretchen hatte diese Ella-Person, oder „Mozzarella“, wie Marc sie ständig nannte, von Anfang an schon skeptisch betrachtet, vor allem als er sie als seine „Cousine“ vorgestellt hatte.
Was sie natürlich nicht war!
Gretchen dachte eigentlich, dass es positiv sei, sich nicht in Zukunft mit solcher Verwandtschaft konfrontiert zu sehen, doch als Marcs neue beste Freundin war diese pinkhaarige Verrückte noch viel schlimmer und nerviger als als harmlose Cousine.
Marc hatte das Mädchen aus irgendwelchen für Gretchen absolut nicht nachvollziehbaren Gründen ins Herz geschlossen und behandelte sie wie irgendeinen Saufkumpan, mit denen man um die Häuser zog und fremden Mädchen nachpfiff.
Die Rolle war Ella zwar wie auf den Leib geschneidert, da sie sich kaum weniger ordinär benahm als ihr verehrter Freund, aber trotzdem begann sie langsam, Gretchen zu sehr beunruhigenden und mordlüsternen Gedanken anzuregen.
Nachdem Marc und sie sich endlich wieder versöhnt hatten und Versöhnungssex immer noch der Beste aller Zeiten ist, sollte man im besten Fall auch schleunigst welchen haben.
So toll er aber auch war, zu dritt würde er Gretchen dennoch wenig Spaß machen, weshalb sie Ella wirklich, WIRKLICH gern aus der Wohnung hätte.
Sie hatte immerhin auch Bedürfnisse, verdammt noch mal! Jetzt waren sie in ihrer Beziehung immerhin schon so weit gekommen, da dürfte jetzt auch endlich mal Zeit für Belohnungen für die viele Mühe da sein.
Nachdem Gretchen den halben Tag damit verbracht hatte, ihrer Mutter zuzusehen, wie sie sich und ihre Familie für immer und ewig lächerlich gemacht hatte, die daneben leider auch noch genug Zeit gefunden hatte, Marc für den Rest des Tages anzubeten, konnte sie ein bisschen Sex wirklich vertragen!
Marc hatte sich natürlich köstlich amüsiert und konnte sich in dem sicheren Glauben wiegen, ab jetzt die absolute Lieblingsperson von Gretchens Mutter zu sein, sogar noch vor Johann Lafer und Udo Jürgens.
Ihr Vater hatte auch nicht unbedingt zu Gretchens Wohlbehagen beigetragen, nachder er zuerst jedem außer Marc und Ella den Appetit vertrieben hatte, als er sich mit Marc über die neuesten Techniken auf dem Gebiet der Magenchirurgie unterhalten hatte und später auch noch peinliche Anekdoten aus ihrer Kindheit preisgab.
Der einzige, der halbwegs auf Gretchens Seite gewesen war, war Jochen. Das war eben noch wahre Geschwisterliebe!
Er aß zufrieden sein Essen und lieferte sich nur hin- und wieder einige Streitgespräche mit Ella, als sie gerade von Metallica schwärmte, natürlich lauthals unterstützt von Marc, obwohl, der schien sowieso alles zu unterstützen, was Ella tat oder sagte.

Zu allem Überfluss spielte jetzt auch noch Marcs und – o Wunder! – auch Ellas Leiblingsteam FC Bayern München gegen irgendeine andere Mannschaft, deren Name Gretchen vergessen hatte, auf jeden Fall hatten die beiden auf einmal sehr eilig nach Hause zu kommen.
Nachdem Bärbel ihnen noch Nachtisch eingepackt hatte (was sie Marcilein, dem elendigen Schleimer, natürlich nicht übel nahm!), den sie leider leider nicht mehr essen konnten, da sie sonst den Anpfiff verpasst hätten, saßen sie nun den ganzen verdammten Nachmittag vor dem verdammten Fernseher und sahen den verdammten Irren zu, anstatt das Ella ihren verdammten Arsch aus der Wohnung und Marc seinen in ihr verdammtes Bett schwang. Oder die verdammte Dusche. Oder das verdammte Sofa. Der verdammte Küchentisch hier!
Gretchen wurde gleichzeitig heiß und kalt als ihr immer mehr Plätze einfielen, wo sie und Marc in DIESEM Moment Sex haben könnten.
Sie spürte das Feuer genau, dass sich in ihrem Körper auszubreiten begann, während sehr lebendige Bilder aus vergangen Nächten in ihrem Kopf herumschwirrten.
Sie erinnerte sich an die Hitze, Marcs warmen Körper über ihr, seine Küsse, seine Lippen, das unglaubliche Glücksgefühl, dass sich danach jedesma in ihr ausbreitete... SCHLUSS!
Gretchen schlug mit der Faust auf den Küchentisch.
So konnte das nicht weitergehen! Sie brauchte Sex, JETZT!
Sie musste diese Ella loswerden, egal wie! Und würde sie noch so „motzen“, SIE war immerhin Marcs Freundin und nicht die kleine Pinkhaarige!
Kurz entschlossen wählte Gretchen eine Nummer.
Nach wenigen Sekunden knackte es in der anderen Leitung.
„Wie schmeisst man ein nerviges, pinkhaariges Mädchen aus der Wohnung, damit dein Freund sich endlich an deine Bedürfnisse erinnert?!?!“ fragte Gretchen schnell in die Leitung.
An der anderen wurde gelacht.
„Nee oder?“
„Mensch Jochi!!! Ich will Sex!!!!Ich BRAUCHE Sex!!!! Das geht aber nicht wenn Ella hier ist.“
Gretchen hätte Jochen am liebsten eine geknallt, als er immer lauter und hysterischer zu lachen begann.
„DAS IST VERDAMMTNOCHMAL NICHT LUSTIG!!!!“
Jochen kämpfte wohl gerade mit den Lachtränen, so hörte es sich zumindest an.
Gretchen war schon kurz davor, aufzulegen, als Jochen sich langsam wieder zu beruhigen schien und nicht mehr in den Hörer grunzte.
„Ist doch ganz einfach, Schwesterherz. Renn’ einfach nackt zu ihnen rein, dann wird er es schon kapieren. Ich denke, er ist Marc?!“
„Mit diesem pinkhaarigen Teufel scheint er sich mehr wie Bruder Bär zu fühlen. Er behandelt sie wie eine kleine Schwester!“ Meinte Gretchen trocken und fügte unsicher hinzu: „Und du glaubst echt, das funktioniert?“
Jochen lachte. „Wenn das nicht funktioniert, solltest du nicht nur sie, sondern auch ihn rauswerfen.“
Gretchen konnte nicht umhin zu grinsen.
„Okay. Danke Jochi.“
„Keine Ursache. Und viel Spaß! Weckt nicht die Nachbarn auf. Ach und Gretchen?“
„Ja?“
„No glove no love, denkt dran.“
Gretchen rollte mit den Augen und legte auf, während Jochen ein sirenenartiges Lachen hören ließ.
Geschwister![grin] Obwohl, wenigstens hatte sie jetzt einen Plan.

~ x ~

„Tooooooooooooooooooooooor!“
Marc und Ella bewarfen sich gegenseitig mit Erdnussflocken und begannen schließlich, auf der Couch zu tanzen.
Die Bayern hatte eben das entscheidene Tor geschossen.
Gretchen stand an der Tür und lauschte. Das konnte doch echt nicht wahr sein, wie konnte man sich nur so über ein bescheuertes Tor freuen?!
Obwohl, war wohl nur gut für sie, einen deprimierten Marc konnte sie im Moment eher weniger brauchen.
Nervös zupfte Gretchen am Verschluss ihres roten Spitzen-BHs und fuhr sich nochmal durch die Haare, damit sie auch schön zerzaust und sexy aussahen.
Sie atmete noch einmal gut durch und riss schließlich die Tür auf.
„Maaarcilein, ich hab eben gehört dass sie gewonnen haben?!Supi, können wir dann..“ sie spielte mit ihren Haaren, „..feiern?! Ach ja, Ella, du bist ja auch noch da.“ Gretchen grinste Marc süß an und verschränkte ihre Arme unter ihren Brüsten, um genau den Effekt zu erzeugen, dessen Wirkung sich auf sofort auf Marcs Gesicht zeigte.
Nachdem er zuerst leichenblass geworden war, als Gretchen halbnackt ins Wohnzimmer getreten war, wurde ihm nun beim Anblick ihrer fast verboten scharfen Unterwäsche ganz heiß, was sich auch gleich in seiner Gesichtsfarbe zeigte.
Peinlich berührt räusperte er sich und murmelte irgendwas Unverständliches, während Ella zim Glück etwas schneller reagierte und ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht erschien.
„Aaaaalles klar, bin schon weg.“
Immer noch grinsen küsste sie den inzwischen knallroten Marc auf die Backe und huschte kichernd aus der Wohnung.
Nun war Gretchen dran mit blöd Gucken.
Sprachlos starrte sie Marc an, mit einem Finger auf seine Wange deutend.
Sie stotterte igrendwas unverständliches, während Marc sich endlich von seinem Schock erholte und zum eizig richtigen Gedanken kam.
Schneller als Gretchen es je vermutet hätte war er bei ihr und küsste sie leidenschaftlich. Aber hallo!!!
Gretchen hatte sich noch immer nicht ganz im Griff und drückte Marc nochmal von ihr weg
„Was war das denn eben?“
Marc machte eine schnelle wegwerfende Handbewegung.
„Völlig unwichtig. Ganz im Gegenteil zu“ – er öffnete Gretchens BH – „dem hier.“
Gretchen wollte noch was erwiedern, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken, als sie Marcs Lippen auf ihrer erhitzen Haut spürte.
Sie ließ sich zurückfallen und gab sich ganz ihrer Leidenschaft hin.
Nach einem laaaangen, unglaublich befriedigendem Abend xD lag Gretchen in Marcs Armen auf dem Badezimmerfußboden, von einem flauschigen Handtuch bedeckt, während Marc neben ihr leise atmete.
Sie hatten es nicht mal mehr ins Bett geschafft, so „erschöpfend“ war ihre Abendgestaltung gewesen.
Obwohl Gretchen alles und vor allem ein bestimmter Bereich ihres Körpers besonders schmerzte, war sie noch nie so glücklich gewesen wie gerade eben.
Der Badezimmerboden war ungewöhnlich flauschig und in Marcs Armen war es warm und sicher.
Außerdem hatte sie gerade den wahrscheinlich besten Sex ihres Lebens hinter sich. Ob sie in Zukunft wohl öfter Ella einladen sollten, um „es“ solange hinauszuzögern, dass es wieder so bombastisch gut werden würde wie heute? Eine Überlegung war es immerhin wert...
Die Gedanken kreisten noch eine Weile in Gretchens Kopf , bis sie schließlich auch endlich einschlief und beide mit einem Lächeln auf den Gesichtern voneinander träumten.
Auch wenn Marcs Traum doch ein weeeenig anatomischer war als der Gretchens... xD.

First there was black.
But now there's bright white.
Image and video hosting by TinyPic

~ x ~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

07.02.2010 21:00
#23 Banana, Baby! Zitat · Antworten

~~~ x ~~~

Hmm-hmhm,hm hmmmmm.
Das inzwischen altbekannte Standardgeräusch bei der Windowsanmeldung tönte durchs Kinderzimmer der Haase-Villa.
Eine helle, beringte Hand fuhr langsam über die makellos glatte Tastatur des Geräts, die weißen Schaltflächen bewundernd. Also eins musste man diesen Apple-Typen schon lassen, Geschmack und einen Sinn fürs Ästhetische hatten die wirklich! Gretchen biss herzhaft von ihrem Lebkuchen und wischte schnell ein Paar Krümel vom Touchpad. Wenn Marc das gesehen hätte! Es gab nur weniger Dinge, die Marc Meier mehr hasste, als beim Benutzen eines Computers zu essen. Gefühlte tausendmal hatte Gretchen schon den Vortrag von wegen „Gerätverlangsamung, Krümel in den Schaltflächen, Leistungsminderung blablabla“ anhören müssen, und jedesmal hatte sie brav genickt und seelenruhig weitergegessen. Was Marc natürlich zur Weißglut brachte…a própos, wie meldete man sich nochmal bei diesem blöden MSN an? Bevor Marc gefahren war, hatte er es ihr sicher schon hundertmal erklärt und sich dann beim Abendessen über sie lustig gemacht, was zur Folge hatte, dass sie ein „Internet für Dummies“-Lehrbuch unter dem Gabentisch fand. Marc fand Ellas Idee natürlich irrsinnig komisch, Gretchen dachte heute noch mit säuerlicher Miene daran, wie sich die beiden auf ihre Kosten bis zum Umfallen amüsiert hatten.Obwohl, etwas Gutes hatte die Sache doch, das „Internet für Dummies“-Buch war wirklich unglaublich hilfreich gewesen, sodass Gretchen jetzt sogar schon ohne Hilfe einen neuen Favouriten im Internet speichern konnte, ein Worddokument öffnen und den virtuellen Papierkorb leeren konnte.
Bärbels Stimme riss Gretchen aus ihren Gedanken. Ob sie nicht auch endlich Essen kommen wollte? Sollte sie wirklich an einem Samstagmorgen schon aufstehen? Wo das Bett doch so warm war… Gretchen beschloss, vorerst noch liegen zu bleiben.
Nach ein bisschen Blättern in ihrer neuen gelben Bibel fand Gretchen schließlich heraus, dass man die MSN-Datei auch auf den Bildschirm verschieben konnte, worauf sie sie nicht jedesmal suchen musste. Als sie nach drei Minuten das Symbol endlich da hatte, wo sie es haben wollte, klickte sie es zufrieden an und wartete, bis die kreisenden Männchen endlich soweit waren und sich die eigentliche Seite öffnete. Denkste! Nach zwei Minuten hörten sie zu kreisen auf und brachten samt einem beunruhigenden Ton die Botschaft mit sich, dass die Anmeldung leider fehlgeschlagen habe und ob man gedenke, den Schaden zu beheben. Als zwei Sekunden darauf auch noch der Computer selbst nachzog, wieder mir diesem widerlichen Geräusch, um ihr mitzuteilen, dass W-Lan hier nicht funktioniert und sie sich gefälligst in netztechnsich gesehen bessere Bereiche verziehen sollte, gab Gretchen auf und ging mit dem Gerät in die Küche.

Zu ihrer Überraschung fand sie Bärbel nicht mehr vor, dafür aber Jochen, der sich gerade, stets von einer nörgelnden, motzenden Mozzarella begleitet, über eine Banane aufgebrochene Banane beugte und versuchte, diese mittels Nadel (!) und Faden (!) wieder zusammenzunähen.
Gretchen musste lachen, das Ganze sah einfach zu komisch aus. Soweit sie sich zurückerinnern konnte, hasste ihr Bruder alle Arten von handarbeitenden Tätigkeiten wie Nähen, Stricken, Häkeln und Ähnliches.
Seiner Meinung nach wäre das alles einfach nur sinnloser Weiberkram, von dem er sich fernhielt, als wären sie eine ansteckende Krankheit. Umso lustiger war jetzt sein Eifer, die Banane wieder in ihre ursprüngliche Form zu bringen. Gretchen konnte sich nur selbst zu gut erinnern, wie sie die verschiedenen Stiche und Knoten, die es beim chirurgischen Nähen zu beherrschen gab übte. Ella schien anscheinend großen Erfolg dabei zu haben, Jochen zum lernen zu motivieren. Die Idee mit der Banane war ja auch wirklich gut...
Gretchen musste zugeben, dass sie Ella wirklich ein wenig zu vorschnell beurteilt hatte, das Mädchen war blitzgescheit und wirklich witzig. Jochen schien das ja anscheinend auch zu denken, ging es Gretchen durch den Kopf, wenn sie sich die beiden so ansah...Wie dem auch sei, sie musste jetzt auf jeden Fall erstmal dieses doofe W-Lan wieder zum Laufen bringen, da sie Marc versprochen hatte, ihm heute noch einen Email zu senden oder zumindest mit ihm zu chatten. Gretchen musste grinsen, wenn sie daran dachte. Eine Viertelstunde später hatte sie endlich kapiert, dass man das kabellose Internet nicht durch Lieb-Ankucken wieder zum Laufen brachte, sondern die unterbrochene Verbindung wieder herstellen musste. Puh. Diesmal fand sie ihre Tagebuchdatei wenigstens sofort. Das war schon wieder eine Idee von Ella gewesen, ihr Tagebuch einfach ins Internet zu verlegen. Ella hatte ihr sogar gezeigt, wie sie sich ein Passwort einrichten konnte, damit sich Bärbel nicht wieder an ihren persönlichen Aufzeichnungen zu Schaffen machte.
Gretchen grinste, als die Datei mit Hilfe der richtigen Kennwörter aufsprang. Diese Technik beeindruckte sie immer wieder. Marc würde sie jetzt wahrscheinlich schief ansehen und irgendwas von ""Wo lebst du eigentlich?" murmeln. Nur weil sie nicht zum viereck-äugigen Computerkind erzogen worden war, musste man ihr immerhin noch keine zweifelnden Blicke zuwerfen. Oder?
Gretchen tippte circa eine halbe Stunde an ihrem virtuellen Tagebuch rum und speicherte ihre Erinnerungen schließlich sorgfältig ab.

~ + ~

Hey ihr Lieben, kliiitzekleiner Zeitsprung.. Eigentlich wollte ich das Ganze anders aufbauen, aber das hätte alles mit Weihnachten zu tun gehabt und ich hatte wirklich keine Lust mehr jetzt noch die Vorweihnachtszeit hier reinzubringen, außerdem hätte ich dann noch viel länger mit updaten gebraucht.Ich bin heute Abend zu Hause, also wenn es sich ausgeht, kommt nochmal ein Update. Möglicherweise schaut auch die ein oder andere Review raus, bin mal gespannt, ob ihr mich überhaupt noch mögt
.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

09.02.2010 17:57
#24 Het leven is geen zoete krentenbol Zitat · Antworten

Gretchen beschloss, nachdem sie den Computer in den Ruhezustand versetzt hatte (alle Achtung!), dass sie wirklich dringend einkaufen gehen musste.
Erstens brauchte sie unbedingt ein neues Duschgel, da Ellas neue Lieblingsbeschäftigung Ich-brauch-Gretchens-Duschgel-auf zu sein schien, und 8 verschiedene BH’s, von denen ihr zwei zu eng und einer zu hässlich war, bedurften ebenfalls einer Aufstockung.
Eine kurze Inspektion in die Geldbörse erlaubte Gretchen sogar, sich den neuen Strickschal zu kaufen, der ihr schon seit mindestens einer Woche schöne Augen machte.
Außerdem – jetzt, wo Marc nicht da war musste sie die Zeit wirklich ausnützen und kräftig shoppen gehen, da sie sonst sicher nicht wieder so schnell eine Möglichkeit bekam, die Dinge, die ihr an der Wohnung nicht gefielen, unauffällig durch neue zu ersetzten.
Kurz entschlossen packte sie sich also noch die Kreditkarte ein und „lieh“ sich die Autoschlüssel ihres Vaters, da sie den ultrastylischen, ultraroten und leider auch ultraüberteuerten roten Lack-Lehnstuhl von Shift endlich kaufen wollte. Sie und Marc lieferten sich nunmehr schon seit Weihnachten einen erbitterten Kampf um die Wahl des neuen Wohnzimmerstuhles, da der alte Lederschwinger, der in der Mitte des Wohnzimmers gestanden hatte, leider (Marc) oder doch nicht so leider (Gretchen) von einem bösartigen Schimmelpilz befallen worden war.
Mithilfe von roter Spitzenunterwäsche und Gelee Royale konnte Gretchen Marc schließlich davon überzeugen, dass sie den Stuhl auswählen durfte.
Als sie Marc von dem traumhaften roten Wellnessstuhl erzählte, zuckte er bloß mit der Schulter und meinte, dass so eine „Tussi-Schaukel“ sicher nicht in sein Wohnzimmer käme, worauf Gretchen ihn daran erinnerte, dass das nicht mehr nur sein Wohnzimmer war, worauf Marc Gretchen daran erinnerte, dass sie ohnehin schon die halbe Wohnung umgeräumt habe, worauf Gretchen Marc daran erinnerte, dass sie auch Stücke „von sich“ in ihrer gemeinsamen Wohnung haben wollte, worauf Marc….
Schlussendlich war der Kongress in Amsterdam dazwischengekommen, und jetzt hatte Marc wirklich andere Sorgen…
Gretchen seufzte und zog ihr Telefon aus der Tasche. Langsam tippte sie auf den vertrauten Tasten und hielt plötzlich inne.Ein verschmitztes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.Sie schnappte sich eine Einkaufstasche, schmierte sich irgend so ein Pfirsichzeug von Ella auf die Lippen und wagte sich mit eingezogenem Kopf in den eiskalten Jännerwind.

Ha! Das musste heute wohl ihr Glückstag sein. In Gretchens pinker Umhängetasche lagen nicht nur eine Flasche Duschgel mit goldig glänzendem Inhalt und vielversprechendem Text auf der Vorderseite, sondern auch zwei neue BH’s, die schön UND bequem waren.Eine Frau wusste ja, wie schwer solche Dinger zu finden waren, die richtig bequemen sahen meistens ja eher aus wie ein Stück Waschlappen aus beiger Kunstfaser.Der eigentliche Grund für Gretchens Strahlen war aber das Preisschild, das wahrscheinlich irgendein Engel auf den roten Designerstuhl gehängt hatte, denn – o Wunder – der Sessel war um einiges reduziert, daß heißt, man konnte endlich ohne die großen Gewissensbisse daran denken, das Ding tatsächlich zu kaufen.
Gretchen grinste und ließ sich in den butterweichen Stuhl fallen. Das Leder fühlte sich einfach perfekt an, und wenn Gretchen daran dachte, was das Teil alles konnte, wurde sie ganz kribbelig vor Freude.
Ausgestattet mit Heizfunktion, Massagefunktion, Hydro-Luftpolster (hä?) und tausend anderen Dingen wurde es Gretchen ganz warm ums Herz.
Sie kramte ihr Telefon aus der Hosentasche und klappte es auf.
Verheissungsvoll wählte sie Marcs Nummer und wartete mit geschlossenen Augen darauf, dass er abheben würde.
„Also schön langsam gehst du mir ganz schön aufn Sack!“
Gretchen riss die Augen auf und nuschelte erschrocken „Hi.“ ins Telefon.
Sie hörte einen Knall und einen Fluch, bis Marcs Stimme wieder an ihr Ohr drang.
„Gretchen? Bist du noch dran?“
Gretchen lächelte erleichtert. „Ja. Was zum Teufel machst du?“
Sie hörte Marc stöhnen und konnte ihn direkt vor ihr sehen, wie er seine Nase kräuselte und sich seine kleine Narbe zu einer Art Blitz verzog, wie er es immer tat, wenn er genervt war.
„Entschuldige wegen vorhin. Mozzarella ruft alle fünf Minuten an und informiert mich über den Spielstand.“
Gretchen lachte lauthals. „Warum hebst du dann immer ab?“
„Weil nicht abheben nichts bringt, weil sie ständig wieder anruft.“
„Dann schalt das Telefon doch einfach aus.“
„Nö, dann bekomm ich ja deine Anrufe auch nicht.“
Gretchen lächelte. Wie süüüß von ihm.
„Ich liebe dich.“ Flüsterte sie unvermittelt, was Marc mit einem trockenen „Jetzt werd nicht gleich wieder sentimental.“ Quittierte.
Gretchen grinste. „Ich hoffe die Rippe tut auch schön weh.“
„Tut sie, danke.“
„Armer Olivier.“
„Sag mal, wenn du nur angerufen hast, um mir mitzuteilen wie arm ich bin, dann kann ich auch auflegen. Ich krieg die Nummer schon von Meredy geschoben und Ella und jetzt fängst du auch noch an.“
„Übrigens kaufe ich gerade den roten Stuhl.“ Gretchen grinste.
„Okay, diese Beziehung ist offiziell beendet.“
Gretchen erschrak und wollte gerade mit einer Flut von Erklärungen und Entschuldigungen anfangen, las Marc ihr zum Glück zuvor kam.
„Das war ein Scherz, Hasenzahn, ein Scherz, okay?“
Gretchen schnaubte, während Marc in ein schallendes Lachen ausbrach.
„Ich glaubs nicht, du fällst immer wieder auf den Mist rein.“
Marc lachte nur noch mehr.
Gretchen gab keine Antwort und auf einmal war das Gespräch unterbrochen.

~ +++ ~

„Helaas alhier bist du.“ Meredy lächelte, als sie Marc sah, wie er mit verwuschelten Haaren auf ihrem Sofa lag und mit der halbleeren Bierflasche und dem Handy in der anderen Hand Löcher in die Luft starrte. Marc gab nur einen langgezogenen Grunzlaut von sich und schaute dann wieder theatralisch gegen die Decke.Meredy grinste. Diesen Marc kannte sie nur zu gut. „Hast du gegessen, was ich dir gesagt habe?“
„Nö.“
Meredy verdrehte die Augen. „Nit so Paddestoel, nit so. Op zo‘n manier wird es nie besser.“
„Klappe, Oma.“
„Oma“ grinste wegen Marcs leidendem Gesichtsausdruck. „Doktern sind wirklich die schlimmsten Patienten, deze spreekwoord ist so wahr.“
Marc schnaubte als Meredy zu ihm hinging, ihm die Bierflasche aus der Hand nahm, die Hand auf die Stirn legte und ihm dann auch noch durch die Haare fuhr, als ob er ein kleiner Junge wäre.
„Ey Oma jetzt is dann mal gut ja?“
Meredy kniff ihm in die Backe und grinste.“Wenn du noch einmal Oma zu mir sagst, dann setzt’s was je impertinent rakker. Meer achting en eerbied vor deiner oud tante.“
„Meredy, du bist nicht meine Tante.“
Die schöne Niederländerin mit den grauen Strähnen im Haar ließ einen wütenden holländischen Wortschwall los und wurde noch wütender, als Marc lauthals zu lachen begann.
„Kalm Grootmoeder, kalm!“ Marc verschluckte sich fast an seinen eigenen Worten vor Lachen.
„Je impertinent, onbeschaamd jong. Ich sollte in hohen Bahnen dich rauswerfen, Paddestoel.“
„Bogen, tante, Bogen.“
„Pardon?“
„Es heißt „in hohem Bogen“, nicht „in hohen Bahnen.“
„Du..du..frecher..ah, ich geh jetzt kochen, mir dir werd man noch..wie sagt man niet goed wijs, ah ja verruckt. Verruckt werd ich mir dir!“
„Verrückt, Meredy.“
„Ah halt er doch dat mond.“
„Ich soll das Mond halten?“
„Aahhhh MARC!“ Meredy schnaubte wütend und ging Richtung Küche. Als sie sich kurz umdrehte, grinste er sie frech an. Meredy drehte sich schnell um und grinste ebenfalls. Dieser Junge!
Man konnte ihn einfach nicht nicht gern haben.

Marc dachte so ähnlich. Seine Meredy war zwar alt geworden, aber im Grunde immer noch die Gleiche.
Wie er sie vor ein paar Tagen zum ersten Mal seit Ewigkeiten gesehen hatte, hatte er sie im ersten Moment gar nicht erkannt.
Meredy war zwar immer noch so gertenschlank wie früher, allerdings kleiner als er sie in Erinnerung hatte, außerdem viel blasser und , was ihm am seltsamsten vorkam, Meredys lange, schwarze Haare waren von den ersten silbrigen Fäden durchzogen.
Sie trug ein buntes Schultertuch und Lederschuhe, die sie sich vor 25 Jahren in Afrika gekauft hatte.
Eigentlich erkannte Marc sie zuerst nur an diesen Schuhen, die hatte sie früher auch schon getragen und heiß geliebt. Wenn Marc ihre teuerste Glasvase runtergehauen hätte, wäre das immer noch viel weniger schlimm gewesen, als wenn er ihre Schuhe verunstaltet hätte – so wichtig waren ihr die Dinger. Wieso wusste er eignetlich auch nicht, obwohl, wenn er es sich recht überlegte, wollte er das wahrscheinlich auch gar nicht wissen…
Meredys Jugendgeschichten waren wirklich alles andere als harmlos.
Marc musste grinsen bei dem Gedanken, wie sie ihm früher immer ihre schrägen Erlebnisse erzählt hatte, damit er endlich mal schlafen ging…
Jaja, Meredy…
Er hätte sich echt nie gedacht, dass er wieder mal in ihrer Wohnung sein würde. Eigentlich war er sich nicht mal sicher, ob er sie überhaupt nochmal wiedersehen würde, er hatte immerhin keinerlei Kontaktnöglichkeiten, außer zu ihr nach Holland zu fahren.
Dass sich lustigerweise gerade das ergeben hatte war wohl irgendwie Schicksal oder so Kram, Marc glaubte eh nicht dran, also konnte es ihm eigentlich auch egal sein.
Gerade als er wieder in einer etwas besseren Stimmung war setzte der pochende Schmerz in den Rippen wieder ein. Genervt lehnte er sich wieder zurück und versuchte angestrengt, gleichmäßig aus- und wieder einzuatmen.
„Trink das Paddestoel, hat mir de Lady-Dokter empfohlen.“
Marc erschrak und setzte sich mit einem Ruck auf.
„Bist du wahnsinnig mich so zu erschrecken?“
Meredy rollte nur mit den Augen und drückte ihm die Tasse in die Hand.
Es gab so einiges, was Marc an der Halbfranzösin faszinierte, aber wie sich jemand so geräuschlos bewegen konnte, blieb ihm wohl immer ein Rätsel.
Er erschrak regelmäßig, wenn Meredy wieder einmal hinter ihm stand, ohne dass er auch nur den leisesten Laut gehört hatte, der ihre Anwesenheit verraten hätte.
„Reg dich nicht so auf, das ist schlecht für deine Lungen. Und jetzt leg dich endlich hin, so wird es nie besser.“
Marc ließ seinen Kopf auf das Sofakissen zurückgleiten und stöhnte.
„Ich will mich verdammtnochmal bewegen können.“ Missmutig starrte er auf seinen langen, weißen Gips und den Verband um die Hüfte.
„"Het leven is geen zoete krentenbol, Marc. Trink das jetzt und ab morgen wird marschiert. Dann geht es dir gleich wieder besser.“
„Marschieren? Mit einem Gipsbein, ja? Mensch Meredy, das hilft mir auch nicht.“
„Wenn du jetzt nicht endlich jammer aufhörst, steck ich dich ins nächste Krankenhaus. Ich weiß wirklich nicht, wie deine Grete es mit dir aushält.“
„Gretchen, Meredy.“
„Gretchen, Grete, ist doch futiel. Wenn du schon met twee linkerhanden die Treppe runterläufst, dann musst du auch die, wie heißt das, tirer des conséquences!
Marc grinste. Meredy mischte ständig Deutsch und Niederländisch, wenn sie mit ihm sprach, und wenn ihr ein Wort nicht einfiel, sagte sie es einfach auf Französisch.
Obwohl sie perfekt Deutsch konnte, wenn sie wollte.
„Konsequenzen ziehen, mijn tante.“
„Ah! La ferme! Boucle-la! Verbesser mich nicht ständig, Paddestoel Olivier!“
„Nur wenn du aufhörst, mich Paddestoel Olivier zu nennen.“ Marc verdrehte die Augen.
Paddestoel war holländisch und hieß „Pilz“.
Meredy hatte ihm diesen Namen kurzerhand verpasst, weil er bei ihrem ersten Treffen eine dieser grauenhaften Pilzfrisuren gehabt hatte, und sie genoss es bis heute, ihn damit zu quälen.
„Auf jeden Fall gehen wir morgen an die frische Luft, sonst muss ich mir dein Geplärre noch bis zum heiligen Christtag anhören!“
Marc wollte gerade erwidern, als auf einmal sein Telefon klingelte.
„Ugh, immer dieses Metallica.“ Meredy verdrehte die Augen und setzte sich im Schneidersitz auf den Boden. Obwohl sie das fünfzigste Lebensalter schon seit längerem überschritten hatte, konnte sie sowas immer noch perfekt. Sie wollte Marc sogar mal Yoga beibringen, was er zu ihrem Bedauern aber abgelehnt hatte.
Meredy beobachtete Marc genau. Ihr entging das kleine Aufleuchten seiner Augen nicht, als er die SMS las. Schließlich lachte Marc laut auf. Die Niederländerin freute sich. Sie hatte sich immer die Richtige für ihren Paddestoel gewünscht, vor allem nach dem Disaster, das ihm seine Eltern vorgelebt hatten.
Meredy verdrängte den Gedanken ganz schnell und konzentrierte sich wieder auf den jungen Arzt.
Dieser grinste in sich hinein und schaute sie schließlich skeptisch an, als er ihren Blick bemerkt hatte.
„Was starrst du so verklärt Merry-Berry?“
Meredy grinste und murmelte allerhand unverständliche Worte auf Holländisch, worauf sie zum Tisch ging und den Laptop aussteckte.
Sie legte ihn Marc auf den Schoß, kniff ihn in die Wange und entfernte sich lächelnd.
Marc hielt sich die Wange und grinste.
Es sollte ihn eigentlich nicht mehr überraschen, da sie ihn besser kannte, als die meisten Menschen, aber trotzdem verwunderte sie ihn immer wieder mit ihrem unvergleichlichen Scharfsinn, durch den sie genau wusste, was er wollte.
Marc nahm den Computer in den Schoß, richtete sich in eine bequeme Sitzstellung auf und klickte auf „Verbinden“.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

Ivory ( gelöscht )
Beiträge:

13.09.2010 21:03
#25 ...........Spread a little love Zitat · Antworten

Gretchen war es langsam leid, in dem nasskalten Januarwetter zu Hause in Marcs und ihrer Wohnung auf seine Rückkehr zu warten. Der machte das doch mit Absicht!
Der junge Herr Doktor wollte nur schnell die paar Tage nach Amsterdam fliegen, für den „International Congress of Auditory and Cerebellar Vertigo“ oder irgendwelchen anderen Kram, und dann ruft er auf einmal MITTEN in der Nacht an, nur um ihr zu erzählen, dass er wegen der blöden, blöden fehlkonstruierten holländischen Treppen (also durch Unfähigkeit, eine Treppe korrekt zu benützen, Schlussfolgerung Margarete Haase) leider einen Gips sowie einen Rippenbruch erlitten hatte. Glücklicherweise sei er zufällig seiner „Tante“ Meredy über den Weg gelaufen (glücklicherweise hatte er sie ihm Telefonbuch gefunden und sich ohne zu zögern bei ihr eingenistet, Schlussfolgerung Margarete Haase), welche ihn höchsterfreut bei sich aufgenommen hatte und sich nun bestens um ihn kümmerte (notgedrungen, nachdem Marc sie so lange angebettelt hatte, ihn bitte nicht den Kollegen im Krankenhaus zu überlassen, Schlussfolgerung Maragrete Haase).
Dort warte er nun gequält auf baldige Genesung (ausnahmsweise keine Schlussfolgerung nötig, das könnte durchaus stimmen) und vermisse Gretchen und ihr gemütliches Wohnzimmer schrecklich (vermisse Gretchen und vor allem ihr gemütliches Wohnzimmer schrecklich, wo man vom Sofa aus perfekten Blick auf den Fernseher hatte, Schlussfolgerung , Maragarete Haase). Ganz nebenbei (natürlich) habe Meredy doch leider keinen Fernseher im Wohnzimmer (noch Fragen? :D ).
Soweit war Gretchen also über Marcs missliche Lage informiert. Bis vor kurzem dachte sie zwar noch, er lüge sie an und mache sich putzmunter ein paar schöne Tage im immerhin nicht zu verachtenden Amsterdam, gestern hatte sie jedoch einen Anruf von dieser Meredy erhalten. Sehr freundliche Stimme übrigens, die sich mit ihr, nachdem sie ihr Marcs Leiden detailliert geschildert hatte, köstlich über seine Ungeduld amüsiert hatte.
Die beiden Frauen verstanden sich sehr gut und sowohl Gretchen als auch Meredy war nach dem Gespräch angenehm überrascht.
Meredy war sich nun sicher, dass diese Frau perfekt zu ihrem Marc passte, und Gretchen war ihrerseits froh, dass Marc eine solch lustige, verständnissvolle und freundliche Pflegerin hatte, die ihm sicher nicht alles durchgehen ließ.

Das alles war zwar gut und schön, für Gretchen blieb aber immer noch die Frage offen, wie sie die weiteren fünf Tage bis Marcs Rückkehr ausnützen sollte, da die Berliner Wetterfee so gar nicht freundlich gestimmt war, sondern eher den Anschein einer depressiven Alkoholikerin erweckte. Seit fünf Tagen schüttete es wie aus Eimern und es war absolut nichts sinnvolles anzufangen.
Gretchen beschloß schließlich, mit ihrer Mutter und Mozzarella zum Großeinkauf zu fahren.
Bärbel war entzückt von ihrer neuen Helferin, Ella stellte sich nämlich nicht nur als ausdauernde Abfragehilfe für Jochen zur Verfügung, sondern erwies sich auch als sehr gute, wenn auch sehr exotische Köchin. Bärbel war jedenfalls begeistert und sie und Ella standen oft stundenlang in der Küche, um irgendeinen indischen Reiskuchen oder ähnliche Köstlichkeiten zu produzieren, nicht unbedingt zur größten Freude des Professors, der Bärbels Schweinebraten oder Krauteintopf Ellas moderner Fitnessküche vorzog.
Mozzarella selber schien aber geradezu aufzublühen im Haase’schen Haushalt, sie hatte nicht nur mit Jochen und Bärbel größten Spaß, sondern ging auch gerne mit Franz stundenlang laufen oder probierte mit ihm seine neuen Inlineskates aus. Gretchens Mutter liebte es außerdem, an Ella herumzumuttern, sehr zur Freude ihrer eigenen Kinder, denn seitdem Bärbel Mozzarella hatte, wurde sie zur bevorzugten Mutter-Zielscheibe und Jochen und Gretchen konnte eine wohlverdiente Pause genießen. Ganz nebenbei tat Mozzarella die ganze Aufmerksamkeit nur zu gut, da ihre eigene Mutter immer noch im Spittal lag und es keine große Aussicht auf eine baldige Besserung gab.

Als Gretchen in die bekannte Hauseinfahrt einbog, eröffnete sich ihr ein Bild reinster Familienidylle. Franz und Jochen kommandierten abwechselnd Bärbel und Ella und zwangen sie zu immer neuen Ergänzungen der Einkaufsliste, ungemein wichtigen Dingen wie eine Fahrradpumpe, Reservebatterien, Käse-Chili-Chips, drei verschiedene Biersorten sowie die komplette letzte Staffel von „Two and a half men“.
Während Bärbel die Augen verdrehte, tippte Ella alles folgsam in ihr Handy ein und ließ sich schließlich auf den Rücksitz des Autos plumpsen.
„Und den neuen Playboy, Ella. Damit ich was zum ankucken hab...“ schrie Jochen noch hinterher.
Ella streckte ihre süße Zunge heraus und meinte nur belustigt: „Reich’ ich dir nicht oder wie?“
Jochen wurde rot und stotterte irgendwas unverständliches, während Ella und Gretchen schallend zu lachen begannen.
Bärbel schaffte inzwischen mit Franz’ Hilfe geschätzte zwanzig leere Tüten und Kühltaschen ins Auto, bevor sie sich schließlich hinters Steuer setzte.
Gretchen schob vorne schon mal die CD rein, während Mozzarella nochmal rausgelaufen war einem grinsenden Jochen irgendetwas ins Ohr flüsterte.
Gretchen blickte zufällig auf und bemerkte Jochens Blick, mit dem er der hübschen 15-jährigen nachguckte, als sie sich schließlich wieder ins Auto schwang.
Na wenn da sich mal nichts anbahnte...

Als die drei Frauen sich endlich durch den Großmarkt durchgearbeitet hatten und sämtliche Produkte im Auto verstaut hatten, berieten sie, welche Geschäfte nun noch drangehängt werden mussten.
Gretchen plädierte stark für einen Drogeriemarkt, was Bärbel ebenfalls gut zu passen schien.
Gretchen fiel fast aus den Wolken, als ihre Mutter schließlich mit der Wahrheit rausrückte – sie wollte Marcs Parfum nachkaufen und es Franz schenken.
„Ella, red’ ihr das sofort aus!“
Ella grinste nur und meinte, dass das wohl nur zu ihrem besten sei, da Bärbel von nun an nicht immer an Marc riechen musste, um ihren Lieblingsduft einzuatmen, sondern das praktischerweise auch bei ihrem Mann tun könne, was wohl ein eindeutiger Vorteil für Gretchen war, marcbedrängungstechnisch gesehen.
Das leuchtete Gretchen schließlich auch ein, denn was war schlimmer, als eine Mutter, die ständig den eigenen (zugegeben, verdammt heißen) Freund angrapschte?
Für Bärbel war das Thema hiermit ausdiskutiert.
Freudestrahlend schwebte sie auf die Parfumerie zu.
Gretchen und Mozzarella gingen kichernd hinterdrein.
Nachdem Bärbel das gesuchte Duftwässerchen gefunden hatte, kam sie auf einmal ganz aufgeregt zu Mozzarella.
„Ella-Schätzchen, schau mal hier, findest du nicht, dass das eine herrliche Haarfarbe ist? Auch ganz sanft soll die sein, und nur 15 Minuten Einwirkzeit!“
Gretchen lachte laut los, als Bärbel weiterhin versuchte, Ella eine etwas dezentere Haarfarbe einzureden. Als sie schließlich aber anfing, Gretchen von einer Anti-Spliss-Kur zu überzeugen, verging ihr das Lachen sehr schnell.
„Mama! Ich halt dir ja auch keine Faltencreme unter die Nase! Also echt...“
Mozzarella fand das nun wieder zum Schreien komisch und als Bärbel dann auch noch mit einem Glätteisen daherkam und irgendwas von Sleek Hair-Trend des Monats faselte, wurde es Gretchen eindeutig zu bunt.
„Meine Lieben, jetzt nochmal zum mitschreiben, ich will weder ein neues Shampoo, noch ein Glätteisen, noch sonst irgendwelche Dinge, ich mag meine Haare so wie sie sind und Marc übrigens auch, also steckt euch eure blöden Beautytrends des Monats sonst wohin, okaay?!“
Zur Rache steckte sie ihrer Mutter schnell ein Päckchen Intim-Enthaarungscreme zu und ging dann kichernd zu der Abteilung mit den Badeölen.
Noch fünf Abteilungen weiter konnte sie Bärbels empörtes Schimpfen über dieses frauenfeindliche, schreckliche Chemie-Produkt hören, welches überhaupt verboten gehöre!
Gretchen kaufte sich schließlich noch ein herrliches Lavendelbadeöl, Baden konnte man immerhin auch ohne Marc sehr gut, auch wenn andere Tätigkeiten in der Badewanne und mit Marc deutlich mehr Spaß machten...
Ach, Gretchen hasste es, sich schon wieder eingestehen zu müssen, dass sie ihn schrecklich vermisste. Sie konnte nicht mal mehr eine Woche ohne ihn auskommen.
Gretchen grinste, als sie an einem Ständer mit erotischem Spielzeug vorbeiging. Das wäre vielleicht auch eine Lösung für sie... Mensch, wo dachte sie hin? Marc hatte sie wirklich in eines dieser Sexmonster verwandelt! Vorsichtshalber ging sie daher schnell weiter, bevor sie wirklich noch zugriff. So lange würde es schließlich auch nicht mehr dauern, außerdem konnte sie gleich zuhause mit ihm chatten.
Oder ihm eine SMS schreiben Obwohl – hatte sie ihm nicht gerade vor einer Stunde eine geschrieben? Und vor drei, und vor vier ,und am Morgen? Und gestern nacht gleich drei?!
Hmmmmm...ach egal, immerhin hatte er auch jedesmal zurückgeschrieben, sogar gestern um zwei Uhr nachts. Obwohl er behauptet hatte, er könne nur wegen der schmerzenden Rippe nicht schlafen, nahm ihm das Gretchen nicht so ganz ab.
Auch er hatte wohl damit zu kämpfen, dass sie nun doch viel länger als geplant getrennt waren...
In Aussicht auf ein langes, laaanges Telefongespräch stellte sich Gretchen schließlich zur Kasse und zahlte, während ihre Mutter der Geschäftsleitung zu erklären versuchte, wieso man diese „Frechheit und Verlachung einer emanzipierten Frau“ von Intimenthaarung dringendst vom Verkauf ausschließen sollte und Ella daneben unäuffällig zu signalisieren versuchte, Bärbel nicht zu kennen.

Als Gretchen sich am Abend aufs Sofa kuschelte, Rehbraten im Magen und eine weiche Wolldecke um die Beine geschlungen, breitete sich eine angenehme Ruhe in ihr aus.
Bärbel und Franz diskutierten leise in der Küche, neuerdings half Franz nämlich FREIWILLIG in der Küche mit (Hirn an Gretchen: Ella irgendwas schönes kaufen!), Jochen hatte seinen Arm um Ella gelegt und blickte immer wieder lächelnd auf sie herab, während sie sich bereitwillig an seine Schulter lehnte und im Fernsehen lief irgendein kitschiger Schinken, was Gretchen aber als durchaus schön empfand, immerhin waren die Landschaftsbilder englischer Grafschaften wirklich wildromantisch – ein durch und durch fast perfekter Abend.
Wäre Marc hier, hätte es Gretchen wirklich an nichts gefehlt, aber man kann nicht alles haben im Leben, dass hatte sie irgendwann mal gelernt (obwohl, sie hatte Marc (also grundsätzlich), sie hatte beinahe ihr Idealgewicht, sie hatte allerfeinste Karamellschokolade....hmmm...).
Egal, Sprichwort hin oder her, Gretchen war einfac nur zufrieden. Die ganze familiäre Atmosphäre war einfach zu angenehm, Ella und Jochen schienen direkt vom Kuschelkurs auf Wolke Sieben zuzuschweben und ihre Eltern wirkten irgendwie auch viel erfüllter in der letzten Zeit.
Gretchen fielen auf einmal ein paar Worte von Marc ein, die er irgendwann mal zu ihr gesagt hatte. „Ich mach dich unglücklich.“
Unwillkürlich musste Gretchen grinsen. Sie holte ihr Handy unter dem Sofakissen hervor und tippte Marc schnell eine SMS.Danach widmete sie sich schließlich endlich dem Film...
Dass Jochen und Ella sich küssten, als das TV-Paar endlich ihr Happy-End gefunden hatte, kriegte Gretchen gar nicht mehr mit, sie war schon längst eingeschlafen und träumte von Marc und Intimenthaarungscreme.

Derweil klingelte weit weg in einer Amsterdamer Stadtwohnung ein Handy.
Meredy schrak bei den ersten Takten von „I Disappear“ vom Fernseher hoch, wo gerade irgendeine schrecklich schmalzige Sendung im „Garten Englands“ gespielt wurde, während James Hetfields sehr sehr lauter Gesang eine SMS auf Marcs Handy verkündete.
Dieser angelte ungedulig sein Handy unter der Couch hervor und lächelte leise, als ihm ein „Du bist mein Prinz“ entgegenstrahlte.

Spread a little love today
Spread a little love my way
Spread a little something to remember

~ x ~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

If I look to my right
Will I see the one I fight for?
If I look to my right,
Or if I turn to my left
Will I see that I've kept my heart locked up
Locked up so tight?

 Sprung  
Weitere Links
| Sicher und kostenlos Bilder hochladen|9-1-1 FanSeite|
zum Impressum | 2008- © Doctor's Diary FanForum | Admins JackySunshine & Seppy | Moderatoren Lorelei & Mellow | Gründerin des Forums Flora
Xobor Forum Software von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen
Datenschutz