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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 5.354 mal aufgerufen
 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
rorochen Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 253

10.08.2009 01:55
Story von Rorochen Zitat · Antworten

LOVE-HATE-TRAGEDY

Hallihallo, jetzt auch von mir ne kleine Story. Sie beginnt direkt nach der 1. Folge der zweiten Staffel. Alexis wird von mir etwas erträglicher gestaltet, als er bis jetzt in der Serie auftrat. Medhi wird nur sporadisch eine Rolle spielen. Sorry dass noch nicht so viel „Action“ zwischen Gretchen und Marc ist, aber ich bemüh mich für das nächste Kapitel. ;-) Also viel Spaß beim Lesen und hoffentlich Genießen.
1.RIOT!

If you feel so empty
So used up so let down
If you feel so angry
So ripped off so stepped on
You're not the only one
Refusing to back down
You're not the only one
So get up

Let's start a riot, a riot
Let's start a riot

(Three Days Grace-Riot!)

Gedankenverloren zog er an der Zigarette. Den Geschmack nahm er kaum war. Ablenkung war sein eigentliches Ziel, doch wie so vieles wollte auch das nicht klappen. Dr. Marc Meier konnte nicht mehr genau sagen, wie viele er schon in die kalte Nachtluft geblasen hatte, doch der Blick auf die Schachtel sagte ihm, dass es mehr waren als sein Normalmaß. Seine Augen richteten sich wieder auf den Ausblick. Vor ihm lag Berlin mit seiner beleuchteten Skyline. Der Ausblick war einer der ausschlaggebenden Gründe, warum er die Wohnung genommen hatte. Frauen standen drauf. Sie dachten dann, das Apartment wäre sicher höllisch teuer und wenn sich ein Mann so was leisten konnte, musste er sicher auch noch andere Qualitäten haben, doch die Oberarztmasche hatte in 99,9% der Fälle schon ausgereicht. Die 0,1 % die nicht darauf ansprangen, waren der Grund warum er jetzt hier stand, sich so fühlte. Er sah nicht die Gebäude, nicht die Lichter, die sich eng an den Horizont schmiegten, sondern nur das Lächeln, das Gesicht, die Frau, die es als erste geschafft hatte, ein lange weggesperrtes Gefühl in ihm wachzurütteln. Er wollte es niemals erleben. Nie sollte jemand in sein Inneres treten, nie die jungfräuliche Seele sehen, die so gar nichts mit dem Ego-Obermacho-Schwein Marc Meier gemein hatte und doch hatte es Gretchen Haase irgendwie geschafft, sich über eine versteckte Hintertür in sein Herz einzunisten. Wie viele Frauen hatten sich wegen ihm so gefühlt? Nie hatte er sich vorstellen können, warum sich alle nach Liebe, Glück und Geborgenheit sehnten. Für ihn gab es nichts schlimmeres, als sich für immer an jemanden zu binden, denn irgendwann musste man sich bekennen, sich öffnen, das zeigen was man Jahre verschwiegen hatte und würde dann die Liebe standhalten oder würde man wieder alleine dastehen? Diesen Test zu wagen war er in seinem ganzen bisherigen Leben zu feige gewesen. Die ständigen Affären hatten diese Abwehrtaktik zur Gewohnheit werden lassen und langsam hatte sich der Alltag eingeschlichen. Er dachte Gabi wäre eine weitere Befriedigung für seinen kurzen aber heftigen Hunger nach Zuneigung. Doch diesmal war er derjenige, der betrogen wurde, er derjenige, der verloren hatte und nun in einem Netz aus Intrigen und Erpressung gefangen war. Die Gedanke an seine Verlobte ließen ihn immer noch vor Wut und Angewidertheit erzittern. Hätte er den Mann nicht angefahren, nicht sterben lassen, alles wäre anders, vielleicht so wonach sich sein Herz, sein Körper so sehr sehnte. Doch die Gegenwart war nun mal grausam und es war ihm nicht vergönnt, glücklich zu werden, sondern einfach nur so weiterzuleben wie bisher. Es sah sogar kurz so aus, als würde doch noch alles gut werden, er hatte Gabi rausgeschmissen, er hätte es sogar auf sich genommen, wenn sie ihm die Lizenz entzogen hätten, nur dass er endlich in seinem Leben hätte einmal richtig glücklich sein dürfen. Doch irgendwie war er diesmal derjenige, der hinterhinkte. Er kramte das Briefkuvert mit den verbrannten Resten der 45 Liebesbriefe hervor. Er musste sich die Tränen weg blinzeln. Langsam öffnete er die Lasche und ließ die schwarzgekohlten Papierschnipsel in den dunklen Himmel aufsteigen. Sie hatte sich verabschiedet, war weitergezogen, machte mit ihrem Leben weiter und er konnte es ihr nicht verübeln. Sie hatte Jahre lang auf ihn gewartet, insgeheim gehofft, er würde sie irgendwann erretten, doch nun war er derjenige der errettet werden wollte und der letzte Anker wurde vor seinen Augen von einem lauen Herbstwind für immer davon getragen.
Sein Handy vibrierte, es war Gabi. Seufzend lies er auch das Kuvert fallen und ging an sein Telefon. Er hatte sie den ganzen Abend ignoriert, irgendwann musste er rangehen, sonst stellte sie nur wieder dämliche Fragen.
„Meier?“
„Komm', tu nicht so, du siehst ganz genau auf deinem Display, wer anruft.“
„Ich dachte ich könnte es noch ein Stück verdrängen...“
„Was war das?“
„Nichts..Nichts..was willst du, ich denk heute hätte ich deine Erlaubnis, dass ich allein sein dürfte.“
Am anderen Ende war ein kurzes Lachen zu hören.
„Oh nein Marc, in diese Scheiße hast du dich ganz allein geritten. Und für deine Unverschämtheit gehst du heute mit mir essen. Ich erwarte dich in einer Stunde.“ Und schon hatte Gabi aufgelegt.
Ihm ging es gewaltig auf den Nerv nicht nur diese Schl**** heiraten zu müssen, sondern auch noch diese ständigen kleinen Machtbeweise von ihr ertragen zu müssen. Sie hatte ihn völlig in der Hand.
Langsam erhob Marc sich von seinem Hocker, auf dem er die letzten Stunden auf seinem Balkon verbracht hatte. Wenigstens ein Gutes hatte die Raucherei: Gabi würde ihm heut sicher nicht die Zunge in den Hals stecken.

Eine anderthalbe Stunde später bog der weiße Volvo in die freie Parklücke und verharrte schließlich lautlos dort.
„Für die Hochzeit müssen wir uns aber ein Auto leihen, ich will doch nicht in dieser Schrottschüssel vorfahren.“ setzte Gabi ihren Folterkurs vor. Ihre Taktik hatte sich verändert. Wollte sie vor einiger Zeit noch Marcs Herz erobern, war es jetzt ihr Anliegen ihn so klein wie möglich zu bekommen und ihn völlig abhängig zu machen. Seine Liebe konnte sie nie gewinnen, das war ihr klar geworden, und außerdem war es viel einfacher ihn dazu zu bringen zu tun, was sie will wenn sie ihm ständig vor Augen hielt welches Geheimnis sie teilten.
„Hmmh, wo doch das Auto so toll zu deinem Wesen passt.“ antwortete Marc mit einem trockenen Lachen und konnte den lodernden Hass in seinem Blick nicht unterdrücken.
„Ach, sorgt es auch dafür, dass du weiter als Oberarzt arbeiten darfst?“ Das hatte gesessen. Mit einem tiefen Atem schluckte Marc weitere Antworten herunter und stieg schweigend aus dem Auto. Natürlich hatte Gabi keine x-beliebige Currywurst-Bude ausgesucht, sondern den neuen Edel-Italiener. Doch nicht nur um die Geldbörse von Dr. Meier zu belasten, hatte Gabi dieses Lokal zu ihrem heutigen Ausflugsziel erklärt. Wie der Zufall es so wollte, hatte sie erfahren, dass noch eine ganz andere Person plante, heute Abend hier zu speisen. Zielsicher lief Gabi ohne auf Marc zu warten in das Restaurant. In einer hinteren Ecke entdeckte sie ihr Objekt der Begierde, naja nicht ihrer. Und doch konnte sich ein kleiner Herzschmerz durch ihre Brust kämpfen, warum sie nicht Marcs Auserwählte war. Gerade in dem Moment trat dieser hinter ihr durch die Tür. Zum Glück hatte er sich nicht weiter in dem Raum umgesehen und wartete darauf, dass Gabi einen Tisch aussuchte, bevor er sich wieder irgendwelche Kommentare anhören musste. Natürlich wählte sie den Platz mit den besten Blick auf Gretchen und Alexis von Buren. Gabi stellte sich vor ihren Stuhl, in der Erwartung Marc würde ihr beim Setzen helfen so wie es die Etikette in so einem Etablissement vorschrieb, doch Dr. Meier setzte sich einfach auf einen Sessel und schaute Gabi fragend an: „Willst du dich nicht setzen?“
Mit zusammengepressten Lippen tat sie das auch. Marc wusste natürlich, was sie wollte, doch er wollte ihr nicht jeden Sieg schenken. Doch Gabi hatte sich schon wieder in der Gewalt, ihr großer Triumph würde noch kommen.

Gretchen und Alexis hatten inzwischen noch nichts von der neuen Gesellschaft mitbekommen. Seit einiger Zeit traf sie sich nun schon mit dem Millionär. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten hatten sich zarte Bande zwischen beiden entwickelt. Beide genossen die Anwesenheit des anderen und bei Gretchen stellten sich langsam aber sicher kleine Schmetterlinge im Bauch ein. Natürlich waren sie kein Vergleich zu den Gefühlen, die bei Anblick von Marc Meier in ihr hervortraten. Wollte man die Metapher weiterführen, so müssten es bei Dr. Meier wahrscheinlich schon Flugsaurier sein, die sich in ihren Magen einschlichen. Doch das alles war gut weggesperrt, tief in ihrem Herzen. Sie und Marc konnten nicht glücklich werden. Auch hatte sie sich davon verabschiedet einen Menschen ganz lieben zu können, denn das konnte nun mal nur einer sein, und er war mit einem Krankenschwesterbiest verlobt. Doch sie musste weitergehen. Hier hatte sie einen Mann mit der Ambition zum auf Händen tragen. Würde sie ihn nie lieben können, so konnte sie doch wenigstens ein wenig in ihn verschossen sein. Die Hirntumoroperation war erfolgreich verlaufen, die unter anderem dafür verantwortlich war, dass sich Alexis nur betrank, oft falsche Empfindungen hatte, denn der Tumor hatte auf verschiedene Hirnareale gedrückt. Endlich konnte er sich dem Gefühl vollkommen hingeben, einen Menschen zu lieben, jemand der ihn nicht für seinen Kontostand sondern sein Wesen liebte. Gretchen hatte ihm aus Vorsicht die ganze Story vom Liebesdreieck zwischen ihr Marc und Medhi verschwiegen. Warum sollte die Wahrheit ihr wieder eine Beziehung kaputt machen, sie hatte schon genug angerichtet. Die Wahrheit hatte sie die Hochzeit mit Peter gekostet, die Wahrheit war dafür verantwortlich dass ihr große Liebe nicht dieselben Gefühle für sie hegte, die Wahrheit machte sie zu dem leicht übergewichtigen Single, der sie niemals sein wollte. Was sie nicht sehen konnte, dass die Wahrheit sie zu dem Menschen machte, den diese Männer liebten, was ihr Wesen, ihre Stärken ausmachte, dieses Leuchten im Inneren was Marc so treffend als „eine Art innerer Schönheit“ beschrieb.
„So ihre Vorspeise“ unterbrach der Kellner ihre Gedanken und stellte die Fruchtspieße vor ihnen ab.
„Sieht gut aus oder Gretchen?“ lächelte Alexis sie freudig an.
„Ja, sicher.“ Endlich mal Obst das ich mir mal freiwillig reinziehe.
Gabi hatte sich inzwischen hinter einer Speisekarte positioniert so das sie Marcs Gesicht ständig im Blick hatte. Zum Glück war nur eine davon auf dem Tisch so, dass Marc gezwungenermaßen seinen Blick schweifen lassen musste, wollte er nicht gerade Gabi in die Augen schauen. Langsam schwang sein Kopf in die hintere Ecke.
Drei...Zwei...Eins...und jetzt hat er sie entdeckt. Es war nicht schwer das zu erraten, wenn man Marcs Züge einigermaßen kannte. Und Gabi war wenn man das so nennen konnte eine Marcs-Gesichtslese- Expertin. Viel zu oft hatte sie sein Gesicht studiert, wenn er schon nach dem Sex eingeschlafen war. Seine Züge versteinerten sich, eine Zornesfalte trat zwischen seinen Augenbrauen und seine Muskeln um den Mundwinkel zuckten merkwürdig, so als ob er krampfhaft die Zähne aufeinander biss. Nun kam der Kellner an ihren Tisch.
„Wissen sie schon, was sie trinken möchten“ fragte er und hatte dabei seinen Notizblock gezückt.
„Ich hätte gerne einen Rotwein, können sie was empfehlen?“ setzte Gabi das Gespräch fort, doch konnte sie sehen, wie Marcs Eifersucht von Sekunde zu Sekunde stieg.
„Wir hätten da einen ganz wunderbaren Chianti, ein Rotwein aus der Toskana, ein harmonisch würziger Geschmack mit einer leichten Tannine für einen samtigen Abgang.“ Gabi wusste zwar nicht was das bedeutete, doch es hörte sich teuer an und das war worauf es ankam, wenn sie sich schon an einen Mann kettete, der sie nicht liebte, dann wenigstens mit Stil.
„Und der Herr?“ wandte sich der Kellner an Marc.
„Haben sie was Hochprozentiges?“
„Natürlich, Whisky, Scotch, Schnaps, Wodka, Gin, Tequila, Cachaça, Cognac. Alles was sie wünschen. Persönlich würde ich einen Grappa empfehlen, den beziehen wir exklusiv aus einem kleinen Anbaugebiet im Süden Italiens.“ versuchte der Kellner Marc zu beraten.
„Ja bring sie mir einen doppelten.“ brachte er den Kellner endlich zum schweigen und zeigte ihm mit einem Händewedeln das er gehen könne. Marcs Blick hatte sich die ganze Zeit nicht von der Szenerie lösen können. Er musste mit ansehen, wie Alexis den Fruchtspieß nahm und begann Gretchen damit zu füttern. Die fischte ein Fruchtstück von dem Holzspieß und konnte sich ein neckisches Lachen nicht verkneifen. Der Kellner hatte inzwischen die Getränke gebracht. Kaum hatte die Spirituose vor Marc abgestellt, griff dieser auch schon danach und stürzte sie in einem Zug hinunter. Das Getränk brannte angenehm in der Kehle, doch die gewünschte Entspannung wollte sich nicht einstellen.

Alexis hatte nicht ganz uneigennützig diese Fütterstrategie gewählt.
„Warte, du hast da einen Kern“ Schon streichelte er ihr langsam aber umso intensiver über ihre Lippen um ihn zu entfernen. Gretchen biss sich verführerisch auf die Lippe. Wow er gibt sich richtig Mühe, ich weiß nicht was süßer ist, die Handlung oder die Absicht dahinter. Im Inneren fühlte sich es an als würde ein kleiner Flummi auf und ab hüpfen, so sehr schmeichelte es Gretchen dass sich jemand einmal wieder richtig Mühe gab sich ihr zu nähern.
„Hmmh...und was erwarten sie jetzt für ihre glorreiche Tat, Herr von Buren.“
„Die Rettung ist ja noch nicht abgeschlossen, ich muss ja noch sicher gehen, dass ihre Lippen das unbeschadet überstanden haben.“ Als keine Antwort kam, fühlte sich Alexis ermutigt und positionierte seine Lippen auf ihren. Er hat ja mal definitiv einen Oscar für die beste „Wie ergattere ich einen Kuss von Dr. Gretchen Haase“ Performance verdient.
Marc hatte inzwischen seinen zweiten Drink in einem Schwung geleert. Doch als er sah wie sich die Szene vor seinen Augen so gar nicht zu seinem Gefallen entwickelte, entschloss er sich kurzerhand einzugreifen.
„Ich geh mal auf Toilette.“ sagte er knapp, stand auf und bewegte sich in Richtung hinteren Ecktisch. Gabi hatte das ganze Schauspiel genüsslich bei ihrem Glas Wein beobachtet. Oh gleich steuern wir zum Höhepunkt hin.

„Haasenzahn, du auch hier?“
Sofort schlug Gretchen die Augen auf und blickte in das attraktive Gesicht ihres Oberarztes. Für eine Sekunde verschlugen sich ihre Blicke ineinander, doch die Gegenwart war schneller wieder da als gewollt. Gezwungen durch die Unterbrechung löste sich Alexis aus dem Kuss und musterte den Eindringling argwöhnisch.
„Marc, was für eine...Überraschung.“ Um die Stimmung, die sich von Sekunde zu Sekunde mehr spannte, etwas aufzulockern, sollten sich die Kontrahenten doch nach Gretchens Meinung wenigstens kennenlernen.
„Alexis, das ist mein Oberarzt Dr. Marc Meier. Marc, das ist Alexis von Buren.“ stellte Gretchen die Männer vor ohne einem in die Augen zu schauen.
„Wir kennen uns bereits aus dem Krankenhaus.“ antwortete Alexis nur knapp, ohne jedoch Marc aus den Augen zulassen.
„Ach ja, und wie geht’s dem den Kopf“ gab Marc spöttisch zurück.
„Ganz gut.“ In Alexis Stimme schwang ein zorniger Unterton mit. So als wären sie alte Freunde, drängte sich Marc neben Alexis auf die enge Eckbank und schnippste nach dem Ober. Der kam auch prompt.
„Hier, bringen sie drei Drinks für mich und meine Kumpel.“
„Sehr wohl.“ antwortete die Bedienung und war schon Richtung Tresen verschwunden.
Gretchen wurde indessen immer ungehaltener. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen was dieser Auftritt Marcs zu bedeuten hatte. Meine Damen und Herren, so eben entdeckt: eine zweite Spezies Mensch: Homo sapiens marcensis, verhalten sich am liebsten wie Arschlöcher, haben einen unstillbaren Sexualtrieb und keinerlei Gefühlszentrum. Sie sind am liebsten Einzelgänger, zur Paarungszeit kommt es jedoch zu heftigen Revierkämpfen.
„Marc, vielleicht wäre es jetzt besser wenn du gehst, Gabi wartet sicher schon.“ versuchte Gretchen das Spektakel zu beenden, denn sie hatte die schleimige Krankenschwester inzwischen am Nebentisch gesichtet.
„Die ist doch sonst auch alleine, außer wenn sie mir an der Backe klebt.“ wischte Marc den Einwand weg und konzentrierte sich wieder auf Alexis. „Außerdem schätzt doch unser ehrenwerter Freund hier auch ein gutes Schlückchen oder? Sind sie nicht besoffen in einen gefrorenen Teich gefallen?“
„MARC! Verlass auf der Stelle den Tisch.“ Gretchen war auf der Stelle aufgesprungen.
Alexis wollte Marc jedoch nicht diesen Sieg schenken und legte Gretchen beruhigend die Hand auf die Schulter und brachte sie dazu sich wieder zu setzen. „Ja ich hatte tatsächlich eine Bekanntschaft mit Eiswasser, doch die Koordinationsstörungen lagen hauptsächlich an dem Gehirntumor. Doch dank Gretchens rettenden Eingriff und ihrer talentierter Händen bin ich wieder vollkommen hergestellt.“ Alexis lies seine Hände sanft von Gretchens Schulter zu ihren Händen wandern und küsste diese sanft, blickte ihr dabei ständig in die Augen. Das machte Marc nur noch rasender, doch die gelieferten Drinks entfachten in ihm einen neuen Plan. Marc drückte Alexis das Glas in die Hand, nahm selbst eins, auf Gretchen wartete er nicht.
„Na dann auf ihr neues Leben.“ Beide Männer sahen selbst im Austrinken einen Konkurrenzkampf und leerten die Gläser in einem Zug. Alexis nahm selbst noch die Olive aus dem Glas, die in dem Drink geschwommen hatte. Das war Marcs Stichwort. Sobald das grüne Etwas in seinem Mund verschwunden war, klopfte er Alexis kräftig auf den Rücken. „Was für gutes Zeug oder?“ sagte er noch dazu um es wie einen Unfall aussehen zu lassen. Der gewünschte Effekt trat ein und Alexis blieb die Olive im Rachen stecken. Heftig keuchend versuchte dieser sie aus eigener Kraft aus seinem Atemtrakt zu entfernen. Wie aus Affekt zog Marc Alexis mit sich, befreite sich aus der Enge zwischen Sitzbank und Tisch und umfasste seine Brust von hinten und versuchte so die Olive auf ihren eigentlichen Weg durch die Speiseröhre zu schicken. Dabei beugte er sich wie zufällig an Alexis Ohr und flüsterte leise:“Ich sag das nur einmal. Lass die Finger von ihr oder das nächste Mal wird es keine Olive sein.“ Mit einem kräftigen Husten befreite sich das Hindernis aus den Rachen von Alexis von Buren. Der starrte jedoch nur Marc Meier an. Gretchen war sofort an Alexis Seite geeilt und half ihm wieder auf die Beine. „Alles in Ordnung?“ fragte sie besorgt.
„Ja, alles okay dank meinem LEBENSretter, Dr. Meier hier.“ Gretchen war die spezielle Betonung nicht entgangen, doch sie konnte Alexis später immer noch fragen, wenn wieder etwas Farbe in sein Gesicht gekommen war. Sie stütze ihn und führte ihn wieder zu ihrem Platz. Marc hatte sie dabei keines Blickes gewürdigt. Dieser stand schwer atmend abseits. Irgendwie war das nicht so gelaufen wie er es wollte. Wie wollte er denn überhaupt, dass es lief. Er wusste es nicht. Was machte er überhaupt hier, solche eine Szene zu machen würde zu seiner Mutter passen, aber nicht zu ihm. Er hatte seine Gefühle mit ihm durchgehen lassen. Er hatte befürchtet dass das irgendwann passieren würde. Direkt mit Gretchens potenziellen Lovern konfrontiert war sein rationaler Verstand fast komplett ausgeschaltet. Doch jetzt funktionierte er wieder einwandfrei und er konnte sich auch schon denken, wer das hier indirekt eingefädelt hatte, als er Gabis teuflisches Grinsen sah. Sie hatte alles aus beruhigender Entfernung beobachtet und sich köstlich amüsiert. Marc konnte nur mit Not seine wieder aufkeimende Wut unterdrücken und machte sich ohne ein weiteres Wort an Gretchen oder Alexis auf dem Weg zu Gabi an den Tisch. Er fummelte einen 50 Euro Schein aus dem Portmonee, schmiss ihn auf den Tisch, griff nach Gabis Handgelenk und zerrte sie aus dem Lokal dass ihnen jeder nachsah, sogar Gretchen und Alexis.
Draußen lockerte er seinen Griff.
„Das war das letzte Mal, dass du mich so vorführst, hast du verstanden?“ donnerte Marc mit seinen Vorwürfen los.
„Wer hat hier wen vorgeführt? Du hast dich ganz allein zum Affen gemacht, ich hatte damit nichts zu tun.“ gab sich Gabi völlig ahnungslos, was Marc nur noch mehr auf die Palme brachte.
„Ich werde dich heiraten, doch niemals werd ich mich von dir domptieren lassen. Eher verrott' ich im Knast als dein Schoßhündchen zu werden.“
„Ach, wollen wir es drauf ankommen lassen?“ Gabi konnte Marcs Einwänden noch nicht ganz Glauben schenken.
„Wenn du willst ruf ich die Polizei selbst.“ antwortete Marc und sah ihr dabei eisern in die Augen. Gabi bemerkte, dass sich das Spiel langsam zu ihren Ungunsten veränderte und sie wahrscheinlich den Bogen überspannt hatte. Wortlos nahm sie Marc das gezückte Handy aus der Hand und lief mit hängenden Kopf zum Wagen. Ein kleines triumphierendes Lächeln konnte sich Marc nicht verkneifen. Vielleicht gab es doch irgendeinen Weg aus dieser Misere herauszukommen.

Gretchen hatte inzwischen von Alexis verabschiedet. Nachdem sie sich wieder etwas von Orkan Meier erholt hatte, wurde es noch ein schöner Abend, der schließlich mit einem Kuss vor Gretchens Haustür endete. Doch irgendwie schaffte es ein bestimmter Oberarzt immer wieder sich in ihre Gedanken zu schleichen.
Wenn was schief läuft in meinem Leben, hat es irgendwie immer mit Marc Meier zu tun. Warum kann es nicht einfach mal heißen: Und sie lebte glücklich bis an ihr Lebensende ohne je wieder etwas von Marc Meier gehört zu haben. Doch jedesmal schiebt er sich dazwischen, gewollt oder ungewollt. Wenn es nicht so abwegig klingen würde, könnte man meinen er wäre eifersüchtig. Doch umso länger sie darüber nachdachte, klang das gar nicht so abwegig. Nein es ergab sogar alles einen Sinn, der Schlag auf den Rücken, das Flüstern während er Alexis „half“ und dann dessen komische Reaktion. Irgendetwas musste Meier gesagt haben. Und Gretchen würde auch rausfinden was. Leider mischte sich auch ein anderes Gefühl in ihr Herz: Freude, pure lebensechte Freude, dass Marc Meier eifersüchtig war, eifersüchtig weil naja weil...wegen was eigentlich, weil er sie liebte? Weil er gerne die Hauptperson war, weil er mit Frauenherzen gerne spielte? Das war es nun, was sie rausfinden musste und sie wusste nicht, ob ihr die Antwort gefallen würde...

rorochen Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 253

11.08.2009 01:57
#2 RE: Love-Hate-Tragedy Story by rorochen Zitat · Antworten

So hier wie bestellt der zweite Teil :-).

2.Breaking The Habit
I don't know what's worth fighting for
Or why I have to scream
I don't know why I instigate
And say what I don't mean
I don't know how I got this way
I know it's not alright
So I'm breaking the habit
I'm breaking the habit
Tonight

(Breaking The Habit- Linkin Park)


Der nächste Morgen verlief für Gretchen ziemlich ungemütlich. Schon die Nacht über hatte sie kaum geschlafen. Einerseits freute sie sich über eine sich anbahnende Beziehung zu Alexis und was noch schlimmer (oder besser?) war, dass Marc anscheinende eifersüchtig darauf war. Warum musste Marc nur immer dazwischen funken, wenn es einmal so aussah, dass sie glücklich wurde. Wieder schlug sie die Augen auf und starrte auf ihren Wecker, nachdem sie noch locker hätte 30 Minuten schlafen können, doch die Unruhe ließ sie nicht mehr einschlafen. Frustriert und total verschlafen quälte sie sich aus ihrem warmen rosa Nest und machte sich fertig. Frisch geduscht und etwas klarer im Kopf schlich sie die Treppe zur Küche hinunter. Was sie jetzt nicht brauchen konnte, waren die bohrenden Fragen ihrer Mutter, die natürlich jedes Detail ihrer Dates mit Alexis hören wollte. In ihren Gedanken sah sie Gretchen schon in einer Villa sitzen, umgeben von ein paar Kindern, sie führt gerade die Planung für ein abendliches Dinner durch und checkt noch einmal die Gästeliste. Endlich konnte sie diese unsinnigen Karrierewünsche aufgeben und den Männern das Geldverdienen überlassen, so wie es die Evolution vorgesehen hatte. Zum Glück fand sie nur ihren Vater in der Küche vor wie er sich gerade einen Kaffee einschenkte. Sein Gesicht überzog so ein merkwürdiges Grinsen, so völlig zufrieden hatte sie ihn noch nie gesehen.
„Morgen Papa.“ Machte sich Gretchen bemerkbar.
„Oh hallo Kälbchen.“ Mehr war von ihm nicht zu hören und er wandte sich wieder seinem Blick aus dem Fenster zu.
„Alles Okay?“
„Ja natürlich, heute ist so ein schöner Tag, wieso sollte es mir da schlecht gehen.“ Noch immer hatte er diesen Ausdruck in den Augen, der mich irgendwie an mein Gesicht erinnerte, als ich meinen ersten Joint probiert habe. Ein Blick aus dem Fenster verstärkte den Eindruck, denn der Himmel war total grau und der Regen prasselte leise an die Scheibe. Toll und bei so einem Wetter muss ich mit dem Fahrrad fahren. Obwohl...
„Sag mal Papa, kann ich heut mal das Auto nehmen. Ich bin auch ganz...“ weiter kam Gretchen nicht, ihr Vater reichte ihr schon die Schlüssel. Normalerweise war ihr Vater in dieser Hinsicht ein typischer Macho, der nur sehr ungern sein Auto vergibt, natürlich jeder Kratzer und jede Beule dann nie seine Schuld waren. Aber lieber einmal trocken im Krankenhaus ankommen, wenn ihr auch noch die Begegnung mit Marc bevorstand. Nach einer Tasse Kaffee und einem Schokomuffin verschwand Gretchen auch schnell, nicht dass ihre Mutter doch noch einen Angriff auf sie starten könnte.
Als sie auf den Parkplatz einbog, war von Marcs weißer Reisschüssel noch nichts zu sehen. Schnell stellte Gretchen das Auto ab und hechtete zum Aufzug um ungesehen in die Umkleide zu kommen. Warum fürchtete sie eigentlich die Begegnung mit Marc, sie hatte doch nichts verbrochen, er hatte sich wieder mal wie ein Sackgesicht aufgeführt. Und trotzdem wummerte ihr Herz schneller als sie nur an seinem Spind vorbeiging. Sollte sie??? Doch bevor sie sich versah hatte sie Die unverschlossene Tür geöffnet. Schade nichts weiter als ein paar Kondome (TYPISCH!!!) und ein getragener Kittel hingen darin. Sofort strömte ihr sein Geruch entgegen. Sie konnte nicht anders, sie musste ihn anfassen, ihn riechen, bis sie sich von Marc Meier Pheromonen eingekreist fühlte. Als sie wieder aus ihrer Traumwelt zurückgekehrt war, entdeckte sie einen dunklen Fleck an der Rückwand des Schranks, der vorher durch den Kittel verdeckt war. Bei näherer Betrachtung, war es kein dunkler Fleck, es war ein Foto...und nicht irgendein Foto...ein Foto von ihr vom letzten Personalausflug. Die Welt schien für eine Sekunde still zu stehen. MARC MEIER, der Marc Meier hatte ein Foto von ihr im Spind hängen, oh Gott, hier war der erste handfeste Beweis, dass MM (Machomeier!!!) doch irgendwas an ihr fand. Oder er will sich einfach nur vor Augen halten, mit wem sein Beuteraster niemals Ähnlichkeit haben darf. Sagte eine innere Stimme in ihr. MAUL Gehirn!!!. Aber sie war doch wieder etwas auf den Boden der Tatsachen angekommen. Sie konnte doch nicht wirklich annehmen, dass sich Marc nach ein paar Monaten in sie verliebt hatte, wo er sie Jahre gequält, gedemütigt und gekränkt hatte. Plötzlich hörte sie Schritte auf dem Gang, die sich bedrohlich schnell näherten. Blitzartig schlug sie die Tür zu Marcs Spind wieder zu, stopfte den erbeuteten Kittel in ihren eigenen (Beute ist Beute.) als auch schon ihr Oberarzt himself die Umkleide betrat.

Marc hatte gestern Abend kein Wort mehr mit Gabi gewechselt. Sie hatte es aus Selbstschutzmaßnahmen vorgezogen im Schwesternwohnheim zu schlafen und war Marc seit dem auch nicht wieder begegnet. Trotzdem er sich so verfluchte dermaßen die Facon verloren zu haben, tat der Alkohol sein übriges und bescherte ihm einen traumlosen Schlaf, der am Morgen aber von entsetzlichen Kopfschmerzen je unterbrochen wurde. So kam er am Morgen im Krankenhaus und sah natürlich als erstes die Frau, die er an diesem Morgen (mal von Gabi abgesehen) nicht sehen wollte.
„Morgen.“ Begrüßte er Gretchen und drehte sich dann zu seinem Spind um und tat so als ob nichts passiert wäre (Komisch hing da gestern nicht noch ein Kittel drin?).
Ein bisschen befriedigte sie Marcs Anblick schon, also nicht so ihre Libido-Seite, eher die total wütende und enttäuschte Seite. Anscheinend hatte er einen ganz schönen Kater nach der Menge an Alkohol die er gestern vertilgt hatte.
„Alexis geht es übrigens wieder gut.“ Brachte Gretchen das Thema auf, worüber er nicht diskutieren wollte, sie aber umso mehr.
„Schön für ihn.“ War Marcs knappe Antwort und schon wollte er den Raum verlassen, doch Gretchen hatte das schon vorausgeahnt und versperrte ihm den Weg.
„Und was soll das jetzt werden? Ich muss zur Visite.“
„Erst will ich wissen, was das gestern sollte.“ Wow so knallhart kenn ich mich ja gar nicht.
„Wieso was war denn gestern? Gabi und ich hatten einen schönen Abend (Hab ich das jetzt echt gesagt) dann habe wir dich und deinen...Freund entdeckt, was getrunken, ich hab ihn gerettet und naja dann war auch schon Mitternacht und somit heute.„ spielte Dr. Meier die Ereignisse herunter.
„So? Dann lass mich doch mal mein Erinnerungszentrum befragen. Alexis und ich hatten einen schönen Abend, bis du dazwischen geplatzt bist. Du hast gesagt Gabi würde dir schon lang genug an der Backe kleben, dann sprichst du meinen Freund (Ich nenne ihn einfach mal meinen Freund) auf seinen Tumor an, bietest ihm Alkohol an, obwohl du offensichtlich weißt, dass er ein Trinkproblem hatte, schlägst ihm s kräftig auf den Rücken, dass er sich an einer Olive verschluckt und markierst dann den Superhelden um ihm irgendwas ins Ohr zu flüstern.“ Rekapitulierte Gretchen die Ereignisse aus ihrer Sicht.
„Ja, wo ist jetzt der Unterschied zwischen meiner und deiner Version?“
Doch Gretchen lies sich nicht vom Arschloch-Modus abwiegeln sondern fragte die Frage die ihr auf den Nägeln brannte.
„Kann sein, dass der Unterschied ist, dass ich glücklich bin, und du das nicht ertragen kannst?“
Für einen Moment hielt Marc die Luft an so sehr hatte sie den Nagel auf den Kopf getroffen, doch das durfte er sich natürlich nicht anmerken lassen.
„In deinen Träumen vielleicht. Ich weiß doch, wie lange du schon auf mich stehst und jetzt suchst du eine Strategie wie du dich wieder in Spiel bringen kannst, obwohl Gabi und ich doch glücklich sind.“ In dem Moment wo der Spruch seinen Mund verlassen, bereute er schon seine Worte. Wieder einmal hatte der „Alte“ Meier gesprochen, der, der alles von sich fernhalten wollte, obwohl doch das Gesprochene so das Gegenteil war, was er wirklich empfand.
„Du bist wirklich einzigartig Marc Meier. Du hast es wahrhaftig fertig gebracht, dich von der Schulzeit bis jetzt in ein noch größeres Arschloch zu verwandeln, als du es früher schon gewesen bist.“ Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und verließ den Raum.
Marc verfluchtete sich und ließ seine Wut an einer Spindtür aus, die er mit seinen Fäusten bearbeitete.
Wieder einmal weinte sie, wieder einmal wegen Marc Meier. Irgendwie müsste sie es doch langsam gewöhnt sein, jedes Mal wenn sie sich näher kamen einen Arschtritt von ihm zu bekommen. Nein, sie musste die Hoffnung endlich begraben, sie hatte einen neues Licht am Ende eines stachligen Weges, obwohl sie doch insgeheim wusste, dass es auch diesmal nichts brachte, sich Marc aus dem Kopf zu schlagen. Der Tag verging ohne weitere Zwischenfälle. Gretchen hatte sich zu Dr. Hassmann geflüchtet unter dem Vorwand ja mal in jeden Chirugiebereich hineinschnubbern zu wollen. Die hatte sich nichts weiter dabei gedacht und war immer offen für interessierte Assistenzärzte, vor allem weibliche, die sie nach ihrem Ebenbild formen konnte.
Marc hatte musste in Gretchens Abwesenheit mit dem neuen Assi Maurice Knechtelsdorfer vorlieb nehmen müssen, der bei weitem nicht das Talent, den Instinkt und das schnelle Reaktionsvermögen von Margarete Haase besaß. Insgeheim hoffte er sie beim Mittagessen zu treffen, doch Gretchen hatte es so arrangiert nicht mal hier auf Dr. Meier treffen zu müssen. Stattdessen saß sie mit Medhi in seinem Büro und vertilgte dort ihr Essen. Medhi konnte sein Glück noch gar nicht fassen, einmal ohne Meier Gretchen für sich allein zu haben. Und zur Abwechslung sprach sie nicht einmal die ganze Zeit nur von Marc Meier. Eigentlich sprach sie überhaupt nicht viel, sondern er redete die ganze Zeit.
„Und dann hat sie sich wieder darüber beschwert, dann ich sie nie sanft die Treppe hinunter tragen kann, als ob sie sich noch beschweren dürfte, sie kann froh sein, dass ich sie jedes mal trage.“ Hatte Medhi mal wieder eine seiner zahlreichen Beschwerattacken über seine Frau begonnen.
„Hmmh...und was willst du machen?“ Gretchen kam sich vor wie die Mitarbeiterin bei einer Flirt SMS Line, bei dem die Mitarbeiter immer Fragen stellen sollen, damit der andere nur weiter SMS schreibt oder in dem Fall weiter erzählt. Doch Dr. Kaan war nicht blöd, er hatte bemerkt, dass Gretchen keiner der Worte lauschte, die er sagte.
„Naja da hat Anna gesagt, ich soll zu dir gehen und dir sagen dass ich unsterblich in dich verliebt bin und ich mich von ihr scheiden lassen soll.“
„Was hat Anna gesagt?“ fragte Gretchen gedankenverloren.
„Sag mal kann es sein, dass du mir überhaupt nicht zu hörst?“
„Tut mir leid Medhi, aber war gestern ein bisschen spät.“ Versuchte Gretchen wieder aus der Sache rauszukommen.
„Hmmh schon klar...“ Er wollte keinen Streit mit Gretchen anfangen, so nah wie jetzt waren sie sich schon lange nicht mehr gekommen, also sie hörte ihm zwar nicht zu, aber sie war wenigstens wieder bei ihm. Für den Augenblick wollte er das so akzeptieren, denn Meier war anscheinend noch mehr bei ihr unten durch als er. Er hatte nur einmal seinen Namen gesagt und sofort sah er die Feindseligkeit in ihren Augen und hatte das Gespräch schnell auf ein anderes Thema gelenkt.

Marc musste sich irgendwas einfallen, sonst hatte er sie für immer verloren. Er wusste, auch Gretchen Haases Liebe ist nicht unerschöpflich und er sah seine Zukunft nun mal nicht mit Gabi, wenn er sich schon an eine Frau klammern musste, dann immer noch an die, die ihn auch glücklich machte. Die Sache mit Gabi würde sich schon irgendwie regeln, aber erstmal musste er Gretchen wieder versöhnlich stimmen. Doch was würde sie wieder auf seine Seite ziehen, sie ist ziemlich sauer, also musste er ihr zeigen, dass er auch eine andere Seite hat. Das Vertrauen, dass er damit in sie setzte musste ihr wenigstens zeigen, dass es ihm leid tat. „Sabine, haben sie heute Abend schon was zu tun?“ fragte Marc die plötzlich im Raum auftauchende Schwester.
„Ja, also eigentlich...“
„Gut. Ich brauche nämlich ihre Hilfe.“ Nach einem abschätzenden Blick: „Also die ihrer weiblichen Seite.“
„Das wird der Frau Doktor aber gar nicht gefallen.“ sagte Sabine in ihr etwas begriffsstutzigen Art.
„Was jetzt?“ fragte Marc jetzt genau so begriffsstutzig.
„Na wenn sie mit mir schlafen.“
Marc blieb für einen Moment der Mund offen stehen. „Ich hatte nicht vor mit ihnen zu schlafen. Ich wollte bloß, dass sie mir helfen etwas zu organisieren, und da sie nun mal eine Frau sind, haben sie wahrscheinlich etwas mehr Ahnung was einer Frau gefällt.“
„Achso. Na wenn das so ist..“ lachte Sabine.
„Ja...“ sagte Marc und drehte sich wieder seinem Schreibtisch zu.
Dann weihte er Sabine in seinen Plan ein. Als sie fort war das nötigste zu besorgen, musste er sich noch eine Ablenkung für Gabi einfallen lassen. Einen Blick auf die Personalliste lies seine Planung nahe der Wirklichkeit rücken. Ein paar Minuten später stand Maurice Knechtelsdorfer vor ihm.
„Waren sie schon im gehen?“ Fragte Marc eher beiläufig.
Natürlich war er schon im gehen, er hatte heute Abend noch eine Braut am Start, aber wenn Dr. Meier ihn um etwas bat und er damit Eindruck machen konnte, würde er sogar Heidi Klum stehen lassen.
„Nein.Ich...“
„Fabelhaft. Wenn sie einen kleinen Gefallen für mich tun, können sie mir morgen bei der Implantation assistieren. Sind sie dabei?“ Natürlich würde er höchstens die Blutungen stoppen, aber das musste er ja nicht wissen.
„Natürlich, Herr Doktor Meier. Und was ist das jetzt für eine Aufgabe?“ Maurice war es nun doch etwas mulmig geworden, dass er so einfach zugestimmt hatte, ohne dass er wusste auf was er sich einließ.
„Ich werde heut Abend noch viel zu tun haben, Schreibkram und so, aber meine Verlobte wartet eigentlich zu hause auf mich. Sie ist momentan emotional etwas aus...dem Gleichgewicht, wäre schön wenn sie mal etwas nach ihr schauen könnten.“
Das war alles? Die Verlobte war doch diese Schwester Gabi. Na da gibt es wahrlich schlimmeres und wenn dann noch ne OP rausspringt. „Klar bin ich dabei.“ sagte Maurice und schlug in Marcs dargebotenen Hand ein. Gabi würde er das schon irgendwie erklären, so weit her war das mit IQ bei ihr ja auch nicht.

Gretchen wollte gerade die Autoschlüssel aus ihrer Handtasche fischen, um diesen schrecklichen Tag zu Hause ausklingen zulassen, also sich ein heißes Bad einlassen, viel Schokolade essen und dabei versuchen nicht über eine Tempo-Packung hinauszukommen, als sie von Sabine aus ihren Gedanken gerissen wurde.
„Frau Doktor ein Notfall, kommen sie schnell.“ simulierte Sabine eine Notsituation. Ohne das Gretchen weitere Fragen stellen konnte, lief ihre Freundin schon den Gang entlang.
„Na toll.“ Tschau Badewanne, Schokolade obwohl wegen der Schokolade ist es nicht so schlimm, was nicht gegessen wird, landet auch nicht auf der Waage.
„Wo ist der Notfall Schwester Sabine?“ fragte Gretchen in ärztlicher Routine.
„Hier im OP 4.“ Sabine nahm Gretchens Hand und schob sie durch die OP Türen.
„Ja aber ich muss mich doch erst mal steril machen.“ rief Gretchen Sabine hinterher, die komischerweise verschwunden war.
„Das einzige was du machen musst, ist mir...verzeihen.“ hörte sie eine Stimme aus dem Hintergrund. Als sie sich umdrehte, konnte sie ihren Augen nicht glauben. Da stand ihr Oberarzt, die Liebe ihres Lebens vor ihr im Anzug, attraktiv wie immer, der komplette OP-Tisch durch ein Tischtuch verdeckt. Darauf brannten drei Kerzen, standen zwei Teller. Auf dem Wagen, auf dem normalerweise die Instrumente und Operationsbestecke lagen, war praktisch ein ganzes Drei-Gänge- Menü aufgetafelt. Gretchens Hirn konnte die Fakten nicht zusammenfügen, deshalb sah sie Marc aus großen fragenden Augen an.
„Was soll das werden?“
Marc hatte sich wieder aus ihrem Blick gelöst. „Ich hab mich wie ein Arsch benommen und du hast allen Grund sauer auf mich zu sein.“ versuchte Marc sich zu entschuldigen und hatte den Blick auf den Boden gerichtet.
Schlagartig wurde Gretchen wieder klar, weshalb sie wütend auf Marc war. Sofort nahm ihr Gesicht einen zornigen Ausdruck an. Sie drehte sich um und wollte den OP verlassen, als sie seine Hand auf ihrer Schulter spürte, die für eine Sekunde das Blut in den Adern gefrieren lies.
„Bitte...“ wisperte Marc.
„Es brennt...es brennt wie Feuer...jedes Mal wenn mein Herz wieder von dir gebrochen wird. Und danach herrscht nur noch eine eisige Kälte.“
Sie drehte sich um und schaute ihn direkt in die Augen, die Tränen liefen ihr das Gesicht hinunter. Er konnte es kaum mit ansehen.
„Ich kann nicht ungeschehen machen, was ich dir angetan habe, und wenn ich es könnte würde ich es tun, ohne zu zögern. Ich hasse mich selbst dafür, niemand an mich rankommen lassen zu können, jeder hat irgendwann aufgegeben.“ Marc hatte etwas Abstand von Gretchen genommen. „Nur du bist jetzt immer noch hier.“ Er erwiderte ihren Blick. Gretchen wusste dass er es diesmal erst meinte, das war der gefühlvollste Marc Meier den sie je gesehen hatte, schon alleine die Mühe war beeindruckend, so beeindruckend dass sie ihm verzieh, doch nicht das sie noch einmal ihr Herz öffnete.
„Versprich mir, dass du mich glücklich werden lässt, mit dem Weg, den ich mir wähle.“ forderte sie als Gegenleistung für diesen Abend hier.
„Ich verspreche es.“ Niemals werd ich den Kampf aufgeben. Alexis von Buren, wer ist Alexis von Buren, MM ist jetzt am Start.
Einmal, wenigstens einmal wollte sie den Traum Wirklichkeit werden lassen, auch wenn sie morgen wieder in den grauen Alltag zurückkehren muss.
Plötzlich fing Gretchens Magen an zu knurren. Beide mussten lachen. Marc bot ihr seinen Ellbogen und sie schlag ihren Arm durch und drückte sich fest an ihn. Beide genossen das Gefühl der plötzlichen Zweisamkeit so lange es ging. Als sie vor ihren Tellern saßen, stieg ihnen ein eigenartiger Geruch in die Nase.
„Ist das Essen gut?“ fragte Gretchen.
„Eigentlich schon.“
Mutig tat unsere Lieblingsärztin den ersten Bissen. „Schmeckt normal.“ Marc tat es ihr nach und musste ihren Eindruck bestätigten.
Ohne Kollegen, ohne Patienten, ohne nervige Verlobte konnten sich beide richtig entspannen und das Dinner wurde mehr und mehr zu einem Date. Jede Minute schien eine Hürde nach der anderen zu fallen. Bald streichelte Marc Gretchens Hand, danach fasste wie zufällig zärtlich durch sein Haar. Als sie endlich beim Dessert waren, schwang die Stimmung plötzlich um. Die lang unterdrückte sexuelle Anziehung versuchte auf einmal mit einer Kraft an die Oberfläche zu drängen, dass beide kaum ruhig sitzen konnten. Gretchen wollte sich neues Wasser einschenken, musste sich dabei etwas vorbeugen und gab Marc damit einen tieferen Einblick in ihr Dekolletee. Schon das allein reichte. Er musste seine komplette Energie aufbringen um nicht über sie herzufallen. Was war nur los? Er war doch kein Teenie mehr, er wusste doch wie er sich unter Kontrolle halten konnte. Die Spannung wurde zu groß, Marc sprang von seinem Stuhl. Der klägliche Versuch die überschüssige Lust in Bewegung umzuwandeln misslang gründlich. Er machte alles nur noch schlimmer, denn jetzt hatte Gretchen freien Blick auf die Beule in seiner Hose, die irgendwie seit Anfang des Dinners größer geworden war. Jetzt hatte auch Marc das Missgeschick bemerkt und drehte sich um Gretchen den Anblick zu ersparen. Er wollte nicht den Eindruck machen, er hätte das alles nur organisiert, nur um sie ins Bett zu bekommen, obwohl ihn eine Wendung der Ereignisse in diese Richtung nicht gestört hätte. Doch Gretchen konnte bestimmte lüsterne Gefühle nicht unterdrücken, griff Marc an seinem Sakko-Kragen und zog ihn in das angrenzende Patientenzimmer. Die Betten waren frisch bezogen, die Folie lag darüber. Wenigstens diese konnten sie entfernen, bis das passierte, was sich beide schon lange wünschten, der eine länger, der andere kürzer.
Als es schon dämmerte, lagen beide schweigend in den Armen des anderen. Für sie war es eine neue Erfahrung, die nur die wahre Liebe bringen konnte, wenn sich zwei Seelen lückenlos ineinander schmiegten und sich auf gleicher Ebene trafen. Gretchen war die erste, die bemerkte, dass die Zeit nur in ihrer Fantasie stehen geblieben war und begann sich langsam ihre auf dem Boden verstreuten Klamotten einzusammeln.
„Ich will nicht aus diesem Traum aufwachen.“ hörte sie Marc hinter sich sagen. Komisch irgendwie hatten sich ihre Rollen vertauscht. Er hatte doch immer den realistischen Part und sie das Traumareal.
„Du wirst heiraten und ich...“ Die Wahrheit war zu viel für Gretchens Herz.
„Wirst zu deinem Millionär zurückkehren. Ich weiß.“ Der Gedanke an Gabi, an die Hochzeit hatte Marc endgültig die Stimmung verdorben und auch er begann sich wieder anzuziehen.
Sie gingen nicht erst nach Hause, sie hatten sowieso gleich Dienst. Niemand schien die Gemeinsamkeit von Dr. Haase und Dr. Meier an diesem Tag zu bemerken, den gleichen traurigen Ausdruck. Nur Sabine erkundigte sich nach gestern Abend.
„Und Frau Doktor, wie war ihr gestriger Abend.“
Gretchen konnte sich denken, dass sie eingeweiht war. „Ganz in Ordnung. Ich hab mich mit Marc... ausgesprochen, alles ist jetzt okay.“ Nichts ist okay, alles ist nur noch beschissener als vorher.
„Aber sagen sie mal woher war das Essen, irgendwie hat es komisch gerochen.“
Sabine zuckte nur mit den Schultern. Kann sein, weil ich ein paar Pheromone in das Dessert gemischt habe, aber das wird sie sicher nicht meinen.

rorochen Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 253

13.08.2009 01:19
#3 RE: Love-Hate-Tragedy Story by rorochen Zitat · Antworten

So Leutz hier der dritte Teil, ist irgendwie nicht so actionreich, mehr ein Füllerteil, damit ich da hinkomme, wo ich will, so wie die Folge am vorigen Montag meiner Meinung auch nur mehr eine Folge, um bestimmte Umstände zu klären. Im nächsten Teil folgt wieder etwas mehr Romantik ;-). Also viel Spaß beim Lesen.

3.Haunted

You're broken, so am I
I'm better off alone
No one to turn to and nothing to call my own
Outspoken, so am I
Explosive words that your world wouldn't understand
Turn away again

You're beaten, so am I
I've got a heart of stone
No medication can cure what has taken hold
You're hurting, so will I
When I awake and remember why I've been running from your

My blood is cold as ice
Or so I have been told
Show no emotion, and it can destroy your soul
Another sacrifice
To a tormentor your world wouldn't understand
Turn away again

You're angered, so am I
A thousand fires burn
A land of darkness from which I cannot return
You're aching, so will I
When I awake and discover that I have been damaged by your world

(Haunted from Disturbed)

Der laufende Tag wurde von beiden häufig für einen Besuch des Kaffeeautomats unterbrochen. Die Nacht davor hatte nur wenig mit Schlaf zu tun, eigentlich nur mit BEISchlaf. Beide versuchten sich so gut es ging aus dem Weg zu gehen, es war eine einmalige Sache, und nach dem Ausbruch gestern wusste keiner von ihnen ob eine harmlose Berührung nicht schon ausreichen würde, den Vulkan erneut unter Feuer zu setzten. Doch ewig konnten sie die Begegnung nicht aufschieben. Er war ihr Chef und sie sein Schützling und Frau Dr. Hassmann hatte Gretchen schon nach ein paar Tagen genug, sie war zwar eine gute Ärztin, doch eine gestörte Frau. Jeder kleine Flirtblick eines halbwegs gutaussehenden Patienten oder Zivis, ja nur Gordons neckische Kommentare in Gretchens Richtung reichten schon aus, um sie sofort „in Competion“ zu bringen. Das war wahrscheinlich die biologische Uhr. Dr. Hassmann hatte zwar schon ein Kind, doch wer wollte schon allein sein. Und sie wurde schließlich nicht jünger. Auch eine Akademikerin ließ sich anscheinend von Fernsehen und Printmedien beeinflussen, dass man sich mit einer Falte mehr am besten gleich ein Grab schaufeln muss und nur noch die verschwitzten Harz 4 Männer bekommt, die sich schon nach Sonnenaufgang das erste Bier an irgendeinem Supermarkt schmecken ließen. Naja, auf jeden Fall ging ihr das Getue tierisch auf den Nerv, was wahrscheinlich auch daran lag, dass ein gewisser Marc Meier in ihren Gedanken umherspukte und sie sich nur mit Mühe und Not auf ihre OPs konzentrieren konnte. Nach zwei Tagen konnte und wollte Gretchen es nicht mehr aufschieben und schrieb sich für eine OP mit Meier ein.
„Ich denk du hast dein Handy während der Arbeit im Spind?“ drang Medhis Stimme zu ihr durch. Erst jetzt fiel Gretchen auf, dass sie mal wieder zum gefühlten tausendsten Mal auf ihr Mobiltelefon schaute.
„Jaaahh...ich erwarte einen wichtigen Anruf...von...von meinem Vater. Jetzt wo meine Mutter wieder aus Indien zurück ist, hat er ständig Angst etwas falsch zu machen und fragt mich, was eine Frau dazu meinen würde. Wieso interessiert dich mein Handy so, hast du mir wieder eine SMS geschrieben, die ich nicht gelesen habe?“ Versuchte Haasenzahn die Stimmung aufzulockern. OKAY Falscher Scherz!!! Medhi war für einen Augenblick verärgert und enttäuscht, wieder daran erinnert zu werden, wie alles mit Gretchen und ihm angefangen hatte und unweigerlich auch an das traurige Ende denken musste. Doch das alles wollte er Gretchen nicht jetzt sagen, solange kein anderer Mann in ihr Leben getreten war (Warum sollte sie sonst ständig auf ihr Handy schauen? Ihr Vater war der einzige MANN in ihrem momentanen Dasein. Ach sie ist nicht nur als Freundin toll, sondern auch als Tochter, bestimmt auch als Mutter..Okay das driftet zu sehr in die Bienchen und Blümchen Ecke ab.) Um weiteren Fragen aus dem Weg zu gehen, schob Gretchen einen Termin vor und verließ schnell den Platz vor dem OP-Plan. Früher hatte sie Medhi nie anlügen müssen, er war zwar nicht mehr ihr FREUND aber immer noch EIN wichtiger Freund. Natürlich hatte sie wegen einem Mann ständig ein Auge auf ihrem Display haften, doch nur 2 Anrufe von Alexis machten sich darauf bemerkbar. Sie verfluchte sich, dass sie irgendwie enttäuscht war, wo war die neue Gretchen, die endlich ausziehen wollte, um ihr Glück zu finden. Sie musste ihn zurückrufen, der Job im Krankenhaus war anstrengend und hielt sich nun mal nicht an normale Arbeitszeiten, er würde es ohne weitere Fragen hinnehmen, so wie er es schon des öfteren getan hatte, als sie wieder mal 48 h am Stück arbeiten musste, weil Not am Mann war. Sie war nicht die Einzige, deren Sehnerv eine Hochzeit mit einem Handybildschirm eingegangen war. Auch Dr. Meier schien auf einmal auf den Anruf einer Frau zu warten (PREMIERE!!!), doch sein Telefon blieb genauso stumm wie Gretchens. Jeder erwartete wieder, dass der andere anruft, bis dann am Ende gar keiner anruft. Marcs Einsamkeit wurde durch Gabi unterbrochen.
„Was machst du denn wieder für ein Gesicht, ist ja nicht zum ansehen. Nur weil ich deine Kreditkarte etwas belastet habe.“ Machte Gabi ein genervten Ausruf. Gabi dachte wirklich, dass sie das geilste weibliche Wesen in dieser Galaxie war und jeden Mann um den Finger wickeln konnte, (sie glaubte natürlich auch, Maurice Knechtelsdorfer war zufällig gekommen). Jedenfalls hatte der Abend mit Gretchen Marc eine schöne Summe Euros gekostet, denn Gabi dachte ja nicht daran ihre Affäre in der Wohnung ihres Verlobten auszuhalten. Zu einem Stelldichein ein konnte sie den süßen Assi zwar nicht bewegen, doch es war ja noch nicht aller Tage Abend. In Wahrheit hatte Maurice einfach schreckliche Angst vor Marc. Er wollte sich eigentlich schon nicht zum Essen gehen überreden, doch Gabi hat halt ein paar „schlagende Argumente“. Er hoffte nur, dass sein großes Idol das nie erfahren würde, sonst konnte er sich seine Karriere als sein Nachfolger abschminken. Als Marc gerade wieder einen Tag ohne Gretchens Anwesenheit abhaken wollte, stand sie plötzlich vor ihm. Sie konnten sie nun mal nicht ewig aus dem Weg gehen.
„Hey...“ flüsterte sie. Sofort sah er Gretchens Gesicht von ihrer gemeinsamen Nacht. Er schaute sich schnell um, ob nicht irgendjemand gerade auf die Idee kam, sich in die Umkleide zu begeben und als die Luft rein war, nahm er ihr Gesicht zwischen seine Hände und vereinigte seine mit ihren Lippen in einem leidenschaftlichen Kuss, der die Sehnsucht die beide verspürten, ausdrückte. Erst als der angeborene Atemreflex sich meldete lösten sie sich voneinander. Beide mussten schwer atmen. Gretchen drehte Marc den Rücken zu, um ihm kein „Angriffsziel“ zu bieten, sie wusste wo solche Küsse hindrängten und sie hatte ein für alle Mal eine Entscheidung getroffen. Sie strich mit ihren Fingerspitzen langsam über ihre Lippen, die immer noch den Geschmack seines Kusses auf sich hatten. „Das war...“
„...die richtige Entscheidung.“ beendete Marc ihren Satz. Endlich wusste er, was er tun musste.
Er sieht es also auch so wie ich, wenigstens eine Sache, wo wir uns beim ersten mal gleich einig sind. Eine Träne konnte sie sich trotzdem nicht verdrücken. Wer sagt bitte, dass Liebe ausreichen würde, eine Beziehung zu führen und jemanden glücklich machen zu können. Das war also der Moment, der den sie nie erleben wollte, das endgültige Lebwohlsagen von Marc Meier. Doch als sie sich wieder umdrehte war er verschwunden. Ihm kann es wohl nicht schnell genug gehen...und die Tränen fingen nun endgültig an zu fließen.

Marc wollte keine Zeit verlieren. Er wollte das so schnell wie möglich klären. Sollte sie ihn doch anzeigen, mal sehen, wer den längeren Atem hatte, immerhin würde sie sich damit auch selbst belasten. Und wenn man ihm die Zulassung entzog, er würde drüber hinweg kommen, alles war besser, als mit dieser inneren Leere weiter leben zu müssen. Er sah wie Schwester Gabi im Lagerraum für verschreibungspflichtige Medikamente verschwand (Was macht sie bitte hier, sie kann die Medikamente höchstens an den Farben auseinander halten.). Hier hatten eigentlich nur Ärzte Zutritt. Sein Instinkt sagte ihm, dass hier etwas passierte, was ihm im Kampf gegen seine Scheinverlobte sicher sehr nützlich sein konnte. Er beobachtete sie durch die Glastür und sah wie sie scheinbar ganz gezielt Medikamente aus den Kartons nahm. Soweit er sehen konnte, waren vielfach starke Schmerzmittel oder Stimmungsaufheller dabei. Plötzlich sah sie sich verdächtig, Marc konnte sich gerade noch ducken, so dass sie ihn nicht bemerkte. Als sie die Hände voll hatte, lies sie alles in ihrer Tasche verschwinden. Marc hatte sich schon gewundert, warum sie heute eine dermaßen große Handtasche mitschleppte, wo sie doch sonst mehr auf die kleine Teure stand. Nach einem weiteren kurzen Rundblick, schlich Gabi fast katzenhaft aus dem Raum und sah sich erst jede Ecke genau an, ob ihr auch niemand entgegen kam. Marc hatte keine Mühe ihr zu folgen. Er wusste, dass es hier unten nur einen Ausgang gab und Gabi würde es nicht riskieren, mit ihrer heißen Beute, den Aufzug zu nehmen, wo sicher irgendjemand mitfahren würde, der sie kennt und dann war guter Rat teuer, denn die kleinen Tablettenschachteln zeichneten sich deutlich an der Außenhaut der Tasche ab. Als sie endlich am Ausgang angelangt waren, wartet draußen schon ein großer dicker Mann in einem schwarzen Ledermantel und streng gegelten zurückgekemmten Haaren.
„Das wurde aber auch Zeit.“ schnautze der XXL Matrix Verschnitt Gabi an.
„Ist ja gut. Du hast deine Ware, ich hab mein Geld und alle sind glücklich.“ versuchte Gabi den übelriechenden Kerl wieder loszuwerden, auf was hatte sie sich nur eingelassen.
„Mmmhmm...und nächste Woche wieder selbe Zeit.“
„Ich hab dir doch gesagt, dass es erst einmal die letzte Lieferung war. Es muss erstmal wieder Gras über die Sache wachsen oder denkst du die bemerken das nicht, wenn was fehlt?.“ sagte Gabi in ihrer Art, alle sind irgendwie blöder als sie.
„Schätzchen, mir ist es egal, wo oder wie du die Ware beschaffst. Wenn sie dich erwischen ist es nicht mein Problem.“ machte der Dealer seinen Standpunkt klar.
„Na dann brauchst du ja auch nicht mehr hier auftauchen.“ antwortete sie und wollte die Tür wieder zuziehen, doch der Typ stellte sich dazwischen. Er wollte sie nicht verkraulen. Sie lieferte ordentliche Ware zu Dumpingpreisen.
„Hey, so war das nicht gemeint. Du bist halt einer meiner zuverlässigsten Lieferanten, bei dir gabs doch nie Probleme. Wenn du wieder an Geschäften interessiert bist, ruf mich an.“ versuchte er sich bei ihr wieder einzukratzen. Schien auch zu klappen, denn Gabi lächelte wohlwollend und schloss nun endgültig die Tür. Als sie sich umdrehte, sah sie genau in Marcs Handy, dass komischerweise auf sie gerichtet war.
„Noch einmal hübsch lächeln, unnnnnnnnnnnddddddddd danke, das wars schon.“ sagte Marc, lächelte siegessicher und verstaute sein Mobiltelefon sicher in seiner Hosentasche.
Gabis Verstand raste, und doch wollte sie nicht verstehen, was hier gerade passierte, doch so sehr sie sich auch dagegen wehrte, es sah so aus...
„Die Männer gewinnen halt doch am Ende immer.“ kommentierte er ihre Lage und wollte auf dem Absatz kehrt machen, doch Gabi hielt ihn zurück.
„Was soll das, was hast du gesehen?“ fragte sie mit zitternder Stimme. Vielleicht hatte er gar nichts weiter gemerkt.
Nach einem kurzen Augen-Nach-Oben-Rollen drehte er sich wieder zu seiner Ex-Verlobten um. „Man Gabi, selbst du müsstest es geschnallt haben, dass es vorbei ist. Ich hab das kleine Rendezvous mit dem Dealer aufgenommen, zur Vorsicht. Was doch die Technik heutzutage alles möglich macht, nicht?“
„Ich mach dich fertig.“ zum ersten Mal hörte er den abgrundtiefen Hass in ihrer Stimme, den er lange selbst empfunden hat.
Doch es beeindruckte ihm keineswegs, er musste sogar lachen über ihre Naivität, noch immer zu glauben, sie habe die Oberhand.
„Das würd ich mir an deiner Stelle schön überlegen. Wenn du auch nur ein Wort über den Vorfall verlauten lässt, ist das Video schneller bei den Bullen, als du deinen Lidstrich nachziehen kannst. Wenn ich untergehe nehm ich dich mit.“ Und dann kam er ganz nah an ihr Ohr, damit sie ihn ja auch hörte. „Ich kann sagen, ich hab trotzdem alles versucht, dem Mann das Leben zu retten. Was sind deine Beweggründe? Geldgier, Machtbessenheit, oder einfach die soziale Ader ein paar depressiven Junkies das Gehen leichter zu machen?“
Gabi konnte nichts erwidern, sondern starrte ihn nur aus großen dunklen leeren Augen an. Ihr Plan war gescheitert, das Bild, was sie sich von ihrer Zukunft gebaut hatte, war zerbrochen. Ihre Knie konnten ihr Gewicht nicht mehr halten und knickten unter der seelischen Last ein.
Marc würdigte sie keines Blickes mehr. Er konnte kein Mitleid mit so einem Geschöpf empfinden. Dass er in einigen Zügen mit Gabi übereinstimmte, verdrang er erfolgreich. Endlich war der Weg frei für Gretchen und ihn. An Alexis von Buren dachte er in diesem Moment gar nicht, dafür tat das Gretchen umso mehr. Sie wendete sich an den Mann, der sie wirklich liebte und nicht mal wenn es ihm einfiel oder wenn er gerade zufällig durch Krankenschwestern zu einer Hochzeit erpresst wurde.
„Können wir uns heut sehen?“ fragte Gretchen und versuchte ihre Tränen aus der Stimme zu halten.
„Natürlich. Ich dachte du musst noch arbeiten? Ist alles okay?“ kam es aus dem Telefonhörer.
„Ja, alles bestens nur viel Arbeit. Und wenn dann die Koffeindosis nachlässt merkt man, dass man nur noch ganz schrecklich müde ist.“
„Na da fühl ich mich ja geschmeichelt dass du deine Zeit lieber mit mir als im Bett verbringst obwohl...“ war es eindeutig-zweideutig von Alexis zuhören.
„Also ich hol dich ab, so in 15 Minuten, naja wenn ich den Maserati nehme sind es 8 einhalb.“
Gretchen lächelte etwas. „Okay.“
Bis die Zeit um war, ging sich Gretchen noch schnell frisch machen, doch achtete sie genau drauf nicht vor den 8 Minuten aus der Damentoilette zu kommen, sie hätte es jetzt nicht ertragen Marc irgendwo zu treffen.
Punkt 7 Minuten nach dem Anruf wartete Alexis in der Empfangshalle. Zwei Minuten später stieß Gretchen zu ihm.

Marc suchte das ganze Krankenhaus nach seiner Assistenzärztin, sie ging weder an ihr Handy noch war sie sonst irgendwo aufzutreiben. Atemlos lehnte er für eine kurze Zeit an dem Geländer, dass die zwei Flügel des ersten Stocks miteinander verband. Da endlich unten am Eingang sah er ihre blonde Lockenmähne. Ohne einen weiteren Blick hechtete er die Treppe hinunter, dass er dabei beinah eine Schwester umrannte. Als er auf der letzten Stufe war, wollte Gretchen gerade aus der Tür gehen.
„Warte, Gretchen.“ Rief Marc.
Aus Reflex wenn sie ihren Namen hörte, drehte sich die Ärztin um und hätte es in dem Augenblick gerne wieder rückgängig gemacht. Erst jetzt sah Marc Alexis hinter ihr stehen, den Gretchen vorher mit ihrem Körper verdeckt hatte.
Für einen Moment war die Zeit eingefroren, es gab nur sie beide. Gretchen nutzte den Moment um Abschied zu nehmen.
„Leb Wohl Marc.“ Waren Gretchens letzte Worte. Sie nahm Alexis Hand und zog ihn aus dem Krankenhaus. Dieser war bei dem Anblick Marc Meiers wieder zornig geworden, er hatte noch nicht vergessen, was dieser ihm angetan hatte und er hatte auch nicht übersehen, wie er Margarete angeschaut hatte. Als sie endlich die kalte Nachtluft umfing, ging er vorsichtig auf Spurensuche. „Sag mal, den Oberarzt, ist er doch oder, will der was von dir?“
Sofort wurde Gretchen hellhörig. Sie musste Alexis diese Route der Gedanken so schnell es geht ausreden, wenn er zu viel wusste, würde er sich auch den Rest zusammenreimen können und es würde wieder eine weitere zerbrochene Beziehung in ihrer Historie dazukommen. „Nein, wieso?“ Sie musste erst erfahren was er wusste.
„Naja, weil er mir bei dem Zwischenfall in dem italienischen Restaurant ins Ohr flüsterte, ich solle die Finger von dir lassen und jetzt naja, er hat geschaut, als wolle er dir an Ort und Stelle einen Heiratsantrag machen.“ Äußerte Alexis seine Beobachtungen.
Was, ehrlich? Marc Meier und Heiraten, ich dachte das geht nur mit Erpressung?
„Ach, ich bin überhaupt nicht Marcs Typ (LEIDER). Aber wir kennen uns seit der Schulzeit und da hatten wir schon immer wie eine...Bruder-Schwester-Beziehung. Und er weiß, dass ich schon mit den Männern oft auf die Nase gefallen bin. Er wollte mich sicher nur beschützen...“ Gretchen hoffte, dass das Alexis überzeugen würde, und er hoffentlich nie ihre Eltern oder sonst irgendjemand über Gretchens Jugend befragen würde. Marc und ich, Bruder und Schwester? Eher der Schöne und das Biest. Doch Gretchen hatte Glück und ihr Freund gab sich mit der Antwort zufrieden. Der Abend hätte eigentlich so schön sein können. Sie aßen hervorragend zu Abend, der Sex danach war zufriedenstellend, doch hinterließ in Gretchen eine kalte Leere, die nur ein junger Oberarzt auszufüllen vermag. An dem Abend waren sogar Alexis Eltern anwesend. Und wenn man den Eltern vorgestellt wurde, konnte man wohl davon sprechen, dass sie offiziell zusammen waren. Nachdem ihr Freund schon lange schlief, und sie sich davon überzeugt hatte (sie hockte stocksteif neben ihm und lauschte seinen Atemgeräuschen), kämpfte sie sich aus den zich Tonnen Decken, die in dem Designerbett anscheinend zur Ausstattung gehörten, zog sich etwas warmes über und schritt auf den Balkon, der dem Schlafzimmer angeschlossen war. Es war eine sternklare Nacht. Eigentlich hätte sie glücklich sein müssen, und doch weinte sie schon wieder und sie wusste, dass es in der nächsten Zeit ein oft wiederkehrender Zustand sein würde. Konnte es wirklich sein, dass er sie fragen wollte, ob sie mit ihm zusammen sein wolle? Aber er war doch so schnell nach dem Kuss aus dem Zimmer verschwunden, hatte gesagt, es war die richtige Entscheidung? Eigentlich war es auch egal, so oft war sie da gewesen und Marc hatte den weiteren Verlauf bestimmt, jetzt hatte sie gehandelt, sie konnte nicht ewig warten, um glücklich zu werden. Doch sie wusste, dass das alles Ausflüchte waren, ihr Herz hätte für immer auf Marc gewartet, doch ihr Hirn sagte, dass es an der Zeit war rational zu denken, wenn es einmal mit der Liebe was werden sollte. In der Ferne sah sie ihr Handy blinken, darauf waren 20 Anrufe in Abwesenheit, von Marc Meier.

Marc war inzwischen zu hause angekommen. Er nahm sein Telefon vom Ohr. Er konnte es nicht mehr hören, der Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar. Die Situation kam ihm bekannt vor, ja schon einmal stand er an der selben Wegschneidung. Er konnte es irgendwie immer noch nicht glauben. Er dachte wirklich es würde ausreichen, wenn er sich von Gabi trennt, dann würde er endlich mit Gretchen zusammen kommen, doch das ausgerechnet seine Auserwählte ihn vor seinem Ziel ausbremsen würde, hätte er nie für möglich gehalten. Der Kuss musste doch Zeichen genug gewesen sein, ihr zu zeigen wie sehr er sie liebte. Diesmal würde er nicht so schnell aufgeben. Alles war neu für ihn, um eine Frau kämpfen, nie war er in solch einer Situation, eigentlich war er immer der Gejagte und konnte sich vor Frauenüberschuss kaum retten. Wenigstens den einen Beweis hatte er, er war Gretchen nicht egal. Er wusste nicht, ob er gegen einen Millionär ankommen würde, doch er hatte eine Vergangenheit mit Gretchen, auch wenn 90% eher negativ waren, waren die restlichen 10 doch umso erfreulicher. Sein Kampfeswillen lies ihn etwas Hoffnung schöpfen und er schlief dann doch noch ein paar Stunden.

Am nächsten Morgen erwachte Gretchen unter sanftem Streicheln. „Guten Morgen“ flüsterte Alexis ihr zärtlich ins Ohr. Warum kann ich ihn nicht lieben, wo er es so verdient hätte, von mir geliebt zu werden.
„Hi“ antwortete Gretchen und strich ihm zaghaft durch die verwuschelten Haare.
„Herr von Buren?“ klopfte es draußen an der Tür.
„Jahh.“ sagte Alexis genervt durch die Unterbrechung.
„Ein Telefonat für Frau Haase. Ihre Mutter ist in der Leitung, soll ich durchstellen?“ sprach die Stimme von draußen weiter.
Alexis sah Gretchen fragend an und sie nickte schließlich.
„Hallo, Mohrrübchen. Ich wollte nur mal horchen, wie es mit Herrn von Buren so läuft.“ flüsterte Bärbel Haase, so als könnte sie jemand hören, wahrscheinlich stand ihr Vater neben ihr.
„Alles gut Mama. Dann können wir ja jetzt aufhör...“
„Und habt ihr schon, du weißt schon?“ drängte ihre Mutter weiter.
„Das werd ich ganz sicher nicht mit dir besprechen. Nur weil du mir deine Sexgeschichten erzählst heiß das noch lange nicht, dass ich dir...“
„Also ja.“
„Man Mama unterbrech mich nicht dauern. Da du jetzt alles weißt, was du wolltest, TSCHÜSS.“ Wie kann ich mit dieser Frau verwandt sein, eher aus 50% ihres Erbgutes bestehen, oh Gott werd ich auch so wenn ich Ü50 bin?
„Ach, was ich noch sagen wollte, dein Chef, dieser Meier, war gestern hier, er hat nach dir gefragt, ich hab ihn aber abgewimmelt.“
„Was? Was wollte er?“
„Tschau, mein Gretchen.“ und schon hatte ihre Mutter aufgelegt, nie war die Frau da, wenn man sie brauchte. Doch wenn er 20 Mal angerufen hat, warum sollte er auch nicht versucht haben, sie zu Hause anzutreffen. Sie musste das mit ihm klären, das war sie ihm schuldig. Er musste die Wahrheit erfahren.
Sie legte den Hörer wieder in die Ladeschale. Von hinten umschlang sie die Arme von Alexis. Naja ein bisschen konnte sie die falsche Süße ja noch genießen. Gleich auf dem Parkplatz bekam sie Gelegenheit dazu, denn nachdem Alexis sie abgesetzt hatte, kam auch schon Marc Meier auf seinen Parkplatz gefahren. Sie hatte schon vor seinem Parkschild auf ihn gewartet. Marc hatte schwitzige Hände, als er ausstieg. Er wusste nicht, was sie ihm zusagen hatte.
„Guten Morgen.“ begann er die Unterhaltung lapidar.
Gretchen dagegen wollte es hinter sich bringen und gleich mit der Tür ins Haus fallen.
„Ich bin jetzt mit Alexis zusammen, also so richtig fest.“
Ihm schien man ein Dolch durchs Herz zu jagen, dass also wollte sie besprechen. Sie servierte ihn ab.
„Ich weiß, was zwischen uns vorgefallen war, und das es einmalig war. Du wirst Gabi heiraten und ich...“
„Ich hab mich von Gabi getrennt.“ unterbrach Marc sie.
„Was?“ war alles, was Haasenzahn hervorbringen konnte.
„Ich hab mich von Gabi getrennt...weil ich mit dir zusammen sein will. Ich liebe dich. Du bist die Frau, die mich glücklich macht.“ sagte er so, als würde er gerade mit ihr über das Wetter reden.
Gretchen musste sich in die Haut kneifen, ob das auch kein Traum war. Endlich hatte er die Worte gesagt, die sie solange von ihm erwartet hatte. Das „alte Gretchen“ begann sich wieder zu regen und rang mit dem „neuen Gretchen“ um die Oberhand. Doch noch war es nicht stark genug und nach der anfänglichen Euphorie übermannte sie wieder die traurige Gewissheit, nie 100% glücklich werden zu können.
„Ich bin glücklich, so wie es jetzt ist. Du hast mir versprochen, dass du mich meinen Weg finden lässt, der den ich mir selbst wähle. Ich habe gekämpft, zu oft verloren. Das mit uns kann nicht funktionieren. Es hat es in der Vergangenheit nicht und wird es auch nicht in der Zukunft.“ Hatte sie das jetzt wirklich gesagt. Okay, jetzt habe ich endgültig das Grab geschaufelt. Grabsteininnenschrift: Hier liegt die Liebe von Dr. Marc Meier und Dr. Gretchen Haase.
„Du musst mir auch eine Chance geben, es zu beweisen, dass ich das wirklich will.“ konterte Marc.
„Du hast doch selbst gesagt, dass es die richtige Entscheidung war.“
„Ich hatte damit gemeint, dass es richtig war, mich von Gabi zu trennen. Du hast doch selbst im Waschraum gesagt, ich soll die richtige Entscheidung treffen. Ich habe sie getroffen, tust du auch das Richtige?“
„Oh das ist wieder typisch Marc Meier, wenn die Tatsachen gegen einen sprechen, die Schuld einfach mal umkehren. Ja ich treffe die richtige Entscheidung. Und ich sage dir hiermit ein für alle mal mich in Ruhe zulassen.“ Aus dem Gespräch, was als Klärung begann, war mal wieder ein Streit geworden. Gretchen hatte auch keine Lust mehr, endlos zu diskutieren, drehte sich um und stapfte zum Krankenhaus.
Marc verfluchte sich innerlich, doch wollte er sich nichts anmerken lassen von der Tragödie im Inneren. Er hatte Gretchen noch nie so ernst sprechen hören. Irgendwann war auch sein Stolz verletzt. Noch nie hatte eine Frau von ihm die 3 berühmten Worte zu hören bekommen. Und sie war nicht mal darauf eingegangen. Wenn sie es so haben wollte, sollte sie es so bekommen. Ihm würde es sicher nicht schwer fallen, an neue Warmhalter für eine Nacht zu kommen.
Sie flossen die Wochen dahin. Unter Kollegen ließen sie sich nichts anmerken, waren bärbeißig wie immer zueinander, lieferten sich verbale Schlagabtauschs, retten gemeinsam Leben, doch warfen sich nach einiger Zeit, in der die Wunden etwas Heilung angesetzt hatten, sich auch wieder liebevolle und flirtende Blicke zu. Zufällige Berührungen, hinter Worten versteckte Komplimente. Sie kamen einfach nicht voneinander los. Hatten sich ihr Verstand von einer gemeinsamen Zukunft verabschiedet, so taten die Herzen ihnen den Gefallen noch lange nicht. In so einem Moment befand sich Gretchen und Marc gerade wieder. Beide brüteten über einem Röntgenbild.
„Siehst du den Knoten hier?“ fragte Marc sie. Natürlich sah Gretchen den Knoten, doch das musste er ja nicht wissen, (obwohl er es wusste). Also schüttelte sie den Kopf. Marc stellte sich hinter sie, und zeigte ihr den Punkt auf dem Schwarz-Weiß-Bild. Dabei berührten sich ihr Rücken und seine Brust. Wieder spürten beide das lustvolle Prickeln, das jede Sinneszelle zu durchschießen schien. Ihre Köpfe waren jetzt wieder auf gleicher Höhe und Gretchen drehte sich zu ihrem Oberarzt um. „Du hast da was.“ begründete sie den Ausflug ihres Fingers über seine Wange. Natürlich hatte er nichts dort, aber wenn interessierts? Ihre Lippen kamen sich daraufhin wieder gefährlich nahe, was sich in den letzten Tagen gehäuft hatte. Marc und Gretchen wussten, dass sie mit dem Feuer spielten und sich jeder Zeit verbrennen konnten. Doch Gretchen war inzwischen zu so einer guten Schauspielerin geworden, dass Alexis sicher keinen Verdacht schöpfte. Auch Marc verdrängte seine Sehnsucht mit schnell wechselnden Partnerinnen. Beide waren wieder in alte Muster zurückgefallen. Wenn man das, was man gern hätte, nicht bekommen kann, lebt man halt in dem Maße weiter, wie es vorher auch irgendwie ging, in dem Milieu, an das man gewöhnt war: Gretchen in der Beziehung mit einem Mann, der nicht Marc Meier war und Marc mit vielen seelenlosen Frauen, die nicht Gretchen Haase waren. Schwester Sabine unterbrach die Beinah-Kussszene.
„Frau Doktor. Schnell, schauen sie mal aus dem Fenster.“ Sabine rannte mitten durch die engstehenden Meier und Haase und trennte das Fast-Liebespaar. Gretchen atmete tief durch, schritt zum großen Fenster und blickte in den blauen Himmel. Naja nicht ganz blau, etwas weißes durchkreuzte den Himmel. Nach dem Geräusch zu urteilen ein Flugzeug. Plötzlich löste sich etwas aus dem hinteren Teil der Propellermaschine. Langsam formte sich aus dem Rauch erkennbare Worte. Sabine sprach laut aus, was sie las: „Gretchen Haase, willst du mich heiraten?“ Gretchen stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Nie hatte sie mit einem Antrag gerechnet, vor allem wo sie erst wenige Monate zusammen waren und er nicht der Richtige war flüsterte das „Alte Gretchen“. Auch Marc musste schlucken, die letzten Wochen hatten ihn wieder etwas hoffen lassen. Beide wussten, dass im Moment nicht mehr drin war und dass sie zufrieden sein mussten, was die Situationen her gaben. Keiner hatte jedoch mit Alexis indirektem Eingreifen gerechnet. Das war eine neue Situation, die alles veränderte...

rorochen Offline

Schwesternhelferin:


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24.08.2009 02:11
#4 RE: Love-Hate-Tragedy Story by rorochen Zitat · Antworten

Nach langer Verspätung endlich der vierte Teil ^^ wieder etwas mehr Loveboat , doch das war noch nicht das Ende für unsere Helden, im nächsten Chapter wird es noch mal ernst und das Ringen um Gretchen geht in eine neue Runde. Aber genießt erstmal das, was wir so gerne auch in Farbe sehen würden, jedenfalls die meisten von uns :-D.

4.Your Arms Feel Like Home

I think i've walked too close to love
And now i'm falling in
Theres so many things this weary soul can't take
Maybe you just caught me by surprise
The first time that i looked into your eyes

There's a life inside of me
That i can feel again
It's the only thing that takes me
Where i've never been
I don't care if i lost everything that i have known
It don't matter where i lay my head tonight
Your arms feel like home
Feel like home

This life aint the fairy tale we both thought it would be
But i can see your smiling face as it's staring back at me
I know we both see these changes now
I know we both understand somehow

("Your Arms Feel Like Home" by 3 Doors Down)

Sabine drehte sich in freudiger Erwartung zu ihrer Chefin um, denn wie sehr hatte Gretchen immer davon geschwärmt noch einmal heiraten zu wollen, und von solch einem Heiratsantrag konnte jede Frau nur träumen. Doch was sie in Gretchens Gesicht las, war keine Freude, nicht einmal ein kleines Lächeln, sondern blankes Entsetzen. Sie musste sich am Fensterbrett festhalten, damit sie nicht den Halt verlor. Alles um sie herum drehte sich, ihr Blick war steif auf den Himmel gerichtet, an dem die vorher noch gut erkennbaren Worte sich langsam in belanglose Wölkchen zerteilten. Insgeheim hatte sie sich mit dem Lauf ihres Lebens abgefunden. Sie war zwar nicht vollkommen glücklich gewesen, so wie es jetzt war, doch sie war auch nicht unzufrieden. Sie hatte immer gedacht, Alexis wöllte es genauso langsam angehen, wie sie. Nur bei ihr war der Grund, dass sie sich noch immer nicht aus den Avancen eines bestimmten Oberarzt gelöst hatte und sich an diesem Zustand auch nichts ändern sollte, bis es unbedingt Not tat. Sie hatte seit ihrer einen gemeinsamen Nacht nichts verwerfliches mit Marc getan, und doch wusste sie tief im Inneren, dass sie Marc Meier noch immer anbetete und sich daran nie etwas ändern wird, und wenn Marc sie dazu gedrängt hätte, wäre es sich nicht bei der einen Nacht geblieben. Gretchen hatte sich in den letzten Wochen ihre eigene Fallgrube gegraben, in der sie nun fest saß.
Auch Marc hatte bisher noch kein Wort gesagt. Sabine hatte auch nicht erwartet, dass er irgendetwas sagen würde, denn sie wusste, dass der Machomeier nun mal in Gretchen verliebt war. Doch anstatt des emotionslosen Gesichts hätte sie eher eine vor Eifersucht verzerrte Miene erwartet, mit der er immer kämpfte, wenn seine Assistenzärztin mal wieder einem Patienten ein süßes Lächeln schenkte und nicht ihm und er dann immer wie durch Zufall durch ein Fenster oder an die Wand schaute, so dass niemand sehen sollte, wie sehr es ihn störte, wenn Gretchen anderen Männern mehr Aufmerksamkeit schenkte als ihm. In Marc war schließlich alles zusammengebrochen. Der zarte Samen, der gerade wieder begann zu keimen, war niedergebrannt wurden. HEIRAT. Für Marc war dieser Begriff mit Ewigkeit, Gefängnis verbunden. Er konnte nicht sagen, wie stark die wiedererwachten Gefühle von Gretchen zu ihm waren, wie sie sich entscheiden würde, doch eines war klar, wenn sie diesen Alexis heiraten würde, dann gäbe es solang keine Zukunft für sie beide. Früher hätte er sich auch nicht von einem heiligen Gelübde abbringen lassen, wenn er unbedingt bei einer Frau landen wollte, doch die Zeiten hatten sich geändert, ER hatte sich geändert und Gretchen war nun mal nicht irgendeine Frau. Jetzt plötzlich vermisste er sein altes Leben, es war zwar leer und kalt, doch niemals hatte es so geschmerzt, wie diese Situation jetzt. Wenn sie ihre Entscheidung treffen würde, wird er sie respektieren, so wie sie es damals von ihm verlangt hatte. Dieses Hin und Her machte sie ebenso wenig zufrieden wie ihn. Wenn sie Alexis von Buren mehr liebt, soll er sie glücklich machen, er war kein schlechter Mensch, das sagte ihm sein Instinkt, er würde Gretchen nicht weh tun.
Auch Gretchen wusste in diesem Moment, dass nun an der endgültigen Weggabelung angekommen war, die die ihr restliches Leben für immer beeinflussen würde. Auf einmal bog eine schwarze lange Strechtlimousine auf die Einfahrt, die eigentlich nur für Notfahrzeuge gedacht war. Sie wusste sofort, zu wem das Fahrzeug gehörte. Ihr Verdacht bestätigte sich, als Alexis aus dem Fahrzeug stieg. Doch anstatt eines Anzugs, was man normalerweise erwarten würde, trug der Millionär ein Superhelden-Köstum, genauer war er als Superman verkleidet. Langsam bildete sich eine Menschentraube um den bizarren Anblick. Die Leute, egal ob Personal oder Patienten, blieben stehen, um herauszufinden, was Superman am helllichten Tag auf dem Vorplatz des Elisabethkrankenhauses wollte.
„Wollen sie nicht hinunter gehen, Frau Doktor?“ fragte Sabine, die sich immer noch über Gretchens Zurückhaltung wunderte.
Erst jetzt begann sie wieder langsam aus ihrer Trance zu erwachen. „Sabine, bitte gehen sie hinunter und sagen sie, dass ich gleich komme...ich muss mich erstmal ein wenig frischmachen, so einen Antrag bekommt man ja nicht alle Tage“ antwortete sie und konnte sich einen Blick in Marcs Richtung nicht verkneifen.
Sabine gab sich mit der Ausrede zufrieden und machte sich auf den Weg, den Auftrag auszuführen. Marc wusste, dass das nur ein Ablenkungsmanöver war, um mit ihm allein zu sein.
„Da kommt dein Superhero um dich aus den Klauen des bösen Dr. Meier zu retten.“ konnte sich Marc das sarkastische Kommentar nicht verkneifen.
Wäre die Lage nicht so ernst, hätte Gretchen sogar darüber lachen können, doch sie zog es vor, zu schweigen.
„Ich kann jetzt nicht darunter gehen, ich kann es einfach nicht.“ redete Gretchen mehr mit sich selbst als mit Marc.
„Du musst wohl oder übel. Sonst wird Superman noch hier hoch geflogen kommen und dich persönlich in sein unterirdisches Geheimversteck entführen.“
„Was soll ich ihm denn sagen?“ Marc konnte das Leid in ihrem Blick sehen. „Dass ich Ihn nicht..sondern...“ Sein Herz schlug bis zum Zerreißen. Konnte es doch sein, dass da noch Hoffnung am Ende des Tunnels war. Gretchen indes konnte die Worte in ihrem Geist weiterführen. Sie liebte Marc, keine Frage, aber auf die Frage mit wem sie sich ein sicheres und glückliches Leben vorstellen konnte, erschien Alexis vor ihrem inneren Auge. Und nun wusste sie, was sie tun musste, sie brauchte Zeit, Zeit um über alles nachzudenken, weit weg von beiden Männern. Als sie endlich den Weg nach unten antreten wollte, hielt Marc sie am Arm fest. „Er darf dich nicht heiraten.“
„Warum nicht?“
„Weil du zu mir gehörst.“ Zum ersten Mal schätzte Gretchen seine besitzergreifende Art.
Es bestätigte dass, was sie längst vermutet hat, nicht nur sie, auch er war schließlich von den Pfeilen Amors getroffen wurden. Jahre, nein Jahrzehnte inzwischen hatte sie sich Marc so gewünscht, doch die Zeit hatte zwar nicht ihre Liebe gemindert, aber doch ihren Geist geschärft und ihr Herz mit einigen Narben überzogen, die sie einige bittere Lektionen hatte lernen lassen.
„Liebst du mich?“ stellte Gretchen die alles entscheidende Frage.
Erst zögerte Marc. Solang war er vor seinen Gefühlen geflohen, solange hatte er sie vor allen Augen versteckt. Doch wenn er nun nicht über seinen Schatten springt, würde er ihn für immer verschlingen. „Ja.“ sagte er mit fester Stimme und schaute ihr direkt in die Augen. Als sie sich aber immer noch nicht in Bewegung setzte (er hatte erwartet sie würde ihm in die Arme fallen und sie treiben es gleich hier und jetzt, Millionär hin oder her), blickte er sie fragend an. Schwester Sabine durchbrach die merkwürdige Stille. „Frau Doktor, ihr Verlobter (Sie konnte es sich nicht verkneifen, so sehr freute sie sich für Gretchen) steht unten und wartet immer noch auf sie.“ Diesmal würde sie sich nicht abwimmeln lassen, sondern Gretchen, wenn es nicht anders geht, persönlich hinuntertragen. Doch diese reagierte freiwillig und wollte sich von Marcs Hand befreien, der immer noch ihren Arm umklammert hielt.
„Moment, du kannst doch jetzt nicht so einfach gehen...“ Marc war völlig konfus. „Ich habe dir gerade gesagt, dass ich dich liebe...“
„Und du erwartest jetzt, dass ich dir um den Hals falle und dich küsse, als gebe es kein Morgen (Woher wusste sie das!!!???)?“
„Ähhh, wenn ich ehrlich bin, eigentlich schon...“ antwortete Marc, der die Situation überhaupt nicht verstehen konnte.
„Es tut mir leid, aber...(Oh Gott, wenn es schon mit es tut mir leid los ging, konnte das nichts Gutes bedeuten..) aber ich kann das jetzt nicht. Solange hab ich darauf gewartet, dass du mir diese Worte sagst. Diesen Wunsch trage ich schon gefühlte Jahrtausende mit mir herum, doch wir sind nicht mehr auf dem Schulhof. Damals trennte uns nicht viel, naja vielleicht das Aussehen (nicht vielleicht, ganz SICHER), aber mittlerweile. Du hattest, sagen wir es mal so „viele“ Frauen, doch nie eine richtige Beziehung. Ich habe einige gescheiterte Beziehungen hinter mir, die mich jedesmal emotional in die Hölle katapultiert haben. Wer sagt mir, dass das mit uns funktioniert, dass ich nicht einer deiner Affären bin.“
Sofort ging Marc dazwischen. „Kapierst du das nicht? Du bist für mich nicht irgendeine Frau. Gretchen ich habe dir gerade gesagt, dass ich dich liebe. Das habe ich noch nie für eine Frau empfunden. „
„Doch ich weiß das Marc und ich glaube dir das auch, doch wer sagt mir, dass du nicht irgendwann wieder in alte Muster zurückfällst. Du wusstest lange, wie ich für dich empfinde, doch immer wieder hast du mich weggestoßen, mich fertig gemacht. Seltsamerweise ist die Liebe in mir nie davon betroffen gewesen, wie etwas Heiliges, dass allen Widerständen getrotzt hat, doch ich weiß nicht wie viel es noch aushalten kann. Ich brauche Zeit, Marc. Zeit, um über mein Leben nachzudenken, denn wenn es mit uns nicht klappt, weiß ich nicht ob ich das noch einmal überstehen kann. Wenn ich mich auf dich einlasse, dann will ich das mit meinem ganzen Herzen tun. Das bin ich dir schuldig.“ Gretchen wusste nicht, ob Marc sie verstehen würde. Deshalb trat sie schnell die Flucht nach vorne an und ging hinunter zu Alexis, der gelangweilt in seinem Supermankostüm an der Limousine lehnte. Als er endlich seine Angebetete zu Gesicht bekam, war er plötzlich wieder voller Elan und Körperspannung.
Er ließ Gretchen gar nicht zu Wort kommen. Da sie ihm immer versuchte zu erklären, weshalb sie jetzt wieder zu spät kam, und dann immer mit medizinischen Fachausdrücken um sich warf, fragte er sie diesmal erst gar nicht.
„Als Batman und Cinderella trafen sich unsere Blicke das erste Mal
wie ein geheimnisvoller Engel warst du mir erschienen
gekommen um mich vor mir selbst zu retten
Ich war damals kein Mensch, den man lieben wollte
doch ich war immer ein Mensch, der geliebt werden wollte
Selbst unter deiner Maske erkanntest du die Schönheit in mir
die ich erst leider sehr spät entdeckte
Als die Kostüme abgelegt waren, hab ich dir sehr weh getan.
Fast zu spät erkannt ich, dass mein Herz sich nach deinem Licht sehnt
ein helles reines Scheinen, dass man hüten muss
Du hast den Superman aus dem Batman befreit
Und deshalb will ich dich heute fragen, ob du meine Louis Lane sein willst und mit mir bis ans Ende der Milchstraße, zumindest bis Krypton fliegen willst, natürlich in Schallgeschwindigkeit.“ Alexis hatte seine Rede beendet und kniete nun vor Gretchen und hielt ihr eine, mit dem schönsten Ring den sie je gesehen hatte, gefüllte Schmuckdose hin. Hier war er, der perfekte Moment, so wie sie sich ihn immer gewünscht hatte (mal von dem Supermankostüm abgesehen). Und doch hatte sich Gretchen verändert, nicht mehr sie wollte diejenige sein, die die Männer warten ließen und hinhielten, diesmal war sie am Zug.
Die sich angesammelte Menge klatschte begeistert und wartete auf das glückliche Ja der Braut. Um Alexis eine Szene zu ersparen, griff Gretchen seine Hand, zog ihn auf seine zwei Beine und verschwand mit ihm hinter einer Hausecke, so das niemand sie hören konnte.
„Es hat dir nicht gefallen oder?“ fragte Alexis enttäuscht.
„Doch, wenn ich ehrlich bin, war es der perfekte Antrag, nur...“ Es schmerzte sie, ihm die bittere Wahrheit sagen zu müssen.
„Nur ich kann deinen Antrag nicht annehmen.“
Alexis schien sich verhört zu haben, hatte sie nicht gerade gesagt, es war der perfekte Antrag?
Doch dann dämmerte es ihm. „Ich wusste, ich war wieder zu schnell, natürlich können wir noch warten, wenn du willst, hauptsache wir sind zusammen.“ Warum schaffen es Männer, es einem immer schwerer zu machen, als es eigentlich schon ist...
„Alexis, ich brauch etwas Zeit für mich, ich muss mir über ein paar Dinge klarwerden.“ Sie sah wie sie ihm in diesem Moment das Herz brach.
„Mit Dingen meinst du uns oder?“ fragte er geknickt und hoffte insgeheim, sie würde verneinen, doch Gretchen nickte. „Gibt es einen anderen?“ Gretchen brauchte die Frage gar nicht zu beantworten, denn der „Andere“ bog gerade um die Ecke und machte sich mit einem „Haasenzahn, Not-OP, sofort.“ daran die bedrohende Zweisamkeit des Millionärs und ihr zu stören. Dr. Haase kannte ihren Marc lang genug, um das Ablenkungsmanöver zu durchschauen. Wenn nun schon beide Männer da sind, kann ich auch gleich Tacheles reden.
„Ab sofort bin ich für keinen von euch mehr zu sprechen. Weder Handy, noch E-Mail, noch Telefon, noch Twitter oder Facebook oder andere elektronische Soziale Netzwerke, nicht mal eine Flaschenpost werd ich von euch öffnen. Ich brauch jetzt Zeit für mich, um mich zu entscheiden.“ In diesem Moment stand es 100% fest. „Marc, wo ist mein Vater?“
So setzte Gretchen ihren Plan Schritt für Schritt in die Tat um: erst luchste sie ihrem Vater den Schlüssel für das Haus an der Ostsee ab, dass sich ihre Eltern erst kürzlich für ihre Rente gekauft hatten, ab dann versetzte sie sich mit sofortiger Wirkung in Urlaub (sie hatte noch 2 Restwochen) und verließ noch am gleichen Abend Berlin, um auf Selbstfindungsreise zu gehen. Irgendwie wurde sie ihrer Mutter doch ähnlicher und dabei wollte sie das unbedingt vermeiden. Sie hatte zwar den beiden Männern jede Kontaktaufnahme verboten, doch natürlich belagerten die beiden sie trotzdem. Zum Glück nur über Handy, denn die Festnetznummer des Hauses hatten sie nicht und dank moderner Technik kann man ja auch Nummern sperren lassen (Jochen hat es ihr netterweise erklärt). Marc und Alexis allerdings hatten die Aktion immer noch nicht richtig verdaut. Beide hatten auf eine endgültige Entscheidung gehofft, doch nie auf so einen selbstbewussten und intelligenten Schritt, den Gretchen getan hatte. Frauen in ihrem Leben hatten stets nach ihrer Pfeife getanzt, nun waren sie in der Lauerposition, doch dieser Charakterzug war ein Puzzleteil zur Liebe der beiden zu dieser einen Frau. Marc wusste wenigstens schon vorher, dass er einen Konkurrenten hatte. Für Alexis war der Oberarzt immer nur unterschwellig ein Gegner gewesen, doch immer wieder hatte er sich das irgendwie immer selbst ausgeredet, dass Gretchen noch einen anderen Kerl mit ihrer Aufmerksamkeit beglücken könnte. Langsam dämmerte es ihm, dass er auf schlechtem Posten stand, denn alle kleinen Beobachtung, die er beim Umgang der beiden getätigt hatte, liefen plötzlich auf einen Schluss hinaus, Gretchen liebte dieses Machoschwein. Diese Erkenntnis hieß jedoch nicht, dass er aufgeben würde. Die Zeit, die er mit Gretchen verbracht hatte, war die schönste seines Lebens. Wenn sie ihren Chef wirklich so sehr liebte, und er sie anscheinend auch, warum waren sie nicht schon lange glücklich zusammen. Auch wenn sie ihn nicht 100% lieben konnte, würde sie ihn glücklich machen, wie nie zuvor und das war mehr als er je in seinem Leben zu hoffen gewagt hatte. Als er merkte, dass es Gretchen damit ernst war, nicht gestört zu werden, gab er die stündlichen Telefonanrufe und Bombardements auf ihr E-Mail-Postfach auf und überließ es dem Schicksal. Ganz anders die Herangehensweise unseres Dr. Meiers. Er war nun mal kein Typ, der sich so aufs Abstellgleis schieben lies, vor allem wenn es um die Liebe ging, ein Gefühl, dessen Wunderbarkeit sich ihm eben erst erschlossen hatte. So konnte ihm das gefühlte 100 000 mal Tuten seines Telefons nicht abbringen, weiterzumachen, für diese Frau zu kämpfen, die ihn zum ersten Mal bis ins Innere erschüttert hatte. Seine Arbeit lief nur nebenbei ab. Gabi hatte sich weitestgehend von ihm zurückgezogen. Sie machte ihre Arbeit auf der Gynäkologie und versuchte ihm aus dem Weg zu gehen. Nur Medhi war über seinen Schatten gesprungen und näherte sich Marc wieder an, nicht ohne Eigennutz, denn ihm war das plötzliche Verschwinden Gretchens suspekt vorgekommen und sein Gefühl sagte ihm, dass Marc etwas damit zu tun hatte.
„Sag mal, wo ist Gretchen eigentlich hingefahren.“ schleichte sich Dr. Khan von hinten an.
Was Marc jetzt nicht gebrauchen konnte, war ein weiterer Mann, der in seinem Revier schnüffelte.
„Urlaub.“ war seine kurze Antwort.
Medhi verdrehte die Augen anhand der knapp gehaltenen Auskunft.
„Ja, das ist die offizielle Variante, aber sie geht weder an ihr Handy, noch weiß einer wo sie abgeblieben ist.“ bohrte er weiter.
„Hör zu, sie ist eine erwachsene Frau. Ich bin nicht ihr Kindermädchen, wenn du sie nicht erreichen kannst, wird das schon einen Grund haben.“ wehrte Marc weiter ab und wollte seinen Weg fortsetzen.
Medhi sah ein, dass es sinnlos war, seinen ehemaligen Freund weiter unter Druck zu setzen, er konnte so etwas einfach nicht, 100 Folgen Dr. House hatten leider nicht auf den sensiblen Frauenarzt abfärben können. So fuhr er wieder seine alte Schiene: Rückzug, seine Zeit würde irgendwann kommen. So sehr es auch schmerzte, jeden Tag allein zu verbringen. Dabei sah er jedoch nicht das Wesentliche, nämlich dass ein gewisser Dr. Meier alles daran setzte, dass nie wieder ein anderer Mann bei Dr. Gretchen Haase zum Zuge kam, außer er selbst.

Von all den Hahnenkämpfen um ihre Person bekam unsere Lieblingsärztin nichts mit. Sie genoss die Ruhe und den Abstand zu ihren Problemen. Keine Beleidigungen, keine Eifersüchteleien, kein Kräftemessen, einfach nur sie und die Natur. Der Himmel war an diesem Tag leicht wolkenverhangen, doch die Temperaturen waren trotzdem mild. Die Gicht schlug leise auf die Küste und eine Brise Salzluft wehte zu ihr herüber. Noch immer war sie in demselben Konflikt, wie zu Anfang der Reise. Irgendwie hoffte sie auf ein Zeichen, welche Wahl sie treffen sollte. Sie stand vor einem Abgrund. Der Weg zurück war sicher und leicht, doch es gab ihr nicht das Gefühl der Freiheit, der Weg nach unten war gefährlich, doch der Flug würde sie in nie gekannte Höhen tragen. Warum musste das Leben immer so kompliziert sein, ihres schien besonders anfällig dafür. Das alarmierende Piepen das Radios riss sie aus ihren Gedanken. Die Worte hallten nur undurchsichtig in ihrem Hirn. „Sturmwarnung.“ sprach sie das aus, was der Sprecher gerade gemeldet hatte. Die Winde hatten gedreht und es war davon auszugehen, dass das Wasser steigen würde und durch den zusätzlichen Sturm wild hochgepeitscht werden würde. Mir bleibt auch nichts erspart. Das Haus musste durch seine Lage am Meer gewisse Vorsichtsmaßnahmen durchlaufen: Sandsäcke, besonders stabile Bauweise an Sockel und wasserresistende Materialien. Die Warnungen waren nicht lebensbedrohlich, doch Gretchen wusste das ihr eine unruhige Nacht und vielleicht nächsten Tage bevorstand. Ein Einheimischer, der sich sonst um das Anwesen kümmerte, kam vorbei und sah nach dem Rechten. Da Gretchen aber nicht nach Gesellschaft zu Mute war, machte sie sich daran, ihn schnell wieder loszuwerden. Nach ein Hinweisen, was zu tun war im Notfall verabschiedete sich der alte Herr tatsächlich wieder. Die Wolken waren inzwischen tiefschwarz geworden. Die Wellen schlugen unruhig aufeinander. Die Luft schien elektrisiert zu sein, man spürte, dass etwas kommen würde.
Marc nutze einmal wieder die Zeit, in der er nicht an seinem Handy hing, um sich am Automaten einen Kaffee zu holen. Gedankenverloren starrte er auf den Becher, der sich langsam mit der schwarzen Flüssigkeit füllte. Plötzlich nahm seinen Ohren die Stimme des Professors war. Der hatte sich mit seinem Telefon am Ohr in eine Nische verkrochen und sprach ungewöhnlich leise, so dass sich Marc ziemlich anstrengen musste, um etwas zu verstehen.
„Oh Kälbchen ich hätte dich nicht fahren lassen sollen. Du bist doch überhaupt nicht auf so eine Situation vorbereitet. Warum wolltest du auch so schnell von hier weg?“
Marcs Herz begann schneller zu schlagen. Keinen Zweifel, dass Gretchen am anderen Ende der Leitung war.
„Natürlich vertrau ich dir, aber was ist wenn dir was passiert? War Herr Olafson bei dir, vielleicht gehst du besser zu ihm. Sein Haus liegt weit ab der Küste und er weiß, was zu tun ist.“ versuchte Prof. Haase seine Tochter zu überzeugen.
Marc achtete nun nicht mehr auf seinen Kaffee, der inzwischen verlassen auf seinen Verzehr wartete. Er presste sich eng an die Wand, um kein Wort zu verpassen. Irgendwas schien passiert zu sein oder war im Anmarsch zu passieren.
„So uneinsichtig kenn ich dich überhaupt nicht. Wenn du wieder hier bist, werden wir zwei uns mal ernsthaft unterhalten müssen, hörst du?...Hallo? Aufgelegt.“ Entnervt beendete er das Gespräch. Irgendwie war ihm seine Tochter aus den Händen geglitten. Er hatte doch immer nur das Beste für sie gewollt, jetzt hing sie hunderte Kilometer weit entfernt einsam in einer Sturmflut. Doch er musste sich eingestehen, dass er viel dazu beigetragen hatte, dass Gretchens Harmoniehaushalt nicht gerade im Einklang war. Wie ein Schatten war sein Oberarzt hinter ihn getreten. „Ist irgendwas mit Dr. Haase?“ versuchte Marc so beiläufig zu klingen wie nötig. Sprunghaft kam Gretchens Vater eine Idee. Wenn sie auf einen hören würde, war es Dr. Meier. Und er war ein fähiger Mann, der oft genug gezeigt hatte, dass er in Notsituationen einen kühlen Kopf bewahren konnte. Und er würde sie vielleicht zur Raison bringen. „Meier, sie kommen wie gerufen. Haben sie heute schon was vor?“
Marc hatte mit allem gerechnet, doch nicht mit so einer Frage und er wusste auch nicht wohin sie führen sollte. „Ja, eigentlich schon.“
„Perfekt. Dann können sie ja nach meiner Tochter sehen. Wissen sie, sie ist in unserem Ferienhaus an der Ostsee, keine Ahnung welches Hirngespinst sie da geritten hat. Jedenfalls wurden heute Unwetterwarnung herausgegeben. Doch sie will sich keine Hilfe anbieten lassen und da dachte ich...naja wo sie doch so einen guten Draht zu meiner Tochter haben.“ Franz Haase blendete jetzt bewusst die Anfangszeit der Arbeit seiner Tochter aus, in der er seine Oberarzt bei jedem anzüglichen Blick, den er auf Gretchen geworfen hatte, am liebsten lebendig vergraben hätte. Doch was war schlimmer? Sie hatte bewiesen, dass sie sich Männer gut vom Leib halten konnte und irgendwie schien sie die Einzige zu sein, die mit Meier umgehen konnte und von der er sich was sagen lies. Außerdem musste er Bärbel dann nicht erklären, warum er allein an die Ostsee fahren musste, wo er Gretchen versprechen musste ihrer Mutter nichts zu erzählen, sondern einfach zu sagen sie war auf Single-Urlaub last minute geflogen.
Marc konnte sein Glück kaum fassen, doch das musste Gretchens Vater ja nicht wissen.
„Wenn das ihr ausdrücklicher Wunsch ist, Professor, werd ich natürlich nach Haasenza...äh Dr. Haase sehen.“ spielte Marc die ganze Sache herunter. Franz lächelte zufrieden und klopfte ihm auf die Schulter. Er gab Dr. Meier die Adresse und die Erklärung, er werde sich um seine restlichen OPs kümmern. Dieser lies keine Zeit verstreichen, packte das nötigste zusammen, tankte sein Auto voll und startete die vielleicht entscheidende Reise.

Gretchen war immer noch angenervt von dem Gespräch mit ihrem Vater. Die Nacht war inzwischen hereingebrochen. Doch das machte nicht viel Unterschied, denn den ganze Tag war es kaum hell gewesen. Aus dem Rundfunk und dem Internet wusste sie, dass sie jetzt ungefähr den Höhepunkt erreicht hatten und das es Gott sei dank weit aus weniger schlimm war, als befürchtet. Das Meer schien zwar in heller Wut entbrannt zu sein, doch war nicht in bedrohliche Nähe des Hauses gerückt. Gretchen hatte sich sogar mit einer heißen Tasse Kakao und in eine Decke gehüllt an das große Eingangsfenster gesetzt und beobachtete gelassen das dargebotene Naturschauspiel. Der Regen prasselte wild an die Scheibe, als ein wildes Klopfen an der Tür die Stille zerriss. Gretchen dachte erst, dass sie sich geirrt hatte, doch als das Geräusch immer weiter anschwoll, bewegte sie sich doch zur Tür. Wahrscheinlich wieder Herr Olafson, der nach dem Rechten schauen wollte. Doch zu ihrer Verwunderung stand da vor der Tür zwar ein Mann, doch der sah 10 mal besser aus als der alte Seebär und erinnerte sie stark an Marc Meier. Der hatte schon nicht mehr damit gerechnet, dass ihm noch die Tür geöffnet werden würde, er sah sich schon in seinem Auto übernachte, denn der Regen machte eine Weiterfahrt unmöglich und er wollte nicht schon wieder jemandes Blut auf der Windschutzscheibe kleben haben. Aus Reflex flüchtete er sofort in die ihm entgegenströmende Wärme und schlug hinter sich die Tür zu. Gretchen war so perplex, dass sie alles geschehen lies. Doch dann regte sich ihr Verstand wieder.
„Ähh, was machst DU HIER?“ betonte sie die zwei letzten Worte.
Darauf hatte sich Marc eingestellt, dass sie nicht leicht zu überzeugen war, doch das war ihm im Moment herzlich egal, er wollte sich nur erstmal aufwärmen und seine klitschnassen Klamotten loswerden. „Ich wollte angeln gehen.“
„Angeln?“ kam es ungläubig zurück.
„Dein Vater hat mich geschickt.“ gab er genervt zu.
„Oh...und du hast die Gelegenheit gleich beim Schopfe gepackt und konntest mal wieder meine Wünsche nicht respektieren?“ Gretchen versuchte wütend zu sein, doch wie ein Schlag traf sie das Gefühl, dass seine Präsenz bei ihr auslöste. Irgendwas hatte immer gefehlt, seit sie hier war, jetzt fühlte sie plötzlich, dass er es war, der aus allem ein Ganzes machte und irgendwie schmeichelte es ihr auch, dass er die Chance genutzt hatte um bei ihr zu sein. Vielleicht wollte er einfach deinem Vater schmeicheln kam es aus ihrem Kopf. Kannst du vielleicht mal den Sehnerv neu justieren oder hast du nicht den Blick gesehen, den er hatte, als er dich wieder sah. Schrie es aus ihrer Brust. Erst jetzt fiel Gretchen auf, dass Marc völlig durchnässt war. Um seine Füße hatte sich inzwischen ein kleiner See gebildet und seine Haare hingen ihm nass ins Gesicht. Und trotzdem sieht er noch verdammt gut aus. Sie versuchte ihre aufkeimende Leidenschaft zu unterdrücken und zog den tropfenden Marc hinter sich her, bis sie im Bad angekommen war. Dort drehte sie den Wasserhahn mit dem heißen Wasser auf. In der Zeit, in der das Wasser in die Badewanne floss, begann sie sich an Marcs T-Shirt zu schaffen machen. Bis jetzt hatte er alles stoisch über sich ergehen lassen. Die Fahrt hat an seinen Nerven gezehrt und er war froh, dass sie sich um ihn kümmerte. Doch die Berührung ihrer Hand auf seinem Arm und als sie beim T-Shirt über den Kopf ziehen seinen Bauch streifte, ließ seine Haut brennen und sofort brannte die lang gedrosselte Flamme wieder lichterloh. Ihm war es peinlich und er wollte sie nicht verschrecken. „Ich kann mich selbst ausziehen.“ murmelte er, doch nicht sehr überzeugend. Gretchen ließ schon lange nicht mehr von seiner Mauer abhalten und setzte ihre Handlung stur fort. „Bei mir geht’s aber schneller.“
Als er schließlich in Unterhose da stand, hatte sie Mühe und Not nicht gleich hier und jetzt über ihn herzufallen. Die Nacht der beiden schien gefühlte Jahrtausende zurückzuliegen. Jeder spürte das Knistern, dass in der Luft lag, doch keiner wollte darauf reagieren. Das Wetter draußen wurde langsam freundlicher, doch das interessierte in dem Haus keinen. Um nicht weiter in Versuchung zu kommen, trat Gretchen den Rückzug an. „Den Rest wirst du wahrscheinlich allein können. Handtücher sind da drüben im Schrank. Ich such dir inzwischen was Anzuziehen. Du musst wohl über Nacht bleiben.“ und verschwand aus dem Badezimmer. Plötzlich war Marc wieder so kalt, als würde er draußen in dem Unwetter stehen. Er hatte sich gewünscht, dass sie noch etwas hier bleiben würde, doch das warme Wasser, dass nun seinen Körper umfing, linderte die Sehnsucht etwas. Seine Muskeln begannen sich zu entspannen und der ganze Stress der letzten Tage schien von ihm abzufallen. Als er sich einigermaßen erholt und aufgewärmt fühle, stieg er aus der Badewanne und machte sich auf die Suche nach einem Badetuch. Mit diesem um die Hüfte gewickelt verließ er den Raum und begab sich wieder nach unten. Gretchen hatte im ganzen Haus die Heizung aufgedreht, dass Marc nicht frieren musste und so empfing ihn eine genauso angenehme Wärme wie im Bad. Gretchen saß auf dem Sofa und beobachtete wieder den Regen und das aufbrausende Meer. Auf dem Platz neben ihr stand ein dampfender Pott und lag ein Shirt und Unterhose. Nach ein paar Sekunde überwand er seine Scheu und setzte sich neben sie. „Danke.“ flüsterte er zwischen zwei Schlücken aus seiner Tasse.
Sie lächelte zum ersten Mal an diesem Abend. Diese Geborgenheit, die sie fühlte, diese volle Zufriedenheit. So etwas konnte ihr Alexis nie geben. Und sie konnte sie ihm auch nie geben. In ihrem Herzen war die Entscheidung schon längst gefallen musste sie sich eingestehen. Ohne langes Zögern lehnte sie sich an Marcs nackte Brust und kuschelte sich an ihn. Marc war so überrascht von der Reaktion, dass er beinahe das Getränk verschüttet hätte. Er sog ihren Duft ein und legte seinen Arm um sie. Wie natürlich das alles geschah, alles passte perfekt. Sein Finger wanderte langsam ihren Arm auf und ab. Gretchen hatte dem Gefühl nichts mehr entgegen zusetzen. Sie hob ihren Kopf. Er reagierte sofort und es entbrannte ein leidenschaftliches Zungengemenge. Marc drückte sie langsam auf das Möbel und begann dabei die störende Schicht Stoff zu entfernen. Gretchen hatte da nicht so viel Arbeit, ein Ziehen am Handtuch und beide konnten endlich die Liebe des anderen auf der Haut spüren. Keiner von beiden konnte verstehen, wieso sie nicht schon längst eingesehen hatten, dass sie zusammengehörten, so wie jedes Atom zum anderen passte. Die erste Runde entlud sich auf der Couch. Da ein Bett nun mal der weitaus entspannendere Ort war, hielt es unsere Turteltäubchen nicht lange im Wohnzimmer und sie zogen in das Schlafzimmer. Erst als sich das Gewitter schon lange gelegt hatte, war Stille in das Haus eingezogen. Zum ersten Mal schliefen sie völlig entspannt nebeneinander. Kein Krankenhaus, keine Person, die sie erwischen konnte. Naja in dem Punkt hatten sie sich etwas geirrt: Die Sonne stand schon weit am Himmel und da Herr Olafson nichts von der kleinen Haase gehört hatte und sich Sorgen machte, ging er am frühen Vormittag zu dem Haus. Als nach mehrmaligem Klopfen niemand öffnete, zog er seinen Schlüsselbund heraus (er hatte einen Zusatzschlüssel zu dem Haus) und schloss die Tür auf. Auch auf ein lautes „Hallo“ reagierte niemand und der Rentner wurde unruhiger. Das Haus schien in Ordnung, wo war sie also abgeblieben. Hätte er die Kleiderhaufen vor dem Wohnzimmertisch gesehen, hätte er vielleicht eins und eins zusammenzählen können, doch seine Augen waren auch nicht mehr die besten. So setzte er die Wanderschaft durchs Haus fort. Gretchen war durch irgendein Geräusch geweckt wurden, doch sie hatte keine Zeit sich darum zu kümmern, sofort traten ihr die Eindrücke von Gestern in den Sinn und sie musste zufrieden lächeln. Marcs Brust senkte sich immer noch gleichmäßig auf und ab, er schlief also noch. Nach ein paar Minuten des genüsslichen Musterns sah sie eine kleine Feder, die sich aus dem Daunenbett gelöst hatte. Die schnappte sie sich und begann leicht über seine Nase zu streichen. Marc bewegte kurz sein Riechorgan, doch ließ sich nicht aus dem Schlaf bringen. Erst ein stärkeres Reiben mit dem Flaum brachte ihn zum niesen und schlussendlich zum Aufwachen. Zu erst schaute er sich verdutzt um, doch als er in Gretchens Gesicht blickte, die ihn schadenfroh anlachte, wusste wem er den plötzlichen Schlafeinbruch zu verdanken hatte. Doch das wollte Marc nicht auf sich sitzen lassen. Er blickte stur gerade aus und sagte weder einen Mux, noch bewegte er sich. Nach einiger Zeit dachte Gretchen, er wäre beleidigt und gab ihre Wachsamkeit auf und wollte sich zu ihm drehen. Das nutzte Marc, wälzte sich auf sie und drückte mit beiden Händen ihre Gelenke auf die Matratze. Sie spielten wie kleiner Kinder mit einander, doch dann erinnerten sie sich wieder dass sie erwachsen waren und Marc begann ihre Lippen mit seinen zu verschließen. Gretchen ging darauf ein und erforschte ihrerseits seine Lippen. Ein erschrockenes Luftschnappen lies sie wieder auseinanderfahren. Sofort wanden sich beide um.
„Ähhh...ich wollte nur...also nur sehen...aber anscheinend...alles gut.“ stammelte Herr Olafson und war schon aus dem Zimmer verschwunden. Als sie schließlich die Tür unten in Schloss fielen hörten, hatte sich keiner von ihnen bewegt.
„Wer war das denn?“ unterbrach Marc die Stille.
„Nur der Herr, der sich um das Haus kümmert, wenn keiner hier ist. Er wollte sicher nur nach dem Rechten sehen, er war gestern schon hier, doch ich hab ihn weggeschickt und gesagt, dass ich keine Hilfe bräuchte.“ versuchte Gretchen die Situation zu erklären.
„Und da kommt er so einfach in das Haus rein?“
„Er hat einen Extraschlüssel. Er wollte bestimmt nur schauen ob es mir gut geht.“
„Sicher. Er wollte vielleicht SCHAUEN...aber nicht ob es dir gut geht, sondern ob du Hilfe beim einseifen brauchst.“
„Du bist so niedlich, wenn du eifersüchtig bist.“ lenkte Gretchen das Gespräch wieder auf das Thema, was ihr am Herzen lag.
„Ich bin nicht eifersüchtig.“ Es klang nicht sehr überzeugend.
„Naja, wo er jetzt fort ist, kannst du mir eventuell beim Einseifen helfen?“ fragte sie gespielt unschuldig. Marc lächelte anzüglich, und war auf das in Aussichtgestellte wieder friedlich. Gretchen hatte nach ihrem Aufenthalt hier die Erkenntnis gewonnen, das Sex in der Dusche nicht so unbequem war, wie gedacht und das Liebe immer einen Weg findet.

rorochen Offline

Schwesternhelferin:


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04.09.2009 01:29
#5 RE: Love-Hate-Tragedy Story by rorochen Zitat · Antworten

Hallo meine treuen Fans ^^ danke dass ihr solang Geduld mit mir hattet, aber hier der Abschluss des ersten Teils der Saga (ich nenn es einfach mal so). Mal sehen wie was ich Gretchen und Marc noch alles antue aber ein paar Ideen schwirren schon in meinem Kopf. Seit bitte nicht böse wenn ich nicht gleich immer weiter schreibe, doch bald beginnt wieder der Stress des Lebens und da braucht es schon ein bissl Zeit...naja Geschwafel hin Geschwafel her viel Spaß mit dem 5. Teil.

5.Love-Hate-Tragedy
Human behavior
Peculiar it seems
Some thrive on hate
Some love and dream
Everyone's got a purpose and wants to be loved
I think I found my purpose
I think I found love
Hidden inside myself
Hidden inside, inside myself
Tragedy
Strikes when you least expect it
Hate and destruction crashed down on our world
The stars and the stripes
The boys and the girls
It's sad it took war just to bring us together
I believe in love
I believe in forever
You better run
You better run
For your life
For your life
Shed a tear
Shed a tear
Live in fear
love... hate... tragedy
(Lovehatetragedy by Papa Roach)



Aus den Wochen der Selbstfindung war mehr ein Liebesurlaub geworden. Und irgendwie hatte es Gretchen doch geschafft, zu sich selbst zu finden, noch mehr aber hatte Marc Meier eine neue Seite an sich entdeckt: die das Monogamie vielleicht doch kein so schlechter Zustand war, wie er früher immer geglaubt hatte. Nach dem unfreiwilligen Besuch des Hausverwalters war kein Sterblicher mehr dem Haus zu nahe gekommen. Marc hatte sich schnell wieder beruhigt und sie vertrieben sich die Zeit mit Leidenschaften ausleben, die die sie Monatelang unterdrückt hatten. Beide blendeten ihre normale Welt aus und wollten die ihnen bleibende Woche einfach nur Marc und Gretchen sein und nicht Dr. Machomeier und Dr. Crying Gretchen. Nur Gretchens Vater schaffte es, sie für ein kurzes Telefonat in die Realität zurückzuholen. Eher gesagt Marc. Als er nach der vergangenen Nacht immer noch nichts gehört hatte, machte er sich Gedanken, dass nicht nur seiner Tochter sondern auch Meier etwas passiert war und machte sich schon Vorwürfe, warum auch noch ihn mit reinziehen musste. Er sah sich schon Elke gegenüber treten und verkünden, dass ihr Sohn einen schweren Unfall hatte, weil er auf seinen Wunsch in einem Wolkenbruch und bei Orkanböen Auto gefahren war. Sie würde ihn eigenhändig in die Gruft schicken, und seine Frau würde ihn bis in die Hölle (in der er sicher dafür landen würde) folgen und ihn da für die Ewigkeit quälen. Okay, dass war vielleicht etwas übertrieben, doch er wollte jeden Kontakt mit Elke vermeiden. Heute konnte er sich absolut nicht mehr erklären, was er so faszinierend an Meiers Mutter gefunden hatte. Wahrscheinlich war mehr Langeweile im Spiel als echte Anziehung. Bei ihr konnte man ja auch nicht gerade von Anlagen für 50 Jahre Gute und Schlechte Zeiten reden. Also sprang er selbst in den Löwenkäfig, die Sorge um seine Tochter war schließlich stärker als alles andere. Am nächsten Tag zur Mittagszeit (das Essen hatte ihn so an Gretchen erinnert) schnappte er sich sein Handy und wählte Meiers Nummer.

Gretchen machte sich gerade in der Küche zu schaffen. Sie konnte sich kaum auf die Aufgabe vor ihr konzentrieren. Am liebsten wollte sie die ganze Welt umarmen. Essen für alle, Frieden im Gaza-Streifen, der Papst hat eine Frau, Zeitreisen? Ihr schien alles möglich, denn ihr Leben hatte seinen Höhepunkt erreicht. Und sie wusste, dass dieses Gefühl vollkommen war. Die wahre Liebe, also, die Titanic-Variante und nicht American Pie Version, erlebten nicht viele Menschen. Egal was noch in Zukunft auf sie zukommen würden, nie würde sie dieses Gefühl vergessen können. Auch Marc, der oben gerade duschte (sonst wären sie nicht dazu kommen) genoss das neuartige Gefühl. Wie kalt und leer war sein vorheriges Leben gegenüber dem, was er hier gerade erlebte. Sex ohne Liebe war ausreichend, wenn man nie etwas anderes kennengelernt hatte. Doch die Explosion, die entfacht wurde, wenn Emotionen im Spiel waren ging über das Körperliche hinaus. Es war etwas, dass ihn mental auf eine völlig neue Ebene katapultierte. Er war es gewöhnt, alles allein zu machen und er war sich auch klar, dass der nächste Weg nicht leicht werden würde, denn diese „Freiheit“ würde er zu Stücken aufgeben müssen, doch wie viel mehr bekam er zurück, dass er sich endlich auch mal an jemand anlehnen konnte, nicht immer alles selber ausfechten musste und den Helden spielen musste. Als er endlich die restlichen Seifenlagen abgespült hatte, verließ er das Badezimmer und schlug den Weg Richtung Küche ein. Gretchen bückte sich gerade um einen Topf aus einem unteren Schrank zu holen. Schelmisch wie er unter seiner harten Schale war, schlich er sich leise (nackte Füße hört man auf Fliesenboden zum Glück nicht!!!) von hinten an. Als sie sich wieder aufgerichtet hatte, umschloss er plötzlich von hinten mit seinen Händen ihre Hüfte. Wie geölt lief der Reflexkreislauf ab: Reiz (Marc) kommt, verarbeitet durch sensible Nerven an Gehirn, das entscheidet spontan (Erschrecken), motorische Nerven führen Befehl aus und lassen die Muskeln zusammenziehen. Ergo: der Edelstahltopf fällt Gretchen durch den Schreck aus der Hand und landet natürlich punktgenau auf ihrer Fußzehe, was den nächsten Reflexkreislauf zum Ausbruch bringt und sie übrigens auch. Nachdem sie sich schützend auf die schmerzende Zehe gefasst hat, drehte sie sich ärgerlich zu Marc um. Der konnte sich sein Grinsen natürlich nur sehr schwer verkneifen. Doch bevor es zu einem Eklat kam, durchbrach das Klingel eines Telefons die Stille. Marc packte die Gelegenheit gleich beim Schopfe und hechtete zu seinem Handy. Zum Glück sah er nicht auf den Display, sonst hätte er es wahrscheinlich gleich wieder zurückgetan.
„Meier?“ meldete er sich ordnungsgemäß.
„Meier, sag mal haben sie noch einen Saunaaufguss gemacht oder warum rufen sie mich nicht zurück. Was ist passiert? Ist was passiert? Wie geht es meiner Tochter, es ist doch alles in Ordnung?“ sprudelte es nur so aus Prof. Haase hervor.
Marc versuchte seine Gedanken zu ordnen. Es war so viel passiert, mehr als er zu träumen gewagt hatte. Doch das konnte er seinem Chef natürlich noch nicht sagen, dass er sein neuer Schwiegersohn war. Also irgendwie sowas.
„Alles klar, Herr Professor. Gretchen geht es gut. Es war nicht so schlimm, wie vorausgesagt.“ stammelte Marc.
„Ach, die Orkane sind ausgeblieben?“
„Ähh...naja..“ Mit Gedanken an die Nacht zuvor konnte man das nicht unbedingt so sagen, doch der Professor definierte Orkane bestimmt nicht so wie er.
Als Gretchen hörte, dass ihr Vater an anderen Ende ist, wollte sie zu erst frustriert das Zimmer verlassen. Das Letzte was sie wollte, war mit ihrem Vater telefonieren, naja vielleicht das Vorletzte, das Allerletzte war: ein Telefonat mit ihrer Mutter. Doch sofort verwarf Gretchen den Einfall wieder, denn eine neue Idee war ihr gekommen. Eine, mit der sie es Marc zurückzahlen konnte. Rache ist Blutwurst, die Betonung liegt auf Wurst. So zufällig wie möglich näherte sie sich ihrem Freund. Sie tat so, als ob sie an die Spüle, an die er sich gerade lehnte, wollte. Doch sie ging in die Knie und platzierte sich direkt vor Marc. Der war so in das Gespräch mit seinem Vorgesetzten verwickelt, dass er gar nichts mitbekam, bis er es spürte. Sein Blut schoss auf einmal von Kopf und Brust in seine untere Körperhälfte. Als sein Blick seinem Blutfluss folgte, sah er nur den blonden Lockenkopf sich auf und ab bewegen und er wusste, dass er in Schwierigkeiten war.
„Was heißt hier naja. Sie haben einen Doktortitel und können nicht mal zwei zusammenhängende Sätze reden.“ steigerte sich Franz Haase immer mehr in seiner Wut.
„Es ist alles okay. Niemand ist verletzt...(schwer atmen) das Haus ist in Ordnung. Ihre Tochter ist offensichtlich (Blick nach unten) putzmunter.“ versuchte er ohne großen Stöhnen zu sagen.
„Na dann geben sie mir doch mal meine Tochter.“
Marc biss die Zähne zusammen, um nicht aufschreien zu müssen (Das bekommt sie zurück!!!). „Die ist gerade beschäftigt.“
Zum Glück belies Franz es dabei, er dachte Gretchen wollte immer noch nicht mit ihm reden. „Na dann können sie ja wieder zurück kommen. Morgen steht eine Herz-OP an, in der ich fähige Hände gut gebrauchen kann.“ Gut jetzt ging es in eine Richtung, die Marc nicht bekam. Er hatte eigentlich geplant noch die restliche Woche mit Gretchen zu verbringen. Wann bekam man schon einmal die Gelegenheit in einem einsamen Strandhaus die Liebe für sich zu entdecken. „Da gibt es nur ein Problem...“ begann Marc. Zum Glück hatte er genug Selbstkontrolle, um Gretchen nicht den letzten Rest Triumph zu gönnen und mitten im Gespräch mit ihrem Vater zu kommen.
„Was denn für ein Problem? Wenn es um meine Tochter geht, gibt es bei ihnen immer ein Problem..“ wurde Franz schon wieder rasend.
Spontan war ihm ein Gedanke gekommen. „Mein Auto ist kaputt, die Fahrt hier her war wohl doch etwas zu viel, wahrscheinlich Motorschaden. Und Volvo Werkstätten sind hier an der Küste leider rar gesät. Und ich wollte ihnen ja nicht die Kosten für die Taxifahrt aufbrummen, wo das doch alles ihre Idee war.“ Tja im Anderen-die-Schuld-Zuweisen war er immer noch Profi. Prof. Haase erinnerte sich nur ungern, wer diese Schnapsidee gehabt hatte und ließ Meier diesmal damit durchkommen. „Jaja...solange sie Gretchen nicht belästigen, können sie sich meinet wegen erst um ihr Auto kümmern. Aber sobald das repariert ist, kommen sie...“
„Okay, Tschüss Professor.“ beendete Marc das Gespräch und ein animalischer Schrei durchzuckte im nächsten Moment die Küche. Gretchen richtete sich nach getaner Arbeit wieder auf und lächelte siegesbewusst in die Richtung ihres Oberarztes. Der hielt sich für ein paar Sekunden noch an der Arbeitsplatte des Küchenmöbels fest, bis er genug Kraft hatte eine überraschte Gretchen an Arsch und Oberschenkel zu packen, sie über seine Schulter zu schwingen und mit ihr Huckepack das Bett erklomm. So vergingen die Tage in ihrer Traumwelt wie im Fluge. Marc hatte gelernt und sein Handy ausgeschaltet. Sie ließen sich Pizza kommen, oder versuchten sich einmal an einem Rezept aus Bärbels Kochbüchern, doch als der Ofen zu rauchen begann, hielten sie es für besser doch irgendwo auswärts essen zu gehen. Gretchen erlebte Marc in diesen Tagen komplett ausgetauscht. Natürlich konnte er sich nach wie vor Kommentare und Sticheleien nicht verkneifen, doch immer waren sie mit einem Lächeln verbunden. Auf eine bestimmte Weise hatte er gelernt loszulassen und einfach nur mal er selbst sein zu dürfen. So wunderte es auch nicht, dass sie im Wasser wie zwei kleine Kinder umhertollten. Entweder sie bespritzen sich gegenseitig oder zogen den anderen unter Wasser oder Marc hob Gretchen einfach nur aus dem Wasser und ließ sie zwei Meter weiter wieder hineinplumpsen. Kein Wort war über Alexis gefallen und als schließlich der Tag der Abreise nahte, wusste Gretchen dass sie nach all dem Spaß nun einen schweren Gang vor sich hatte. Marc brauchte sie nicht zu fragen woran sie dachte, ihr Gesichtsausdruck sagte mehr als tausend Worte und so verbrachten sie die Rückfahrt ziemlich schweigsam. Sie wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen. Deshalb ließ sie sich auch nicht bei ihren Eltern absetzen. Die hätten sie sofort mit Fragen überhäuft und ihr solange ein Ohr abgekaut, bis Gretchen alles haarklein erzählt hatte, was vorgefallen war. Marc nahm ihr Gepäck erst einmal zu sich. Insgeheim wollte er auch sicher stellen, dass sie die Sache mit Alexis gleich regelte, denn er war zu oft kurz vor dem Ziel gescheitert und so nah war er Gretchen noch nie gekommen. Er lieh ihr sogar sein Auto, damit sie nicht mit Bus oder Bahn fahren musste, ihr Fahrrad stand ja noch bei ihren Eltern.
Als Gretchen endlich vor dem eisernen Tor stand, schienen ihre Füße wie in den Boden einzementiert. Hier war sie nun, das erste Mal dass sie ihr Leben selbst in die Hand nahm, jedenfalls den Männerteil. Vor ihrem inneren Auge erschien Marcs Gesicht. Nicht das erste Mal, eher das 999558545 Mal. Aber diesmal lächelte er mit diesem liebenden und warmen Blick, den sie zum ersten Mal in dem Strandhaus gesehen hatte, also zumindest dass sie sich sicher war ihn gesehen zu haben, sonst hatte sie immer geglaubt ihn zu sehen und dann war er meist auch schon wieder verschwunden. Sie atmete tief durch und schritt neuen Mutes auf das Eingangsportal zu. Alexis schaute gerade eher zufällig durch das Fenster seines Zimmers, dass auf die Auffahrt gerichtet war. Und da sah er die Person, um die sich die ganze Zeit seine Gedanken kreisten. Erst glaubte er es wäre eine Fata-Morgana, doch dann entdeckte er dass die Person aus Fleisch und Blut war. Wie ein kleines Kind sprang er aus seinem Sessel auf und fegte hinunter zu der Tür. Ehe Greti klingeln konnte, hatte er diese schon geöffnet und war ihr um den Hals gefallen. Umso länger sie weg war, umso mehr wurde ihm klar, wie sehr er sie vermisst hatte. Er hatte sich eigentlich vorgenommen, sie nicht zu küssen, doch ihre plötzliche Nähe gab ihm den Rest und er drückte seine Lippen auf ihre, ehe Gretchen irgendeine Widerstands-Geste machen konnte. Sie fühlte zwar eine warme Strömung, doch das war ein laues Lüftchen gegen das Orkantief Marc Meier. Leicht aber entschieden drückte sie ihn von sich weg. Alle Alarmglocken begannen in ihm zu schrillen, und die Worte Gretchens machten seine Vorahnung zur traurigen Gewissheit. „Es tut mir so schrecklich leid...aber ich hab mich für Marc entschieden.“ Kurz und schmerzvoll. Sie schaffte es nicht, ihm dabei in die Augen zu sehen. Er würde den Preis für ihr Glück bezahlen.
„Nicht schon wieder...“ War es von Alexis zu hören. Er war diesmal so sicher gewesen. „Was hab ich denn falsch gemacht...ich war ein besserer Freund als dieses Sackgesicht je sein wird. Ich hab alles gemacht. Ich hab mich nie beschwert, dir nie reingeredet, und dich immer unterstützt. Zählt das alles nichts. Wollt ihr Frauen von vorn bis hinten verarscht werden?“ Die Worte kamen aus ihm raus ohne das er darüber Kontrolle besaß. Er wollte Gretchen treffen, so wie sie ihn getroffen hatte.
„Es kann keine Liebe ersetzen. Und gerade wegen dieser Eigenschaften verdienst du jemanden, der dich bedingungslos liebt und nicht nur, weil er denkt er steht deswegen in deiner Schuld, weil du ihn auf Händen trägst.“ Alexis wusste, dass sie die Wahrheit sagte, doch er wollte es in dem Moment nicht wahrhaben. Zum ersten Mal hatte er eine Frau gefunden, die nicht an seinem Einkommen interessiert war, sondern an seinem Inneren. Nicht einmal in so einer Situation schienen seine Millionen sie zu locken, also musste seine Persönlichkeit so schrecklich sein, dass nicht einmal Geld, was heute so wichtig war, darüber hinweg trösten konnte,und in diesem Bereich konnte der Oberarzt sicher nicht mit ihm mithalten. „Was hat er, was ich nicht hab? Ich kann dir alles bieten, wovon eine Frau träumt, die Welt steht dir offen, du kannst dir alle Träume erfüllen und ich liebe dich. Was ist es also, was mich hat verlieren lassen?“ fragte er verbittert von seiner Niederlage.
Gretchens subtile Antwort war: “Er ist hier drin.“ Und legte ihre Hand auf seine Brust, wo fühlbar sein Herz schlug. Im nächsten Moment bereute er gefragt zu haben, denn auf diesen Platz hatte er sein Leben lang gewartet und hatte ihn wieder verloren. Angewidert schlug er ihre Hand von seinem Oberkörper und zischte „Fass mich nicht an.“. Ohne ein weiteres Wort schlug er ihr die Tür vor der Nase zu. Gretchen stand eine Sekunde versteinert vor dem polierten Holz, doch plötzlich fühlte sie sich von einer tonnenschweren Last befreit, die das Gefühl der Traurigkeit, was sie Alexis angetan hatte, übertraf. Dieser hingegen schleppte sich in sein Zimmer, verschloss die Tür und öffnete die erste von drei Alkoholflaschen. „Auf dein altes Leben, Alexis von Buren.“ Konnte man hinter dem verriegelten Eingang hören.
Gretchen bestieg wieder Marcs hässlichen Volvo und fuhr zu ihm. Er hatte die ganze Zeit wie auf heißen Kohlen gesessen, hatte versucht sich mit Fernsehn abzulenken, doch immer wieder rannten seine Gedanken Marathon, als endlich das ersehnte Läuten an der Tür kam. Etwas mulmig war ihm schon, zu oft hatte ihm das Schicksal einen Streich gespielt. Verhalten öffnete er, doch er konnte zwar Traurigkeit in Gretchens Gesicht lesen, doch auch eine sichtliche Erlösung. Ohne ein Wort fiel sie ihm in die Arme. Marc war etwas konfus und fragte unsicher: “Alles okay?“
„Jetzt schon.“ antwortete Gretchen mit leiser Stimme. Mehr brauchten sie auch darüber nicht zu reden, es war abgehakt und zu Ende. Er wollte keine Details wissen und sie wollte diese nicht erzählen. Aus dem Abend wurde Gretchens erste Nacht in Marcs Bett. Überall riechte es angenehm nach ihm. Nie hätte sie sich träumen lassen, dass sie mal neben ihm auf der Couch sitzt und Fernsehen schaut. Okay, ehrlicherweise konnte sie sich auch nicht vorstellen, wie ihre Zukunft aussah, eine Beziehung mit einem egolastigen Frauenhelden, da würde wohl einiges auf sie zu kommen. Doch sie war nun mal die erste die die Burg gestürmt hatte und war keinesfalls gewillt, diese wieder aufzugeben. Außerdem musste sie ihren Eltern auch noch irgendwie beibringen, dass sie einen Freund hatte und nicht irgendeinen und da war natürlich noch Gabi. Auch wenn er sich von ihr getrennt hatte, sie erwartete ein Kind von ihm. Irgendwie wurmte es sie, dass sie nicht diejenige war, die sein erstes Kind zur Welt brachte. Gretchen, du lebst im Hier und Jetzt und was die Zukunft bringt, wirst du sehen. Gab ihr ihr Gehirn den ersten vernünftigen Rat seit Monaten. Ihr Magenknurren unterbrach ihre Gedanken. Marc schaute mit hochgezogenen Augenbrauen, doch sichtlich amüsiert zu ihr hinüber. „Hast du Hunger?“ fragte er sie spöttisch, doch im nächsten Augenblick beantwortete er sich selbst die Frage, indem sein Magen ebenfalls nach Essen schrie. Da sie beide ziemlich fertig waren, bestellten sie sich was beim Chinesen. Als auch ihre Bäuche genauso so zufrieden waren, wie sie selbst, beschlossen sie ins Bett zu gehen. Da Gretchens Gepäck erst einmal gewaschen werden musste, schnappte sie sich stattdessen (nicht zufällig) Marcs dunkelgraues T-Shirt mit dem „M“ drauf und legte sich ins Bett. Marc kam inzwischen aus dem Bad. Vor so einer Szene hatte er sich immer gefürchtet und doch gesehnt. Jemand wartete auf ihn. Keiner, der nur mit ihm Sex haben wollte oder er mit ihr, keiner der danach gleich wieder verschwand. Er sah wie sich Gretchens Brust regelmäßig hob und senkte. Leise, um sie nicht zu wecken, stieg er ins Bett und legte seine Hand um sie. Ganz Natürlich rückte sie zu ihm auf und beide konnten die Wärme des anderen spüren. Erst als der Wecker klingelte, trennten sie sich voneinander. Obwohl es eine kurze Nacht war, schienen beide ziemlich ausgeruht und erholt. Während Gretchen schnell den Weg aus dem Bett fand, wand sich Marc noch fünf Minuten hin und her, ehe er aufstand. Gretchen war inzwischen im Bad verschwunden. Marc jedoch war noch etwas verschlafen und steuerte den selben Weg an. Als er die Tür öffnete und dort eine blonde Frau stand, erschrak er zuerst, doch dann fiel ihm alles wieder ein. Geh ich eben erst eine rauchen.
Als Gretchen frisch geduscht in der Küche saß und Marc endlich ins Bad konnte, begab sie sich auf der Suche nach etwas Frühstückbaren. Nach ein paar Minuten der sinnlosen Suche, stellte sie fest, dass Marc der notorische „Ich esse früh nichts“-Typ war. Wenigstens hatte er etwas Obst im Haus, was wohl auch notdürftig ausreichen durfte. Marc musste sich das Lachen verkneifen, als er die Küche betrat und sah, wie Gretchen lustlos an ihrer Banane kaute. „Tut mir leid, aber auf jemanden mit deinen Essgewohnheiten konnte ich mich noch nicht einstellen.“ ärgerte er sie.
„Was heißt hier mit meinen Essgewohnheiten. Jeder Normalo macht am Morgen FRÜHSTÜCK, deswegen heißt es auch so, weil man es FRÜH isst. Und eine Zigarette ist nun mal kein Nahrungsmittel.“ konterte Gretchen.
„Ja, aber ich habe sie mehr genossen als du deine Banane.“
„War übrigens deine letzte...“ sagte sie und zeigte auf die leere Obstschale.
„Na dann weiß du hoffentlich, dass du neue kaufst. Und für die Zukunft: Da oben hängt ein Zettel, da kommt immer drauf, wenn was neues gekauft werden muss. Also Lebensmittel, keine Schuhe oder ne neue Handtasche.“
Doch Gretchen hatte gar nicht auf die Stichelei geachtet, sondern was unterschwellig in dem Satz verborgen war. Einkaufen... wenn man nur ab und zu mal übernachtet, verlangt keiner von einem, dass man Sachen nachkauft, man sagt das nur wenn man...also wenn er will, dass ich...
„Willst du, dass ich bei dir wohne?“ fragte sie noch immer unsicher ob sie richtig verstanden hatte.
Marc war erstaunt über ihre Vorsicht. „Hatte ich eigentlich gedacht...außer natürlich du willst das nicht...dann können wir...“ Weiter kam er nicht, denn Gretchen war stürmisch auf ihn zugelaufen und küsste ihn leidenschaftlich. In ihrem Schwung hatte sie ihn zu Boden gerissen. Marc hatte eigentlich nichts gegen wilde Knutschorgien auf dem Fußboden, doch leider hatten sie keine Zeit mehr, der Krankenhausalltag wartete und damit bohrende Fragen. Natürlich waren sie nicht allein, als sie auf den Parkplatz fuhren. Aber ausgerechnet Hassmann und Medhi hatten sich zur selben Zeit gedacht, mal wieder im Krankenhaus aufzutauchen. Mal wieder typisch!! Marc und Gretchen schauten sich einige Sekunde in die Augen und stiegen dann gleichzeitig aus dem Wagen aus.
„Ist ihr Fahrrad kaputt?“ fragte Hassmann trocken, doch in voller Absicht. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, was Männer an Gretchen fanden. Okay, sie war nicht unansehnlich, aber sie konnte locker mit der blonden Assistenzärztin mithalten. Aber den größten Deckhengst des Krankenhaus konnte sie einfach nicht um den Finger gewickelt haben. Medhi dagegen war mehr für die Situation zwischen Gretchen und Marc sensibilisiert und hatte sofort gemerkt, dass sich etwas verändert hatte. Sein ehemals bester Freund hatte ihm die ganze Zeit über etwas vorgemacht (oder hatte er sich selbst etwas vorgemacht), aber wo er warten wollte, hatte Marc gehandelt und am Ende das Mädchen bekommen. Seine Gefühle fühlten sich an wie eine Karotte in einem Schnellgarkochtopf, bereit zu explodieren. Doch was hatte er für eine Chance gegen Marc, er war Gretchens ewiger Schwarm. Marc und Medhi warfen sich flammende Blicke zu und Dr. Meier legte demonstrativ seinen Arm um Gretchen. Na das kann ja noch heiter werden. Auch Fr. Dr. Hassmann hatte endlich den Schuss gehört. „Sind die etwa zusammen?“ bemerkte sie ungläubig. Marc und Gretchen hatte eine stille Vereinbarung getroffen, ihr Zusammensein im Krankenhaus nicht allzu sehr auszuleben. So schöpfte kaum einer Verdacht, denn dass die beiden was miteinander hatten, dachten sich viele doch keine mochte meinen, Dr. Meier war fähig für eine einzige Frau. So blieb ihr Arbeitsverhältnis eigentlich dasselbe, es gab Gemeinheiten oder Streitgespräche am laufenden Band, doch alle irgendwie auf einem neuen Level, nicht mehr beleidigend mehr herausfordern provozierend und immer mit einem Lächeln. Als Gretchen sich endlich einmal von Marcs Anwesenheit lösen konnte, saß sie in einem Fachmagazin (medizinisches) vertieft in der Cafeteria und mampfte ihr Croissant. Ihr Glück hatte sie vollkommen die Begegnung mit ihren Eltern vergessen lassen und jetzt kamen sie auch noch in Duo-Doppel-Power. Franz hatte seine Frau gleich angerufen, als er Gretchen entdeckte hatte. Natürlich hatte er am Ende doch die ganze Story erzählt (außer den Teil mit Dr. Meier natürlich, dass hätte seine Frau nur zu sehr an die Affäre mit Marcs Mutter erinnert). Zuerst hatte ihm Bärbel den Marsch geblasen, doch am Ende war sie auch ein wenig stolz dass er Gretchen ihre Sache hat alleine machen lassen. Als sie aus ihrem Lesestoff aufblickte sah sie verdutzt in die Augen ihrer Mutter und ihres Vaters.
„Na Kälbchen wie war denn der Urlaub?“ fragte Bärbel betont streng, und gab Gretchen zu verstehen, dass sie sie nicht eher gehen lassen würde ehe sie alles aus ihr heraus gekitzelt hatte.
„Erholsam, wie soll ein Urlaub schon gewesen sein??“ antwortete sie genervt.
„Naja, wir erwartet schon etwas mehr, wenn du Hals über Kopf aus Berlin abhaust und dich in die Einsamkeit Verziehst?“ griff ihr Vater ein.
„Oder war es vielleicht gar nicht so einsam?“ hackte Bärbel nach. Franz begann seine Frau genauso unheimlich anzuschauen wie Gretchen, beide wegen dem selben Mann.
Die kurze Sprachlosigkeit ihrer Tochter war ihr Antwort genug. „Ein Millionär war nicht zu fällig in unserem Strandhaus oder?“
„Mit Alexis hab ich Schluss gemacht.“ Ließ Gretchen die Bombe platzen. Ihre Mutter, die sich gerade noch in Kay West-einsamer Tropeninselidylle geträumt hatte, wurde gewaltsam in die Wirklichkeit zurückgeholt.
„Waaassss???“ konnte Bärbel nur entsetzt ausrufen. „Aber wieso? Gretchen bist du von allen guten Geistern verlassen, willst du dein Leben lang im Krankenhaus arbeiten? Du bist fast 30 und bist immer noch Single und wohnst bei deinen Eltern...“ Warum musste ihre Mutter in Situationen, die sowieso schon zum Heulen waren, immer noch die Spitze genau in die Wunde rammen?
„Weil ich ihn nicht liebe und ich ziehe übrigens aus.“ Gab sie trotzig zurück.
„So hatte deine Mutter das gar nicht gemeint, du kannst so lange bei uns wohnen bleiben wie du willst.“ Schaltete sich wieder Franz in die Sache ein. Er wollte nicht dass seine Tochter auszog.
„Ich weiß wie sie es gemeint hat und auch ohne dass sie das gesagt hätte, hätte ich meine Koffer gepackt.“
„Und wo willst du hin?“ fragte Bärbel ungläubig.
Ja soweit hatte Gretchen nicht gedacht. Was sollte sie jetzt antworten? Marc und sie hatten ja abgesprochen, die Sache nicht an die große Glocke hängen zu wollen. Doch auch Bärbel dämmerte langsam, dass ihre Tochter nicht einfach komplett durchgedreht war, sondern dass sie sich ernsthaft verliebt hatte, denn soviel Grips traute sie ihr zu, nur für die Liebe ein so großen Fang wie Alexis von Buren schwimmen zu lassen. „Wie heißt er denn?“
So dumm sie sich doch manchmal verhielt so intelligent und mit guter Kombinationsgabe ausgestattet verhielt sich Bärbel Haase wenn es zu Liebesdingen oder Tratsch und Klatsch kam. Gretchen bildete sich auch nicht ein ihrer Mutter etwas vormachen zu können, aber sie sollte es dann erfahren, wenn sie es für richtig hielt. „Ihr werdet es schon noch früh genug erfahren...und wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich hab bei einer OP zu assistieren.“ So schnell es ging befreite sich Gretchen aus der Verhörsituation und suchte wieder die Chirurgie-Station auf.

Von allen unentdeckt fuhr in der Zwischenzeit ein schwarzer Hummer auf das Krankenhausgelände. Er bewegte sich an den Besucherparkplätzen vorbei und direkt vor die Tür, die eigentlich nur für Notfälle gedacht war, doch der Fahrer hatte sowieso nicht mehr vor zu seinem Auto zurückzukehren. Er griff zur Kontrolle nochmal in seine Jacketttasche. Als er den kalten Stahl spürte, war er sicher das Richtige zu tun. Einige Mitarbeiter erkannten den Millionär von seinen Aufenthalten früher und nickten ihm freundlich zu, was Alexis auch nett zurückwarf. Keiner machte sich Gedanken was er hier wollte, wo er doch völlig genesen war. Er war immer höflich zu allen gewesen. Alexis beschäftigte aber nur ein Gedanke. Fast wie in Trance und unter höllischen Kopfschmerzen, die mit 1 Flasche Whisky ruhig gestellt waren, fand er den Weg zum Aufzug. Er wusste genau, wohin er wollte. Als sich der Stahlkäfig ratternd in Bewegung setzte, befummelte er ein weiteres Mal den Gegenstand in seiner Tasche. Er hatte nie gewollt, dass es soweit kam, doch er ließ sich nicht das wegnehmen, was ihm gehörte. Und im Grunde dachte sie genauso. Dieser Meier hatte sie irgendwie bezirzt, irgendwie hatte er es geschafft, dass sie sich ihm hingab, wo sie in Wahrheit doch nur Alexis liebte. Sicher wollte sie genauso schnell aus dieser Welt verschwinden, wie er und der Zeitpunkt war nun gekommen, dass sie diesen Schritt zu zweit antreten würden. Als er endlich an seinem Bestimmungsplatz angekommen war, wusste er vor wuselnden OP-Personal nicht, unter welchem grünen oder blauen Hemdchen sich seine Auserkorene verbarg. Deshalb hielt er irgendeinen der blauen Figuren an und fragte, wo sich Gretchen Haase gerade aufhielt. Es war wohl Schicksal, dass er dabei gerade Dr. Medhi Kaan erwischte. Der drehte sich auch um. Als er unter dem aufgedunsenen blassen Gesicht und den tiefen Augenringen Alexis von Buren erkannt, wurde ihm schlagartig klar, was dieser hier wollte. Wenn er schon nicht genug Mumm in den Knochen hatte, um Marc die Meinung zu geigen, sollte es doch ein anderer für ihn machen. Glücklicherweise hatte Alexis keine Ahnung von Marcs Charakter und würde sich nicht so leicht von ihm beeindrucken lassen.
„Ähh...schauen sie doch mal in Dr. Meiers Büro vorbei. Das ist den Gang runter und dann gleich links.“ Antwortete Medhi das Gefragte betont locker.
Alexis dagegen biss die Zähne aufeinander, als er den Namen hörte. „Danke.“ Zischte er zwischen diesen hervor.
Das Spektakel wollte sich der Gynäkologe nicht entgehen lassen und folgte Alexis mit etwas Abstand.
Gretchen hatte sich nach dem Gespräch mit ihren Eltern in Marcs Büro geflüchtet. Zum Glück schien sie niemand entdeckt zu haben. In weiser Vorsicht hatte sie die Jalousie blickdicht gezogen, so dass keiner von außen hineinschauen konnte. Bis ihr Oberarzt kam, ließ sie sich auf seinen Drehstuhl fallen und schaute verträumt an die Decke. Dieser ließ auch nicht lange auf sich warten. Als er die verdunkelten Fenster sah, wusste er, wer sich darin aufhielt und ein anzügliches Lächeln überzog sein Gesicht. Maurice Knechtelsdorfer sah hingegen die Gelegenheit gekommen, um seinen Oberarzt mal wieder daran zu erinnern, dass er auch noch da war. Es war das erste Mal seit dem Marc wieder hier war, dass er ihn lachen sah, außer natürlich wenn seine blonde Konkurrenz um die Ecke kam. Dann schien der sonst so angriffslustige Oberarzt plötzlich in einer anderen Welt, doch da in Knechtelsdorfers Welt wahre Liebe nur in einem The Legend of Zelda-Videogame vorkam, kam er nicht auf den Gedanken dass beide Ärzte eine Beziehung miteinander hatten.
„Ähh...Dr. Meier, ich wollte sie mal etwas fragen...“tastete er sich in seinen österreichischen Akzent an die Sache heran.
Marc war schon beim ersten Ton seiner Stimme genervt und das plötzliche Lächeln verschwand wieder von seinem Gesicht. „Was ist Knechtelsdorfer?“
„Naja, ich wollte wissen, ob es in der nächsten Zeit vielleicht möglich wäre, natürlich nur mit ihrer Zustimmung, dass ich ihnen assistieren könnte?“ hatte Maurice endlich seinen Wunsch über die Lippen gebracht.
„Achso das wollen sie, überhaupt kein Problem, natürlich dürfen sie mir assistieren...“ sagte Marc und legte seinem jungen Assi liebevoll die Hand um die Schulter und manövrierte sein Ohr nah an seinen Mund. „Sehen sie das da?“ flüsterte Marc und Knechtelsdorfers Blick folgte seinem ausgestreckten Zeigefinger, der auf ein Bücherregal voller medizinischer Fachliteratur zeigte. Nicht wissend, worauf Dr. Meier hinaus wollte, nickte er nur. „Lesen sie zur Abwechslung mal das Schwarze und nicht das Weiße dahinter, dass sind die nämlich die Buchstaben. Und wenn ich es dann noch erleben darf, dass ich auf meine Fragen nicht immer nur ein langes peinliches Schweigen und hilflose Blicke zu Dr. Haase ernte, dann könnte sich der Gedanke ihrer Assistenz vielleicht in meinem Gedächtnis einnisten, okay?“
Maurice schluckte und nickte ein weiteres Mal, zu geschockt, um zu sprechen. Die Standpauken seines Idols trafen ihn jedesmal eiskalt.
„Gut.“ Beendete Marc das Gespräch und machte sich auf den Weg in sein Büro.
Gretchen schreckt etwas auf, als plötzlich die Tür geöffnet wurde. Doch als sie erkannte, wer es war, beruhigte sich ihr Körper wieder und ein prickelndes Gribbeln erfüllte sie.
„Wurde auch langsam Zeit, dass du kommst.“ begrüßte sie ihn und hievte sich aus dem Sessel.
„Wieso, hab ich was verpasst?“ fragte er eher beiläufig und ließ sie dabei nicht aus den Augen. Gretchen ging um den Tisch herum. Als sie Marc endlich erreicht hatte schlang sie die Arme um seinen Hals und er seine um ihre Hüfte.
„Meine Eltern haben heute eine Attacke auf mich gestartet und das gleich im Doppelpack.“ berichtete Gretchen.
Beim Gedanken an seinen Chef versteifte sich Marc etwas unter Gretchens Hände.
„Keine Angst, ich hab sie noch einmal auf eine falsche Fährte setzen können, aber irgendwann müssen wir wohl mit der Sprache rausrücken.“
Das beruhigte ihn und sofort war bei beiden wieder Lovemodus ausgewählt. Marc dirigierte Gretchen langsam aber bestimmt zu seinen Schreibtisch. Ganz von selbst setzte sie sich auf die Tischecke, ihre Hände zogen sein Gesicht näher an ihres bis sich ihre Lippen wieder einmal leidenschaftlich berührten.
Alexis hatte das gesuchte Ziel endlich gefunden. Ohne zu klopfen öffnete er die Tür. Vor seinen Augen spielte sich die Hölle ab. Seine große Liebe in den Armen seines größten Feindes. Marc und Gretchen trennten sich nur ungern und schauten sich beide um, wem sie diese Störung zu verdanken hatten. Medhi hatte sich dem Büro auf zwei Schritte genähert und und versuchte vorsichtig durch die Tür das Geschehen zu beobachten. Doch anstatt der angedachten Eifersuchtsszene ändert sich das Drehbuch plötzlich. Alexis griff mit einer Hand nach Gretchen und mit der anderen in die Seitentasche seiner Jacke. Seine Finger bohrten sich wie ein Schraubstock um ihren Arm und zogen sie mit ungewohnter Kraft an seine Brust. Marc und sie waren von der Lage völlig überrascht. Als er protestieren wollte, schaute er auf einmal in den Lauf einer Waffe. Allen stockte der Atmen. Keine wagte es sich zu bewegen.
„Keiner rührt sich oder er ist tot.“ sagte Alexis und fuchtelte mit der Pistole in Richtung Marc. „Was willst du?“ Gretchen erkannte ihre eigene Stimme nicht mehr, so dünn und ängstlich wie sie klang.
„Dich.“ War Alexis einfache Antwort. „Du wirst jetzt mit mir kommen und dann passiert niemandem was.“ sprach er weiter und schubste Gretchen in Richtung Gang. Marc hatte die ganze Szene ohnmächtig mit angesehen, doch jetzt vergaß er sich selbst und seine Angst, er wollte nur noch Gretchen retten. Instinktiv wartete er bis Alexis ihm den Rücken zu gewandt hatte. Den einen Arm um Gretchen geschlungen und in der anderen Hand die Waffe hatte er jetzt Medhi entdeckt. Die neue Situation lenkte ihn für eine Sekunde von Marc ab. Der nutzte die Gelegenheit: mit beiden Händen versuchte er Alexis die Pistole zu entreißen, doch der war auf der Hut und konnte Marcs Attacke gerade noch abwehren. In Rage gebracht änderte er seinen Plan, denn er wollte eigentlich nur sich und Gretchen mit in den Tod nehmen und dieser Bastard sollte sein restliches Dasein in Trauer und Kummer verbringen so wie er. Wie in Zeitlupe drehte er sich wieder zu Marc um und zielte auf sein Herz. „Vielleicht kannst du dich ja selbst operieren.“
Gretchen hatte Todesangst, doch irgendwie schaffte sie es Alexis einen so heftigen Stoß zu versetzen, dass dieser sein Ziel verfehlte und der Schuss „nur“ Marcs Arm streifte. Der schrie unter den plötzlichen Schmerzen laut auf und hielt sich die blutenden Wunde.
Alexis konnte das Geschehene nicht fassen. Hatte Gretchen ihn gerade davon abgehalten ihren Peiniger zu erschießen? War sie vielleicht doch freiwillig zu diesem Meier gegangen, weil sie ihn liebt. Weil sie ihn liebt...die Worten hallten in seinem Gedächtnis. Sie hatte keine Gefühle für ihn, Alexis von Buren. Alles war sinnlos. Als er in ihre Augen sah, bestätigten sich seine Vermutungen auf einmal, denn der lebendig gewordene Hass sprühte aus ihren Augen wie glühende Pfeile, die sich in sein Fleisch bohrten. Er konnte vor Qual nicht mehr klar denken. Sein Kopf schien zu zerbersten. Nie konnte er diesen Verrat verzeihen. Sie hatte seine helfende Hand weggeschlagen, ihn abgelehnt. Dafür musste sie jetzt bezahlen. Um besser zielen zu können, schob er sie ein paar Meter von sich weg. Marc und Medhi durchschauten die Szenerie sofort. Marc versuchte sich aufzurichten, doch er musste so sehr kämpfen überhaupt bei Bewusstsein zu bleiben, dass an Aufstehen überhaupt nicht zu denken war. Ein leises „Nein“ kam über seine Lippen, als er spürte wie ihn die Nacht langsam umnebelte. Medhi, der bis jetzt nicht fähig war sich zu bewegen, zögerte nicht und tat das, was ihm als erstes einfiel. Da die Schmerzen in seinem Kopf kaum noch auszuhalten waren und seine Augen ihn nur noch unscharfe Bilder lieferten zielte Alexis mehr nach Gefühl. Medhi nahm Anlauf und warf sich in die Schussbahn zwischen Gretchen und Alexis. Doch bevor dieser auch nur den Abzug betätigen konnte, war er schon ohnmächtig zu Boden gesackt. Hart landete Dr. Kaan auf allen Vieren, wartend dass die Schmerzen endlich einsetzen würden. Doch als nichts geschah öffnete er die Augen und sah den leblosen Alexis. Er kämpfte sich wieder auf die Beine und rannte zu Marc. Gretchen war inzwischen an seine Seite geeilt und presste ihren Kittel auf die stark blutende Wunde. Durch den Schuss waren alle in der näheren Umgebung alarmiert wurden. Vorsichtig näherten sich einige Menschen dem Büro, aus dem der Lärm zu hören gewesen war. Alles ging dann ziemlich schnell. Die Polizei traf innerhalb weniger Minuten ein. Da die Situation bereits wieder unter Kontrolle war, konnten die anwesenden Ärzte ihre Arbeit machen. Marc musste aus Gretchens Armen gerissen werden. In diesem Moment wurde er kurz wach und lächelte sie schwach an. „Alles wird gut.“ hauchte er ihr ins Ohr und streichelte sanft über ihre eiskalte Wange, bis sie ihn schließlich auf einer Trage aus dem Zimmer schafften. Medhi und Gretchen sprachen kein Wort miteinander. Beide wurden nach ein paar Untersuchung wieder entlassen. Körperlich fehlte ihnen nichts. Eigentlich sollten sie nach Hause gehen und sich etwas ausruhen. Doch beiden war jetzt nach allem nur nicht nach Ruhe. Als sie endlich die Aussage erhielten, dass Marc erfolgreich operiert wurde und das er bald wieder gesund sein würde, eilten sie in das Zimmer, in dem man ihn zum Aufwachen gebracht hatte. Eigentlich war kein Besuch in den Räumen gestattet, doch Gretchen und Medhi waren Ärzte, Autoritätspersonen, die hier täglich arbeiteten und nach dem Erlebten wollte keiner ihnen widersprechen. Bei dem Anblick ihres geliebten Marcs musste Gretchen sehr mit sich ringen nicht in Tränen auszubrechen. Sein Oberarm war dick verbunden. Die Maschine gab seine Vitalzeichen in leisen Tönen von sich und doch sagte ihr ihr Medizinwissen, dass er riesen Glück gehabt hatte. „Das war alles meine Schuld.“ wisperte sie. Medhi hatte es trotzdem gehört und legte ihr brüderlich die Hand auf die Schulter. „Das war nicht deine Schuld und das weißt du auch. Alexis ist durchgedreht.“
Bei dem Klang seines Namens spielte sich das Geschehene wieder vor ihrem inneren Auge ab. Sie wusste es war sinnlos sich die zahlreichen Möglichkeiten der Vergangenheit ins Gedächtnis zu rufen, die diese Aktion hätten verhindern können. Bevor sie hier hergekommen sind, hatten sie ein erstes Gespräch mit einem Notfallseelsorger, der ihn den ersten Schrecken nehmen konnte. Jetzt war sowieso nur wichtig dass Marc wieder gesund wurde. Wieder in der Realität angekommen, spürte sie Medhis Hand immer noch auf ihrer Schulter. Sie war warm und weich und doch löste es nicht dasselbe aus, was Marcs Hand an dieser Stelle hätte bewirken können. Das brachte das Ereignis wieder in ihr Bewusstsein. Medhi Kaan wollte sich für sie opfern. Noch immer war seine Liebe so stark, dass er sein Leben für ihres gegeben hätte. Dafür würde sie ewig in seiner Schuld stehen.
Marcs Augen gewannen schließlich den Kampf gegen die Dunkelheit und öffneten sich. Das grelle Licht ließ ihn erst einmal blinzeln. Er sah, dass zwei Menschen im Raum standen und dass der eine den anderen berührte. Nach ein paar Sekunden sah er wieder scharf und erkannte, dass es Gretchen und Dr. Kaan waren. Die beiden hatten noch nicht bemerkt, dass Marc wieder wach war.
„Danke..dass du mich gerettet hast..“ sagte Gretchen und versuchte ihre zitternde Stimme zu beruhigen. Medhi wusste dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war um doch noch Schmerzen zu erleiden. „Du musst nichts weiter sagen. Ich weiß dass sich dadurch nichts geändert hat.“ antwortete Dr. Kaan und blickte wehmütig in Marcs Richtung.
„Das werd ich dir nie vergessen.“ Gretchen drehte sich jetzt zu ihm um und Medhi wäre beinah umgekippt, als er ihren traurigen Blick sah. Sie wusste, dass sie es ihm nie zurückzahlen konnte. Dass was er wollte konnte sie ihm nicht geben.
Marc hatte die Luft angehalten, doch nachdem er sah, dass selbst Medhis heroische Tat ihre Gefühle nicht ins Wanken bringen konnten, entschloss er sich jetzt „offiziell“ aufzuwachen.
Geräuschvoll bewegte er sich im Bett. Gretchen und Medhi drehten sich beide um und sahen in die offenen Augen von Dr. Marc Meier. Sie konnte sich kaum noch zurückhalten und stolperte über ihre eigenen Füße, als sie zu ihm rennen wollte. Glücklicherweise landete sie halb in Marcs Bett, halb auf Marcs Brust. Dieser stöhnte etwas und musste dann doch laut loslachen. „Haasenzahn, dafür ist es wohl noch etwas früh.“ Gretchen, die erst erschrocken war, konnte nur peinlich berührt grinsen. Doch dann überwand sie ihre Scham doch und holte sich erst einmal einen lieblichen Kuss von Marc. Dieser antwortete begierig, zu mehr war noch nicht in der Lage, die Narkose hatte noch nicht ganz nachgelassen. Nach ein paar fachmännischen Blicken und Abtastungen war er mit seinem Oberarm ganz zufrieden und mäkelte schon wieder an dem dicken Verband.
Medhi, der absichtlich aus dem Fenster gesehen hatte, als sich die beiden geküsst haben, ging auf seinen ehemaligen Freund zu und tätschelte ihm behutsam die Schulter. Marc erkannte das Friedensangebot und nahm es gerne an. „Danke Medhi.“ sagte er und lächelte den Frauenarzt mit seinem gewinnbringenden Lächeln an.
„Bei mir brauchst du dieses Grinsen nicht anwenden. Ich hab leider mehr Testosteron als Östrogen.“ Beide wussten dass sie auf dem Weg waren, wieder Freunde zu werden.
Nach ein paar Stunden stattete Dr. Hassmann dem Pärchen einen Besuch ab. Als sie die Tür öffnete lag Gretchen immer noch halb auf Marc und halb im Bett und kraulte ihm zärtlich den Bauchnabel. Der ließ sich das genüsslich gefallen. Beide hatten bisher nur über Belangloses gesprochen, doch nicht den Überfall. Es war einfach noch zu früh und jeder wollte die Anwesenheit des anderen nutzen, um für ein paar Stunden wieder glücklich sein zu können. Dr. Hassmann ließ dieses Bild der Idylle mal wieder neidisch werden. „Wie ich sehe, sind sie ja bereits auf den Weg der Besserung.“ Doch so sehr sie es auch nicht wollte, sie war doch heilfroh, dass beiden nichts passiert war. Ihre Anwesenheit brachte das Geschehene zurück.
„Was ist mit ihm?“ fragte Gretchen, die plötzlich todernst war. Sie konnte nicht einmal seinen Namen aussprechen.
Der Neurochirurgin war die undankbare Aufgabe zugekommen den Attentäter zu operieren.
„Wir haben neue Tumore entdeckt. Sie waren wohl dafür verantwortlich, dass er so durchgedreht ist. Sie haben auf so alle wichtigen Areale gedrückt, die man sich vorstellen kann: Persönlichkeit, Angst, rationales Denken. So was hab ich überhaupt noch nicht gesehen. Wie kleine Sporen, waren die Tumore winzig klein, doch überall verstreut. Unauffindbar für ein normales CT.“
„Sie wollen damit sagen, er war nicht er selbst, als er die Tat beging?“ schaltete sich Marc ein.
„Sozusagen.“ Der Piepser sagte Dr. Hassmann dass sie weiter musste. Bevor sie den Raum verließ, ringte sie sich doch noch zu einem Satz durch. „Ich weiß ich werde es bereuen, doch ich bin froh, dass ihnen allen nichts weiter passiert ist.“ und schloss hinter sich die Tür.
Marc legte seinen Arm fester um Gretchen und die schmiegte sich enger an ihn. Ihnen würde noch einiges an Arbeit bevorstehen: Das ganze verarbeiten, Zeugenaussage, Polizei, Marcs Genesung. Doch zusammen würden sie auch das irgendwie schaffen.

rorochen Offline

Schwesternhelferin:


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16.09.2009 02:31
#6 RE: Love-Hate-Tragedy Story by rorochen Zitat · Antworten

Guten Abend oder eher Guten Morgen endlich mal wieder was neues von mir. Ich habe die Story unter Einfluss des Staffelfinales geschrieben, also nicht verwirrt sein. Hätte ich es vorher geschrieben, wäre Gigi nicht so außer Form geraten, doch Rache ist Blutwurst und ich wollte Blut sehen xD. Also viel Fun mit dem 6.Teil.

6.Dangerous Mind

I'm searching for answers
Cause something is not right.
I follow the signs,
I'm close to the fire.

I fear that soon you'll reveal
Your dangerous mind.

It's in your eyes, what's on your mind.
I fear your smile and the promise inside.
It's in your eyes, what's on your mind.
I fear your presence, I'm frozen inside.

I'm searching for answers
Not questioned before.
The curse of awareness,
There's no peace of mind.
As your true colors show
A dangerous sign.

It's in your eyes, what's on your mind.
I see the truth that you've buried inside.
It's in your eyes, what's on your mind.
There is no mercy, just anger I find.

I just have to know, while I still have time.
Do I have to run, or hide away from you?

It's in your eyes, what's on your mind.
I see the truth that you've buried inside.
It's in your eyes, what's on your mind.
There is no mercy, just anger I find.

(Dangerous Mind by Within Temptation)


Dr. Gina Amsel reckte sich. Als sie es endlich knacken hörte, fühlte sie sich etwas besser. Die langen Flüge hatte sie auch schon mal besser weggesteckt, doch man wird halt nicht jünger. Ob sich Gretchen über ihren Überraschungsbesuch freuen würde? Seit dem sie mit diesen Millionär zusammen war, hatte sie sich nicht mehr gemeldet (Gigi war noch nicht auf den neuesten Stand). Auch Anrufe oder SMS brachten kein Ergebnis. Das hatte schließlich dazu geführt, dass sie ihren Urlaub dazu nutzte ihre alte Freundin mal wieder zu besuchen und dem verregneten Sommer in London zu entkommen. Eigentlich hatte sie vorgehabt, endlich die schon seit Jahren angestrebte Single Reise nach Mallorca (von der ihr Gretchen so viel vorgeschwärmt hatte) zu unternehmen, aber immer wieder fand sich ein Grund diese aufzuschieben oder sie suchte sich unterbewusst einen, den eigentlich hatte sie Angst vor einer Horde freigelassener Single-Männer, die sich entweder wie notgeile Hirsche in der Brunftzeit, chauvinistische Frauenunterwerfer verhielten oder einfach Dauergast im Hotel Mama waren und einen animierten Bildschirmschoner der nackten Lara Croft hatten. Ob sie jemals einen Mann finden würde, der sie so liebt wie sie war. Die Arbeit war immer ihr ein und alles gewesen. Auf der einen Seite hatte ihr Lerneifer ihr auch den Job in London eingebracht, doch Männer hatte es leider nicht angezogen. Sie beneidete Gretchen um ihre Beziehung. Sie heulte ihr zwar immer die Ohren voll, dass sie kein Glück mit Männer hatte, doch wenigstens hatte sie Angebote. Gigi hatte sich am Ende sogar soweit hinab gelassen, nach einem Date gleich mit dem Kerl in die Kiste zu hüpfen. Sie dachte sie könnte ihn wenigstens so ein paar Monate halten, doch als dieser bekommen hatte, was er wollte, war er nicht mal bis zum Morgengrauen geblieben. Plötzlich wusste sie nicht mehr, ob es wirklich so eine gute Idee gewesen war, ihre glückliche in Beziehung befindliche Freundin zu besuchen. Würde Gina das ertragen? Naja, jetzt war es zu spät zum umkehren. Und so schlimm war es nun wirklich nicht, die Menschen, die einem wichtig sind, zufrieden zu sehen, auch wenn man selbst gerade nicht besonders happy war. Als der Flieger endlich in Berlin landete, begrüßte sie sie die untergehende warme Sommersonne. Sie hatte vergessen, wie schön der Sommer doch war. In London bekam man nicht viel davon mit. Sie würde wohl erstmal in ihr Hotel fahren, duschen, sich umziehen und dann nach Gretchen Ausschau halten.

Seit dem Anschlag durch Alexis von Buren waren drei Wochen vergangen. Langsam hatte sich wieder so etwas wie Alltag in das Leben von Gretchen eingeschlichen. Marc war auf dem Weg der Besserung. Die Kugel hatte nur eine Blutbahn gestriffen, deswegen hatte es so stark geblutet. Doch es war nicht mehr verletzt, weshalb es nicht lange dauern würde bis er wieder am OP Tisch stehen würde. Zur Beobachtung hatte man ihn bis jetzt im Krankenhaus behalten. Und bei ihm bestätigte sich das Klischee zu 300000%, dass Ärzte schlechte Patienten waren. Natürlich sah er keine Notwendigkeit so lange an ein Bett gefesselt zu sein, doch Prof. Haase hatte immer noch genug Autorität um ihm eine Entlassung auszureden. Dadurch dass Meiers Kollegen nach ein paar Tagen aufgegeben hatten, ihn versorgen zu wollen, denn jeder Schritt wurde von einem abwertenden Kommentar begleitet, blieb am Ende nur Gretchens Vater übrig ihn zu überwachen. Was sich Marc eingebrockt hatte, bemerkt er erst später, denn Franz Haase konnte jeder Zeit spontan im Zimmer auftauchen, was sein Zusammensein mit Gretchen ziemlich erschwerte. Gerade als er sich mal wieder darüber ärgern wollte, dass er seine Freundin seit 3 Tagen nicht zu Gesicht bekommen hatte, kam diese gerade in sein Zimmer gerast. Gehetzt schloss sie so schnell wie möglich die Tür hinter sich, peinlich darauf achtend keine Geräusche zu verursachen. Als sie sicher war, dass anscheinend niemand was von ihrem Auftritt mitbekommen hatte, drehte sie sich zu ihrem eigentlich Ziel um. Marc war noch zu erschrocken, dass er was sagen konnte, doch schnell hatte er sich wieder unter Kontrolle. Zu sehr freute er sich über die Gestalt vor seinem Bett. Gretchen lächelte ihn an und ging auf ihn zu. „Mein Vater hat gerade OP 2 besetzt. Ziemlich schlimmer Unfall. Ich konnte ihm wenigstens 30 Minuten abschwatzen, in denen er auf mich verzichten muss. Ich hab gesagt, ich mach Mittag.“
„Und das hat er dir sicher gleich abgenommen.“ scherzte Marc.
„Wer hat gesagt, dass das eine Lüge war.“ antwortete Gretchen, nahm ein eingewickeltes Sandwich aus ihrer Kitteltasche und biss herzhaft hinein.
„Ich habe befürchtet, dass es einmal darauf hinauslaufen würde.“ bemerkte er und verschränkte wissend die Arme vor der Brust.
„Auf was?“ fragte sie etwas verdutzt.
„Dass du dich zwischen mir und zwei krossgebackenen Weißbrothälften mit Schinken und Käse belegt entscheiden muss. Ich wusste von Anfang an, dass ich keine Chance gegen einen Imbiss habe.“ sponn Marc weiter und wendete das Gesicht enttäuscht von ihr ab.
Gretchen konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Endlich schloss sie auch die letzte Lücke zu seinem Bett. Doch anstatt sich um ihn zu kümmern, hielt sie ihm das Brot vor die Nase. „Du brauchst nicht beleidigt zu sein, Du kannst auch einen Bissen haben.“ Doch anstatt das Angebot anzunehmen, griff Marcs Hand nicht nach dem Essen, sondern dem Handgelenk, dass es festhielt und zog Gretchen soweit hinunter, dass er sie endlich küssen konnte. Selbst als sich ihre Lippen berührten, musste Gretchen lachen. Erst Sekunden später verwandelte sich die hochgezogenen Mundwinkel in ein von Leidenschaft berauschtes Kussgesicht. Erst jetzt wurde beiden wieder bewusst, wie lang sich 3 Tage doch anfühlten. Bei ihren Treffen wurde nie wirklich viel gesprochen, denn meist waren diese nicht länger als 30-45 Minuten und die konnte man nun mal besser füllen als mit Worten. So viel Beherrschung hatte Gretchen noch, dass sie das angebissene Brot noch auf den Schrank neben dem Bett retten konnte, bis sie jedoch beide Hände auf Marcs Körper hatte. Seine suchten inzwischen den Weg unter ihren Kittel und dann unter ihr Hemd. Marcs Kleidung war praktisch nicht vorhanden, denn er weigerte sich vehement so ein „Leichenhemd“ anzuziehen und lag stattdessen meist nur in Boxershorts in seinem Bett, außer er ging mal wieder auf Wanderschaft in seiner Station um zu sehen, dass alle auch ohne ihn zurecht kamen, in seinen Augen aber einfach nur hilflos ohne seine Anweisungen waren. So verging auch diese halbe Stunde wie im Fluge und das Gefummel und die Küsse verstummten. Marc sog genervt die Luft ein, als Gretchen von ihm runterstieg und versuchte ihr Hemd wieder richtig zu zuknüpfen. „Hast du hier irgendwo eine Eieruhr versteckt oder woher weißt du, wenn die Zeit um ist?“ konnte Marc seine Enttäuschung nicht verstecken.
„Nächstes mal vielleicht, bis jetzt hat es immer gereicht, wenn Schwester Sabine dreimal an die Tür klopft.“ antworte Gretchen und wunderte sich, dass er die Geräusche nicht gehört hat.
„Du hast SIE eingeweiht?“ konnte es Marc nicht glauben. Sabine war die Letzte, bei der er das Geheimnis um ihre Beziehung am sichersten wusste.
„Irgendjemanden musste ich es ja erzählen, sonst hätte ich gar nicht hier herkommen können. Und was glaubst du was sie denkt, wenn ich fast jede Stunde wie zufällig an deiner Tür vorbeilaufe und reinschiele ob du allein bist.“
„Ich wusste nicht, dass mich überhaupt interessieren muss, was diese Frau denkt.“
„Auch wenn man es ihr nicht zutraut, scheint sie ihre Umwelt ziemlich genau zu beobachten.“ erzählte Gretchen und erinnerte sich, dass Sabine immer ein Fünkchen mehr wusste als alle anderen was im Krankenhaus gerade passierte.
„Naja, es muss ja beides geben, die Akteure, die lenken und denken müssen und die anderen, die nur zuschauen können.“ konnte sich Marc die Spitze nicht verkneifen. Dafür verpasste Gretchen ihm einen kleinen Klapps auf die Schulter. „Au.“ schrie der gespielt. Wie schnell er sich doch in dieses Beziehungsgefüge eingelebt hatte, verblüffte ihn jedesmal aufs Neue. Jahrelang hatte er gedacht, einfach keine Anlagen für Beziehungen zu haben, doch es war alles da gewesen, schon lange Zeit, es hatte nur den richtigen Code gebraucht, um alles an die Oberfläche zu holen.
Gretchen gab ihm einen letzten Kuss um sich zu verabschieden. „Bald wirst du entlassen.“ sagte sie zur Aufmunterung.
„Zum Glück...“ antwortete er und holte Luft. „Dann können wir wenigstens mal wieder richtig ficken.“ schrie Marc Gretchen noch hinterher, als diese gerade die Türe öffnen wollte. Es war eigentlich nur als Scherz gemeint, denn er wusste, dass sie in solchen Sachen schrecklich prüde war uns es nicht mochte, wenn er so schmutzig sprach. Doch in diesem Augenblick wünschte er, dass er einmal im Leben seine Klappe gehalten hätte. Denn noch bevor Gretchen die Türklinke erreicht hatte, hatte Franz Haase die Tür aufgerissen, denn er hatte die Stimme seiner Tochter dahinter gehört. Natürlich hatte er den letzten Satz gehört und Meier konnte mit jeder verronnenen Sekunde sehen, wie die Wut in dem Gesicht seines Chefs stieg. Gretchen musste sich blitzschnell etwas einfallen lassen, denn auch sie konnte an der Miene ihres Vaters lesen, dass er dabei war, die Situation zu durchschauen. Sofort machte sie einen auf traurig und enttäuscht. „Du bist anscheinend dauergeil. Aber wenn du sie unbedingt haben willst, schick ich Schwester Gabi dann mal zur...Wundversorgung vorbei.“ und lief scheinbar beleidigt aus dem Zimmer. Die Nummer hatte Franz anscheinend überzeugt, er war zwar noch angefressen, denn er hielt seinem Oberarzt noch eine Predigt, warum er Gabi immer wieder in Gretchens Nähe erwähnen musste. Doch das alles war besser, als der Tornado, der über ihn hinweggefegt wäre, wenn Prof. Haase dem ersten Anschein der Dinge geglaubt hätte. „Sie können übrigens ihre Sachen packen!“ wandte sich sein Chef nochmal an ihn bevor er hinausging. Für einen kurzen Augenblick dachte Marc dass Gretchens Vater doch was gemerkt hatte, doch dann verstand er, dass er über seine Entlassung aus seinem Patientenstatus sprach und nicht aus seinem Arbeitsverhältnis. „Und ich will sie erst in zwei Wochen wieder hier sehen.“ machte Franz seinen Standpunkt klar.
„Aber ich könnte doch...“ versuchte es Marc.
„Keine Widerrede. Sie bleiben 14 Tage zu hause oder sie bekommen nur noch Blinddärme zugeteilt.“ Damit verschwand er endgültig aus dem Zimmer.
Marc zuckte mit den Schultern, Urlaub war besser als eine Karriere voller Appendektomien. Außerdem war er nicht mehr allein und musste seine Zeit einsam verbring. Er war früher nicht unbedingt einsam, doch er verbrachte meist seine Zeit in irgendwelchen Clubs oder bei Weibern, die er an irgendeinem Abend aufgerissen hatte. Endlich dem Gefängnis seines Krankenhausbettes zu entkommen ließ er sich nicht zweimal sagen und nach einer schnellen Dusche schnappte er seine Habseligkeiten und verließ sein Zimmer.

Gigi hatte sich inzwischen entschlossen ihre Suche in dem Krankenhaus zu beginnen, in dem Gretchen seit ihrer geplatzten Hochzeit arbeitete. Nach ein paar Befragungen von Passanten stand sie vor dem Eingang des Elisabethkrankenhauses. Alles kam ihr irgendwie mickrig vor im Vergleich zu der Klinik, in der sie Oberärztin war. Doch sie musste ja zum Glück nicht hier arbeiten, also schüttelte sie den Gedanken ab und betrat das Gebäude. In ihm herrschte geschäftiges Treiben, wenigstens etwas was dieser Ort mit London gemeinsam hatte. Am Empfang fragte sie nach Gretchen und wurde zur Station 3 geschickt. Dort angekommen konnte sie leider immer noch nichts von ihrer besten Freundin sehen. Also hieß es sich weiter durchfragen. Da niemand weiter in der Nähe war, tippte sie auf den ihr am nächstenstehenden Rücken.
Marc war gerade in ein Gespräch mit einer Schwester vertieft, in dem er weitere Anweisungen für die Behandlung eines Patienten gab, als er den Finger auf seinem Kreuz spürte. Reflexartig drehte sich um und blickte in die stechensten blauen Augen die er je gesehen hatte. In den Jahren seiner Streifzüge durch weibliche Schlafzimmer hatte er gelernt, eine Frau schnell einschätzen zu können. Doch bei dieser hier hätte er einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen können. Die blonden Haare hingen in undefinierbare Weise nach unten, hinter der bronzenen Brille schien das halbe Gesicht zu verschwinden. Sie sah aus wie ein animiertes Firmenmaskottchen einer Optikerfirma. Die Klamotten rundeten das Bild ab. Hätte er nicht ein junges Gesicht vor sich, würde er tatsächlich annehmen, Frau Schmitzbackes, seine 85-Jährige Nachbarin stünde vor ihm.
Gigi dagegen hatte eine ganz andere Eingebung. Vor ihr stand einer der attraktivsten Männer, den sie je gesehen hatte. Sie konnte die Augen kaum von ihm abwenden. Ihr Herz begann schneller zu schlagen, als er ihr direkt in die Augen sah. Marc hatte Mitleid mit der Gestalt, die sich Frau schimpfte. „Kann ich ihnen helfen?“
Gigi musste kämpfen um nicht in Ohnmacht zu fallen, er hatte tatsächlich reagiert. Oft ignorierten die Leute sie und nahmen sie einfach nicht wahr oder wollten es einfach nicht. Natürlich fühlte sie sich ermutigt, doch wie immer in solchen Situationen, wenn sie unter Druck stand, versagte ihre Stimme. Berufliche oder Medizinische Entscheidungen konnte sie exakt und rasendschnell treffen, doch was den privaten Umgang betraf, war sie eine Null.
„Ähhhh....“ Immer mehr versank sie in den dunkelblauen Augen, die sie wie ein Sturm hinabzogen.
Marc wartete geduldig, ob noch etwas aus dem Subjekt herauskam. „Also ähhs sind ausverkauft, wir haben nur noch ojemine oder boa siehst du scheiße aus im Angebot.“
Gretchens Freundin hörte gar nicht, was Marc ihr da an den Kopf warf. Er hatte mit ihr gesprochen, ER hatte mit IHR gesprochen, sein charmantes Lächeln gab ihr den Rest und sie taumelte leicht nach hinten. Doch der Schwung hatte ausgereicht, dass sie über den Wagen voll mit leeren Teetassen beladen, den eine Schwester hinter ihr abgestellt hatte, mit einem Salto drüberflog, dass mancher Gymnastiker eifersüchtig hätte werden können. Man hörte nur noch ein lauten Klirren durch die ganze Station hallen, als Gigi unsanft auf ihrem Allerwertesten landete, umgeben von weißen Keramikscherben. Als der erste Schreck gewichen war, musste Marc stark mit seinen Lachmuskeln ringen, doch dann war er doch mehr Arzt als Mensch, als er die lange blutende Wunde an ihrem Arm sah. Wie natürlich übernahm wieder der Oberarzt in seinem Hirn das Denken. „Schwester Susann, Schwester Ingeborg, aufräumen. Sabine sie kommen mit mir. Die Wunde werden wir wohl nähen müssen.“ Wandte er sich an seine OP-Schwester.
„Aber der Professor hat ihnen doch verboten...“
„Die paar Stiche könnt ich auch mit amputierten Armen machen, also hopp hopp, das ist ein Krankenhaus und kein Schlaflabor.“ Wischte er Sabines Einwand weg und ging schon mal voraus, einen freien OP suchen.
Natürlich ging er auch davon aus, dass die Schwestern Gigi aufhelfen würden, was sie auch taten. Genervt von der zusätzlichen Arbeit, schob Schwester Susann die Patientin in den Op, wo Dr. Meier schon auf sie wartete. Gina Amsel dagegen freute sich, dass sich das Blatt doch noch gewendet hatte und sie durch ein Missgeschick doch noch Glück hatte. Sie war so berauscht, dass sie nicht einmal darauf hinwies, dass sie selbst Ärztin war. Sie konnte Marc nur anschauen wie die Motte eine Straßenlaterne. Sie spürte nicht einmal als die Nadel in ihre Haut einstach, sie sah nur die konzentrierte Falte, die sich zwischen seinen Augen bildete. Als sie immer noch schwieg und eher so aussah, als würde sie gerade zwei Joints geraucht haben, fasste sich Marc ein Herz und sprach sie an. „Was wollten sie denn nun wissen?“ fragte er während er die Wunde bearbeitet.
Endlich war Gigi in der Lage auch mal was zu sagen: „Meine Name ist Gina Amsel.“
Marc schaute sie verdutzt an, sie hatte anscheinend überhaupt nicht gehört was er gesagt hatte. Doch wusste er auch, dass sie nicht verwirrt oder geisteskrank war. Der Blick mit dem sie ihn anschmachtete hatte er so oft gesehen, dass er mal wieder eine Verehrerin mehr hatte. Aber eines musste er zugeben: Sie war ein neuer Extremfall. Als die Wunde fertig versorgt war, wollte er endlich seinem ursprünglich gedachten Ziel nachgehen. Das ließ Gigi aus ihrer Trance erwachen. Sie wollte unbedingt verhindern dass der erste Mann der ihr seid Monaten Aufmerksamkeit schenkte, sich so schnell wieder verabschiedete. „Wir könnten ja noch eine Tasse Kaffee trinken gehen.“
Marc musste grinsen, hatte ihn seine Intuition doch nicht getäuscht. „Ich glaub sie haben es nicht so mit Tassen.“ erinnerte er sie an ihren Unfall und deutete auf die jetzt mit einem Pflaster abgedeckte Wunde. „Und wenn ich ehrlich bin, ich auch nicht.“ Das waren seine letzte Worte und ließ Gigi im OP zurück. Die Zurückweisung versetzte ihr einen heftigen Dämpfer. Sie hatte sich mal wieder von kleinen Zeichen fehlleiten lassen. Jetzt wo sein Wesen keinen Einfluss mehr auf sie ausübte, sah sie die Fakten klarer. Er war ein Prachtexemplar der Kategorie Arschlochmänner: Unbezähmbar, Sexhungrig (na das würde sie nicht so stören) und niemals zu befriedigen. Warum mussten immer solche Männer immer so eine Anziehungskraft auf sie ausüben. Leise fluchend kratzte sie sich ihre Wunde (auch noch das!!!) und machte sich weiter auf die Suche nach Gretchen. Diese fand sie dann endlich auch, denn sie war gerade im Gang unterwegs. Gretchen musste erst zweimal hinsehen, als sie ihre beste Freundin sah, denn sie hatte mit dieser überhaupt nicht gerechnet. „Was machst du denn hier?“ fragte sie Gigi, nach dem sie sie begrüßt hatte.
„Ich wollte mal nach dir sehen, du hast dich nicht mehr gemeldet.“ versuchte Gigi ihren eigentlichen Grund (Einsamkeit) zu verbergen.
„Deswegen fliegst du extra hier her?“ fragte Gretchen nicht überzeugt.
„Was tut man denn nicht alles für die beste Freundin...Was macht denn nun dein Millionär? Wann kann ich ihn kennenlernen?“ lenkte Gigi das Gespräch auf ein anderes Thema. Leider das falsche Thema für Gretchen, denn wieder sah sie die schrecklich Bilder vor ihrem Auge. Die Polizeivernehmungen waren schon die Hölle gewesen, auch für Marc. Zum ersten mal hatte sie bei ihrem Freund so etwas wie Angst und Unsicherheit gesehen. Doch die Beziehung gab ihnen Kraft. Trotzdem suchte sie 1x die Woche einen Psychologen auf. Marc hatte das abgelehnt, wenn es nach ihm ging, hatte er genug Schwäche für 10 Männer gezeigt.
„Ich hab mich von ihm getrennt.“ schmetterte Gretchen die Wahrheit einfach raus.
Gigi war geschockt. „Was hast du? Was hat das Schwein gemacht?“
„Erzähl ich dir später. Jetzt komm erstmal her und wir essen was zusammen.“ Gigi ließ für diesen Augenblick beruhen, doch sie würde noch ergründen was dieser Alexis getan hatte, denn freiwillig wird sich ihre Freundin nicht getrennt haben, da war sie sicher.
„Setzt dich. Ich hol uns ein Stück Kuchen.„ sagte Gretchen und verließ das Schwesternzimmer. Gigi war dankbar endlich mal jemanden gefunden zu haben, der sich um sie kümmerte und sich freute sie zu sehen. Kaum war sie allein, wanderten ihre Gedanken zurück zu diesem Dr. Meier. Es war ihr sogar als könnte sie seine Stimme hören. Als sie sich umdrehte, stellte sie fest, dass sie nicht träumte. Schräg durch die Tür konnte sie ihn sehen und zu ihrem Bestürzen auch ihre Freundin.
Marc wollte Gretchen unbedingt noch die guten Neuigkeiten überbringen, dass er wenigstens nicht mehr im Krankenhaus liegen musste. Zum Glück kam sie gerade aus dem Schwesternzimmer gestürzt. Sie wäre beinah gegen ihn gelaufen, doch Marc sprang schnell genug zur Seite. „Wow hast du es eilig.“
„Heut gabs doch in der Cafeteria 2 Stück Kuchen zum Preis von einem.“ rechtfertige Gretchen ihre Hast.
„Warum wundert mich das nicht.“ lächelte er verführerisch.
Gretchen musste einen Moment schlucken. „Meine Freundin Gigi ist in Berlin. Ich hab doch neulich von ihr erzählt.“
„Mit der du studiert hast?“ rekapitulierte Marc ein Gespräch, dass sie vor einer Woche hatten.
„Genau und die sitzt jetzt da in diesem Schwesternzimmer und ich hab ihr ein Stück Kuchen versprochen, deshalb wollte ich 2 Stück holen.“ versuchte sich Gretchen zu rechtfertigen.
Marc war bezaubert von ihrer Art ihre Handlung zu verteidigen. Er näherte sich ihr weitere cm. „Meinetwegen kannst du für immer Kuchen holen, wenn du dich jedesmal so süß versucht aus der Affäre zu ziehen.“ Obwohl sie ihr Ziel erreicht hatten und zusammen waren, konnten sie es nicht unterlassen ständig heftigst miteinander zu flirten.
„Ach übrigens, ich bin kein Patient mehr. Dein Vater meinte ich müsse noch 14 Tage zu Hause sein und dann könnt ich wieder starten.“ überbrachte er die Nachrichten.
Gretchen fiel ein Stein vom Herzen. Er war wieder gesund und sie hatte ihn endlich wieder bei sich. Marc positionierte seine Hände neben ihrem Kopf und presste sie leicht an die Wand. Er brachte seinen Mund nahe an ihr Ohr. „Ich warte zu hause auf dich, also beeil dich.“ flüsterte Marc und Gretchen wusste, was ihr da in Aussicht gestellt wurde. Sie lachte nur und nickte. Er nahm das zur Kenntnis und ließ ihn nun wieder Freiraum und verließ die Station Richtung Aufzug. Gretchen musste kurz ihr klopfendes Herz beruhigen und ging endlich in die Cafeteria um ihren ursprünglichen Auftrag zu erfüllen.

Gigi hatte die Szene von ihrem Platz aus beobachten können. Sie hatte zwar nichts verstanden, doch die Gesten haben eine deutliche Sprache gesprochen. Erst war sie geschockt gewesen. Die beiden teilten eine deutliche Anziehung zueinander und irgendwie waren die Blicke von Marc bei Gretchen anders als bei ihr. Er schien bei ihr auf jede Geste und Körperbewegung zu achten. Gigi sah ihre Chancen bei dem Oberarzt von einer Sekunde zu anderen zu Staub zerfallen. Warum musste sowas immer nur passieren. Sie wollte sich nie eingestehen, dass sie nicht mit Gretchen mithalten konnte, doch hier war der lebendiger Beweis. Sie löste etwas bei Meier aus, was sie niemals konnte. Sie fühlte plötzlich Eifersucht. Seit dem Studium hatte sie nicht mehr solche Gefühle gegenüber Gretchen gehabt. Eine Stimme in ihrem Inneren erinnerte sie an ihre vorherige Feststellung. Er war ein Mann, der keine feste Beziehung hatte. Er wollte Gretchen sicher genauso ausnutzen, wie er es bei anderen Frauen getan hat. Sie hatte eine Mission. Nicht nur würde sie ergründen, warum es nichts mit Alexis von Buren geworden ist und ihre beste Freundin vor dem Sexminator Marc Meier retten und vielleicht nebenbei dafür sorgen, dass er auf sie steht. Gretchen war auf der Suche nach einer festen Beziehung, sie dagegen hatte mit Männern für eine lange Zeit abgeschlossen, doch gegen ein Techtelmechtel hatte sie nichts einzuwenden. Vor allem nicht mit so einem leckeren Vertreter der Spezies Mann.
Gretchen war inzwischen mit dem versprochenen Süßspeisen zurückgekehrt. Gigi musste sich zusammenreißen um ihre Eifersuchtsanfälle unter Kontrolle zu bekommen.
„Tut mir leid dass es so lang gedauert hat.“ Entschuldigte Greti sich.
„Kein Problem.“ Gigi zögerte erst, doch als Gretchen nichts mehr sagte, schnitt sie doch das brisante Thema an. „Und du und der Millionär seid getrennt?“
Das holte Gretchen endgültig aus den Gedanken, was sie nachher noch erwarten würde. Ihre Hand begann leicht zu zittern und ihr Hals wurde plötzlich staubtrocken. Noch jetzt spürte sie Reste der animalischen Angst, die sie hatte, als Alexis mit einer Waffe auf sie gezielt hat. Sie wusste dass es nichts brachte, ihrer besten Freundin was vorzumachen, wem sollte sie sich sonst anvertrauen. Also erzählte sie die ganze Story. „Und du bist übrigens die Erste, die weiß, dass ich mit Marc zusammen bin.“ Aus Gina Amsels Gesicht war alle Farben typisch für Mitteleuropäer gewichen. Erst jetzt fiel ihr ein, wer Marc Meier war. Es gab keine E-Mail von Gretchen in der sein Name nicht mindestens 1x gefallen war. Er war derjenige, von dem sie einfach nicht loskam. Und Gigi wusste jetzt auch warum. Sie musste Gretchen vor dem schrecklichsten Fehler ihres Lebens bewahren. Sie hatte auch mal fest daran geglaubt so eine Art Mann ändern zu können, bis sie dann schließlich beim Therapeuten gelandet war. Dass sie drauf und dran war, wieder in genau dieselbe Falle zu tappen, sah sie nicht.
„Das ist aber doch derselbe Marc Meier, den du als verhaltensgestört, egomanisch, sexuell abnormal und wahrscheinlich nicht humanen Ursprungs beschrieben hast oder?“ fragte Gigi skeptisch.
Gretchen war einen Moment sprachunfähig, tatsächlich hatte sie solche Umschreibung für ihren Freund benutzt, aber das waren nun mal Momente in denen Marc mal wieder ihr Herz aus der Brust gerissen und darauf Samba getanzt hatte.
„Ja schon.“
„Ist ja nicht gerade eine tolle Beziehungsbasis.“
„Wir haben uns bis hier her oft wehgetan, er mir und ich ihm. Doch immer wieder sah ich am Ende des Weges sein Gesicht. Zum ersten Mal bin ich sicher, dass alles richtig ist, wie es ist.“ versuchte Gretchen Gigi ihre Empfindungen klar zu machen.
Diese wurde von einer erneuten Eifersuchtswelle überrollt. Gretchen war immer verunsichert gewesen, selbst bei Peter. Es war also noch schlimmer als sie dachte. Marc hatte nicht nur ihr Herz infiltriert, sondern ihr komplettes Wesen in seiner Gewalt.
„Und was wird jetzt aus diesem Alexis?“ harkte sie weiter nach, ohne sich dabei bewusst zu sein wie Gretchen nervöser wurde. Sie konnte zwar wieder seinen Namen sagen, doch sie hatte so einen Hass auf diesen Mann, wahrscheinlich noch mehr als auf Schwester Gabi.
„Von mir aus kann er lebendig irgendwo begraben werden.“ Für einen kurzen Moment erschrak Gigi vor ihrer Freundin, deren Gesicht mehr einer Teufelsmaske denn dem blonden Engel, der sie sonst war, ähnelte. Doch schnell hatte Gretchen sich wieder unter Kontrolle.
„Wie es wohl aussieht, ist eine Anzeige sinnlos, denn er war durch die tumoröse Erkrankung nicht Herr seiner Selbst und daher würde er als voll schuldunfähig eingestuft werden, was dann zu 99,9% zum Freispruch führen würde. Er wäre frei wie vorher und wir müssten Anwälte bezahlen und so ziemlich jedes Formular das der Justizapparat zu bieten hat, ausfüllen. Also auswegslos.“ Gretchen war zuerst am Boden zerstört, als sie sah, dass die Rache gegen Alexis nicht auf dem staatlichen Wege geschehen kann. Marc hatte so einen Wutanfall, dass er den Aschenbecher von seinem Balkon (hat auch Vorteile, wenn man als Arzt auf seiner eigenen Station Patient war) runter gefeuert hatte, als sie ihm erzählt hatte wie das Gespräch mit dem Anwalt verlaufen war. Zum Glück hatte er niemanden getroffen, doch alle haben schon ein bisschen dämlich aus der Wäsche geschaut, als plötzlich ein unbekanntes Flugobjekt mit der Größe einer Apfelsine auf dem Parkplatz aufschlug. Noch Tage später hatte das ganze Krankenhaus gerätselt, woher der Gegenstand kam. Gretchen tat so als wusste sie von nichts.
„Und wie geht’s dir jetzt mit der ganzen Sache?“ fragte Gigi nachdem sie ein weiteres Stück des Kuchens genascht hat. Wenigstens das war besser als in London.
Gretchen hatte schon gedacht sie fragte niemals mehr wie ihr es eigentlich geht. Seit ihrer Ankunft war Gigi irgendwie kühler als sonst.
„Ich unterdrück noch viel. Mein Therapeut sagt, dass wir uns alles Stück für Stück vornehmen.“
„Du hast einen Therapeuten?“ Hatte Gretchen doch endlich ihren Rat angenommen mal psychologische Hilfe anzunehmen.
Diese wusste worauf Gigi anspielen wollte. „Nur für diesen Vorfall, für gescheiterte Beziehungen brauch ich keinen Seelenklempner, da hilft nur the one and only: 2 Tafeln Vollmilchschokolade.“ Gigi musste lachen, doch wurde sofort wieder ernst, sie war neugierig ob....“Und was ist mit Marc?“ Sie wollte nicht dein Freund sagen, denn das würde er sicher bald nicht mehr sein.
Gretchen schmunzelte bei der Erinnerung. Sie hatte zwar versprochen es niemand zu erzählen, doch das war nun mal ihre beste Freundin und wenn Männer Ferrari fahren dürfen konnte sie Gigi auch das kleine Geheimnis anvertrauen. „Er hatte sich erst standhaft geweigert von irgendjemandem Hilfe anzunehmen. Doch dann konnte er nicht mal mehr irgendeinen Assistenzarzt zusammenscheißen, weil er ständig an den Vorfall denken musste. So hat er schließlich eingewilligt mal mit mir mitzugehen, so ist eine Paartherapie draus geworden. Wobei Paar sich nur auf die Anzahl der in Therapiebefindenden bezieht.“ Fügte Gretchen noch hinzu.
Gigi kam in dem Satz zu viel Zweisamkeit vor, warum hatte sie nie so ein Glück. Damit war ihr Gespräch beendet, denn Sabine kam plötzlich hereingestürzt und rief Gretchen zu einem Notfall.
„Sehen wir uns dann später noch?“ konnte Gigi ihr noch hinterher rufen.
„Heut Abend wahrscheinlich nicht mehr, ich hab noch so viel Arbeit (Sie wollte Gigi nicht sagen, dass sie Marc ihr vorzog), aber morgen hab ich frei, da haben wir den ganzen Tag.“ Sie gab ihr noch schnell einen Kuss auf die Wange und hechtete dann Sabine hinterher. Gigi blieb etwas enttäuscht zurück, sie hatte nicht mal gefragt wo Gigi übernachtete. Sie war sicher dass Gretchen mit „Arbeit“ nichts mit Krankenhaus meinte. Also würde sie mal wieder selbst etwas Recherche-Arbeit leisten müssen, bei ihrem Verflossenen hatte sich das ja schon bezahlt gemacht. Zuerst musste sie versuchen in Gretchens Nähe zu bleiben. Erste Station ihres Plans: Gretchens Eltern. Vielleicht konnte sie sich bei ihnen einnisten. Nur Bärbel war zu Hause, doch die hatte Gretchens ehemalige Kommilitonin noch gut in Erinnerung und zog sie begierig in Haus. Nachdem sie eine halbe Stunde nur über sich sprechen musste, versuchte sie etwas über Gretchen rauszubekommen. Was sie erfuhr war sehr interessant und zugleich erschreckend. Gretchen war ausgezogen zu ihrem Freund, doch niemand wusste wer der Mann war. Als Bärbel merkte, dass Gigi auch nichts wusste, wurde sie mit der Informationsausgabe knausriger. Auf der einen Seite war Gigi froh der Gesellschaft der anstrengenden Frau entkommen zu sein, doch auf der anderen Seite war es nun schwieriger an Gretchens Seite zu bleiben. Der unbekannte Freund war 100% Marc und nachdem musste Gretchen jetzt bei ihm wohnen. Also düste Gigi zurück ins Krankenhaus (wohlgemerkt alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln ;-)) und erkundigte sich nach der Privatadresse von Dr. Meier. Sabine hatte schon so viele weibliche Wesen abgeschmettert, die ganz zufällig Dr. Meiers Privatadresse wissen wollten. Doch sie hatte von Gretchen erfahren, dass das ihre Freundin war und diese wollte Gretchen sicher nur besuchen, also kam Gigi auch an die Info wo Marc wohnte. Mittlerweile war auch der Abend über Berlin eingezogen. Gigi hatte sich seit einer Stunde hinter einem großen Hortensienbusch versteckt, um Gretchen auf den Weg zu seiner Wohnung abpassen zu können, aber bis jetzt war noch nichts in Aussicht von ihr. Das änderte sich innerhalb weniger Minuten, als Gretchen endlich auf ihrem Fahrrad um die Ecke gebogen kam. Gigi hatte gerade noch Zeit so zufällig wie möglich auf den Fußweg zu hüpfen, so dass sie ihrer Freundin beinahe in die Fahrspur lief. Diese war total erstaunt Gigi hier zu sehen.
„Gretchen was machs du denn hier?“ fragte sie.
„Ähhh ich wollte noch...jemanden besuchen.“ versuchte sich Greti zu retten. Doch Gigi tat so, als hätte sie nichts gehört. „Toll dass wir uns hier nochmal treffen, ich muss dir noch so viel erzählen.“ und nahm Gretchens Arm und gab ihr klar zu verstehen, dass sie sich nicht mehr abschütteln lassen würde. Genervt ließ es Gretchen geschehen, sie hatte ihr ja eh schon von Marc erzählt, ihr erstes längeres Zusammensein mit ihm musste wohl erstmal warten. Nachdem sie ihr Fahrrad sicher abgeschlossen hatte, stiegen beide in den Fahrstuhl und fuhren zu Marcs Wohnung. Gigi war leicht nervös. Endlich würde sie Marc Meier wiedersehen und auch gleich seine Wohnung dazu. Irgendetwas würde sie mitnehmen um sich für immer an ihn zu erinnern. Als Gretchen endlich den Schlüssel rausgefummelt hatte, schloss sie die Tür auf. Zu erst war nichts von Marc zu gesehen, doch dann entdeckte Gretchen ihn im Wohnzimmer, wie er Zeitungslesend auf dem Sofa saß.
Marc hatte schon ungeduldig auf sein Gretchen gewartet und als er endlich den Schlüssel im Schloss hörte, drehte er sich nicht um sondern legte die Zeitung, die ihn ganz verdeckt hatte, weg und drehte sich zu seinen Besuchern. Leider stand da nicht nur Gretchen sondern der Brillenalien den er genäht hatte.
Gretchen und Gigi konnten ihren Mund gar nicht mehr zu bekommen. Marc Meier stand vor ihnen nur mit einer Tigerunterhose (die von Robbie Williams aus dem Video „Rock DJ“) bekleidet. Beide fuhren unwillkürlich mit ihren Augen seinen Körper entlang. Vorbei von dem attraktiven Gesicht über den wohlproportionierten Bauch zu dem Schwarzen Slip mit dem Tiger an der entsprechenden Stelle, die mehr zeigte als sie verbarg. Gigi wurde gleichzeitig heiß und kalt. Am liebsten hätte sie sich sofort die Kleidung vom Leib gerissen und sich auf den Mann gestürzt. Gretchen ging es ähnlich, doch dann wurde sie sich der Präsenz ihrer Freundin bewusst und hätte sie am liebsten aus der Tür ins Freie geschmissen. Ihr entging auch nicht der Blick mit dem Gigi Marc musterte: Ein Raubtier bereit seine Beute anzuspringen. Sofort schrillten Gretchens Alarmglocken. Irgendetwas stimmte hier nicht. Sie war plötzlich eifersüchtig auf ihre eigene Freundin und sah sie als Eindringling.
Auch Marc hatte sich von dem ersten Schock erholt. Er griff nach der Zeitung und hielt sie sich schützend vor die Leistengegend. „Ähh ich wusste nicht...dass du noch Besuch mitbringst.“ wandte er sich an Gretchen und dann zu Gigi: „Sie haben wohl nach Gretchen gesucht?“ Er konnte jetzt eins und eins zusammenzählen, diese Person war Gretchens Freundin aus London.
Sofort wurde Gretchen misstrauisch. „Ihr kennt euch?“
„Nein eigentlich nicht...“verneinte Gigi.
„Ja.“ sagte Marc dagegen.
Jetzt war Gretchen vollends verwirrt. Sie konnte es nicht glauben. Hatte Gigi etwa Marc angegraben. „Was denn nun?“ schrie sie in die Runde.
Marc klärte die Situation auf. „Sie kam ins Krankenhaus und suchte jemanden, doch aus irgendeinem Grund bekam sie nicht den Namen der Person raus. Dann ist sie nach hinten über einen Teewagen gefallen, hat sich an der Hand verletzt und ich hab dann schnell die Wunde genäht.“
Gut Gretchen konnte diese Story glauben, denn das hörte sich vollkommen nach Gigi an, doch noch immer war ihr nicht klar, wie ihre Freundin zu Marc stand. Sie fühlte wie ihr Puls raste.
Marc spürte Gretchens feurige Blicke. Auf einmal freute er sich über Gigis Besuch, denn es schmeichelte seinem Ego, dass Gretchen sich so schnell aus der Fassung bringen ließ, warum das nicht noch ein bisschen steigern. „Und sie hat mich gefragt, ob wir mal ausgehen könnten.“
Das brachte das Fass Gretchen endgültig zum Überlaufen. Sie drehte sich zu Gigi und musste sich zwingen, nicht ihre Stimme zu erheben. „Du hast was? Du hast meinen Freund angemacht?“
Gigi wusste, dass sich das Blatt gerade ziemlich ungünstig für sie gewendet hatte. „Aber ich wusste doch gar nicht, wer er war und dass er dein Freund ist.“ versuchte sich Gigi zu verteidigen.
„Aber bevor sie mich angesprochen haben, hat eine Schwester noch dick und breit meinen Namen gerufen.“ sagte Marc und stellte sich demonstrativ zu Gretchen.
Diese lächelte ihn kurz an und blickte dann wieder grimmig zu ihrer Freundin.
„Du musstest einfach merken wer er war. Marc ist Oberarzt. Er hat es praktisch auf seine Stirn tätowiert. Und alle behandeln ihn auch so.“ Marc wusste jetzt nicht ob das ein Kompliment war, aber er nahm es einfach mal so auf.
„Selbst wenn, wer hat sich denn ständig über ihn beschwert.“ konterte Gigi.
Gretchen war kurz vom explodieren. „Und das ist ein Grund ihn dann für dich zu beanspruchen oder wie? Wir haben uns mal was geschworen. Der Mann der anderen ist tabu.“ schmiss Gretchen Gigi an den Kopf.
„Ja es war die Rede von einem Mann, bei dir sind es ja gleich mehrere. Einer abnormaler als der andere...“ hatte sich Gigi in Rage geredet und wurde schließlich von einer Ohrfeige von Gretchen zum Schweigen gebracht. „Raus...“ presste sie zwischen zusammendrückten Lippen hervor.
Der Schlag hatte sie völlig aus dem Konzept gebracht. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und schlug die Tür hinter sich zu.
Marc und Gretchen standen immer noch schweigend nebeneinander, völlig überrumpelt von der Eskalation der Situation. Er hatte sich den Abend irgendwie anders vorgestellt. Gretchen setzte sich inzwischen auf die Couch und starrte ins Leere. Marc setzte sich neben sie und ließ seine Hand auf ihren Oberschenkel gleiten. Bei der Berührungen erwachte sie endlich aus ihrer Starre und legte ihre Finger auf seine.
„Du hast dich über mich beschwert?“ fragte Marc das, was ihm unter den Nägeln brannte.
„Och Marc...“ war Gretchen perplex,wie er jetzt über sowas unwichtiges reden wollte.
„Na hast du oder hast du nicht?“ ließ er nicht locker.
„Ja habe ich...früher...aber das ist doch jetzt nicht der Punkt...ich hab meiner besten Freundin gerade eine verpasst.“ sagte Gretchen und kaute nachdenklich an ihrer Unterlippe.
„Ja die hat aber auch gesessen. Aber siehs mal so, es war ja praktisch für einen guten Zweck.“
„Wie jetzt...??“ verstand Gretchen Marcs Einwurf nicht.
„Naja sie hat deinen Freund angebaggert, da kann man schon mal...“ grinste Marc.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst oder?“ Gretchen war gefrustet und er machte dumme Witze.
„War ein Scherz. Jetzt macht dir mal keine Sorgen. Wenn sie wirklich deine Freundin ist, wird sie darüber hinwegkommen. Und wie sie sich verhalten hat, war nun nicht wirklich die feine englische Art, wo sie diese gerade am besten beherrschen müsste.“ versuchte Marc ihr Zuversicht zuzusprechen. Gretchen ließ sich nach einigen Sekunden Nachdenkens von Marc beruhigen und lehnte sich letztendlich an ihn. Für heute Abend war ihr einfach alles egal.
„Da ist übrigens noch ein Tiger, der aggressiv wird, wenn er nicht bald spielen darf.“ sagte Marc und blickte unverhohlen auf seine Unterhose. Gretchen musste bei dem erneuten Anblick losprusten. „Na das wollen wir ja nicht riskieren...“ sagte sie verführerisch und zog ihn in Richtung Schlafzimmer. Marc folgte ihr willig. Um nicht zu viel Zeit zu verlieren, entledigte Gretchen sich der störenden Kleidung gleich komplett. 3 Wochen kamen beide wie Jahre vor und sie fragten sich, wie sie dem Drang solange stand halten konnten. Marc hatte nicht nur eine Raubkatze auf seinem Slip, er war zu einer geworden. Er stürmte auf Gretchen zu, hob sie hoch und katapultierte sie aufs Bett. Sich warf er gleich hinter her und landete punktgenau auf ihr. Endlich spürten sie die Haut des anderen, die Gefühle, die sie dahinter auslösten. Gretchen griff in Marcs Haare und zog seinen Kopf zu ihr runter, während er eine seiner Hände an ihrem Körper entlang gleiten ließ. Ein kurzes aber heftiges Stöhnen von ihr sagte ihm, dass er den richtigen Platz gefunden hatte. Es blieb natürlich nicht bei einem Mal. Irgendwie hatte nie ein kurzer Quickie ausgereicht um beide zu befriedigen. Es wurde erst ruhig, als sie hörten wie die ersten Menschen zur Arbeit fuhren. Zum ersten Mal fühlten sich beide wieder angenehm ausgepowert. Sie lag mit dem Rücken zum Fenster, er lag hinter ihr und hatte einen Arm um ihren Bauch gelegt. Zärtlich fuhr er mit der Nasenspitze von ihrer Wange den Hals entlang und sog begierig ihren Duft ein. Gretchen kicherte etwas, denn Marcs Bartstoppeln kitzelten sie. Diese Momente machten das Leben lebenswert und es war diese Harmonie, die sie ihr Leben lang gesucht hatte.
Am nächsten Tag erwachte Gretchen erst gegen Mittag. Sie hatte frei und Marc war noch krank geschrieben. Der schien noch neben ihr zu schlafen. Leise, um ihn nicht zu wecken, versuchte sie sich aus der Decke zu schälen, doch irgendetwas hielt plötzlich ihr Handgelenk fest, mit dem sie sich auf dem Bett abstützte. Als sie sich in die Richtung des Übels drehte, schien ihr Freund seine Position nicht geändert zu haben. Für einen Moment zweifelte Gretchen an ihrer Zurechnungsfähigkeit. Sie versuchte ein zweites Mal aufzustehen, doch wieder konnte sich ihre Hand aus unbekannten Gründen nicht vom Bett lösen. Bevor sie sich wieder umwenden konnte, wurde sie mit einem heftigen Ruck zurück in das warme Nest gezogen und landete scheinbar zufällig auf Marcs Torso. Jetzt war er offenbar hellwach. „Wo wollen wir denn hin Frau Doktor?“ fragte Marc mit verführerischer Stimme.
Gretchen war so gefangen von ihm dass sie nur murmeln konnte: „Hab ich vergessen...“.
„Perfekt.“ und drückte seine Lippen auf ihre. Mehr wurde nicht aus der Sache, denn plötzlich läutete es an der Tür. Beide versuchten es zu ignorieren, doch als ein wahrer Klingelsturm ausbrach, trennten sich beide enttäuscht voneinander. Marc zog sich schnell ne Unterhose an (nicht die mit dem Tiger) und watschelte zur Tür. Die Person, die sie gestört hatte, machte ihn nur noch wütender. Gigi starrte ihn mal wieder für eine Sekunde völlig hilflos an, doch dann rauschte sie ohne ein Wort an ihm vorbei in die Wohnung. Ein kurzer Rundumblick und sie entdeckte Gretchen im Schlafzimmer. Sie brauchte kein Diplom in Kriminalistik umzusehen, was die beiden getan hatten, denn ihre beste Freundin saß nur in eine Decke gewickelt und mit zerzausten Haaren auf dem Bett, das auch ganz zerwühlt war. Gigi musste einige Zeit mit sich kämpfen um nicht vor Eifersucht über sie herzufallen, doch sie war hier, um Gretchen zu retten und dafür musste sie sich wieder mit ihr versöhnen. Ohne Umschweife versuchte sie die Tatsache, was Marc und Gretchen letzte Nacht gemacht haben (und was sie seit Monaten nicht mehr gemacht hatte!!!), auszublenden, stellte sich vor ihre Freundin und sagte:“Es tut mir leid, alles, ich weiß ich hätte mich zurückhalten sollen, aber du weißt doch Jerome und dann hab ich doch nur...“ weiter kam sie nicht, denn die Tränen kamen aus ihren Augen geschossen.
Gretchen war immer noch völlig geschockt, dass Gigi plötzlich hier aufgetaucht war und sich entschuldigte. Immerhin war sie diejenige, die überreagiert hatte. Sie musste sich darauf einstellen, dass andere Frauen an Marc interessiert waren, er war nun mal keine männliche Angela Merkel. Außerdem war Gigi ihre Freundin, sie würde nie etwas mit Marc anfangen und er schon gar nicht mit ihr wurde sich Gretchen bei erneuten Anblick von ihr klar. Sie konnte nicht anders, als ihre Arme auszubreiten. Gigi umarmte sie zurück und so war die Sache gegessen. Marc lehnte interessiert am Türrahmen, Frauen, er würde sie wohl nie verstehen. Doch wenn er dachte, dass Gigi jetzt wieder verschwinden würde, hatte er sich getäuscht. Denn die legte jetzt erst so richtig los. „Und was machen wir heute?“ fragte sie gespannt an Gretchen gewandt.
„Naja eigentlich wollte ich...“
„Du hast es versprochen, oh ich glaube die Erinnerungen an Jerome übermannen mich.“ heulte Gigi. Oh Gott seit wann war sie so eine gute Schauspielerin?
Gretchen seufzte. „Fein. Ich zieh mich nur schnell an.“
Plötzlich war Gigi wieder ein Sonnenschein. Marc konnte nur hilflos zusehen. Als Gretchen im Bad verschwinden wollte, hielt er sie spürbar am Arm fest und zog sie in die Küche, damit Gigi sie nicht hören konnte.
„Sag mal was soll DAS?“ sagte er wütender als er wollte. Gretchen war selbst zornig über die ganze Situation. „Es ist doch nur heute. Sie hat ne ziemlich schwere Zeit hinter sich.“ versuchte sie ihn zu überzeugen.
„Nur heute? Es ist leider auch nur heute dass du frei hast und ich wollte eigentlich 24h keine Kleidung sondern nur dich an meinem Körper haben. „ rief Marc und gestikulierte in Gretchens Richtung.
Für einen kurzen Augenblick wollte sie ihn einfach nur küssen, doch dann wurde ihr das blonde Übel wieder bewusst. „Bitte Marc...“
„Ich hab wohl keine schweren Zeiten hinter mir oder?“ fuhr er die beleidigte Leberwurst-Schiene.
„Ich machs wieder gut, ich versprechs...“ versuchte sie ihn zu besänftigen.
„Pff..“ und nahm sich seinen Morgenmantel und eine Schachtel Zigaretten und verzog sich auf den Balkon.
Gretchen hatte nicht mal Zeit ihm nachzugehen. Gigi nahm sie sofort wieder in Beschlag. Das hielt auch den ganzen Tag an. Gigi schien immer etwas neues einzufallen, wo sie hinwollte oder worüber sie sprechen wollte, besonders interessiert schien sie an Ihrer und Marcs Beziehungen zu sein. So wurde es Nacht bis sie Gigi endlich von der Backe hatte. Früher waren ihr die Treffen mit ihrer Freundin nie lästig vorgekommen, doch sie wollte nur noch zu Marc zurück. Als sie die Tür aufschloss war alles dunkel in der Wohnung. Den ganzen Tag über hatte er nicht einmal versucht sie anzurufen, sie hatte gar keine Zeit überhaupt an einen Versuch zu denken, doch immer wieder hatte sie gehofft, es würde in ihrer Tasche vibrieren, doch nichts passierte. Nach einer kurzen Suche stellte sie fest, dass Marc nicht da war. Seine Jacke und Schuhe waren weg, wahrscheinlich war er zu einem Freund geflüchtet oder was trinken gegangen. Enttäuscht ging sie schließlich zu Bett, nachdem sie letztendlich doch auf seinem Handy versucht hatte anzurufen, doch niemand nahm ab. Am nächsten Morgen war das Bett neben ihr immer noch leer. Total deprimiert ging sie zur Arbeit. Sie war so neben der Spur, dass sie nicht mal die tägliche Dosis Hassblicke von Gabi, Medhis gezügelte Sorgfalt und Sabines überschwängliche Neugier bemerkte. Hatte sie einmal eine freie Minute, war komischerweise Gigi immer zu Stelle und lenkte sie etwas von ihrem Kummer ab. Aus der normalen Schicht war mal wieder ein 48h Arbeitstag geworden. Völlig kraftlos streifte sich Gretchen die blutbefleckte OP-Robe ab. Sie wollte nur noch duschen und ins Bett, naja vorher wollte sie sich noch an Marc kuscheln und dann ins Bett, so war es besser. Mit klopfendem Herzen öffnete sie ihren Spind und wollte auf ihr Handy schauen, ob Marc vielleicht doch angerufen hatte, doch ihr blickte nur ein leerer Regalboden entgegen. Dann fiel es Gretchen ein, sie hatte Gigi ihr Handy zum telefonieren geliehen, doch die musste dann ganz plötzlich weg und hat es wohl ausversehen mitgenommen. Wieder beschlich Gretchen das Gefühl, dass hier irgendwas im Busch war. Doch sie war zu ausgelaugt, um sich darüber auch noch Gedanken zu machen. Sie ließ ihr Fahrrad stehen und nahm stattdessen die S-Bahn, sie war heute einfach zu faul.

Marc hatte inzwischen ein sehr schlechtes Gewissen. Zu dem Wunder, dass er sich das überhaupt eingestand, kam, dass er einer Frau hinterher telefonierte. Mindestens 20 Mal hatte er auf Gretchens Apparat angerufen, sogar im Krankenhaus hatte er es probiert, doch nie kam eine Antwort. Er musste wohl mehr Mist gebaut haben, als er dachte. Das war alles nur Brillenaliens Schuld. Schließlich hielt es ihn nicht mehr in dem Wohnzimmersessel. Er setzte sich in sein Auto und fuhr zur Klinik. Der Anblick von Gretchens Fahrrad bestärkte ihn, dass sie noch hier war. Voller Elan rannte er in den Eingangsbereich und ratterte mit dem Fahrstuhl in den 3.Stock. Auf dem Gang war niemand. Also schaute er zuerst ins Schwesterzimmer. An einem Platz brannte eine schwache Schreibtischleuchte. Doch die Person war nicht Gretchen, sondern seine Ex-Verlobte. Ihr runder Bauch wölbte sich gegen die Tischkante. Erst jetzt sah Marc, dass ihr Arm angewinkelt auf der Tischplatte ruhte. Um ihren Oberarm war ein Gummiband geschnürt, um die Blutungen abzudrücken. Marc verhielt sich ganz still. Gabi schurrte in einem Kasten unter dem Tisch und zog eine Spritze hervor. Die legte sie neben sich ab. Dann fasste sie sich in ihren Socken und zog ein Päckchen weißes Pulver und ein Röhrchen mit irgendeiner Flüssigkeit hervor. Das Pulver und die Flüssigkeit träufelte sie auf einen Löffel, erhitze es mit einem Feuerzeug und zog das flüssig gewordene Pulver mit der Spritze auf. Marc konnte seinen Augen nicht trauen. Gabi war gestörter, als er je gedacht hatte. Er rannte zu ihr und wollte ihr die Spritze entreißen, doch Gabi war geübt darin und die Kanüle war in der Haut verschwunden bis er sie erreicht hatte. Mit einem befriedigenden Seufzen bemerkte sie, wie die Welt um sie wieder erträglicher wurde. Nicht mal den Schmerz bemerkte sie, als Marc sie an ihrer Hand von dem Stuhl hochriss.
„Sag mal, hast du sie noch alle oder was?“ Marc war vollkommen in Rage.
Erst jetzt erkannte Gabi den Fremden und dass er ihr Geheimnis entdeckt hatte. Doch ihr war inzwischen alles egal. „Hmmhh...lass mich mal überlegen.“ sagte sie völlig zugedröhnt. Sie konnte sich nicht mal richtig auf den Beinen halten.
Marc wandte sich angewidert ab. „Du bist schwanger...“ sagte er und deute sich auf den dicken Bauch.
„Na und, ist sowieso nicht deins.“ sprach sie das aus, was sie als traurige Gewissheit schon seit Wochen mit sich rumschleppte und was schließlich die Hemmschwelle gegenüber der Droge gesenkt hatte.
„Was?“ Er wusste es im Inneren irgendwie immer dass es nicht sein Baby sein konnte. Er musste es immer erzwingen, irgendwelche Vatergefühle zu empfinden.
„Hör halt zu, es ist nicht deins. Der vermeintliche Vater hat mich gezwungen einen Vaterschaftstest zu machen und bing, es stellte sich heraus dass Marc Meier, der große Marc Meier es nicht mal fertig bringt ein Kind zu zeugen.“ schwamm Gabi in Selbstmitleid. Sie merkte, dass die Dosis nicht den Schmerz vollkommen ausblenden konnte. Sie würde sie beim nächsten Mal erhöhen. Doch soweit würde er es nicht kommen lassen. Hasste er Gabi abgrundtief konnte das ungeborene Kind nichts für seine kranke Mutter. „Du wirst sofort aufhören.“ sagte er in seinem besten Befehlston. Doch Gabi war so voller Opiate, dass sie das nicht schocken konnte.“Hast wohl jetzt Mitleid oder sowas wie Schuldgefühle, kannst du dir an deinen Arsch schmieren.“ Gabi musste sich an dem Stuhl festhalten um nicht umzukippen.
„Dich würd ich verrotten lassen, auch wenn du die letzte Frau auf Erden wärst, aber denk doch mal an dein Kind. Es hat nichts böses getan und wenn du weitermachst wird erst es sterben und dann du.“ Für einen Moment wurde Gabi trotz ihrer Umnachtung nachdenklich und griff sich an ihren Bauch, in dem sie auf einmal einen Tritt spürte.
„Ich kenn jemanden, der dir helfen kann. Es ist eine Drogenklinik in der Schweiz, niemand kennt dich dort. Du kannst clean werden und dein Kind zur Welt bringen. Jetzt hast du noch eine Chance. In den ersten drei Monaten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Kind keine Schäden davon trägt und nach der Geburt von der Droge entwöhnt werden kann.“
Gabi brach in Tränen aus. Wie war sie nur soweit in die Scheiße geraten. Sie wollte doch bloß glücklich werden. Doch ihre Muttergefühle waren am Ende doch stärker und sie nickte schwach. Marc machte sofort ein paar Telefonate und machte den Therapieplatz klar. Er ließ ein Taxi rufen und brachte Gabi bis zum Wagen. Sie würde heute noch einen Therapeuten zur Seite gestellt bekommen, der sie in die Schweiz begleiten würde. Als das Auto weggefahren war, musste er die Ereignisse erst einmal verdauen. Er wurde kein Vater. Eine seltsame Freude ergriff ihn. Er musste die Neuigkeiten unbedingt Gretchen mitteilen und dann erinnerte er sich warum er überhaupt hier war.
In dieser Zeit war Gigi auf dem Weg zum Krankenhaus. Sie hatte natürlich Gretchens Handy mit Absicht mitgehen lassen. Die entgangenen Anrufe von Marc hatte sie alle gelöscht. Sie würde so tun, als hätte sie nichts bemerkt. Sie hatte Gretchen in Marcs Wohnung angerufen und sich entschuldigt, wie sie so dumm sein konnte ihr Handy mitzunehmen. Gretchen hatte nicht gesagt, ob Marc zu Hause war, doch anhand ihrer traurigen Stimme dürften sie sich noch nicht versöhnt haben. Sie hatte Gretchen extra ins Krankenhaus bestellt, denn es war näher zu ihrem Hotel und sie war aus Marcs Anziehungsbereich. Als sie endlich in der Chirurgie Station ankam, sah sie ihren Traummann in dem Schwesternzimmer verschwinden. Eine angenehme Wärme breite sich in ihrer Magengegend aus. Leise schlich sie sich an und beobachte Marc. Der wollte gerade ohne Aufsehen Gabis Drogenutensilien entsorgen. Gigi traute ihren Augen nicht, als sie die Gegenstände auf dem Tisch sah. Jeder gute Arzt hatte doch sein kleines dreckiges Geheimnis. Blitzschnell kam ihr eine Idee. Geräuschvoll räusperte sie sich, so das Marc sich umdrehte.
Gretchen hatte sich doch noch einmal aufgemacht und suchte schon die ganze Klinik nach Gigi ab. Schließlich kam sie am Schwesternzimmer vorbei und hörte Stimmen. Zu ihrer Überraschung stand da ihr Freund und Gigi schien sich ihm auf komische Art zu nähern. Ihr Instinkt sagte ihr einfach abzuwarten und das tat sie auch. So dass sie keiner sehen konnte, positionierte sie sich direkt am Eingang.
Marc erschrak bei dem Anblick von Gigi, die sich ihm lasziv (sie versuchte es zumindest!) näherte. Marc stand mit dem Rücken am Tisch gelehnt und konnte nicht vor der näherrückenden Gigi fliehen. Diese rückte so nah an ihn heran, dass sich ihr Unterkörper an seinen presste und sie mit ihren Händen über seine Brust streichelte. Marc durchfuhr eine Kältestarre, so angewidert war er von dieser Frau, was sich auch in seinem Gesicht ausdrückte. „Was wird das wenns fertig ist?“ fragte er sie.
„Naja, ich dachte dafür, dass ich dein kleines Geheimnis nicht verrate, könntest du mir...etwas entgegenkommen.“ versuchte Gigi verführerisch zu klingen.
„Was denn für ein Geheimnis?“ stellte er sich dumm.
„Denkst du ich trag das Dr. nur als schmückendes Beiwerk. Ich weiß, dass du dir Heroin oder sowas spritzt.“
„Das ist nicht meins.“ verteidigte sich Marc.
„Natürlich nicht. Und damit das auch alle anderen denken, besonders Gretchen, wirst du jetzt mit mir schlafen.“ kam Gigi zum Punkt.
Marc brach anhand ihrer Forderung in schallendes Gelächter aus. „Was soll ich? Ich soll mit dir schlafen? Ich glaube du überschätzt deine Macht etwas. Ich liebe Gretchen und werde weder mit dir noch mit sonst irgendeiner Frau außer ihr schlafen.“
Gretchen hatte zu erst den Atem angehalten. Doch Marcs Geständnis lies sie dahinschmelzen. Wie konnte nur jemals sauer auf ihn gewesen sein.
Gigi merkte, dass sie den Druck etwas erhöhen musste, wenn sie ihn bekommen wollte.
„Wir können natürlich auch Gretchen fragen, was sie davon hält oder doch lieber die Polizei.“
„Du bist so krank...“ murmelte Marc.
Gretchen hatte genug hört. Sie wusste, wer der Schuldige war.
„Na dann fragen wir Gretchen doch mal.“ gab sich Greti zu erkennen.
Gigis Kopf drehte sich so schnell um, dass es geräuschvoll knackte.
„Gretchen, gut das du kommst, ich habe deinen Freund erwischt, wie er sich irgendwas gespritzt hat, ne Droge oder so was.“ versuchte Gigi die Situation zu retten.
„Du bräuchtest eher mal ne Spritze, ne Dosis Ehrlichkeit, Vertrauen und Güte und dann noch ein Wörterbuch, um mal nachzuschlagen, wie man Freundschaft definiert, das scheinst du ja bis heute nicht gelernt zu haben.“
Marc war erleichtert, dass Gretchen die Szene richtig einschätze und er war auch stolz, dass sie nicht eine Minute daran glaubte, dass er drogenabhängig war.
Als Gigi merkte, dass sie keine Chance mehr hatte, wurde sie endlich ehrlich.
„Ich soll nicht wissen, was Freundschaft ist? Ich habe immer zurück gesteckt, wenn du mal wieder irgendwelche Probleme hattest. Immer irgendwelche Männer. Ich habe niemanden und du hast gleich die freie Auswahl. Du bist die Letzte, die sich beschweren sollte. Früher hätte ich nie gedacht dass du mal so eine Schlampe wirst.“ redete sich Gigi ihren Frust von der Seele.
Marc konnte sich nicht mehr zurückhalten und packte den Brillenalien im Nacken und drückte ihn neben der benutzten Kanüle auf den Tisch. „Noch ein Wort und ich drück noch ganz andere Stellen.“ Er hatte noch nie eine Frau so grob angefasst, doch er konnte einfach nicht anders. Gretchen genoss die Szene für einen kurzen Moment, doch dann gab sie Marc zu verstehen, dass er sie loslassen sollte, was dieser widerwillig tat. Stattdessen packte sie Gigis Hand und schleifte sie die Treppen bis zur untersten Etage. Dort schleuderte sie sie mit einer Kraft die ihr selbst unbekannt war, zur Eingangstür hinaus, so dass Gigi mit dem Gleichgewicht kämpfen musste. „Wehe du nimmst noch einmal meinen Namen in den Mund.“ Hinter ihr kam Marc und lächelte triumphierend. Er zog Gretchen an sich und gab ihr einen Kuss, der sich gewaschen hatte. Gigi schaute nur mit offenen Mund zu, bis sie schließlich mit einem kurzen frustrierten Schrei von dannen zog. Als sie merkten, dass sie wieder allein waren, trennten sich ihre Lippen. Gleichzeitig sagten beide „Tut mir Leid.“ und mussten dann lachen. Zärtlich streichelte Marc ihr über die Wangen und küsste sie noch einmal. Gretchen steckte dann ihr wiedererbeutetes Handy weg und lies sich von Marc die Story nochmal von vorn erzählen. Als er zu der Stelle mit dem Nicht Vater sein kam, war sie ihm mal wieder so sehr um den Hals gefallen, dass beide umkippten und einem Sanitäterteam, dass gerade eine Trage reinrollten im Weg waren. Schnell waren beide wieder auf den Beinen. „Das muss du dir irgendwie mal abgewöhnen.“ sagte Marc. Doch Gretchen war noch zu euphorisch, als das sie über die Peinlichkeit hätte nachdenken können.
Die nächsten Tage hörte Gretchen nichts mehr von Gigi und war ganz froh drüber. So tief der Verrat auch saß, so glücklich war sie doch, dass sie das wahre Gesicht von Gina Amsel gesehen hatte. Marc hatte da seine ganz eigene Herangehensweise. Er hatte Gigis Hotel in Erfahrung gebracht und ließ ihr ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk zukommen.
Gigi war immer noch enttäuscht, wütend und traurig über das Ausgehen ihres Besuches. Der Verlust von Gretchen war gar nicht so schlimm, aber dass die so einen Mann abbekam, fuchste sie bis ins Innere. Das Klopfen des Zimmerservice riss sie aus ihren Gedanken. Der Page brachte eine in Geschenkpapier gewickelte Pralinenschachtel. „Von einem geheimen Verehrer.“ prangte in großen Lettern auf dem Deckel. Schokolade! Das war jetzt genau das Richtige, was sie gebrauchen konnte. Und dann noch von einem Verehrer. Innerhalb einer halben Stunde hatte sie die ganze Schachtel geleert. Später auf dem Heimflug ging es ihr jedoch gar nicht gut. Plötzlich überkam sie ein seltsames Gefühl. Dieses führte sie auf die Toilette, wo sie auch den ganzen Flug auch nicht mehr runter kam, dem Abführmittel in der Schokolade sei dank.
Gretchen und Marc hatten sich wieder richtig versöhnt. Marc war zwar nicht der Vater, doch Gretchen wusste nicht, ob er überhaupt Kinder wollte. Sie waren erst wenige Wochen zusammen und schon beschäftigte sie sich mit so einer Frage. Er bemerkte dass sie etwas beschäftigte und sprach sie darauf an. „Ist alles in Ordnung?“
„Ja klar.“ wiegelte sie ab.
„Wirklich?“ ließ er nicht locker.
„Hmmmh...warst du glücklich nicht der Vater zu sein?“
Marc war überrascht, dass es das war worüber sie sich Sorgen machte.
„Natürlich war ich glücklich.“
Das bestätigte Gretchens Gedanken und sie wendete sich enttäuscht ab. Doch Marc durchschaute ihre Überlegungen. „Ich bin nur glücklich, weil es nicht die richtige Frau war, um Kinder zu bekommen.“ Gretchen glaubte ihren Ohren nicht zu trauen und musste lächeln, als sich ihr erschlossen, was die Worte zu bedeuten hatten.
„Und das heißt jetzt?“ fragte sie.
„Das heißt... Frau wir gehen jetzt Kinder machen.“ sagte er in eine Neanderthalerton, als könne er kein richtiges Hochdeutsch. In diesem Sinne packte er sie auch und legte

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